e r u f der
bereits ver
nommen waren.
befahl der Polizei-
Emil kam herein, war außer Atem.
(Schluß.)
36. Kapitel.
„Den Knecht Emil Perschke!" direktor.
Der Gendarm ging hinaus. Er schien schnell gelaufen und
Die außerordentlich starke Entwicklung der Industrie und nicht zuletzt der Weltkrieg mit seinen Nachkriegswirkungen führten dazu, daß sich die Frau immer mehr und mehr dem hauswirtschastlichen Beruf abwandte und in den Fabriken und Büros ihren Einzug hielt. Das führte naturgemäß zu einer unerfreulichen Entwicklung. Die weibliche Arbeitskraft wurde dazu durchweg billiger bezahlt und das trug wiederum dazu bei, daß sich die Arbeitslosigkeit der Männer weiter erhöhte. Wenn dann im marxistischen Zeitalter schon einmal eine heirat zustande kam, dann durchweg nur auf dem Boden der „kinderlosen" Ehe, weil der Beruf der Frau es nicht erlaubte, Kinder zu erziehen. Die Folgen dieser sozialen, wirtschaftlichen und bevölkerungspolitischen Entwicklung waren für Deutschland katastrophal. Die Geburten gingen immer mehr zurück und Hausgehilfinnen waren kaum noch zu haben.
Der nationalsozialistische Staat hat es in den letzten zwei Jahren übernommen, diesem Mangel an Hausgehilfinnen abzuhelfen. Das Soziale Amt der Reichsjugendführung, das Jugendamt der Deutschen Arbeitsfront und die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung haben Maßnahmen getroffen, um
mich in Angersbach bei Lauterbach auf und horte von der Bevölkerung, daß hinten weit im Hamich (Berg in der Nähe von Lauterbach) sich Köhler aufhielten und dort ihrem uralten Handwerksbrauch nachgingen.
Köhler! Schwarze Gesichter, in Wind und Wetter, in freier Natur! So ein Leben einmal schildern können! Gedacht, getan! Ich zog in aller Frühe zu ihnen hin und verbrachte eine feine Stunde mit ihnen, nach deren Verlauf ich so viel wußte, wie ich wissen wollte.
Der 4. Mai kam heran. Die Kreisgruppe Gießen des RDR. hatte einige Mitglieder des Stadttheaters unter Führung von Paul Nieren als Ansager zur Mitwirkung für einen Bunten Abend gewonnen, in dessen ersten Teil der Kreis-Sprecher- wettbewerb stieg. Nach den Bestimmungen der Reichswettkampfleituna sollte das anwesende Publikum Schiedsrichter sein. Die Sprecher waren zunächst alle in einem Nebenzimmer des Stadttheaters versammelt und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Schnell warf man einen verstohlenen Blick in das Sendezimmer; da standen aber nur in nüchterner Einsamkeit ein Mikrophon, eine Uhr und die Lampen zur Kontrolle des Beginns und des Endes einer Sendung.
Die Wettbewerber waren alle in erhöhter Stimmung. War es doch das erste Mal, daß sie vor einer größeren Menge durch das Mikrophon sprechen dursten. Der Sprecher stand für das Publikum unsichtbar: er wurde unter einer ausgelosten Nummer zum Sprechen aufgerufen. Das Publikum kannte also den Namen des jeweiligen Sprechers nicht.
Endlich stand auch ich allein in der Sendezelle mit dem wundersamen Kästlein vor mir im Ring. Die rote Lampe leuchtete auf, ich mußte beginnen.
Sommernacht über dem Lande. Die Luft ist erfüllt von Duft und Mondesglanz. Die Sterne stehen hoch und hell an dem samtenen Himmel. Der Mond wandert schweigend. Er gießt sein Licht über die Welt. Er erleuchtet die Gesichter dieser vier Menschen, deren Gläser jetzt hell ane*nanber= klingen.
„Auf das Glück!" ruft Eckehard.
„Auf den Glauben der Liebe!" sagte der junge Vikar. Seine Stimme ist erfüllt von Dankbarkeit und einer Demut gegenüber dem Geschick, das über allen Menschen waltet. Demut und Dank sind auch im Herzen Barbaras.
Eine ganz kleine Wolke ist durch den vlausam« tenen Himmel geschwebt und verhüllt einen Augenblick das volle Licht des Mondes. Barbara und Eckehard sehen es schweigend. Diese kleine Wolke, sie ist ihnen wie das Symbol des Dunkels, das so lange über ihnen beiden gelegen hat. Aber schon ist die Wolke verschwunden, wie aufgesogen von dem strahlenden Licht des Mondes. Er strahlt nun in vollem Glanz über ihnen, die im Licht des Glückes stehen.
nicht -richtig bewirtschaften kany. Wir werden sie schon soweit bekommen, daß sie verkauft. Dann werden wir drei das Gut billig erwerben können. Wenn wir nicht schnell vorankommen, helfen wir mit einem kleinen Feuer nach. Carliczek macht seine Sache sehr gut und wird uns weiterhelfen. Er hat ja auch genug Geld dafür geschluckt. Die dumme Pute, die Frau von Tsch., glaubt immer noch, daß sie das Gut für ihren Neffen kriegen kann. Sie weiß nicht, daß wir ganz andere Ziele verfolgen. Aber wir berichten ihr vorläufig noch alles, was ich für richtig befinde. Dann glaubt sie, daß ich an einem Strang mit ihr ziehe. Um die Zuchtstute hat es mir auch leid getan. Aber es hilft nichts. Ehe Frau St. nicht einsieht, daß sie nichts machen kann, kriegen wir sie von hier nicht fort. Jetzt werden wir noch mit einem kleinen Einbruch in die Kasse nachhelfen. Man darf die Aufregung nicht vergehen lassen, damit hier allen, die nicht hierhergehören, der Boden recht heiß wird. Wenn wir drei erst das Gut haben, ist bis an unser Lebensende für uns gesorgt. Dein R."
Eine Stille des Entsetzens lag im Raum. Man hörte deutlich das Rascheln, mit dem der Polizeidirektor das Papier zusammenfaltete. Nun sagte er:
„Oberinspektor Rockesch und Melker Carliczek, Sie sind beide durch diesen Brief überführt! Gendarm, bringen Sie die Leute zum Wagen, damit wir sie ins Gefängnis einliefern können. — Herr von Mackenroth, ich stehe nicht an, Sie wegen des fälschlichen Verdachts gegen Ihre Person um Entschuldigung zu bitten."
„Hurra!" schrie Emil und warf seine Mütze gegen die Decke.
„Willst du den Mund halten, du unverschämter Bengel", fuhr Mackenroth ihn an. Aber seine Augen lachten dabei.
In diesem Augenblick öffnete sich die Tür zu der Rentmeistereistube. Sehr bleich, aber mit entschlossenen Augen stand Barbara in der Tür. Fassungslos starrte alles auf sie. Sie sah sich um. Ihre Augen trafen auf Mackenroths fragendes, erschüttertes Gesicht.
Sie nickte ihm zu, als wollte sie sagen: Sei nur still. Ich bin dein guter Kamerad.
Laut sagte sie:
„Herr Polizeidirektor, ich höre soeben von meinen Leuten drüben, was sich hier abspielt, daß man Herrn von Mackenroth einer unehrenhaften Hano- lung verdächtigt. Ich weiß nicht, was man He-rn von Mackenroth vorwirft, aber ich bürge mit meiner ganzen Person für ihn!"
Ein unterdrückter Jubellaut brach aus Eckehards Seele. Wieder leuchteten Barbaras Augen auf. Sie ging zu Eckehard, legte ihre Hand in die feine:
„Herr Polizeidirektor, wenn Sie Herrn von Mackenroth verhaften wollen, dann bitte mich auch. Er ist mein Verlobter — was ihn trifft, trage ich mit."
Eckehard stand wie in einem Traum. Er konnte nichts sagen. Er konnte nichts denken. Er fühlte nur Barbaras geliebte Hand in der feinen, sah ihr Gesicht voll entschlossener Liebe ihm zugewandt.
Der Polizeidirektor verbeugte sich devot:
„Der Verdacht gegen Herrn von Mackenroth ist bereits entkräftet, gnädige Frau. Wir haben die
Achtung! Ausnahme!
Erlebtes vom Rundfunksprecher-Wettbewerb
Bon August Philipp, Gießen.
„Nun erzählen Sie uns einmal, was Sie in der ganzen Angelegenheit wissen, Perschke."
Emil berichtete von der rätselhaften Erkrankung der Zuchtstute und von der Meldung an Mackenroth.
„Passen Sie einmal genau auf, Perschke! Haben Sie irgendwie bemerkt, daß sich Herr von Mackenroth auffälligerweise in den Viehställen zu schaffen machte. Können Sie sich denken, daß er schuld sein kann an der Erkrankung und dem Tode der Sjute?"
„Wie denn, der Herr von Mackenroth?" fragte Emil. Er war ganz verwirrt. Was war denn das? Man beschuldigte Mackenroth. Das war doch zu verrückt. Hilfeflehend sah er von dem Po- lizeidirektor zu dem Kommissar und dann weiter
wahren Täter. Darf ich mir gestatten, Ihnen und Ihrem Verlobten meine herzlichsten Gruckwüickche auszusprechen."
Die Sterne standen groß und leuchtend über dem Park von Schedlowitz. Im Fliedergebüsch am Fluß sangen und schluchzten die Nachtigallen. Sie sangen, wie sie seit Jahrhunderten gesungen, diese kleinen Sängerinnen der Liebe und Sehnsucht.
Eckehard und Barbara saßen auf der HeUen Bank am Flusse eng umschlungen. Das Lied der kleinen Nachtigall floß durch ihre glücklichen Seelen und wurde von ihnen verstanden, wie seit Jahrhunderten liebende junge Menschen es ver- standen haben. Sie sprachen nicht viel — sie hielten sich eng umschlungen. Immer wieder be- sigelten ihre Lippen in heißem Kusse das Gelöbnis ihrer Seelen.
Jetzt richtete sich Barbara verwirrt auf.
„Hör doch. Liebster — man ruft uns."
„Schade", sagte Eckehard mit einem Seufzer. „Ich habe Jahre um Jahre gedurstet nach deinen Zärtlichkeiten — nach deiner Liebe. Mir ist, als könnte ich mich nicht satt trinken."
Da streichelte Barbara ihn mit einer beinah mütterlichen Gebärde die erhitzte Stirn.
„Du törichter Junge!" Glück schwang in ihrer dunklen Stimme. „Wer wird so unersättlich fein? Wir haben ja Jahre vor uns — Jahre des Glücks. Und in ihnen kannst du mir immer wieder sagen, daß du mich liebst. Jetzt wollen wir aber gehen. Magdalena ruft schon wieder. Sonst wird die Erdbeerbowle noch warm."
Eng umschlungen gingen sie durch den Park dorthin, wo auf der Terrasse unter einer sanft leuchtenden Lampe der Tisch bereit war. Auf der Terrasse standen Hand in Hand Günter Baumert und Magdalena. Die beiden hatten sich ausgesprochen und gefunden. Es war für Magdalena das höchste Glück, daß an ihrem Verlobungstage das Glück auch zu Barbara und Eckehard gekommen war.
in die Runde. Er sah Eckehards erloschenes Gesicht — die tiefe Verzweiflung in feinen Zügen. Er sah Rockeschs undurchdringliche Miene. Er sah die Reihe der Knechte an der Wand, die
Wamin verkennst du mich, Barbara?
Roman von Liane Sanden.
Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.)
viel wesensverwandter ist.
Das hauswirtschaftliche Jahr für Mädchen, welches vor Jahresfrist von der Reichsregierung ins Leben gerufen wurde, hat sich bisher als segensreiche Einrichtung erwiesen. Jrn hauswirtschastlichen Jahr werden bekanntlich schulentlassene Mädchen durch die Hausfrau einer beruflichen Ausbildung unterzogen. Die Mädchen werden in einer Art Treueverhältnis schlicht um schlicht ausgenommen und arbeiten dann unter der mütterlichen Obhut der Hausfrau. Erfreulicherweise ist es heute so, daß der Sinn des hauswirtschastlichen Jahres für Mädchen von unserer heutigen weiblichen Jugend klar erkannt wurde. Bei den Arbeitsämtern sind daher durchweg genügend junge schulentlassene Mädchen vorgemerkt, die in einem Haushalt ihr „hauswirtschaftliches Jahr abdienen" möchten.
Durch diese vorgemerkten jungen Mädchen wird zwar der Mangel an Hausgehilfinnen auch in unserer Stadt nicht behoben. Trotzdem sollten ruhig viele Hausfrauen einmal ein junges schulentlassenes Mädchen zur Erlernung des Haushalts aufnehmen. Nach den Ergebnissen der letzten Berufszählung gab es nur 1 3 5 0 Hausangestellte in der Stadt r ' ’hn. Das sind im Vergleich zur
Da auf einmal wurde sein Blick starr. Mit zwei Schritten war er vorwärts, stand vor dem Melker, packte mit einem eisernen Griff dessen Joppe.
Ein ungeheurer Tumult brach aus. Der Polizei- bireftor war aufgesprungen. Die Gendarmen wollten sich auf Emil stürzen. Mit einem Wutlaut versuchte der Melker, sich aus Emils Händen zu befreien. Ein Knirschen, ein Reißen, wie man Stosse zerreißt — und mitten in den Tumult hinein schrie Emils helle Jungenstimme:
„Der ist's gewesen, Herr Polizeidirektor. Der uriö kein anderer."
Rechts und links stieß Emil die Leute beiseite, war mit einem Sprung über eine Bank hinweg wieder am Tisch, hinter dem noch immer der Polizeidirektor fassungslos stand.
Emil legte ein ausgerissenes Stück Joppenstoff auf den Tisch — ein halber Hornknopf war darauf angenäht. Nun zog Emil aus seiner Tasche etwas, wickelte es aus:
„Den hab' ich in der Streu am Futterplatz der Liese gefunden. Das ist die andere Hälfte des Knopfes, Herr Polizeidirektor!" sagte er, und seine Stimme schnappte vor Aufregung über.
Noch fassungslos sah der Polizeidirektor auf die Beweisstücke vor ihm. Es war fein Zweifel. Das Stück Stoff zeigte einen halben Hornknopf voll hellgelber Farbe mit zwei Rillen, daneben lag die andere Hälfte, die haargenau dazu paßte.
Von hinten aus dem Zimmer kam ein Aufbrüllen, ein Poltern — ein Krachen. Der Melker hatte die Bank, von der alle aufgesprungen waren, um- gestoßen und versuchte jetzt, rechts und links um sich schlagend, das Freie zu gewinnen. Doch die beiden Gendarmen faßten zu und hielten den Tobenden fest.
„Fesseln!" rief der Polizeidirektor mit scharfer Stimme. Alles umdrängte den Melker, um dessen Handgelenke sich jetzt das schmale Eisen schloß.
In der allgemeinen Aufregung versuchte Rockesch, hinter den Menschen den Ausgang zu gewinnen. Aber Emil Perschke, der jede Bewegung des Oberinspektors beobachtet hatte, stellte sich blitzschnell vor die Tür, drehte den Schlüssel herum.
„Auskneifen ist hier nicht", sagte er und duckte sich. Denn die Faust des Oberinspektors hatte sich schon gehoben. Blitzschnell war Emil an dem Mann vorbei und neben Eckehard.
Der Polizeidirektor war geradezu verwirrt. Das lief ja alles anders, wie er es geglaubt hatte. Aber das half nichts. Gesetz war Gesetz. Wenn dieser Mann zu Unrecht beschuldigt und der andere der Täter war, mußte man den andern festnehmen.
„Ick bitte, in der Kammer des Melkers nachsehen zu lassen. Ich habe den dringenden Verdacht, daß sich dort ein Nachweis findet, daß die von Emil gefundene Tüte, die der Junge mir übergeben hat, von dem Melker beiseite geschafft wurde. Ich habe mir den Diebstahl aus meinem Schreibtisch gar nicht erklären können, glaube aber nun, daß der Melker seine Hand im Spiele gehabt hat."
Der Polizeidirektor nickte und sagte:
„Herr Oberinspektor Rockesch, ich muß Sie bitten, hierzubleiben. Ihr Verhalten läßt mich auf die Vermutung kommen, daß Sie irgendwie in diese Geschichte verwickelt sind. — Gendarm, nehmen Sie Herrn von Mackenroth die Fesseln ab! Herr von Mackenroth, ich muß Sie aber bitten, noch hierzubleiben, bis die ganze Angelegenheit irgendwie geklärt ist."
Mackenroth nickte. Er war wie befreit. Nun mußte ja alles klarwerden.
Mit tückischem Gesicht saß der Melker gefesselt in einer Ecke, neben ihm, von den Gendarmen bewacht, Oberinspektor Rockesch.
In fieberhafter Spannung wartete alles auf die Rückkehr des Polizeikommiffars, den der Polizeidirektor zur Untersuchung in die Kammer des Melkers geschickt hatte.
Niemand von den Anwesenden hatte sich entfernen dürfen. Es war, als ob alle den Atem hier anhielten. Schon nach zehn Minuten kam der Kommissar zurück. In die atemlose Stille hinein erstattete er seine Meldung.
»Herr Polizeidirektor, ich habe in dem Kleiderkasten des Melkers gefunden: Die Tüte mit dem Giftrest und dann einen Brief des Oberinspektors Rockesch an irgendeine unbekannte Persönlichkeit in Prag. Hier ist der Bries. Offenbar sollte der Melker den Brief weiterbefördern."
Rockeschs Gesicht wurde käsig weiß, als der Polizeidirektor nun laut las:
„Lieber Freund! Alles geht gut. Den M. werden wir hier bald 'raushaben. Und Frau St. wird bald einsehen, daß sie hier auf die Dauer ihr Gut
schmal sind, ist ihnen also die Benutzung der Fahrbahn zu gestatten. Voraussetzung dafür ist aber, daß unbedingte Ordnung, Geschlosfenheit des Verbandes und straffe Führung gewährleistet ist Die Vor- rechte aus § 32 der Reichsstraßenoerkehrsordnung (Verbot des Durchfahrens dzw. Unterbrechens mar- fchierender Kolonnen ufw.) stehen den Radfahrver- einen jedoch nur zu, wenn die sonstigen Voraussetzungen vorliegen. _
-"Straßensperrung. Wegen Vornahme von Straßenbauarbeiten wird die Wegeftrecke zwischen Dutenhofen und Klein-Linden, und zwar von Kilometer 8,3 bis 8,9 — 70 im Zuge der Reichs- straße Wetzlar—Gießen für die Zett vom 9. Juli bis zum 21. Juli 1935 für jeglichen Verkehr poli- zeilich gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Garben- heim—Dorlar—Atzbach—Heuchelheim.
** Verwendet deutsche Ob st safte zu Limonaden. Der Reichskommifsar für Preis- Überwachung teilt mit: Die Einfuhrpreise für tta- lienische Zitronen sind in der Zeit von Ende Mai bis Anfang Juli von 42 auf 95 Lire je Kiste gestiegen. Als Grund für diese Steigerung wird der geringe Ernteertrag in Italien sowie der starke Bedarf der italienischen Armee angegeben. Trotz der Maßnahmen der Preisüberwachungsstellen ist hiernach eine Preissteigerung der Zitronen auf den deutschen Märkten unvermeidlich gewesen. An die Verwendung deutscher Obstsäfte zur Limonadenherstellung und deutschen Weinessigs zur Salatzubereitung wird erinnert. Deutsche Fruchtsäfte und deutscher Weinessig stehen reichlich zu billigen Preisen zur Verfügung.
versitätssportplatz am Kugelberg. — Stadttheater: 20 Uhr Gastspiel des Schumann-Theaters (NSG. „Kraft durch Freude"). — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Liebe dumme Mama". — Cafe Leib: 20.30 Uhr Gastspiel des ^aubermeiftere Bellachini. — Bergschenke: Künftlerkonzert.
** I u st i z p e r s o n a l i e n. Der Kanzleiassistent auf Probe bei dem Landgericht Gießen, Versorgungsanwärter Konrad Koch wurde mit Wirkung vom 1. April 1935 zum Kanzleiasfistenten bei diesem Gericht ernannt Der Kriminaloberinspektor bei der Staatsanwaltschaft Gießen, Ludwig Philipp, wurde auf feinen Antrag mit Wirkung vom 1. Juli 1935 in den dauernden Ruhestand versetzt. Der Strafanstaltsoberwachtmeister auf Probe bei dem Landeszuchthaus Marienfchloß, Versorgungsanwärter Johann Dinselbacher wurde mit Wirkung vom 1. April zum Strafanstaltsoberwachtmeister am Landeszuchthaus ernannt. Ferner wurde der Hilfsaufseher beim Landeszuchthaus Philipp Wilhelm Ferdinand Ewald zum Strafanstaltsoberwacht- meifter, ebenfalls mit Wirkung vom 1. April, ernannt.
** Radfahrvereine dürfen zu Zweit nebeneinander fahren. In einer Verfügung an die Landesregierungen teilt laut „Wandelhalle" Reichsinnenminister Dr. Frick mit, daß er keine Bedenken dagegen hat, wenn Radfahrvereine auf Wanderfahrten unter einheitlicher Führung in geschlossenen Verbänden zu Zweit nebeneinanderfahren. Sie sind in diesem Falle als marschierende Abteilungen anzusehen. Falls die Radfahrwege zu
Rundfunksprecher-Wettbewerb! Ich las das Wort in einer Zeitung, in der auch die Aufforderung stand, daß die, die Luft hätten, daran teilzunehmen, sich baldigst melden sollten. Sollte ich's wagen? Ach! natürlich! Man ist jung, man hat Witz, Lust, Schwung. Warum also nicht? Eine Postkarte mit meiner Anmeldung lag bald in einem Briefkasten. Schicksal, nimm deinen Lauf!
Ein paar Tage später halte ich ein Schreiben in der Hand mit dem Absender der Wettbewerbsleitung der Kreisgruppe Gießen. Darin: die Aufforderung zum Probesprechen im Stadttheater in Gießen. Schmierenkomödianten und Volksreder mit entgleistem Pathos sollten nämlich vom Wettbewerb von vornherein ausgeschlossen fein. „Das deutsche Volk erwartet und verlangt", hieß es in der Ausschreibung für das ganze Reich, „daß feine Rundfunksprecher natürlich und aufrichtig sprechen, liebenswürdig und fesselnd, mitreißend und begeisternd." Dieses Probesprechen ging gut und acht Tage später, am 4. Mai, sollte vor dem Gießener Publikum der Kreisausscheidungskampf vor sich gehen.
Die Reichsleitung und der Reichsverband Deutscher Rundfunkteilnehmer hatten die Wahl unter drei Gruppen von Themen zugelassen:
1. Aufgabe: Funkbericht über ein politisches Ereignis, eine Kundgebung der SA. oder SS., der Partei ober der Arbeitsfront.
2. Aufgabe: Funkbericht über ein Volksfest, ein Ereignis aus dem Leben des Arbeiters, des Bauern, des Handwerkers, altes Brauchtum, deutsche Landschaft.
3. Aufgabe: Funkbericht von sportlichen Kämpfen, einem technischen Ereignis oder modernen technischen Bauten.
Welches Thema sollte ich wählen? Der Zufall kam mir zu Hilfe, lieber die Dfterfeiertage hielt ich
rommt, während die Frau am Saalemgang er« scheint, er zerreißt Zeitungen und macht sie wieder ganz, kurzum: er hält fein Publikum im Banne der Zauberei. Hebung ist alles, auch die schwebende Dame, die nur auf einem Schwert als Nackenstütze in horizontaler Lage einige Minuten verharrt. Wie der Anfang fo ist auch das Ende der Veranstaltung spannend, wenn Bellachini durch ein Blu- menmärchen aus 1001 Nacht eine Fata Morgana dem Publikum auf die Bühne zaubert, wofür ihn noch einmal anhaltender Beifall belohnt.
Ebenso dankbar wie die Großen waren aber auch die Kinder am Nachmittag, die mit großen Augen und erstaunten Blicken dem Zauberspiel des großen Könners folgten. Manch überlauter Ausdruck des Erstaunens und nachhaltiger Beifall bewiesen, daß auch ihnen die wenigen Stunden ein großes Vergnügen bereiteten.
Auf sieben Gießener Haushaltungen kommt eine HauSange eilte.
Versicherung haben Maßnahmen gei schnellstens Mädchen für den B Hausgehilfin auszubilden. Sehr viele Jungarbeiterinnen wurden durch den von der Reichsregierung eingeführten Arbeitsplatzaustausch aus den Fabriken heraus gezogen und einer Arbeit zugeführt, die ihnen als Mädchen
Einwohnerzahl und zu der Zahl der rund 9450 Haushaltungen unserer Stadt viel zu wenig Hausangestellte. Stellen wir einmal die Zahl der Haushaltungen der Zahl der Hausangestellten gegenüber, so erhalten wir im Durchschnitt auf 7 Gießner Haushaltungen eine Hausangestellte. Dabei konnte aber die Nachfrage nach Hausangestellten in unserer Stadt zu einer Verdoppelung der Hausgehilfinnen fU3mnnationalfo3iaIifti|cf|en Staat soll di- Frau des Mannes wieder in erster Linie Hausfrau und Mutter fein und nicht wie in früheren Jahren Die Arbeitskameradin. Es ist dabei eine alte Tatsache, daß ehemalige Hausangestellte später immer die besten Hausfrauen abgeben. Jedes junge deutsche Mädchen sollte deshalb einmal eine Zeit lang in einer Stellung Haushaltsarbeit verrichten.
Nie Türkenbundlilie b-üht
In den Wäldern der Umgebung Gießens blüht im Juni und Juli an einigen lichten Stellen die zu der Familie der Liliengewächse gehörige Türkenbundlilie (Lilium Martagon). Diese Pflanze trifft man bei uns nicht allzuoft an und in einem großen Teile unseres Vaterlandes, in Nordwest- deutschland bis Pommern, ist sie überhaupt nicht zu finden. Die Türkenbundlilie gehört zu den in Deutschland durch Gesetz geschützten Pflanzen. Aber dennoch wird sie wegen ihrer eigenartigen Blüten häufig ausgegraben und in Gärten verpflanzt.
Vor der Blütezeit ist die krauttge oft bis ein Meter hohe Pflanze an den elliptischen in Wirteln stehenden Blättern zu erkennen. Die fleischfarbenen bis braunpurpurnen innen dunkler punktierten Blüten stehen in endständigen lockeren, nickenden Trauben. Die sechs Blütenblätter sind kurz nach dem Aufblühen gerade gestreckt und rollen sich später nach außen zum Blütenstiel zurück, so daß die Einzelblüten ein eigenartiges Aussehen erhalten, das dem eines Turbans nicht unähnlich ist, und Dem diese Überaus reizende Pflanze auch ihren Namen verdankt. Die Türkenbundlilie ist eine Nachtfalterblume und der Duft, der ihr zur Anlockung Der Infekten entströmt, roirD in Der Nacht so stark, Daß er Den Menschen unangenehm wird. Aber nur solche Blütenbesucher können von dem Honig naschen, die im Schweben saugen können, da die Blüte keinen Rast- und Anflugplatz bietet.
Gießener Wochen Marktpreise.
* Gießen, 11. Juli. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkte: Molkereibutter, das Pfund 150 bis 155, Landbutter 140 bis 142, Matte 20 bis 25, Käse 5 bis 10, Eier (inländische) 9 bis 10, Wirsing (grün) 12 bis 15, Weißkraut 12 bis 15, Gelbe Rüben, Das Bündel 8 bis 10, das Pfund 15, Rote Rüben 10 bis 15, Spinat 15 bis 20, Römifchkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 35 bis 40, (gelb) 40, Puffbohnen 15 bis 18, Erbsen 15 bis 20, Mischgemüse 8 bis 10, Tomaten 30 bis 60, Zwiebeln, das Bündel 7, das Pfund 15 bis 18, Rhabarber 6 bis 10, Pilze 30 bis 50, Kartoffeln (alte) das Pfund 4Vi, der Zentner 350 bis 400, (neue) das Pfund 10 bis 12, Pfirsiche 45 bis 55, Himbeeren 40 bis 50, Kirschen 38 bis 55, Heidelbeeren 35 bis 40, Stachelbeeren 15 bis 35, Johannisbeeren 20 bis 25, Erdbeeren 40 bis 55, junge Hahnen 90 bis 100, Suppenhühner 80, Tauben 60, Nüsse 45, Blumenkohl 10 bis 45, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 60, Einmachgurken 3 bis 6, Oberkohlrabi, das Stück 5 bis 10, Rettich 5 bis 15, Suppengrün 5, Radieschen, das Bund 8 bis 10 Pf.
Vornotizen
—Tageskalender für Donnerstag: NSG. „Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr für I jüngere, 21 bis 22 Uhr für ältere Frauen Fröhliche ■ Gymnastik und Spiele im Lyzeum, Dammstr.; 16 bis 18 Uhr Fröhlicher Sport- und Spielbetrieb, Uni-


