Ausgabe 
10.9.1935
 
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woch beginnen.

sars abgelehnt, weil dies den ganzen Fall in ein «arbeite nicht mit derartigen Gewal- noch krasseres Licht gestellt hätte. Heute sei jeden-! ten z u s a m m e n, sondern m a n v e r»i ch t e sie.

'reifes

Heydekrug machen.

Die Pariser Presse betont das glatte Fiasko Litwinows, dem es nicht gelungen sei, seine

Kandidatur für den Sitz eines stellvertretenden Prä- sidenten durchzusetzen. Dieser Durchfall beweise, daß die Sowjets in Genf nicht gerade in besonders gutem Geruch stehen.Journal" spricht spöttisch von geradezu mitleiderregenden Bedin­gungen, unter denen Litwinow 29 von 53 Stim­men auf sich vereinigen könnte. Man habe den Ver­zicht des belgischen Ministerpräsidenten auf seinen Sitz zugunsten des Sowjetrussischen Außenkommis.

abgeschlossen habe. Darin liege ein Beispiel und eine Lehre. Niemand, sei er auch noch so mächtig, sei gegen schlechte Gewalten gefeit. Aber man

Wird England ein gemeinsamesVölker-undsmandat über Abessinien Vorschlägen?

Der Fehlschlag des Volksentscheids in der Schweiz.

Oie Ablehnung einer ^Totalrevision" der Bundesverfassung.

mäß unterschrieben und besiegelt s«. Daher könne der Vertrag auch nicht vom höchsten Gerichtshof für ungültig erklärt werden. Im Falle eines Sieges werde Mussolini als Ehrenmann den Vertrag achten und als He^ rhneintretenmüssen. Die Konzession brauche nicht sofort ausgebeutet zu werden, es sei vielmehr eine Frist von fünf Jahren vorgesehen. Die Kon Zession werde ausgenutzt werden. Er fahre letzt nach London, um dort das nötige zu veranlassen und werde dann nach Addis Abeba zuruckkehren. Aus die Frage, wie nach seiner Ansicht e i n 11 a 11 e - nisch-abessinischer Krieg enden werde, ant­wortete Rickett: Mussolini unternahme i n s ch w i e- riges Geschäft".

Tagesbote" bemerkt zu der Nachricht, die Maß­nahme wird vermutlich mit der Notwendigkeit des Sparens begründet werden; aber abgesehen da­von, daß die dabei erzielten Ersparnisse, wobei es sich hauptsächlich um den Direktorposten handelt, nur gering im Verhältnis zu den sonstigen Posten der Schule sind, wird man in deutschen Kreisen mit Recht fragen, warum gerade an dieser für die deutsche Wirtschaft empfindlichen Stelle gespart werden muß.

Eine erstaunliche Ernennung im Memelgebiei.

Memel, 9. Sept. (DNB.) Der berüchtigte poli­tische Geschäftemacher im Memelgebiet, Simo» n a i t i s, der eine Zeitlang kommissarischer Ober­bürgermeister von Memel war, dann aber wegen seines Lebenswandels von den Litauern aus dieser Stelle entlassen wurde, ist zum Landrat des Kreises Heydekrug er-

wurf unsauberer C , , , gemacht. Um so erstaunlicher ist es, daß ihr Litauer jetzt wieder zum Landrat des Ki

falls der Beweis erbracht, daß die Leiter des Kreml trotz ihrer angeblichen Anhänglichkeit, die sie immer wieder gegenüber dem Völkerbund betont hätten, in weiten Kreisen der Mitgliedsstaaten des Völkerbundes nicht gerade in dem Geruch von Hei­ligen ständen.

DasOeuvre", das für Sowjetrußland von jeher eine gewisse Schwäche an den Tag legte, versucht natürlich, die Bedeutung dieses Zwischenfalles herab­zumildern. Man werde versuchen,den Schaden wieder gutzumachen". Frankreich und England hät­ten sich bereits dahin verständigt, am Mittwoch einen Vorstoß zu unternehmen, um durch die Schaf­fung eines neunten Sitzes Sowjetrußland die Möglichkeit zu geben, im Büro des Völkerbun- des vertreten zu sein.

Moskaus Doppelspiel.

DerMatirr" warnt Mussolini.

Paris, 10. Sept. (DNB. Funkspruch.)Matin" befaßt sich mit der gefährlichen Rolle Sowjet­rußlands im italienisch-abessinischen Streitfall. Der sowjetrussische Botschafter in Paris Pot em» k i n habe, als er seinen Posten in Rom verließ, erklärt, er werde in der französischen Hauptstadt für eine französisch-italienische An - Näherung arbeiten. Heute wisse man, wie diese Arbeit aussehe. Seine Leute seien es, die besonders in Frankreich d i e Oeffentlichkeit gegen Italien aufwieaelten. Es gebe kaum ab­scheulichere Gesellen. Die Männer vom Kreml ver­kauften auf der einen Seite 9000 Tonnen Hafer an die italienische Militärbehörde für das italie­nische Heer in Abessinien, während sie in Athen, Barcelona und Port Said den Hafenarbeitern Be­fehl gäben, die Ladung der für Italien bestimmten Lebensmittel zu verweigern. Das fei fowjetrussische Arbeitsart. Wenn Mussolini heute feststelle, daß die Hindernisse auf seinem Wege zunehmen, und wenn er jemals über ein solches Hindernis stolpern werde, so verdank e er dies Moskau, das er seinerzeit wohlwollend behandelt habe und mit dem er, als einer der ersten, einen Handelsvertrag

Die moralische Vorbereitung Aaliens.

In dem Augenblick, in dem der Ausdruck des italienisch-abessinischen Krieges so gut wie sicher ist und schwere Komplikationen am Horizont stehen, welche die ganze Kraft Italiens auf die Probe stellen können, erhebt sich die Frage nach dem p o - litisch-moralischen Zu st and Italiens von selbst. Die Frage schließt zugleich das größte

Ansicht der Reformer nicht mehr geeignet, den heu- tigen Erfordernissen der staatlichen Gewalt voll zu genügen. Die veränderten politischen Verhältnisse, die sozialen Spannungen und die mächtige Entfal- tung des Verkehrs verlangen, so erklären sie, eine härtere Zentralisation der Regierung und Verwaltung. So ist das Volksbegehren nach einer To t a l r e v i f i o n" der Verfassung entstan­den, das nun, wie schon gemeldet wurde, am letzten Sonntag mit 510 000 gegen 193 000 Stimmen a b - gelehnt worden ist. Dafür haben sich geschlossen nur die Katholisch-Konservativen erklärt, während von den übrigen bürgerlichen Parteien nur kleine Gruppen für die Initiative eingetreten sind. Auch die Erneuerungsbewegungen der jüngeren Gene­ration standen auf der Seite der Befürworter. Die Mehrheit der anderen bürgerlichen und bäuerlichen Parteien und die Sozialdemokraten lehnten jede Totalrevision ab.

ralischer Begriff. Für den Faschismus ist die Be­jahung des Imperialismus, das heißt der Ausdeh­nung, ein Ausdruck der Lebensfähigkeit. Sein Ge­genteil ist ein Zeichen des Niedergangs: die Völker, die im A u f st i e g sind, sind imperialistisch, die sterben Völker sind zum Verzicht geneigt. Aber der Imperialismus verlangt: Zucht, Zusammenfas­sung aller Kräfte, Opfer und Pflichten. Dies er­klärt viele praktischen Erscheinungen des Regimes, unter anderem die notwendige Strenge gegen die, die sich dieser spontanen Lebensäuherung des Ita­liens des 20. Jahrhunderts mit den Ideologien des 19. widersetzen wollen."

Wer erinnert sich nicht beim Lesen dieser frühen, in der letztenrealpolitischen" Epoche Italiens schon halbveraessener Worte an die Begründungen, mit denen Rom jetzt seine Ansprüche auf eine neue Verteilung der Welt gegenüber England verficht, an den tiefen Eindruck, den sie dort wie eine Mah­nung an eigene frühere Ueberzeugunaen gemacht haben, und an die revolutionierende Wirkung, die sie, zuerst nur als hitzige Tiraden eines Diktators gewertet, jetzt in der Praxis der europäischen und vielleicht der internationalen Politik zu spielen sich anschicken?

Die ganze leidenschaftliche Kraft feiner Persön­lichkeit hat Mussolini, haben die Unterführer als seine Sprachorgane, hat eine laute und eindring­

liche innere Propaganda die ersten zehn Jahre der fastisichen Herrschaft auf die Errichtung und Festi­gung dieses Fundaments einer neuen Staats- und Volkslehre verwandt: die Erziehung zum soldatischen Ideal als Lebensform und zum Imperialismus als (Staatsbegriff und Staats­ziel sollte die moralischen Voraussetzungen schaffen für das, was Mussolini künftig als italienische Po­litik angesehen wissen wollte und wozu er jetzt über­geht. Er stellt diese schwere und verantwortliche Auf­gabe einer Generation, die noch im Zustand des Uebergangs ist. Die Hälfte hat noch in einem Italien gelebt, in dem andere Lehren und Ideale gepredigt wurden und galten; nur die Jugend ist in der neuen Atmosphäre aufgewachsen und viel­leicht ganz von ihr erfüllt. Es wird vom Grade und der Schwere der Prüfungen abhängen,' ob auch das halbe Volk genügt, sie zu bestehen! O. M.

Das Wahlergebnis in polen.

28 Prozent geringere Wahlbeteiligung.

Warschau, 9. Sept. (DNB.) Nach amtlichen Mitteilungen nahmen an der gestrigen Sejmwahl in Polen 7 575 681 Wähler von 16 282 347 wahl­berechtigten Personen teil. Die Wahlbeteiligung be­trug somit 4 6,5 v. H. Bei den Wahlen 1930 be- trua die Wahlbeteiligung 74,8 v. H. Somit ist die Differenz 28,3 v. H. Sie ist das Ergebnis der vor keinem Mittel zurückschreckenden Agitation der Oppositionsparteien, die gegen die Wahlbeteiligung unter Anwendung von physischer Gewalt gerichtet war. Hinzu kommt die außergewöhnlich ungünstige Wetterlage am Sonntag. 1930 erhielt die Regierungs­liste 5 292 725 Stimmen, gegenwärtig beträgt die Anzahl der sich zur Regierung bekennenden Wähler 7 575 681, was einer (Steigerung um 43,1 v. H. gleichkommt. Gewählt wurden 184 Polen, 19 Ukrainer, 4 Juden und 1 Russe. Auf 206 Abgeord­nete kommen nur zwei Frauen. Daß die deutsche Minderheit und schließlich auch die Weißrussen keine Mandate erhalten, war schon bei der Aufstellung der Kandidaten bekannt.

Das vorläufige amtliche Endergebnis der Wahlen in der Wojewodschaft Schlesien zum Warschauer und Schlesischen Sejm bestätigt die Voraussagen über d i e außerordentlich hohe Wahl­beteiligung. Die durchschnittliche Wahlbeteili­gung zum Warschauer Sejm betrug 76,92 v. H., die zum Schlesischen Sejm ist mit 76,34 etwas niedri­ger. Ostoberschlesien allein ohne den Wahlkreis Die- litz-Teschen wies sogar eine durchschnittliche Wahl­beteiligung von 82 v. H. auf. Die höchste Beteili­gung hatte der Wahlkreis Kattowitz-Land mit 86 v. H. Die niedrigste Wahlbeteiligung verzeichnete Bielitz mit nur 57 o.H« Dis Zahl der ungültigen

London, 10. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Genfer Korrespondent derTimes" meldet, daß die britische Abordnung bereits ein gemeinsames Mandat d e s Völkerbundes uberAbes- inten oorgeschlagen hat. Es ist nach nicht mög­lich zu sagen, welche Form dieses Mandat an­nehmen würde, ob es unmittelbar v o m V o l- terbunbsrat durch feinen eigenen Oberkommissar und seine eigenen Beamten ausgeübt, oder ob es zwischen den Unter­zeichnern des Vertrages von 190 6, d. h. Frankreich England und Italien, verteilt wer­den würde, die bann im Namen des Völkerbundes handeln würden. Britischerseits wird der eine Vor­behalt gemacht, daß Abessinien den Plan reiwillig annimmt. Es verlautet, daß die ranzösische Abordnung sich au dem Plan bekannt hätte. Die Franzosen hätten somit chre erste Ansicht geändert, wonach Italien allein mit Zu- timmung des Völkerbundes ein Mandat über Abes- inien erhalten sollte. Das vorgeschlagene Mandat würde dem Negus sehr wenig Souverä­nität lassen. Es dürfe daher nicht vergessen werden, daß er den Vorschlag vielleicht zurückweisen werde.

Der Genfer Korrespondent desDaily Telegraph" will auf das allerbestimmteste erklären können, daß, falls Großbritannien sich berufen fühlen wurde, Sühnemaßnahmen zu beantragen, Frankreich ihm feine volle Unter- tützung zuteil lassen werde. Sogar Laval sei jetzt überzeugt, daß seinem Lande keine andere Wahl bleibe. Falls Mussolini seinen Feldzug be­ginne, werde er es in voller Kenntnis dieser Tat- ache tun. Laval werde am Dienstagvormittag in Genf eintreffen und noch vor Mittag eine Unter­redung mit dem britischen Staatssekretär des Aeußeren, Sir Samuel Hoare, haben. Am Mitt­woch werde dann Hoare auf der Vollsitzung der Völkerbundsoersammlung eine aus« ührliche Erklärung abgeben. Diese Erklärung werde jeglichen Zweifel hinsichtlich der britischen Politik beseitigen.

Em neues Angebot Abessiniens.

Addis Abeba, 9. Sept. (DNB.) Ein Kronrat hat dem abessinischen Vertreter in Genf neue An­weisungen gegeben. Der Kaiser sei bereit, weitere ausländische Berater in die abessinische Re­gierung aufzunehmen. Der Völkerbund solle die Kandidaten Vorschlägen, der Kaiser behalte sich seine Einwilligung vor. Ein Mandat jedoch, welcher Art fcs auch sein möge, das die Souveränität und Unabhängigkeit Abessiniens verletzen könnte, wird abgelehnt. Italien werde der Kaiser Zu- geständnisse an der Grenze von Oga - d e n machen. Außerdem werde er Italien den Bau einer Straße von der Grenze Eri­treas nach Gondar (etwa 250 Kilometer von Eritrea entfernt) bewilligen. Ferner solle auch die Frage des Straßenbaues von Addis Abeba nach dem Hafen von Ass ab im Südosten von Eritrea erneut beraten werden. Heber diese Frage ist bereits im Jahre 1928 verhandelt worden.

Reuter meldet aus Addis Abeba: Die Haltung des Negus ist nach wie vor fest. Er will weder einem Dreimächte-Mandat, noch einem italienischen Mandat nach dem Vorbild des englischen Mandats im Irak, noch einer inter­nationalen Polizeitruppe zustimmen.

Ein Rundfunk-Appell der Kaiserin an die Frauen der Welt.

Nach einer Reuter-Meldung aus Genf wird d i e Kaiserin von Abessinien heute um 23.45

Venesch zum Präsidenten der VöikerbundS- versammlung gewählt.

Fiasco LitwinowS.-Oer Widerstand gegen die Bolschewiken nicht verschwunden.

nannt worden. Während seiner Amtsführung als Oberbürgermeister wurde ihm wiederholt der Vor- Geschäftsführung ' "in die

Die politische Reformbewegung in der Schweiz, die sich in den verschiedensten Aktionen geäußert hat, hat ihre Ursachen in dem häufigen Versaaen des parlamentarischen Systems und in manchen Nachteilen der bundesstaatlichen Verfassung der Schweiz. Die marxistischen Parteien haben es ver­standen, aus dem gegenwärtigen Zustand reichlichen Gewinn zu schöpfen. Sie herrschen in mehreren Großstädten und einigen Kantonen. Im Jahre 1934 entstand das Gesetz zum Schutze der staat- lichen Ordnung, das dazu bestimmt war, den ärgsten Wühlereien der Kommunisten wirksamer zu begegnen. Dieses Gesetz ist damals i m Volks­entscheid abgelehnt worden.

Genf, 9. Sept. (DNB.) Unter stärkerem allye- meinen Interesse als in den letzten Jahren ist im Genfer Generalratsgebäude die Vollversammlung des Völkerbundes eröffnet worden. Die meisten europäischen Staaten haben ihre Außenminister als Hauptdelegierte entsandt. Frankreich ist in Abwesen­heit Lavals durch H e r r i o t und Paul-Bon- c o u r vertreten. Die Tagung begann wie üblich mit einer Eröffnungsansprache des amtierenden Ratspräsidenten, des argentinischen Delegierten Ryiz Guinazu. Bereits während seiner Rede wurde die Prüfung der Vollmachten der Delegierten vorgenommen. Sodann schritt die Ver­sammlung zur Wahl ihres Präsidenten. Gewählt wurde mit 49 von 54 Stimmen der tsche­choslowakische Außenminister Dr. B e n e s ch. Vor Beginn der Abstimmung war bekannt geworden, daß der Ire de Valero seine Kandidatur zu­rückgezogen hatte. Bei der Wahl der fünf Vize­präsidenten erhielten England, Frank­reich und Italien über 40 Stimmen; dann folgten in einem gewissen Abstand Belgien und Polen. Auf die Sowjetunion entfielen nur 29 Stimmen, eine Erinnerung an die vor einem Jahre unter den Bundesmitgliedern hervorgetrete­nen erheblichen Widerstände gegen die Aufnahme der Sowjetunion. Da noch keine Wortmeldungen für die allgemeine Aussprache vorliegen, wurde die Aussprache erst auf Mittwoch festgesetzt. Der Prä­sident mußte, wie in den letzten fahren, an die Bundesmitglieder d i e dringende Aufforde­rung richten, sich bald zu melden. Da der englische Außenminister Sir Samuel Hoare bereits am Donnerstag Genf wieder verlassen will, müßte schon mit Rücksicht auf ihn die Aussprache am Mitt-

und vornehmste ßeiftungsgebiet des faschistischen Regimes in sich, das in den dreizehn Jahren seines Bestehens die moralische Erneuerung Italiens und feine militärische Bereitschaft zur Ausübung einer imperialen Großmachtstellung geradezu als fein erstes Lebensgesetz bezeichnet hat.

Als Mussolini im Spätjahr 1922 die Herr­schaft übernahm, zeigte Italien, obwohl es zu den Siegermächten" gehörte, in seiner geistigen Ein­stellung zu den großen staatlichen Grundfragen, zu Krieg und Frieden, zur Wehrkraft des Landes, Ju kolonialer oder imperialistischer Ausbreitung in ast genauer Kopie jene Verfallserscheinungen, die onft nur in den besiegten oder durch die Nach­kriegsrevolutionen zerrütteten Ländern zu bemer­ken waren. Auf die tiefer liegenden Gründe, die im Versailler Vertrag zu suchen sind, brauchen wir hier nicht einzuaehen. Die äußere Schuld lag in dem Anwachsen der bolschewi""

Uhr durch Rundfunk einen Aufruf an die Frauen der Welt richten. Sie wird awarisch spre­chen, und ihre Worte werden von der Prin­zessin Tschei ins Englische übertragen werden. Der Aufruf ist von dem internationalen Frauenbund für Frieden und Freiheit veranstaltet und wird von der nationalen Rundfunk-Gesellschaft von Amerika verbreitet werden.

Rickett

hält an seinem Konzessionsvertrag fest.

Kairo, 9. Sept. (DNB.)Egyptian Gazette" veröffentlicht eine Unterredung mit Rickett, der in Kairo weilt. .Rickett erklärte, daß fein Vertrag mit dem Kaiser von Abessinien ordnungsge-

Stimmen dürfte zwischen 10 und 15 v. H. der ab­gegebenen Stimmen liegen.

Die Regierungsblätter werten die vor­läufig bekannten Wahlziffern als ein Zeichen dafür, daß in der Oeffentlichkeit d i e Anerkennung ür das R e g i e r u n g s I a g e r gewachsen ei. Die Zunahme der für die Regierungsvertreter abgegebenen Stimmen fei um so bemerkenswerter als diesmal keinerleiWahlaaitation statt­gefunden hätte. Insgesamt sei also das Ergebnis der Wahlen ausgezeichnet und sehr erfreulich. Die Blätter der Opposition äußern Zweifel an den Ergebnissen der amtlichen Berechnung. Sie nennen das Wahlergebnis ein mißlungenes Experiment.

Oie deutsche Textilschule in Brünn aufgehoben.

Brünn, 10. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die deutsche Textilschule in Brünn, die größte und äl­teste Schule dieser Art in der heutigen Tschecho­slowakei, hat ihr Ende durch einen Federstrich des Prager Schulministers gesunden. Die Selbständig­keit der deutschen Anstalt wurde aufgehoben und dafür eine doppelsprachige Textilschule geschaffen. Die deutsche Textilschule war aus Mit­teln der mährischen Industrie vor 75 Jahren ins Leben gerufen worden. Der Brünner

Lehren in den großen Massen der Bevölkerung und bei der Schwäche des demokratischen Regimes. Der Hauptleidtragende- der nationalen Depression, von der das italienische Volk ergriffen war, war d i e Armee. Aus einem opferreichen ; Kriege heimgekehrt, zumeist geschlagen und schließ- ; lich siegreich, hatte sie den Dank der Nation er­wartet und war einer neuen Organisation durch eine starke nationale Regierung bedürftig. Statt dessen setzte sich der militärfeindliche Geist der bol- schewistischen Massen immer stärker auch in der Re­gierung durch, die unter der Führung Nittis dem Drucke einer zugunsten der Krieasdeserteure erten Kampagne so weit nachgab, daß sie ein rstiegesetz für diese in der Nachkriegszeit mit« bestimmende Sorte von Bürgern erließ. Die Ver­hältnisse im Heere wurden so unerträglich, daß eine Anzahl verdienter Offiziere, unter ihnen die Gene­rale de Bono und Graziani, die heute die vielgenannten Führer des afrikanischen Feldzuges sind, damals den Dienst quittierten. Sie und andere Offiziere, Unteroffiziere oder Soldaten, wandten sich, angeekelt von dem politischen Betrieb, der ihre Erinnerungen, Verdienste und ihre Uniform straf­los beschmutzen ließ, der neuen f a s ch i st i s ch e n Bewegung zu, die versprach, die Ehre der A^- mee wieder herzustellen und das italienische V^. in den Tugenden des Soldatentums zu erziehen.

In der Tat gehörte die Bekämpfung des Antimilitarismus zu den ersten und am unmittelbarsten wirkenden Grundsätzen und Forde­rungen des faschistischen Programms. Es war sozu- fagen die geistige Grundlage, auf der Mussolini sein ganzes Erziehungswerk am Volke und seine politische Pläne aufzubauen gedachte. Man erin­nert sich an jene ersten Zeiten seiner Herrschaft,, in der er inmitten einer kriegsmüden, von pazifistischen Ideen erfüllten und im Traum der Dölkerbunds- politik befangenen Welt seine stählernen Verherr­lichungen des Krieges verkündete und durch seine Organe verkünden ließ:Der ewige Friede ist eine Schimäre. Das Leben auf unserem armen Plane­ten ist ein ständiger Kampf. Der Krieg tft eine große menschliche Realität. Man muß sich in stän­digem Bemühen auf den Kampf vorbereiten, denn der Friede ist nur eine Pause, in der sich die Ele­mente neuer bewaffneter Konflikte kräftigen. Mag der Kriegder Vater aller Singe" sein, wie Heraklit sagt, mag er göttlichen Ursprungs fein, wie 25 Jahrhunderte später Proudhon meinte, mö­gen in ihm, nach Renan, die Wurzeln des mensch­lichen Fortschritts liegen, sicher ist, daß der Krieg, den wir erlebt haben und an dem ich als einfacher Soldat teilgenommen zu haben stolz bin, nicht der letzte war." So lautete eine der ersten offen» herzigen Aussprüche des Duce. Der Schöpfer der faschistischen Jugendorganisation der Balilla, Ricci, erklärte,Krieg und Frieden sind im Leben der Völker gleich notwendig für ihre Ent­wicklung, für ihre Gröhe und für ihre Zukunft." Solche Zitate aus der faschistischen Literatur und von autoritativster Stelle ließen sich vervielfachen, aus denen die vom Faschismus zweckbewußt ver­breitete Atmosphäre einer exaltierten, fast religiö­sem Verherrlichung des Krieges ersichtlich wird. Er­schreckt hörte zuerst Europa auf diese Pronunzia- mentos, die wie aus einer vergangenen Welt klan­gen, bis man begriff, daß sie zunächst wenigstens keine Kriegsdrohung waren, sondern einen neuen italienischen Lebensstil schassen wollten, auf dem der Faschismus fein politisches Werk aufzubauen gedachte.

Aehnlich verhielt es sich mit der zweiten politi­schen Grundlehre des Faschismus, der imperia­listischen Idee. Das demokratische Italien hatte in Versailles auf fast alles verzichten müssen, was ihm vorher von seinen Verbündeten zugesagt war. Die Fo^e war eine tiefe politische Resignation Und die Bereitschaft, Italien in die Rolle einer se­kundären Macht zurücksinken zu lassen. Demgegen­über verkündete Mussolini in der italienischen Encyklopädie:Der faschische Staat ist ein Wille A u r Macht und zur Herrschaft. Die römi­sche Tradition hat hier die Wirkung einer Zwangs­idee. In der Lehre des Faschismus ist der Impe­rialismus nicht allein ein territorialer, militärischer ober wirtschaftlicher, sondern ein geistiger und mo=

In der Zwischenzeit drängte sich der Gedanke einer Revision der 'N e r f a s s u n g s g e s e tz e immer stärker in den Vordergrund. Die geltende Verfassung geht auf die Jahre 1848 und 1878 zu­rück. Sie trägt den Sonderwünschen der Kantone in weitem umfange Rechnung, ist aber nach bes| ßm Grunde genommen haben alle Teile btt