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Samstag, U. Mai 1035

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhellen)

Hr.109 Zweites Blatt

Sonamaum-SWsalsraum

Auf Fahrt durch Oesterreich im Mai 1935.

Eine Studienreise t)at uns für kurze Zeit in das Gebiet der ehemaligen Donaumonarchie geführt. Die Fahrt ging von dem steilen, schneebedeckten Kamm des Erzgebirges herab nach Böhmen. Weit über Karlsbad hinaus, wo die ersten Kurgäste sich auf der schonen Promenade sonnten, waren deut­sche Laute zu hören. Erst kurz vor Pilsen, das von den Rauchfahnen der Tag und Nacht ar­beitenden Skodawerke verhüllt wär, behauptete sich das Tschechische als einzige Landessprache. Ein einsames Land umfing uns zwischen dieser Stadt der militärischen Rüstung und des weltberühmten Bieres, in die erst kürzlich sowjetrussische Flug- und Waffensachverständige eingetroffen waren, um dem stillen, architektonisch viel reizvolleren B u d w e i s , wo sich deutsche Nebenstimmen langsam wieder mit der tschechischen Hauptdominante vermischten. Weiße strohgedeckte Katen, abgeschlossene Höfe und stolze, verwitterte Burgen aus steil aus Wald und Wiesen hervorragenden Basaltkegeln säumten die Straße.

Aber noch einsamer wurde das Land nach dem Ueberschreiten der österreichischen Grenze im soge­nannten Mühlviertel zwischen dem altertüm­lichen Freystadt und Linz. Hier erst wurde uns so recht bewußt, wie arm das heutige Oesterreich fern den Orten und Landstrichen ist, die der Fremde aufsucht. Wald, steiniger Ackerboden, steile Hänge, schlechte Straßen das ist das Bild, dos sich dem flüchtig Dahinfahrenden bietet. Breit, mächtig, mit grünen Wirbeln durchströmt die Donau bei Linz die Brücken, über die am Sonntag eine nie endende Flut von Radfahrern zieht. Radfahrer und Motor­radler sind auch sonst die Herrscher auf Oesterreichs Landstraßen.

Immer wieder fühlt man: dieses Land, um dessen Schicksal auf der Vorkonferenz in Venedig erneut gerungen wurde, schweigt. Stumm wartet es darauf, was mit ihm geschieht. Es liegt eine ver­haltene Furcht und gleichzeitig eine verhaltene Hoff­nung über ihm Es fühlt sich so sehr als Objekt der graßen Politik der Mächte wie der Politik seiner Wiener Regierung, um deren Volkstümlichkeit Maueranschläge mit Bildern und Aussprüchen Schuschniggs und Starhembergs bemüht sind, daß es mit beinahe fatalistischer Gelassenheit den Er­eignissen des Tages zuschaut und in einem kontem­plativen Zustand verharrt, der diesem deutschen Stamm zwischen Donau, Inn, Wiener Wald und Kararrnmken vielleicht angeboren ist, von dem man aber auch instinktiv ahnt, daß er heute etwas Künst­liches und Verkrampftes hat.

Der Außenminister dieses Oesterreichs, Herr von B e r g e r - W a l d e n e g g , hat nun in Vene- d i g auf der sogenannten informativen Konferenz für die geplante große Donaukonferenz in Rom erklärt, daß sein Land nicht nur seine Selbständig­keit fordere, sondern auch in jeder Hinsicht in der Lage sei, aus eigenen Mitteln diese Selb­ständigkeit zu behaupten und daß es daher ablehne, als Bettlerstaat angesehen zu werden. Das ist ein stolzes Wort, über das Herr von Berger-Waldenegg mit seinem Kollegen vom Finanzreffort, Herrn B u r e s ch , rechten muß, der nach Gens gefahren ist, um Finanzverhandlungen zu führen. Und wäh­rend Herr von Berger-Waldenegg mit dem italie­nischen Staatssekretär des Aeußeren Suvich und dem ungarischen Außenminister Kanya in Vene­dig konferiert, hat Bundeskanzler Schuschnigg in einer Rede in Wien, in der er die Versöhnung der Arbeiterschaft mit dem heutigen Staate als eines der großen Ziele seiner Politik aufstellte, sich gegen die Lügen gewandt, die angeblich im Lande selbst wie außerhalb über Oesterreichs Lage ver­breitet würden. Wir sind in diesem Lande zu Gast. Es ziemt sich daher nicht, uns in seine inneren Verhältnisse einzumischen. Wir beschränken uns da­her darauf zu fragen: Ist der Donauraum, in den Oesterreich ebenso schicksalsmäßig hineinverflochten ist wie Unanrn, wie Südslawien, Rumänien und auch die Tschechoslowakei von Deutschland ein­mal ganz abgesehen, heute tatsächlich nicht das Objekt der Politik zweier trotz allen Freundschaftsbeteuerungen rivalisierender Großmächte? Gesetzt den Fall, daß Oesterreich, wie sein Außenminister glaubt, aus eigenen Kräften sein Eigenleben und seine Selbständig­keit wahren kann, warum dann diese unablässige Kette von Konferenzen wirtschaftlicher und politi­scher Art, auf denen doch nur immer wieder die Interessen zweier Großmächte gegeneinander aus­gehandelt und ausgewogen werden?

Um was wird es in Rom erneut gehen? Die Frage ist leicht beantwortet, wenn man sich nicht an den Tagesereignissen festklammert, sondern die Entwicklung des Donauraumes im geschichtlichen Ablauf der letzten 16 Jahre sieht. Die Zertrümme­rung der Donaumonarchie und die Entstehung von drei Kleinstaaten an ihrer Stelle Oesterreich, Un­garn und die Tschechoslowakei schufen ein geo­politisches Vakuum in das der natürliche Macht- undAusdehnungstrieb derGroßm ächte zwangs­läufig hineinströmen mußte. Frankreich hatte bei dieser Entwicklung als stärkste aus dem Welt­krieg hervorgehende Macht den Vorrang. Seme Politik seine Zivilisation, seine Lebensart wurden zuerst in der Tschechoslowakei Trumpf und sind es auch heute noch in einem Maße, von dem man bei einem Besuch erst wieder völlig über­zeugt wird Die gleiche Besorgnis um die habs­burgische Restauration führte die Tschechoslowakei, Südslawien und Rumänien zusammen und lieferte damit Frankreich die Grundlage zu einem Bünd- mssystem, das wie ein starrer Riegel nicht nur vor dem Tor zu einer friedlichen Revision lagert, sondern auch vor der Pforte, durch die Italien seine Forderungen und Wünsche in be- zua auf den Donauraum einzuführen hoffte.

D«e faschistische Außenpolitik schuf sich als Ge- g"ngewicht gegen das französische Bündnissystem d-'n allerdings viel schwächeren Block des R ö - mischen Dreierabkommens. In freund­schaftlicher Zusammenarbeit mit Deutschland hoffte man in Rom Stück für Stück im Donauraum das Terrain zu erobern, das in Frankreichs Auftrag von den Staaten der Kleinen Entente besetzt und festgehalten wurde. Im Frühjahr 1934 vollzog sodann Mussolini jene verhängnisvolle Schwen­kung, die im Juli zum Aufmarsch italienischer Divisionen am Brenner und schließlich an der Jahreswende zu jenen mit Laval abgeschlossenen Pakte führte. Wir sagen verhängnisvoll, weil die Lage im gesamten Donauraum von jener Schwen­kung an eine Verwirrung und Verschärfung er­fuhr, die nicht nur die direkt betroffenen Staaten feft)Tt, sondern auch Italien belasteten Denn im­mer mehr stellte sich heraus, daß Italien mit seiner Schwenkung der eigenen Politik im Do-

Als Großmacht leben oder als Hansen sterben. Ministerpräsident Göring betont den Friedenswillen, aber auch die Lebensrechte des deutschen Volkes.

Herzlicher Empfang in Freiburg.

Eine Rede Görings in der Festhalle.

Freiburg i. Br., 11. Mai (DNB.Funkspruch.) Ministerpräsident General der Flieger Göring stattete am Freitag Freiburg, der Hauptstadt des Breisgaues einen Besuch ab. In der Beglei­tung des Ministerpräsidenten sah man feine G e - mahlin, den persönlichen Adjutanten Oberstleut­nant Bodenschatz, Hauptmann M e n d e und Ministerialrat Dr. Gritzbach. Die Fahrt des Ministerpräsidenten in die Stadt gestaltete sich zu einem wahren Triumphzug. Als der Wagen Gö­rings durch die Kaiserstraße glitt, brachen ununter­brochen Heil-Rufe aus, die sich bis zu dem Rat- haus-Platz fortpflanzten, wo die Ehrenstürme des Luftsportverbandes, des Luftschutzbundes und der verschiedensten Formationen der Bewegung in Reih und Glied angetreten waren. Der Minister­präsident begab sich in den Saal des neuen Rat­hauses, wo ihn Reichsstatthalter Robert Wagner mit herzlichen Worten im Namen der badischen Regierung und des badischen Volkes willkommen hieß und ihm Oberbürgermeister Dr. Kerber einen Ehrentrunk überreichte. Der Ministerpräsi­dent dankte für den ihm bereiteten herzlichen Empfang und trug sich in das goldene Buch der Stadt Freiburg ein.

Am Abend fand in der städtischen Festhalle eine große Kundgebung statt. Tausende von Zu­hörern hatten sich eingefunden, weitere Zehntausende standen auf dem benachbarten Karlsplatz, wohin die Rede des Ministerpräsidenten übertragen wurde. Der Ministerpräsident unterstrich die Notwendigkeit, die Zeit des Kampfes fest in der Erinnerung zu behal­ten, da sie die Herzen stark mache gegen jede Ver­suchung. Denn in dieser Zeit habe der Arbeiter auch die wahreinternationale Soli­darität" erkennen können und wisse heute aus dieser Erkenntnis um die Kraft, die allein aus der Verbundenheit mit dem eigenen Volke und dem eigenen Lande quillt.

Die Weltgeschichte werde es einmal klar fest­stellen, daß Deutschland langst im Kommunis­mus erstickt gewesen wäre, daß über Deutsch­land längst die Not ihr grausames Zepter erhoben hatte, wenn nicht Adolf Hitler und feine Bewegung gewesen wäre.

Zwei Dinge waren es. die allein um die Entschei­dung, um die Zukunft Deutschlands rangen. Zwei Feldzeichen waren aufgepflanzt, blutrot beide Tü­cher. Das Hakenkreuz, das urewige Zeichen germanischen Blutes hat den Sieg davon­getragen über alles Undeutsche. So fanatisch, wie wir in unserer Liebe zum Volke waren, so fa­natisch aber auch sind wir im Haß gegen feine Ver­derber gewesen.

Der Ministerpräsident fertigte bapn die Kritiker, die an Belanglosigkeiten und an Äußerlichkeiten herumkritisieren, eindringlich ab und ging auf das Land Baden selbst ein,' um hier vor der Grenze den Friedenswillen des Führers und des deutschen Volkes noch einmal nachdrück­lich zu wiederholen. Allerdings, fo erklärte Göring, müsse jeder, der etwa Deutschland angreifen wolle, wissen, daß in diesem Falle mit verbissenem Wider­stand zu rechnen sei.

Die Weltgeschichte habe es bewiesen, daß nichts mehr den Frieden bedrohe, als ein wehrloses Volk inmitten hochgerüsteter Völker. Lin 662Nillro- nen-Volk lebe entweder als Großmacht, oder

es sterbe als Haufen. Der Führer jedoch habe Deutschland wieder zur Weltgeltung empotge- hoben, habe Deutschland wieder die verloren gegangene Ehre zurückgegeben.

Der Ministerpräsident wandte sich noch gegen ge­wisse Verleumdungen eines Teiles der Auslands­presse und streifte ebenfalls kurz den Kirchen- streit. Hierbei hob er mit allem Nachdruck hervor, daß der nationalsozialistifche Staat sich um Dinge, die nur die Kirche angingen, nicht kümmern werde. Er verwahrte sich gleichzeitig gegen den Vorwurf der Ungläubigkeit, der dem Nationalsozialismus von verschiedenen Seiten gemacht werde und schloß seine Rede mit den Worten:

vergessen wir es nie, daß nur in der Kraft der Geschlossenheit, in der Einheit der Nation der Friede für

Deutschland liegt und damit auch der Friede für die Welt. Friedlos waren wir, weil wir verblendet waren. Ehrlos wurden wir, weil wir feige die Waffen streckten. Aber Ehre und Freiheit find uns 3 urütf ge­geben. And Millionen haben wieder Arbeit und Brot bekommen. Deutschland ist aufer­standen, weil Golt uns den Führer schenkte!

Zum Schluß der Rede steigerte sich der Beifall zu einem Sturm der Begeisterung, der bis zur Ab« fahrt des Ministerpräsidenten anhielt. In den spä­ten Abendstunden brachten die Hitler-Jugend und der BDM. dem Ministerpräsidenten und seiner Gemahlin einen Fackelzug dar. Erst in der Nacht verließ der Ministerpräsident mit seinem Gefolge Freiburg.

Englands Parlament huldigt dem König.

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Einen zweiten Höhepunkt verzeichnete das englische Regierungsjubiläum durch den Staatsakt in der historischen W e st m i n st e r h a l l e, wo die Mitglieder der Parlamente dem Königspaar ihre Glück­wünsche überbrachten. Unser Bild zeigt einen Blick in die ehrwürdige Westminsterhalle. Im Hinter­grund sieht man das englische Künigspaar vor den Thronsesselp. König Georg V. erwiderte auf die Glückwunschansprachen mit einer Rede, in der er die Krone als das Symbol der Einheit aller Staaten des Empire feierte.

Lavals Ankunst in Warschau.

nauraum den geringsten Dienst gelei-I st e t hatte. Seitdem nämlich Frankreich sicher war, daß es im Donauraum keine divergierenden italie­nischen Vorstöße mehr zu befürchten hatte, daß vielmehr Italien in seinem Auftrag die Wacht an der Donau übernahm die geringen kolonialen Zugeständnisse in Somaliland und diefreie Hand" in Abessinien waren dafür ein recht bil­liger Preis.konnte es getrost und beruhigt das von Barthou eingeleitete große Spiel feiner Po­litik, den Abschluß eines Schutz- und Trutzbündnisses mit den Sowjets, fortführen.

Zu spät merkte man in Rom, wie sehr man sich feftgelegt hatte. Zu spät näherte man sich mit allen Mitteln Polen, um den eigenen schwachen Block durch dessen Beitritt zu verstärken. Die Zu­sammenkunft Suvichs mit Oberst Beck hat das Zu­standekommen des russisch-französischen Paktes ebenso wenig zu hindern vermocht wie die Vor­schläge, die Italien Polen und den östlichen Rand- ftaaten als zukünftigen Garanten seines Donau­paktes zugehen ließ. Die Erkenntnis mag für die römischen Politiker bitter sein, aber sie ist dennoch richtig: während Italien auf Konferenzen und Be­sprechungen seiner Politik im Donauraum erneut eine positive Wendung zu geben versucht, han­delt Frankreich rasch und zielbewußt, indem es auch die Teschechvslvwakei zum Abschluß eines militärisch untermauerten Bündnisvertrages mit den Sowjets bewegt und damit den antirevisionisti- schen Riegel noch' verstärkt. Es ist daher zu be­greifen, daß Italien in Venedig mit allen Mitteln wenigstens um eine Ausrichtung der Interessen seiner Partner, nämlich Oesterreichs und Ungarns, bemüht ist. Daß diese nicht gleichlau­fen, ergibt sich aus der verschiedenen Einstellung Oesterreichs und Ungarns zur Frage der Revision und der militärischen Gleichberechtigung. In bei­den Punkten erstrebt Ungarn grundsätzlich eine kompromißlose positive Klärung, während für Oesterreich die Revisionsfrage niemals besonders akut war und die Frage der allgemeinen Wehr­pflicht aus innerpolitischen Erwägungen eher ne­gativ beantwortet wird. Die Reserve aber, mit der das heutige Oesterreich die Frage der Revision und Wehrhoheit betrachtet, mag der Wiener Re­gierung eine gewisse Handlungsfreiheit geben, da sie dadurch in die Lage versetzt wird, auch einmal die französische Karte auszuspielen. Aber diese Handlungsfreiheit bleibt ja stets nur eine Hand­lungsfreiheit auf Sicht, bleibt abhängig von dem Wohlwollen der Großmächte und garantiert niemals jene Selbständigkeit von der Herr von Beracr Walbeneqa in Venedig gesprochen hat 3.

Warschau, 10. Mai. Außenminister Laval ist Freitag um 18 Uhr in Begleitung des General­sekretärs des Auswärtigen Amtes, Leger, und seines Kabinettschefs R 0 ch a t in Warschau ein­getroffen. Zu seiner Begrüßung hatten sich auf dem Bahnhof Außenminister Beck, der französische Botschafter Laroche, ferner der Chef des Proto­kolls und mehrere hohe Persönlichkeiten eingefunden. Laval, der während seines Warschauer Aufenthalts im Hotel Europa wohnt, stattete nach der Ankunft einige offizielle Besuche ab. Abends gab Außen­minister Beck einen Tee und anschließend einen Empfang zu Ehren Lavals.

Das Abendblatt des RegierungslagersKurjer Czerwonny" schreibt zum Eintreffen Lavals, der französisch - sowjetrussische Vertrag bedeute für Polen keine neuen Verpflichtungen und stelle es vor keine neue Lage. Neben dem Text gebe es jedoch eine politische Absicht und neben dem Buchstaben den G e i st, der das Wichtigere sei. Laval könne als MUschöpfer des Pariser Vertrages am besten das wirkliche Ziel des Vertrages erläutern und aufklären, ob er wirk­lich nichts an dem bisherigen polnisch-französischen Verhältnis ändere. Es fei überflüssig, daran zu erinnern, wie die französisch-polnischen Beziehungen gegenwärtig seien und wieviel Schuld daran die französischen Freunde trügen. Man dürfe erwarten, daß die Erläuterung des sowjetisch­französischen Paktes in Moskau die gleiche fein werde, wie in Warschau. Wenn die Grundsätze der polnischen Politik, nämlich der Ausbau der eigenen staatlichen Macht und guter Beziehungen mit den Nachbarstaaten, bei Laval das gehörige Verständnis fänden, werde man seinen Warschauer Besuch als fruchtbar an­sehen können.

Das Abendblatt der nationalistischen Opposition, Wieczor Warszawski", begrüßt Laval unter Hinweis auf die herzlichen Freundschafts­gefühle des polnischen Volkes für Frankreich. Es hofft, daß der französische Besuch den Beginn eines neuen Frühlings in den polnisch- französischen Beziehungen bedeute Da die Ziele Frankreichs und Polens die gleichen seien, müßten sie auch gemeinsame Wege gehen und Freundschaft, Offenheit und Vertrauen finden. Der gemäßigte oppositionelleKurjer War- s z a w s k i " sagt, Laval besuche sicher Warschau, um sowohl für d'k polnisch-französischen Beziehung n wie für die Außenwelt zu betonen daß ?r. das. polnisch-französische Bündnis unabhängig von dem

letzten französischen Vertrag für einen wichtigen Faktor der internationalen Politik halte. Zweifellos werde Laval von der polnischen Oeffentlichkeit mit ernster Sympathie begrüßt, da Polens Liebe für Frankreich im Gefühl begründet und ein kulturelles Merkmal fei. Die Unfehlbarkeit des pol­nischen politischen Instinktes liege dem polnisch- französischen Verhältnis zugrunde.

Lavals erste Besprechungen.

Warschau, 11. Mai. (DNB. Funkspr.) Laval hat gestern bald nach seiner Ankunft in Warschau mit dem polnischen Außenminister Beck eine erste kurze Besprechung gehabt. Abends gab Minister Beck ein Essen zu Ehren Lavals, dem sich ein größerer Empfang anschloß. An dem Emp­fang nahmen Ministerpräsident Oberst S l a w e k, die Mitglieder der Regierung und Vertreter der politischen, gesellschaftlichen, literarischen und künst­lerischen Welt teil. Heute wird Minister Laval vom polnischen Staatspräsidenten emp­fangen werden; anschließend gibt der Staats­präsident ein Frühstück für Laval. Am Nachmittag finden Besprechungen zwischen den Ministern Beck und Laval statt. Der Tag schließt mit einem Essen beim französischen Botschafter Laroche. Sonntag früh reift Laval nach Moskau weiter.

Während die polnische Presse sich im allgemeinen heute allen Vermutungen über den Inhalt der Be­sprechungen zwischen Laval und den Leitern der polnischen Politik enthält, veröffentlicht das Regie­rungsblattExpreß Poranny" einen ihm von dem französischen Journalisten St. Brice übersandten Artikel, der die französischen Erwartun­gen barlegt, die sich an den Besuch Lavals in Warschau knüpfen. In dem Artikel heißt es, Frank­reich wünsche mit Entschiedenheit, daß das Bünd­nis mit Polen erhalten und verstärkt würde. Die Besprechungen Lavals würden zweifel­los nicht erleichtert durch die Tatsache der Unter­zeichnung des französifch-fowjetrusfifchen Paktes und durch die Bedeutung, die die Sowjets diesem Pakt gegeben hätten. Wenn die Pariser Lesart von der Moskauer abweiche, fo fei das lediglich ein Be­weis, daß Wortkünste nicht grundsätzliche Unterschiede lösen könnten. Man müsse jedoch überzeugt sein, daß die Franzosen sich niemals in eine antipolnische Politik hinein- ziehen ließen. In dem Ver.'raq mf SowUr'- fanb sähen die Franzosen lediglich cm Mittel, Sow- jetrußland am Intrigieren mit Deutsch»