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oder dem Hungertode preisgegebenen russischen Bür­ger- und Bauerntums errichteten Sowjetstaat be­stand. Litwinows Bündnispolitik ist man in Paris und Prag aus imperialistischen Gründen entgegen» Gekommen und hat den Widerstand im eigenen Lande gerne damit zu beschwichtigen versucht, daß das Einbeziehen der Sowjetunion dieDerbürger- lichung des Kommunismus" und die Abwendung von der weltrevolutionären Mission zum russischen Nationalismus nur beschleunigen werde.

Wie sehr man sich in diesen Hoffnungen auf eine erzieherische Wirkung des Völkerbundes und der Bündnispolitik mit dem Westen getäuscht hat, zeigt dieser siebente Weltkongreß der Komintern. Hinter dem Biedermann Litwinow, der in Genf soeben mit Laval und Eden zusammen imperialistische Ka­binettspolitik alten Stils macht, steht nach wie vor der kommunistische Agitator, dem dies alles nur Mittel zum Zweck ist, die außenpolitische Stellung der Sowjetunion zu festigen als Basis und Aus- aangspunkt für das Vorwärtstreiben der kommuni­stischen Weltrevolution.Sowjetrußland ist Anfang und Ende der kommunistischen Propaganda. Mit ihm ist ein Sechstel der Erde kommunistisch, sorgen wir dafür, daß von diesem Sechstel der Impuls aus­geht zur Bolschewisierung auch der übrigen fünf Sechstel der Welt". Das ist die Parole, die der Weltkongreß der Komintern soeben ausgegeben hat. Und wenn auch die Regierung der Sowjetunion sich dem Kongreß fernhält, um den Schein zu wah­ren, als ob Sowjetregierung und kommunistische Partei zweierlei seien, wenn diesmal sogar Stalin es über sich bringt, auf dem Kongreß nicht zu erscheinen, der ihn tagtäglich alsFeldherr der Weltrevolution" überschwänglich feiert, so dient das nur einer geschickten Verschleierung der wahren Verantwortlichkeiten. Denn ohne die Macht Sowjet­rußlands im Hintergrund, ohne die ständige För­derung der kommunistischen Weltpropaganda durch die Moskauer Regierungsstellen, ohne das enge Hand-in-Handarbeiten von Sowjetpolitikern und Revolutionären wäre dem Kommunismus als revo­lutionäre Weltgefahr längst der Boden unter den Füßen entzogen, wäre der Weltkongreß der Komin­tern ein Schattenspiel, der unserer Beachtung nicht wert wäre.

Aber Dimi troff, der als gerissener Agitator und revolutionärer Stratege bei Stalin in hoher Gunst steht, hat die Katze aus dem Sack gelassen, als er davon sprach, daß es sich nun darum handle, wie einst der listenreiche Odysseus im Bauch des hölzernen Pferdes bewaffnete Griechen in die Um­wallung des belagerten Troja hineingeschmuggelt hatte, "so nun kommunistische Agenten unter der Maske des harmlosen Biedermanns in die bürger­lichen Parteien und die sozialistischen und christ­lichen Gewerkschaften zu entsenden, um Unsicherheit und Mißtrauen in die arbeitenden Massen zu tra­gen und durch den unterirdischen Kampf gegen die Staatsautorität den Boden für Umsturz und Chaos zu bereiten.Wir mögen zwar nicht die kläglichen Reste der bürgerlichen Parteien, wir hassen die Sozialdemokraten, die in WahrheitSozialfaschi­sten" sind, aber wir verbinden uns mit allen und jedem, wir suchen unsere Mitkämpfer überall, wir heißen jeden willkommen, der mit uns die Weltgefahr des Faschismus bekämpfen will." Und dieses wahrhaft satanische Rezept Dimitroffs spann derdeutsche" Kommunist Walter noch weiter aus zu Plänen für die kommunistische Minier- arbeit im nationalsozialistischen Deutschland. Kann es eine größere Verlogenheit geben, als wenn die­ser kommunistische Agitator die deutschen Katholi­ken zum gemeinsamen Kampf für Gewissensfrei­heit aufruft? Niemand hat vergessen, daß die christlichen Kirchen in Rußland durch den Kommu­nismus vernichtet wurden, daß Gotteshäuser zer­stört oder zu Gottlosenschulen herabgewürdigt mür­ben, daß Geistliche aller christlichen Konfessionen zu Tausenden ermordet oder nach Sibirien ver­bannt wurden, ja daß jede materielle Unterstützung unserer hungerleidenden Glaubens- und Volksge­nossen in Rußland eingestellt werden mußte, weil christliche Liebesgaben ihre Empfänger in den Verdacht des Landesverrats brachten, und das bol­schewistische Regime dies als willkommenen Vor­wand nahm, um sich unbequemer Zeugen eines nur durch blutigen Terror aufgehaltenen Wirt- schaftsbankerotts zu entledigen. Sieht das nach Gewissensfreiheit ober gar nachbürgerlichen Freiheiten" aus, von denen der Kommunist Walter ebenso zynisch wie dumm gefaselt hat? Nein, dieser überschlaue Demagoge, der sich selber rechtzeitig nach Moskau in Sicherheit gebracht hat, um sich der Verantwortung für seine Hetzarbeit in Deutsch­land zu entziehen, wird heute nicht mehr auf seine Rechnung kommen. Dafür hat die unermüdliche Aufklärungsarbeit des Nationalsozialismus ge­sorgt, zweieinhalb Jahre zielbewußten, planmäßigen nationalsozialistischen Aufbaues haben dem deutschen Volke die Augen geöffnet und dem deutschen Arbei­ter den Sinn geschärft für die Unterscheidung eines echten Sozialismus der Tat von kommunistischen Weltbeglückungsphrasen, hinter denen Verzweiflung, Elend und Not für jeden Einzelnen, Chaos und Untergang für das ganze Volk lauern.

2n Frankreich dagegen, ist es noch nicht so weit, hier trägt Moskaus Saat die ersten Früchte. Stalin hat zwar bei dem Abschluß des sowjet- russisch-französischen Militärpaktes Herrn Laval in Moskau hoch und heilig versprechen müssen, daß er die kommunistische Propaganda in Frankreich ab» stoppen werde und namentlich die kommunistische Zersetzungsarbeit im französischen Heere unter­binden werde, da eine Schwächung der franzö­sischen Wehrkraft ja auch dem sowjetrussischen Bun­desgenossen nicht recht sein könne. Stalin ist es ge­wiß nicht schwer geworden, nach so vielen ähn­lichen Versprechen bei früheren Gelegenheiten auch dieses noch auf sich zu nehmen. Die französischen Kommunisten haben nach dem ersten Erstaunen das Augurenlächeln ihres Moskauer Oberfeldherrn schnell begriffen und sich ihre eigene Auslegung des Stalinschen Versprechens zurechtgemacht. Mos­kaus Parole, zum Zusammenschluß mit sozialisti­schen und bürgerlichen Gruppen zu einerEin­heitsfront gegen den Faschismus" die Hand zu bieten, ist von den Kommunisten überraschend schnell befolgt worden. Das Notoerordnungsregime, mit dem das Kabinett Laval der Wirtschaftskrisis Herr zu werden gedenkt, hat die Entwicklung be­schleunigt. In richtiger Erkenntnis, daß in einem Bündnis politischer Gruppen verschiedener Färbung immer die radikalste Sieger bleibt, haben sich die Kommunisten nicht mehr länger gegen ein Zu­sammengehen mit Sozialdemokraten und linken Radikalsozialisten gesträubt. Am Nationalfeiertag vor rund drei Wochen marschierte diese sogenannte Volksfront" noch unter der Trikolore, heute hissen die Austtändischen in Brest und Toulon schon die rote Fahne auf den Barrikaden, die sie gegen Polizei und Militär errichtet haben. Unter Leitung der kommunistischen Drahtzieher ist aus einer Lohn­bewegung, aus einem Protest gegen Lavals Not­verordnungen schnell ein Aufruhr gegen die Staats­autorität geworden. Und es ist besonders pikant,

daß die Meuterei gerade an den Stellen entfesselt wurde, die für Frankreichs militärische Rüstung mit die empfindlichsten sind, in den Marinearsenalen der großen Kriegshäsen Toulon und Brest. Was wird Laval nun von dem Versprechen seines Bun- desgenosien Stalin denken, nicht die französische Landesverteidigung durch kommunistische Agitation unterhöhlen zu lasten? Wir entsinnen uns noch gut, daß 1917 die bolschewistische Revolution in den russischen Kriegshäfen losbrach und daß auch die spartakistische Revolte in Deutschland von Kiel her ihren Ausgang genommen hat. Vielleicht lernt Laval nun begreifen, welche Drachensaat hier auf»

London, 10. August. (DNB. Funkspruch.) Der Pariser Korrespondent derTimes" schreibt, der Besuch des Kapitäns Danckwert von der britischen Admiralität in Paris habe hauptsächlich den Zweck, mit französischen Sachverständigen d i e Frage der qualitativen Rüstungsbe­grenzung zur See zu erörtern. In dieser Beziehung seien sich die Admiralität und das fran­zösische Marineministerium im wesentlichen einig. Seit der Kündigung des Washingtoner Vertrages durch Japan hätten sich die Ansichten über die Me-° thoden der Begrenzung stark geändert. Die Fran­zosen waren früher für eine allgemeine Begrenzung der Flotten stärke. Jeder Macht sollte es freistehen, den einzelnen Schiffskl-assen beliebig von der Ge­samttonnage zuzuteilen. Sie hätten aber jetzt eingesehen, daß eine derartige Begrenzung nicht mehr möglich sei. Unmittelbar nach dem Krieg, als über den Washingtoner Vertrag verhandelt wurde, war Frankreich genötigt, eine Seestärke anzunehmen, die, verglichen mit denen Großbritanniens und der Vereinigten Staaten, niedrig war, weil es nahzu keine Flotte mehr besaß. Der Neubau der französischen Flotte hat diese Sage geändert und damit ist auch eine Aenderungen der französischen Ansicht über

Frankreichs größter Kriegshafen Toulon, in dem

Paris, 10. August. (DNB. Funkspruch.) Die ersten Ergebnisse der Untersuchung der Unruhen von Brest und Toulon haben, wie halbamtlich mit» geteilt wird, zu der Feststellung geführt, daß die nruhen nicht von den Arsenalarbeitern, sondern vonunruhigen Elementen" heroor- gerufen worden sind, die sich unter d i e Ar­beiter gemischt hatten. Man müsse daher einen klaren Strich zwischen den Arbeitern, die gegen die Notverordnungen hätten Einspruch erheben wollen, und den Meuterern ziehen. So­wohl in Brest wie in Toulon seien die Arsenal­arbeiter am Freitag wieder vollkommen ruhig a n ihren Arbeitsplätzen erschienen. Es wird weiter unterstrichen, daß die Senegal- Truppen inkeinem Augenblick mit den Kund- gebern in Toulon in Fühlung gekommen seien." Dagegen meldet derPetit Parisien" noch in seiner Samstagmorgenprovinzausgabe, daß Senegal-Schützen in Toulon d i e Kundgeber zurückgeschlagen hätten, als diese versuchten, den Bahnhof und die Gasanstalt zu besetzen. Außerdem hätten die Senegalschützen die Rue de Canon und die angrenzenden Straßen belagert gehalten. In bers Unterstadt sei ein Bataillon Senegalesen vorgegangen, um die en­gen Straßen von Meuterern zu säubern. Von den 89 festgenommenen Kundgebern in Toulon waren nur zwölf über 20Jahre alt. Unter den 36 Personen, die in Haft gehalten wur- d e n, befindet sich ein Professor des Gym­nasiums von Marseille, der bei den Um ruhen eine Flasche gegen einen Poli­zeibeamten geschleudert hat.Le Jour" schreibt, daß nach einer Zeugenaussage während der dreistündigen Schießerei nicht weniger als siebe n- bis achttausend Schüsse abgegeben worden fden. Die Vertreter der sostalistlschen Gew"rk- schaftsverbände und der staatlichen Arbeiter sind beim Ministerpräsidenten vorstellig geworden und haben erklärt, daß die Arbeiter nicht für die Zwi­schenfälle verantwortlich gemacht werden könnten.

9ngeret6fiertigle VcrdWlgung eines Deuischen.

x Aug. (DNB.) Der deutsche Mon-

teur Karl Schmidt von einer deutschen Maschi­nenfabrik, der in Brest eine Dieselmotoren- anlage auf einen Kran montiert, die oon der französischen Marineverwaltung bestellt ist befand sich mit einem anderen deutschen Monteur aus dem Wege in sein Hotel, als die Um rügen in Brest ausbrachen. Sie begegneten einer Polizeistreife und ließen sie Vorbeigehen. Hinter der Polizei folgte eine aufgeregte Menschenmenge, öie gegen die Beamten eine drohende Haltung einnahm. Hieraus machte die Streife kehrt, um gegen die Kundgeber vorzugehen, die die Flucht er- griffen. Schmidt selbst dagegen als völlig U n 1 rle rl e r JJkb mit den Händen in den Hosen­taschen stehen. Diese Tatsache mag dem in begreif« nch/r Erregung befindlichen Polizeibeamten ver­dächtig erschienen sein. Jedenfalls wurde Schmidt die Hand aus der Tasche gerissen, wo- bet ein angeblichesAngriffsmesser" (in Wirklich- feit ein Meißel, der zu seinem Handwerkszeug gehört) zum Vorschein kam. Schmidt wurde oer °

zugehen droht und wem er sie zu Derbanfen hat. Und vielleicht lehrt das furchtbare Schauspiel der Straßenkämpfe in Brest und Toulon das franzö­sische Volk begreifen, warum der deutsche National­sozialismus in dem oon Moskau aus geschürten Kommunismus den Schrittmacher der Welttevolu- tion und damit des Untergangs der abendländischen Kultur sieht, von dem ihn unversöhnliche Feind­schaft trennt. Vielleicht ist es für Frankreich noch Zeit, die bolschewisttsche Gefahr zu bannen, wenn man sie mit eiserner Faust nieberringt, statt mit ihr schwächlich zu paktieren.

die Methoden der Rüstungsbegrenzung eingetreten. Frankreich fühlt sich jetzt imstande, mit den gro­ßen Seemächten auf gleichem Fuß zu verhandeln, und es neigt jetzt dazu, sich der Begrenzung nach Schiffsklassen unter Berücksichtigung der Tonnage und der Bestückung anzuschließen.

Nach Ansicht derTimes" soll das ftanzösische Marineministerium nach Abschluß des deutsch­englischen Flottenabkommens nicht ge­neigt gewesen sein, sofort der Anregung der briti­schen Regierung zu entsprechen und Marinesachoer­ständige nach London zu entsenden. Kapitän Danck­wert fei es gelungen, öie dünne Eisschicht zu brechen, mit der dieses Abkommen einen Augenblick lang die englisch-französischen Beziehun­gen bedeckt habe. Kapitän Danckwert hat kein lang­fristiges französisches Bauprogramm nach London mitgenommen und hat auch kein britisches Pro­gramm in Paris zurückgelassen. Wenn befreundete Seemächte keine Programme austauschen, dann sei dies im allgemeinen deshalb der Fall, weil sie k e i n Programm auszutauschen haben. Die Kreise, die das französische Programm für die Jahre nach 1936 aufzustellen haben, warten noch immer auf genaue Informationen über die Absichten anderer Mächte.

mehrere Geschwader vor Anker liegen. (Scherl-M.) h a f t e t. Die französische Marineverwaltung hat sich jedoch ins Mittel gelegt, so daß die Angeleaen- yeit einer endgültigen Regelung entgegengefufjrt werden dürfte. Die an die Verhaftung Schmidts geknüpften Randbemerkungen französischer Blätter sind ungerechtferttgte Stimmungsmache.

Ruhe nach dem Sturm.

Paris, 9. August (DNB.) In Toulon herrschte am Freitag Ruhe nach dem Sturm. Die Arbeiter haben wie üblich um 17 Uhr die Arsenale und Werkstätten verlassen, um sich ohne jeden Zwischen­fall nach Hause zu begeben. Eine Abordnung der Gewerkschaft ist vom Unterpräfekten empfangen worden; sie legte Wert auf die Feststellung, daß die Arbeiter der Arsenale nicht mit den Meute­rern der vergangenen Nacht verwech­selt werden. Der Bürgermeister oon Toulon hat Maueranschläge anbringen lassen, durch die ein verschleierter Belagerungszustand verhängt wird. Er fordert die Bevölkerung auf, nicht unnütz auf der Straße sich aufzuhalten und durch ihr Benehmen zu Ansammlungen Anlaß zu geben. Sie sollen früh schlafen gehen, spä­testens um 21 Uhr. Nur wer sich nach dieser Zeit noch auf der Straße aufhält, könne gewissen Schwieriakeiten ausgesetzt sein. Der Präfekt wies die Presse darauf hin, daß unter den Verhafteten und Verletzten fast keine Arbeiter der staatlichen Werkstätten seien. Es handele sich zum größten Teil um Dockarbeiter ober lichtsckeues Gesindel, das nur auf die Gelegenheit warte, plündern zu können. Unter ihnen befänden sich viele Ausländer, besonders Polen und Italiener.

Die Straßen Toulons, die den Schauplatz des nächtlichen Bürgerkrieges bildeten, bieten einen trostlosen Anblick. Dom Platz der Freiheit bis zum Kriegshafen ist der Boden bedeckt mit Trümmern und Scherben der großen Schau­fenster und Reklameschilder, kantigen Splittern der gußeisernen Gaskandelaber und der zerschlagenen Lampen. Die Räume der Zeitungsdruckerei desPetit Var" sind oon den Meuterern zerstört und geplündert worden. Ebenfalls ist ein Waffengeschäft von den Aufrührern geplün­dert worden. Die Revolutionäre haben von dort aus ein förmliches Schnellfeuer auf die vorrückenden Truppen der Garde Mobile eröffnet. Alle öffent­lichen Gebäude, insbesondere diejenigen, gegen die bie Aufrührer nächtliche Sturmangriffe unternom­men haben, wie ber Bahnhof, bie Post, bie Präfek­tur unb ber Justizpalast, finb von Wachkommanbos besetzt. Die Senegal-Scharfschützen haben mit auf- gepflanztem Seitengewehr bie Post burch Absperr­ketten gesichert. Marinetruppen bewachen weiter bie JRarinepräfettur, währenb unbewaffnete Matrosen vor ben einzelnen Gebäuden unb Werkstätten bes Arsenals Posten stehen.

Paffaflierflud)f bet berCompagnie Transatlantique^.

Paris, 10. Aug. (DNB. Funkspruch.) Zu dem am Freitag beenbeten Streik ber Schiffsbesatzungen berCompagnie Transatlantique" schreibt berFi- garo , die auslänbifdjen Reisenben ftän- ben nun ben französischen Schiffen argwöhnisch

gegenüber. Schon im Mai habe es einen Streik auf berChamplin" gegeben, unb die Jungfernfahrt berNormanbie" hätte um ein Haar verschoben werben müssen. Der soeben beendete Streik habe der französischen Flotte sehrgeschadet. Fünfzig Fahrgäste derChamplain" hätten bie Reise nach Afrika auf auslänbischen Schiffen ange­treten. Ihre Zahl wäre noch sehr viel größer ge­meßen, wenn nicht b i e beutsch en unbote eng­lischen Schiffe, die in diesen Tagen Europa verlassen hätten, völlig besetzt gewesen wären. Diese Fahrgästeflucht scheine anzuhalten. Bei der Compagnie Transatlantique" seien schon zahlreiche Anträge vor allem von Ausländern- einge­laufen, bereits bestellte Schiffsplätze zurückzu- geben und bie Fahrscheine auf andere Schiff­fahrtsgesellschaften übertragen zu dürfen.

Gegen dieTessinerZrredentisten. Landesverratsverfahren gegen Anhänger der Adula-Bewegung.

Bem, 9. Aug. (DNB.) Der schweizerische Bun­desrat beschloß, gegen mehrere Anhänger der ir­re d e n t i st i s ch e n Adula-Bewegung im Tes­sin ein Gerichtsverfahren wegen Lan­desverrats einzuleiten. Der Bundesrat hat aus den beschlagnahmten Schriftstücken entnommen, daß die Adula-Bewegung darauf ausging, eine fremde Macht zu einer die Schweiz gefährden­den Einmischung in die inneren Ange­legenheiten der Schweiz zu veranlassen. Der Bundesrat hat die zuständige Stelle damit beauf­tragt, eine Untersuchung einzuleiten, ob die Zuge­hörigkeit zur Adula-Bewegung mit der Bekleidung einer Staatsstelle vereinbar sei. Die Leiter des Tes­siner WochenblattesJdula", Emilio C o l o m b i und Fräulein B o n t e m p i, sind bereits unter der Anschuldigung des Landesverrats und der Spionage verhaftet worden.

Durch einen weiteren Beschluß hat der Bundes­rat drei in Frankreich ansässige italienische Staats­angehörige sowie einen Oesterreicher und einen Franzosen aus dem Gebiet der schweizerischen Eidgenossenschaft ausgewiesen. Es handelt sich bei den Ausgewiesenen um eine Gruppe, die aus Paris nach der Schweiz gekommen war, um anti­faschistische Literatur, insbesondere Schrif­ten gegen Italiens Vorgehen in Afrika, nach Italien einzuschmuggeln. Die fünf Leute wurden in der letz­ten Woche in einer Villa bei Lugano festgenommen. In ihrem Besitz wurden zahlreiche Flugschriften gefunden sowie kleine Luftballons, die dazu dienen sollten, die Flugschriften auf dem Luftwege nach Italien zu bringen. In der Begründung des Ausweisungsbeschlusses heißt es, daß die Hand­lungen der Festgenommenen geeignet gewesen wären, die Beziehungen zu Italien zu stören.

(Statine bei Nacht."

Im Zentrum des wichtigsten Industriegebiets der UdSSR., des Donbeckens, liegt bie Großstadt St al in o. Auf Befehl der Sowjetgewaltigen ist hier eine vormals unbedeutende Provinzstabt in Überhastetem Tempo zu einer mächtigen Jndustrie- metropole ausgebaut worden, die den Namen des Roten Diktators erhielt. Sie bietet das typische Bild der Industriestädte des 1. Fünfjahres-Planes: in der Mitte dasWe r t* Hochöfen, Kraftan­lagen, Fabriken. Im Umkreis Arbeiterkaser­nen mit kahlen Fassaden, zahlreiche Holzhäuser, Baracken mit Notwohnungen, Magazine, nur wenige brauchbare Straßen. Wie es in oiefer sowjeti­schen Musterstadt in den Abendstunden aussieht, zeigt eine Schilderung ber MoskauerIswestija" vorn 24. Mai, die wir wörtlich wiedergeben:

Fast jeden Abend versinkt bie Stabt Stalino in undurchdringliches Dunkel' infolge von Betriebsstörungen im Städttschen Elektrizi­tätswerk. Man kann sich leicht vorstellen, wie sich dies auf das Leben einer Großstadt auswirkt. Straßenbahnen und Maschinen blei­ben stehen Vortragende verstummen mit­ten in ihrem Bericht Kino und Theatervorstel­lungen werden unterbrochen Tausende von Zuschauern und Zuhörern drängen hastend dem Ausgange zu, bevor sie den Vortrag, bas Referat ober bas Konzert zu Enbe gehört und ohne daß sie den Film oder Vorstellung zu Ende gesehen hätten, denn in einem dunklen Saale bleibt keiner gern sitzen. In den chirurgischen Abteilungen der örtlichen Krankenhäuser sind die Aerzte öfters dazu ge­zwungen, schwere unaufschiebbare Operationen beim Schein einer trüben Petroleum- lampe auszusühren. Das ist besonders gefährlich bei Operationen, die in Narkose ausgeführt werden. Aber auch dann, wenn das Elektrizitätswerk einmal ohne Störung arbeitet, sind die Besitzer von elektri­schen Kochgeräten und Radioempfängern Millionen Quälereien ausgesetzt, weil die Spannung des elektrischen Stromes andauernd sprunghaft [leigt und fällt". Eine Schilderung, die den Fortschritt" imersten Arbeiterstaat der Welt" in recht eigentümlichemLichte" erscheinen läßt.

Weiterbericht

des Reichswetterdienstes Ausgabeort Frankfurt

Der Einbruch kühler Meeresluft hat am Freitag zum Auftreten verbreiteter gewittriger Regenfälle geführt, die aber nur örtlich stärkere Ausmaße an­nahmen. Inzwischen ist von Südwesten her der Luftdruck wieder angestiegen, doch macht sich die Meeresluft im Auftreten von Bewölkung und be- sonders in Nord- unb Mittelbeutschlanb auch von Regenschauern bemerkbar. Da oon Großbritannien her ber Luftdruck wieder fällt, setzt jetzt eine Zu­fuhr subtropischer Luft ein, welche unbeständiges Wetter und nach Norden hin zunehmende Neigung zu Regenfällen bedingt.

Aussichten'r Sonntag: Zeitweilig heiter, doch überwiegend bewölkt, Neigung zu ört- ji$er $®en-ütterbilbung, warm und schwül, fübmeft-

Lufttemperaturen am 9. August: mittags 25,8 Grad Celsius, abends 18,9 Grad; am 10. August: morgens 15,1 Grad. Maximum 28,3 Grad, Minimum 13,5 Grad.Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9 August: abends 21,5 Grad; am 10. August: mor­gens 18,4 Grad. Niederschläge 12,1 mm. Son­nenscheindauer 3,2 Stunden.

Hauptschristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr Friedrich W. Lange, für Feuilleton i.V.: Dr.FW.Lange, für den übrigen Teil: Emst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. DA. VII. 35: 9945. Druck unb Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Ps. meye. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.

Englisch-französischeFlottenbesprechungen

Wer waren die Meuterer von Toulon?

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