land zu hindern und die Kleine Entente z u b e ruh i g e n. Die geographischen, militärischen und politischen Bedingungen, gäben einer sowjetrussischen Hilfe nur einen rein passiven Wert. Polen bleibe der aktive Faktor zur Aufrechterhaltung der Ordnung im O st e n. Man könne sich keine erfolgreiche Sicher- heitsorganisation ohne Polen und die Kleine Entente denken. Lavals Besuch habe durch die Tatsache, daß er den Kontakt mit den Leitern der polnischen Politik herstelle, grundsätzliche Bedeutung.
Gedämpftes Echo aus Pans.
Paris, 11. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der höfliche, aber kühle Empfang des französischen Außenministers in Warschau, die Gewißheit, daß Laval Pilsudski nicht wird sprechen können und die Unsicherheit, die Frankreich gegenüber Polen empfindet, geben der französischen Presse nicht die Möglichkeit, in dem siegesbewußten und berauschenden Ton über eine Auslandsreise des Außenministers zu berichten, der sonst angeschlagen zu werden pflegt. Der Havas-Bericht- erstatter bemerkt zum Empfang Lavals in Warschau, die strengen Sicherheitsmaßnahmen erlaubten es der polnischen Bevölkerung nicht, öffentlich ihre Treue und Anhänglichkeit an Frankreich kundzutun, wie sie dies vor einem Jahr bei dem Besuch Barthous als Außenminister getan haben.
„Echo de Paris" schreibt, daß Frankreick einen großen Teil der Verantwortung an dem Umschwung der französisch-polniscken Beziehungen trage, sei unbestritten. Sei es aber von Polen geschickt, wenn dieses seine Rache auf eigene Kosten suche und auf das „deutsche Spiel" eingehe? Kein Staat würde stärker unter einer Wiederaufnahme des deutschrussischen Zusammengehens von Rapallo leiden als Polen. Der französisch-sowjetrussische Beistandspakt solle gerade die Vereinigung zwischen Deutschland und Rußland verhindern.
Die außenpolitische Mitarbeiterin des „O e u v r e" schließt aus dem außerordentlich kühlen Empfang, daß die französisch-polnischen Beziehungen jede Spur von Gefühlsmäßigem verloren zu Haven scheinen, und man nur noch die Sprache der Geschäftsleute anwende. Im übrigen ist die Berichterstatterin von dem in Warschau vorhandenen Mißtrauen gegen Sowjetrußland beeindruckt. Dieses Mißtrauen sei bei weitem viel stärker als die Furcht, die Polen vor Deutschland haben könnte. Das „Oeuvre" erinnert an einen Ausspruch des Marschalls Pilsudski in Genf 1927: „Eines Tages wird in Deutschland ein genialer Mann ans Ruder kommen, und Polen wird sich mit Berlin aussöhnen können, aber mit Rußland wird das immer weitaus schwieriger fein*
Abessinien.
Erheben England und Frankreich Vorstellungen in Rom?
London, 11. Mai. (DNB.-Funkspruch.) Die britische und die französische Regierung erwägen, nach einer Meldung des „Daily Telegraph", V o r - stellungen in Rom wegen der italienischen Kriegsvoroereitungen gegen Abessinien. Beide Regierungen seien in einen diplomatischen Meinungsaustausch mit einander getreten. Die Vorstellungen würden möglicherweise dahin gehen, „daß die italienische Regierung die vielen ernsten Folgen eines aggressiven Vorgehens sorgfältig erwägen möge."
Der Gedanke, Vorstellungen zu erheben, sei in London und Paris etwa gleichzeitig aufgetaucht und die beiderseitigen Entwürfe hätten sich gekreuzt. Beide Regierungen wollten Mussolini versichern, daß sie das Zustandekommen einer Lage vermeiden möchten, die unoermeidlicherweise zu einer Verurteilung Italiens durch den Völkerbundsrat auf dessen nächster Sitzung am Montag in acht Tagen führen würde. Die französische Regierung lege besonderen Wert darauf, daß man dem Völkerbundsrat die tatsächliche Einsetzung eines italienisch - abessinischen Aussöhnungsausschusses berichten könnte. Sollte dies nicht der Fall fein, dann werde Abessinien ohne Zweifel seinen Antrag auf Grund Artikel 15 der Völkerbundssatzung Vorbringen, der die Regelung von Streitigkeiten vorsieht, die keinem Schiedsgericht vorgelegt sind. Sowohl die französische wie auch die britische Regierung seien der Ansicht, daß es unter diesen Umständen unmöglich wäre, eine Erörterung und eine sowohl dem Ansehen Italiens als auch der Sache des kollektiven Vorgehens in Europa abträgliche Entschließung zu vermeiden. Die britische Regierung selbst sei sogar für noch weitgehendere „P o r s ch l ä g e" an die italienische Regierung, um eine völlige Beilegung der ganzen abessinischen Frage zu erleichtern.
Die britischen Dominien gegen den außenpolitischen Kurs.
London, 11. Mai. (DRB. Funkspruch.) „Daily Expreß" meldet, die Ministerpräsidenten K a nadas, Südafrikas und Australiens hätten bei den Besprechungen mit dem englischen Kabinett energischen Einspruch dagegen erhoben, daß England die Genfer Entschließung gegen Deutschland uneingeschränkt unterstützt habe. Sie hätten ferner dagegen protestiert, daß die englische Regierung den Entscheidungen der Konferenz von Stresa zugestimmt habe, ohne vorher mit den Dominien Rücksprache zu nehmen. Ueberhaupt habe das in letzter Zeit zutagegetretene Bestreben der englischen Regierung, außenpolitische Beschlüsse zu fassen und sie erst später den Dominien mitzutei- len, bei den Dominien-Vertretern Mißfallen hervorgerufen.
Englische Falschmeldungen über Aeußerungen General Görings.
Berlin, 10. Mai. (DRB.) Rach einer Meldung des „Daily Telegraph" vom 9. Mai soll General Göring in der vorigen Woche auf einer halböffentlichen Versammlung deutlich zu verstehen gegeben haben, daß Deutschland seiner Luftmacht einen Zweimächte st andard zugrunde zu legen gedenke, d. h. eine Luftstreitmacht zu schaffen, die der aemeinsamen Stärke von je zwei anderen europäischen Staaten gleich sei. Aehnliche Nachrichten bringen andere englische Blätter.
Diese Meldungen entsprechen nicht den Tatsachen. General der Flieger Göring hat weder bei einer halböffentlichen Versammlung in der vorigen Woche, noch bei einer anderen Gelegenheit jemals davon gesprochen, daß Deutschland dem Ausbau seiner Reichsluftwaffe einen Zweimächteftandard zugrundelegen wolle. Er hat auch niemals eine Andeutung weder mündlich noch schriftlich in diesem Sinne gemacht, zumal ein derartiger Aus- bau der Reichsluftwaffe nicht beabsichtigt ist. Die Meldung des „Daily Telegraph" muß daher als freie Erfindung bezeichnet werden.
Wie sieht es in -er Wirtschaft aus?
eine
Aeues Bauprojekt in München.
Ein Heimatbahnhof für den Reichsautozug ,,Deutschland". München, 10. Mai. (DNB.) Reichsfchatzmeister Schwarz gab einem Mitarbeiter des „Völkischen Beobachter" Kenntnis von dem Neubau der Reichszeugmeisterei in Verbindung mit einem Heimatbahnhof für den neugeschaf- fenen R e i ch s a u t o z u g „Deutschland", auf dem Gelände zwischen der Tegernseer-Landstraße und Soyerhof-Straße im Südosten Münchens. Die- ser Reichsautozug wird das Modernste barftel- len, was bisher in aller Welt auf dem Gebiet der technischen Hilfszüge geleistet wurde. Er besteht aus 80 riesigen Fahrzeugen, pon denen 40 Haupt- und 40 AnjchLußwagen Uni. Sedm Spezial-
Oie elektrifizierte Strecke Augsburg—Mrnberg in Betrieb
Die Reichsbahn als großzügiger Arbeitgeber.
werden konnten, so ist das auf die Auswirkungen der Faserstoffverordnung und auf die planmäßig vorgenommene Umstellung der Textilrohstoffwirt- schaft zurückzuführen. Hierdurch ist natürlich eine Verlagerung des Geschäfts der einzelnen Textilindustrien hervorgerufen worden, von der besonders die Kunstseidenindustrie profitiert hat. Uebrigens steigt der Verbrauch von Kunstseide nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt. Im ersten Vierteljahr 1935 betrug die Welterzeugung von Kunstseide fast 107 Millionen Kilogramm gegenüber 85 Millionen Kilogramm in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die deutsche Kunstseidenerzeugung erhöhte sich verhältnismäßig noch stärker, nämlich von 9 auf 11,5 Millionen Kilogramm. Dagegen leiden die Baumwollerzeugungs- lünder unter Absatzmangel. Namentlich die Baumwollaussuhr der Vereinigten Staaten ist in den letzten 8 Monaten um 40 Prozent hinter den entsprechenden Vorjahrsziffern zurückgeblieben. Das ist teilweise auch darauf zurückzuführen, daß Deutschland seine Einfuhr von Baumwolle aus den Bereinigten Staaten notgedrungen von 358 000 Ballen im ersten Vierteljahr 1934 auf 63 000 Ballen im ersten Vierteljahr 1935 reduzieren mußte. Deutschland deckt jetzt seinen verringerten Baumwollbedarf hauptsächlich in Brasilien, daneben auch in der Türkei, in Aegypten und in Argentinien.
wagen enthalten alles, was für einen solchen tech» nischen Riesenzug notwendig ist, so ein Lazarett, Küchen, Bäckerei, Fleischerei, Tonfilmaufnahme- und Wiedergabegerät, Feuerwehr, Transportwagen und eine Rundfunkstation. Zur Unterbringung dieses Reichsautozuges wird nach den Plänen des Münchener Architekten P. Hofer ein ständiger Heimatbahnhof errichtet. Das hierfür notwendige Gelände wurde vom Reichsschatzmeister Schwarz für die Partei erworben. Der Heimatbahnhof, in dem dann auch der Hilfszug „Bayern" stationiert wird, umfaßt einen Verwaltungsbau, eine Kaserne mit Lagerhaus, ein großes Wohnhaus für die Angestellten, eine Großgarage für die Partei sowie große Werkstättenhallen mit einer Tankstelle. Der Neubau der Reichszeugmeisterei wird ebenfalls nach den Plänen von P. Hofer errichtet. Alle Gebäude der Reichszeugmeisterei und des Heimatbahnhofes für den Reichsautozug „Deutschland" sind mit den modernsten technischen und sanitären Einrichtungen versehen. Mit der Fertigstellung des Neubaues der Reichszeugmeisterei ist die gesamte Reichszeugmeisterei, die sich heute zum Teil noch in der Schwanthalerstraße befindet, zentralisiert.
Mehr als 35000 Kraftfahrzeuge im April neu zugewffen.
Im April wurden 35 862 Kraftfahrzeuge im Reich neu zugelassen, das sind 21 v. H. mehrals im Vormonat und 41 v. H. mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Besonders stark waren die Steigerungen bei den Krafträdern und den Lastkraftwagen. An Krafträdern kamen 14 843 neu in den Verkehr (im Vormonat 10 432); dabei haben vor allem die Zulassungen von Kleinkrafträdern zugenommen. An Lastkraftwagen wurden 3532 neu zugelassen (im Vormonat 2946); die darin enthaltene Zahl der dreirädrigen Kraftfahrzeuge hat indessen von 866 auf 731 abgenommen. Bei den Kraftomnibussen erhöhte sich die Zulassungsziffer von 88 auf 235, bei den Zugmaschinen von 389 auf 568. An Personenkraftwagen gelangten 16 670 zur erstmaligen Zulassung; damit ist nach der großen Steigerung, die die Personenwagenzu- lassungen im März, dem ersten Monat nach der großen Automobilausstellung, aufzuweisen hatten, im April eine weitere Zunahme um 5 v. H. zu verzeichnen.
mußten 446 Kilometer Gleise mit Fahrleitung versehen werden, deren Form mit Rücksicht auf die hohe Geschwindigkeit von 160 Stdkm. besonders auszubilden war. An neuen Zugkräften waren erforderlich: 11 Schnellzuglokomotiven mit 120 Kilometerstunden, 16 Personenzug- und Güterzuglokomotiven mit 90 Kilometerstunden Geschwindigkeit, ferner wurden beschafft 10 zweiteilige Wechselstromtriebwagen mit 12 Steuerwagen für 120 Kilometerstunden und drei Schnelltriebwagen für 160 Kilometer Höchstgeschwindigkeit. Von den G e - samtkosten mit rund 34 Millionen RM. entfallen 62 v. H. auf die Aenderuna bestehender und die Schaffung neuer ortsfester Anlaaen, auf die Beschaffung neuer Triebfahrzeuge 38 v. H. Die elektrotechnische Großindustrie ist hierbei nur mit einem Drittel beteiligt und hat zahlreiche Aufträge an ihre Unterlieferer weitergegeben. Die übrigen Zweidrittel treffen auf die sonstigen Industrie- und Gewerbezweige sowie auf Unternehmer mit fast 50 Gruppen. An über 550 Firmen wurden größere Aufträge erteilt und 490 000 Arbeitslosen- Tagewerke werden nach Durchführung der Rest- arbeiten geleistet sein. Zur Finanzierung der Baumaßnahmen hatte der bayerische Staat 1933 ein Darlehen von 6 Millionen gewährt, die Bayerische Gemeindebank Schatzanweisungen in der Höhe von 10 Millionen übernommen. Die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten AG., Berlin, stellte ein Darlehen von 2 Millionen, die Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung eine Grundförderung von über 3 Millionen RM. aur Verfügung. Der Rest, insbesondere die Kosten Der Fahrzeuge, wurde aus Reichsbahnmitteln gedeckt.
Mit der Elektrifizierung der Strecke Augsburg — Nürnberg ist der zweite Abschnitt der zukünftigen elektrischen Nord — Südlinie Ber - l i n — Nürnberg — München vollendet. Zugleich ist die durchgehende elektrische Verbindung zwischen Berlin und Rom ihrer Verwirklichung ein weiteres Stück nähergekommen.
Die internationale Spekulation hat nach der Abwertung des belgischen Franken einen Generalangriff auf den Schweizer Franken und den holländischen Gulden unternommen, der aber im wesentlichen gescheitert ist. Die Nationalbank von Belgien hatte zur Verteidigung des Belga vergeblich für fast 400 Millionen Reichsmark Gold abgegeben. Nach der Abwertung traten Goldzuflüsse ein, die fast ein Drittel dieses Verlustes, nämlich rund 114 Millionen Reichsmark betrugen. Als die Spekulation nach diesem Erfolg aber zum Angriff auf die anderen Festwährungen Übergriff, erlitt sie eine Niederlage. Die scharfen Baisseangriffe gegen den holländischen Gulden wurden von der Niederländischen Bank durch umfangreiche Goldabgaben und durch Anwendung der Diskontwaffe abgeschlagen. In den letzten vier Wochen gab die Niederländische Bank für nicht weniger als 287 Millionen Reichsmark Gold ab und dadurch wurde erreicht, daß der Gulden stabil blieb. Der Schweizer Franken wurde ebenfalls durch solche Goldabgaben gehalten, die in den letzten fünf Wochen nicht weniger als 308 Millionen Reichsmark betrugen. Immerhin ließ sich erkennen, daß der Schweizer Franken sicher blieb, denn die Goldab- aaben der Schweizer Nationalbank, die in der ersten Aprilwoche 69 Millionen Reichsmark betrugen und sich in der zweiten auf 111 Millionen steigerten, sind bis auf wenige Millionen Reichsmark zurück- gegangen. Die Gerüchte von einer Abwertung des französischen Franken wurden unterstützt durch die großen Goldabgaben der Bank von Frankreich mit 246 Millionen Reichsmark innerhalb von drei Wochen; aber trotz der Propaganda des Deputierten Reynaud, dem sich ein Teil der Pariser Kaufleute verschrieb, bleibt der Franken stabil und in der letz- ten Woche hat die Bank von Frankreich für nur 79 Millionen Franken Gold abgegeben. Damit ist alfo auch hier der Angriff der Spekulation gescheitert und es dürfte nunmehr eine Beruhigung des Marktes eintreten.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Konjunkturgestaltung in der deutschen Textilwirtschaft. In den Handelskammerberichten für den Monat April wird auf die auf- fallende Tatsache hingewiesen, daß die Nachfrage nach Garnen weiter zugenommen hat, während in den Webereien und auch in der Konfektion der Absatz sich offensichtlich verlangsamt. Das ist in der Hauptsache eine ('folge der auf Grund der vorjährigen Angstkäufe erfolgten Voreindeckungen. Es ist aber ein Zeichen der gesunden Verfassung der Branche, daß trotzdem die Spinnereien die Nachfrage kaum bewältigen können. Die Wollin- d u st r i e berichtet über einen guten Auftragsein- S. Wenn aber gleichwohl von einem großen der Woll- wie der Baumwollindustrie die vorjährigen hohen Umsätze nicht wieder erreicht
Unruhen in Nordirlan- und auf Neufundiand.
London, 11. Mai (DNB. Funkspruch). Infolge politischer Unruhen hat die nordirische Regierung [ über das Hafenviertel von Belfast ; den Ausnahmezustand verhängt. Die Polizei mußte am Freitagmorgen mit Gummi- , knüppeln gegen die Ruhestörer einschreiten. Bewaff- , nete Schutzleute in Lastwagen fahren Tag und Nacht durch die Straßen der Stadt. Angesichts des bevorstehenden Jubiläumsbesuchs des Herzogs von Gloucester sind die Vorsichtsmaßnahmen besonders verschärft worden. Panzerwagen stehen in Bereitschaft um neue Ruhestörungen im Keime zu ersticken. — Auch aus Neufundland (Nordamerika) werden schwere Unruhen berichtet. In der Hauptstadt St. Johns kam es Zu einem schweren Zusammenstoß zwischen 3000 demonstrierenden Arbeitslosen und der Polizei. Die Arbeitslosen griffen die Schutzleute mit Steinen und Eisenstangen an, so daß die Polizei mit Gummiknüppeln vorgehen mußte, um die ftutje und Ordnung wieder herzustellen. Die Regierungsgebäude wurden von bewaffneter Polizei, die mit Stahlhelmen ausgerüstet ist, bewacht.
Englische Sorgen in Mesopotamien
London, 11. Mai. (DNB. Funkspruch.) Ein englisches Bombenflugzeug stieß am Freitag in der Nähe von Moss ul (Irak) bei einem Landemanöver mit einem Panzerwagen zusammen und stürzte ab. Zwei Flieger wurden getötet, ein Mechaniker und ein weiterer Flieger, der sich in dem Panzerwagen befand, wurden verletzt. Bisher ist es unmöglich gewesen, die ira- kischenAuf ständischen ausfindig zu machen, die am Freitag ein britisches Kriegsflugzeug abgefmoffen haben. Die Untersuchungen werden vielleicht mehrere Monate in Anspruch nehmen. Die Aufständischen setzen ihren Plünderungs- Zug fort. Sie wollen ein Lager von Eisenbahnschwellen entfernt haben. Die irakische Polizei hat £!nf.n.. umfaffenben Feldzug gegen die irakischen Aufständischen eröffnet, und bereits mehrere strategische Punkte besetzt, ohne dabei auf Widerstand zu stoßen.
Versuche mit neuartigen französischen Tank-Wagen.
Paris, 11. Mai. (DNB.-Funkspruch.) Seit etwa einer Woche werden beim 509. Tankwagen-Regiment in Maubeuge Versuche mit wasserdichten Tanks gemacht. Diese Tankwagen, die mit einer 2Irt Modelliermasse abgedichtet worden sind, sollen Gewässer von 1,30 bis 1,40 Meter Tiefe ohne Schwierigkeiten durchfah. re n können. Während Tankwagen bisher höchstens eine Viertelstunde im Wasser bleiben konnten, ohne daß der Motor Schaden nahm, sollen die neuen Wagen vor einem vom Kriegsministerium entsandten Prüfungsausschuß mehr als eine Stunde im Fluß manöoeriert und dann mühelos wieder das Ufer erklommen haben.
Zwei Berliner Kabaretts wegen staatsverneinender und zersetzender Tätigkeit geschlossen.
Berlin, 10. Mai. (DNB.) Auf B-ranlassuna des Reichsministers für Volksaufklärung und Pro- paganda wurden die beiden Berliner Kabaretts „Katakombe" und „Tingeltangel" in letzter Zeit mehrfachen Beobachtungen seitens parteilicher und behördlicher Stellen unterzogen. Dabei stellte sich heraus, daß die onfäng- "che Tendenz dieser Unternehmen, die darauf hinauslief, durch wenn auch scharfen Witz dem Emp- fmden des Volkes zuwiderlaufende Zeiter cheinun- gen zu geißeln und damit in gewisser Weise auch dem neuen Aufbau dienlich zu sein, unter dem Druck der staatsfeindlichen Besucherschaft nach und nach genau ins Gegenteil umgeschlagen ift. So wurde z. B. eine Dirne in Verbindung mit der Sammeltätigkeit für das Winterhilfswerk ge- dracht und allgemein gegen das Sammeln Stimmuna gemacht; Militär- und sa rteiunformen wurden verunglimpft, die Organisation der P a r t e i ins Lächerliche und Dte W e hrpflicht in den Schmutz gezogen. Ein reinrassiger Jude, der als solcher in Deutschland nur Gastrecht besitzt, wagte es, über politische Vor- gange in Deutschland seins herabsetzenden Wojsea
In seinem vielbeachteten Referat über die gegenwärtige Lage des deutschen Außenhandels und der Devisenwirtschaft, das im Rahmen der Unterrichtswoche für Reichsbankbeamte gehalten wurde, hat Reichsbankdirektor Brinkmann die Ausrüstung Deutschlands mit Rohstoffen als das Hauptproblem bezeichnet, das jetzt gelöst werden muß. Er hat 9 Gruppen von Hemmungen angeführt, die eine Lösung erschweren. Da Deutschland nicht daran denke und denken könne, den Weg der Währungsabwertung gleich anderer Ländern zu gehen, so sei das wichtigste Mittel zur Behauptung Deutschlands auf den Weltmärkten eine der Kaufkraft der ausländischen Abnehmer entsprechende Gestaltung der deutschen Exportpreise. Der Reichskommissar für Preisüberwachung, Oberbürgermeister Dr. G o e r d e l e r, hat kürzlich in der „Deutschen Wirtschafts-Zeitung" ebenfalls sehr nachdrücklich auf die zentrale Bedeutung der Preisgestaltung für die Steigerung des deutschen Außenhandels hingewiesen. Der deutsche Preisspiegel sei durch die Währungsentwertung anderer Länder verhältnismäßig stark über den Weltmarktpreis gehoben worden. Es bleibe daher der deutschen Wirtschaftspolitik, die willkürliche Maßnahmen und Währungs - Manipulationen grundsätzlich ablehne, nichts anderes übrig, als im Wirtschaftskampf auf den Weltmärkten die für sie möglichen Preis- Anpassungsmittel anzuwenden. Sicherlich würden diese Mittel immer Wesen und Wirkung einer Subvention haben. Die Kosten sollen von der gesamten deutschen Volkswirtschaft g e - meinsam getragen werden. In dem gleichen Sinne führte auch Reichsbankdirektor Brinkmann in dem oben erwähnten Vortrage aus, daß die deutsche Wirtschaft für die Zukunft dazu übergehen müsse, innerhalb ihrer einzelnen Sektoren einen Gesamtausgleich zwischen Binnenmarkt- undAuslandspreisen herbeizuführen. Die Einzelheiten dieser Regelung sind naturgemäß noch nicht bekannt. Aber der Weg, der be- chritten werden soll, ist deutlich erkennbar. Er führt nicht zu einer Währungsabwertung, die für Deutschland sinn- und zwecklos ist, sondern zu einem Preisausgleich, der den deutschen Waren die Auslandsmärkte wieder in höherem Maße öffnen und zur Ueberroinbung der dem deutschen Export heute entgegenstehenden Hemmungen führen wird.
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Eine besondere Beachtung verdienen die Ausführungen des Staatssekretärs Reinhardt in Eisenach, der mit großer Klarheit die Leitsätze der nationalsozialistischen Steuerpolitik herausarbeitete, die unter dem Gesichtspunkt der sozialen Gerechtigkeit, dem bevölkerungspolitischen Gedanken und dem Gedanken des Wertes der Persönlichkeit steht. Dabei erklärte Reinhardt, die Vermögensbildung soll möglichst gefördert und in feinem Falle durch steuerliche Maßnahmen beeinträchtigt werden. Auch in dieser Auffassung offenbart sich ein großes Verständnis für staatspolitische Notwendigkeiten. Vermögensbildung ist ja tatsächlich gar nichts anderes als Reservenbildung. Ein Staat, der keine Reserven besitzt, befindet sich in dauernder Gefahr. Von wie großer Bedeutung das Vermögen eines Volkes ist, hat uns der letzte Weltkrieg gelehrt, den Deutschland allein dadurch zu führen imstande war, daß es über ein Drittel seines Vermögens zur Finanzierung des Krieges aufbrachte.
Nürnberg, 10. Mai. (DNB.) Am 10. Mai eröffnete der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn Dr. Dorpmüller in Anwesenheit des Präsidenten des Derwaltungsrates der Deutschen Reichsbahn Staatssekretär König, mehrerer Verwaltungsratsmitglieder und der zuständigen Direktoren und Referenten der Reichsbahnhauptverwaltung und des Reichsverkehrsministeriums den elektrischen Betrieb auf der Strecke Augsburg — Nürnberg. Der Eröffnungsfeier wohnten u. a. auch Ministerpräsident Siebert bei. Nachdem der erste Zug auf der Strecke Augsburg—Nürnberg nach Eröffnung des elektrischen Betriebes mit den Festgästen in Nürnberg eingetroffen war, versammelten sich die Gäste im Hauptbahnhof Nürnberg zum Mittagessen, zu dem sich auch Gauleiter Julius Streicher einfand. Anwesend war ferner Jean B o i s s e l, der ftan- zösische Frontsoldat, der am Donnerstagabend in Nürnberg gesprochen hatte. Der Präsident der Reichsbahndirektion Nürnberg, Dr. Geyer, begrüßte die Gäste und gedachte, während sich die Versammlung von ihren Plätzen erhob, besonders der fünf Arbeiter, die bei dem Umstellungswerk ihr Leben verloren haben. Ministerpräsident Siebert machte darauf die Mitteilung, daß die bayerische Staatsregierung zur Weiterführung der Elektrifizierung der Linie Nürnberg — Landesgrenze 15 Millionen Mark zur Verfügung gestellt habe. Das Werk werde vorwärts getrieben, bis die große Verkehrslinie von Deutschlands Südgrenze bis zur Nordgrenze geschaffen sei. Generaldirektor Dr. Dorpmüller betonte, daß sich die Reichsbahn ihrer großen sozialen Pflichten gegenüber ihren Arbeitern und Angestellten bewußt und entschlossen fei, | auch weiterhin das ihre zu tun, um nunmehr auch die zweite und letzte Million Arbeitsloser in Arbeit und Brot zu bringen.
Zum Anschluß der neuen Strecke an das vorhandene Bahnstromfernleitungsnetz wurde eine neue 105 Kilometer lange 100 000 - Volt - Leitung von Landshut nach Treuchtlingen gebaut. Im ganzen


