eigniffe war ihm irgendwie verdächtig. Auf den Nachbargütern waren auch in der letzten Zeit aller» Hand unbegreifliche Dinge vorgekommen, die zu einer schweren Schädigung der Besitzer geführt hatten. Er hatte keine Beweise. Und dennoch — dennoch. Er wurde dieses unbehagliche Gefühl nicht los.
Während er mit dem kleinen Selbstfahrer schon die Chaussee nach Feftwaldau entlang rast«, um den Tierarzt des kleinen Städtchens herbeizuholen, aingen diese Gedanken immer noch in seinem Kopf herum. Er hatte plötzlich das Empfinden, Gut Schedloroitz wäre von irgendeiner Gefahr bedroht. Er sah nichts von der wundersamen Pracht der Mondnacht, durch die er dahinfuhr. Die Berge lagen in einem silbrig-blauen Dunst. Die Hügel zeichneten sich schwach am Horizont ab. Der Hirn- mel war hoch und blau, in einem milden Schein, durch den das Lenchten her Milchstraße und der tausend Sterne drang.
Eckehard liebte sonst nichts so sehr wie eine Fahrt durch das nächtliche Land. Dies alles war ja ehemals seine Heimat gewesen. Er kannte jeden Wald und jeden Berggipfel in diesem schönen deutschen Lande. Heute aber hatte er dafür keinen Blick. Unruhe und Sorge waren in seinem Herzen.
Nach einer halben Stunde schneller Fahrt hatte er das kleine Landstädtchen erreicht. Alles schlief schon. Auch in dem Haufe des Tierarztes war alles dunkel. Er mußte drei-, viermal an der altmodischen Schelle ziehen, bis sich endlich oben ein Fenster öffnete. In dem unbestimmten Schein des Mondes erschien der struppige Kopf Doktor Wenczliczeks.
„Ich bin es, Herr Doktor! Inspektor von Macken- roth?^
„Na nu, Herr von Mackenroth?! Schon wieder? Das ist ja eine Pechsträhne bei Ihnen! Was gibt es denn, daß Sie mich mitten in der Nacht heraustrommeln?"
„Es wird nötig sein, daß Sie mitkommen, Herr Doktor!" sagte Eckehard kurz. ,Lch habe meinen Wagen unten. Wird es Ihnen möglich sein, sich recht zu beeilen?"
Doktor Wenczliczek nickte:
„Ich bin in zehn Minuten unten, Herr von Mackenroth!"
Eckehard setzte sich an das Steuer seines Wagens. Der kleine Marktplatz lag ganz verlassen. Nur der Nachtpolizist, der gerade seine Runde um den Marktplatz machte, sah ihn erstaunt an und grüßte dann höflich, als er Eckehard erkannte:
„Guten Abend, Herr von Mackenroth!" sagte er laut erst auf tschechisch und fügte dann leise auf deutsch hinzu: „Grüß Gott!"
„Guten Abend, Herr Wachtmeister!" gab Eckehard freundlich zur Antwort.
(Fortsetzung folgt!)
Schleuse) anschließend Tanz. — Bergschenke ab 17 Uhr Militärkonzert unter Leitung des Obermusikmeisters Ernst Krautze.
♦* Achtung! Speiseeishändler! Bon der Polizeidirektion wird uns mitgeteilt, daß Speiseeis, bet dessen Herstellung keine Vanille, sondern Er- satzstoffe Verwendung gefunden haben, nur unter entsprechender Bezeichnung verkauft werden darf. Unter der Bezeichnung „Vanille-Speiseeis" darf nur eine Ware in den Handel gebracht werden, die tatsächlich Vanille enthält. Die Polizeibeamten sind angewiesen worden, die Befolgung der einschlägigen Bestimmungen zu überwachen und Zuwiderhandlungen zur Anzeige zu bringen.
** Das Fundsachenverzeichnis. Das Verzeichnis über die im Monat Mai gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der An
schlagtafel im Flur der Polizeidirektion, Landgraf- Philipp-Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten beim Fundbüro während der Dienststunden geltend xu machen.
** Gegen die Zeckenplage des Hundes! Bei der Zeckenplage, unter der die Hunde auf dem Lande viel zu leiden haben, da sich die Hundezecke (Holzbock) an allen Körperstellen des Hundes dermaßen vollsaugt, daß diese Milbe das Volumen haselnußgroßer Blasen erreicht, erweist sich das Betupfen einer angesogenen Zecke mit Benzin oder Terpentin als das beste Besettungsmittel, denn die Zecke verträgt eine solche Behandlung nicht, läßt los und fällt ab. Das Ausreißen angesogener Zecken ist nicht zu empfehlen, da mitunter der Rüssel in der Saugwunde zurückbleibt und Eiterungen entstehen.
Ein Lehrausflug nach Frankfurt.
Die Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde veranstaltete, wie uns berichtet wird, gemeinsam mit der Ortsgruppe Gießen des Deutschen Biologenverbandes einen Lehrausflug nach Frankfurt a. M., unter Führung des Privatdozenten Dr. W. E. A n k e l.
Am Morgen wurde die bekannte Druckbildnerei Guhl & C o. besucht. Die Hörer des Vortrages über „Die Entwicklung der zoologischen Abbildung in Zusammenhang mit den Reproduktionstechniken" sollten jetzt, theoretisch vorbereitet, die technische und handwerkliche Seite der Druckstock- Herstellung selbst fennnenlernen. Eine geschickt auf- gebaute, sorgfältige Führung durch den in voller Tätigkeit befindlichen Betrieb übertraf noch die Erwartungen. Schritt für Schritt konnten die Teilnehmer den Werdegang einer Strichätzung verfolgen; sie waren Zeugen, wie die Tonwerte einer Zeichnung bei der Aufnahme durch ein Raster hindurch in die Punkte der Netzätzung zerlegt wurden, sie bewunderten die Kunst der Photographen, der Retuscheure, Aetzer, Holzschneider, Drucker und aller anderen Volksgenossen, die in den Arbeitsgang zwischen Vorlage und Druckbild verantwortlich eingeschaltet sind. Im Wechselgespräch mit ihnen und mit dem Leiter der Führung, Herrn K o n r a d i, wurden alle auftauchenden Fragen geklärt und volle Einsicht in die Arbeitsweise bei den verschiedenen Reproduktionstechniken und Druckarten, vom Holzschnitt über Strichätzung, Netzätzung, Mehrfarbendruck, Steindruck bis zum modernen Offsetdruck erreicht. Die zahlreichen Einzeleindrücke vereinigten sich bei allen Teilnehmern zu der Ueberzeugung, wie entscheidend auch bei den photographisch arbeitenden Verfahren noch die persönliche Kunst, Einsicht und Leistung des handwerklichen Arbeiters ist, den hier das rein mechanisch - technische Geschehen niemals wird verdrängen können. Es wäre Pflicht jedes wissenschaftlichen Arbeiters, der Bildvorlagen herstellt, die im Druck wiedergegeben werden sollen, erst einmal Einblick in die Arbeitsweise der Druckbildnerei zu nehmen, damit er seine Anforderungen mit den Möglichkeiten in Übereinstimmung bringt und die Mühe und Sorgfalt achten lernt, die eine gute Druckstockherstellung erfordert.
Am Nachmittage wurde, gemeinsam mit Dozenten und Studenten der Biologie an der Universität Frankfurt a. M., der Tiergarten der Stadt besucht, dessen Leiter, Direktor Dr. K. Priemet, in allen Abteilungen für sachkundige Führung und Vorweisung bemerkenswerter Pfleglinge in dankenswerter Weise Sorge getragen hatte. Eine Fülle auch für den Kenner des Gartens neuartiger Eindrücke konnte unter der Leitung des Aquarien- Vorstehers Lederer gewonnen werden. In vielen Behältern waren Jungtiere angekommen; ein „Kindesraub" einer Steffin, die vor wenigen Tagen ihr eigenes Junges durch den Tod verloren und daraufhin einer anderen Aeffin das ihre abgenommen hatte, war das viel besprochene Ereignis
des Tages. Besonders vielfältig waren die Eindrücke im Aquarium und Terrarium. Hier wurden die große Seeschildkröte des Mittelmeeres und die kostbare brasilianische Seekuh vor den Augen der Besucher gefüttert, konnten die herrlichen Becken der Nordseetierwelt, der Korallenfische, der heimischen und tropischen Süßwasserfische mit allen ihren Bewohnern mannigfaltigsten Baus und buntester Farbenpracht eingehend beobachtet werden. Der riesige, fast 3 Meter lange Comodo-Waran, ein echter „Tatzelwurm" und ein Tier von viel besprochener Intelligenz, fraß eine bargebotene Ratte mit einem einzigen Schluck und leckte mit feiner gespaltenen Zunge die hingehaltenen Hände. Die Klapperschlange wurde gereizt, bis sie das zischende Rasseln ihrer Schwanzklapper drohend ertönen ließ, der Schützenfisch schoß auf Kommando 2 Bieter hoch mit ausgefpieenem Wasser nach hingehaltenen Insekten. Wer wollte, konnte sich am eigenen Leibe davon überzeugen, daß die vom Zitterwels ausgesandten elektrischen Schläge nicht unbeachtlich sind. Schließlich wurde das vorbildlich eingerichtete Menschenaffenhaus mit seinen Bewohnern und das Vogelhaus einer eingehenden Besichtigung unterzogen, sowie die schone Voliere einheimischer Vogel mit zum Teil seltenen Insassen (Wasserralle) Seidenschwanz) betrachtet. Alle Teilnehmer konnten sich davon überzeugen, daß der Besuch .eines gut geleiteten Zoologischen Gartens eine einzigartige Möglichkeit bietet, heimische und fremde Tiere kennenzulernen, das also im Rahmen der Ausbildung lehrender und forschender Biologen unentbehrlich ist.
Ein gemeinsames Abendessen, nach Alt-Frankfurter Art unfern der historischen Schirn eingenommen, hielt die Gießener und Frankfurter Biologen noch in kameradschaftlicher Form zusammen und gab zum Austausch der beiderseitigen Erfahrungen beste Gelegenheit. E.
Üunbhmfprogramm.
Mittwoch, 12. Juni.
6 Uhr: Gymnastik. 6.15: Von Berlin: Frühkon- zert. 8.10: Von Stuttgart: Gymnastik. 8.30: Von Bad Schmalbach: Frühkonzert. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Von Breslau: Bunt ist bie Welt ber Melobie. Ein Mittagskonzert bes Funk- Orchesters. 13.15: Von Breslau: Mittagskonzert II (Fortsetzung). 14.15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Von Trier: I. Zithermusik. II. „Kochem an ber Mosel". Plauberei von Josef Schmelzer, Kochem. 16: Kleines Konzert. Klaviermusik. 16.30: Runb um bie Marburger Festspiele. 17: Nachmittagskvnzert. 18.30: Corbillerenritt. 18.45: Das Leben spricht. 19- Don Kaiserslautern: Unterhaltungskonzert. 19.50: Bauernfunk. 20.15: Von Danzig: Reichsfen- düng: Stunbe ber jungen Nation: „Die Hansa . 20.45: Lachenber Funk. 22.20: Von Kassel: Kammermusik. 23: Don Köln: Operetten-Musik. 24 bis 2: Nachtkonzert bes NS.-Reichssinfonieorchesters.
Oberhesseti.
Die Beisetzung des Pfarrers D. Fritsch.
X Ruppertsburg, 8. Juni. „Ich kehre balb roieber zu euch zurück", so sagte unser altehrwürbi- ger Pfarrer I). Fritsch, als er unsere Gemeinbe am 1. Oktober v. I. verließ, um nach mehr als 50- jähriger Amtszeit, von ber er allein 38 Jahre lang in großem Segen in unserer Gemeinbe wirkte, im nahen Laubach seinen wohlverbienten Ruhestanb zu verleben. Nur kurz war bie Zeit ber Ruhe. Denn nachbem ihn ber weise Ratschluß bes Allmächtigen am 5. Juni nach kurzer schwerer Krankheit zu sich gerufen hatte, machte er heute seine letzte Fahrt in seine liebe gute Dorfkirche zu Ruppertsburg, um von ba zum herrlich gelegenen Gottesacker gebracht zu werben, wo er selbst in ben langen Jahren seines Hierseins 339 teure Menschenkinber zur ewigen Ruhe eingesegnet hatte, unb wo ber Sohn bereits ruht, ber ben Helbentob fürs Vaterlanb starb.
In ben ersten Nachmittagsstunben war bie Leiche in bem geschmückten Gotteshause zwischen Lorbeer unb Palmen aufgebahrt worben. Um 15 Uhr begann bie Gebächtnisfeier in ber Kirche, bie so überfüllt war, baß viele Kinber auf ben Treppen Platz nehmen mußten. Der Gesang ber Lieblingschoräle bes Verschobenen „Jerusalem bu hochgebaute Stabt", „Gloria sei bir gesungen", Jesus lebt, mit ihm auch ich" umrahmten Gebete unb Prebigt bes amtieren« ben Geistlichen Pfarrer Schmibt aus Laubach, ber feiner ergreifenben Trauerrebe bas Tertwort Ioh. 16, Vers 33 zugrunbe legte: „In ber Welt habt ihr Angst, aber feib getrost, ich habe bie Welt über- rounben", ber Text ber Examensprebigt bes jungen Kanbibaten Ioh. Fritsch, unb vor 14 Tagen bas Textwort feiner letzten Prebigt, bie ber Greis in Silberhaaren in ber Stabtkirche zu Laubach hielt. Unb was heute ber mit ihm befreunbete Pfarrer Schmibt barüber prebigte, ergriff alle Herzen.
Nach Beenbigung ber Feier in ber Kirche fetzte sich ber Trauerzug, wie ihn unser Dorf wohl selten gesehen hat, nach bem Friebhof in Bewegung. Den zwei Schulklassen folgten bie örtlichen Vereine, Bürgermeister unb ©emeinberat, ber Kirchenvor- ftanb, Propst Trommershaus en aus Frankfurt, Oberkirchenrat i. R. Wagner unb ber ehemalige Propst, Pfarrer K n o b t, bie Geistlichen bes Dekanats Schotten, alle im Ornat, unb viele anbere Geistliche, zusammen wohl etwa 40 Pfarrer, bie trotz ihrer Pfingstarbeit zum Teil von weither her- beigeeilt waren, um bem allseits geschätzten Arnts- brtiber bas letzte Geleit zu geben. Hinter bem Sarge sah man bie Hinterbliebenen bes Verstorbenen, ber in feir-r Ehe mit Frau unb sechs Kinbern. zu benen noch eine Pflegetochter kommt unb 14 Enkelkinbern, reich gesegnet unb glücklich war.
Pfarrer S ch m i b t vollzog bie Einsegnung, Schulkinber fangen „Christus, ber ist mein Leben", ber Gesangverein Ruppertsburg „Ruhe sanft?" unb „Nach ber Heimat süßer Stille". Den langen Reigen ber Nachrufe eröffnete Probst Trommershaus e n , kommissarischer Probst für Oberhessen, ber in längerer Rebe bie stets gleichbleibenbe, treue Arbeit bes Entschlafenen im Dienste ber Kirche Jesu Christi in schönen Worten roürbigte unb zum Dank bafür einen Lorbeerkranz nieberlegte. Nunmehr sprach, sichtlich gerührt, Dekan W i b m a n n (Schotten), ein treuer Freunb bes Heimgegangenen, im Namen ber Geistlichen bes Dekanats, bie in dem Toten einen allzeit hilfsbereiten, treuen Amtsbruder verloren haben. Auch für feine Tätigkeit im Reichsbunb ber beutfchen Pfarrvereine, besten Ehrenvorstanbsmitqlieb er war, sprach ber Rebner Worte bankbaren Gebenkens unb legte einen Kranz nieber. Für ben Hess. Pfarrverein, besten Schriftleiteramt Pfarrer D. Fritsch 39 Jahre lang versah, legte Pfarrer Brill (Groß Steinheim) als Zeichen bes Dankes unb ber Liebe einen Kranz nieder. Auch Bürgermeister unb Ortsgruppenleiter Lind fanb schöne Worte ber Anerkenung für ben verschiebenen Pfarrer unb Ehrenbürger unserer
Gemeinbe. Im Namen ber Kirche sprach Lehrer D e b u 5 baoon, wie ber stete Inhalt ber Predigt bes Entschlafenen bas Wort gewesen sei, „Jesus Christus, gestern unb heute unb berselde auch in Ewigkeit." Für bie Altherren bes Wingolf roibmete Dekan i. R. Dolp (Laubach) bem treuen Verbin- bungsbruber einen Kranz. Krieger- unb Gesangverein ließen burch ihre Dorsitzenben Wilhelm Seipp II. unb Wilhelm ParrVI. Kränze nieber- legen. Auch bie Sprecher ber Schulkinber, bie leibet nicht an bas Grab hercmkommen konnten, ehrten ihren lieben Pfarrer unb Lehrer burch Kranz- fpenben.
Gemeinderat in Grünberg.
4- Grünberg, 8. Juni. Vor Eintritt in bie Tagesordnung teilte Bürgermeister Wagner mit, bah er vorn 12. Juni ab zur Teilnahme an einem vierwöchigen Kursus in ber Gauführerschule beurlaubt sei. Für bie Dauer seines Urlaubes sei vom Kreisamt Pg. Otto Stein als kommissarischer Beigeorbneter mit seiner Stellvertretung beauftragt worben.
Aus bas Gesuch ber hiesigen Ortsgruppe bes Reichsluftschutzbunbes um Gewährung eines einmaligen Förderungsbeitrages sprach sich ber Oemeinberat für bie Bewilligung einer Summe von 30 Mark aus.
Zu ben Arbeiten im Brunnental gab Architekt Balser nähere Auskunft über bie Abdichtung des unteren Triebwasserteiches. Die Ausschachtungsarbeiten am Staudamm haben ergeben, daß die alte Dichtung höher lag als die Teichsohle. Bei der nun weitergeführten Ausschachtung ist man auf Quellabern gestoßen. Nach Besprechung mit dem Kulturbauamt schlug Herr Balser vor, bie Hauvtader burch Zementrohre zu fassen und in Quelle 1 bes Wasserwerkes zu leiten, bie übrigen kleineren Quellen dagegen burch Schotterpackung zu fassen unb zunächst in ben Teich zu führen; im Bebarfsfalle kann bann bieses Wasser später ebenfalls bem Wasserwerk xugeleitet werden. Durch biefe uuvorgesehenen Arbeiten entsteht ein Mehrkostenbetrag von runb 1500 Mark. Nach einigen Einwänben verschobener ©emeinberäte würbe im Anschluß an bie Sitzung sofort eine Ortsbesichtigung Dorgenommen. Die Arbeiten sollen in ber vorgesehenen Weise ausgeführt werben.
Für bas am „Spitzen Stein" eingerichtete Zeltlager bes Jungvolkes ist bie Wasserleitung von bem nahegelegenen Schwimmbad bis zum Lager gelegt worden. Die Stadt übernimmt die Kosten, auch gestattet sie bie unentgeltliche Benutzung bes stcibtischen Schwimmbabes burch bas Jungvolk bes Zeltlagers, besten Babezeit jeboch so gelegt werben soll, baß der übrige Badebetrieb dadurch nicht gestört wird. Ebenso sollen bie von ber NS.-Volkswohlfahrt hier untergebrachten Kinder das Schwimmbad unentgeltlich benutzen dürfen.
Tragischer Tod am Pfingstfest.
* Hattenrod, 11. Juni. Am ersten Pfingst- feiertag wurde hier der 56 Jahre alte Arbeiter Hch. Albach von einem tragischen Unglücks- fall ereilt, der ben Tob bes bebauernsroerten Mannes zur Folge hatte. Albach wollte in ber Scheune seines Dienftherrn, bes Lanb- unb Gastwirts Heinrich Dörr, Heu herunterholen, stürzte habet ab unb blieb mit einem schweren Schäbel- bruch am Boben liegen. Der Verunglückte würbe schnell nach ber Chirurgischen Klinik in Gießen verbracht, wo er aber fc^on balb nach seiner Einlieferung starb.
Arbeitsbeschaffung durch umfangreiche Meliorationen.
* Alsfelb, 10. Juni. Die Dienststelle Alsfeld des Kulturbauamtes Oberhesten hat jetzt die Arbeiten zur Durchführung eines umfassenden M e - liorationsplanes in den Gemarkungen ber
ftanb eine Gestalt vor ihm. In bem halben Licht, das ber Mond gab, erkannte Eckeharb ben jungen Knecht Emil.
„Na, Emil, was gibt’s benn?" fragte er. „Was geisterst bu benn noch so spät in ber Nacht umher?
Der junge Bursche machte ein erschrecktes Gesicht.
„Gott sei Dank, Herr Inspektor, baß ich Sie jetzt treffe! Ich bin schon brühen im Herrschaftshaus gewesen. Sie zu suchen!"
„Was ist benn los?" Mackenroth war nun wirklich beunruhigt. Emil war einer ber wenigen beutfchen Gutsangestellten, bie man hier noch hatte behalten können. Es war ein fixer, heller Junge unb ihm blinblings ergeben.
„Herr Inspektor mit ber braunen Stute, der Liese, ist was nicht in Ordnung. Ich meine, die hat was gefressen, was nicht richtig ist.
Mackenroth eilte schon mit raschen Schritten über ben Hof. Emil Perschke klapperte in feinen Holz- Pantoffeln neben ihm her.
Währenb sie beibe zusammen eilig über ben Wirtschaftshof gingen, berichtete Emil hastig. Die braune Liese hatte heute abenb schon bas Fressen verweigert, berichtete er. Er hätte nur ben Herrn Inspektor nicht stören wollen, weil er gewußt hatte, ber wäre bei ber gnäbigen Frau eingelaben. Es wäre bann zur Nacht etwas bester geworben — unb er hätte schon gebacht, bie Liese würbe sich beruhigen. Aber es hätte ihn keine Ruhe gelassen; ba wär« er noch einmal aufgeftanben unb in ben Stall gegangen. Da hätte bie Liese mit einem ganz auf getriebenen Leibe bageftanben unb hatte fid) immer ins Stroh legen wollen. Dazu hatte sie jämmerlich geschrieen. Sie suhle sich im Maul auch ganz heiß an — und da hatte er lieber den Herrn Inspektor holen wollen."
Mackenroth antwortete nicht. Mit ernstem Gesicht trat er jetzt neben Emil in ben Stall. Es war so, wie ber Junge gesagt. Der Leib bes Tieres war, wie er bei ber vorsichtigen Betastung feststellte, hoch aufgetrieben. Die Augen glänzten fieberig. Das ganze Tier machte einen stumpfen, erschlafften Einbruck; es schien sich nur mühsam auf ^^H?rausführen,0Emil!" befahl Mackenroth. „Du weißt ja, was man zuerst macht. Immer Herumlaufen lassen — Herumlaufen unb nicht zum Hinlegen kommen lassen! Inzwischen werbe ich ben ^E^ strich^bem^Pserd zärtlich über den Hals. Das Tier sah ihn mit feinen fieberglanzenben, angstvollen Augen an, als ob es ihn verstaube.
Na na, Liese", sagte Mackenroth mit einer tiefen,' beruhigenben Stimme, „bas wirb schon roieber werben. Das wirb schon wreber werben!
Das Pferb schob seinen Kopf dicht an Macken- roth heran, als wollte es bei ihm Schutz suchen.
Emil Perschke führte bas Pferb nun heraus unb ließ es draußen im Hof unter aufmunterndem Zurufen NN Kreise Herumlaufen.
Warum verkeimst du mich, Barbara?
Vornan von Liane Sanden.
Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
6 . Fortsetzung Nachdruck verboten!
8. Kapitel.
Das Fest bei Barbara schien nicht enden zu wol- len. Auf dem Schloß brannten bie Lichter noch lange in bem großen Saal und ben angrenzenben Gesellschaftsräumen. Sie leuchteten herüber burch den Park bis zu bem Jnspektorhaus. bas lenfeits der Brücke neben ben Gutsgebäuben lag. Ecke- harb von Mackenroth saß im Dunkel seines Zimmers an bem geöffneten Fenster. Der Wmb trug verlorene Bruchstücke ber Tanzmusik vom Schloß xu ihm herüber. Wie eine höhnische Melodie waren diese Klänge für ihn. Sem Herz war voll Som Das, was Barbara ihm ba geboten hatte, roar zuviel. Wie konnte sie es wagen, ihn so zu behanbeln? Was hatte er getan? Nichts, was sie zu solchem Benehmen berechtigte. Was war aus her sanften, gütigen Barbara von Ssechow gemor- ben, bie er angebetet hatte wie em haheres Wesen? wo war ihre Feinfühligkeit, daß sie imstande war einen Menschen (o zu demütigen, nur weil er ihr Angestellter roar. Er durste sich das nicht langer °°E? wolliges nicht. Morgen schon würde er iljr sein Kündigungsgesuch einreichen. Er wollte auch nicht eine Minute mehr zögern. o
Er schloß bas Fenster unb knipste Campe an. Schon roar ber Raum in welches Licht getaucht. Er holte Schreibpapier unb Feber unb schrieb sein Abschiebsgesuch an Barbara. Morgen würbe er es ihr bringen unb sie bitten, bas Dlenstverhalt- nis vor her Zeit zu lösen. Mit fester Hanb setzte er feine Unterschrift unter bas Schreiben. L>o Nun war es geschehen. Nun war er endlich zu einem Entschluß gekommen. ... .
Es ging so nicht weiter. Er verzehrte sich tn dieser aussichtslosen Liebe zu Barbara.
Selbst wenn er mit dieser Leidenschaft fertig geworden wäre — dieses hochmütige, verletzenoe Benehmen ihm gegenüber roar unerträglich für den Stolz eines Mannes.
Gerade hatte er den Brief in ben Umschlag gesteckt unb wollte sich schlafen legen, als vom Wirtfchaftshof her ein hastiges Laufen unb Klappern, wie von Holzpantoffeln, ertönte. Eckehard horchte auf. Wer lief denn da so spät noch über den Hof? ,
Er nahm seinen Hut unb eilte aus bem Jnsper- torhaus heraus. Als er gerabe bie brei Steinstufen vom Hausflur auf ben Wirtschaftshof hinaustrat,
Mackenroth eilte in bie Jnfpektorwohnung zurück. Er konnte ben Tierarzt jetzt telephonisch doch nicht mehr erreichen. Er würbe den kleinen Selbstfahrer nehmen müssen unb den Mann selber holen.
Auf Emil Perschke konnte er vertrauen. Der Junge liebte bie Pferde, als wären es feine eigenen. Er würde nichts unversucht lasten, um das schone Tier zu retten.
Einen Augenblick überlegte Eckehard, ob er bem Oberinspektor Rockesch von ber Erkrankung bes Tieres Mitteilung machen sollte. Eigentlich war er dazu verpflichtet. Aber Trotz hielt ihn baoon ab, ihn herüberzuholen. Mochte Rockesck bei bem Fest bleiben. Mehr als den Tierarzt holen konnte man ja im Augenblick-micht.
Es war hoch merkwürdig: in ber letzten Zeit war es immer öfter passiert, baß irgendein Tier rätselhaft erkrankte. Dor ein paar Tagen ber junge Zuchtstier in ber Herbe; bas beste Tier, bas sie eben frisch importiert hatten. Mittag roar er noch gesund unb stark auf her Weibe herumgesprungen. Abenbs lag er plötzlich wie in Krämpfen unb roar trotz aller Bemühungen bes Tierarztes eingegangen. Dann roar die Mutterkuh plötzlich zufammengebro- chen. Sie roar auf rätselhafte Weise in eine Sense getreten. Es roar nicht zu ermitteln gewesen, wieso diese Sense in ben Kuhstall gekommen war.
Keiner ber Knechte konnte als Schuldiger festgestellt werden. Man hatte alles versucht, um bie Wunbe zu heilen. Aber es roar von Anfang an eine böse Infektion bazugekommen — unb man mußte bas Tier vom Tierarzt töten lassen, um ihm «in qualvolleres Ende zu ersparen.
Schon bei bem Zuchtstier hatte Mackenroth angeregt, man sollte bas Tier sezieren, um festzustellen, woran es eigentlich gestorben wäre. Aber Oberinspektor Rockesch hatte wibersprochen.
„Wenn es Ihr Gelb wäre, Herr Inspektor von Mackenroth", hatte er scharf gesagt, „dann wurde ich gar nichts dagegen haben, baß Sie es zum Fenster hinauswerfen. Da es aber das Gelb unserer Herrin ist, widerspreche ich. Warum müssen wir dem Tierarzt bie Kosten Dafür bezahlen? Der Stier ist tot. Daran ist nichts mehr zu änbern. Wer weiß, was er gefressen hat. Auf ber Weibe passiert so etwas eben."
Eckeharb roar über die schroffe, überhebliche Art seines Vorgesetzten sehr empört gewesen. Am liebsten hätte er sich bei Barbara darüber beschwert. Aber er mochte sie nicht zum Schiedsrichter über Streitigkeiten zwischen sich und Rockesch haben. Er roar selbst Mann genug und mußte mit Rockesch, der ihm in tieffter Seele antipathisch roar, fertig werden. Freilich, hätte er geahnt, daß sobald nach dem Tode bes Zuchtstieres ein zweiter unb ein dritter Unglücksfall in bem Viehbestand bes Gutes Scheblowitz eintreten würde, hätte er vielleicht doch auf einer Sektion bes Stieres bestanden. Er konnte sich nicht helfen — dieses Zusammentreffen der Er-


