Nr. 59 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag, U. März (955
Der Kampf um die Aahrungsfreiheit unseres Volkes
Gauleiter und Neichsstatthatter Sprenger und Landesbauernführer Dr. Wagner auf der Bauernkundgebung in Friedberg.
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Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger begrüßt die Hüttenbergerinnen.
* Friedberg, 10. März. Die Stadt ist anläßlich der großen Bauernkundgebung mit den Symbolen des nationalsozialistischen Deutschland reich geschmückt. Neben den Sonderzügen aus Usingen, Büdingen und Gießen sind zahlreiche. Bauern schon in den frühen Morgenstunden gekommen, um zum Teil an den vormittags stattfindenden Sondertagungen der einzelnen Abteilungen der Bauernschaft teilzunehmen.
Um 13.30 Uhr konzertierte der Musikzug der SA.-Standarte 2 2 2 vor dem Hotel Trapp. Gegen 14 Uhr gab ein großes Musikkorps, zusam- mcngestellt aus fünf Kapellen des Reichsheeres, unter Leitung von Obermusikmeister Krauße (Gießen) ein Militär-Platzkonzert, zu dem
gewoben waren. Eine Hüttenberger Braut überreichte dem Reichsstatthalter eine große Puppe in Hüttenberger Tracht.
Der Gebietsbeauftragte für Landarbeiterfragen Jak. Eugen Finger gab bekannt, daß die Landesbauernschaft 42 Angehörigen zum Zeichen treuer Verbundenheit und in Anerkennung ihrer jahrzehntelangen Pflichterfüllung an der deutschen Scholle eine besondere Freuoe bereitet habe. Der Gauleiter und der Landesbauernführer nahmen dann die Ehrung dieser verdienten Landarbeiter und Landarbeiterinnen vor, denen ein Bild des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler und des Reichsbauernführers Darre mit entsprechender Widmung überreicht wurde. Es
wurden 8 Auszeichnungen für mehr als 40jährige, 12 für mehr als 20jährige und 22 für mehr als 10jährige Dienstzeit ausaegeben.
Ein Sprechchor der Abteilung 222/7 Wickftadt des Arbeitsdienstes überbrachte den Gruß des Arbeitsdienstes an den Bauer.
Don starkem Beifall begrüßt und während seiner Ausführungen mehrfach unterbrochen, sprach dann
Gauleiter
Reichsstatthalter Sprenger.
Wer das Werk Adolf Hitlers würdigen will, der tut gut, einmal an die Jahre vor dem 30. Januar 1933 zurückzudenken, an jene Zeit, in der in Deutschland unsagbare Not herrschte und in der insbesondere der deutsche Bauernstand schwer bedroht wurde. Man muß sich einmal fragen, was geschehen wäre, wenn Adolf Hitler nicht zur Macht gelangt wäre? Gauleiter Sprenger erinnert an den Wahnsinnsspuk der Inflation, an den Irrsinn dieser ganzen Zeit, deren großes Ziel in Wahrheit die Verjagung des deutschen Bauern von der Scholle überhaupt gewesen sei. Ein internationales Händlertum, jüdischer Geist, habe diesen Kampf geführt, um dem deutschen Volk sein Brot zu nehmen.
Lin Volk aber, so erklärte der Gauleiter unter dem stürmischen Beifall der Tausende, das sein eigenes Brot nicht hat, das sich nicht von seiner eigenen Scholle ernähren kann, ist in seiner Existenz auf das schwerste bedroht.
Der Weg, zu dem man damals das deutsche Volk habe zwingen wollen, hätte uns dahin gebracht, unsere Lebensmittel mehr und mehr vom Auslande zu beziehen. Das sei der große Plan des internationalen Händlertums gewesen, an dem es mit verbissener Zähigkeit schon seit Jahrzehnten gearbeitet habe. Nach dem Kriege wäre er dann ganz groß vorbereitet worden. Das internationale Börsenschiebertum habe mit ihm das deutsche Volk niederzwingen wollen.
Der Gauleiter nahm dann u. a. weiter Stellung zur Frage des Handels mit Juden. Die ständigen Beifallskundgebungen bewiesen, wie sehr
sich außerordentlich große Menschenmassen eingefunden hatten.
Die Tagung fand ihren Abschluß mit einer gewaltigen öffentlichen Kundgebung im Hofe der Bergkaserne. Zu Tausenden aufmarschiert standen die Gliederungen der Partei mit den Bauern ihrer Dörfer. Unter den Klängen des Badenweiler Marsches schritt Reichsstatthalter, Gauleiter Sprenger, vom Landesbauernführer Dr. Wagner begleitet, die Fronten der Formationen ab, freudig begrüßt von den Kundgebungsteilnehmern. Ein-1 drucksvoll war der Fahneneinmarsch
Landeüobmann und Kreisleiier Seipel-Friedberg
eröffnete die Kundgebung zur Eröffnung der deut- schen Erzeugungsschlacht mit Begrüßungsworten ah den Gauleiter und den Landesbauernführer. Möge die Kundgebung, so führte er u. a. aus, dazu beitragen, alle diejenigen, die an deutsches Schicksal gebunden sind, davon zu überzeugen, wie wichtig es ist, daß Deutschland auch frei wird hinsichtlich seines Brotes.
Die Heimattracht. - Ehrung von Jubilars«.
Unter Musikklängen zog dann Heimatdichter Georg Heß (Leihgestern) mit seiner Hüttenberger Trachtengruppe auf. In einer Mundartdichtung brachte er die. Verbundenheit des Bauerntums mit deutscher Art und Sitte zum Ausdruck, in die zwei von den Kundgebern mitgesungene Volkslieder ein-
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Alte verdiente Arbeitskameraden hessischer Bauern werden geehrt. — Im Vordergründe rechts: Reichsstatthalter Sprenger; hinter ihm Landesbauernführer Dr. Wagner.
(Sämtliche Aufnahmen: Photo-Pfaff.)
er mit diesen Worten den Bauern aus dem Herzen sprach. Unter stürmischem Beifall erklärte der Gau- leiter, daß der Jude sein Volkstum für sich habe und auch für sich allein zurechtkommen möge. Wir aber handelten nach der Stimme unseres Blutes. Deshalb brauchten wir zur Regelung dieser Frage keine Gesetze und Bestimmungen, wir regeln diese Dinge selbst, indem wir Deutsche unter uns blieben.
Der Gauleiter sprach weiter von der Notgemeinschaft, die uns heute verbinde.
Wir seien deutsche Brüder und deutsche Schwestern geworden, und wenn wir schon leiden müßten, so wollten wir dies gemeinsam tun.
Durch das Spekulantentum im Liberalismus, das allein nur die Frage kannte: „Was verdiene ich am Brot?" wäret ihr — so wandte sich der Gauleiter
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Bauernmädchen aus dem Hüttenberg in ihrer schönen Tracht.
an die Bauern — nahezu alle an den Bettelstab gekommen. Er wies weiter darauf hin, wie schon in der Kampfzeit der NSDAP, durch den Reichsbauernführer und Reichsernährungsminister Walter Darre im Auftrage des Führers die Befreiung des deutschen Volkes vorbereitet wurde. Sie habe den deutschen Bauer wieder in sein Recht eingesetzt, während er vorher nicht nur nicht geachtet, sondern sogar ein Geächteter gewesen sei. Das Reichserbhofgesetz sei ein Segen für ganz Deutschland, denn es erhalte dem deutschen Bauern seine Scholle und damit dem gesamten deutschen Volk das Brot.
In der Agrargesetzgebung sei dem Bauerntum für seine Arbeit eine feste Grundlage geschaffen worden. Die Fest- und Richtpreise böten ihm die Gewähr einer Arbeit auf lange Sicht, sie hätten damit dem Volk überhaupt eine gesunde und stete Lebensgrundlage gegeben.
Die Gesunderhaltung des Bauernstandes sei lebensnotwendig für das ganze Volk. Denn ohne einen gefunden Bauernstand gebe es kein gesundes Volk mehr.
Unter dem jubelnden Beifall aller Kundgebungsteilnehmer schloß der Gauleiter mit den Worten: „Ihr seid der Born des Volkes. Aus euch sind alle Berufe hervorgegangen. Seid stolz darauf! Das Vatererbe ist euch vom Führer zu treuen Händen gegeben worden, so geht denn wieder hinaus auf eure Scholle und arbeitet weiter in eurem Dienst am deutschen Volk."
LandeSbauernsührerDr.Wagner ging zu Anfang seiner Rede darauf ein, daß das deutsche Volk immer große Leistungen vollbracht habe, daß dieise aber meistens nur für die Welt von Bedeutung waren. Zum ersten Mal ist es unter dem Nationalsozialismus gelungen, das deutsche Volk unter einem selb st bewußten Ge»
Betrachtungen über ein Buch.
Von Otto Brües.
Mein Großvater von der mütterlichen Seite her, der Kaufmann Carl Anton Scheuten, hatte einen sehr weit, manchmal bis zu leiser Komik ausgebildeten Familiensinn; die Vorzüge dieser Eigenschaft überwiegen die Nachteile so sehr, daß ich mich bei Großvaters Verehrung seiner wie Sand am Meer zahlreichen Onkel-, Vettern- und Sippschaft zweiten, dritten und vierten Grades nicht länger aufhalte-r will. Alles, was an eine Familienbeziehung erinnerte, hob der Großvater sorgfältig auf, ordnete es feiner Beständen ein, holte es bei paffender Gelegenheit heraus — es war, alles in allem, ein beträchtliches Familienmuseum, das dann bei Großvaters Tod, ein Jahr vor dem großen Kriege, in alle Winde zerstreut wurde.
Als ältester Enkel genoß ich manchen Vorzug, und so bekam ich schon als Schüler diesen und jenen Gegenstand aus dem Erinnerungsschatz des Großvaters zum Geschenk, so etwa drei Bände von Johann Heinrich Voß, und zwar von den „Sämtlichen Uebersetzungen der klassischen Dichter der Griechen den „ersten Teil", „enthält: Homer-Jlliade (Frankfurt und Leipzig 1807), den „dritten Teil Homers Odyssee (Cöln, 1808) und „Des Quintus Horatius Flaccus Werke", Odep und Epoden (1806, Auf dem Vorgebirg der guten Hoffnung) und alle drei „mit Kupfern", von Q. Mark, .von Anton Karcher und Adrien Godefroy. In alle drei Bände mußte ich, nach einem Diktat des Spenders, die Worte eintragen: „Geschenkt von meinem Großvater Carl Scheuten, früher Eigentum meines Urgroßvaters Dr. Gerhard Scheuten", womit denn eine Brücke vom Jahre 1913 zurückgeschlagen war ins Jahr 1817, in dem jener Urgroßvater Gerhard als einer der ersten Studenten der neugegründeten Friedrich-Wilhelm- Universität zu Bonn die Matrikel der medizinischen Fakultät erhielt. Nehme ich gar an, daß jener Urgroßvater den Johann Heinrich Voß während der Gymnasialzeit als Eselsbrücke, als Pons benutzte — und warum sollt' ich das nicht? — so reichte dies Erinnerungsstück volle hundert Jahre zurück, als ich es in meinem Primanerbücherschrank aufstellen durfte. Doch wollt' ich von diesen Büchern des prachtvollen Eutiners Voß nur sprechen, um auf cirv? andere Gabe des Großvaters hinzuführen, die mir schon ein Jahr vorher zuteil ward, und das sogar, ohne weitere, bedeutsame Eintragung über
die Herkunft; ich meine die „Kupfersammlung zu I. B. Basedows Elementarwerke für die Jugend und ihre Freunde", und zwar die „Zweyte Lieferung in 47 Tafeln", Berlin und Dessau 1774, „nebst dem Methodenbuche und dem Elementarwerke in X Bücher zu haben bey S. L. Crusius in Leipzig, auch bei dem Verfasser und seinen Freunden". Es liegt vor mir, während ich diese Sätze aufschreibe, das Titelblatt zeigt eine schöne weite Fraktur. Es handelt sich, wie gesagt, um die zweite Lieferung, aber sie trägt ein Vorwort, als ob's die erste wäre: drei Einleitungen, ein preface, eine Vorrede, eine praefatio, und jede hat ihr eigenes Initial.
Da finden sich Szenen aus dem bürgerlichen Leben, eine Verlobung, ein Familienzwist, abschreckend dargestellt mit den Tugendsprüchlein der Aufklärung, ein Unterricht in der Familie durch den Vater, der Verkauf im Laden, die Heimkehr des Familienhauptes zum Mittagessen; dann springt der Zeichner von Deutschland hinüber zu fremden Völkern, zu Negern in Afrika, die vor ihrem Kral sitzen, zu Eskimos in den damals immerhin schon zweihundert Jahre entdeckten Spitzbergen, zu Chinesen nach Peking. Die nächsten Tafeln führen ins Handwerk: zum Schneider und Töpfer, zum Gerber und Glasbläser, zum Drucker, Glockengießer und Weber. Mägde spinnen Flachs, junge Damen klöppeln, und bald sind wir bei den Künsten: ein Maler bringt eine Frau auf die Staffelei, die, nackt, aber aus Holz und Leder gebildet, puppenhaft in der Ecke steht, während zu ihren Füßen eine zu- sammengejunkene Ritterrüstung ziemlich menschlich kauert; ein Bildhauer meißelt die Athene aus dem Stein, ein Schriftsteller zeichnet: und das ist denn die Gelegenheit, das Abc und die Schriften, Fraktur und Antiqua, vorzuführen. Der „Sohn Friedrich Elementarius" schreibt vom Seminar an seinen Vater: „Alle Knaben meines Alters können schon tanzen. Erlauben Sie mir doch, lieber Vater, es auch zu lernen" (ein sehr begreiflicher Wunsch) und Fürchtegott Kaufmann schreibt von der Harnburger Handlungsakademie an seinen theuersten Oheim und Wohltäter einen Glückwunsch zum vierzigsten Geburtstage.
Es folgt einiges von dem, was Walter Flex im Wanderer zwischen zwei Welten die sieben ritterlichen Künste nannte, eine Darstellung der Musikinstrumente und des Singens, ein köstliches Blatt für einen Musikforscher, sodann eine Darstellung des Tanzes, von vollendeter Anmut (nicht wahr, diese Ansicht stammt ja aus der Zeit noch, in der
Mozart seine blühendsten Schöpfungen an die Welt schenkte), eine Darstellung des Ringens und Fechtens und wohl als die herrlichste Gabe ein Anschauungsunterricht des Reitens und Fahrens — ist es Basedow oder ist es Chodowiecki gewesen, der aus Abscheu vor dem Pferde diese nützliche und schöne Uebung als so besonders gefährlich hinstellen wollte? Den einen Reiter rammt der Gaul gegen ein Tor, den zweiten schleudert er ab und schleift ihn fort, den dritten treibt er als einen Absalom ins Geäst einer Eiche, der vierte wird hinterrücks abgeworfen, der fünfte nach vorn, den sechsten zerschmettert ein Huf, und den siebenten schleudern durchgehende Rosse vom Wagen; es könnte einem angst und bange werden. Seiltanzen und andere Artistenkunststücke auf dem Blatt LXIV würde Flex nicht mehr als ritterliche Kunststücke angesprochen haben.
Mit Entschlossenheit lenken die Herausgeber des Buches nun den Blick in die Geschichte, wie das in der Darstellung des Kriegshandwerkes von selbst einbeschlossen ist, in Kämpfe von Römern und Negern, Russen und in die Heerlager der Zeit, zu Biwak, Paraden und Kämpfen in herrlich grünender Landschaft. Dom Krieg und dem Gemeinschicksal gehts hinüber zum Leben des einzelnen: ein Ketzer wird verbrannt, ein Dieb geprügelt, ein Deserteur fortgeschleift. Es folgt wieder der Reigen der Geschichte, von der Sintflut bis zu den Siegeszügen der Römer, zu der Ausfahrt des Kolumbus. Es ist nun eine kunterbunte Folge: neben Christi Kreuztragung und dem Opfertod der Jünger steht der Tod des Sokrates mit dem Schierlingsbecher und die Ablehnung des Kopermkus durch die Kirche. Und die Bilderfolge, die so blühend begann, endet mit mathematischen Figuren, mit einer Darstellung, ach, des pythagoräischen Lehrsatzes, des Gesetzes der kommunizierenden Röhren, der Lichtstreuung und -sammlung in einer Linse und endlich einer Darstellung des Sonnensystems, wobei sichs der Zeichner nicht versagen kann, doch wenigstens die Gestirne plastisch als stark beleuchtete Kugeln zu fassen.
„Nicht hier ist der Ort", sagt Basedow im Vorwort, „über die sehr wichtigen Absichten, die das Elementarwerk fördern soll, und über den Werth der Ausführung meine Meynung zu sagen. Was aber die Tafeln", fährt er fort, „als Kunstwerke betrachtet, sind, fällt den Kennern in die Augen. Und die andern", also die Laien, „können sich ziemlich verlassen auf den Ruhm des Hrn. Dan^I
Chodowiecki in Berlin, welcher (außer wenigen von Herrn Wolke) alle Zeichnungen gemacht, einige selbst gestochen und die übrigen von guten Künstlern unter seiner Aufsicht hat stechen lassen."
Was den von Basedow so genannten Ruhm Cho- dowieckis betrifft, so ist er es allerdings, der mich nicht allein aus Pietät zu dem großväterlichen Geschenke den Tafelband immer wieder aus dem Schrank holen läßt; aber er ist's nicht allein, sondern ebenso sehr eine Einsicht, die mir im Laufe der Jahre gerade durch das Fehlen des Elementarwerkes selbst nach und nach vermittelt wurde, zu dem Chodowieckis Kupfer den Tafel- und Ansichtenband bilden: was besäße ich schon mehr, wenn ich wirklich „Methodenbuch und Elementarwerk in X Büchern" im Schrank stehen hätte? Ich müßte dann sorgsam jeweils Text und Abbildung vergleichen, den Anschauungen des guten Basedow folgen, der gewiß kein Weltkind war, da Goethe ihn und La- vater als Propheten bezeichnet, und wüßte gewiß von dem Inhalt und Sinn der einzelnen Blätter mehr und Genaueres, als ich hier andeuten konnte. Aber die Phantasie, die nun, durch das, was ich halt weiß, ein wenig unterstützt, jedes Blatt auf eine eigene Weise deutet, ergänzend und erfüllend — die Phantasie käme zu kurz.
Und so hab' ich denn auch als Schriftsteller aus diesem Besitz einiges gelernt: daß man nämlich von den Menschen, die geschildert werden und von den Vorgängen, in denen sie stehen und sich bewegen, nicht alles bis auf das letzte l-Tüpfelchen sagen und zuende erzählen darf; nein, im Gegenteil, daß man mancherlei, soviel, wie einem eben möglich, unausgesprochen lassen und andeuten muß. Erst so bekommt das, was erzählt ist, den rechten Hintergrund und damit die Fülle eines Bildes, dessen Horizont hochgelegt ist, damit möglichst viele Einzelheiten auf ihm erscheinen.
So ist's wohl auch um alle Bücher bestellt, die viel bedeuten; und gerade um die Bücher ohne Bilder: je mehr Nichtgesagtes zu dem hinzukommt, was gesagt ist, um so höher ihr Rang.
Hockschulnachnchten.
Professor Dr. Erich I u n g , der wegen Erreichung der Altersgrenze mit Ende des Wintersemesters in den Ruhestand getretene Ordinarius für Bürgerliches Recht, Rechtsphilosophie und Handelsrecht an der Universität Marburg, ist für das Sommer» femester 1935 erneut mit der Vertretung der von ihm innegehabten Professur beauftragt worden.


