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Samstag. ?V. August 1935

Nr. 185 Erstes Blatt

185. Zahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Siegener Samilienblätter M jW W* iW MG W TV Srundpreise für mm höhe

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der

Eden kommt mit bestimmten Vorschlägennach Paris

anim braucht Jtasten die koloniale Expansion?

Diepolitik derZntereffenfphären.

Auf einmal hört man aus Italien eine Stimme, die sich ganz wesentlich von dem unterscheidet, was man bisher aus der italienischen Presse vernommen hat. Es sind dieA f f a r i E st e r i", eine den maßgebenden römischen Stellen besonders nahe­stehende außenpolitische Wochenschrift, in der der Verzicht auf das ausschließliche Pro- Lektorat Italiens über Abessinien angedeutet

mengehen mit den sozialistischen und sogar mit den christlichen Gewerkschaften die proletarische Einheitsfront herzustellen, in der natürlich den Kommunisten die Führung gebühre.

Der nun dem siebenten Weltkongreß von dem deutschen" Kommunistenhäuptling Pieck erstattete Rechenschaftsbericht des Vollzugsausschusses, noch mehr aber die vielstündige Vorlesung, die der aus dem Leipziger Reichstagsbrandstifterprozeß her satt­sam bekannte Bulgare Dimi troff, einer der skrupellosesten Hetzapostel der weltrevolutionären Idee des Kommunismus, zungenfertig und selbst­gefällig wie nur je ein mit allen Wassern gewasche­ner Demagoge den ob solcher Beredsamkeit offenen Mundes staunenden, urteilslosen Genossen aus aller Welt über Strategie und Taktik des kommunistischen Kampfes gehalten hat, das alles zeigt nicht die geringste Aenderung in Aufgabe und Ziel, viel eher eine geschmeidige Anpassung an die seit 1928 beträchtlich veränderte weltpolitische Lage. Denn seitdem ist neben den Faschismus in Italien, der dort auch den letzten Funken der kommunisti­schen Revolution ausgetreten hat, abgesehen von den analogen Bestrebungen Primo de Riveras in Spa­nien und dem türkischen Rationalismus Ke­mal Paschas, als unversöhnlicher Feind der welt­revolutionären kommunistischen Idee der Natio­nalsozialismus in Deutschland aufge- standen, der mit unerbittlicher Folgerichtigkeit das deutsche Volk von der Gefahr der Bolschewisierung befreit hat und mit dieser Tat auch in den andern, durch Wirtschaftskrisis und ein entartetes Parteien­regiment in schwerste innere Erschütterungen ge­brachten Ländern bei den nationalen Elementen die Widerstandskraft gegen den todbringenden Bazil­lus der bolschewistischen Seuche gestärkt hat. Diese Erweckung der nationalen Abwehrkräfte hat natur- lich der kommunistischen Zersetzungsarbeit gewisse Schranken errichtet. Aber der Kommunismus hat es geschickt verstanden, durch den Eintritt Sowjet­rußlands in den Völkerbund und durch eine Politik der Annäherung an Europa, vielfach das Mißtrauen einzuschläfern, das in den bürgerlichen Kreisen des Westens gegen den nach Hekatomben von Blut auf den Massengräbern des bestialisch hingeschlachteten

popvlo bjtalia' wirbt um Verständnis m England

Die ausländischen Regierungen aber verboten die Waffenausfuhr nach Abessinien. Das sei ungerecht. Abessinien werde mit Ver­trauen dem Spruch des obersten Schiedsrichters Bo litis entgegensehen. Es habe Vertrauen in den Völkerbund. Wenn möglich, werde Abessinien aber kämpfen, einerlei ob mit ober ohne

Ausgangspunkt der Dreierverhandlungen darstellen soll, sobald das Prinzip des Statusguo preisge­geben wird. Das letztere aber hat England bereits grundsätzlich getan, als es den Gedanken eines Völkerbundsmandats in die Debatte warf. Darum stellt man sich in Rom nun auf den Stand­punkt, daß man sehr wohl z u einer fried­lichen Regelung gelangen könne, wenn man die Interessen aller drei Machte entsprechend den vertraglichen Ab­machungen verwirklichen wolle. Diese Ver­wirklichung hat Frankreich seinerzeit dadurch verhindert, daß es die Aufnahme Abessi-

Journalistischer Hochbetrieb in Addis Abeba.

35 Kriegsberichterstatter bereits eingetroffen.

Addis Abeba, 8.Aug. Der mit der Leitung einer abessinischen Sondermission für Japan be­auftragte DabaBiruist nach Tokio abgereist. Er wird als erster abessinischer Konsul sein Land in Japan vertreten. Die abessinische Regierung erklärt, daß die Ernennung aus diplomatischen Rücksichten erfolgt fei und nichts mit Waffenliefe­rungen zu tun habe.

Die Möglichkeit baldiger kriegerischer Ereignisse rückt die sonst so weltentlegene Hauptstadt Abessi­niens immer mehr in den Brennpunkt des öffent­lichen Interesses. 35 ausländische Journa­listen, die insgesamt 60 führende Weltblätter und Nachrichtenbüros vertreten, befinden sich in Addis Abeba. Daß sie jetzt schon bemüht sind, ihre Auf­traggeber zufriedenzustellen, geht daraus hervor, daß die hiesige funkentelegraphische Sta­tion im letzten Monat 110000® orte in den Aether sandte, während sonst, zu ruhigen Zeiten, monatlich nur etwa 3000 Worte gesendet wurden.

Italien trauert um die Opfer des Flugunglücks.

Rom, 9. August. (DNB.) In ganz Italien herrscht Trauer über den jähen Tod des Ministers für öffentlich Arbeiten, Razza. Sein Hinschei- den wird als Tod für das Vaterland, er selbst und feine unglücklichen Gefährten als die ersten Gefallenen im ostafrikanischen Konflikt be­zeichnet. Der Regierungschef hat angeordnet, daß die Beisetzung der Opfer des Flugzeugunglücks a u f Staatskosten erfolgt. Der Duce würdigt in einem Telegramm an die Witwe Nazzas den Mi­nister als treuen Mitarbeiter seit 20 Jahren, der in Erfüllung seiner Pflicht gestorben ei. Das faschistische Regime habe in ihm einen

London, 10. Aug. (DNB. Funkspruch.) Eden wird zu den Dreimächtebesprechungen über die abes­sinische Frage den Borschlageinerendgül­tigen Regelung der bisher nur dilatorisch be­handelten Angelegenheit nach Paris mitbringen, wenigstens glaubt diesMorning Post" zu wissen. Welcher Art er sei, werde allerdings streng ge­heimgehalten. Nur soviel dürfe man anneh­men, daß die britische Regierung bereit sei, das Ihrige zu einer friedlichen Lösung zu tun. In Frank­reich und Italien sei leider der Glaube weit Der­brettet, daß die Hauptsorge Grohbritan- niensnichtso sehr demVölkerbund als den Interessen des Britischen Reiches gelte. Das mache die Lage noch verwickelter. Ja, in politischen Kreisen Italiens sei angedeutet wor­den, daß Italien sich das Wohlwollen Großbritan­niens sofort wieder zuwenden könne, wenn es eine ausdrückliche Verpflichtung eingehe, die briti­schen Interessen im ©ebietebes lana- fees zu achten. Demgegenüber sei in maß­gebenden Kreisen Englands noch bis vor kurzem der

leistet.

Das Trojanische Pferd.

In Moskau tagt der siebente Weltkon- greß der kommunistischen Internatio­nale (Komintern). Tag für Tag treten hier in der Hauptstadt der Sowjetunion vor die aus aller Welt zusammengekommenen Sendboten des Kommunis­mus die gewiegtesten Taktiker, die skrupellosesten Agitatoren, um über die neuen Methoden zu dozieren, mit denen der Kommunismus in den kommenden Jahren den Kampf um das alte Ziel, die Auslösung der Weltrevolution, zu füh­ren gedenkt. Die Aufgabe der Komintern ist im­mer die gleiche geblieben, seit der erste Kongreß im März 1919 die Plattform für den Kampf um die Errichtung der Diktatur des Proletariats schuf und den berüchtigten Thesen Lenins zustimmte, die damals schon den offenen Kampf gegen die Staats­gewalt empfahlen. Fünf Jahre später, im Juli 1924, auf dem fünften Weltkongreß der Komintern, trat zum ersten Mal Stalin, formal in der be­scheidenen Rolle eines Generalsekretärs der russi­schen kommunistischen Partei, in Wahrheit aber als unumschränkter Herrscher über Partei und Staat hervor. Damals wurde beschlossen, die kommuni­stische Propaganda in die Armeen derkapitalisti­schen Mächte" zu tragen, um diesen stärksten Schutz der bürgerlichen Staatsgewalt durch Zersetzung un­brauchbar zu machen. Auch regte man eine lebhaf­tere Werbetätigkeit unter der eingeborenen Bevöl­kerung der Kolonien in Afrika und Asien an. Die immer wieder von Zeit zu Zeit aufflackernden Un­ruhen in Französisch-Jndochina, in Niederländisch- Jndien, in den Bergwerken Südafrikas, in den ver­schiedenen südamerikanischen Staaten und nicht zu­letzt das Anwachsen der kommunistischen Bewegung in China, zeigt, wie sehr Moskaus revolutionäre Parole bei den unterdrückten Völkern auf frucht­baren Boden gefallen ist. Der nächste Kongreß der Komintern im September 1928 bezog auch die Ju­gend und die Frauen in die Propagandaarbeit ein und ventilierte auch den Gedanken, durch Zusam-

Die vertraglichen Grundlagen der Dreierkonferenz

Italien besinnt sich auf die Vorteile des Abessinien - Vertrages von 1906. Was wird England tun, um eine Teilung des Rilquettengebiets zu vermeiden?

aufopferndsten Mitarbeiter verloren. Die Presse bedauert besonders, daß Razza die gro­ßen Arbeiten, die gerade auf dem Gebiet der öffent­lichen Arbeiten in Ostafrika zu vollziehen waren, nicht selbst leiten und vollenden konnte. Auch der Tod des Forschers Franchetti reißt in Italien eine tiefe Lücke, war er doch der geogra­phische Berater der italienischen Re­gierung für Ostafrika und hatte in jahre­langer Forschertätigkeit unschätzbare Dienste ge»

Waffen.

Strategische Pläne des Neans

Rom 8 Aug. (DNB.) Nack hier aus Addis Abeba vorliegenden Nachrichten soll der Kaiser von Abessinien bei einem kommenden Krieg in Ostafnka beabsichtigen, nicht sofort dem italienischen Vorstoß in abessinisches Gebiet Widerstand zu leisten, son-

bern seine Truppen zu einem Gegen- angrlffauf Italienisch - So maliland zusammenzuziehen. Er will die italienischen Truppen zunächst von Norden, also von Eritrea aus, ziemlich weit ins Land vordringen las- s c n und seinerseits die ganze Stoßkraft nach Süden, nach Jtalienisch-Somaliland verlagern. Die Siege, die der Negus im Süden zu erringen hofft, sollen die Verluste im Norden, wo sich nur geringe Truppen befinden, die im Kleinkrieg gegen die Italiener kämpfen, ausgleichen. Ueber die Kräftezahl der Negus herrscht nach wie vor große Unklarheit Man rechnet ungefähr mit 7 50 000 Mann, von denen jedoch nicht alle mit Gewehren bewaffnet sind und nur die Hälfte entsprechend einem europäischen Heer organisiert sein soll. In Lodz, dem Mittelpunkt der polnischen Textilindu­strie, ist eine Abordnung abessinischer Kaufleute ein­getroffen, die größere Mengen Unifor­men zur Ausstattung der abessinischen Armee an­gekauft haben. Weitere Abschlüsse sollen demnächst in Aussicht genommen sein.

Mailand, 10. Aua. (DNB. Funkspr.)Popolo d'Jtalia" bemüht sich, Italiens Vorgehen in Abes- finien zu begründen. Die Gedankengänge sind be­kannt. Bemerkenswert ist die Mäßigung des Tones gegenüber England. Bisher hat man die Engländer barsch zurechtgewiesen, jetzt s u ch t m a n zu überzeugen. Das Blatt sagt u. a Italien werde immer unruhiger, wenn man es op xx e Ventil für seinen drückendenBevolke- rungsüberschuh lasse. Wenn es jedoch ent­wicklungsfähige Gebiete zu- verwalten habe, werde es für sich und seine Freunde ein kon­servativer Staat werden. Eine Politik Groß­britanniens, die Sanktionsmaßnahmen ins Auge fasse, wäre gleichbedeutend mit einer Kriegspolitik. Man dürfe nicht vergessen, daß England Sanktionen weder vorgeschlagen habe, um Japan den Weg in die Mandschurei zu versperren, noch um denKrieg zwischen Bolivien und Paraguay zu verhindern. Die feindselige Einstellung Großbritan­niens scheine mehr der falschen Annahme zu ent- pringen, daß Italien mit seinem Vorgehen in Ost­afrika die Absicht verfolge, s i ch d e n britischen Interessen in den Weg zu ft eil en. Das Gegenteil fei richtig. Italien wende sich Abes­sinien nur deshalb zu, um England und Frankreich im ruhigen Besitz ihrer Kolonien zu lassen und nicht genötigt zu fein, felbft Ansprüche auf irgendein Man­datsgebiet zu erheben.

Abessinien fordert das Recht der Verieidiauna

wird. Italien habe, so heißt es, niemals Zweifel daran lassen wollen, daß alle drei Mächte des Vertrages von 1906 gerecht­fertigte Ansprüche in Abessinien hätten, es fei darum ein guter Weg, daß man sich zu einer Konferenz über den Vertrag von 1906 entschlossen habe. In Rom hat man sich inzwischen offenbar darauf besonnen, daß die vertraglichen Grundlagen über die abessinische Frage für Italien einen sehr viel gün st igerenAusgangspunkt darstellen, als wenn man sich in Genf über die neue grundsätzliche Einstellung und die veränderten machtpolitische>n Auffassungen Englands in Auseinandersetzungen begibt.

Selbst in den großen Londoner Redaktionen hat man lange Zeit übersehen, welche rechtlichen Ansprüche Italien aus den bestehenden Ab­machungen ableiten kann. Bis vor kurzem noch las man in der englischen Presse von dem Anspruch Italiens auf die Anlage einer E i s e n b nh ck m einem abessinischen Landstreifen längs Britisch- und Französisch-Somaliland. Der Vertrag von 1906 und seine Ergänzung durch den Notenwechsel von 1925 geben den Italienern sehr viel größere Rechte. In dem Vertrage, der am 13. Dezember 1906 von Cambon, Eduard Grey und San ®uiltano unterzeichnet wurde, wird im ersten Artikel als übereinstimmende Auffassung der Machte festgestellt, daß der politische und territoriale Status quo in Aethiopien aufrecht zu erhalten s e i. Im vierten Artikel wird diese Bestimmung aber wesentlich dadurch ein g e - schränkt, daß jede der drei Machte im Falle irgendeiner Störung Gebietszonen in AbessinieN Angewiesen werden, die gemein­schaftlich in Schutz genommen werden ollenum die Integrität Äthiopiens aufrecht zu erhalten". Selbstverständlich hat Großbritan­nien dabei das N i l q u e l[1 e n g e b i e t für sich in Anspruch genommen. Dadurch sollten aber Die italienischen Interessen,bezüglich bes fim- terlanbes seiner Be sitzu ngen und deren örtlichen Zusammenhang westlich we.stl i ch . 0 ° N AddisAb ° b a nid)t beemtradjtigt roerben.

Diese Zugeständnisse an Italien, die sich aus- drückl ch auf den Westen Abessiniens und seine ver- k^hrstechnische und wirtschaftliche Durchdringung er­strecken, werden in einer britH d) e n Nate wiederholt, die am 14. Dezember 1925 Musso­lini überreicht wurde. In ihr heißt es: Duf bn-- tifdie Regierung ist dafür (nämlich für bte ttahe- nilcbe Unterstützung bei den britischen Bemühungen «!n die Konzession für b i e Stauanlage am Tana-See bereit, der italienischen Regie­rung deizustehen, damit sie eme $ o n 3 e 10 n zum Bau und Betrieb einer Eisen- babn von den Grenzen Eritreas bis au den Grenzen von Italienisch-So- matitanb erhält." Diese Eisenbahn, an bte man schon vor zehn Jahren dachte, ist also ganz e t w a s and ^res als diejenige die neuerdings Italien als Ersatz angeboten wurde und die das siidliche Eritrea mit dem nördlichen italienischen Somaliland parallel der Küste verbinden Se ohne daß dem Aufwand ein nur annähernd Atfvrechender wirtschaftlicher Wert gegenuberftanbe. Die damals ins Auge gefaßte Bahn wurde vom Worben Eritreas nach Benadir tm südlichsten So­maliland verlaufen. Sie würde die wertvoll­sten Gebiete Abessiniens durchqueren und durch das von England beanspruchte Jnt^- essengebiet um den Tana-See ^durchgehen. Es war in der Note von 1925 ausdrücklich von der freien Durchfahrt über ^ne Auto­straße die Rede, die England von der Grenze des Sudan bis zu einer zu erbauen­den StauanlageamTana-See geplant hatte. Darüber hinaus war ein ausschließlicher wirtschaftlicher EinslußJtaliens im Westen von Abessinien und im ganzen Ge­biet her vorgesehenen Eisenbahnlinie für den Fall anerkannt, baß Englanb bi- gewünschten Kanzeffw- npn erhalten sollte Die Voraussetzungen dieses Ver­trages sind zwar bisher nicht erfüllt, aber Musso- ini hat doch einen Wechse 'n der Hand den er zu dem Zeitpunkt präsentieren kann, an dem England das Nilquellengebietunter sei- "^nN-n"'ha7ma7ffch allerdings m W daraus besonnen, baß Ab-ffinien, vor allem bas Nilquellengebiet, viel wichtiger sur bas Br- tisch- Reich ist. als man es bamals wohl einge- hnt Die angestrebte Baumwoll-A ul - b^' Attischen Reiches, bi- non b« Aus.

bphnunq der Baumwollvflanzungen 'M Sudan ob- hängt wird zu einer Illusion, wenn England im Nilquellengebiet eine Teilung _ her JeH f rfi a f t mit einem anderen europäischen Kolomal- innh anläfet Aber auf der Grundlage der Ver- ttäae ^un^der geschichtlichen Entwicklung befindet sich Italien im Vorteil, sobald diese Basis allem den

niens in den Völkerbund betrieb. Jetzt ist die Frage, ob England sich wieder hinter den Grundsätzen der Völkerbundspolitik verschanzt, um auf diese Weise früher begangene Fehler wieder zu reparieren. Die Möglichkeit einer friedlichen Lösung, bet der die Souveränität Abessiniens formal aufrecht erhalten bleibt, ist jeden­falls angedeutet. Die Frage bleibt, ob sie im Hin­blick auf die Notwendigkeiten des Britischen Rei­ches der Londoner Regierung, die allerdings im­mer wieder auf die Möglichkeit weitgehender wirt­schaftlicher Konzessionen hingewiesen hat, erträglich erscheint.

P a r i 5 , 10. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der abes- sinische Gesandte in Paris erklärte nach feiner Rück­kehr aus Genf demEcelfior", das einzig wir­kungsvolle Mittel, den Krieg wirklich zu verhin­dern, bestehe darin, Abeffinien zu gestat­ten sich zu bewaffnen. Das sei durchaus nickt'paradvx. Abessinien wolle nicht den Krieg. Es könne den Frieden aber nur aufrechterhalten, w7nn Italien wisse, d a ß A b e f s i n i e n sich verteidigen könne. Italien stelle Waf­fen in seinen eigenen Fabriken her, Abessinien hm- acae sei gezwungen, sie im Auslande zu kaufen. r.° ntior norhnfpYl

Standpunkt vertreten worden, daß die Haltung Großbritanniens in dieser Frage nur durch grundsätzliche Erwägungen bestimmt werden. Später indessen sei angedeutet, daß eme Besetzung Abessiniens durch Italien eine Be­drohung der Stellung Großbritan­niens in Aegypten bedeuten werde. Es durste daher zwischen Eden und Baron Aloisi gelegentlich sehr deutlich gesprochen werden, während Laval die schwierige Aufgabe der Aussöhnung zu­fallen werde. , , ,

Eine Vereinbarung werde nicht erleichtert durch die Nachricht, daß der Kaiser von Abessimen eine neue AuslandskvnZession gewahrt habe. Ein Schweizer Konsortium habe Erlaubnis erhalten, eine S t r a ß e z w i s ch e n A d i s A b e b a unddemSudanzu bauen. Diese Straße wurde die Reise nach der Nordwestgrenze, die jetzt Wochen beanspruche, auf einige Tage verkürzen. Dies durfte der Entwicklung des Handels zwischen Abessinien und dem Sudan sehr zugute kommen.