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gr.158 drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Mittwochs«. Juli 1935

Aus der Wett des Films.

Besuch bei Luis Trenker.

Bon Hanns Arens.

Es ist nicht so ganz einfach, Luis T r e n k e r in seiner Wohnung anzutreffen; meistens ist er unter­wegs: auf Reifen oder bei einem neuen Film. Und wer zudem noch weiß, wie sehr Trenker von Be­suchern heim^esucht wird, versteht es auch, wenn Trenker oorgibt, nicht anwesend zu sein. Er freut sich über den Besuch, aber es kann zu viel werden. Hat aber em Gast sein Vertrauen, so kann man ,e nach Arbeit und Zeit, oft bei Luis Trenker sein; dann hat man die Freude ihm zuhören zu dürfen' wenn er erzählt. Trenker kann erzählen wie wenige! Für Trenker selbst bedeuten dann diese Stunden mit Freunden und guten Kameraden in seinem Heim die Ruhepunkte innerhalb vieler Arbeit. Er ist einer der fleißigsten Künstler, die ich je gesehen habe.

Seit Trenker dem freien Leben in seinen Tiroler Bergen entsagt hat, seit er in die große Stadt zog und sein Leben voller Arbeit, Hast und Unruhe ch, wächst von Jahr zu Jahr das Heimweh nach seiner Heimat. Darum hat Luis Trenker versucht, sich Anklänge an das Leben in seiner Tiroler Heimat zu schaffen. Denn es ist nicht leicht für einen Menschen wie ihn, der in der Weite, im Frieden und in der Schönheit seiner Heimatberg­landschaft aufgewachsen ist, durch den Beruf in die steinerne Enge, in die Ruhlosigkeit der Großstadt Angespannt zu sein. So merkt man dem Innern seines Hauses sofort die Sehnsucht eines Menschen nach seiner Heimat an.

Immer wieder ist der Besucher überrascht, wenn er in die Wohnunb Trenkers kommt; jedestnal zeigt er voller Freude irgendeine neue Liebhaberei. Auf Sockeln und Podesten stehen hohe Heiligenfiguren, an den Wänden, die meist glatt und weiß sind, hängen Heiligenbilder, jahrzehntealte Bauernmöbel stehen in den Zimmern. Doch all diese Figuren, Bilder, Tische und Möbel sind eingefügt in das Ganze einer großstädtischen Wohnungseinrichtung. Die Stühle, Hocker und Sessel hat sich Trenker zum Teil selber zurecht gezimmert. So ist das Innere seines Heims eine Mischung alter Bauernmöbel, neuzeitlicher Wohnungskultur und eigener Bau­arbeit. Doch wiederum ist alles vereinheitlicht zu dem ganz persönlichen Stil eines naturnahen, künst­lerischen Menschen. Vergeblich sucht man hier nach Manieriertheiten oder Protzereien. Es würde dem Wesen dieses Menschen auch nicht entsprechen, denn Trenker selbst, ausgebildeter Architekt, der in Tirol einige Bauten schuf, hat die Einrichtung seines Hauses entworfen.

So einfach, aeradeweg und eigenwillig wie Tren­ker selbst ist sein Heim. Darum auch fühlen sich feine Gäste vom ersten Augenblick an wohl und wie zu Hause", vorausgesetzt, daß der Besucher ein schlichter Kerl ist, ein Kerl, wie ihn Trenker liebt: ohne Falsch und Getue!

Wenn Trenker freie Zeit hat (was allerdings selten vorkommt), dann sitzt er, seine unentbehrliche Pfeife im Mund, am Fenster und schnitzt an den Heiligenfiguren, kratzt die von den Bauern aufge­tünchte grellbunte Farbe ab, um das echte Holz wieder zum Vorschein zu bringen; eine mühselige Arbeit, die Geduld und vor allem viel intuitives Verständnis erfordert. Gern tollt er mit seinen beiden kleinen Kindern Florian und Luis Ferdinand herum, im Garten oder Zimmer.

Wer nach dem Geheimnis der Trenker-Filme und -Bücher fragt, muß einmal Trenker selber gespro­chen haben, um zu wissen, daß dasGeheimnis" lediglich im Menschen Trenker liegt, in seinem Wesen, in seiner Persönlichkeit, die eigenwillig, orginell und ganz einfach ist. Es ist wohl auch

Der Weg zum Film.

Bon Or. Fischer, Gießen.

Als die nationalsozialistische Regierung die poli­tische Führung im Filmwesen übernahm und diesem seine besondere kulturpolitische Aufgabe übertrug, galt es unter anderem vor allem, das Starun­wesen auszuschalten, das der gesunden Entwick­lung der verhältnismäßig jungen Filmindustrie oft die größten Schwierigkeiten machte, und überdies keinen Platz mehr in der nationalsozialistischen Aus- sassung vom Filmschaffen beanspruchen konnte. Es war notwendig geworden, in anderer Weise als bis­her die R a ch w u ch s f r a g e zu lösen. Heute führt der Weg zum Film für den jungen Schauspieler einzig und allein über den Filmnachweis, der be­rufenen Kräften alle denkbare Gelegenheit gibt, ihre Filmfähigkeiten unter Beweis stellen zu können. Aussicht auf Erfolg können selbstverständlich nur wirkliche Talente haben, denn hier geht es nicht darum, einmal einen Versuch zu machen, bei dessen Mißlingen kein allzu bedeutender Schaden entstehen kann. Der Film ist in seiner Vielheit als Geistes­produkt, das zur Erbauung, Erziehung und Unter­haltung dient, vor allem Kunstwerk, doch daneben in nicht zu unterschätzendem Maße auch Jndustrie- produkt und Handelsware, die gewaltige Kapitalien in Bewegung setzt. Bei der Filmherstellung wird der Produzent stets ein großes Risiko tragen müssen. Der Erfolg muß irgendwie gesichert sein, sei es durch die Bearbeitung einer vielversprechenden Filmvor­lage oder durch günstige Besetzung der Rollen mit bereits anerkannten Filmlieblingen. Der Film muß gewöhnlich das Dreifache seines Herstellungswertes an Gewinn bringen. Schon ein mittlerer Spielfilm kostet rund 2 0 0 000 Mark, von denen für die Stargagen ein starker Prozentsatz in Anrechnung ge­stellt werden muß. Für zweifelhafte Experimente kann die Filmindustrie begreiflicherweise weniger denn je Kapttal aufs Spiel setzen, und es können daher nur wirklich filmgeeignete Kräfte zum Zuge kommen und beim Filmnachweis Berücksichtigung finden.

Heute schon kann man feststellen, daß die Film­produzenten sich dieser Neuerung auf dem Gebiete der Rollenbesetzung gut angepaßt haben und in fast allen Fragen, die den Nachwuchs betreffen, die Ver­mittlung des Filmnachweises in Anspruch nehmen. Gerade in letzter Zeit sind so zwei junge, bisher unbekannte Schauspielerinnen, Inge Schmidt und Erika D a n n h o f f, für den Filmentdeckt" worden, die sich in den beiden FilmenStradivari" undLiebesträume", die in Vorbereitung sind, zum ersten Male dem Kinopublikum vorstellen werden.

Aber es gibt immer noch genügend filmromantisch veranlagte Naturen r ein Blick in den Briefkasten

die immer wieder anziehende Echtheit und Unver­fälschtheit Trenkers, die gerade und unbekümmerte Art seines Lebens, die auch sehr stark in seinen Büchern sichtbar wird.

Er ist immer der Kamerad, der Freund, der die Menschen um ihrer selbst willen liebt. Er ist so einfach, wie nur ein Mensch sein kann; tempera­mentvoll und voller Anteilnahme für alle Dinge des Lebens. Hilfsbereit und voller Zutrauen, wenn man ihm Vertrauen entgegenbringt. Wer sich mit Trenkerüberwirft", wird immer erst bei sich selber anfragen müssen! Er ist nie nur der Künstler, der. uns interessiert, vielmehr der freie Mensch Trenker, der in seiner Frische und Urwüchsigkeit besonders die Jugend auf seiner Seite hat. Und die Jugend, vor allem natürlich die sportlich interessierte, ist es, die seine Filme sieht, seine Bücher liest, weil sie in ihnen ihr eigenes Leben gespiegelt sehen, so wie es ist oder wie es sein könnte: männlich und energisch, mutig und tapfer! So kommt es, daß Hunoert- tausende seine Filmwerke sahen und Hunderttausende seine Bücher lesen. Es hieße Trenker falsch ver­stehen, wollte man von ihm sagen, er sei einDich­ter"! Nein, er selber weiß es und möchte nicht, daß man ihm diesen Titel gibt. Gute Bücher will er schreiben, die der Jugend Antrieb und Mut geben, gute Filme will er machen, in denenEinfachheit und Wahrheit die Grundsätze bilden müssen", wenn er zum Volke sprechen soll. Seine letzten großen FilmeDer Rebell",Berge in Flam- m e n" undDer verlorene Sohn" haben gezeigt, daß Trenker auf dem richtigen Wege ist.

Hier soll noch von seinem letzten RomanDer verlorene Sohn gesprochen werden, der wiederum von vielen Tausenden gelesen wurde. Dieser Roman schildert, wie der Film, den Kontrast zwischen

Pflicht und Sehnsucht, zwischen der majestätischen Schönheit des Landes und der erdrückenden Größe und Wucht der Großstadt. Dieses Thema eines jungen Bauernburschen, den es in die Ferne, in die große Weltstadt lockt, dort ein ihm wesens­fremdes Leben lebt und später wieder in sein kleines Gebirgsdorf zurückkehrt, hat Trenker mit einer Idee verbunden die ihm schoi* Jahre oor- schwebte. Das ist das Thema der Rauhnacht, wie es Richard B i ll i n g e r in seinem Theaterstück ge­staltet hat. Das sind die gespenstischen, erregenden, märchenhaften Gebräuche der Bauern zur Zeit der Rauhnacht, in der tolle Allotria, ein geistervoller Mummenschanz, ein aus der nächtlichen Düsterheit der Landschaft emporsteigendes, unirdisches Treiben herrschen. Der Bauernbursche Tonio Feuersinger, der sich durch den mörderischen Betrieb Neuyorks geschlagen hat, es vor Heimweh und Sehnsucht nicht länger aushielt, kommt gerade zur Zeit der Rauhnacht in das Gebirgsdorf zurück und wird durch dieses naturverbundene, seinem eigentlichen Wesen so nahe Treiben und Leben wieder vollends gefangengenommen.Wer nie fortkommt, kommt nie heim', dieses weise Wort des Dorflehrers hat Tonio in feiner ganzen Schwere erfahren müssen.

Es war ein großer Stofs, an den Trenker sich wagte, im Film wie im Roman. Das uralte Thema vom verlorenen Sohn der Bibel und doch auch wieder das neue, zeitgemäße vom Bann der ewigen Heimatscholle.

Nun wird Trenker bald für lange Zeit wieder aus Berlin verschwunden sein, und der Besucher wird vergeblich fragen, ob er zu sprechen sei. Nem! Trenker geht nach Mexiko, um dort seinen neuen großen FilmDer Kaiser von Kalifor­nien" zu drehen.

Berliner Filmbrief.

Wunder des Fliegens."

Zum Anfang bleibt einem der Atem aus, aber dann aewöynt man sich daran: Ernst U d e t führt seine Kunststücke mit der selbstverständlichsten Ruhe und Überlegenheit aus, daß man die Gefahren, die ihm eigentlich in jeder Minute drohen, voll­ständig vergißt und sich der reinen Freude des Fliegens hingibt.

Die Fabel des Films ist gana einfach und nur eben nötig, um dem Ganzen so etwas wie ein Gerüst zu geben. Ein Junge will Flieger werden, und die Mutter erlaubt es nicht, weil der Vater als Kampfflieger fein Leben hergab. Dann kommt aber Meister Udet und räumt zusammen mit der Begeisterung des Jungen die Bedenken hin­weg. Der Wunsch des Jungen geht in Erfüllung.

Und dann fliegt Udet, dann fliegen sie beide zu­sammen. Der Akrobat in den Wolken schraubt seine Maschine bis auf 4500 Meter hoch und läßt sie dann heruntertrudeln, bis er sie in einem sanften Gleitflug auffängt. Er landet auf einem Schneefeld im Jungfraugebiet, und das bringt er ebenso ge­schickt und verblüffend leicht fertig wie. den Flug unter einer Brücke hindurch. Er stellt seine Ma­schine zum Zeitvertreib auf den Kopf, macht die tollsten Kapriolen und zeigt sich ganz als Herr der Lüfte.

Dabei ist nicht die Sensation die Hauptsache, sondern das wundervolle schwebende Gefühl des Fliegens, das auf den Zuschauer übertragen wird. Udet läßt uns hinreißeno miterleben, was er beim Fliegen empfindet Diese sympathische Ehrlichkeit, dieses so gar nicht Schauspielerhafte ist es, was uns mit dem Menschen Udet so herzlich verbindet. Er spielt sich selbst und gibt sich so natürlich und

humorvoll und dann wieder so ernst und willens­stark, wie er eben in Wirklichkeit auch ist.

Ihm zur Seite der einstmaligeHitlerjunge Ouex", Jürgen Ohlsen, und die besorgte Mama Käthe Haack, die beide ihre Sache sehr brav machen. Die herrliche Photographie stammt von Schneeberger und Jaworski.

Mein Herz der Königin".

Es ist die hohe Zeit der Kostüm-Filme. Man dreht fast durchweg historische Stoffe. Die ameri­kanischen und die englischen Produzenten vor allem grafen die Geschichte ab. Nach den königlichen Liebhaberinnen Katharina und Christine kommt jetzt derFall" Caroline von Dänemark Dr. Struensee an die Reihe. Der Hamburger Medikus wird am Hose des geisteskranken Königs Christian ein mächtiger Mann, gewinnt das Herz der jungen Königin und muß diese Kühnheit hinzu kommt seine allzu freundliche Haltung dem Volke gegen­über mit dem Tode büßen. Eine ungewöhnliche Laufbahn, ein prachtvolles Milieu, ein Thema, das immer zieht: Politik und Liebe und doch wird dies alles nicht in solcher Ursprünglichkeit gebracht wie bei den Vorgängern des Films. Hier haben wir schon die zweite Garnitur. Der Regisseur Victor Saville hält sich hauptsächlich an das Kostüm- liche, die Pracht des Kopenhagener Hofes und an die scharfe Gegenüberstellung der Charaktere. Er holt feine Wirkung aus einer ziemlich primitiven Schwarzweiß-Zeichnung der Menschen, obwohl er über gute Schauspieler verfügt. Der Struensee- Darsteller, Clive Brook, hat Haltung und Ele­ganz und erreicht im Spiel mit Madeleine Car­roll, der Königin, beachtliche Höhepunkte. Eine interessante Leistung ist die Darstellung des Ver­

eines Filmmagazins beweist dies sattsam, die sich den Weg zum Film denkbar einfach und un­beschwerlich vorstellen. Vielfach genügt schon die schmeichelhafte Feststellung einer Garbo-, Marlene- oder Willi-Fritsch-Aehnlichkeit, um in einem jungen Menschenherzen einen falschen Ehrgeiz nach Film­ruhm zu erwecken.

Wie oft schon versanken Mädchen und Jünglinge auf der Schulbank, hinter der Ladentheke, der Schreibmaschine und überall sonst, wo in harter Arbeit einer alltäglichen Beschäftigung nachgeganaen wird, in Träume, sich einst als Filmstar auf der Leinwand bewundert zu sehen. Sie alle, die sich durch ihre äußere gute Erscheinung vor den anderen auszeichnen, hoffen eines Tages durch einenFilm­onkel" entdeckt zu werden, um ein kleines Leben voller Sorgen und eintöniger Arbeit mit den un­erschöpflichen Freuden eines Filmhelden zu ver­tauschen. Aber gerade der Weg zum Film, der doch anscheinend so leicht zu beschreiten ist, denn ein gutes Photographiergesicht muß doch schon genügen, hat leider bereits zu vielen Enttäuschungen ge­führt, ja vielleicht schon so stark abgeschreckt, daß der hoffnungslose Filmanwärter gerne wieder zu seiner altgewohnten Tätigkeit zurückkehrt und niemals wieder das Verlangen hat, als Stern am Filmhim­mel glänzen zu wollen.

Jeder, der einen alltäglichen Beruf erwählt hat, kann auf Grund seiner Fähigkeiten und der Erfah­rung anderer seine Chancen annähernd selbst ab­schätzen. Man hat Einsicht in einen Betrieb gehabt, und man weiß ungefähr, wie sich die zukünftige Tätigkeit abspielen wird. Anders ist die Sache beim Film, den man in den meisten Fällen nur aus der Perspektive des Theaterbesuchers kennen lernte, weil durch die Konzentration der Filmindustrie an nur wenigen Plätzen für den gewöhnlichen Sterblichen zu wenig Gelegenheit besteht, einen Einblick in das Filmschaffen zu erhalten. Deshalb ist die Haupt­ursache aller Filmenttäuschungen in der mangeln­den Vorstellung vom Werdegang eines Filmes zu suchen. Wer jemals einer Filmaufnahme im moder­nen Tonfilmatelier als Gast ober Mitarbeiter bei­gewohnt hat, wird erkennen müssen, daß der ver­meintlicheFilmzauber" in Wirklichkeit sachlichste Arbeit ist, die den gesamten Einsatz an geistigen und körperlichen Kräften eines jeden Filmschaffenden völlig beansprucht.

Aber es gibt trotzdem noch einige Unentwegte, die immer wieder die Büros der Filmgesellschaften mit ihren Wünschen, Filmstar werden zu wollen, über­laufen und an ihrem Entschluß festhalten, bis sich einmal ein Aufnahmeleiter entschließt, einen Probe­streifen von dem Betreffenden anzufertigen. Doch was erwartet den Kandidaten, der vielleicht als Held einer Liebhaberbühne schon häufig Lorbeeren ernten konnte, und der sich lampenfieberfrei glaubt?

Allein die ganze ungewohnte Atmosphäre des Ton­filmateliers, wo es wie in einem Bienenhaus schwärmt und schwirrt, benimmt ihm etwas den Atem und macht ihn leicht nervös. Er merkt so­fort, daß man hier wenig Spaß versteht. Dort ver­suchen Regieassistenten in eine Volksmasse Bewe­gung zu bekommen, während hier der Regieführer den Trägern der Hauptrollen nochmals in eindring­lichem Gespräch Spielanweifungen gibt, Kulissen werden oorbeigeschleppt, ein Gewirr von Kabeln ist auf dem Boden ausgebreitet, irgendwo ertönen Hupensignale. Die Luft ist durch die stark strahlen­den Scheinwerfer überhitzt und mit einem betäuben­den Puder- und Schminkeduft erfüllt. Also, Fräu­lein Schulze oder Herr Lehmann: bitte zur Auf­nahme. Ein Raum ist als Zimmer hergerichtet. Ver­schüchtert betritt der Neuling den Schauplatz, wäh­rend sich auf lautlosen Rädern ein Ungeheuer an ihn heranschleicht und fein starres, gewaltiges Auge drohend auf ihn richtet. Kommandos, Hupensignale; rote Lichter flammen im Atelier und vor den Türen auf: Ruhe! T o n f i l m a u f n a h m e ! Jetzt ist der Novize soweit, daß er den Rest feiner Nerven zu verlieren beginnt. Aber plötzlich ist er in eine solche Flut von grellem Scheinwerferlicht getaucht, daß er sich bis in fein Innerstes völlig entblößt fühlt. Ein Mann mit einer Holzklappe, auf der my­stische Zeichen stehen, springt nun geduckt vor, und das Geschehen nimmt seinen Anfang. Doch wo sind dem Filmhelden Bewegung und Sprache geblieben? Nur mit Mühe hält er seine Augen gegen das blen­dende Lichtmeer offen, die einfachste Bewegung nach vorne bedeutet für ihn einen folgenschweren Ent­schluß, und was er aus dem Stegreif sprechen soll, ist eitel Gepiepse und Gekrächze. Unerbittlich rollen die Bänder in Bild- und Tonapparatur, und minu­tiös wird der Vorgang registriert. Wieder ertönen Signale durch das Atelier und im nächsten Augen­blick ist der Raum wieder von Lärm erfüllt.

Während alles seinen gewohnten Gang geht, wird die Probeaufnahme zur Aufführung rasch vor­bereitet. Das Richterkollegium und das Opfer feiner Eitelkeit betreten den kleinen Vorführungsraum, der sich gleich darauf verdunkelt. Auf der Leinwand erscheint nun ein Wesen, das mehr einer Ausstell­figur eines Konfektionsgeschäfts als einem Men­schen von Fleisch und Blut ähnelt. So sind auch die Bewegungen: hölzern, steif, wie an Drähten ge­zogen. Zunächst scheint dieses Wesen vollkommen stumm zu sein, dann kommen aber nach einigem Würgen in der Kehle Laute, die nicht zu definieren sind und an die Sprachversuche eines Taubstummen erinnern. Da verließen sie ihn, nämlich die Film­sachverständigen, die bis jetzt nur mit Mühe ihre Heiterkeit unterdrücken konnten. Draußen dann schal- lelndes Gelächter.Den sind wir endgültig los ge­worden!" und sehr verbindlich zu Fräulein Schulze oder Herrn Lehrmann:Es war zwar sehr

trottelten Königs von Emlyn Williams. Eine intrigierende Königin-Mutter ist Helen H a y e.

Der Graf von Monte Christo-.

Man hat mit Spannung auf diesen Film ge­wartet. Schon viermal ist der Roman von Dumas verfilmt worden, noch zur Zeit des stummen Films. Dieses unerhört svannende Buch hat immer wieder Zur Verfilmung gelockt. Von diesem neuen Film hotte man viel erwartet, zumindest eine wirklich fesselnde Wiedergabe der Rvmanhandlung. Aber der amerikanische Regisseur Rowland V. Lee hat nichts von der Spannung des Romans in den Film zu übernehmen verstanden. Manches in der Art der Darstellung und Auffassung wirkt überaus naiv, und das Publikum hatte Grund, zuweilen recht herzhaft zu lachen. Robert D o n a t als Graf von Monte Christa ist zwar ein schöner und vor­nehmer Mann, aber in seiner Rolle keineswegs überzeuaend. Seine Partnerin Mercedes von Elissa Q a n b i dargestellt zeigte manche guten Ansätze. Alles in allem aber ist es jammerschade um Zeit, Mühe und Geld, die man für diesen Film aufwandte. Die deutsche Bearbeitung hatte Curt Wesse übernommen. Hier zeigt sich mal wieder, daß die Synchronisierung noch immer ziemliche Schwierigkeiten bereitet.

Endstation."

Der sommerliche Film marschiert. Man macht die Erfahrung, daß er durchaus ohne jede Lustspiel- blodelei sein kann. Auch ein leichtes Sommerspiel soll nämlich ernsthaft und gründlich durchgearbeitet sein. Wenn Paul Hörbiger die Regie in die Hand nimmt, dann kann man sich daraus verlassen, daß nichts geschludert wird. In dem FilmEnd- ftation", der uns die Geschichte eines Straßenbahn­schaffners erzählt, ist jede Szene durchgefeilt und von echtem Humor getragen. Natürlich kommt uns Hörbiger wienerisch, und zum Unterschied von vielen Wiener" Filmen trifft man hier echte, schwingende Atmosphäre an. Gut ist der volksstückhafte Ton ge­troffen, und auch die Dialoge sind recht ordentlich.

Paul Hörbiger spielt selbst die Hauptrolle, und er bewährt sich auch hier aufs beste. Neben ihm ist Hans Moser die stärkste Stütze des Spiels. Wenn er oder Hörbiger auf der Leinwand erscheinen, dann erhebt sich das leichte Lustspiel zu den Höhen der großen Komödie. Maria Ander- g a ft ist anmutig und innig die Partnerin Hör­bigers. Ausgezeichnet spielen ferner Josephine Dora, Etta Klingenberg, Oskar S a b o , Hubert von Meyerinck, Oskar Sima.

Ehestreik".

Das Bühnenstück von I. P o h l ist uns im Film wiedererstanden. Fast könnte man sagen, besser als zwischen den Kulissen läßt sich dieses Volksstück auf der weiten Naturbühne der verschneiten Alpenland­schaft inszenieren. Derb und kräftig der Humor wahre Lachsalven unterbrachen die wirklich gelun­genen Dialoge. Wie aus einer Moralpredigerin eine Männerwütige wird, wie der Ehestreik der Frauen buchstäblich in den Schnee fällt, das haben die Manuskriptschreiber A. I. L i p p l und Walter F o r st e r gut herausgearbeitet.

Georg Jacoby hat alles in eine schmissige Form gefügt. Trude Marlen spielt die Kellnerin, die das ganze Dorf durcheinanderbringt und zum Schluß glücklich an den Mann gebracht wird: an Paul Richter.

Die Moralpredigerin ist Erika von Thell- mann, ihr Partner, der zum Schluß daran glau­ben muß, frisch und urwüchsig. Oskar Sima. Gleich gut sind Hermann Erh ard t, Heli Fin­ke n z e l l e r, Theodor Sanegger und Elise Aulinger.

interessant, und Sie sehen wirklich sehr gut aus, aber für den Film na, Sie haben sich ja selbst überzeugen können."

Der Traum ist aus. In vielen Nächten wird das Fiasko noch als zentnerschwerer Alb auf der Brust des Filmruhmsücht'^en sitzen; er kehrt überglücklich in seinen gewohnten Wirkungskreis zurück und ist ein für allemal von feinem falschen Ehrgeiz geheilt.

Oer Film widerlegt falsche Alibis.

Schon verschiedentlich ist der Film in den Dienst der Aufhellung und Verfolgung von Verbrechen gestellt worden, und seit langem wird in mehreren Ländern der Plan erwogen, dem Steckbrief durch Vorführung in allen Kinos eine größere Verbrei­tung und Wirksamkeit zu verschaffen. Nun ist vor dem Gericht von Chesterfield in England zum erstenmal in der Geschichte des Jnselreichs von der Polizei ein Film zur Beweisführung herangezogen worden, der von einem Beamten in aller Heimlich­keit mit einem besonders dafür geeigneten Apparat gedreht worden ist und der eine Länge von rund hundert Metern besitzt. Es handelte sich um einen Prozeß gegen die Beteiligten an gesetzlich verbote­nen Wetten und gegen illegale Buchmacher. Der Polizei von Chesterfield war das Treiben auf dem Marktplatz der Stadt bereits seit einigen Monaten verdächtig erschienen, und es fiel auf, daß sich er­werbsmäßige Buchmacher, die sich wegen uner­laubter Geschäfte schon mehrfach vor den Gerichten zu verantworten hatten, häufig zu bestimmten Stunden an dem Platz aufhielten, daß sie ihre An­wesenheit aber immer leugneten, wenn diese Tat­sache als Beweis für ihre Schuld herangezogen werden sollte. Die 39 Personen, die jetzt in 50 Fällen wegen Übertretung der Gesetze gegen das Wett- und Buchmacher-Unwesen angeklagt sind, haben das zweifelhafte Vergnügen, die ersten Opfer des Kurbelattentats eines Beamten zu sein, dem die Beibringung der falschen Alibis seitens der Be­schuldigten schon immer großen Verdruß bereitet hatten. Die Angeklagten waren jedenfalls äufeer# verblüfft, als der Saal plötzlich verdunkelt wurde und eine regelrechte Filmvorführung ihren An­fang nahm. Zuerst ließ man den Streifen in nor­maler Schnelligkeit ablaufen, bann aber wurde das Tempo beim zweitenmal an den entscheidenden Stellen so verlangsamt, daß alle Einzelheiten genau zu verfolgen waren. Die Bilder auf der Leinwand wurden von dem Beamten mit entsprechenden Er­klärungen begleitet. Die Anwendung dieses neuen Mittels im Dienste der Kriminalistik hat in der Oeffentlichkeit eine grundsätzliche Auseinander­setzung ausgelöst; jedenfalls dürfte dem Film in Zukunft auch auf diesem Gebiete eine noch stärker« Bedeutung als bisher zufallen.