Ausgabe 
10.9.1935
 
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r die Wege zu einer t bestand. Der Antrag,

Senator Huey Lang. (Scherl-Bilderdienst-M.)

druck gebracht. Auch zahlreiche Kongreßmitglieder Washington verurteilen in Zeitungsveröffentlichungen das Atten- Connecticut l tat aufs schärfste.

In der Gewalt chinesischer Banditen.

Oer deutsche Iournalist Or. Müller berichtet über seine Gefangennahme.

Der von den Begleitern Senator Songs un­mittelbar nach dem Anschlag erschossene Angreifer W e i ß ist am Montag im Beisein eines katholischen Geistlichen beerdigt worden Es wird übrigens be­hauptet, daß Weiß jüdischer Abstammung sei. Prä­sident Roosevelt hat in der Presse fein t i e - f e s Bedauern über den verabscheuungswür­digen Anschlag auf Senator Huey Cong zum Aus-

Besucht die deutschen Volks­genoffen in Südtirol

Der Fremdenverkehr in Südtirol hat in den letz­ten Wochen und Monaten infolge der politischen Spannungen außerordentlich gelitten. Besonders die in Südtirol ansässigen Deutschen haben darunter zu leiden gehabt, da ihre Existenz abhängig ist vom Strom der Besucher aus dem Reich. Die alten Städte Bozen und Meran, Klausen und Brixen sind wenig besucht. Gerade im Herbst kommt die schönste Zeit für dey Besuch dieser Städte, da die berühmte Traubenernte in Meran und in Bozen Gäste aus dem Norden zu locken pflegt. Es gibt in allen Orten Südtirols in schönster Lage rein deutsche Häuser, in denen der Besucher in jeder Hinsicht gut aufgehoben ist. Den schwer ringenden deutschen Volksgenossen in Südtirol bedeutet jeder einzelne aus dem Reich eine seelische Stärkung.

mehrere hundert Abendschulen geschenkt hat, die regelmäßig, Abend für Abend, von 79 000 Men­schen, die sonst auf den Straßen herumlungern würden, besucht werden.

Das Befinden de«! Senators Long sehr verschlechtert.

N e u y o r k, 10. Sept. (DNB. Funkspruch.) Trotz der dritten Bluttransfusion in der Nacht hat sich das. Befinden von Senator Cong in den Morgenstunden bedenklich verschlimmert. Nach Mitternacht setzte Delirium ein. Die Aerzte befürchten das Schlimm st e.

und geht als Tatsache vom Tode Gareth Jones' in die Welt. Am Nachmittag um zwei Uhr höre ich es. Drei Stunden später sitze ich aus der Bahn und fahre'nach Kalgan. Nach Mit­ternacht komme ich an und werde von Millar emp­fangen. Er hat noch keine Bestätigung erhalten und die Behörden verbieten ihm und mir, die Stadt zu verlassen und zu persönlichen Nachforschungen nach Paochang zu fahren.

Am nächsten Tag kommen auch zwei junge Be­amte der Provinzialregierung und bringen Millar die Nachricht. Ich werde hinzugerufen und höre den Bericht.

Am 13. August erhielt ein Abteilungskommandeur der Pao-antui (Gendarmerie) den Bericht eines Un­tergebenen, der von einem Hirten erfahren hatte, daß Banditen in der Nähe eines Ortes Ts'ao- chia-fang-tze einen von ihnen gefangen gehaltenen Europäer getötet hätten. Der Abteilungskommandeur entsandte' sofort eine Streife zur Aufklärung. Da etwa 45 Kilometer zwi­schen den beiden Orten liegen, hat es eine Weile gedauert, bis die Gendarmen am Ziel ankamen. Sie fanden Banditen noch in der Nähe und ver­folgten sie ein paar Kilometer weiter bis zu einem Orte Ta-tung-miao. Sie kamen mit ihnen ins Ge­fecht, töteten fünf und nahmen einen sechsten, der schwer verwundet war, gefangen. Und dieser Gefangene erzählte, seine Bande sei in den letzten Tagen stets auf der Flucht gewesen. Sie hät­ten kaum Zeit gehabt, abzusitzen, zu kochen und zu essen. Ihr Gefangener sei schließlich von den Stra­pazen und von Hunger so erschöpft gewesen, daß er sich nach einer Rast geweigert habe, wieder auf­zusitzen. So hätten sie ihn eben erschießen müs­sen, um in ihren Bewegungen nicht von ihm be­hindert zu sein. Die Gendarmen suchten die Um­gegend ab und fanden die Ceiche in den Ber­gen. Sie brachten sie nach Paochang. Dort erkannte der Gendarmeriewachtmeister Chang Pün-chi, der mich herausgeholt hatte, den Toten als Gareth Jones. Ein chinesischer Sarg nahm die Ceiche auf.

Senator Huey P. Cong, der zu den schärfsten Kritikern des Präsidenten Roose­velt zählt, wurde, wie schon ausführlich ge­meldet, bei einem auf ihn verübten Mord­anschlag lebensgefährlich verletzt. Wir veröffentlichen hier eine Darstellung unseres amerikanischen Mitarbeiters, der die Persönlichkeit Congs, desDiktators von Couistana", zu skizzieren versucht.

Alle diejenigen Sterblichen, die ihn wählen, ollen, wie jeder andere im Cande, jahraus, jahr­ein ein Einkommen von 10 000 Mark jährlich haben, ein Auto, Radiogerät und hohe Altersrente besitzen, während die Kinder zur Universität geschickt werden. Das ebenfalls verspricht Mister Huey Cong, Senator der Vereinigten Staaten, mit keiner schlechten Aussicht auf die nächste Präsident- chaft der USA.

Ceute mit Humor sagen, daß es eine Wohltat ist, ihn anzusehen. Seine Nase ist groß und schein­bar aus Gummi und feine Hände mehr als beweg-

Oer König von Louisiana

Zum Attentat auf Senator Hue Long.

lich, wenn er spricht. Und er spricht immer. Interviews gibt er stets morgens, wenn er sich an- kleidet, wobei besondere Sorgfalt auf die Hemden gelegt wird. Jeden Morgen breitet sein Diener eine lange Reihe buntfarbiger Fabrikate auf dem Bett aus und Mr. Huey Cong, bekannter unter dem NamenKönigsfis ch", erläutert feine neuesten Ansichten, während er das passende Hemd aussucht. Reporter berichteten mir, daß sie oft um zwei Uhr morgens zu ihm bestellt wurden, zu einem Interview. Für eine halbe Stunde lag er bewegungslos im Bett, bis plötzlich eine Bemer­kung wie Dynamit auf ihn wirkte und die entsetz­ten nächtlichen Besucher plötzlich zwanzig ,Kö­nigsfische' im Zimmer zu sehen glaubten denn Mr. Cong war aus dem Bett gesprungen und raste im Raum umher, um seinen Gegenbemerkungen die nötige Wucht zu verleihen. Plötzlich war wie­der Ruhe mit senatvrischer Würde war der Hausherr zurück ins Bett gestiegen.

Seine meiste Zeit verbringt er in L

in einem prächtigen Haus an der Connecticut I tat aufs schärfste.

Avenue. Gewöhnlich befinden sich zwei ober drei bewaffnete Detektive in seinem Arbeitszimmer aber wenn er reist, begleiten ihn oft bis zu 30 schwerbewaffnete ,G-Men'. Er lebt in steter Furcht, ermordet zu werden. Jetzt sind feine Befürchtungen zum Teil wahr geworden.

Im Senatsgebäude begann er, wie jeder andere Senator, mit zwei Zimmern. Während jedoch seine Kollegen mit diesen zwei Zimmern zufrieden sind, besitzt der Königsfisch fünf Appartements und beklagt sich trotzdem über mangelnden Raum. In den zehn Räumen arbeiten einundzwanzig Männer und Frauen für ihn täglich von 8.30 bis 5.30 Uhr und 14 Männer in Nachtschicht von 5.30 bis Mitter- nacht.l 5 000 b l s 30 000 Briefe werden t ä g- l i ch beantwortet und sogar zu einem Teil vom erstaunlichen Senator selbst, der vor einigen Jahren den Weltrekordpreis für Kurz­schrift gewann. Man wundert sich, wie er jemals Zeit hatte, eine Familie zu gründen er hat Frau und zwei Kinder.

Seine Vergangenheit ist nicht minder interessant. Noch ein halber Junge, reifte er als Vertreter einer unbedeuteten Verlagsbücherei im Cande umher, wurde dann Prediger und begann mit 21 Jahren eine Rechtsanwaltskarriere, die ihm bedeutenden finanziellen Erfolg brachte. Mit 25 Jahren war er Mitglied einer Eisenbahngesellschaft und im Alter von 34 Jahren wurde er Gouverneur des Staates Couifiana. Kein schlechter Aufstieg. Mit 38 Jahren wurde er zum Senator gewählt und ist seit dieser Zeit der eigentliche Chef in seinem Heimatstaat, der es ihm zu verdanken hat, wenn die Staatsschuld während feiner Herrschaft von 46 auf 143 Millionen Dollars anftieg. Aber das küm­mert den erstaunlichen Senator wenig. Im August 1934 verabschiedete er 27 neue Gesetze (niemand wagte zu opponieren), die ihn zum unbeschränkten Herrscher in Couifiana machten. Im darauffolgen­den November verabschiedete er, um ganze Arbeit zu machen, weitere 44!

Er ist ein vielseitiger Mann und liebt Sport (Fußball und Baseball), Straßenreden und Sol­datenspiel. An der Spitze seiner Kadettenarmee, 150 Mann hoch, mit Dreispitz und Papageienfedern wehend, muß man ihn gesehen haben, um es glauben zu können. Uebrigens besteht die Kapelle dieser 150 Soldatenarmee aus 125 Musikern.

Wir wollen jedoch nicht vergessen, daß er dem Cande 1500 Kilometer herrlicher Autostraßen und

Tod in Tschachar"

Peking, am 21. August 1935.

Was als Abenteuer in Tschachar begann und was bestimmt schien, schließlich als solches noch in diesem Monat August am dreißigsten Ge­burtstag des Einen und am fünfzigsten Geburtstag des Andern mit Gusto wiedererzählt und gefeiert zu werden, hat für den Einen von uns mit dem Tode geendet. Gareth Jones ist nicht mehr. Heute nachmittags kurz vor vier brachte der Zug aus Kalgan feine Ceiche. Mit den chinesischen Trauerfarben blau und weiß war der Wagen, der den Sarg enthielt, geschmückt und überwiegend chinesisch war auch die Trauergemeinde, die ihn empfing. Alle Behörden der Zentralreaierung, so­weit in Peking vertreten, und*die der Prooinzial- regierung von Tschachar hatten einen ober mehrere ihrer höheren Beamten entsandt. Auch die chine­sische Presse war gut vertreten.

Warum mußte Gareth Jones sterben? Noch über seinen Tod hinaus haben wir alle, die wir an feiner Befreiung arbeiteten, mit dieser Befreiung als etwas absolut Sicherem gerechnet. Es war uns nie eine Frage, ob Gareth Jones freikommen würde, die einzige Frage für uns, wann er frei­kommen würde. Die chinesischen Behörden sind dessen so sicher gewesen, wie wir, und die japani­schen Beamten lachten bei der Idee, daß sein Ceben gefährdet fein könnte. Und dann kommt e i n Salztransport von den flachen brackigen Seen, die zwischen Paochang und Malaka miao liegen und die Reste des einstigen mongolischen Binnenmeeres sind, nach Kalgan und fein Führer erzählt am Morgen des 16. August in der Stadt herum, er habe auf seinem Wege ei n e n Gen­darmen aus Kuyüan getroffen, der ihm eine merkwürdige Geschichte erzählt habe. Er, der Gen­darm Cien-ch'en, habe beim Orte Mao-kung- miao d i e Ceiche eines Europäers gesehen, die von drei Schüssen durchbohrt sei. Das sei am Nachmittag des 12. gewesen.

Die Nachricht kommt zu Ohren von Hauptmann Millar, der von der britischen Botschaft schon am 30. Juli nach Kalgan geschickt worden ist und der seither täglich, fast stündlich den chinesischen Be­hörden auf dem Ceib gelegen hat, um sie zur Eile bei der von ihnen unternommenen Rettungsaktion anzuspornen. Millar geht zu den Behörden und hört, sie wüßten von nichts. Er selber kann es nicht glauben, daß das Gerücht wahr ist, aber er telephoniert es an die britische Botschaft nach Peking. Inzwischen ist es auch dem Vertreter der französischen Havas-Agentur zu Ohren gekommen

Die deutschen Alpen.

Wenn man die Geschichte der deutsch-österreichi­schen Beziehungen seit Dem Ausscheiden Oesterreich- Ungarns aus dem deutschen Reichsverband einmal in ihrer Gesamtheit untersuchen wollte, so könnte man wahrscheinlich feststellen, daß sie auf allen Ge­bieten enger und intimer gewesen sind als auf dem staatlichen und in der Politik. Der blutige Riß von 1866 wurde zwar durch die Staatskunst Bismarcks bald ausgeheilt und in dem engen Bündnis der bei­den Staaten geschichtlich zu den Akten gelegt. Aber das Reich und die Donaumonarchie lebten doch fort­an ihr eigenes staatliches Ceben, und rückschauend kann man wohl sagen, daß das Deutschland der Kaiserzeit an den schwierigen politischen Problemen des habsburgischen Reiches nur sehr geringen An­teil genommen hat. Ungebrochen stark Dagegen blie­ben jene Beziehungen, die aus dem gemeinsamen Blut, aus der Sprache und aus den alten kulturellen Traditionen fließen. Es gab kein reichsdeutsches und österreichisches Theater, kein getrenntes Schrifttum, überhaupt nichts auf geistigem und künstlerischem Gebiet, in dem nicht, um Pole zu nennen, Berlin, München und Wien sich gegenseitig ausglichen und befruchteten.

In den Beziehungen von Mensch zu Mensch aber, in dem Austausch der so verschieden gearteten ©tammestemperamente hat eine Organisation eine bedeutsamere Rolle gespielt, als ihr wohl selbst be­wußt wurde: der Deutsch - österreichische Sllpenoerein, der in seinen österreichischen und deutschen Sektionen eine überaus große Anzahl Jener Bergfreunde umschloß, die gewohnheitsmäßig jeden Sommer und jetzt auch im Winter in dem »en gemeinsamen Besitz des Deutschtums an pen zusammenströmen. Er ist in allen Teilen der beiden Cänder, am Rhein, in den Ebenen Nord­deutschlands, in den Cänbern an der Donau, kurz überall vertreten und kann so auf dem Gebiete der dem Deutschen gemeinsamen Freude an der Natur in seiner Bedeutung getrost den Organisa­tionen an die Seite gestellt werden, die den ge­meinsamen geistigen Besitz der Nation verwalten. Wenn in diesen Tagen zum erstenmal seit vier Jah­ren die Hauptversammlung des Deutsch-österreichi­schen Alpenvereins wieder aufosterreichi- j ch e m Boden, in der schönen Bodensee-Stadt Bregenz stattfinden konnte, so ist dies ein er­freuliches Zeichen, daß die politischen Ereignisse der letzten Zeit dieses starke und wertvolle Bindeglied zwischen den beiden Volkern nicht hat zerstören können. Die reichsdeutschen Teilnehmer an der Ta­gung wissen zu berichten, daß sie von der öster­reichischen Bevölkerung mit warmer Begeisterung begrüßt wurden und daß überall dort, wo in den offiziellen Reden, die solche Tagungen begleiten, der Gedanke der völkischen Zusam­mengehörigkeit der beiden deutschen CanDer ausgesprochen wurde, eine Welle bewegter Zustim­mung durch die Versammlung ging. Die Bregenzer Tagung war, was man auch im Ausland erkennen sollte, ein Beweis dafür, daß die Politik auf die Dauer nicht trennen kann, was das Blut bindet.

nun angesichts der Unklarheit des Marschweges zu neuen Verfassungsgrundfätzen allen Experimenten versagt. Es ist aber klar, daß mit dieser negativen Entscheidung die Probleme, die nun einmal aufge­worfen sind, nicht aus der Welt geschafft, eher noch verschärft sind.

Blätterstimmen ans der Schweiz.

Bern, 8. Sept. (DNB.) Zur schweizerischen Volksabstimmung schreibt dieNeue Zürcher Zeitung": Der Ausgang der von der Natio­nalen Tatgemeinschaft erzwungenen Volksbefragung fei ein Fiasko, das zu erwarten gerne- f e n und auch von den kühler Ueberlegung fähigen Köpfen im Cager der Revisionsfreunde ooraus» gesehen worden sei. Die Sprache der Zahlen fei so deutlich und eindrucksvoll, daß niemand Darüber im Zweifel sein könne, wie es um die Re- Visionsfrage im Schweizer Volk bestellt sei. Die Abstimmungszahlen zeigten unwiderleglich, daß die Revisionsparole selbst in den Reihen der Revisions­freunde keine Durchschlagskraft gehabt habe. Ueber das Abstimmungsergebnis von Schaff­hausen, der Hochburg der nationalen Front, schreibt derBund": Einen eindeutigen Der- werfungsentscheid in der eidgenössischen Abstimmung bringt der Kanton Schaffhausen mit 2645 Ja- und 9449 Nein-Stimmen. Sämtliche Gemeinden haben die Totalrevision abgelehnt. Es haben sich nicht einmal mehr alle Stimmberechtigten zur Abstim­mungsvorlage bekannt, die seinerzeit das Jnitiativ- begehren unterzeichnet hatten. Die Enttäuschten find die Frontisten, die den Kanton Schaffhausen in vorderster Cinie der Befürworter glaubten.

Schweizer Volkes die Ueberzeugung, daß eine Ver­fassungsänderung notwendig ist. Wenn diese Erkenntnis jedoch zu keinem Ergebnis geführt hat, fo lag das daran, Daß über Die Wege zu einer Reform keine Klarheit bestand. Der Antrag, Über den abgestimmt wurde, stellte zwar ein Ziel auf, besagte aber nichts über dessen Durchsetzung. Die katholischen Parteien, die auf das Drangen ihres jungen Anhangs für die Revision eintraten, dachten an die Errichtung eines 61 ä n D e ft a a t e s, Der den Parlamentarismus ablösen sollte. Andere legten den Nachdruck auf das zentralistische Problem oder auf einen stärkeren Einfluß des Staa­tes in den wirtschaftlichen Fragen. Dieser Mangel eines festen Programms kam denjenigen Politikern zugute, die zwar eine Reform als notwen­dig anerkannten, die Zeit Dafür aber als nicht gün­stig betrachten.

Eine erDrücfenbe Mehrzahl Der Kantone hat sich

Als Gareth Jones unD ich uns trennten, am 30. Juli waren wir an einem Punkt einige zwanzig Kilometer norDlich von Paochang. In Dieser GegenD waren Die BanDiten auch noch, als am 1. August Der brave Wachtmeister Chang Mn°chi zum 'zweitenmal in ihr Cager ging, um über Die Freilassung von Gareth Jones zu verhanDeln. Nach Dem, was wir wissen, hatte man sich bereits über CöjegelD unD Auslieferung geeinigt, als Bewegun­gen der Gendarmerie des Nachbarkreises Kuyüan, die von den geführten Verhandlungen nicht unter­richtet worden waren, die Banditen erschreckten und ___________ zur Flucht in einem weit südlich und östlich führen» * Schluß aus Nr. 203 des Gießener Anzeigers den Bogen veranlaßten. Sie passierten die Straße vom 31. August zwischen Kuyüan und Kalgan und tarnen am

5. August in ein Gebiet, das von den Japanern als zur Mandschukuo-Prooinz Jehol gehörig be­zeichnet wird. Ein oder zwei Tage später müssen sie diese Gegend wieder verlassen haben und in unbe­stritten 'chinesisches Gebiet zurückgewandert sein. Am 8. August wurden sie in drei Gruppen mit zu­sammen etwa hundert Mann südlich von Kuyüan gesehen. Ihr Gefangener war noch bei ihnen. Von dort müssen sie wieder westlich gezogen sein, um m das Gebiet zu kommen, wo Gareth Jones dann sei­nen Tod sand, am 11. oder 12. August.

Friede feiner Asche.

Warnung an Litauen.

Der Preußische Ministerpräsident Herman Gö­ring hat in den letzten Tagen eine Informations­reise durch die Provinz Ostpreußen unternommen und bei einer Grenzlandkundgebung an der litauischen Grenze eine Rede an die Bevölkerung des äußersten deutschen Ostens gerich­tet, deren Sorgen und Nöten seit der Wiederauf­richtung Deutschlands die besondere Sorgfalt des Reiches zugewendet ist. Es ist sehr wertvoll und wird gewiß in dem besonders schwer heimgesuchten Grenzland mit großer Genugtuung begrüßt, daß der energische Verwalter des preußischen Staates ich selbst an Ort und Stelle von einzelnen Mün­chen und Bedürfnissen unmittelbare Kenntnis oer- chafft hat, durch deren Befriedigung Cage und Stimmung verbessert, Hofsnnung neu aufgerichtet werden kann. Seine Zusage, daß das von ihm als notwendig Erkannte raschestens durchgeführt wer­den wird, kann bei der zupackenden Art dieses Man­nes so gut wie als sichere Erfüllung gelten. Einzel­heiten darüber werden wohl bald zu melden sein.

Göring hat seine Rede an einer sozusagen bren­nenden Grenze auch dazu benützt, um auf die Gefahren hinzuweisen, die durch die Vorgänge im Memellande nicht nur für das Deutschtum, sondern für den europäischen Frieden entstehen müssen, wenn nicht bald eine zlenberung eintritt. In der internationalen Propaganda gegen das neue Deutschland ist es ein beliebtes Argument, daß der Friede durch eine deutsche Ausdeh­nung im 0 ft raum bedroht fei. Man weiß, das insbesondere die sowjetrussische und französische Diplomatie bei der Anlegung des europäischen Pakt­systems vornehmlich mit dieser Behauptung gear­beitet hat und noch arbeitet, wenn sie versucht, die mißtrauischen und vorsichtigen baltischen Staa­ten mit Einschluß Finnlands in ihr Vertragsnetz gegen Deutschland zu ziehen. Diesem Ziele einer mehr auf Verdächtigungen als auf Beweise gestütz­ten Politik leistet eigentlich die litauische Regierung durch ihre plumpe Methode, mit der sie im Memel­land vorgeht, den allerschlechtesten Dienst. Denn auch denen, die geneigt sind, über Deutschland Das allerschlimmste zu glauben, konnte es unmöglich verborgen geblieben sein, mit welcher Zucht und Ruhe nicht nur Die Reichsregierung, sondern auch das ganze deutsche Volk die unerhörten Provokatio­nen yinnimmt, die sich Der kleine, kaum Die Bevöl­kerung einer Deutschen GroßstaDt umfassenDe Ost­staat leistet. Auch Der Preußische MinisterpräsiDent hat Diese fast übermenschliche maßvolle Ruhe be­wahrt, indem er die Forderung Deutschlands dar­auf beschränkte, daß die Signatarmächte des M e m e I ft a t u t s sich endlich a u f ihre Pflicht besinnen sollten, das den Deutschen im Memel­lande feierlich zugesagte Recht der Autonomie und der Selbstbestimmung zu sichern.

Es sind nun nahezu fünf Monate ver­gangen, seit diese Mächte durch ihre Note vom 19. April von der litauischen Regierung die unver­zügliche Herstellung des verfassungsmäßigen Ver­trauensverhältnisses zwischen dem memelländischen Direktorium und dem Canbtag verlangten. Die litauische Regierung hat damals mit einer Note ge­antwortet, die nicht anders, denn als eine Ver­höhnung nicht nur ihrer eingegangenen Verpflich­tungen, sondern auch der Signatarmächte aufgefaßt werden konnte. Sie ift bei diesen auch so empfunden worden, was besonders bei einer Interpellation im englischen Unterhaus über die Memelfrage klar zum Ausdruck kam. Aber die Bemühungen der englischen Regierung, Frankreichs Zustimmung zu einer neuen energischen Verwarnung Citauens zu er­halten, scheiterte infolge von Vorstellungen Der sow­jetrussischen Diplomatie in Paris, Der alles Daran liegt, Diesen BranDherD im Osten nicht zum Er­löschen zu bringen. Seit dieser Zeit hat die litau­ische Regierung unter Ausnützung der die Groß­mächte vollauf beschäftigenden abessinischen Frage nicht aufgehört, die Memelfrage in ihrem Stile weiter zu behandeln. Die am 29. September an­stehenden Candtagswahlen in Memel haben in letzter Zeit Tempo und Form dieser Rechts­brüche so sehr beschleunigt und verstärkt, daß es wirklich keine Phrase ist, wenn man den Appell des preußischen Ministerpräsidenten an das europäische Gewissen und an die Mächte, die sein lebendiges Schlagen verbürgen soll, als einen R u f in letz­ter Stunde bezeichnet. Es gehört zu den poli­tischen Formeln, die auf der Konferenz von Stresa aufgestellt wurden, und der sowjetrussische Außen­minister Citwinow hat sie erst dieser Tage in Genf wieder in Erinnerung gebracht, daßder Friede unteilbar" sei. An dieses Wort werden die europäischen Mächte, die sich in Genf um die Er­haltung des Friedens bemühen, durch einen der führenden Männer Deutschlands erinnert. Wenn Der europäische Friede so total ist, daß er durch Den Kampf um ein Stück afrikanischen CanDes in Frage gestellt roirD, so muß es enDlich auch Citauen Deutlich zum Bewußtsein gebracht roerDen, Daß auch Die Memelfrage eine europäische Angelegenheit ist unD in ihrem Schoße Krieg unD FrieDen birgt.

Schärferer Kurs in Litauen.

Umbildung des Kabinetts Tubelis.

K o w n o , 6. Sept. (DNB.) Gerüchte von einer bevorstehenDen UmbilDung Der Regierung haben ihre Bestätigung gefunDen. Der bisherige langjährige Innenminister Oberst Rusteika und der seit dem Umsturz vom 17. Dezember 1926 sein Ministerium führende Candwirtschaftsminister A l e k s a sind zurückgetreten. Zum Innen­minister ist der bisherige Chef der Kownoer Gar­nison, Generalleutnant Julius C a p e i f a s und zum Candwirtschaftsminister der Candwirt But- v i n s k l i s ernannt worden. Das übrige Kabinett mit dem Ministerpräsidenten Tube11s an der Spitze bleibt unverändert.

Der Anstoß zu der Umbildung des Kabinetts dürfte auf die B a u e r n u n r u h e n im Su- walki-Geblet zurückzuführen sein, deren Ur­sprung in den Kreisen der Partei des Candwirt- schaftsministers zu suchen ift. Der Rücktritt des Innenministers dürfte ebenfalls Im Zusammen­hang mit den blutigen Zusammen st ößen zwischen Bauern und Polizei stehen. Die Tatsache, daß ein hoher aktiver Militär zum Innenminister ernannt worden ist, läßt Darauf