185. Jahrgang
Metzener Anzeiger
Ur. 159 Erstes Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, ft.Iuli 1935
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Frankreich rüstet sür den 14.3ult.
Wachsende innerpolitische Spannung.—Aufmarsch der Fronten am Nationalfeiertag.
Sicherheitsmaßnahmen.
Paris, 11. Juli. (DNB. Funkspruch.) Am Mittwochnachmittag hatte Ministerpräsident La- v a l eine letzte Aussprache über die Sicherungsmaßnahmen für den 14. Juli, an der der Innenminister, der Kriegsminister, der Polizeipräfekt von Paris, der Militärgouverneur von Paris, der Befehlshaber des Wehrkreises Paris, der stellvertretende Generalstabsches und meh- rere leitende Polizeibeamte teilnahmen.
Im „Petit Journal" bezeichnet der Generalsekretär der französischen Marxisten, Paul Faure, die am Sonntag aufmarschierende Linksfront
Der Führer der Feuerkreuzler, Oberst de la Rocque (Scherl M)
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als den Ausdruck eines Verteidigungszwangs. Er glaubt nicht an ihren inneren Zusammenhalt. Im gleichen Blatt erklärt der Führer der Linkspatrioten, der rechtsstehende Abgeordnete T a i t i n g e r : „Wir betrachten den 14. Juli als durch die Linkskundgebung befleckt und wollen ihn deshalb in Zukunft nicht mehr als vaterländisches Nationalfest anerkennen. Wir wollen als neuen Nationalfeiertag den Tag oorfehen, an dem Joffre Frankreich durch ein Wunder feines Genies an der Marne geret- t e t hat, und wir werden daher den nächsten 8. September bereits als unser neues N a t i o n a l f e st durch eine Kundgebung in Meaux feiern."
Die Radikalsozialisten.
Das Bündnis mit der „Volksfront". Zukunftsplane.
Der frühere Luftsahrtminister, Abg. Pierre Cot oon der Radikalsozialistischen Partei, der als einer der führenden Köpfe der Volksfrontbewegung gut, erklärte einem Vertreter des „Petit Journal", daß die Einheit der Linksparteien gesichert sei. Die Volksfront verfüge bereits über die Mehrheit im Lande und bei den kommenden Wahlen werde sie wenigstens 350, wenn nicht sogar 4 0 0 Kammersitze erobern. Das Programm der Volksfront werde ganz bestimmte Forderungen enthalten, u. a. Abschütteluna der Bevormundung der Regierung durch die Bank von Frankreich, Nationalisierung der Rüstungsindu- strie, Beseitigung übergroßer Gewinne, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit u. a. durch eine Sozial- reform, die allen einen besseren Anteil an dem Ertrag der gemeinsamen Arbeit gewährleiste. Auf den skeptischen Einwand, daß solche schönen Plane von der Radikalsozialistischen Partei bisher vergeblich betrieben worden seien, erwiderte Cot, daß diesmal eine gewaltige Volksbewegung dahinter st ehe, und diesmal auch die Sozialisten und Kommunisten an der Regierung teilnehmen würden. Cot rechnet mit der Uebernahme der Regierungsgewalt „ach den Wahlen. Den Einwand, daß viele lmks- jtehende Franzosen vielleicht doch vor einem Bündnis mit dem Kommunismus zurückschrecken lönnten, will Cot nicht gelten lassen, weil es einen gemeinsamen Feind gebe, den Faschis-
Jm „Oeuvre" verteidigt Cot die radikalsozialistische Partei gegen den Vorwurf, sie lasse sich von den Linksparteien innerhalb der „Volksfront überflügeln und werde eines Tages von dem „k o m m u n i st i s ch e n W o l f" gefressen werden. Der Radikalsozialismus bringe der Volksfront feine Ja ko biner-Ueb erlief erung imb feine lange Erfahrung mit, denn die Radikal- fozialiften wollten einen starken Staat Oer französische Staat sei gegenwärtig schwach, well er unter dem Einfluß fror Wirtschafts- feudalität stet"-
Die Zeitung „Le Jour" bringt eine Aeußerung, die der frühere Innenminister im Kabinett Dala- dier, der Abgeordnete F r o t, kürzlich vor einer kommunistischen Arbeiterversammlung getan haben soll. Er soll gesagt haben: „Der Beifall, den Ihr mir zollt, ist weniger an den Abgeordneten als vielmehr an den Innenminister des 6. Februar gerichtet, der es dem Proletariat von Paris erlaubte, sich an dem darauffolgenden Tage zu organisieren, um den Faschismus niederzuschlagen. Man muß die moderne Gesellschaft niederwerfen, den Kapitalismus unterwerfen, die großen Jnduftriegefellfchaften angreifen und dann aufbauen. Der 14. Juli muß der erste Tag des Jahres sein, in dem wir die Republik der Arbeit schaffen werden!"
Die Forderungen der Rechten.
Die Nationale Vereinigung der Frontkämpfer und Kriegsopfer veröffentlicht eine Mitteilung, in der am Vorabend der Kundgebung des 14.'Juli zur Ruhe und zur Einigkeit aufgefordert wird. Vor allem gelte es, einen Straßenkampf zwischen Franzosen zu vermeiden. Weiter fordert die Vereinigung, daß die Regierung alle notwendigen Reformen durchführe, eine demokratische Politik verfolge und sich von dem Einfluß der Wirtfchafts- und Finanzmächte freimache. Schließlich wird gegen die Gesetzesverordnung Stellung genommen, die den Frontkämpfern und Kriegsopfern weitere unnütze Opfer abverlange. — Der Vorstand der
Jeunesses Patriotes hat einen Aufruf an das französische Volk erlassen, am Nationalfeiertag zum 14. Juli mit der Nationalen Front gegen die Revolution von links zu manifestieren. Die R a d i k a l sozialistische Partei wird in dem Aufruf besonders scharf angegriffen. Sie habe zugunsten ihrer Kreaturen alle für den Bestand der Nation wichtigen Po st en an sich gerissen, die Schulen bolschewisiert und dulde die geheime Diktatur der internationalen F i n a n z w e l t, die davon Nutzen ziehe Jetzt werde sich die Partei ihrer Ohnmacht bewußt und stoße, um chre parlamentarischen Mandate zu behalten, zum Heer der Revolution, der roten Diktatur und des bolschewistischen Terrors. Es gebe eine Bastille zu stürmen, heißt es in dem Aufruf weiter, sie liege hinter der Concordienbrücke. (Gemeint ist die Kammer.) Das französische Volk dürfe nicht am 14. Juli die Diebe, Gewinnler, Mörder und berufsmäßigen Revolutionäre aus ganz Europa, die sich in Paris ein Stelldichein gegeben hätten, aufmarfchieren lassen.
Das „Petit Journal" will von Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Feuerkreuzler berichten können. Nach dem Blatt sollen 5 leitende Persönlichkeiten der sogenannten „Nationalfreiwillige n", (die gegenwärtig 100 000 Mann umfassen) sich von dem Obersten de la Rocque wegen Unstimmigkeiten hinsichtlich des Wirtschaftsplanes getrennt haben
Nationalismus fordert gegenseitige Achtung freier Völker. Oie Internationale Arbeitsgemeinschast der Nationalisten tagt in London.
London, 10. Juli. (DNB.) Die im Frühjahr 1934 in Zürich gegründete Internationale Arbeitsgemeinschaft der Nationalisten hält vom 10. bis 12.Juli in London ihren zweiten „Internationalen Nationalistenkongreß" ab. Die Eröffnungssitzung leitete ein Mitglied des einladenden britischen Komitees, Oberstleutnant Norman T h w a i t e s. In feinen kurzen Begrüßungs- worten konnte er feststellen, daß die Zahl der auf dem Kongreß vertretenen Nationen sich seit der Berliner Tagung von 20 auf annähernd 4 0 erhöht hat. Dr. Keller, der Begründer der Internationalen Arbeitsgemeinschaft, ergriff fodann das Wort zu kurzen Ausführungen über Einzelheiten der Durchführung des Tagungsproblems.
Die Reihe der Vorträge eröffnete der englische Rechtsphilosoph Foster-Anderson, ein Mitglied des Royal Institute of International Affairs mit einem Thema „Sicherheit oder nichts", das in großen Zügen die gesamte Zielsetzung des Kongresses darlegte und zugleich eine geistvolle Ablehnung des römischen Universalitätsanspruches in sich schloß. Er stellte die st a t i s ch e Weitaus- fassung des griechisch-römischen Altertums, die dem Individuum eine Eigenwertigkeit nur als Staatsbürger zuerkannte und den Begriff der Nation, wie wir ihn heute auffassen, nicht kannte, der dynamischen „europäischen" Welt- und Staatsauffassung gegenüber, wie sie sich in den letzten tausend Jahren von Nordwesteuropa her entwickelt habe. In dem Zwiespalt zwischen Staat und Nationalismus scheine sich der Letztgenannte als stärker zu erweisen. Andererseits sei es mit der nationalistischen Erkenntnis von dem organischen Aufbau der Menschheit allein nicht getan. Eine Nation sei die Synthese von
z y) ei wesentlichen Faktoren, Volk und Land. Das Problem von Sicherheit und Entwickelung liege gar nicht zwischen Nationalismus und Internationalismus, sondern zwischen einem auf gegenseitiger Achtung aufgebauten Nationalismus freierVölker und einem Provinzialismus, der feine eigene enge Denkweise der ganzen Welt aufdrücken wolle.
Der bekannte Sozioloae oon der Universität Trondhjem, Professor K. A. Wieth-Knudsen, setzte sich dann in einem Vortrag: „Nationale oder internationale Wirtschaft" in lebendiger Gedankenführung mit der liberalen Welthandelstheorie auseinander, deren uferlose Durchführung am gesunden Selbsterhaltungstrieb der Nationen gescheitert sei. Der Friede der Welt hänge in hohem Grade davon ab, daß, ebenso wie die einzelnen Länder, die verschiedenen Teile der Welt wirtschaftlich voneinander abhängig würden. Die Hauptwiderstände gegen eine solche naturbedingte Entwickelung sieht der Redner in dem Eigennutz der internationalen Geld- f ü r st e n, die von einer Beschränkung des Welthandels und der damit zusammenhängenden Finanzoperationen eine Schrumpfung ihrer Profite befürchten.
In der Nachmittagssitzung sprach der Architekt Dr. Paul L i g e t i - Budapest über „Die h i st o - rische Mission der Autarkie". Auch Li- geti wandte sich stark von der liberalistischen Wirt- schaftstheorie ab und erklärte sich gegen die Klassentheorie des Marxismus. Es gelte nunmehr, die durch den Zusammenbruch des in Auflösung begriffenen Wirtschaftssystems entstandenen nationalwirtschaftlichen Einheiten im neuen Geiste aufzubauen.
Wieder 142000 Arbeitslose weniger.
Anhaltende Tendenz zu verstärktem Arbeitseinsatz.
Berlin, 10. Juli. (DNB.) Obwohl im Juni die Antriebsmomente für den Arbeitseinsatz nicht mehr st a r k zu sein pflegen, weil die Versorgung der Außenberufe mit Arbeitskräften schon in den vorhergehenden Monaten im wesentlichen durchgeführt ist, und der zusätzliche Kräftebedarf der Landwirtschaft für die Ernte im allgemeinen er ft später fühlbar wird, brachte der Juni dieses Jahres im Gegensatz zu der Entwicklung in den Vorjahren eine kräftige Abnahme der Arbeitslosen.
Ihre Zahl ging weiter um 1 42 000 auf 1 877 000 zurück. 3m Vorjahre brachten die Monate Mai und 3uni nur eine Entlastung um 80000 bzw. 48000 Arbeitslose, d. h. zusammen kamen in diesen beiden Monaten 128 000 Arbeitslose bei den Arbeitsämtern in Abgang, während in diesem 3af>re im gleichen Zeitraum die Arbeitslosigkeit um 356 000 zu- rückging.
Waren in den ersten Jahren der Arbeitsschlacht die Außen berufe die hauptsächlichsten Träger der Entlastung, so gewinnen jetzt die mehr vom Konjunkturablauf abhängigen Bern f s g r u p p e n für den Arbeitseinsatz immer star-
an Bedeutung. So hat in der Jahresspanne vom
30. Juni 1934 bis zum 30. Juni 1935 die Arbeitslosigkeit in den Außenberufen nur um 165 000, in den anderen Berufsgruppen hingegen um rund 439 000 abgenommen.
Am Rückgang der Arbeitslosigkeit waren alle Bezirke und fast alle Berufsgruppen beteiligt: Den stärksten Rückgang hatte mit 21 400 der Landes- arbeitsarntsbezirk R h e i n l a n d. Es folgen Brandenburg mit 20 600, Sachsen 15 400, Mitteldeutschland 14 900 und Nordmark rund 13 000.
Um den Bedarf an Arbeitskräften besonders für die Landwirtschaft sicherzustellen, wurden die Notstandsarbeiten weiter eingeschränkt.
Die Zahl der von der Reichsanstatt geförderten Rotsiandsarbeiter ging um 44 000 auf 203 000 zurück. Sie liegt damit um mehr als 400 000 unter dem Höchststand von rund 630 000 Rotstandsarbeitern, die Ende März 1934 beschäftigt worden sind.
Es ist also in hervorragendem Maße gelungen, die Zahl der zusätzlich beschäftigten Volksgenossen bei gleichzeitiger weiterer erheblicher Senkung der Arbeitslosenzahl planmäßig herabzudrücken und die mit staatlichen Mitteln geförderte Arbeit durch Arbeit in der freien Wirtschaft zu ersetzen
Englands„Wl<m!>-Degei>"
Die englische Regierung hat aus den diplomatischen Verhandlungen mit Paris und mit dem Gene- rqlsekretär des Völkerbundes A v e n o l, in die sich auch der zur Zeit in London weilende rumänische Außenminister T i t u l e s c u als Vertreter der Kleinen Entente einschaltete, feststellen müssen, daß für eine aussichtsvolle Behandlung der abessinischen Frage vor dem Völkerbund, zur Zeit wenigstens, eine gemeinsame Aktion der direkt nicht beteiligten Mächte nicht zu erreichen ist. In Italien ist man mit diesem vorläufigen Erfolg sehr zufrieden, und es setzt nun in der italienischen Presse eine Aktion ein, um England davon zu überzeugen, daß es auch in seinem eigenen politischen Interesse liege, den weitgreifenden italienischen Plänen in Afrika keinen Widerstand entgegenzufetzen. In einem Artikel des „Giornale d'Jtalia" werden die Gründe hierfür ausführlich auseinandergesetzt und England „zum Nachdenken empfohlen".
Es interessiert uns darunter vornehmlich einer, weil er ein bemerkenswertes Stimmungselement der italienischen auswärtigen Politik enthüllt und zeigt, mit welchen Möglichkeiten man in Rom in der künftigen Entwicklung rechnet. Es wird England vorgestellt, daß es trotz feiner Friedensliebe doch einmal in eilten Krieg verwickelt werden könnte, in dem es außer feinen eigenen Energien auch die Hilfskräfte anderer Völker suchen müsse, „die bereit wären, sich zu schlagen".
Dieses Angebot Italiens allerdings, heute sehr beträchtliche militärische Kräfte Englands in einem kriegerischen Konflikt zur Verfügung zu stellen, ist an sich schon bemerkenswert, weil es die Verschiebung der Kräfteverhältnisse an- zeigt, die ein von England sicherlich nicht gewolltes Ergebnis des Weltkrieges ist. Auch bis dahin war Italien sozusagen ein natürlicher Verbündeter Englands, aber nicht wegen seiner Stärke, sondern wegen seiner Schwäche, die es ihm mit Rücksicht auf feine ungeschützte Lage im Mittelmeer unmöglich machte, eine andere Partei als die Englands zu nehmen. In der Entscheidung Italiens, feine Neutralität im Weltkrieg zu brechen, spielte bekanntlich neben seiner Ländergier der Druck Englands die Hauptrolle. Heute ist dies etwas anders geworden. Großbritannien, das einst stolz oon sich sagen konnte: „Der Starke ist am mächtigsten allein", wird oon Italien unter gegebenen Umständen a l s schutzbedürftig angesehen, und von Rom tönt die Lockung nach London: England kann in Italien einen Degen auf dem Festland finden.
Wir kennen diese Parole und diplomatische Ueberlegung aus unfern eigenen Dorkriegs- beziehungen zu England. Als zu Beginn des Jahrhunderts der Reichsregierung wiederholt dringliche und ernsthafte Anregungen zum Abschluß eines deutsch-englischen Bündnisses zugingen, deren Annahme das Gesicht der Welt vielleicht vor vielen Entstellungen bewahrt hätte, hat Bülow sie zögernd behandelt und schließlich abgewiesen. Als Grund dieser viel kritisierten Haftung haben, er und sein Berater Holstein geltend gemacht, daß Deutschland sich nicht zum „Degen Englands" hergeben dürfe.
Wir massen heute, daß dies falsch und wahrscheinlich nur ein Vorwand dafür war, daß Bülow sich nicht stark genug fühlte, dem Kaiser den Preis für dieses Bündnis, nämlich den Verzicht auf den Ausbau der deutschen Flotte, abzuringen, den England in dem oon Tirpitz vorgesehenen Ausmaß als bedrohlich für sich ansah. Aber der Gedanke der englischen Politik, sich als ft ä r f ft e Seemacht mit der ft ä r f ft e n europäischem Landmacht zu verbinden und so die Wage der Welt in der Hand zu halten, war an sich gesund und hätte den Weltfrieden auf lange Zeit verbürgt.
Wie ist es aber mit Italien? Obwohl seine militärischen Kräfte zweifellos stark gewachsen sind, kann es mit der Stellung Deutschlands im Vor- triegseuropa kaum verglichen werden. Dazu kommt, daß es infolge feiner geographischen Lage bei europäischen Verwicklungen immer eine nur sekundäre Rolle spielen wird. Es ist, wie der Weltkrieg gezeigt hat, eine sehr nützliche Hilfskraft einer Koalition, aber nicht der Kern einer solchen. Gegen welchen europäischen Feind soll sich England der italienischen Hilfe versichern? Gegen Deutschland? England hat es soeben vorgezogen, seine Rechnung mit Deutschland für alle Zukunft selbst zu begleichen und die Möglichkeit eines Konflikts zwischen Deutschland und England aus eigenen Interessen heraus für immer auszuschalten. Gegen Frankreich? Bei aller unbedenklichen Wendigkeit der italienischen Politik wird man nicht annehmen dürfen, daß das römische Augenzwinkern so zu deuten ist. Auch in einem etwaigen englisch-russischen Konflikt ist die italienische Hilfe geographisch wertlos. Das italienische Angebot ist also eine nur aus übertriebenem Selbstbewußtsein erklärliche Geste, die in England kaum irgendwelchen Eindruck machen wird.
Der vorhin erwähnte Vergleich mit der diplomatischen Situation Deutschlands vor dem Kriege trifft aber insofern zu, als Italien im Begriff ist, dir Wachsamkeit Englands durch seinen maritimen unö kolonialen Imperialismus herauszufordern, wie sie durch den deutschen Flottenbau seinerzeit herausgefordert wurde. Das Streben des faschistischen Italiens, im östlichen Mittelmeer, im nahen Orient und in Afrika den verwehten Spuren des alten römischen Imperiums nachzugehen, verträgt sich auf dis Dauer nicht mit der Einrichtung der modernen Weh


