gen zu diesen Zügen nehmen die Kreisrundfunkstellenleiter der NSDAP, und die Rundfunkbera- tungsstellen des Reichsverbandes Deutscher Rundfunkteilnehmer entgegen, die auch alle weiteren Auskünfte erteilen.
^OOalteSol-atenausdemKreisGießen erleben Ven Neichsknegertag
Gastspiel des Schumann-Theaters im Stadttheater.
_ vlb deutfche Rrbcit6front WiK.=6cmcinfchaft „Kraft durch kreüde
Am Donnerstag, 11. Juli, gastiert das von seiner letzten Tournee in bester Erinnerung stehende Schumanntheater aus Frankfurt a. M mit vollkommen neuem und großem Varietsprogramm im Gießener Stadttheater. Die Preise der Plätze sind sehr niedrig gehalten, so daß es jedem Volksgenossen möglich sein wird, diese Vorstellung zu besuchen. Preise der Plätze sind: 0,60. 1,— 1,30 und 1,50 Reichsmark Karten sind u. a. zu haben im Vorverkauf im Musikhaus C h a l l i e r, Schokoladenhaus 5) u n t e m a n n , auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18, bet Ortswart Pg. Fritz Richter, Feuerbachstraße 10, und bei sämtlichen Betriebswarten der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude"
kdI.-Sonderzüge aus Kassel zum Gauturnfest in Gießen.
Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Gau Kurhessen, hat die Absicht, zu dem vom 2. bis 4. August stattfindenden Gauturnfest einen oder zwei Sonderzüge mit je 800 Teilnehmern , nach Gießen zu fahren. Da diese 800 bis 1600 Teilnehmer nicht alle in Gasthäusern untergebracht werden kör-nen, rechnet man stark mit der Gastfreundlichkeit unserer Gießener Mitbürger, besonders Lerer, die schon an KdF.-Fahrten teilgenommen haben. Wir bitten deshalb darum, die in nächsten Tagen wegen der Quartiere vorsprechenden Volksgenossen nicht abzuweisen und für das große Sportfest das gastliche Haus zu öffnen.
Die Abführung
der Gozialversicherunqsbeiträge.
Das Gaupresseamt der Deutschen Arbeitsfront teilt mit:
Es muß immer wieder festgestellt werden, daß Arbeitgeber ihre Pflichten auf dem Gebiete der Sozialversicherung nicht ernst genug nehmen. Verschiedentlich lassen sie die nötige Sorgfalt beim Abzug der Beitragsteile vom Lohn oder Gehalt vermissen oder lassen sich, besonders wenn sie mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, vielfach verleiten, die Beiträge nicht oder nicht rechtzeitig abzuführen.
Solche Arbeitgeber machen sich strafbar, und es werden neuerdings recht empfindliche Strafen verhängt. Wie aus den letzten Mitteilungen der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte zu entnehmen ist, sind von den zuständigen Gerichten unter Auferlegung der Verfahrenskosten nach § 338 des Angestelltenversicherungsgesetzes ein Arbeitgeber zu 100 RM. Geldstrafe oder 25 Tagen Gefängnis und zwei Arbeitgeber zu insgesamt 90 Tagen Gefängnis rechtskräftig verurteilt worden, weil die Beitragsteile, die den Angestellten vom Gehalt abgezogen wurden, nicht entrichtet haben. Ferner wurde ein Arbeitgeber nach § 337 des Angestelltenversicherungsgesetzes zu 60 RM. Geldstrafe rechtskräftig verurteilt, weil er seinen Beschäftigten vorsätzlich höhere Beitragsteile abgezogen hat, als das Angestelltenversicherungsgesetz zuläßt. Dies möge als Warnung dienen.
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Nach umfangreichen Vorarbeiten, Verhandlungen mit der Reichsbahn nach der Meldung der Teilnehmer des Kreisverbandes Gießen, die sich auf rund 1100 Kameraden belief, Verteilung der Festabzeichen, der Eßkarten und der Quartierkarten, lag fest, daß der Antransport durch zwei Sonderzuge, die für den Kreis Friedberg und Gießen beantragt waren, erfolgen sollte.
Mit erstaunlicher Pünktlichkeit, trotz der alle fünf Minuten ankommenden Sonderzüge, lief der erste sogar zwei Minuten vor der Zeitangabe in Kassel- Wilhelmshöhe ein, mit 350 Kameraden und einigen Frauen aus unserem Kreise. Von Kreisführer Kamerad Bonhard begrüßt und geführt durch einen Amtswalter der Partei, wurde sofort zum Standquartier des Landesverbandes in der Adolf- Hitler-Schule marschiert. Leider lauteten die Quartierkarten fast alle auf Massenquartier, obwohl Bürgerquartier bestellt und bezahlt war.
Die Kasseler Bevölkerung zeigte bald, daß sie sich mit den alten Soldaten volksverbunden fühlte und viele gaben nicht nur teerstehende Betten gerne her, sondern sie gaben ihr eigenes, ja sie boten sich noch nachts um 12 Uhr an und fragten im Zelt auf dem Ständeplah, das als Treffpunkt für den Abend bestimmt war, ob ein Kamerad noch da sei, der noch kein Quartier habe.
So war es möglich, daß fast alle ein Bett fanden. Bei der frohen kameradschaftlichen Stimmung waren aber eine ganze Reihe von Kameraden da, die auf ein Quartier verzichteten. So herrschte auch in den Nachtstunden in Kassel reges Leben und Treiben.
Unterdessen rollte Sonderzug auf Sonderzug an und so kam auch unser zweiter Zug mit 650 Kameraden pünktlich in Wilhelmshöhe an. Kreisführer Kamerad Bonhard war wieder zur Stelle und hatte im Parkschlößchen Kaffee bestellt und für seine schon seit seit teilweise 12 Uhr fahrenden Kameraden gesorgt. Frisch gestärkt ging es zum Antreteplatz in der Kölnischen Straße.
Inzwischen waren auch die 88 Kameraden der Kameradschaft Gießen, die mit dem Auto nach Kassel kamen, in zwei großen Postomnibussen im verabredeten Standquartier bei Wei- dich, einem altbekannten Gießener Wirt, eingetroffen.
Immer mehr Kameraden rückten an, um zum großen Aufmarsch der Karlswiese zuzustreben. Bald gewann das Bild feste Formen. Es bildeten sich die einzelnen Marschblocks. Jeder Kreisverband marschierte zunächst für sich. Vorneweg der Kreis- sührer, gefolgt von den Kameraden. In 12er-Reihen ging es der Karlswiese zu. Die Organisation war glänzend. Die Kameraden selbst staunten darüber und man merkte: hier war ganze Vorarbeit geleistet! Genau so war der Abmarsch. Der Landesverband Hessen war der erste, der das Feld verließ, so hatte auch unser Kreisoerband die Freude, bald an die Reihe zu kommen, er war der letzte des Landesverbandes, der mit tadelloser Richtung und strammem Exzerzierschritt am Bunüesführer vorbei- marschierte. Prachtvolle Bilder konnte man sehen. Rund 20 000 Fahnen flatterten im Winde, darunter allein aus Berlin und Brandenburg 5000, unser Landesverband war mit 3000 und der Kreisverband mit 65 erschienen.
Am Adolf - Hitler - Platz trennte sich dann der Kreisverband, die einen marschierten nach dem Park Schönfeld, etwa 300 Kameraden, um sich an dem reichlichen und sehr guten Essen des Hilfzuges „Bayern" zu stärken, die anderen zogen es vor, sich selbst in den reichlich zur Verfügung stehenden Gaststätten und Zelten zu verpflegen.
Die Kriegerkameradschaft Gießen hatte bei Weid ich für ihre 110 Kameraden Essen bestellt. Trotz Enge und Fülle vollzog sich alles recht rasch.
Nachher strebte der eine zum Quartierwirt, der andere zog es vor, der Wilhelmshöhe und dem Herkules einen Besuch abzustatten. Andere wieder eilten zur Karlswiese, um den Vorführungen der Wehrmacht beizuwohnen.
So war der Nachmittag für jeden nach eigenem Wunsch ausgefüllt. Abends traf man sich im Park Schönfeld zum Feuerwerk.
Der erste Sonderzug am Sonntag ging schon wieder um 22.30 Uhr ab, der andere stand am Montag um 4.30 Uhr bereit. Die Kameradschaft Gießen fuhr mit ihren Autos um 1 Uhr wieder zurück, so daß am Montagmorgen alles wieder zu Hause war, mit Ausnahme derjenigen, die sich mehr vorgenommen hatten und am Montag noch nach dem Kyffhäuser und nach Bad Wildungen mit- fuhren.
Jedem aber, der an diesen Tagen des Reichs- kriegertages teilnehmen durfte, wird der riesige Aufmarsch der 300 000 Kameraden im ganzen Leben in Erinnerung bleiben und mit Dankbarkeit an die schöne gastfreundliche Stadt Kassel und ihre Einwohner denken.
TextilorbeiterjugenderhältmehrUrlaub
Die Gaujugendwaltung Hessen-Nassau der DAF. teilt mit:
Auch in der Textilindustrie wächst das Verständnis für die Notwendigkeit eines ausreichenden Erholungsurlaubs für Unsere schaffende Jugend. Eine Reihe von Betrieben hat in den letzten Wochen Urlaubsregelungen getroffen, die einen höheren Urlaub für ihre junge Gefolgschaft vorsehen. So gewährt nunmehr die Färberei I. A. Andrs G. m. b. H. in Hirschhorn am Neckar ihren Jugendlichen bis zum 17. Lebensjahr 12 Tage, die Verbandstofffabrik Anzag in Frankfurt 18 Tage Urlaub. Die Urlaubsregelung der Tuchfabrik Kumpf AG. in
Erbach , im Odenwald sieht folgende Urlaubszeiten vor: bis zum 15. Lebensjahr 18 Tage, bis zum 17. Lebensjahr 15 Tage und bis zum 18. Lebensjahr 12 Tage. Die Seidenstoffweberei Kampf & Spindler in Nastätten bewilligt Jugendlichen vom 14. bis 15. Lebensjahr 12 Tage, vom 15. bis 16. Lebensjahr 10 Tage und vom 16. bis 17. Lebensjahr 8 Tage
Diesen anerkennenswerten Beweisen sozialer Gesinnung steht jedoch die Tatsache gegenüber, daß über 75 v. H. der Textilbetriebe im Gau Hessen- Nassau ihren Jungarbeitern immer nur noch zwei bis sechs Tage Urlaub zubilligen. Es ist zu hoffen, daß auch diese Betriebe in Kürze dem Ruf der Jugend nach genügender Freizeit Folge leisten werden.
Daten für den II.Julk.
1535: Kurfürst Joachim I. von Brandenburg in Stendal gestorben (1484 geboren): — 1657: König Friedrich I. von Preußen in Königsberg geboren (1715 gestorben): — 1920: Abstimmung in den ost- und westpreußischen Landschaften Masuren, Ma- rienwerden und Marienburg, Der weitaus größte Teil der Bevölkerung bekennt sich zu Deutschland.
Vornotizen
— Tageskalender für Mittwoch r NSG. „Kraft durch Freude : 20 bis 21 Uhr, 21 bis 22 Uhr Schwimmen im Dolksbad: 20 bis 21 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — Lichtspiel- haus, Bahnhofstraße: „Die scharlachrote Blume . — 16 Uhr Kindervorstellung im Caf6 Leib des Zaubermeisters Bellachini: 20.30 Uhr Vorstellung des Zaubermeisters Bellachini im Cafs Leib.
_ Der Zaubermeister Bellachini gibt am heutigen Mittwochnachmittag (für Kinder) und am Abend Gastspiele in unserer Stadt. Eine weitere und letzte Vorstellung findet am morgigen Donnerstag statt. Auf die heutige Anzeige, sei besonders aufmerksam gemacht. *
** Frei- und Dien st marken für Markensammler. Die Deutsche Reichspost verkauft durch die Dersandstelle für Sammlermarken gültige Frei- und Dienstmarken an Markensammler. Auf Wunsch vermittelt die Dersandstelle auch die Beschaffung von E r ft a b st e m p e l u n g e n für Neuausgaben von Postwertzeichen und für Sonderstempel, die bei einer Postanstalt des Reiches aus besonderem Anlaß geführt werden.
** Erhaltet den deutschen W a l d ! Lei- der werden alljährlich Millionen deutschen Dolks- vermögens durch Waldbrände zerstört Es kann daher nicht genügend gewarnt und auf die gesetzlichen Bestimmungen hingewiesen werden. Denn der größte Teil dieser Brände entsteht durch Fahrlässigkeit. Immer wieder muß festgestellt werden, daß ein großer Teil unserer Volksgenossen achtlos und leichtsinnig mit offenem Feuer, z. B. Zigaretten, Streichhölzern, Tabakpfeifen und sonstigen Zündsachen umgeht. Sogar die an jedem öffentlichen Waldweg angebrachten Warnungstafeln werden meist nicht beachtet. Es muß daher mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß das Betreten von Wald mit unverwahrtem Feuer oder Licht, sowie von Moor- und Heideflächen, verboten ist. ferner ist das Rauchen vom 1. März bis zum 31. Oktober im Walde und in gefährlicher Nähe von Wäldern untersagt. Dieses Verbot erstreckt sich auch auf alle öffentlichen Wege und die zur Errichtung von Zelten und sonstigen Lagerstätten freigegebenen Flächen. Die Unsitte, brennende Streichhölzer, Zigarren- oder Zigarettenstummel leichtsinnig fortzuwerfen, kann nicht genug bestraft werden. Denn das find die Hauptentstehungsursachen aller Wald- und Heidebrände. Weiter müssen auch alle Jugend- und Wanderoerbände darauf aufmerksam gemacht werden, daß das Abkochen und Anzünden von Feuern untersagt ist. Auch die Eltern und Erzieher sollten daher ganz besonders ihre Schützlinge warnen, keinerlei Feuerzeug mit in den Wald zu nehmen. Durch Kinderhand wurden oft genug schon aus Dummheit große Brände entfacht. Es muß daher höchste Pflicht eines jeden Volksgenossen sein, sich genau nach den gesetzlichen Bestimmungen zu richten, um dadurch an der Erhaltung unserer Wälder beizutragen.
oer Htevattion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samslagnach-
mittag geschlossen.
Warum verkeimst du mich, Varbara?
Roman von Liane Sanden.
Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
31 Fortieyunq Nachdruck Derbofen!
Ein tiefes Aufatmen der Erlösung ging durch sie. Sie hatte hier den lebendigen Beweis dafür, daß Josef Bannosch die Unwahrheit gesagt. Lächelnd ging sie auf den jungen Mann, zu, der sich nun errötend von Magdalenas Händen löste und sich verbeugte.
„Ich nehme an, Herr Vikar Baumert, der Freund des Hauses Gerwig. Seien Sie mir von Herzen willkommen!"
Der junge Vikar beugte sich Über Barbaras Hand. Magdalena legte ihre heiße Wange an die Barbaras.
„Begreifst du nun, Barbara?" flüsterte sie. Und Barbara streichelte zärtlich den weichen Scheitel Magdalenas.
Dann meinte sie heiter:
„Ich nehme an, Magdalena, du wirst Herrn Bällmert nach vielem aus der Heimat zu fragen haben. Laß nur, Kind! Ich kann gut allein hinaufgehen. Ja, wirklich, ich fühle mich plötzlich sehr frisch, ganz gesund. Ich werde der Mamsell Bescheid geben lassen, daß man Herrn Vikar Baumert das SüÄzimmer gibt. Und wenn ihr Lust habt, trinken wir heute abend eine schöne Erdbeerbowle zur Feier meiner Genesung — und vielleicht ..." Sie lächelte Magdalena übermütig zu: „Vielleicht haben wir noch eine andere Feiert
Sie ging die Treppe hinauf, während Magdalena und Günter Baumert noch unten staräen. Leise sagte Günter Baumert:
„Fräulein Magdalena, was meinte Frau von Stechow? Sollte sie vielleicht mit der Feier meinen, daß ..."
Er streckte-die Arme aus, Magdalena sank hinein. In einem zärtlichen Kuß sagten sie sich alles, was sie sich bisher noch nicht anvertraut hatten.
Der alte Diener Franz wollte gerade mit den Briefschaften für Barbara durch die Halle kommen. Da prallte er erschrocken zurück und schlich ganz behutsam davon. Er hätte jetzt sicherlich da unten in der Halle erheblich gestört.
Barbara saß oben in ihrem Zimmer. Tiefes Glück strömte durch ryr Herz.
Sie sah auf die Uhr. Es war elf Uhr. Noch wenige Stunden — dann würde Eckehard mit der Arbeit fertig fein. Dann würde er zu ihr kommen — dann würde alles gut fein.
Sie klingelte zweimal. Das war das Zeichen für den Diener Franz. Bald erschien er auch.
„Franz, sagen Sie der Mamsell, daß mir einen Gast haben. Das Südzimmer möchte zurechtgemacht werden. Die Mamsell möchte von den Erdbeeren zwei Pfund von den allerschönsten zurückhalten. Es gibt heute abend eine Bowle!"
„Das habe ich .mir gedacht, gnädigste Frau!" sagte er. Und dann wurde er rot Es schickte sich
nicht für einen geschulten Diener, etwas zu wissen, ehe die Herrschaft es ihm gesagt hatte.
35. Kapitel.
Eckehard von Mackenroth war mitten in der Ve- aufsichtigungsarbeit draußen auf den Feldern. Da kam auf einem Gaul Emil Perschke herangaloppiert.
„Na, Emil, wo brennt's denn?" fragte Eckehard gutgelaunt.
Aber Emil, der sonst zu jedem Spaß aufgelegt war, hatte ein sorgenvolles Gesicht:
„Herr Inspektor, Sie möchten mal gleich auf den Hof zurückkommen. Man hat mich geschickt, Ihnen das zu sagen."
„Jetzt mitten aus der Arbeit heraus? Wer hat denn die Anweisung gegeben?"
Emil sah sich scheu um:
„Es ist nicht ganz geheuer, Herr. Aus der Stadt sind ein paar Herren gekommen. Ich kenne den einen. Es ist der Polizeidirektor — und der Gendarm, der neulich hier war und uns alle vernommen hat, der ist auch dabei. Ick) weiß nicht, ich habe so ein unheimliches Gefühl."
„Dummer Junge, warum denn unheimlich?" Wahrscheinlich hat man auch ohne unser Zutun nun endlich etwas Näheres über die verfluchten Kerle erfahren, die uns das beste Vieh kaputtmachen. Na, dann wollen wir mal! Aufseher!" rief er einen hochgewachsenen, braungebrannten Mann heran, der eine Kolonne von zehn Knechten beaufsichtigte, „Sie übernehmen die Aufsicht hier über die ganze Geschichte. Ich muß zurück aufs Gut. Ich denke, ich bin in einer Stunde wieder da. Morgen, Leute — fleißig weitermachen!"
Er legte die Hand an die Mütze und ritt, von Emil gefolgt, dem Gute zu.
Schon von weitem sah er am Gutstor etwas aufblitzen. Näherreitend, erkannte er die Helmfpitze des Gendarmen.
„Morgen, Herr Gendarm", sagte Eckehard. Der legte knapp salutierend die Hand an den Helm:
„Sie möchten bitte in das Rentmeisterzimmer kommen, Herr von Mackenroth. Sie werden dort erwartet."
Mackenroth ritt in den Hof hinein und sprang ab.
„Na, na, dann nimm man den Gaul gleich mit, Emil. R^ib ihn ordentlich ab!"
Mackenroth ging über den Hof zu dem Rent- meifterzimmer. Schön kühl war es hier in dem Korridor mit den Steinfußböden. Er klopfte an und trat ins Zimmer:
„Guten Tag, meine Herren!" sagte er unbefangen und blickte auf die Versammlung, die er hier vorfand.
Es war der Polizeidirektor mit einem Kommissar und einem Schreiber. Sie saßen an dem großen Tisch der Rentmeisterei: Aktenbogen, Schreibzeug war vor ihnen ausgebreitet. An der anderen Wand saßen ein paar von den Angestellten. Dor ihnen saß Oberinspektor Rockesch.
Ein eisiges Schweigen war im Zimmer, als Eckehard jetzt mit unbefangenem Gruß hereingetreten war. Er stutzte. Was waren denn das für Mienen? Wie sah man ihn denn an? In den grauen Augen des Polizeidirektors lag etwas Lauerndes. Sofort straffte sich alles in Eckehard. Er fühlle die Feindlichkeit der Atmosphäre um sich
herum. Sofort wachte der eisige Hochmut in ihm auf.
„Bitte, warum hat man mich hergerufen, Herr Polizeidirektor?" fragte er knapp und stellte sich steif vor den Beamten hin. Der ließ feine Augen nicht von Eckehard. Sehr langsam, betont, sagte er:
„Herr von Mackenroth, können Sie mir eine Erklärung dafür geben, wieso gerade heute nacht in die Rentamtskasse eingebrochen worden ist?"
„Was wollen Sie mit diesen Worten sagen? Ich weih von keinem Einbruch."
„Also Sie wissen nicht. Merkwürdig — sehr merkwürdig!"
Eckehard ballte die Faust:
„Wollen Sie damit behaupten, daß dieser Einbruch, von dem ich soeben erst höre, irgendwie etwas mit meiner Person zu tun hat?"
Der Polizeidirektor lächelte höhnisch:
„Allerdings will ich das behaupten."
Ein gurgelnder Laut kam von Eckehards Lippen. Sinnlose Wut brannte in ihm auf. Mit geballten Fäusten warf er sich dem Polizeidirektor entgegen. Aber schon waren von hinten zwei Gendarmen zugesprungen, hatten ihn rückwärts gerissen.
Ehe er noch so recht begriff, was geschah, fühlte er etwas Kaltes um seine Hände. Ein leises Schnappen klang durch die atemlose Stille. Er war gefesselt.
„Was bedeutet das?" fragte er heiser. Die Stimme gehorchte ihm nicht mehr.
„Das bedeutet, daß wir Sie in dringendem Verdacht haben, den Diebstahl in der Kasse begangen zu haben, Herr Inspektor von Mackenroth."
Eckehard stöhnte auf wie ein verwundetes Tier.
„Das ist eine Lüge — eine niederträchtige Lüge!" Er zitterte am ganzen Körper. Schweißtropfen perlen ihm auf der Stirn. „Das können Sie niemals beweisen."
„Das werden wir ja sehen!" Wieder kam die messerscharfe Stimme des Beamten. „Wir stellen zunächst nur das eine fest: es find heute nacht in der Kaffe fünfzigtausend Kronen gestohlen worden. Sie sind heute nacht spät noch auf dem Hofe gewesen. Herr Oberinspektor Rockesch hat zu Protokoll gegeben, daß er heute den Knecht Emil frühmorgens getroffen hätte, der mit einem Wertbrief von Ihnen zur Post unterwegs war. Der Wertbrief ist beschlagnahmt worden. Man hat fünfzigtausend Kronen darin gefunden. Weiter weiß man, daß Sie erhebliche Schulden hatten. Der Verdacht liegt also nahe."
Eckehard taumelte. Der Gendarm schob ihm einen Stuhl hin. Er fiel auf den Sitz wie gefällt.
„Das ist alles nicht wahr", sagte er heiser. „Ich kann es sehr leicht beweisen. Das Geld habe ich in der Lotterie gewonnen. Man muß den Lotteriekollekteur aus der Kreisstadt herbeirufen. Der wird es bezeugen."
Der Protokollführer machte eine Notiz. Der Pouzeidirektor sagte:
„Schön, man wird es nachprüfen. Aber nun zu etwas anderem. Es wird weiter behauptet, daß Sie ein Interesse daran hatten, den Viehbestand des Gutes nchedlowitz zu Dezimieren. Was haben Sie dazu zu sagen?"
Jetzt lachte Eckehard auf — es war ein gellendes Lachen der Verzweiflung.
„Wozu sollte ich das tun? Vielleicht auch, um meine Schulden zu bezahlen, Herr Polizeidirektor?"
Der sah ihn böse an:
„Ich würde den Hohn an Ihrer Stelle jetzt lassen, Herr von Mackenroiy. Es rann ja noch andere Gründe geben, aus denen man auf einem solchen Gute Unruhe stiften will. Vielleicht wollten Sie der Gutsherrin damit beweisen, daß es hohe Zeit wäre, das Gut hier jemand anderem anzuvertrauen. Haben Sie nicht Absichten auf die Hand der Gutsherrin hier gehabt?"
Eckehard wurde dunkelrot. Dann ganz bleich. Das war zuviel. Diese infame Frage war eine Unverschämtheit. Sollte er hier seine Liebe zu Barbara bekennen? Vor diesen Menschen?
„Auf Ihre Frage verweigere ich die Antwort, Herr Polizewirektor."
Der Protokollführer diktierte. Die Stimme des Polizeidirektors verlor nicht ihre hämische Feindseligkeit:
„Weil Sie nichts darauf zu erwidern wissen, Herr von Mackenroth. Wie kommt es denn, daß Sie die Interessen Ihrer Gutsherrin so wenig gewahrt haben? Warum haben Sie denn bei der Vernehmung hier durch den Kommissar nichts erwähnt von dem Fund, den Sie im Pferdestall gemacht haben wollen — von der Tüte mit dem Gilt? Hier hilft Ihnen kein Leugnen, Herr von Mackenroth. Ich habe mit eigenen Ohren gehört, wie der Tierarzt Doktor Wenczliczek Sie befragte. Herr Doktor Wenczliczek ist bereits in der Stadt amtlich vernommen worden. (Er hat unter Eid ausgesagt, daß er diese Tüte bei Ihnen gesehen hätte. Sie hätten behauptet, sie im Pferdestall gefunden zu haben. Das war doch das Wichtigste, was Sie hätten zu Protokoll geben müssen, Herr von Mackenroth. Aber Sie haben es nicht getan. Und warum? Weil Sie gar nicht wünschten, daß die Untersuchung nach dem wahren Täter so eingehend geführt würde. Das hätte Ihnen nämlich verdammt unangenehm werden können. Wollen Sie nun an« geben, wo Sie diese Tüte mit .dem Gift haben. Ich möchte sie sehen."
Eckehard schwieg einen Augenblick. Eine hoffnungslose Müdigkeit überkam ihn. Dies alles hier war ein so "raffiniert angelegtes Netz, daß er nicht wußte, wie er sich daraus befreien sollte. Er konnte doch diesen Leuten hier nicht erzählen, auf wen er einen Verdacht und warum er über diesen wichtigen Fund geschwiegen hatte. Dumpf sagte er:
„Die Tüte ist aus meinem Schreibtisch gestohlen worden."
Der Polizeidirektor lachte auf:
„Aha, gestohlen! Und von wem? Vermutlich von dem großen Unbekannten, den alle Verbrecher bemühen, um ihre Unschuld zu beweisen."
„Ich verbitte mir diese Bezeichnung, Herr Polizeidirektor. Ich werde zwar verhört, aber ich bin noch nicht überführt."
„Das wird noch kommen, Herr von Mackenroth! Wir werden jetzt in Ihrer Gegenwart den Knecht Emil vernehmen und dann eine Besprechung mit Frau von Stechow haben."
Eckehard schloß die Augen. Das war zuviel. Barbara hineingezogen in diese Sache? Er vor Barbara in diesem schrecklichen Verdacht? Hätte er nur die Hände frei. Hätte er nur entfliehen können. Zu Hause im Schreibtisch lag der Revolver. Alles war besser: Ein Ende zu machen, als vor Barbara entehrt dazustehen. (Schluß folgt.)


