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Nr. 86 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)Donnerstag, N. April 1935

DLeVermählungsfeier-esMinisterpräsidenien Göring

Ein Alorgenständchen.

Berlin, 10. April. (DNB.) Am Tage der Trauung des preußischen Ministerpräsidenten Reichsministers der Luftfahrt, General Göring, mit Staatsschauspielerin Emmy Sonnemann wurden in den frühen Morgenstunden die letzten Vorbereitungen getroffen In der Wohnung des Ministerpräsidenten kamen und gingen Boten und Postbeamte, zahlreiche Kraftwagen mit Gästen fuhren vor, die von dem Kommandeur des Feld­jägerkorps, Oberstleutnant Fritsch und dem per­sönlichen Adjutanten des Ministerpräsidenten, Oberstleutnant Bodenschatz, empfangen wur­den. Eine besondere Ehrung bereiteten die Ka­pellen der Reichswehr des. Regiments Göring, der Landespolizei, der Leibstandarte Adolf Hitler, des Luftsportverbandes, des Feldjägerkorps, des Ar­beitsdienstes und der SA. und SS. Unter der Gesamtleitung des Obermusikmeisters Ahlers vom Wachregiment Berlin brachte die ungefähr 200 Mann starke Kapelle dem Bräutigam das Morgenständchen dar. Auf dem Balkon erscheint der Ministerpräsident und begrüßt die Kapellen. Sichtlich erfreut ergriff dann der Ministerpräsident das Wort:Ich danke Euch allen für das Ständ­chen zu meinem Ehrentage, mit dem Ihr zum Ausdruck brachtet, wie eng verbunden wir alle zusammen sind als Soldaten der Wehr­macht, der Polizei, des Arbeitsdienstes, der SA., der SS., der Partei und der Luftfahrt. Nichts kann die Einheit des Deutschen Reiches und vor allem den Willen zur Selbstbehauptung mehr dar­tun, wie die Zusammenstellung der heutigen Ka­pellen, in der niemand fehlt von denen, die dem Führer geschlossen folgen wollen zu Deutschlands Aufstieg. Ich danke Euch noch einmal, Kamera­den, und hoffe, daß Ihr oft das Spiel rühren könnt an Freudentagen, vor allem an Freuden­tagen des deutschen Volkes."

Die Einholung der Braut.

Um 11.30 Uhr verließ der Ministerpräsident, be­gleitet von Oberstleutnant Bodenschatz, Staatssekre­tär Körner und Ministerialrat Gritzbach sein Haus am Leipziger Platz und fuhr zunächst zur Bendler- straße, um Frau Sonne mann aus ihrer Wohnung abzuholen. Auf dem ganzen Wege stand ein dichtes Spalier von Menschen, die in herzlichster Weise dem Ministerpräsidenten ihre Verbundenheit zu erkennen gaben. Als Minister­präsident Göring mit Frau Sonnemann das Haus verließ, brausten in langen dichten Ketten die Flug­zeuge des Richthofen-Geschwaders und andere Geschwader über das Haus, ein herrlicher Anblick, der die großen Menschenmengen zu immer erneuten Jubelrufen veranlaßte. Die Fahrt ging dann zur Reichskanzlei, wo das Brautpaar den Führer abholte. Der Wagen des Führers, in dem noch Reichsminister K e r r l, Obergruppen­führer Brückner und Brigadeführer Schaub saßen, setzte sich an die Spitze des Zuges und dar­auf ging es durch das dichte Spalier der Wilhelm- ftraße, der Straße Unter den Linden, des Schloh- platzes und der neuen Königsstraße zum Rathaus. Im Eingang des Rathauses wurden der Führer, General Göring und Frau Sonnemann von Staats- kommissar Dr. Lippert, Oberbürgermeister Dr. S a h m und Stadtrat Wolffermann begrüßt.

Die standesamtliche Trauung.

In der Vorhalle des Stadtverordnetensitzungs­saales nahm dann vor dem Tisch, an dem als oberster Standesbeamter Berlins Oberbürgermeister Dr. S a h m sah, das Brautpaar Platz, rechts davon der Führer und links davon der persönliche Freund des Ministerpräsidenten Reichsminister Serri als Trauzeugen. Staatskommissar Dr. Lippert begrüßte das Brautpaar herzlich und führte u. a. aus: Ehe und Familie sind keine bloßen konventionellen Bande mehr, sondern wieder die natürlichen Grundlagen volklichen Lebens. Das deutsche Volk hat den tiefen Sinn der Ehe und ihrer Bedeutung für das ganze Volk erkannt Aus die­ser Erkenntnis heraus weiß das Volk die Bedeu­tung einer Eheschließung entsprechend zu würdigen und zu achten. Ich bin stolz darauf, daß Sie, hoch­verehrte gnädige Frau, sehr verehrter Herr Mi­nisterpräsident, der mir unterstehenden Verwaltung

die Ehre erwiesen haben, die so bedeutsame amtliche Handlung vorzunehmen. Ich bitte Sie, Herr Ober­bürgermeister, kraft staatlichen Auftrages die Ehe­schließung nunmehr vorzunehmen

In üblicher Form nahm dann Oberbürgermeister S a h m als oberster Standesbeamter die Trauung vor, verlas das Aufgebot und das Protokoll und bat dann das Brautpaar und die Trauzeugen um Unterschrift. Oberbürgermeister Sahm führte dann u. a. aus:

Hochverehrte gnädige Frau, hochverehrter Herr Ministerpräsident! Der Reichshauptstadt gereicht es zur hohen Ehre, daß im Berliner Rathaus in

Gegenwart des Führers und Reichskanzlers die i standesamtliche Trauung des preußischen Minister­präsidenten vollzogen ist. Mir persönlich ist es eine Auszeichnung und besondere Freude, Ihnen, den Neuvermählten, als er st er meine herz­lich st en und wärm st en Glückwünsche aussprechen und damit zugleich die der gesamten Berliner Bevölkerung übermitteln zu dürfen. Möge der am heutigen Tage beginnende Lebensweg, den Sie, die Neuvermählten, nun Hand in Hand be­ginnen, durch hellen, warmen Sonnenschein zum vollsten Glück führen. Gottes reicher Segen ruhe auf dem Lebensbund."

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Die standesamtliche Trauung im Berliner Rathaus durch Oberbürgermeister Dr. Sah m. Unser Bild zeigt links den Führer, in der Mitte das Brautpaar und rechts Oberbürgermeister Dr. Sah m.

Die Trauseier im Dom.

Die Anfahrt der Gaste.

Noch während der standesamtlichen Trauung wurden am D o m die letzten Vorbereitungen für die kirchliche Feier getroffen. Der Eingang zum H a u p t p o r t a l ist mit herrlichem Blattgrün ge- schmückt, Teppiche führen die Freitreppe hinauf, an der entlang die Feldzeichen der 18 Berliner und Brandenburger Standarten Aufstellung genommen haben Hinter ihnen leuchtet ein Meer von mehre­ren hundert Fahnen und Standarten, etwa 400 Sturmfahnen der SA., eine große Anzahl Stander des NSKK., die blauen Banner des Luftsportver­bandes und die Hakenkreuzfahnen des Kyfshäuser- bundes. Ueber den weiten Lustgartenplatz hinweg stehen die Ehrenformationen der SA., der SS. und des NSKK. mehrere Glieder tief, während unmit­telbar vor dem Dom der Kyffhäuserbund und SA. aufgezogen sind. Vor dem Nebeneingang, dem Por- tag 10 nach der Schloßapotheke zu, sind zwei Kom­panien der Fliegertruppe und des RegimentsGe­neral Göring" mit aufgepflanztem Seitengewehr angetreten. Um 13 Uhr gehen auf sämtlichen um­liegenden Gebäuden die Fahnen hoch.

Der weite Platz ist besetzt von Zehntausenden von Zuschauern. Die Schloßrampe entlang sitzen Hunderte von jungen Pimpfen, die stundenlang warten, um das Bild der An- und Abfahrt zu sehen. Das Wetter hat sich ganz aufgeklärt. Son­nenschein liegt über dem Platz Sämtliche Glocken des Doms erfüllen den Riesenplatz mit einer er­wartungsvollen Stimmung.

Gegen 13.30 Uhr beginnt die große Anfahrt der G ä st e. Ein Wagen nach dem andern rollt

heran. Zwei Minuten vor 14 Uhr: Kommandos ertönen, die Formationen stehen still, die Truppen präsentieren. Der Präsentiermarsch erklingt. Brau­sender Jubel kündet die Ankunft des Füh­rers, der in Begleitung feines persönlichen Ad­jutanten Obergruppenführer Brückner erscheint. Nach der Meldung schreitet der Führer die Front der Truppen ab und geht zum Domportal hinauf, wo er vom Reichsbischof Müller, dem Reichs­vikar Dr. E n g e l k e und Oberkonsistorialrat Korfs begrüßt wird

Das Brautpaar.

Als um 13.45 Uhr Ministerpräsident Göring und Frau auf den Hof vor ihrem Hause hinaus­traten, erklangen helle Jagdhörner. Die Schüler Fder Forstschule Steinbusch bliesen den Fürstengruß. Der Führer war schon kurz vorher zum Dom abgefahren. Ministerpräsident Göring nahm nun mit Fräulein Elsa Sonne- m a n n im ersten Wagen Platz; im zweiten Wa­gen saß die Braut im weißen Kleid und Schleier, geführt von Staatssekretär Körner. In langsamer Fahrt ging es dann über die Wil- helmstraße und die Straße Unter den Linden zum Dom, wo Ministerpräsident Göring zunächst die Front der angetretenen Fliegerkompanie und der Kompanie des RegimentsGeneral Göring" abschritt. Daraus führte Ministerpräsident Göring nach alter deutscher Sitte seine Braut selbst zum Altar. Im Seitengang des Domes erwarteten d i e Brautjungfern und Brautführer das Brautpaar. Man bemerkte unter den Brautführern den Stiefsohn des Ministerpräsidenten, von Kant-

zow, mehrere Neffen des Ministerpräsidenten und den Sohn des Reichswehrministers von Blomberg, unter den Brautjungfern die Schwester von Frau Sonnemann, die Nichte Karin Görings, die Töch­ter des Trauzeugen und persönlichen Freundes Reichsminister Kerrl und Nichten des Braut­paares.

3m Dom.

Schon lange vor Beginn der Trauung waren der weite Kirchenraum, die Ränge und Logen bis auf den letzten Platz besetzt. Nur die vorderen Reihen, die den Reichsministern, Reichsleitern, Staatssekre­tären, Reichsstatthaltern, den Generälen der alten und jungen Wehrmacht, der Reichsluftwaffe und der Polizei und anderen führenden Persönlichkeiten des Staates Vorbehalten waren, waren noch frei. Aber auch diese Bänke füllten sich allmählich. Man be­merkte hier u. a. auch die Fliegerobersten Lörtzer.Udet und Christiansen in der Uniform der neuen Reichsluftwaffe. Ehrfurchtsvoll grüßte die große Gemeinde die greisen Heerführer ades Weltkrieges, L i tz m a n n und Mackensen, sowie den Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß. Um 14 Uhr betrat der Führer mit feiner Be­gleitung durch einen Seiteneingang den Dorn und nahm, ehrfurchtsvoll und schweigend von der Ver­sammlung mit erhobener Hand begrüßt, auf der ersten Bank Platz. Wenige Minuten später betrat unter, den Klängen des Orgelpräludiums das Brautpaar die Kirche. Der Reichsbischof schritt voran. Das Brautpaar nahm auf den beiden Stühlen unmittelbar vor dem Altar Platz. Der Staats - und Domchor leitete unter der Stab­führung feines Dirigenten Professor S i 11 a r d die feierliche Liturgie ein mit dem Gesang des Psalms 21Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen". In weihevoller Andacht lauschte die Ge­meinde dem unvergleichlich schönen Stimmenklang.

Dann ergriff Reichsbischof Müller das Wort zur Traurede. Er stellte seiner kurzen Ansprache das Hohe Lied zum Preise der Liebe aus Gottes­wort voran.Ihr seid", so wandte er sich an das Brautpaar,hier in unseren gewaltigen deut­schen Dom gekommen, um vor Gott in feierlichster Form einander Liebe und Treue zu geloben. Ihr folgt damit einer alten deutschen Ueberlieferung,

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Die Neuvermählte^ beim Verlassen des Doms.

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Die Trauung durch den Reichsbischof int Dom

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Das neuoelsmählis Paar verttetz den Dom unter dem Spalier der Wegerdegen.