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Der sowjetrussische Delegierte Potemkin be­tonte die Entschlossenheit seines Landes, die Pflich­ten zu erfüllen, die die Satzung vorschreibe. Es sei eine einheitliche Aktion notwendig, um dem Streben nach kolonialer Ausdehnung eines Dölker- bundsmitgliedes, das die Unabhängigkeit und Un­versehrtheit eines anderen Völkerbundsmitgliedes bedrohe, entgegenzutrcten. Der Vertreter Haitis protestierte dagegen, daß der Feldzug in Abessinien als ein Kolonialkrieg betrachtet werde, der m e x i k a n i s che Vertreter betonte, daß Mexiko sich seinen Verpflichtungen als Völkerbundsmitglied nicht entziehen werde.

Der jugoslawische Delegierte erklärte im Namen der Kleinen Entente: Wir sind der Auffassung, daß es sich hier um die Anwendung des Paktes handelt. Ohne auf die Einzelheiten einzu­gehen, stellen wir fest, daß wir dem Pakt treu bleiben und seine Bestimmung gewissenhaft durchführen werden. Für die B a l k a n e n t e n t e erklärte der griechische Außenminister Maximos, daß sie dem Pakt treu bleiben und ihre darin ein­gegangenen Verpflichtungen vollständig und getreulich durchführen werde. Die Vertre­ter von Chile, Venezuela, Uruguay, Ecuador, Peru und Bolivien brachten übereinstimmend zum Aus­druck, daß unbeschadet der Freundschaft zu Italien der Pakt angewendet werden müsse, weil der Völkerbund eine neue Rechtsordnung geschaffen habe, die das Zeitalter der gewaltsamen Selbsthilfe abschließe.

Der Delegierte Abessiniens

Tekle Hawariate bat, angesichts des Angriffes, den Abessinien erdulde, schnell und wirksam zu handeln. Jede Verzögerung würde das internatio­nale Verbrechen unterstützen, dessen die italienische Regierung für schuldig befunden worden sei. Die Barbarei der modernen Kriegsmittel gegenüber einem mit veralteten Waffen ausgerüsteten Volk mache das Waffenausfuhrverbot nach Abessinien zu einer täglich größer werdenden Un­gerechtigkeit. Abessinien sei bereit, einen ehren­vollen Frieden abzuschließen. Es werde aber seine Unabhängigkeit und Unversehrtheit bis zum äußer­sten verteidigen.

Die Einsetzung des Derbindungsausschuffes.

Präsident B e n e s ch verlas nunmehr den von den skandinavischen Staaten und Polen ausgearbeiteten Entwurf zu einer Entschlie­ßung, die die Einsetzung eines sogenannten Verbindungsausschusses vorsieht. Die Entschlie­ßung lautet:

Die Versammlung nimmt Kenntnis von der Auffassung, die die Mitglieder des Rates in der Sitzung vom 7. Oktober 1935 ausgesprochen haben. Sie berücksichtigt d i e Verpflich­tungen, die den Mitgliedern des Völker­bundes auf Grund von Artikel 16 des Paktes obliegen, sowie die Zweckmäßig­keit der Herstellung einer Verbindung der Maßnahmen, die jedes Mit­glied zu treffen b e a b s i ch t i g e n sollte. Sie spricht demgemäß den Wunsch aus, daß die Völkerbundsmitglieder mit Ausnahme der Parteien einen Ausschuß bilden, dem f ür jedes Mitglied ein Delegierter mit Unterstützung von Sachverständigen ange­hört. Die Aufgabe des Komitees ist es, die Ver­bindung dieser Maßnahmen zu prüfen und zu erleichtern und gegebenenfalls den Rat oder die Versammlung auf jede Situation aufmerk­sam zu machen, die eine Prüfung erfordern sollte.

Baron A l o i s i erklärte, daß er gegen die Entschließung stimmen werde. Der Verbindungsaus­schuh könne nicht als ein Organ des Völkerbundes betrachtet werden. B e n e s ch schlug vor, alle Schwie­rigkeiten dadurch zu beseitigen, daß man nicht von einer Entschließung, sondern von einem Wunsch der Versammlung spreche. Der ungarische Delegierte und der ö st e r r e i ch i s ch e Vertreter erklärten, daß sie sich einer Stellungnahme enthal­ten. Hierauf wurde derWunsch" mit allen gegen eine Stimme bei zwei Stimmenthaltungen ange­nommen.

Der neue Ausschuß, an dem sich somit alle Mit­glieder des Völkerbundes beteiligen können, tritt morgen vormittag zusammen. Er wird alle Fragen, die nach den Beschlüssen der Völkerbundsorgane offen geblieben sind, selbständig zu regeln haben. Der englische Vertreter dürfte schon Freitag a l s erste Sanktionsmaßnahme beantragen, daß die Waffenausfuhrverbote einzelner Staaten, soweit sie Abessinien betreffen, a u f ge­hoben werden. Aus diesem Beschluß würde sich als weiterer Schritt die allgemeine Sperre der Waffenausfuhr nach Italien ergeben.

Reue Schwierigkeiten.

Zweifel an der Wirksamkeit wirtschaftlicher Sanktionen.

London, 11. Okt. (DNB. Funkspr.) Die grund­sätzliche Bestätigung der Sühnepolitik durch über 50 Völkerbundsstaaten wird von der führenden eng- lichen Presse mit großer Befriedigung verzeichnet und als Stärkung des Völkerbundsgedankens ange­sehen. Die Tatsache, daß sich der englische Stand­punkt bis zu dem jetzt erreichten Grade durchsetzen konnte, hat naturgemäß starken Eindruck heroor- gerufen. Gleichzeitig ist aber festzustellen, daß über die praktische Anwendung des Genfer Be­schlusses und seine Folgen noch wenig Klar­heit herrscht. Auch sind sich die Blätter noch nicht einig, ob sie sofort energische und weitgreifende Druckmittel oder ein gemäßigtes Vorgehen empfeh­len sollen.

Daily Telegraph" sagt, der Verbindungsausschuß stehe vor einer außerordentlich schwierigen Aufgabe. Er müsse Maßnahmen treffen, die zwar ein ernstes Hindernis für Italien seien, aber trotzdem den Handel der an den Sühnemaßnahmen beteiligten Länder nicht übermäßig schädigen, oder die gar einen kriegerischen Cha­rakter haben. Niemand in Genf glaube, daß sich alle diese Voraussetzungen erfüllen ließen. Wenn wirtschaftliche Sühnemaßnahmen in einer vernünf­tigen Zeitspanne wirken sollten, so müßten sie eben dergestalt sein, daß sie die gesamte normale Maschinerie der Wirtschaftsbeziehun- g e n zwischen den Ländern e r n st l i ch st ö r t e n. Man gebe zu, daß der Erfolg von Sühnemaßnah­men zweifelhaft sei, wenn sie nicht bis zu einer Blockade ausgedehnt würden.

Frankreich glaube, in 6 bis 8 Wochen könne es sich zeigen, daß alles ergebnislos gewesen sei. Auch die britische Regierung sei sich darüber klar. Dann werde sie jedoch einen neuen Auftrag vom Volke haben und in der französischen Regie-

Die griechische Nationalversammlung bereitet die Rückkehr Griechenlands zur Monarchie vor. Die republikanische Gtaatssorm abgeschafft. - Kondylis übernimmt als Ministerpräsideni die Regentschaft bis zur Volksabstimmung am 3. November.

Athen, 10. Off. (DRV.) Amtlich wird gemeldet: Die Führer der Armee haben Minister­präsident T s a l d a r i s mitgeteilt, daß die Armee die Rückkehr des Königs und die Wie­dereinsetzung der Monarchie verlange. Der Minislerrat beschloß darauf den Rücktritt der Regierung. Die Armeeführer haben Gene­ral Kondylis gebeten, die Regierung zu übernehmen. Kondylis Hal sich dazu bereit er­klärt. Das neue griechische Kabinett ist gebildet. Von den Ministern seien genannt: Mini­sterpräsident: General Kondylis; Vizepräsident und Außenminister: T h e o t o k i s ; Kriegsminister: General P a p a g o s ; Luflfahrtminister: General R i o l a i d e s ; Marineminister: Admiral Dus- manis; Innenminister: S ch i r n a s. Auch die Posten der Generalgouverneure in Maze­donien, Epirus, Thrazien und Kreta wurden neu beseht.

In einer Sondersitzung der Nationalversammlung am Donnerstagabend wurde die neue Regierung durch den Vizepräsidenten der Nationalversamm­lung, Athinogenis, vereidigt. Darauf wurde dem ehemaligen Ministerpräsidenten T s a l d a r i s das Wort erteilt, der die Erklärung abgab, daß er das gegenwärtig eingeschlaaene Verfahren nicht bil­lige, und darauf, gefolgt von einigen Freunden, die Kammer verließ. Der Führer der Partei der freien Meinung, Metaxas, erklärte, daß er der neuen Regierung seine Unterstützung geben werde. General Kondylis, der neue Mi­nisterpräsident, gab in seiner Regierungserklärung die Versicherung ab, daß die auswärtige Po­litik Griechenlands keine Aenderung er­fahren werde. Darauf wurde unter allgemeinem Beifall folgende Entschließung gefaßt:

Die 5. Rationalversammlung hat nach Anhörung und Billigung der Regierungserklärung beschlossen:

1. Die republikanische Staatsform wird a b g e f ch a f f t.

2. Die Volksabstimmung wird auf den 3. Rovember f e st gefetzt.

3. Bis zur Volksabstimmung wird der M i n i - sterpräsident die Regentschaft ausüben, und die Verfassungvon 1911

wird bis zur Abstimmung über die neue Ver­fassung vorläufig wieder in Kraft gesetzt.

Während der Sitzung der National-Dersammlung hatte sich vor der Kammer eine riesige Men­schenmenge angesammelt, die mit großer Span­nung auf die Beschlüsse der Versammlung wartete. Als diese bekannt gegeben wurden, erhob sich unbeschreiblicher Jubel. Besonders groß ist die Begeisterung beim Heer und bei den R o y a l i st e n. Alle Straßen der Hauptstadt sind voll von Menschen, die die neuen Ereignisse bespre­chen, und ihren Beifall kund tun. Ruhestörungen haben sich nicht ereignet. Die neue Regierung hat das Standrecht verhängt. Man erwartet einen baldigen Rücktritt des Staatspräsiden­ten. Der bisherige Außenminister Maximos wird Griechenland weiter in Genf vertreten.

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In Griechenland ist in den letzten Wochen immer stürmischer der Rus nach Wiederher st ellung der Monarchie laut geworden. Neuerdings hat sich nun das Militär in ganz anderem Umfange als msher eingemischt, womit eigentlich schon die besten Voraussetzungen für die Wiederherstellung des Königtums geschaffen worden sind. Wenn der Wunsch, die Republik in eine Monarchie umzuwan­deln, gerade jetzt in aller Dringlichkeit geltend ge­macht wird, so wirken die außenpolitischen Verhältnisse Griechenlands dabei unzweifel­haft mit. Griechenland hat schon einmal erlebt, wie es in den Wirbel eines Krieges hin­eingezogen wurde, obwohl es dem Strecke fernbleiben wollte. Wieder zieht im östlichen Mittel­meer Kriegsgewölk herauf, wieder kreisen rund um Griechenland die verschiedensten Flotten, außerdem wird der Griechenland östlich vorgelagerte Dode­kanes von Italien mit Macht in eine Kette von Festungen verwandelt, die Türkei sucht sich mili­tärisch zu sichern, kurzum, es herrscht eine Situation, die in jedem Griechen Angst und Sorge erweckt, ob man bei etwaigen militärischen Auseinander­setzungen ungeschoren bleibt. Schon die vorbeugenden Maßnahmen auf dem Gebiete der Lebensmittel­versorgung geben zu denken. Wenn unter diesen Umständen d i e Sehnsucht nach einer starken Spitze im Staate, nach einem Manne, der nur sich und seinem Vaterlande, nicht aber

irgendeiner Partei, verantworttich ist, wächst, dann ist das schon verständlich. Wenn es auch noch nicht sicher ist, ob König Georg dem Ruf der Armee folgen und aus dem Exil in feine Heimat zuruck- kehren wird, so ist es doch im Hinblick auf die gegenwärtige Stimmung sehr wahrscheinlich.

Prinz Georg von Griechenland wurde 1890 auf Schloß Tatoi als der älteste Sohn des damaligen Kronprinzen und späteren Königs Konstantin geboren. Er ist also heute 45 Jahre alt, seine Mut­ter war eine Schwester Kaiser Wilhelms II. Als das Ende des Weltkrieges in zahlreichen europäi­schen Staaten und Ländern ein ungeheures inner­politisches Chaos heraufbeschwor und die alten tra­ditionellen Formen zerbrach, als an allen Ecken und Enden die Brandfackel der sozialistischen Re­volution aufflammte, hatte König K o n st a n t i n schon längst mit dem damaligen Kronprinzen Georg seine Heimat verlassen und auf den Thron verzichtet. Im Jahre 1917 hatte die Entente dem König ein Ultimatum gestellt. Die Regierung über­nahm sein Sohn Alexander. Als dieser uner­wartet starb, wurde König Konstantin wieder zu­rückberufen, war aber nach dem unglücklichen Feld­zug in Klein-Asien im Jahre 1922 abermals ge­zwungen, dem Thron zu entsagen: sein Nachfolger wurde Prinz Georg. Aber auch er hatte kein Glück. Die Republikaner zwangen König Georg II. 1924 das Land zu verlassen. Griechenland war Re­publik geworden. Vergeblich bemühte sich der Ex­könig, der in der rumänischen Hauptstadt seine Zelte aufschlug, seine Rechte geltend zu machen. Ungehört verhallten seine Protestrufe. Seine repu­blikanischen Feinde ließen nichts unversucht, um ihn unschädlich zu machen. Sie scheuten nicht davor zu­rück, auf den König ein Revolverattentat verüben zu lassen. Georg II. entschloß sich, sich von seiner Frau, einer Schwester König Carols II. von Ru­mänien, zu trennen und seinen Wohnsitz nach Lon­don zu verlegen. Nun ist die innerpolitische Ent­wicklung in Griechenland soweit gediehen, daß im Volk die psychologische 'Grundlage für seine Rück­kehr gegeben ist. Das Land, das durch einen bluti­gen Bürgerkrieg so schwer heimgesucht wurde, er­hofft von der Wiedererrichtung der Monarchie die endgültige Befriedung und Festigung der inneren Verhältnisse und einen starken Schutz gegen alle Stürme von außen.

rung würden wahrscheinlich beträchtliche Aenderun- gen stattgefunden haben. Diesen beiden neuen R e- gierungen werde dann die Verantwortung der Entscheidung zufallen, ob der Völkerbund seine Unfähigkeit offen eingestehen müsse, wirksame Maßnahmen zur Beendigung des Krieges zu er­greifen, ober ob er z u entschiedeneren Maß­nahmen übergehen solle. Der Korrespondent meint, daß die italienische Regierung diese Lage erkenne und ihre Karten auf die Vermutung setze, daß weitere Maßnahmen niemals ergriffen wer­den. Wenn Mussolini überzeugt werden könnte, daß England und Frankreich entschlossen seien,diese An­gelegenheit zu Ende zu führen", dann würde er bald Friedensbedingungenen unterbreiten. Unglück­licherweise hätten aber die letzten Ereignisse in Genf auf die italienische Regierung überhaupt kei­nen Eindruck gemacht. Eine weitere Schwie­rigkeit ergebe sich aus etwaigen Entschädigungs­forderungen der finanziell schwachen Staaten, die sich an den Sühnemaßnahmen beteiligen. Man frage, wie Verluste abzuschätzen und die Entschädi­gungskosten unter den Sankttonsstaaten aufgu­te i l e n seien.

Die französischen Kreisen nahestehendeM o r - ning P o st" drückt die Hoffnung aus, daß man den Weg der Versöhnung gegenüber Italien ein­schlagen werde. Mit einem Hinweis auf das ab- lehnende Verhalten Oesterreichs und Ungarns be­zweifelt das Blatt die Wirksamkeit der geplanten Sühnemaßnahmen. Es fei immer noch zu hoffen, daß die mildere Methode gegen Italien an­gewandt werde, und daß die englischen Staats­männer keine Mühe sparen würden, den von La­val vorgeschlagenen Kurs zu befolgen. AuchDaily Mail" fordert eine freundliche Regelung mit Ita­lien. Der Völkerbund würde klug handeln, wenn er langsam vorginge und weitere Verhand­lungen ermöglichen würde. Die liberaleNews C h r o n i c I e" glaubt: Die einzige Maßnahme, den Krieg sofort abzustoppen, wäre eine fofortige Schließung des Suez-Kanals.

Die ersteSühnemaßnahme".

England verweigert Rundfunkübertragung einer Aloisi-Erklärung nach Amerika.

London, 11. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die Times" meldet aus Genf, England habe bereits die ersteSühnemaßnahme" gegen Italien angewandt, indem die britische Post- direktion sich geweigert habe, einen Rund­funk-Vortrag Baron Aloisis über die Behandlung des italienisch-abessinischen Streitfalles durch den Völkerbund nach Amerika zu über­mitteln. Der Vortrag sollte in Form einer Un­terredung mit einem amerikanischen Pressevertreter stattfinden, und über den amtlichen eng­lischen Sender in Rugby nach Amerika über­mittelt werden. Wenige Minuten vor dem Beginn des Vortrages sei der amerikanische Berichterstatter höflichst unterrichtet worden, daß keine Erklärungen Aloisis ober irgend eines anderen italienischen Spre­chers mehr über britische Linien übertragen werden können.

24 deutsche Mandate im Memelgebiet.

Memel, 10. Okt. (DNB.) Die Auszählung des Wahlergebnisses von Wieszen war am Donnerstagnachmittag beendet; die Stimmzettel wurden auf die einzelnen 187 Kandidaten verteilt. Es sind 37 263 gültige Stimmen abgegeben worden, davon entfallen auf die Einheitsliste mit 35 193 Stimmen etwas über 94 v. H. und auf die litauischen Listen mit 2070 Stimmen etwas über 5 v. H. Damit ist auch das noch fragliche Mandat zugunsten der Einheitsliste entschieden. Die Einheitsliste hat demnach jetzt

sicher 24 Mandate gegen fünf litau­ische.

Ungeachtet aller Vergünstigungen, die durch die Aenderung des Wahlgesetzes bei dieser Wahl aus­schließlich der litauischen Seite zugeflossen sind, hat die memelländische Einheitsliste einen überwälti­genden Sieg baoongetragen. Interessant ist die Feststellung, baß von ben fünf litauischen Abgeord- neten nur einer Memellänber ist, wäh- renb noch im brüten Landtag von den fünf litau­ischen Abgeordneten vier Memellänber wa­ren unb im letzten noch zwei. Jetzt ist also nur noch ein wirklicher Memellänber unter ben fünf litauischen Abgeorbneten, währenb bie übrigen vier aus Großlitauen eingemanbert finb. Welche Folgerung bie litauische Regierung aus bie» ser Wahl ziehen wirb, läßt sich noch nicht übersehen. Der Gouverneur des Memelgebietes, Kurkau -

s k a s, befindet sich seit drei Tagen in Kowno, offenbar um sich Anweisungen für die nun­mehr einzuschlagende Politik zu holen.

DerNeichsjugendführer an den Führer der Deutschen Burschenschaft.

Berlin, 10. Okt. (DNB.) Wie der Reichs- jugenbpreffebienft meldet, hat der Reichs­jugendführer an den Führer der Deutschen Burschenschaft, Rechtsanwalt Dr. G l a u n i n g (Berlin), folgendes Telegramm gesandt: Lieber Parteigenosse Glauning! Begeistert von dem Ent­schluß der Deutschen Burschenschaft, ihr Eigen­dasein aufzugeben, um in der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft als Kämpfer für eine Kamerad­schaft ohne Klassen weiterzuleben, grüße ich Sie und Ihre Kameraden im Namen der Hitler-Jugend. In treuer Kameradschaft Baldur von Schirach.

Wie sieht es in der Wirtschaft ans?

Während in anderen Industrieländern bie Zahl ber Arbeitslosen schon roieber bebenklich zu- zunehmen beginnt, hat sie sich in Deutschland) tm Monat September nur um 7000 auf insgesamt 1,71 Millionen erhöht. In Landwirtschaft unb Bau­gewerbe läßt sich bisher keine jahreszeitliche Ab­schwächung der Konjunktur erkennen. In ben von ber Saison unabhängigen Jnbustriezweigen aber, insbesondere also in ber Eisen- unb Metallerzeugung unb -Verarbeitung, konnte ber erreichte hohe Be- schäftigungsstanb voll behauptet werben. Besonders günstig hat sich ber Arbeitsmarkt in ben ö st - lichen Provinzen entwickelt. An einzelnen Jnbustriezweigen machen sich bie Auftriebstenbenzen besonbers lebhaft geltenb. So berichtet z. B. die Siegerländer Industrie über eine so starke Nachfrage nach Feinblechen, daß bie Werke vielfach längere ßieferfriften von ben Auftraggebern verlangen mußten. Namentlich ber Bebarf an Karosserie- unb sonstigen Qualitätsblechen ist un­gewöhnlich groß, unb auf biesem Gebiete finb auch in erheblichem Umfange Auslanbsaufträge eingegangen. Die Maschinenfabriken finb stetig unb gut beschäftigt. Sie können baher auch bie Eisengießereien mit Aufträgen reichlich versorgen, so daß diese gleichfalls eine recht befrie­digende Konjunktur haben. Bei ber Solinger Schneibewareninbustrie hat ber Beginn bes Eingangs ber Weihnachtsaufträge zu einer Probuktions- unb Umsatzsteigerung geführt. Aus- gehenb von ben auf ber Leipziger Messe erzielten Verkaufserfolgen hat sich auch das Auslands­geschäft der Solinger Stahlwarenfabriken belebt. Allerdings find die im Auslande erzielten Preise meist unbefriedigend. Die gesteigerte Umsatztätigkeit der verarbeitenden Industrien ruft auch bei ber Montaninbustrie weitere Absatzsteigerungen hervor. So ist bei ben Vereinigten Stahlwerken bie Kohlenförberung in bem Vierteljahr Juli September 1935 um runb 300 000 auf 4,98 Millio­nen Tonnen, bie Kokserzeugung um runb 107 000 auf 1,64 Millionen Tonnen, bie Roheifenprobukte um fast 200 000 auf runb 1,33 Millionen Tonnen unb bie Rohstahlgewinnung um runb 180 000 auf 1,45 Millionen Tonnen gestiegen, Namentlich die deutsche Rohstahlerzeugung weist einen seit langen Jahren nicht erreichten Höchststand auf.

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lieber bie Leistungssteigerungen ber Lanb­wirtschaft hat ber Reichsbauernführer Darrs anläßlich des Erntebankfestes bemerkenswerte Mit­teilungen gemacht. Trotz einer nur mittleren Ernte unb einer nur sehr geringen Getreibeeinfuhr sei es gelungen, ben Brotpreis des deutschen Volkes stabil zu erhalten. Die Kartoffelpreise seien sogar gesenkt worden. Im September hat sich in­folge reichlicherer Regenmengen ber Stand ber Hackfrüchte und auch ber Futterpflanzen noch wesentlich gebessert. Die Spätkartoffel­

ernte wirb daher etwas besser als die vorjährige ausfallen, und der Stand der Wiesen und Vieh­weiden wird bedeutend günftiger als im vorigen Jahre beurteilt. Was aber diejenigen Lebensmittel­preise anbetrifft, die teils infolge von Frostschäden, teils infolge zeitweiliger Futternöte eine Erhöhung erfahren mußten, so verwies der Reichsernährungs- minifter auf die bereits eingeleiteten wirksamen Maßnahmen der Reichsregierung, durch die die Preissteigerungen sehr bald zurückgedrängt werden dürften. Er zog einen Vergleich zwischen diesen Preiserhöhungen innerhalb eines kleinen Sektors des deutschen Lebensmittelmarktes und den sehr viel größeren Preissteigerungen in anderen Län­dern, die über unbeschränkten Raum verfügen und nicht durch Devisenknappheit eingeengt sind. Wenn man alles das berücksichtigt, so wird man die Er­folge des nationalsozialistischen Wirtschaftsprinzips richtig zu würdigen wissen.

In der deutschen Jndusttie sind in der letzten Woche einige interessante Umgliederungen und Aus­baupläne in Angriff genommen worden. Die Elektrische Licht- und Kraftanlagen- A G. in Berlin, die ber Siemensgruppe angeschlos­sen ist, unb bie erst kürzlich bie Kachelfabrikation von Cassirer übernahm, hat nunmehr auch bie Aktienmehrheit ber Heliowattwerke in Ber­lin erworben. Beibe Unternehmungen sollen zwar ihre Selbständigkeit behalten, werden sich natürlich aber in das Fabrikationsprogramm des Siemens­konzerns eingliedern müssen. Die Gesellschaft für elektrische Unternehmungen Ludwig Loewe AG. steht im Begriff, ein großes Aktienpaket der H i r f ch Kupfer- unb Mes­si n g w e r k e aus auslänbischem Besitz zu erwer­ben. Sie wirb auf biefe Weise ihre Rohstoffversor­gung auf eine breitere Grunblage stellen können. Schließlich haben bie Ruhrgas-AG. in Essen unb bie Thyssenschen Gas- unb Wasser­werke in Duisburg-Hamborn auf neue Derhanb- lungen mit ben linksrheinischen Kommunen über eine Verlängerung ber Ferngasleitung von Köln nach Koblenz ausgenommen. Diese Leitung, bie zu­nächst bie Belieferung bes ganzen linksrheinischen Gebiets mit Ruhrferngas unb Aachener Ferngas ermöglicht, soll später weiter nach Sübbeutschland verlängert unb auch mit ber Saargasleitung Der- bunben werben.

Um zuverlässige Unterlagen für eine Bemessung bes Ausnutzungsgrabes der Betriebsanlagen in der deutschen Zementindustrie zu gewinnen, hat das Reichswirtschaftsministerium die Veranstaltung einer ©onberenquete angeordnet. Ihre Ergebnisse bedeuten insofern eine Ueberraschung, als sie eine bie Schätzungen erheblich übersteigende Lei« stungsfähigkeit der deutschen Zementindufttie nach« weisen. Diese wird nämlich auf 15 bis 16 Millio«