Ausgabe 
11.4.1935
 
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lichen Ehrenrechte verurteilt worden sind. Wie erinnerlich, hat wegen dieses Verbrechens bereits im Jahre 1930 ein Strafverfahren aegen andere Mittäter geschwebt, in dem damals das Schwur- gericht zu einer Verurteilung nur wegen gemein- 'chaftlichen Totschlages kam. In dem neuen 23er- kahren, in dem das Gericht an jene Beurteilung der Tat nicht gebunden war, war es möglich, eine weitere Aufklärung über die Hintergründe und die Einzelheiten der Tat zu erzielen. Danach stellt sich das Verbrechen an Horst Wessel einwand­frei als ein aus politischem Haß verübter, sorgfältig vorbereiteter und heimtückisch mit großer Uebermacht durchgeführter planmäßiger Mord dar. Bei dieser Sachlage bestand für den Führer und Reichskanzler kein Anlaß, von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch zu machen und die wohlverdiente Strafe im Gnadenwege zu mildern.

Oie Arbeitslosigkeit um 415000 zurückgegangen.

Starker Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Berlin. 10. April. (DRB.) Nach dem Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Ar­beitslosenversicherung brachte der März dieses Jah­res einen erheblichen Anstieg der Be- schäftigungskurve und damit einen starken Rückgang der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der bei den Arbeitsämtern im Reich eingetragenen Arbeitslosen, zu denen die Arbeitslosen im Saarland mit rund 52700 erstmals hinzugerechnet sind, betrug nach dem Bericht der Reichsanstalt Ende März 2 400 000 und ist gegenüber dem Vor­monat um rund 41 5000 zurückgegangen. Dieser Rückgang kam mehr oder weniger allen Berufsgruppen zugute. Die Jahreszeit er­möglichte die Fortführung der unterbrochenen und die Aufnahme neuer Auhenarbeiten und be­wirkte damit ein Absinken der Arbeitslosenzahl der Auhenberufe um fast eine Viertelmillion. Daß neben diesem Rückgang in den Auhenberufen auch die im wesentlichen nicht saisonbedingten Be­rufsgruppen eine beachtliche Abnahme, und zwar um fast 170 000, aufzuweisen hatten, ist für die Be­urteilung der gesamten Beschäftigungslage in der deutschen Wirtschaft günstig zu werten. Der stärkste saisonmähige Auftrieb ist im März vom Bau­gewerbe und seinen Rebengewerben ausgegan­gen. Aber auch die Landwirtschaft meldete im Zeichen der Erzeugungsschlacht einen anhaltend großen Bedarf an Arbeitskräften an. Bei der Be­friedigung dieses Bedarfes treten vor allem die industriellen Bezirke des Westens und Groß-Berlins wieder als Arbeitskraftreserve für die landwirtschaftlichen Bezirke des Ostens und Rordostens des Reiches in Erscheinung.

Wahlvorbereitungen mMemel

Zwanqseinbnrgerungen von mehreren Tausend Litauern.

Memel, 10. April (DNB.) Das Direktorium Bruvelaitis hat, anscheinend mit Rücksicht auf nicht mehr zu umgehende Landtagswahlen, neue Bestim­mungen für den Erwerb des memelländischen Bür­gerrechts erlassen, wodurch praktisch der Einbür­gerung von Großlitauern im Memel­gebiet Tür und Tor geöffnet wird. Nach diesen Bestimmungen genügt für die Einbürgerung eine Bescheinigung, daß der Antragsteller seit einem Jahr im Memelgebiet wohnt. Beamte und Angestellte der Zentralbehörde sowie der Auto­nomieverwaltung bedürfen aber auch noch nicht einmal dieser Bescheinigung. Sie erwerben die memelländische Bürgerschaft mit der Einstellung bei den betreffenden Behörden.

Man rechnet damit, daß auf Grund dieser Be­stimmung mit einem Schlage die im Memelgebiet wohnenden 8 bis 9 00 0 mündigen Groß- litauer memelländische Bürger werden. Bereits früher einmal ist von dem Direktorium Simmat die Zwangseinbürgerung von etwa 5000 Litauern vorgenommen worden. Diese Maßnahme wurde jedoch bald darauf durch das Direktorium Boettcher rückängig gemacht.

Sowjetrussischer Bündnisantrag in Kowno, Higa und Hevat.

London, 11. April (DNB. Funkspruch). Wie Times" meldet, hat die Sowjetregierung bei der litauischen, lettischen und estnischen Regierung die Frage eines Bündnisses zwecks gegenseitigen Beistandes vor­gebracht, das an Stelle des von Deutschland und Polen verworfenen östlichen Sicherheits­paktes treten solle. Es verlautet, daß der neue Pakt den Richtlinien des vorläufigen franzö- sisch-sowjetrussischen Abkommens fol­gen werde und unter Umständen mit diesem in Zusammenhang gebracht werden solle, zumal ja der ursprüngliche Vorschlag für den öst­lichen Sicherheitspakt den Beitritt Der drei baltischen Staaten vorgesehen habe. Die drei baltischen Re­gierungen würden die Angelegenheit in Erwägung ziehen und ihre Antwort wohl für eine kurze Zeit aufschieben.

Amerika bereitet seine Neutralität vor.

Washington, 10. April. (DNB.) Präsident Roosevelt verfolgt die Konferenz in Strefa sorg­fältig. Er hat jedoch nicht die Absicht, sich irgendwie einzumischen. Immerhin steht man im Weißen Hause auf dem Standpunkt, daß die ftriegsoorbereitun gen gewisser Nationen in Europa dem Präsidenten die Not­wendigkeit klargemacht haben, bald die Stellung der Vereinigten Staaten von Amerika festzulegen, die sie gegebenenfalls zur Wahrung ihrer Neu­tralitätsrechte einnehmen müssen. Roosevelt hat daher den Außenminister Hüll zu sich gebeten. Hüll wird dem Präsidenten die Gutachten des Heeres- und Marineministeriums in dieser Frage vorlegen. Auf Grund der Entscheidungen, die Roose­velt treffen wird, soll dann das Staatsdepartement Vorschläge über Amerikas Haltung als neutrale Macht in einem etwaigen Weltkrieg ausarbeiten und dem Kongreß vor­legen.

Am 29. März war der ehemalige deutsch - f ü d- tiroler Abgeordnete in der römischen Kam­mer, Freiherr von Sternbach, in Bruneck verhaftet worden. Die Konfinierungskommis- sion sie ist die Gerichtsinstanz, die im Geheim- verfahren bei politischen Delikten auf Verbannung erkennt verurteilt» ihn zuzweiJahrenVer- bnn nttn g.

Das Tuberkulose-Hilfswerk der NGB.

Die Bekämpfung der Tuberkulose war bisher den Fürsorgeverbänden, Krankenkassen, Sozialver- icherunasträgern, Wohlfahrtsämtern usw. über­lassen. Außerdem waren Tuberkulosefürsorgestellen eingerichtet worden, die alle an offener Tuberkulose Kranken erfassen, auf die Umgebung des Kranken ein Augenmerk haben und die Weiterverbreitung der Krankheit nach Möglichkeit verhindern sollen. Wenn nun die NSV. sich ebenfalls derTuberkulose- bekämpfuna zuwendet, so liegt der Grund in ber großen Zahl der Tuberkulosekranken. Zwei Prozent der deutschen Bevölkerung, rund 1 320 000 Menschen, leiden an einer noch nicht zur Ruhe gekommenen und 0,5 bis 0,7 Prozent, also etwa 400 000 Menschen, an einer offenen Tuber­kulose. Die Tuberkulose ist nicht erblich, sondern eine Infektionskrankheit, deren Herde jene 400 000 Kranken sind. Diese Seuche g e f ä h r - bet erbgefunbes Volksgut. Bei allen bis­herigen Maßnahmen zur Bekämpfung ber Tuber­kulose gab es noch viele Lücken. So gibt es zahl­reiche Äleingeroerbetreibenbe, Hanbwerker, Bauern, Angehörige ber freien Berufe, bie nicht ver­sichert sinb und selbst nicht über bie Mittel ver­fügen, eine Heilkur durchzuführen. Die Versiche­rungsträger lehnen auch bie Bewilligung von Kuren ab, wenn nicht bie Aussicht besteht, baß ber Kranke balb roieber erwerbsfähig wird. Die Maß­nahmen erstrecken sich auch zum großen Teil nur auf den Kranken selbst, der nach einer Kur und Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit dann häutig in eine Umgebung zurückkehrt, in der er sehr

bald einer neuen Ansteckung anheim fällt.

Der NSV. kommt es nicht nur darauf an, den einzelnen Kranken zu helfen und seine Erwerbs­fähigkeit wieder herzustellen, sondern sie will ge­rade die Infektionsquellen beseitigen, sie will also gerade diejenigen erfassen, die von keiner anderen Stelle erfaßt werden oder denen von den Versicherungsträgern keine Kur oder nur eine unzureichende gewährt wird. Sie wird, wenn eine andere Stelle ein Heilverfahren abgelehnt hat, den Grund prüfen und möglicher­weise diese Stelle zu veranlassen versuchen, ihre Entscheidung einer Nachprüfung zu unterziehen und sich gegebenenfalls an den Kosten beteiligen. Sie wird eine Heilstättenkur bann einleiten, wenn Aussicht auf eine Heilung überhaupt besteht. Sie wendet sich nicht nur bem Kranken selbst zu, son- bern auch seinen Angehörigen. Sie will, baß b i e Familie unb bie gesamte Umgebung b e 5 Kranken gesund wirb. Sie läßt sich vor allem bie Wohnungsfürsorge angelegen sein. Sie sorgt für Betten, wo biese fehlen, verschickt auch gefährdete Mütter und Kinder. Aufklärungs­und Werbetätigkeit soll vor untauglichen Behand­lungsmethoden warnen. Alle Hilfsmaßnahmen der NSV. sind jedoch rein zusätzlicher Natur. Es soll keinesfalls ein anderer Kostenträger entlastet wer­den. Die NSV. will nur in Lücken springen. Das Tuberkulosehilfswerk arbeitet mit den Tuberkulose- fürsorgestellen eng zusammen.

Schweizer Sorgen.

Das fast beschauliche politische Dasein ber Schweiz scheint für längere Zeit beenbet zu fein. Die öffent­liche Meinung steht stark unter bem Eindruck der wirtschaftlichen Krise, unter der die Schweiz als ein Land, das feine eigenen Rohstoffe besitzt, empfindlich zu leiden hat. Die wirtschaftlichen Sachverständigen des Landes halten es für notwen­dig, Preise und Löhne herabzusetzen, damit die Wirtschaft exportfähig bleiben kann und das Land für den Fremdenverkehr nicht zu teuer wird. Die bäuerlichen und gewerkschaftlichen Kreise weh­ren sich gegen eine solche Politik des Abbaus. Die Gegner der Deflation haben ein Volksbegeh­ren eingeleitet, (die sogenannte Krisen - Ini­tiative). Obwohl diese Propaganda eine sehr große Zahl von Unterschriften erreicht, hat sowohl der Bundesrat als oberstes Regierungsorgan, wie auch das Parlament eine ablehnende Stellung eingenommen. In einigen Wochen wird nun die Volksabstimmung über diesen Antrag erfol­gen. Falls er eine Mehrheit bekommt, was fast als sicher anzunehmen ist, werden die Schwierigkeiten wirtschaftlicher Art noch größer werden.

Eine Folge des Feldzuges war bereits der Rück­tritt des Leiters der volkswirtschaflichen Angelegen­heiten Der Bundesregierung, des Nationalrates Dr. Schultheß. Es war kaum möglich, einen geeig­neten Nachfolger zu finden. Nach langen Verhand­lungen zwischen den bürgerlichen Fraktionen ist schließlich ein Mann aus der Wirtschaft, ber frühere Nationalrat Oberth gewählt worden. Gleichzeitig

aber erklärte einer ber maßgebenden Männer des volkswirtschaftlichen Ressorts der Regierung, Mini­ster S t u ck i, seinen Rücktritt aus Gesundheitsgrün­den. Herr Stucki war dazu berufen, an den viel­fachen Verhandlungen mit Deutschland für bie wirt­schaftlichen Fragen sein Lanb zu vertreten. Auch in diesem Falle wird die Frage ber Nachfolge als schwierig angesehen.

Lei ben Wahlen zu ben ©emeinberäten unb für die Parlamente der Einzelstaaten (Kantone) hat schon im vorigen Sommer die Sozialdemo­kratie in den Großstädten starke Erfolge erziett. Die Mißwirtschaft, die unter ihrem Regime i n Genf eingerissen ist, hat noch immer nicht ab­schreckend genug gewirkt. Nun ist auch Basel in die Reihe derjenigen Städte getreten, die von einer roten Mehrheit regiert werden. Bei den Wahlen zum Großen Rat, ber bem Par­lament entspricht, erreichten die Marxisten zwar keine eigene Mehrheit, doch liegt die Entscheidung zwischen ihnen und den nationalen Parteien bei einzelnen Vertretern kleiner Splittergruppen. Bei ben Volkswahlen zur eigentlichen Regierung b e s Kantons Basel sinb aber bie bürger­lichen Parteien unterlegen. Diese Wahlen sinb kein günstiges Vorzeichen für bie allgemeinen Wahlen in ber Schweiz, bie Ende dieses Jahres vor sich gehen sollen. Sie sind gleichzeitig ber Nie- berschlag der sich mehrenden wirtschaftlichen Schwie­rigkeiten.

Aus aller Well.

Reichsbeihilfe des Führers zum Wiederaufbau des Alten Schlosses in Stuttgart.

Der Führer und Reichskanzler hat als Reichs­beihilfe zum Wiederaufbau des Alten Schlosses in Stuttgart den Betrag von 10 00 00 Mark zur Verfügung gestellt. Die Spende steht im Zusammenhang mit dem kürz­lichen Besuch des Führers in Stuttgart, bei dem er sich selbst von dem Stand der Wiederaufbau­arbeiten überzeugt und von dem alten herrlichen Bau voll Bewunderung gesprochen hat. Dem freu­digen Widerhall, den diese Gabe im Lande Würt­temberg weckt, hat der Ministerpräsident in einem Dankschreiben Ausdruck gegeben.

Saartagung des deutschen Funkhandels.

Der Reichsverband Deutscher Funkhändler e. V., Berlin W 50, veranstaltet in der Zeit vom 27. bis 29. April eine Saartagung des deutschen Funkhandels in Saarbrücken, wo sich der im Reichsverband organisierte Funkhandel zusammen­findet. Nach der Rückgliederung des Saargebietes zum Reich ist es eine Selbstverständlichkeit, die erste große Tagung des RDF. in diesem Jahre in Saar­brücken stattfinden zu lassen. Ein reichhaltiges Pro­gramm gibt neben der fachlichen Arbeit die Mög­lichkeit, Saarbrücken und das schöne Saargebiet kennenzulernen. Mitglieder des Reichsverbandes Deutscher Funkhändler melden sich bis zum 15. April 1935 bei der Geschäftsstelle des RDF. in Berlin W 50, Nürnberger Straße 50, zur Teilnahme an der Saartagung.

Unglück in einer Sandgrube. Zwei Kinder beim Spielen getötet.

In einer an der Staatsstraße von Pirmasens nach Landau gelegenen Sandgrube waren vier spielende Knaben damit beschäftigt, sich unter einem über- hängenden Felsen einen Unterschlupf gegen den Regen zu bauen. Dazu hatten sie den Sand unter einem Felsen fortgegraben. Plötzlich gab der etwa 80 Zentner schwere Felsblock nach und begrub zwei Kinder unter sich, während sich die beiden anderen noch rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Der eine, ein 12jähriaer Knabe, wurde durch den riesigen Felsen vollständig zerdrückt und war sofort tot, während dem anderen, einem 14jährigen Jungen, beide Beine derart zerquetscht wurden, daß er in der folgenden Nacht im Krankenhaus gestorben ist-

vierjähriger Junge drei Tage im Auto eingeschlossen.

Seit drei Tagen war in Cuxhaven ein vierjäh­riger Junge verschwunden. Seine Eltern befürch­teten bereits das Schlimmste, bis sein Verschwinden eine zwar überraschende, doch harmlose Aufklärung fand. Ein Kraftwagenbesitzer, der nach tagelanaer Abwesenheit seine Garage betrat, erblickte zu sei­nem Erstaunen in seinem verschlossenen Wagen einen kleinen Jungen, der am Steuer stand und sich eifrig an Hebeln und Schaltern zu schaffen machte. Es handelte sich um den Vermißten, dessen großes Interesse für Kraftfahrzeuge ihm beinah zum Verhängnis geworden wäre. Der Kraftwagen­besitzer hatte seinen Wagen vor drei Tagen am Nachmittag in die Garage gefahren und bis zum Abend ohne Aufsicht gelassen. In der Zwischenzeit Hutts sich tat Qunge strrgejOichsu und im Wagen

versteckt. Späte war der Besitzer zurückgekehrt und hatte Wagen und Garage verschlossen, ohne das Kind zu bemerken. So hatte der Knabe 6 5 Stun­den lang in dem verschlossenen Wa­gen ohne jede Nahrung zugebracht. Eine sofort vorgenommene ärztliche Untersuchung ergab jedoch, daß er keinerlei Schaden an der Gesundheit genommen hatte.

Selbstmord des Kindesmörders Schulz.

Der vom Schwurgericht in Schweidnitz wegen Ermordung seines Sohnes Horst zum Tode verurteilte ehemalige kommunistische Land­tagsabgeordnete Richard Schulz aus Waldenburg- Dittersbach hat in seiner Zelle im Gerichtsgefängnis in Schweionitz Selbstmord begangen. Er nahm Gift ein, das er sich auf bisher noch nicht endgültig geklärte Weife verschafft hat, und ist an den Folgen der Vergiftung gestorben.

Reuer Sterilisierungsftandal in Graz.

In Graz wurde ein neuer Sterilisierungs­skandal aufgedeckt. Die Polizei hat eine Gruppe von ehemaligen Medizinern ausgehoben, die ge­werbsmäßig Operationen an Männern vornahm. Ein eigener Scklepperbienst sorgte für die Zufüh­rung derKunoen". Die Zahl der Personen, die sich der Operation unterzogen, konnte noch nicht annähernd festgestellt werden.

In der Rotwehr

von einem Gendarmeriewachtmeister erschossen.

In Godelheim im Kreise Höxter erschien bei dem Gendarmeriewachtmeister M i e tz n e r der in Li­tauen geborene, im nahen Ostbergen ansässige Adam M e c i a l i s genannt Micialk, um mit ihm in verschiedenen Angelegenheiten Rücksprache zu nehmen. Mecialis, der als aufgeregter und jäh­zorniger Mann bekannt war, und gegen den ein Verfahren auf Ausweisung aus Deutschland lief, war überaus erregt und wurde bald gegen den Beamten tätlich. Zuletzt blieb dem Wachtmeister nichts anderes übrig, als in Notwehr von sei­ner Schußwaffe Gebrauch zu machen. Er traf Mecialis in die Brust. Mecialis wurde sofort dem Krankenhaus in Höxter zugeführt, wo er aber kurz nach der Einlieferung starb.

Stapellauf eines Grohtankfchiffes in kiel.

Auf der Fried. Krupp - Germaniawerft in Kiel erfolgte der Stapellauf des Motor- tankschif fesW. B. Walke r", der von der Standard Vacuum Oil Company, Ine., in Auftrag gegeben worden ist. Die Taufe des Schiffes wurde von Frau Walker, Witwe des früheren Präsi­denten der Standard Vacuum Oil Company, voll­zogen. Das Arbeitsgebiet der Auftraggeberin liegt zwar im fernen Osten, und es bestehen infolge­dessen gar keine Beziehungen der Auftraggeberin zu Deutschland und der deutschen Wirtschaft. Wenn trotzdem der für unsere Wirtschaft fo willkommene Auftrag einer deutschen Werft erteilt worden ist, so ist das neben der Leistungsfähigkeit der deut­schen Werftindustrie zurückzuführen auf die erfolg­reichen Bemühungen hierfür sowohl der Deutschen Vacuum Del AG., die durch ihren Konzern Be- Ziehungen zur Auftraggeberin hat, als auch der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft, die gleichartige Beziehungen über den Konzern der Lstttjch-ÄuMttkauijchea Petroleum-Gesellschaft mit

der Auftraggeberin verbindet. Mit Recht wurde daher bei den anläßlich des Stapellaufes gehalte­nen Reden die überragende Leistungs- fäbigkeit der deutschen Werften be« fonoers im Tankschiffbau hervorgehvben, die sich durch die jahrzehntelange enge Zusammen­arbeit zwischen den Mineralölgesellschaften und den deutschen Werften entwickelt hat.

Entführung des reichsten Mannes von Kuba. Zwanzig Verhaftungen.

Vor kurzem war der angeblich reichste Mann von Kuba Eutimio Palla Bonnet von Unbekann­ten entführt und nach Zahlung eines Lösegeldes von 300 000 Dollar wieder freigelassen worden. Nunmehr ist der Polizei gelungen, 20 Personen zu verhaften, die in dem dringenden Verdacht der Beteiligung an dieser Entführung stehen. Bei den Verhafteten wurden 1500 Dollar vorgefunden. Das Verbrechen wird einer weitverzweigten Geheim­organisation zur Last gelegt. Außerdem soll der in ben Vereinigten Staaten seit langem gesuchte Gangster Alwin K a r p i s an der Sache beteiligt sein.

Grauenhafte Zustände beim Einwandererschmuggel in USA.

Anläßlich der Erörterung einer Vorlage, durch die die Vollmachten des Arbeitsamtes in Ein­wanderungsfragen erweitert werden sollen, gab der amerikanische Einwanderungskommissar Mac Cormack vor dem Einwanderungsausschuß des Repräsentantenhauses eine aufsehenerregende Schilderung der grauenhaften Zustände, die sich bei dem Schmuggel von Einwanderern, die keine Einreiseerlaubnis in die Vereinigten Staaten haben, ausgebildet haben. Der Einwanderungs­schmuggel werde von rücksichtslosen Verbrechern be­trieben, die im Notfälle auch nicht vor der Er­mordung ihrer Opfer zurückscheuten. So würden die auf Kuba eingeschmuggelten Einwanderer häufig in Säcke eingenäht, um auf diese Weise den Anschein zu erwecken, als führten die Schmuggel­dampfer eine Gemüseladung an Bord. Bei Heran­nahen eines Zollkutters werde die unglückliche lebende Fracht dann einfach über Bord geworfen. In anderen Fällen habe man geschmuggelten Ein­wanderern die Zähne ausgeschlagen, um ihre Gold­plomben zu erhalten. Danach seren die ausgeplün­derten Opfer auf einsamen Inseln in der Nähe der Küste von Florida ausgesetzt worden, wo sie ver­hungert seien.

Das Bandenunwesen in der Sowjetunion.

Zwei Räuberbanden, die in der russischen Stadt Tula feit langem ihr Unwesen trieben, konnten jetzt unschädlich gemacht werden. Die Un- verftorenheit der Banditen ging soweit, daß sie am hellichten Tage den Kassierer eines Trusts, ber mit Lohngelbern unterwegs war, nieberschlugen unb ihm einen Koffer mit 4000 Rubeln entwende­ten. Eine andere Bande, die aus sechs bereits einschlägig vorbestraften und aus der Strafanstalt entwichenen Personen bestand, haben im Laufe zweier Monate allein 50 Raubüberfälle auf dem Kerbholz. Das Moskauer Sondergericht ver­urteilte drei Räuber zum Tode durch Erschießen. Die übrigen erhielten empfindliche Freiheitsstrafen. Die Todesurteile sind bereits vollstreckt. In Taschkent (Russisch-Turkestan) wurde ebenfalls eine aus elf Mann bestehende Gruppe jugend­licher Banditen dingfest gemacht und abge­urteilt. Die jugendlichen Räuber, Die von Er­wachsenen geführt wurden, terrorisierten die Schuljugend, stahlen das Schuleigentum, beraub­ten die Schüler und schlugen sie blutig.

Schärfste Maßnahmen gegen säumige Alimentenzahler in Sowjetrußland.

Der Oberste Staatsanwalt der Sowjetunion hat sämtlichen Staatsanwaltschaften telegraphisch eine Verordnung zugehen lassen, nach der die Regie­rung schärfste Maßnahmen für Einkla­gung Der Alimentengelder für diejenigen Kinder fordert, die in staatlichen Kinderhäusern erzogen werden. Es handelt sich um ungefähr 6,5 Millionen Kinder, deren Väter zur Zahlung von Alimentengeldern verurteilt worben sind. Alle Mah­nungen, diese Gelder an den Staat zu zahlen, Jinb bisher ergebnislos verlaufen. Gegen die Väter, die Alimentengelber nicht gezahlt haben, soll Klage erhoben werden. Neben der Aufbringung der Alimentengelder sollen Gefängnisstrafen bis zu zwei Jahren verhängt werden. Der Arbeitgeber eines schlechten Alimentenzahlers soll veranlaßt werden, die Gelder direkt an den Staat abzuführen. Alle schlechten Alimentenzahler, ganz gleich, ob sie Parteimitglieder ober höhere Beamte sind ober nicht, sollen ihrer Stellung enthoben werden für den Fall, daß sie ihren Verpflichtungen für bie Erziehung ihrer Kinder nicht nachkommen.

Lhinesifches Kino eingestürzt. Zwölf Tote, fünfzig verwundete.

In Kanton (China) ereignete sich ein entsetzliches Unglück. Während einer Vorstellung stürzte plötz­lich bas chinesische Filmtheater ein und begrub bie Zuschauer. Aus ben Trümmern wurden bis jetzt 12 Tote und 50 Verwundete geborgen.

kirchenschänbungen in Spanien.

In Huesca (Spanien) Drangen Marxisten in eine Kirche ein unb verbrannten bort aufbewahrte unb für bie Karfreitagsprozession bestimmte Heili­gengruppen, bie einen hohen Kunst- unb Sachwert barstellten. Auch in Saragossa verbrannten Linksrabikale eine wertvolle Heiligengruppe. Der Bevölkerung hat sich angesichts biefer Kirchen­schänbungen große Erregung bemächtigt, und man fordert strengste Bestrafung ber Schulbigen.

Schwere Kohlengasexplosion in einer chinesischen Grube. Zehn Tote, fünfzig Verwundete.

In ben Fuschun - Gruben bei Schanhaikwan (China) ereianete sich eine furchtbare Kohlen- gasexplosion. Bisher sinb als Opfer zehn Tote unb fünfzig Verwunbete festgestellt worben. Unter den Toten befinden sich zwei Ja­paner.

Der Mörder

der kleinen Elisabech Meerkötter gesteht.

Wie bereits gemeldet, wurde unter bem Ver­bucht bes Mordes an ber 13jährigen Elisabeth Meer kötter in Marl (Kreis Recklingshausen) ber 34 Jahre alte Martin Lasicki festgenommen. Nach vielstündigem Kreuzverhör legte Lasicki schließlich ein umfassendes Geständnis ab. Da­nach hat er bas Mäbchen zufällig getroffen unb ist mit ihr eine Strecke zusammengefahren. Das Kind kannte ben Lasicki schon jahrelang unb hegte daher nicht das geringste Mißtrauen gegen ihn. Es folgte bem Burschen ahnungslos in bie Tannenschonung» wo ber Unmensch das Mädchen nach einem 6itt* lichkeitsverbrechen mit einem Schusterhammer er- schlug.