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Das Urteil des Spektrums.

Er kann nicht der Mörder sein. - Krüh erkannte Bleivergiftung. Stammt die Verletzung aus dem Krieg?

Don Or. $. Irische.

Ein Mordfall hält die kleine Stadt in Atem: Der Oberförster ist im Walde erschossen aufgefunden worden; Selbstmord erscheint ausgeschlossen. Wer ist der Mörder? Der Verdacht richtet sich gegen einen Mann, der hie und da wildern soll. Alle Indizien sprechen gegen ihn: Er hatte wenige Tage Auoor mit dem Oberförster im Gasthof Streit, er hat kein Alibi für den betreffenden Abend, bei der Haussuchung wird ein Revolver gefunden, dessen Kaliber zu Dem Schußkanal im Rücken des Ermor­deten paßt. Er aber versichert in jedem Verhör: Ich bin unschuldig!" Da bringt der Ge­richtschemiker die Entlastung. Er kann nachweisen, daß der Förster mit einem Nickelgeschoß getötet wurde, während sich in der Kammer des beschlag­nahmten Revolvers nur Kupfermantel - Geschosse Ianden. Die Spektralanalyse rettete einen lnschuldigen.

Ein Stückchen Fleisch und Haut des Ermordeten hatte nämlich der Gericytschemiker von der Einschuß­öffnung herauspräparieren lassen, denn ein Geschoß hinterläßt beim Eindringen in das Zellengewebe des Fleisches meist allerkleinste Metallspuren, die abgestreift werden. In einem besonderen Apparat verbrannte er dann die Probe in dem Licht einer Bogenlampe und ließ dieses, von dem Dampf etwas verfärbte Licht durch einen ganz feinen Schlitz auf ein Glasprisma fallen. Dieses bricht bekanntlich die Lichtstrahlen je nach ihrer Zusammensetzung ver­schieden stark. DasSpektrum" des Präparates, d. h. das Lichtband, auf welchem sich die abgelenkten Strahlen verteilen, zeigte nun zwar die © p e f trallinien " von Nickel, nicht aber die von Kupfer; es mußte sich also um ein Geschoß mit Nickelmantel handeln.

Wie in der gerichtlichen Medizin, so wird die Spektralanalyse heute vielfach, namentlich auf dem Gebiet der Sozialmedizin angewandt. Schon die Entdecker der Spektralanalyse, Bunsen und Kirchhoff, wußten, daß selbst kleinste Mengen von Metallsalzen, die bis zum Leuchten erhitzt oder verdampft werden, dieLinien" des betreffenden Metalls im Spektrum Hervorrufen, beim Natrium z. B. sollen 0,7 Milliontel Milligramm genügen, um

die Natriumlinie im Spektrum sichtbar werden zu lassen. Die Spektralanalyse hat außerdem den gro­ßen Vorzug, z. B. vor der chemischen Untersuchung, daß sie nicht lange Reihen von chemischen Reaktio­nen erfordert, um festzustellen, um welches Metall es sich handelt. Durch das Aufleuchten einer Linie im Spektrum ist ein Metall eindeutig als solches erkennbar, da jedes Element nur ganz bestimmte Linien zeigt. In neuerer Zeit ist es außerdem gelungen, die Apparate und Metho­den so zu vervollkommnen, daß sich aus dem Spek­trum nicht nur ablesen läßt, welche Metalle an­wesend sind, sondern auch, wieviel von dem einzelnen Metall in der Probe vorhanden ist.

Diese Untersuchung ist oft außerordentlich wichtig für eine frühe Diagnose in der Gewerbemedi- 3 i n. Da kommt z. B. ein Setzer aus der Buch- oruderei oder ein Mann aus einer Akkumulatoren­fabrik, ein Arbeiter also, der viel in Räumen zu tun hat, in denen Bleistaub umherfliegt, zum Zahnarzt, um sich einen Zahn plombieren zu lassen. Dem Zahnarzt fällt eine leichte Verfärbung des Zahnfleisches auf. Das kann verschiedene Gründe haben, kann aber auch das erste Anzeichen einer beginnenden Bleivergiftung, also einer Berufs­krankheit sein, die je eher, je besser der Be­handlung zugeführt wird. In einer kaum merklichen Operation entnimmt der Zahnarzt ein Stückchen Zahnfleisch und läßt spektralanalytisch feststellen, ob Bleieinlagerungen vorhanden sind, und in wel­chem Umfange. Trifft die Vermutung zu, so kann in diesem frühen Stadium der Patient schneller und leichter wiederhergestellt werden, als wenn erst schwere Schädigungen auf die Krankheit aufmerksam machen mußten.

Aehnlich lassen sich der Darminhalt, das Blut, auch die Ausscheidungen in der Spektralanalyse auf die unscheinbarsten Partikelchen anderer Metalle, z. B. Quecksilber untersuchen, die während des Ar­beitsvorganges in den Körper des Schaffenden ge­langen und dort im Laufe der Zeit gefährliche Ver­giftungen Hervorrufen können.

Solche genaue Diagnose und Untersuchung ist oft auch bei den verschiedensten Versicherungs­

fällen notwendig, und mancher Kriegsverletzte oder seine Hinterbliebenen danken es der Spektral­analyse, daß ihr Versorgungsanspruch anerkannt wurde. So berichtete Professor Dr. W. Gerl ach (München) kürzlich in derUmschau" von einem Patienten, der an einer Geschwulst am Kopfe viele Jahre nach dem Weltkrieg verstorben war. Eine kleine Narbe, die die Haut über der betreffenden Stelle aufwies, genügte nicht, um das Vorliegen einer Kriegsverletzung ni beweisen. Der Schädel­knochen zeigte keinerlei Verletzung. Aber es fanden

Volkstag her Inneren Mission 1935.

Wer am Volkslage der Inneren rNisslon gibt, unterstühl zugleich die Odenwalder Elfenbeinindu- slrie, welche die geschmackvolle Plakette ange­fertigt hat.

sich bei der spektralanalytischen Untersuchung von Proben Spuren von Blei, Antimon und Zink; daraus ergab sich, daß ein Schrapnellgeschoh dort die Schädeldecke gestreift haben mußte, da sich gerade aus diesen Metallen die Schrapnellgeschosse zusammensetzen. Die Geschwulst konnte also wahr­scheinlich eine Folge dieses Schusses sein, und die Witwe erhielt Kriegshinterbliebenen-Rente.

Kunst und Wissenschaft.

Großer Erfolg eines Beethoven-Konzertes von Wilhelm Backhaus in London.

In der Queens-Hall in London brachte Wilhelm Backhaus dieser Tage vier Sonaten von Beet­hoven zum Vortrag. Die zahlreichen Londoner Musikfreunde, die den Konzertsaal füllten, dankten dem großen Künstler durch stürmischen Beifall für die Darbietungen. Besonders lebhaft war der Dank für Opus 106, dessen glänzende und meisterhafte Behandlung beim Publikum wie bei der Berufs­kritik bewundernde Anerkennung fand.

Staatsrat Furtwängler vom Führer empfangen.

Staatsrat Dr. Furtwängler hatte vor eini­ger Zeit um einen Empfang beim Führer und Reichskanzler nachgesucht. Der Empfang fand jetzt statt und ergab volles Einvernehmen.

Büchertisch.

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Dr. E. Hille: Die deutsche Selbst- Versorgung mit Fett und Eiweiß. Mit zwei Abbildungen im Text. Verlag von I. Neu­mann-Neudamm. Preis 0,80 Mark.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes Ausgabeort Frankfurt.

Die Zufuhr tropischer Warmluft ließ am Mitt­woch im Verein mit kräftiger Sonnenstrahlung die Temperaturen in den Niederungen bis zu fast 25 Grad Celsius ansteigen. Der Tagesdurchschnitt lag etwa 8 Grad über normal. Die an der Rück­seite des über dem Nordmeer liegenden starken Wirbels vorstoßende kühle Ozeanluft ließ an­schließend Gewitterstimmung aufkommen, wenn auch tatsächlich nur ganz vereinzelt gewitterige Störungen ausgelöst wurden. Vorerst verbleiben wir noch auf der Grenze zwischen dem nordischen Wirbel und dem südeuropäischen Hochdruckgebiet, wobei jedoch der Einfluß des letzteren überwiegen wird.

Aussichten für Freitag: Im ganzen freundlich und mittags ziemlich warm, doch noch nicht durchaus beständig, lebhafte südliche und süd­westliche Winde.

Lufttemperaturen am 10. April: mittags 21,1 Grad Celsius, abends 15,8 Grad; am 11. April: mor­gens 10,8 Grad. Maximum 22,1 Grad, Minimum 9,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. April: abends 12,2 Grad; am 11. April: morgens 9,9 Grad. Sonnenscheindauer 4,4 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Sange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für Den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. III. 35: 11229. Druck und Verlag; Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckeret R. Lange, K.°G., sämtlich in Gießen.

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