Nr. 2« Erster Blatt
185. Jahrgang
Dienstag, 10. September 1935
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Oie Wehrmacht am „Parteitag der Freiheit".
Von Edgar Röhricht, Major des Generalstades im Reichslriegsministerium.
Von jeher ist der September in Deutschland der Monat der großen Truppenübungen und Manöver gewesen. Die abgeernteten Felder geben dem Soldaten, dessen Ausbildungsjahr sich dem Ende zuneigt, die nötige Bewegungsfreiheit abseits der Straßen und Wege. In der vom zwangsläufihen Uebungsplatzfchema freien Gefechtsübung aller Waffen zeigt Führung und Truppe ihr Können. Manöver sollen dem Soldaten ein getreues Abbild des Ernstfalles geben, soweit sich das mit Friedensmitteln erreichen läßt.
Manöver find daher keine Paraden. Seit die Steigerung der Waffenwirkung geschloffene, exerziermäßig bewegte Truppenformationen vom Gefechtsfeld verbannte, wurde aus einem Gefechtsexerzieren, das ursprünglich auch die Parade war, eine Friedensschau. Sie ist heute also nicht mehr ein Prüfstein foldatischen Könnens, nur die erwünschte Gelegenheit, Schwung und disziplinierte Geschlossenheit in Form und Haltung einer großen Oeffentlich- keit zu zeigen. Sie nimmt deshalb nur noch geringen Raum ein, in dem sehr reichhaltigen Programm der Ausbildung. Und das um so mehr, je kürzer die Dienstzeit ist.
Trotzdem finden wir sie, wie eben erst in Lüneburg und Mecklenburg, oft als Abschluß der Manöver wieder. Das moderne Gefecht löst sich für den interessierten Zuschauer in einer Reihe von Einzelhandlungen auf, deren innerer Zusammenhang schwer zu Überblicken ist. Erst die Parade zeigt die geschlossene Truppe dem Vorgesetzten und der großen Schar der Zuschauer. Hier sehen sich Führer und Soldaten ins Auge. Hier erweist der Rythmus der Massenwirkung beim Klang der alten Märsche seine befeuernde Kraft. Die Truppe fühlt sich als straffe Einheit, als der sichtbare Ausdruck eines Willens, einer Idee. Der Soldat, der heute auf sich gestellt, als Einzelkämpfer seinen Weg an den Feind heran sucht, muß hin und wieder das Erlebnis dieser Geschlossenheit eines großen Truppenverbandes haben.
Wenn in diesem wichtigen Dienstabschnitt ganze Truppenteile und Abordnungen aus allen Teilen des Reichs nachRürnberg fahren, um dort am „Tag der Wehrmach t", vor Führer und Volk Zeugnis abzulegen von ihrem Geist und ihrer Leistung, so hat das feine besondere Bedeutung. Der deutsche Soldat steht mitten im Leben seines Volkes, als dessen lebendiges Glied er sich fühlt. Das große Erlebnis des Parteitages, das Millionen der Volksgenossen in seinen Bann zieht, verlangt seine Gegenwart und Mitwirkung. Zwar beschränkt der gesteckte Rahmen den Umfang der Teilnahme. Rund 16 000 Mann vertreten die Wehrmacht. Aber auch die Gedanken der anderen Kameraden werden in Nürnberg weilen, der alten Reichsstadt, in der in diesen Tagen wieder einmal das Herz Deutschlands schlägt.
Im vergangenen Jahr manifestierte die zum erstenmal stattfindende Beteiligung der Wehrmacht vor aller Welt die Einheit des Waffenträgers, mit der den Staat repräsentierenden und beherrschenden nationalsozialistischen Bewegung. In diesem Jahr gewinnt ihr Auftreten darüber hinaus eine weitere Bedeutung. Zwischen den beiden Nürnberger Tagungen liegt der historische Schritt des 16. März 1 935. Was damals ein glühender Wunsch aller Herzen war, eine Hoffnung, ist heute zur realen Wirklichkeit geworden: Deutschland hat feine Wehrfreiheit wieder. Diese bedeutungsvolle Tatsache als Erfolg der Staatsführung aibt dem Parteitag 1935 den Namen und sein besonderes Gepräge.
Als Beweis der wiedererstandenen deutschen Wehrmacht wird ihr diesjähriger „Tag" ein verändertes Gesicht zeigen. Eine moderne Truppe, ausgerüstet mit den Waffen und Kampfmitteln, die ihr die Erfüllung ihrer Aufgabe gewährleisten, wird aus der Zeppelinwiese ihren Einzug halten. Alle drei Wehrmachtteile, Heer, Kriegsmarine und die neugeschaffene Luftwaffe, werden sich den versammelten Vertretern des deutschen Volkes zeigen. Der beschränkte Raum gestattet Heer und Luftwaffe zwar nur die Andeutung ihrer Leistungsund Wirkungsmöglichkeiten. Aber die Vorführungen werden besonders bei allen den Waffen, die ihren Aufbau oder ihre Entwicklung erst dem letzten Jahre verdanken, dennoch ihre Wirkung nicht verfehlen. Man wird daraus die Größe und das Tempo des Fortschrittes erkennen können, den die Wehrmacht der wiedererrungenen Wehrfreiheit verdankt. Die „Schau" der Waffenübungen geht schließlich über in die Parade vor dem Führer, vor den Vertretern der ganzen Nation.
Ihre Wirkung.wird eine doppelseitige sein. Das Volk sieht seine Wehrmacht, wie sie neu ersteht. Es erlebt bei Parademarsch und Zapfenstreich die Geschlossenheit der Truppe, die sich der Ehre und Bedeutung des Augenblicks bewußt ist. Der Soldat, der sein Bestes zu zeigen bemüht ist, fühlt sich getragen von der begeisterten Zustimmung als Teil der großen Einheit, er erlebt d i e Nation, der er in der Person seines Obersten Be- - sehlsinhabers Blut und Leben verschworen hat.
Der Deutsche braucht eine Verkörperung der Idee, der er seine Dienste weihen soll. Der auf die Person geleistete Eid bindet fester als der auf einen bloßen Begriff. In Nürnberg steht der Führer vor aller Augen. In Nürnberg marschieren alle Glie- berungen" der Partei auf. Hier scharen sich die Män- ner der Bewegung um den Führer, dessen Ruf einst das neue Deutschland weckte, hier jubelt ihm in der HI. die Zukunft des Volkes zu, hier marschieren die SA., SS. und die Kolonnen des Arbeitsdienstes,
hier steht Schulter an Schulter mit ihnen der Soldat als einer der Ihren. Die Aufgaben am Werk des großen Aufbaues liegen auf verschiedenen, klar gegeneinander abgegrenzten Gebieten. Das gemeinsame Ziel aber schlingt das Band um alle. Es gibt keine Schranken, keine Sonderinteressen. Es gibt nur eins: das Deutschland Hitlers.
Die freudige Zusammenarbeit der Wehrmacht mit allen Stellen der Partei beschränkt sich nicht allein auf die Vorbereitung und Durchführung ihres beson-
Wer jetzt durch Nürnberg geht, wird an allen Ecken auf die letzten Vorbereitungen stoßen, die zum Reichsparteitag getroffen werden. Die unzähligen Fremden, inländische und ausländische Besucher Nürnbergs, können mit eigenen Augen sehen, daß der Parteitag eine Angelegenheit des ganzen Volkes ist.
In den Straßen stehen schon die Fahnenmasten. Auf dein Adolf-Hitler-Platz hat der Marktbetrieb den Holz-Tribünen weichen müssen. Hier wird am 15. September, in der Mittagsstunde, der Vorbeimarsch der SA., SS. und des NSKK. am Führer stattfinden. Die Geschäfte rüsten sich zur Bewältigung der Anforderungen. Nürnberg wird während des Parteitags eine Millionenstadt fein; genau noch einmal soviel Menschen, wie seine Einwohnerzahl beträgt, werden hierher kommen. Daß nicht nur die Beförderung dieser Menschenmassen durch die Reichsbahn — sie hat nicht weniger als 465 Sonderzüge vorgesehen — sondern fast noch mehr die Regelung des Straßenverkehrs während der Haupttage eine Höchstleistung erfordert, ist leicht einzufehen. Es find deshalb auch etwa zehn Brücken gebaut worden, die den Verkehr über die Hauptzugangsstraßen zum Parteitag-Gelände erleichtern. Pioniere der Wehrmacht haben ein „Pionier-Bataillon Nürnberg" gebildet, das aus dem ganzen Reich zusammengezogen ist. Sogar die Pegnitz wird diesmal an zwei Stellen auf der Wöhrder-Wiese überbrückt werden, um die schon bestehenden Brücken zu entlasten.
Das Parteitag-Gelände selbst, das am Rande der Stadt liegt, in der Nähe des Tiergartens und der Dutzendteiche, hat gegenüber dem Vorjahre wiederum wesentliche Fortschritte in seiner endgültigen Ausgestaltung gemacht. Unmittelbar am Dutzendteich wird d i e künftige Kongreßhalle in ihren riesigen Ausmaßen erstehen; am 11. September wird hier der Grundstein gelegt werden, der schon eingetroffen ist und sechzig Zentner wiegt. Bereits sind die Holztribünen für die Teilnehmer an der Grundsteinlegung errichtet. Die Fe st halle im Luitpoldhain, die auch Heuer dem Parteikongreß dienen wird, ist u m g e » baut worden; sie hat in ihrer architektonischen Wirkung außerordentlich gewonnen. Der Nürnberger selbst, der sie als nüchternen Glas- und Eisenbau kannte, erkennt sie kaum wieder. Das Gelände im Luitpoldhain erfährt seine letzten Planierungsarbeiten. Der bisher provisorisch aus Gips gestaltete Riesen-Adler wird durch einen von Professor Schmidt - Ehmen geschaffenen Bronze-Adler ersetzt, dessen Höhe 6,5 Meter und dessen Flügelspannweite 12,5 Meter beträgt.
Besondere Neuerungen hat die Zeppelin- wiese im großen Nürnberger Stadion erfahren. Auf ihr wird am 12. September der Appell und der
deren Tages. Die enge kameradschaftliche Verbundenheit bringt sich auch auf allen anderen Gebieten zum Ausdruck, wo gegenseitige Förderung und Hilfe nötig und möglich ist. So liegt auch wieder der Bau der großen Verkehrsbrücken innerhalb der Stadt in den Händen der Pioniere des Herres.
So ist der „Tag der Wehrmacht" in Nürnberg die große selbstverständliche Ergänzung zu der soldatischen Arbeit, die gleichzeitig draußen im Manövergelände als harte ßeiftungsprobe für Offizier und Mann vor sich geht.
Vorbeimarsch des Reichsarbeitsdienstes vor dem Führer stattfinden; während sie am darauffolgenden Tag den Appell der Politischen Leiter erleben wird. Am 16. findet dort der Tag der Wehrmacht statt. Zeppelinwiese, Stadion, Luitpoldhain, der Bahnhofsplatz und der Adolf-Hitler-Platz sind die fünf großen Hauptpunkte des Parteitag-Geschehens, soweit es im Freien vor sich geht. Die Zumarsch- strahen zur Zeppelinwiese sind erweitert und vollendet worden. Ueberall also macht sich das Bestre- ben geltend, Raum z u schaffen, Raum für die unübersehbaren Menschenmengen, die eben dadurch bewältigt und überschaubar werden. Die seit Wochen arbeitende Organisationsleitung hat hier eine erstaunliche Vorarbeit geleistet.
Man kann das an einigen Zahlen noch deutlicher machen. Die Zeltlager bedecken allein eine Fläche von 277 000 Quadratmetern und benötigen rund 5000 Zentner Stroh. Außerdem sind 180 000 Feldbetten beschafft worden, die die vorhandenen Unterkunftsmöglichkeiten ergänzen. 340 Waggon Lebensrnittel, 60 Waggon Brennmaterial, 830 Kochstellen werden die Verpflegung der Parteitagteilnehmer mitübernehmen. Auch der Rundfunk hat feine Vorbereitungen getroffen, um die Übertragung der Hauptgeschehnisse sicherzustellen. 5 6 Riesenlautsprecher finden auf dem Parteitaggelände Aufstellung, um für die einwandfreie örtliche Verstärkung der Reden zu sorgen. Auch sonst ist in technischer Beziehung Ungeheueres geleistet worden. Das Zeltlager am Langwasser hat eine eigene großzügige Beleuchtungsanlage bekommen. Die Festhalle im Luitpoldhain ist mit einer eigenen Lüftungs- und Beleuchtungsanlage versehen worden. Es ist kaum möglich, der aber Hundert Einzelleistungen zu gedenken, die den Reichsparteitag vorbereiten halfen. In den Straßen wird die letzte Hand an die festliche Ausschmückung der Häuser und der Geschäftsgebäude gelegt. Ueberall zeigt sich, daß der künstlerische Schmuck, farbige Goldbehänge, Grüngirlanden, bevorzugt wird. An den langen Reihen der Fahnenmasten in den Hauptstraßen, auf den großen Plätzen und an den großen Aufmarschftraßen entlang, wehen die langen Fahnen von 200 deutschen Städten. Eine einzigartige Sinfonie von prächtiger Farbenbuntheit und zugleich ein lebendiges Symbol der festgefügten Einheit des Reiches. In den Vorstädten das gleiche Bild wie in der Innenstadt: Dekorateure und Gärtner arbeiten allenthalben fieberhaft an der Ausschmückung der Hauseingänge, Ladengeschäfte und Fabriktore, die vielfach ganz mit Tannengrün verkleidet sind. Die großen Verkaufsgeschäfte haben stilvolle Sonderschaufenster aufgemacht mit Riefenausnahmen vom vorjährigen Parteitag und künstlerischen Führergemälden. Die Tribünenbauten auf dem Adolf-Hitler-Platz und am Hauptbahnhof erhalten ihren Anstrich, die Pressepostämter in den
Vorbeimarsch vor dem Führer.
Die großen Herbstübungen des VI. Armeekorps In der Lüneburger Heide haben mit einer großen Parade vor dem Führer ihren Abschluß gesunden. Wir sehen den Führer mit Reichskriegs. Minister Generaloberst von Blomberg und dem Oberbefehlshaber des Heeres, General der Artillerie Freiherrn von Fritsch, während des Vorbeimarsches der Truppenteile. — (Scherl-Bildcrdienst.)
Nürnberg zumLmpsang des Parteitages gerüstet
Von unserem W. K.-Sonderberichierstatter.
Bahnhöfen, lange Reihen von roten Fernsprechzellen auf den Straßen, alles steht bereit für die großen Ereignisse, die heute nachmittag mit dem Empfang im Rathaus und heute abend mit der Festaufführung der „Meistersinger" beginnen werden.
Die Fahnen der allen Armee in Nürnberg.
12YFeldzeicheü imZeltlagerder Wehrmacht.
Arn Montagnachmittag wurden die im Generalsgebäude in Nürnberg untergebrachten 12 0 Fahnen, Feldzeichen und Standarten der ältesten deutschen Regimenter, die auf Veranlassung des Führers aus allen Teilen Deutschlands zum Parteitag der Freiheit nach Nürnberg getommen sind, abgeholt und — von einer Ehrenkompanie begleitet — unter klingendem Spiel durch die Straßen Nürnbergs hinaus i n s Zeltlager der Wehrmacht bei Gebersdorf geleitet. Dem seltenen militärischen Schauspiel, das gleichsam ein Auftakt zum Parteitag der Freiheit war, wohnten viele Tausende von Volksgenossen bei. Punkt 16 Uhr trat die 150 Mann starke Ehrenkompanie in der Bucherftraße an. Der Jnfanterieführer VII, Generalmajor Ritter von S ch o b e r t h , hatte mit seinem Stabe vor der Tür des Gebäudes Aufstellung genommen. Nach dem Kommando „Präsentiert das Gewehr" marschierte die Fahnenabordnung unter klingendem Spiel aus dem Generalsgebäude heraus. Alle Hände streckten sich den stolzen Ehrenzeichen zum deutschen Gruß entgegen.
Dann formierte sich der Zug. Der Weg führte durch das Herz der sahnen- und girlandengeschmückten Altstadt. Die Feldzeichen des alten Heeres, manche zerfetzt und verblaßt, von heldenhaften Tagen kündend, wurden von den Menschenmassen überall ehrfurchtsvoll begrüßt. Viele Fahnenspitzen tragen Ordensbänder und Orden, Erinnerungszei- chen, die bis zur friederizianischen Zeit zurückrei- d)em So mancher Schaft läßt erkennen, daß einst der Präger der Fahne mitten im Kugelregen stand und hen Heldentod fand. Da sieht man u. a. die Fahnen des Gardekorps, bayerische Feldzeichen und auch Fahnen der 'alten Marine, gewiß ein seltener Anblick.
Im weiten Viereck des Zeltlagers der Wehrmacht hatten die Lagermannschaften Aufstellung genommen. Rund um das Fahnenzelt herum standen sie wie lebendige Mauern, als die Ehrenkompanie mit den Fahnen einmarschierte. Militärische Kommandos hallten über den weiten Adolf-Hitler-Platz des Lagers, über den die mächtige Fahne des Dritten Reiches weht. Die Fahnenträger marschierten zum Zelt, vor dem eine Ehrenwache steht, und stellten die Feldzeichen zusammen. Nach dem Vorbeimarsch am Lagerkommandanten zog die Ehrenkompanie wieder ab. Nun hält die Wehrmacht draußen in Gebersdorf treue Wecht an den ruhmbedeckten Fahnen und Standarten der alten Armee, deren Geist und Tradition die junge Wehrmacht.hütet und pflegt wie ein heiliges Erbe.
Oie Manöver in der bayrischen Ostmark.
Erbendorf (Oberpfalz), 9. Sept. (DNB.) Die unter der Leitung von Generalmajor O h w a l d erfolgenden Manöver von Wehrmachtteilen des IX. Armeekorps südöstlich von Bayreuth fanden am Montag in Anwesenheit des Korpskommandeurs Generalleutnant D o 11 m a n n und dtzß Chefs im Generalstab Oberst Reitel im Raum zwischen Kemnath und Pressath ihre Fortsetzung. Die seit dem frühen Morgen in Bewegung befindlichen Truppen stehen am Abend etwa beiderseits der Fichtelnaab, die Blaue Partei unter Führung von Oberst Gallenkamp westlich, die Rote Partei unter Oberstleutnant Theune östlich des Flusses. Während Blau mit seinem rechten Flügel stark vorstößt und den Gegner in Richtung des Steinwaldes nach Nordosten zurückzuwerfen sucht, ist Rot bemüht, das Ufer der Fichtelnaab möglichst lang zu halten. Für die Nacht, bei deren Einbruch sich bei mondhellem Wetter bereits eine
Spannung in Griechenland.
Athen, 9. Sept. (DNB.) Zwischen Ministerpräsident Tsaldaris und Kriegsminister Äon- dylis ist es zu Unstimmigkeiten gekommen, die den Rücktritt des Kriegsministers wahrscheinlich erscheinen lassen. Die Unstimmigkeiten gehen auf die Dienstenthebungen mehrerer Offiziere durch General P a n a j o t a k o s in der Nacht zum Montag zurück, die sich durch ihre Haltungen verdächtig gemacht hatten. Daraufhin verlangte der Kriegsminister die Enthebung von General Panajotakos vom Kommando. Ministerpräsident Tsaldaris sprach sich gegen diese Maßregelung aus. Mit Sicherheit wird erwartet, daß Innenminister R h a 11 i s , der im Einverständnis mit General Panajotakos handelte, feinen Rücktritt erklären werde. Unter den royalistischen Offizieren, deren Chef Kondylis ist und die von Panajotakos abgesetzt, aber trotzdem auf ihrem Posten geblieben waren, ist eine lebhafte B e - w e g u n g entstanden, die große Aussichten auf Erfolg hat. Der Marineminister hat der F l o 11 e befohlen, aus Saloniki auszulaufen und sich nach Phaleron, dem Hafen von Athen, zu begeben. Am Abend erhielt die Flotte jedoch Befehl, vorläufig in Saloniki zu bleiben und weitere Befehle abzuwarten.


