und mit der Stellung, die England darin einnimmt. Die abessinische Angelegenheit ist der erste Fall, an dem sich diese neue Rivalität der internationalen Politik zeigt.
Wir vermuten, daß die Folgerungen, die man m London zieht, andere sein werden, als das Angebot des römischen Blattes erwartet. Zum Degen Englands in der europäischen Kontinentalpolitik ist Italien nicht geeignet. Seinem Ehrgeiz zur See und In den Gegenden, auf denen die Pfeiler der englischen Weltmacht ruhen, aber sieht die englische Diplomatie, wie sich die „Times" kürzlich ausdrückte, „mit Wachsamkeit und kühler Klugheit" zu.
Japans Interesse in Abessinien.
Tokio, 10. Juli. (DNB.) Das japanische Aus- wärtiae Amt ist Gerüchten, die über eine angebliche japanische Stellungnahme zum italienisch-abessinischen Streitfall verbreitet werden, in scharfer Form entgegengetreten. Es sei unrichtig, daß die abessinische Regierung Wisfenhilfe von Japan erbeten habe. Japan sei an Abessinien politisch nicht interessiert. Es habe in diesem Lande lediglich Wirtschaftsinter, essen wie andere Länder auch, und es werde diese Interessen zu wahren wissen.
Heute Abessinien-Debatte im englischen Unterhaus.
Wie kann die Anrufung des Völkerbundes vermieden werden? Hoare und Eden werden sprechen.
London, 11. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der heutigen Unterhaus-Debatte wird mit großer Spannung entgegengesehen, zumal Sir Samuel Hoare bei dieser Gelegenheit zum ersten Male seit seiner Ernennung zum Staatssekretär des Aeußern über auswärtige Fragen sprechen wird. Er wird sich eingehend über die Stellung des Völkerbundes und die Bemühungen um friedliche Beilegung des abessinischen Streites äußern. Die deutsch - englischen Flottenbesprechungen werden einen weiteren wichtigen Gegenstand seiner Rede bilden, und wahrscheinlich wird er auch über die politische Lage irn Fernen Osten und über d i e englisch - amerikanischen Beziehungen einiges zu sagen haben. In der Debatte werden von bekannten Politikern der Führer der Oppositionsliberalen, Sir Herbert Samuel, Major Attlee von der Arbeiterpartei, ferner der konservative Winston Churchill und vielleicht auch Lloyd George sprechen. Falls dieser auf die Frage der Abschaffung der Ubootwaffe zurück- kommt, wird ihm der Marineminister Rede stehen. Der Dölkerbundsminister Eden wird im Namen der Regierung die Debatte schließen.
Ein gestern in Umlauf gekommenes Gerücht, wonach der italienische Botschafter Grandi Vorschläge zur Schlichtung des italienisch-abessinischen Streites gemacht habe, wurde abends vom Foreign Office und der italienischen Botschaft nach- drücklich in Abrede gestellt. „Morning Post" schreibt, in britischen Kreisen gewinne die Ansicht Boden, daß die einzige praktisch mögliche friedliche Lösung des Abessinien-Streites darin bestehe, daß England und Frankreich gemeinsam Vorstellung in Addis Abeba erhöben. Die unnahgiebige Haltung Abessiniens entspringe zum größten Teil dem irrtümlichen Glauben, daß der Völkerbund zu seinen Gunsten eingreifen werde. Nachdem diese Möglichkeit endgültig ausgeschlossen sei, sollte der Kaiser aufhören, sich Selbsttäuschungen hinzugeben. Wenn er zwischen einem Kriege bis z u einem sicheren Ende ohne Hilfe von Außen und einer friedlichen Regelung, die ihm seine Souveränität lassen würde, zu wählen hätte, werde er nicht zögern, sich für die friedliche Regelung zu entscheiden.
Paris bleibt passiv.
Gegen vorzeitige Einberufung des Völker» bundsrats.
Paris, 11. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die französische Presse sucht Englands Bemühungen um die Wiederherstellung der englisch-französischen Zusammenarbeit in den Vordergrund zu stellen, fügt aber ziemlich einheitlich hinzu, daß Frankreich gerade in der abessinischen Frage — auf die sich der englische Vorschlag der Zusammenarbeit insbesondere bezieht — eine passive Hatlung beibehalten wolle. Der „Petit Parisien" schreibt: Abessinien wünsche allerdings lebhaft die dringliche Einberufung des Völkerbundsrates, aber die abessinische „UebereUe" wiederspreche offensichtlich den Absichten der Großmächte, namentlich Englands und Frankreichs, die die Aussichten eines Vergleichs durch Verhandlungen hinter den Kulissen für angezeigter und eine Aussprache in Genf für verfrüht hielten.
Nach dem „Oeuvre" wolle die englische Regierung in der abessinischen Frage zwar zunächst eine Verständigung mit Rom, sie wünsche keinen Präventiv-Schritt des Völkerbundes, aber sie wolle die mit Rom etwa zustande gekommene Verständigung dann vom Völkerbunde gut- heißen lassen. Frankreich scheine sich für den Augenblick passiv verhalten zu wollen. Es heiße, daß Mussolini allein mit dem Negus verhandeln wolle, ohne daß sich dieser auf Paris ober auf London stützen könne. Wenn auch vom moralisch-menschlichen Standpunkt gesehen jeder Franzose die Ungerechtigkeit, die Abessinien zu fürchten haben werde, fepr mißbillige, so könnte er doch auf der an- deren S ei t e sich nicht ganz der Bedeutung der A n n ä h e r u n g s b e m ü h u n g e n zwischen Paris und Rom verschließen, die eine Befriedigung des Balkans ermöglichen fallen.
Abessinien fordert Freigabe der Waffeneinfuhr.
Ein Erfordernis der Landesverteidigung.
Addis Abeba, 10. Juli. (DNB.) Die abessi- nische Regierung hat von Frankreich, England, Belgien, der Tschechoslowakei, Schweden und Dänemark die Aufhebung des Verbotes der Waffenlieferungen verlangt. Abessinien bezieht sich auf den Vertrag vom 21. August 1930, der eine Regierung ermächtigt, Waffen und Munition, die zur Landesverteidigung gegen einen äußeren Angriff notwendig sind, einzuführen. Die Notwendigkeit der Waffeneinfuhr wird damit begründet, daß Kriegsgefahr eingetreten fei und die Erklärung Mussolinis offen auf einen Eroberungskrieg abziele. Trotz Schiedsgericht fetze Italien feine Mobilisierungen fort und schaffe Truppen und Munitionsmenaen an die abessinische Grenze. Das Land sei daher aus Gründen der Selbstverteidigung zur Waffeneinfuhr gezwungen und ein Verbot sei mit derNeutralität gegenüber beiden Ländern unver - einbar. Abessmien habe die Einberufung des Völkerbundsrates verlangt, weil die italienischen Schiedsrichter in Scheoeningen die Erörterung der Rechtsfrage van Ual-Ual abgelehnt hätten und einer gewaltsamen Lösung zustrebten.
Neue ZwischenMe in Abessinien.
Rom, 11. Juli (DNB. Funkspr.). Die „Agentur Stefani" meldet, daß am Morgen des 6. Juli der italienische Konsul von Harar, der sich im Auto nach Diredaua begab, unterwegs einer Truppe von abessinischen Soldaten unter dem Befehl eines Offiziers begegnete, die mit Beschimpfungen und drohender Haltung versuchten, ihn aufzuhalten. Am Nachmittag desselben Tages wurde in Harar e i n Askari des königlichen Konsulats, der sich zur Post begab, von einer Truppe von ungefähr 20 Leuten umzingelt und mit Steinwürfen und Stockschlägen überfallen. Unter den Leuten befanden sich Polizisten und Soldaten in Uniform. Der italienische Gesandte in Addis Abeba überreichte wegen dieser beiden Zwischenfälle der abessinischen Regierung einen formellen Protest.
Die Aufhebung der Habsburger Gesetze in Oesterreich.
Wien, 10. Juli. (DNB.) Der Bundestag nahm am Mittwoch das Gesetz über die Aufhebung der Landesverweisung der Habsburger und über die Rückerstattung des Habsburger Vermögens einstimmig an. Der Landeshauptmann von Niederösterreich, Baar- Bahrenfeld „faßte die schon bekannten Beweisgründe der österreichischen Regierung für die Aufhebung der Gesetze noch einmal zusammen. Die Verhandlungen des Bundestages gingen ohne besonderes Interesse vor sich. Die Zuschauertribünen waren fast leer. Nur in der Diplomatenloge waren zahlreiche Vertreter auswärtiger Staaten erschienen.
Der Generalsekretär der Vaterländischen Front, Oberst Adam, hat an alle Unterstellen der Vaterländischen Front eine Erklärung über die Habsburger-Frage ergehen lassen. Sie spricht sich mit ?großer Unbefangenheit darüber aus, was man sich ür die fernere Zukunft als Ziel der Wiener Politik denkt. In der Erklärung heißt es: „Die Daterlän- bische Front fordert Respekt vor der öfter- reichischen Tradition, daher auch R e - fpeft vor der DynastieHabsburg, deren Bedeutung auch vom gesamtdeutschen (!) und vom europäischen Standpunkt aus zu beurteilen ist. Die Vaterländische Front begrüßt jede Art von Werbetätigkeit, die geeignet ist, dieses Verständnis zu ner- tiefen, und verbietet in ihren Reihen alle Aeuße- rungen, die darauf berechnet sind, die Dynastie herabzusetzen oder zu verunglimpfen.
Es ist denkbar und wünschenswert, daß die Döl- ker im Donauraum bei voller Wahrung ihrer staatlichen Unabhängigkeit und nationalen Freiheit wieder einmal jenen unabänderlichen wirtschaftlichen Gesetzen folgen werben, die zu einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit drängen. Im Zuge einer solchen Entwicklung kann der habsburgischen Krone neuerdings europäische Bedeu- t u n g zukommen. Die Vaterländische Front hat nichts dagegen einzuwenden, wenn ihre Mitglieder
derartige Ideen vertreten. Eine Propaganda aber, die im gegenwärtigen Stadium der inneren Entwicklung Oesterreichs und bei den gegebenen internationalen Spannungen auf eine unmittelbare Restauration abzielt, widerspricht den Interessen des Vaterlandes und ebenso den Interessen der Dynastie. Sie darf im Rahmen der Vaterländischen Front nicht geführt werden. Der Herr Bundespräsident mißbilligt auch alle Maßnahmen, die geeignet sind, die große habsburgische Idee in die Sphäre engumgrenzter patriotischer Dereinstätigkeit zu ziehen."
Oie Aufhebung des Adelsverbots geplant.
Wien, 10. Juli (DNB.) Wie di- ,433. am Abend" erfährt, besteht der Plan, das noch immer bestehende Abelsoerbot fo rasch w i e möglich zu beseitigen. Am 3. April 1919 wurde von der damaligen Nationalversammlung beschlossen, daß der Adel und alle damit im Zusammenhang stehenden Titel aufgehoben werden. Dieses Gesetz soll nunmehr fallen. Mit dem diesbezüglichen Gesetzentwurf werden sich die beratenden Körperschaften sofort nach Beendigung der Sommerferien beschäftigen.
Stimme des Voltes.
Wien, 10. Juli. (DNB.) Das „Vorarlberger Tagblatt" veröffentlicht zu den bekannten Habsburger-Gesetzen einen Aufsatz, in dem es u. a. heißt: „Im Staatsrat scheinen sich keine Stimmen aegen die Aufhebung der Habsburger-Gesetze erhoben zu haben. Wenn man daraus, wie das halbamtliche Pariser Blatt ,Le Temps< es tut, den Schluß zieht, daß die Mehrheit des öfter- reichischen Volkes den Wunsch hege, daß Otto von Habsburg auf den Thron feiner Väter zurückkehre, so mühte man dies erst beweisen.
Wie mir die Vorarlberger kennen, ist das Verlangen nach einer Aenderung der Staatsform bei ihnen nur sehr schwach vorhanden. Uebrigens ist anzunehmen, daß die Massenverleihun- gen von Ehrenbürgerdiplomen an den Sohn des letzten Kaisers nun aufhören werden, denn nach der .Reichsposf sollten sie einen Sturm ausdrücken gegen das Unrecht, das dem ehemaligen Herrscherhaus am 3. April 1919 angetan worden sei. Nachdem nun dieses Unrecht — manche nannten es auch ein Verbrechen — gutgemacht wird, fällt die Ursache des besagten Sturmes und der Grund für die Ernennung Ottos zum Ehrenbürger weg."
Das Echo in Ungarn.
Budapest, 10. Juli. (DNB.) Während die Regierungsblätter in der Habsburger Restaurations- rage größte Zurückhaltung üben und sich auf die Wiedergabe von ausländischen Blätterstimmen be- chränken, bezeichnen die l e ai t i m i st i s ch e n und teils auch die liberalen Blätter die Aufhebung
der Habsburger Gesetze in Oesterreich offen als M entscheidenden einleitenden Schritt fuk die Wiederherstellung der Habsburger Monarchie. Der legitimistische Magyarsag weist auf das dringende Interesse Italiens hin, die Unabhängigkeit Oesterreichs durch dis Habsburger Restauration zu sichern und damit neue Kräfte für den abessinischen Streitfall freizumachen. Auch die französische Regierung habe eine Aenderung ihrer bisher allein von der Kleinen Entente beeinflußten Haltung in der Restaurations- frage vorgenommen. Besonders hervorgehoben wird in der Presse ferner, daß bei dem bevorstehenden Besuch des südslawischen Prinz re- genten Paul in Bukarest die Habsburger- Frage voraussichtlich im Mittelpunkt der Beratungen stehen werde. Gerüchte über die Einberufung einer Sonderkonferenz der Kleinen Entente zur Stellungnahme in der Habsburger Frage werden in hiesigen diplomatischen Kreisen als unbegründet bezeichnet.
Der Domänen- und Güterbefitz der Habsburger in Oesterreich.
Von unserem ständigen Or. A.-Äerjchierstatier.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Wien, Juli 1935.
Aus den Erklärungen der verschiedenen Regierungsmitglieder zu dem Gesetz, das die Landesverweisung der Habsburger und die Beschlagnahme ihrer Güter aufhebt, wurde ersichtlich, daß sich unter den zurückzuerstattenden Vermögenswerten auf alle Fälle der gesamte Grund- und Domänenbefitz des einstmals Kaiserlichen Hauses, soweit er auf österreichischem Boden liegt, befindet. Die Wiener Blätter bringen umfangreiche Schilderungen über Größe und Eigenart der einzelnen Besitzungen.
An erster Stelle dieses zurückzuerstattenden Eigentums steht die Domäne Mattighofen in Oberösterreich, die 10 000 Hektar Wald umfaßt und zur leichteren Ausbeutung von einer 30 Kilometer langen Waldbahn durchzogen wird. Die Jahresmenge des dort gewonnenen Holzes beträgt 26 000 Raummeter. Bekannt sind die Wälder von Mattighofen durch ihren großen Auerhahnbestand — wenn der alte Kaiser Franz Joseph Lust verspürte, auf die Auerhahnbalz zu gehen, dann geschah es nur in diesen oberösterreichischen Wäldern.
An zweiter Stelle steht das Gut P ö g g st a l l, das 5500 Hektar umfaßt. Es steigt von den Ufern der Donau zum Rand des Waldviertel-Hochplateaus auf und erstreckt sich noch tief in das Waldviertel selbst hinein. Es ist ein an Naturschönheiten sehr reicher Besitz, herrliche Waldtäler, tiefe Schluchten und freie Aussichtsberge, von denen der Blick bis zu den Alpen hinüberschweifen kann, umfassend. Auch hier durchzieht eine große Waldbahn das Gebiet. Zu dem Gut Pöggstall gehören noch die Güter Spitz an der Donau und Leiben, auf deren Grund sich die bekannten Donau-Burgen Weitenegg, Mollenburg, Streitwiesen und Hinterhaus erheben.
Das Fondsgut O r t h an der Donau umfaßt 7000 Hektar, zur Hälfte Wald, zur Hälfte landwirtschaftlicher Grund. In nächster Nachbarschaft befinden sich die Fondsgüter Mannersdorf am Leithagebirge und Scharfenegg, die hauptsächlich für die Milchversorgung Wiens eine Rolle spielen. Zum Gute Orth gehört noch der Hof Ehlingen, historisch berühmt durch die Kampfhandlungen, die im
Jahre 1809 im Rahmen der Schlacht von Aspern. und Eßlingen um seinen Besitz stattfanden; ferner i der Schloßhof, bekannt durch seinen entzücken- I
den Bau aus Maria Theresias Zeit, heute em großes Gestüt des Bundesheeres beherbergend. Schloß Orth selbst ist ein Kastenbau, der auf die christlich- germanische Kolonisierungszeit zurückgeht und an die 1000 Jahre alt ist. Im Volksmund heißt die große Schleife, welche die Donau bei Schloß Orth macht, das „Todeseck", weil dort ein Großteil der Leichen von Selbstmördern usw., die vom Strom oft von Passau oder noch weiter zurück mit sich getragen werden, ans Land geschwemmt wird.
In der Nähe von Schloß Orth erhebt sich Schloß E ck a r t s a u, wo der später ermordete Thronfolger Franz Ferdinand ständig abzusteigen pflegte, wenn er auf die Jagd ging. Eckartsau war im letzten Jahr seiner Regierung auch der Aufenthalt Kaiser Karls. Dort fanden die Konferenzen der Unterhändler des neuen Oesterreichs mit dem letzten Kaiser statt, die schließlich mit dessen Abreise endeten. Das Gut ß o b a u schließt sich donauaufwärts an die Orther Donauauen an. Die Löbau ist eine große Insel zwischen zwei Donauarmen, ein Eldorado für die Wiener Ausflügler, historisch bekannt durch den Aufenthalt Napoleons nach der Schlacht von Aspern. Auf dieser Insel verfiel der Korse nach den Anstrengun- gen der verlorenen Schlacht in einen achtundvierzig- stündigen Schlaf, fo daß seine Generäle bereits befürchteten, er würde überhaupt nicht wieder er- wacyen.
Zu den Gütern, welche den Habsburgern zurückge- neben werden sollen, gehört auch der bekannte Lainzer Tiergarten bei Wien, ein Naturschutzpark, der an die 3000 Hektar Grund bedeckt und einen großen Bestand an Hoch- und Damwild und an Wildschweinen beherbergt. Der Besuch des Lainzer Tiergartens und die Beobachtung des Wildes gehört zu einem beliebten Ausflugsoergnügen der Wiener. Das weltberühmte Schloß Laxenburg, in dessen Park sich ein viele Kilometer langer Teich befindet, wird ebenfalls an die Habsburger zurückfallen. Unter den zahlreichen anderen Gütern, die zurückgegeben werden sollen, wäre noch der Besitz Krampen in Steiermark zu nennen, auf dem sich das Jagdschloß M ü r z st e g , der Lieblingsaufenthalt Kaiser Franz Josephs, befindet. Das Anlagevermögen, das alle diese Güter repräsentieren, wird vom Kriegsbeschädigtenfonds auf rund 35 Millionen Schilling geschätzt. Dazu kommen aber noch Kunstgegenstände im Werte von minde- stens einer Million Schilling.
Klarheit in der Studentenschaft.
Stellungnahme des Leiters der Iieichsschast der Studierenden.
Der Leiter der Reichsschaft der Studierenden an den deutschen Hach- und Fachschulen, Andreas F e i ck e r t, läßt der Presse unter dem Titel: „Klarheit in der Studentenschaft" einen längeren Aufsatz zugehen, dem wir folgende Ausführungen entnehmen:
Der Fall des Heidelberger Corps Saxo Borussia, den wir nicht im geringsten beabsichtigen auf das Korporationsstudenten- tum zu verallgemeinern, zeigt als. Beispiel den Auswuchs und die Ueberfpannung einer Er- ziehungsform, die in ihrer Grundlage heute noch wesentliche Teile des Corps-Studententums beherrscht. Neben dem unwürdigen Verhalten und neben allen anderen Dingen geht aus dem Richtspruch des Heidelberger Senats die interessante Mitteilung hervor, daß zwei Studenten überhaupt kein Abitur hatten, und wir kommen damit auf einen der Kernpunkte der Gesamtfragen die ohne weiteres im verallgemeinernden Rahmen des gesamten Kvrpvrationsstudententums aufgegriffen werden muß. Es ist ja nicht irgend ein Corps, was hier verboten wurde, sondern eines der „vornehmsten" Corps des Köfener SC. Wir sind davon unterrichtet, daß die Mitglieder dieses Corps eigentlich im üblichen S^nne keine Studenten waren und sind, sondern lediglich über eine bestimmte Zeit hinweg, da es in ihren Kreisen zum vornehmen Ton gehört, diesem Corps beizutreten. Es gibt noch andere „vornehme" exklusive Corps im Rahmen des Kösener SC. Wie sind die Verhältnisse dort? Kann man dort aus rein gesellschaftlichen Gesichtspunkten, ohne daß die Voraussetzungen für ein Studium erfüllt sind, Mitglied werden und vor allem wer? Andernfalls scheint uns, daß hier in streng abgeschlossenen Formen die unbedingte Gefahr einer Geheimbundpolitik auftaucht, die in ihrer Konsequenz zum Abwenden von Volksgemeinschaft und Staat führen muß.
Bei der Erziehung der Studentenschaft geht es darum, einen akademischen Führernachwuchs zu erziehen, der sozialistisch ist durch und durch und unter allen Umständen die Aufreihung neuer Klassengegensätze zwischen der geistigen und handarbeitenden Schicht des deutschen Volkes für immer und ewig verhindert. Die höchsten Erziehungsstätten Des Reiches in ihren studentenschaftlichen Erziehungsgliederungen dürfen daher nicht „auch nationalsozialistisch fein und im übrigen eine gesellschaftliche und akademische Erziehung treiben, sondern sie müssen ebenso wie jede andere Gliederung der NSDAP, durch und durch nationalsozialistisch sein und dürfen dann „auch" eine gesellschaftliche Erziehung treiben. Aus obigem Satz leiten wir den unbedingten und aller
schärfsten Primat der Partei und des Staates über jede Erziehungsgliederung an den Hochschulen ab.
Wir haben grundsätzlich nichts gegen b-a s Korporation sstudententum und nichts gegen Korporationsstudenten. Wir haben immer wieder den Versuch gemacht, die Korpora- tionsstudentenschaft in ihrer Organisation in dis nüchterne kleine Tagesarbeit der Deutschen Studentenschaft wie Landdienst, Fachschaftsarbeit, Auslandarbeit usw. einzubauen, was uns, wie wir jetzt feststellen müssen, nicht gelungen ist. Die Beteiligung des Korporationsstudententums am ftuben* tischen Landdienst z. B., einer der neu aufgetauchten dringendsten Arbeitsformen der Studentenschaft, in der sich Tausende von Studenten befinden, ist fo gut wie gar nicht vorhanden. Wir streiten dem Kor- porationsstudententum seine historischen Verdienste nicht ab, es hat sehr große gehabt, aber es ist stehen geblieben, und wer nicht weitermarschiert, der bleibt zurück. Wir haben ein paar mal die Hand geboten, man hat picht eingeschlagen, sondern zurückgeschlagen, weil man nach alter Verbandsmethode Verbindungen bis in die höchsten Staatsstellen hatten
Die nationalsozialistische Hochschuljugend tritt für d i e hündische politische Erziehung an den Hochschulen unter der klaren Führung des Nationalsozialismus ein. Von übernommenen Formen der Korporationen könnte viel beibehalten werden, viel wird abgelegt werden müssen, lieber die zukünftige Formung ist sich die nationalsozialistische Hochschuljugend klar. Sie wird und muß den Mut haben, im Rahmen der bestehenden und der neu geschaffenen Erziehungsgemeinschaften eindeutige und entschlossene Wertungen zu treffen und zu sagen, was recht und falsch fei, um das Falsche zu vernichten. Aber man lasse dieser Jugend endlich freie Bahn. Es gab große revolutionäre Zeiten deutschen Korporationsstudententums. Zu dem Geist dieser Zeiten bekennen wir uns durchaus. Nur glauben wir heute diesen Geist mehr zu vertreten, als die offiziellen Nachfahren der damaligen Träger dieses Geistes. Kämpfer fangen das alte Studenten« lieb „Burschen heraus". Wer sich in ber ewigen Verteidigung befindet, hat kein Recht, dieses Lied zu singen. Wir singen es heute. „Burschen heraus!"
Hitler-Iugend und Korporationen.
Heidelberg, 10. Juli. (DNB.) Am Dienstag* abend trat die gesamte Hitlerjugend Heidelbergs zu einem Appell auf dem Rathaus an, bei dem der Gebietsführer Badens, Friedhelm Kem* per, die sofortige Durchführung des letzten Aufrufs im Befehl des Reichsjugendfüh« r e r s forderte, der die klare Scheidung zwischen


