Ausgabe 
11.4.1935
 
Einzelbild herunterladen

spiel, durch die neuen Militärverträge zwischen Pa­ris, Rom, Prag und Moskau eingetreten ist, erhöht diese Gefährdung. Das heißt drittens, daß uns gar Nichts anderes übrig bleibt als auf unsere Sicherheit bedacht zu sein.

Aber als Ueberschrift über diese ganze verhängnis- oolle Entwicklung gehört, daß es sich schon seit langem nicht mehr um eine Steigerung der Sicher­heit Frankreichs, sondern um eine fortgesetzte Schwächung der Sicherheit Deutschlands handelt. Insofern wird die Komik des französischen Sicher­heitsgeschreies zur Tragik der europäischen Frie­denssehnsucht. Insofern ist aber auch ein selbstvertei­digungsfähiges Deutschland der letzte und einzige Schutz gegen eine neue kriegerische Katastrophe, bei der es Sieger nirgends geben würde. Richt zuletzt in dieser Ueberzeugung ist der einmütige und unbedingte deutsche Friedenswille begrün­det und nur in seinem Dienst steht alles, was in Deutschland zur Stärkung seiner Abwehrkraft ge­schieht. Jeder Wissende, der diese Abwehrbereitschaft in eine Einfallbereitschaft verfälscht, tut das wider besseres Wissen. Jeder Unwissende, der sich daran beteiligt, tut es in verhängnisvoller Unkenntnis der daraus entstehenden europäischen Gefahren.

Wir Deutschen wissen ganz genau, daß wir für den Fall eines törichten kriegerischen Angriffs auf das friedliebende Deutschland keine Aussichten auf einen Sieg haben. Aber wir werden stark genug sein, um dem, der sich am deutschen Herd vergreift, die Finger so gründlich zu verbren­nen, daß kein Eindringling zu Siegerfreuden ge­langen wird. Das sollte der hochgerüsteten Welt, insbesondere Frankreich, naheliegen, statt zwischen der Furcht vor dem Kriege und der Furcht vor Deutschland zu pendeln, einmal endlich einzusehen, daß die Sicherheit Deutschlands die Sicherheit aller erhöht, während eine gefährdete gewaltsam niedergehaltene europäische Mitte ein vergebliches und höchst gefährliches Mittel zur europäischen Ent­spannung ist!

Die Einstellungen in die Lustwaffe

Berlin, 10. April. (DRB.) Das Reichs- luflfahrlministerium teilt mit:

Seil der Bekanntgabe des Aufbaues einer deut­schen Luftwaffe und der Einführung der allgemei­nen Wehrpflicht häufen sich beim Reichsluft­fahrtminister die Gesuche um Einstellung in die Luftwaffe oder um Vormerkung dafür derart, daß schon aus Mangel an Personal ihre Beantwortung durch das Ministerium nicht mehr durchführbar ist. Alle Gesuche werden deshalb an die Luftkreiskommandos zur Be­arbeitung abgegeben. Es liegt also zum Vermeiden von Zeitverlust im eigenen Interesse der Gesuch­steller, sich nur an eine dieser Stellen oder an eine Reichswehrwerbeslelle zu wenden.

Luflkreiskommandos befinden sich in Königs­berg, Am Stadtgarten 61/63; Berlin W 35, Von der heydlftratze 12; Dresden, Bismarck- flrahe 16/18; Münster i. W., hanfaplah 2; München, Prannersirahe 20; K i e l, Düftern- brookerweg 98. Der Sih der nächsten Reichs­wehrwerbestelle kann bei der Ortsbehörde erfragt werden.

Ludendorffs Dank.

Tutzing, 10. April (DNB.) General Luden- d o r f f richtete an den Führer und Reichs­kanzler folgendes Telegramm:

Dem Führer und Reichskanzler des deutschen Volkes, Herrn Adolf Hitler, danke ich für die Wünsche und die angeordneten Ehrungen. Es war mir eine große Freude, die Vertreter der Wehrmacht und eine Ehrenkompanie des jungen Heeres, das durch Sie die allgemeine Wehrpflicht wiedergewonnen hat, und die Fahnen meines alten Regimentes hier zu sehen. Meine heißen Wünsche gelten Volk und Wehrmacht.

Gez.: Ludendorff." *

Ferner veröffentlicht General Ludendorff folgende Danksagung:Zu meinem Geburtstage sind

mir überaus zahlreiche Glückwünsche, Blumen­spenden und sonstige Darbietungen in solch reicher Fülle zugegangen, daß ich nicht den einzelnen zu danken in der Lage bin. Ich statte hiermit meinen Dank ab. Ebenso danke ich den Deut­schen, die sich an den Ehrungen für mich be­teiligt haben. Ich bitte alle Deutschen, mein Streben, das deutsche Volk nach feinem rassischen Erwachen und deutscher Weltanschauung geschlossen hin­ter seine Wehrmacht zu stellen, zu fördern. Erst dann erhalten Gedenken und Ehrungen anläß­lich meines 70. Geburtstages für mich den tiefen Sinn. Gez.: Ludendorff."

Flaggen am Geburtstage des Führers!

Berlin, 10. tzlpril. (DRB.) Der Reichs- und preußische Minister des Innern erläßt folgende An­ordnung: Am 2 0. April, dem Geburtstage des Führers und Reichskanzlers, flaggen die Ge­bäude des Reiches, der Länder, der Gemeinden, der Körperschaften des öffentlichen Rechts und der öffentlichen Schulen. Diese Anordnung wird hier­mit amtlich mit dem Hinzufügen bekanntgegeben, daß eine schriftliche Benachrichtigung der Behörden nicht erfolgt

Or. Ley zu den Vertrauensratswahlen.

Berlin, 9. April (DRB.) Der Reichsorganisa- tionsleiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Robert Ley, hat zu den Vertrauensratswahlen einen Auf­ruf erlassen, in dem es heißt:

Männer und Frauen des schaffenden Deutschland? Am 1 2. A p r i l d. I. tretet Ihr an zur V e r - trauensratswahl in den Werkstätten, Fabri­ken und Kontoren. Natürlich wissen wir, daß die Versuchung besteht, die Wahl dieser Dertrauens- räte von mancherlei persönlichen Dingen bestimmen zu lassen. Wir wissen, daß durch diese Wahlen auch dem Unternehmer und dem verantwortlichen Be­triebsführer das Vertrauen ausgesprochen wird. Wir wissen, daß dies alles von dem unendlich vielen Geschehen des Alltags abhängt. Und doch wollen wir diese Wahl.

Wir wollen sehen, wie weit die Gemein­schaft von Unternehmern und Arbeit­nehmern in den Betrieben Fortschritte gemacht hat. Wir wollen auch, daß der verantwort­liche Betriebsführer durch diese Wahl an die Notwendigkeit erinnert wird, stets um das Vertrauen der Gefolgschaft bemüht zu sein. Und wir wollen mit dieser Wahl schließlich den Vertretern der Gefolgschaft zum Bewußtsein bringen, daß auch sie sich immer wieder von neuem das Vertrauen ihrer Arbeits­kameraden erwerben müssen.

Diese Wahl ist die f r e i e st e , die die Welt

kennt. Sie ist geheim und direkt. Deshalb verlangt sie von euch Arbeitern und Arbeiterinnen, Angestellten und Unternehmern die höchste Verant­wortung. Adolf Hitler, die NSDAP., das gesamte neue Deutschland ringen schwer und hart, zäh und unermüdlich um die Anerkennung und um die Achtung der Welt. Denk immer daran: Deine Ehre ist es, deutscher Volksgenosse und deutsche Volksgenossin, die der Führer zurückgewinnt. Denk' immer daran: Auch den Schutz deiner Ar­beit sichert der Führer! Hammer und Schwert gehören zusammen, soll die Arbeit nicht zum Spielball internationalen Kapitals werden. Und Arbeiter und Soldat gehören zusammen!' Drum: Führer, wir danken dir, daß du uns d i e Wehrmacht zurückgeholt hast! Dankbar­keit und Treue zu Adolf Hitler sollen auch bei den Vertrauensratswahlen eure Entscheidung lenken.

Arbeiter, Angestellte und Unternehmer, erhebt euch über den Alltag, laßt eure große Entscheidung nie und nimmer von kleinen Bedenken diktieren! Ihr wählt nicht eine Partei, Ihr wählt nicht eine Gruppe. Ihr wählt Deutschland und damit euch selbst und euer Schicksal! Zeigt, daß hinter der von Adolf Hitler zurückeroberten Wehrhoheit das gesamte schaffende Deutschland als jene Ein­heit von Tat und Wille steht, die unserem Führer Adolf Hitler das restlose Gelingen seines großen Werkes garantiert und sicherstellt.

Von der Mietskaserne zum Eigenheim.

Der erste Teil des großen Wohnbaupro­gramms der nationalsozialistischen Reichsregie­rung, der einen wichtigen Bestandteil der großen Arbeitsbeschaffungsaktion bildet, ist im letzten Jahre erfolgreich verwirklicht worden. Der Wohnungs­neubau hat nicht nur den hohen Stand, auf den er gleich nach der Erneuerung des Staates gebracht worden war, voll behauptet, sondern er kann sogar noch weiter gesteigert werden. Wenn im Jahre 1933, dem ersten Jahre der nationalsozialistischen Regierung, die Zahl der erstellten Neubauwohnun­gen um 95 Prozent gesteigert worden war, so konnte man annehmen, daß damit ein wichtiges Ziel erreicht sei, und daß es schon große Mühe kosten werde, im Jahre 1934 nochmals eine gleich hohe Anzahl von Wohnungen fertigzustellen. Tat­sächlich ist aber, wie Reichsarbeitsminister S e l d t e auf der Tagung des Deutschen Vereins für Woh- nunsreform mit Befriedigung feststellen konnte, die Zahl der erstellten Neuwohnungen nochmals' um f a ft 5 0 Prozent g e st i e g e n. Dieser große Erfolg ist dadurch erzielt worden, daß der Woh­nungsbau nicht nur mit Eifer und Opferwilligkeit weiterbetrieben, sondern gleichzeitig nach national­sozialistischen Grundsätzen und Gedankengängen um­gestellt wurde. Nach zwei Richtungen hin wirkte sich dieser neue Geist auf dem Gebiete des Woh­nungsbaues praktisch aus. Anstatt Mietkasernen wurden vorzugsweise Kleinhäuser und Eigenheime hergestellt. Und außerdem wurde der Wohnungsbau in erheblichem Umfange von den Großstädten nach den Klein- und Mittelgemeinden verlagert. Beide Maß­nahmen hatten zur Folge, daß mit den gleichen finanziellen Mitteln eine größere Anzahl Wohnungen gebaut werden konnte, und daß die erstellten Wohnungen außerdem den gesund­

heitlichen und sozialen Anforderun­gen der Mieter besser entsprachen. Minister Seldte erkürte, daß die öffentlichen Beihilfen kei­nen Subventionscharakter tragen dürften, sie soll­ten vielmehr ein Werkzeug in der Hand derjenigen sein, die bauen wollten. Aus Mitteln für Ehestands­darlehen könnten jetzt namhafte Beträge zur Förde­rung des Wohnungsbaues abgezweigt werden. Pflegliche Behandlung, zweckmäßige Orga­nisation des Kapitalmarktes sei von ausschlaggebender Bedeutung. Besondere Aufmerk­samkeit widme die Regierung dem Problem der nach st eiligen Hypotheken. Auch auf diesem Gebiet seien neue Maßnahmen in Aussicht ge­nommen.

Nicht zuletzt war es die Anpassung des Woh­nungsbaues an den nationalsozialistischen Gedanken der Verwurzelung auch der städtischen Bevölkerung mit dem Heimatboden, die eine ständige und steigende Nachfrage nach ge­sunden Klein- und Siedlungswohnungen schuf. Man hatte vielfach gefürchtet, daß der Wohnungs­bau schon deswegen zum Stillstand kommen werde, weil der Bedarf sehr bald durch die wachsende Zahl der erstellten Wohnungen befriedigt sein würde. Auf zweierlei Weise hat die nationalsoziali- ftifche Wirtschaftspolitik diese Klippe, an der die Woynbautätigkeit zu scheitern drohte, überwunden. Auf der einen Seite haben die Verminderung der Arbeitslosigkeit und die Stärkung der allgemeinen Kaufkraft im Verein mit der För­derung der Eheschließungen, die ein be­sonders wichtiger Punkt des nationalsozialistischen Sozialprogramms ist, einen starken Mehrbe­darf an Wohnungen geschaffen. Dieser Mehr­bedarf ist weit größer, als man früher für möglich gehalten hatte. Dazu kommt aber noch, daß der

Bedarf systematisch in die Richtung einer Be­vorzugung von Eigenheimen in ge­sunder ländlicher Umgebung gelenkt wor­den ist. Die Masse der Industriearbeiter und des städtischen Mittelstandes hat endlich erkannt; wel­chen gewaltigen sozialen und wirtschaftlichen Fort­schritt es bedeutet, ein eigenes Heim zu besitzen, anstatt in großstädtischen Mietkasernen zusammen- gepfercht zu leben. Der Uebergang von der Wohn- raferne zum vorstädtischen oder ländlichen Eigen­heim stellt in der Tat die größte und wichtigste Hebung des Lebensstandes der Arbeiterschaft dar, die überhaupt erreicht werden konnte, und die in »ianb dank des Sieges des nationalsozialisti- edankens in der Zeit der großen Wirtschafts­krise aller Zeiten allen Hindernissen zum Trotz ver­wirklicht worden ist.

Diese bedeutungsvolle Leistung weist der künfti­gen Entwicklung des Wohnungsbaues den Weg. Je mehr die Massen der Bevölkerung dazu erzogen sein werden, in der Eigenheimwohnung einen un­verzichtbaren Bestandteil ihres Lebensstandards zu erblicken, desto größer wird ganz automatisch der Bedarf an Eigenheimen werden. Der saarländische Jndustrieführer, Kommerzienrat Röchling, der

Heute abend

spricht um 20 Ahr in der Festhalle Frankfurt am Main über die aktuellsten Tagesfragen Reichsmmister Dr. Goebbels

feit langem als Vorkämpfer der ländlichen Jndu- striearbeiterfiedlung bekannt ist, hat auf der schon erwähnten Kundgebung des Vereins für Woh­nungsreform den Bedarf an Eigenhei­men in den nächsten 20 Jahren auf reichlich 5 Millionen veranschlagt. Wenn dieses Wohnungs­bauprogramm in die Tat umgesetzt werden würde, so würde das bedeuten, daß 5 Millionen F a - m i l i e n mit insgesamt 20 Millionen Köpfen e i n eigenes Heim erhalten und mit dem Heimat­boden fest verwurzelt werden. Man wird Kommer­zienrat Röchling darin zustimmen müssen, daß nach Verwirklichung dieses Programms der Staat, der etwas derartiges geschaffen hat, niemals mehr in Gefahr kommen könnte. Mit Recht wurde da­her in dem Röchlingschen Referat die Eigenheim­siedlung zu den Grundlagen des national­sozialistischen Staates gezählt und den anderen staatsschützenden Grundforderungen Wehrhoheit, Nahrungsfreiheit und Kultureinheit gleichberech­tigt an die Seite gestellt. Wenn aber dieses ge­waltige, weitausschauende Siedlungsprogramm durchgeführt wird, so bedeutet das auch, daß der Bau von Eigenheimwohnungen der deutschen Bau­wirtschaft und ihren Rohstoffindustrien noch f ü r zwanzig Jahre reichliche Beschäfti­gung geben wird. Man braucht dann wegen einer Steigerung des Wohnbaubedarfs keine Be­fürchtungen mehr zu hegen. Ein in diesen be» völkerungs- und sozialpolitischen Rahmen einge- spanntes Siedlungsprogramm fetzt den deutschen Volksgenossen ein Ziel, wie es noch in keinem an­deren Lande der Welt aufgestellt oder gar ver- wirklicht worden ist. Es gestattet eine Zusammen­fassung des Strebens und der Kräfte des ganzen Volkes auf ein Hochziel, dessen Verfolgung auch die denkbar beste Sicherung gegen künftige Wirt­schaftskrisen gewährt.

Späte Sühne für die Ermordung Horst Westeis.

Berlin, 10. SIpril. <DNB.) Die Justiz- Pressestelle teilt mit: Heute früh um 6 Uhr sind im Staatsgefängnis Berlin-Plötzensee der am 3. Februar 1907 geborene Sally Epstein und der am 15. Juni 1901 geborene Hans Ziegler hin- gerichtet worden, die vom Schwurgericht in Berlin als Mittäter bei der Ermordung des SA.-Sturmführers Horst Wessel zum Tode und zum dauernden Verlust der bürger-

Gextauergesprach.

bon Otto Gmelin

Auf dem Heimweg von der Schule geht einige Meter vor mir der Sextaner Harald Hüsmert. Ich habe nach mehreren Jahren zum ersten Male wie­der Unterricht in einer Sexta. In einer der ersten Stunden habe ich das Grüßen geübt,nicht unter­tänig, aber sehr höflich", habe ich gesagt. Harald bummelt vor mir her, den Tornister auf dem Buckel, mit der Hand an den Oartengiffern her­streichend. Als er sich zufällig umblickt, bemerkt er mich. Soll er jetzt grüßen?' Oder erst nachher, wenn ich an ihm oorbeifomme? Besser ist besser; also nach kurzem Zögern: halb die geforderte Höflichkeit, halb das Lachen über solchen Gruß. Eine halbe Minute später überhole ich ihn. Wie­der das Dilemma: ob man jetzt nochmals grüßen foll2 Die Hand hebt sich: nee, was zuviel ist, ist zuviel: die Hand geht wieder runter.

Ich merke, daß er jetzt seine Schritte beschleu­nigt und hinter mir herkornrnt. Links hatte ich ihn überholt. Jetzt naht er wieder von mir aus links. Meine Schritte sind reichlich groß, er macht immer Zwei auf einen von mir. Ich gehe jetzt innen, er erscheint ganz außen am Bürgersteig; es sind zwei Meter Respekt zwischen uns, aber er hält Schritt. Eine Weile gehen wir so nebeneinander her.

Auf einmal räuspert er sich und nimmt einen Anlauf:

Heut' hat's Haue abgesetzt."

So? Bei wem denn?"

Beim Ag . . . Herrn Agats."

Haben sie nichts getan gehabt?"

Hm."

Folgt Stille: stummes Nebeneinanderhergehen.

Er ist vom Bordstein her mir schon näher ge­rückt, auf einen Meter. Die Unterhaltung wird nach einer Pause wieder ausgenommen:

Ich auch."

Ich begreife, daß es sich auf die Haue bezieht. Taktvoll sage ich gar nichts. Er fährt fort:

Weh getan hars nicht."

Wohin denn", frage ich vorsichtig.

Er lächelt listig, und ich merke gleich, daß hier reiche technische Erfahrungen vorliegen. Harald scheint diesen Gedanken zu erraten, und nach eini­gen Schritten fügt er erklärend hinzu:

Ich hab' schon viel gekriegt."

So? Auf der Volksschule?"

Kopfschüttelnd:Dom Vater", und nach einer Pause:Der fanns." Es klingt ungeteilte Hoch­achtung durch

Eigentlich nur um etwas zu sagen und Interesse zu bekunden, frage ich:

Weshalb denn so oft?"

Aber das war eine taktlose Frage; es fällt mir erst zu spät ein. Ich erhalte keine Antwort. Wir gehen wieder stumm nebeneinander her. Ich bin nach Berührung so peinlicher Angelegenheiten um Gesprächsstoff verlegen. Er straft mich durch sein Schweigen sichtlich mit Verachtung. Aber da ge­schieht etwas Rettendes. Ein ehemaliger Schüler, vier, fünf Jahre älter als Harald, begegnet uns, er grüßt, und ich grüße wieder. Mir fällt auf, daß Harald nicht die Hand hebt. Aber ich sage nichts.

Einige Schritte, da beginnt Harald wieder:

Der ist mir noch fünf Pfennig schuldig."

Ich bin froh, meinen Fauxpas von vorhin wie­der gutmachen zu können. Sehr angelegentlich frage ich:

So? Hast du ihm mal Geld geliehen?"

Kopfschütteln:

Früher hat der neben uns gewohnt. Putz' mir mein Fahrrad, sagte er, dann geb ich dir fünf Pfennig."

Ich bin über diese Ausnutzung der Arbeitswil­ligen im Stillen empört.

Und dann hast du es ihm geputzt, und er hat dich- nicht bezahlt?"

Er hat gesagt, es wäre nicht ordentlich. Und ich habe zwei Stunden dran geschuftet und die Hose zerrissen."

Und hat dir keinen Pfennig gezahlt?"

Auch noch aufgepumpt hab' ich's."

Hast du denn nicht gesagt, daß du fünf Pfennig zu kriegen hättest?"

Ja natürlich, aber da hat er gesagt, ick wäre überhaupt ihm noch fünf Pfennig schuldig/

Aha, denke ich, so geht's also da her!

Und dann hat er mir einen Tritt gegeben."

Na", sage ich,ick treffe ihn manchmal; ich werde es ihm sagen, daß er ein Schuft ist, wenn er dir die fünf Pfennig nicht zahlt.

Ja, das können Sie ihm ruhig sagen.

Wir sind ausgesöhnt. Ich habe mich rehabili­tiert. Wir gehen befriedigt nebeneinander her; wir kennen das Leben. Wenn er mir auch nur bis zum dritten Westenknopf reicht, ich ahne die Problematik seines Lebens. Wir sprechen nichts mehr, bis wir an feinem Elternhaus sind.

"Heut' gibt's Sauerkraut", sagt er, hebt die $anb und stößt mit dem Fuß das Gartentürchen

Gasalarm bei den Ameisen.

Der aufmerksame Naturfreund wird an einem Ameisenhaufen die interessantesten Beobachtungen machen können. Ist nicht schon jedem von uns aus­gefallen, wie aufgeregt die Tierchen durcheinander wimmeln und sich gemeinsam 3ur Wehr setzen, wenn sie sich von einer Gefahr bedroht fühlen, oder wie sie alle Zusammenarbeiten, wenn es gift, eine fette Beute mit vereinten Kräften nach Hause zu bringen? Man hat sich lange den Kopf darüber zerbrochen, auf welche Weise sich die Ameisen ver­ständigen, und viel ist über die sogenannte Fühler­sprache geschrieben worden. Man glaubte sogar, daß mit dem Fühlertrillern verschiedene Nachrich­ten ganz bestimmten Inhalts vermittelt werden und daß es nach Stärke, Takt und Rhythmus der Zeichen ein regelrechtes Wörterbuch der Ameisen­sprache geben müsse, um dessen Entzifferung sich die Wissenschaft bemühen sollte. Nun ist Professor von G o e t s ch bei seinen Arbeiten zur Losung dieser Frage, wie Walter Finkler in der Leip­ziger Jllustrirten Zeitung ausführt, zu dem Ergeb­nis gelangt, daß es in der Ameisensprache nur ein einziges Wort gibt, das soviel heißt wie: Alarm! Vorsicht! oder Achtung! Je nach der empfundenen Dringlichkeit der Störung oder Gefahr wird das Signal verschieden stark angewendet, so daß man mehrere Alarmstufen unterscheiden kann. Nehmen wir einmal eine dritte Alarmstufe als die höchste an, so werden wir sehen können, daß bei ihrer Ver­wirklichung im Ameisenstaat größte Aufregung ein­tritt und daß die Nachricht von der drohenden Ge­fahr alle Mitglieder wie ein Lauffeuer erreicht. Selbst eine weit draußen beschäftigte Arbeiterin, die von den Alarmstufen 1 und 2 keine Kenntnis nimmt, verfällt bei der 3. Alarmstufe in allgemeinen Taumel der Erregung, und zwar ohne daß ihr eine andere Ameise Die Botschaft zugetragen haben könnte. Wo liegt hier des Rätsels Lösung? Pro­fessor von Goetsch hat festgestellt, daß die 3. Alarm­stufe ein regelrechter Gasalarm ist. Aus dem Leid der signalisierenden Ameise tritt nämlich ein Tröpf- chen einer Flüssigkeit, die rasch verdunstet und die sogar mit der gewiß nicht sehr empfindlichen mensch­lichen Nase wahrgenommen werden kann.Und der Alarmduft ist es, der auch die fernab stehenden oder daheim im Hinterland beschäftigten Arbeiterin­nen erreicht und sie aus ihrer Beschaulichkeit weckt. Wie bei uns das Gähnen ansteckend ist und das Niesen und gar die Panik, so fängt nun jede Ameise, die den Alarmduft verspürt, ihrerseits an, das alarmierende Tröpfchen auszuschwitzen. So wird der Alarm im ureigentlichen Sinn des Wor­

tes im ganzen Ameisenstaat ruchbar. Die Probe aufs Exempel, daß dem so ist: Man braucht nur so ein Tröpfchen in einen völlig ruhigen Ameisen- ftaat eingubringen, und im Nu rennet, rettet, flüch­tet alles. Gleichsam ein Probegasalarm. Hier wie bei den geringeren Alarmstufen bedeutet das Wort der Ameisensprache nichts weiter als bloß: Gefahr. Welche Gefahr, wo und von wem sie droht, dafür hat die Ameisenspracke keinen Ausdruck. Das her­auszufinden, bleibt dem Spürsinn der einzelnen überlassen, wobei ihnen allerdings das Arneifen- gewimmel in unmittelbarer Nähe des Feindes oder der Beute so wie die sich da konzentrierenden Duft­stoffe helfen, während im weiteren Umkreis der Alarm alsbald abebbt und das erregende Gas sich verflüchtigt."

Zeitschriften.

lieber die mannigfaltigen Entstehungsurfachen von Kinderkrankheiten, über deren Verhütung und Behandlung, fchreibt der Berliner Kinderarzt Dr. Schur in der ZeitschriftMutter und Kind" (Heft 4, April 1935). Er führt u. a. die wichtigsten Kinderkrankheiten, wie Mafern, Scharlach, Keuch­husten usw. an und gibt den Müttern Anhaltspunkte für die Behandlung unter Aufsicht des hinzugezoge- nen Arztes. Aus dem weiteren Inhalt werden Bei­träge wieGesundheit und Krankheit",Windel­höschen",Ranzen oder Schulmappe",Der Oster­hase als Arbeitgeber",Flügge",Unsere Vornamen" besonders interessieren.Irmela" berichtet wieder über ihren Werdegang. Sie ist schon zwei Monate alt geworden und erzählt im Aprilheft über die Fortschritte, die sie in der Zwischenzeit gemacht hat. DerFragedienst der Abonnenten" bringt der Mutter Interessantes auf den verschiedensten Gebie­ten, und die netten Anregungen für Kindermoden werden ihr willkommen sein. Bezugspreis 1,30 RM. vierteljährlich. Verlag Elwin Staude, Berlin W 30.

Sochfchulnachrichten.

Professor Dr. Paul Keys er, Ordinarius für praktische Theologie an der Universität Königs­berg, ist in gleicher Eigenschaft an die Universität Halle berufen worden.

Professor Dr. Friedrich Sch aff st ein, Ordi­narius für Strafrecht und Strafprozeßrecht an der Universität Leipzig, hat einen Ruf an die Uni­versität Kiel erhalten und angenommen.