Ausgabe 
10.7.1935
 
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Hauptschristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil i. V.: H. L. Neuner. Anzeigenletter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VI. 35: 10150. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig.

Die Möglichkeiten für eine europäische Klottenvereinbarung.

MrdFrankreichzuVerhandlungenbereitsein.-Erörterungenderenglischenpreffe

1934 (Reichsgesetzblatt I S. 1269) zu erstatten ist. In dem Erlaß wird besonders heroorgehoben, daß auch die Aufforderung, die unter das Ge­setz fallenden Personen sollten den gesetzlichen Ge­boten im Verfahren auf Unfruchtbarmachung nicht freiwillig nachkommen, vielmehr nur dem unmittelbaren polizeilichen Zwange wei­chen, als eine Hetze gegen das Gesetz an­zusehen ist.

In diesem Zusammenhang weist der Reichs- und Preußische Minister des Inneren darauf hin, daß das für alle geltende Gesetz zur Verhütung erb­kranken Nachwuchses auch nach den Bestim­mungen des Konkordats von jedem deutschen Katholiken zu beachten ist.

llnglaubliche Verleumdung der SA.

Recklinghausen, 9.Juli (DNB.) Am Diens- taa, 6. Juni, fanden Kirchenbesucher in der Pfarrkirche zu Borken i. W. in der Kreuz­kapelle einen Beicht st uhl und einen Altar brennend vor. Man alarmierte sofort den an der Kirche wohnenden Küster, dem es ge­lang, den Brand im Keime zu ersticken. Bei näherer Besichtigung fand man außerdem, daß ein Altar und die Oelbergkapelle in nicht wiederzugebender Weise beschmutzt worden waren.

Unmittelbar nach der Tat faßte in der Bevölke­rung das Gerücht Fuß, daß als Täter nur A n - gehörige der SA. - Schule Vehlen in Frage kommen könnten. Es meldeten sich sogar Zeugen, die gesehen haben wollen, daß SA.-Männer um die Tatzeit die Kirche besucht hätten. Es wurde aber bald festgestellt, daß diese unbegründeten und verleumderischen Gerüchte bewegungsfeind­lichen Kreisen entsprangen. Nach weite­ren eingehenden Ermittlungen der Staatspolizei­stelle gelang es, als Täter den 37jährigen Mensing aus Borken-Stadt zu er- Mitteln und fest zunehmen. Mensing, der zu den häufigsten Kirchenbesuchern gehört und Mit- alied des Cäcilien-Vereins ist, also deshalb unauf­fällig die Kirche besuchen konnte, hat am Sonntag, 7. Juli, nach anfänglichem hartnäckigen Leugnen eingeftanben, die Brandstiftung und Beschmut­zung begangen zu haben. Die ruchlose Tat, die in weiten Kreisen des Münsterlandes berech­tigtes Aufsehen und Empörung hervorgerufen hatte, hat somit ihre Aufklärung gefunden. Interessant und bemerkenswert erscheint noch die Tatsache, daß der Täter sich von einer befreundeten Familie ein Alibi besorgt hatte, das jedoch dem Ermittlungsergebnis nicht standhielt. Der Täter befindet sich im Polizeigefängnis Recklinghausen. Er wird dem zuständigen. Amtsgericht zum Erlaß eines Haftbefehls vorgeführt.

Gymnasialdirektor in Schutzhast genommen.

Opladen, 9. Juli (DNB.) In einer Massen­kundgebung am Montagabend gab der Redner, Pfarrer a. D. Münchrneyer, u. a. Kenntnis von einem Schreiben des Direktors des Erzbischöf­lichen Gymnasiums des Opladener Aloysianums, wonach auf Anordnung des erzbischöf- lichen Generalvikariats in Köln den Zöglingen des Aloysianums, die zum großen Teil der HI. angehören, es nicht g e ft a t t e t roetbe, an der Münchmeyer-Kundgebung teilzuneh­men. Diese Mitteilung löste bei den Versammlungs- befucbern größte Empörung aus. Im Anschluß an die Kundgebung zogen über 1000 Versammlungs­teilnehmer z u nt Ä l o y s i a n u m. Zum eigenen Schutz wurde Direktor Dr. Neuenhäuser durch die Ortspolizei in S ch u tz h a f t genommen.

Reichsschultagung der deutschen Erziehungsakademie. München, 9. Juli (DNB.) Die Deutsche Erziehungsakademie in München hat die Lehrer aller Schulgattungen aus dem ganzen Reich zu einer Schultagung in München vom 19. bi s 26. Juli aufgerufen. Die Tagung wird ausschließlich der gründlichen Erörterung eines der wichtigsten Probleme im neuen Reich gewidmet sein: der Neuformung des deutschen Bil­dung s g u t e s. In der Erkenntnis, daß Natio­nalsozialismus nicht allein Wissen und auch nicht allein Gefühl und Wille ist, sondern die körper­lich-seelische Haltung eines ganzen Volkes, bildet die n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e Haltung" den Ausgangspunkt. Es folgt dann die Anwendung der grundlegenden Erkenntnisse auf alle wesentlichen Erziehungsgebiete. Die Tagung gewinnt ihre be­sondere Bedeutung durch die Gewinnung der be­deutendsten Persönlichkeiten des deutschen Erzie­hungswesens als Vortragende. An die Hauptoor- träge wird sich eine planmäßige Aussprache an­schließen.

Deutscher Gruß auch bei fremden Nationalhymnen. Berlin, 9. Juli. (DNB.) Amtlich wird mit- aeteilt: Ißenp bei öffentlichen Veranstaltungen im Anschluß an das Deutschlandlied und das Horst- Wessel-Lied eine fremde Nationalhymne gespielt wird, so sollen deutsche Reichsangehörige ebenso wie dem Deutschlandlied und dem Horst- Wessel-Lied auch der fremden Nationalhymne den deutschen Gruß erweisen, und zwar die nichtuniformierten Teilnehmer unter Abnehmen der Kopfbedeckung.

Die Kriegsmarine dankt dem NGDIB. (Stahlhelm). Berlin, 8. Juli. (Fkp.) Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine übersandte dem NS. Deutschen Frontkämpfer-Bund (Stahlhelm) 11 Flaggen als Ersatz für die der Kriegsmarine zurückgege- benen geschichtlich wertvollen Kriegs­flaggen, die im Stahlhelm als Ortsgruppen­fahnen durch die Zeiten deutscher Schmach hindurch gerettet und in Ehren gehalten worden waren. Diese Ersatzflaggen werden den Ortsgruppen, die die historisch wertvollen Kriegsflaggen zurückgegeben haben, -zusammen mit einer vom Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Admiral Dr. h. c. Raeder, ausgestellten Urkunde zugestellt, in der es heißt: Der Nationalsozialistische Deutsche Frontkämpfer- Bund (Stahlhelm), Ortsgruppe.......... hat die

Kriegsflage ......... in den Jahren der Schmach

des deutschen Volkes ehrenvoll bewahrt und sie der Kriegsmarine wieder zur Verfügung gestellt. Diese Flagge ist am 31. Mai 1935, dem Jahrestag der Seeschlacht vor hem Skagerrak, in Kiel m i t dem Eyrenkreuz f ü r ' F r o n t k ä m p f e r geschmückt worden. Als Ersatz für die Kriegs­flagge überreiche ich der Ortsgruppe ........

des Nationalsozialistischen Deutschen Frontkämpfer- Bundes (Stahlhelm) die beiliegende Flagge"

London, 10. Juli. (DNB. Funkspruch.) Das neue deutsche Flottenbauprogramm wird in der Presse angelegentlich erörtert. Der Marinemitarbei­ter desDaily Telegraph" sagt, in britischen Marinekreisen glaube man, daß d i e beiden neuen deutschen Schlachtschiffe den britischen SchlachtkreuzernRenown" undRe- pulse" gewachsen sein würden, die zwar mehrere tausend Tonnen größer seien, aber an Alters­schwäche litten. Man vermute, daß die 26 000 Tonnen Panzerschiffe im Herbst 1937 fertig sein würden. Großbritannien könne auf Grund der be­stehenden Verträge vor Januar 1937 keine neuen Großkampfschiffe auf Stapel legen. Allerdings würde es die Möglichkeit haben, die sogenannte Gleitklausel des Londoner Vertrages zur Anwendung zu bringen. Das in Frankreich erhobene Geschrei sei ungerechtfertigt. Frank­reich werde auch nach Durchführung des deutschen Programms eine ungeheure Ueberlegen- heit zur See haben.

M a n ch e st e r Guardian" erklärt, die große Zahl von Unterseebooten sei nicht so ernst, wie es im ersten Augenblick scheine. Sie seien klein und 3ur Küstenverteidigung bestimmt. Tatsächlich belaufe sich das deutsche Programm in Untersee­booten auf insgesamt nur 9 000 Tonnen, während Frankreich gegenwärtig e-ine zehnmal so große Gesamttonnage habe.

Time s" schreibt, daß die Veröffentlichung des deutschen Flottenbauprogramms für 1935 in Eng­land und Frankreich einige der Bedenken neu be­lebt habe, mit denen das englisch-deutsche Flotten­abkommen ausgenommen worden sei. Die wahre Lehre des deutsch-englischen Abkommens sei jedoch die, daß es der deutschen Bautätigkeit eine f e ft e, bauernbeunb maßvolle Grenze gesetzt habe. Es wäre ben Deutschen möglich gewesen, ins­geheim weiter zu bauen, bis sie eine Flotte ge­schaffen hätten, bie gewaltiger gewesen wäre, als bie Flotte, bie es jetzt jemals besitzen könne. In britischen Augen sei eines der größten Verdienste des Vertrages sein Wert als Ausgangspunkt für weitere ähnliche Abmachungen. Das Verhältnissystem der Flottenverträge fei zu­sammengebrochen.

Das englisch - deutsche Abkommen liefere eine Grundlage für die Bekanntgabe von Baupro­grammen für eine Reihe von Jahren. Ber-

London, 9. Juli. Die Arbeiteroppo­sition brachte im Unterhaus folgenden Miß­trauensantrag gegen die Regierung Bald­win ein:Das Unterhaus bedauert, daß es der Regierung nicht gelungen ist, einen durch ge­arbeiteten Plan zur Bekämpfung der Ar­beitslosigkeit hervorzubringen und das Problem der notleidenden Gebiete erfolgreich anzupacken." Der Abgeordnete Greenwood, der den Mißtrauens­antrag begründete, schilderte die Lage der eng­lischen Arbeitslosen in den schwärzesten Farben, die Zahl von 2 Millionen Arbeitslosen in Eng­land sei immer noch viel zu hoch. Die Zahl der unter das Armengesetz fallenden Personen habe sich sogar während der Amtszeit der National­regierung von 950 000 auf 1 620 000 erhöht.

Ministerpräsident Baldwin erwiderte, daß Greenwood die Lage völlig einseitig dargestellt habe. Die Arbeitslosigkeit sei seit dem Amts­antritt der Nationalregierung um 1 Million fjcr» untergegangen; seit dem letzten Mißtrauensantrag seien 308 000 Menschen mehr beschäftigt. Die un­gefestigte Lage in allen Ländern fei auf inter­nationale Ursachen zurückzuführen, auf Währungs­fragen und hundert andere Ursachen. Große Aus­gaben für öffentliche Arbeiten seien nach Ansicht der englischen Regierung nur gerechtfertigt.

Berlin, 8. Juli. (DNB.) Die Zeitschrift des Reichsverbandes der Ortskrankenkassen e. V.Die Ortskrankenkasse" bringt einen Artikel des Reichs­kommissars für Preisüberwachung Dr. Goerde - l e r, in dem es u. a. heißt:

Eine der wesentlichsten Aufgaben der Preisüber­wachung ist, dafür zu sorgen, daß sich das Ver­hältnis zwischen Einkommen und Preisen nicht zum Nachteil des Kaufenden ver­schiebt. Es handelt sich nicht mehr nur um den Schutz des Verbrauchers gegen Steigerung der Kosten der Lebenshaltung, sondern es handelt sich darum, in der ganzen deutschen Wirtschaft das Verhältnis der Preise zur Gegenleistung sich nicht weiter in der Richtung verschieben zu lassen, daß die Gegenleistung immer höher wird.

Daß die Krankenkassenbeiträge über den Stand vom Jahre 1933 hinaus erhöht werden, kommt überhaupt nicht in Betracht. Denn diese Erhöhung würde zu zwei Dritteln von den Mitgliedern, zu einem Drittel von den Arbeitgebern (Betrieben) getragen werden. Dem Arbeiter entzieht die Erhöhung der Beiträge einen Teil seiner für andere Lebensbedürfnisse bestimmten und bisher ver­wandten Kaufkraft. Diese Verringerung der Kauf­kraft wäre unerträglich und schädlich, weil im all­gemeinen die Löhne zu schmal sind. Sie würde nicht nur den Einzelnen schwer belasten, sondern ie würde auch ganz außerordentliche Verschiebun­gen zur Folge haben. Bei den Riesensummen der versicherungspflichtigen Gehälter und Löhne, die mit ungefähr 20 Milliarden Mark für das Deutsche Reich anzunehmen sind, bedeutet 0,5 v. H. schon 100 Millionen Mark, so daß auf feiten der Arbeit­nehmer 66,67 Millionen Mark dem sonstigen Ver­brauch entzogen werden.

Die Beitragserhöhung, die den Betriebs­führer unmittelbar in seinem Drittel be­lastet, kann ebenfalls volkswirtschaftlich jetzt nicht geduldet werden. Auf den Betrieben ruhen gerade jetzt, wo es notwendig ist, den Export zu steigern, erhöhte Lasten. Diese Lasten zwingen die Betriebe bereits, daran zu denken, die Verzinsung des in

Handlungen zwischen Großbritan­nien und Deut sch la nd würden jehl eröff­net, um Bauprogrammeim voraus für die nächsten sechs oder sieben Jahre herzustellen. Um dieses gute Werk der Allgemeinheit sichtbar zu machen, sei es natür­lich unbedingt notwendig, daß andere Län­dereineähnliche Bereitschaftzeig- t e n, ihre Programme im voraus zu erklären. Die britische Regierung habe deshalb d 1 e französische Regierung sondiert'. Das deutsche Bauprogramm 1934/35 sei allen Signatarmächten des Washingtoner Flotten­vertrages mitgeteitt worden. Das darauf­folgende Programm habe aber die deutsche Ad­miralität nur der britischen Regierung be­kanntgegeben, die ihr eigenes vorläufiges Pro­gramm Deutschland ebenfalls mitgeteitt habe. Rach dem in London zwischen Herrn von Rib­bentrop und den britischen Unterhändlern er­reichten Einvernehmen werde der Austausch künftiger Programme nur auf der Grundlage der Gegenseitigkeit er­folgen. Es stehe Frankreich daher vollkommen frei, die deutschen Baupläne bis 1942 kennen­zulernen, wenn es zu Mitteilungen sei­ner eigenen Absichten bereit sei. Bisher scheine die französische Regierung hier­zu leider nicht bereit zu sein, daher würden Besprechungen mit der französischen Regierung keinen Zweck haben.

Es fei dringend zu hoffen, daß die französische Regierung den Vorteil erkennen werde, den eine freimütige und ausführliche Erklärung der fünf» tigen Flottenstärken für Frankreich selbst und für Europa haben würde. Die jetzige Lage gebe Frankreich eine Ueberlegenheit von 43 v. H. über die deutsche Flotte. Dieses Verhält­nis könne Frankreich natürlich zeitweilig umstoßen, aber es sei schwer zu sehen, wie ein besseres Ein­vernehmen gefunden werden könne. Auf jeden Fall sei es wünschenswert, daß allerseits der äußerste Freimut bewiesen werde, und daß die Seemächte Europas eine entgegenkommende Gei­stesverfassung zeigten, im Sinne eines vereinbar­ten Bauens und nicht eines Gegeneinanderbauens.

wenn sie der Industrie einen genügen­den Antrieb geben, um das Land entspre­chend zu entlasten, und wenn das entsprechende Arbeitsoolumen auch nach Einstellung der Aus­gaben erhalten bleibt. Die Regierung hoffe, durch den Londoner Elektrifizierungsplan und durch die Aufrüstung der englischen Luftflotte auch für Arbeitslose dieser Gebiete Beschäftigung zu finden.

Der Mißtrauensantrag der Arbeiterpartei wurde mit 450 gegen 76 Stimmen abgelehnt. Dies ist eine der größten Mehrheiten, die die Regierung je erzielt hat. Gemeinsam mit den Samuel-Liberalen stimmte auch Lloyd George. Er hatte wäh­rend der Sitzung an Baldwin einen Brief geschrieben, in dem er sagt, er fasse die Rede des Ministerpräsidenten als eine Verwerfung seines (Lloyd George) wirtschaftlichen und finan­ziellen Reformplanes auf, und ersuche dayer um Entbindung von seinem Versprechen, die Vor­schläge nicht bekanntzugeben, bevor die Kritik der Regierung darüber zur Veröffentlichung fertig sei. Baldwin versprach Lloyd George, die Angelegenheit heute dem Kabinett vorzulegen. Falls das Ka­binett einverstanden ist, will Lloyd George seinen Plan Ende dieser Woche der Oeffentlichkeit vor­legen.

ihnen arbeitenden Kapitals zu verringern. Geschieht das, so wird dieses Kapital selbstverständlich vor­übergehend entwertet. Jeder, der solches Kapital be­sitzt, erleidet Verlust, aber nicht nur er, sondern d i e Gesamtheit. Denn die Steuern sinken entspre­chend und mit der Verringerung der Zinsen werden wieder Verbrauchs- und damit Absatz- und Arbeits­möglichkeiten verengt.

Wenn eine Krankenkasse ihre bisherigen Aus­gaben nicht deckt, so muß sie d ie Ausgaben verringern, genau so, wie die öffentliche Ver­waltung jetzt nicht etwa die Steuern erhöhen kann, sondern ihre Ausgaben einstellen muß, wenn sie ihren Haushalt nicht im Gleichgewicht hat. Dem ist zuerst Rechnung zu tragen durch Verringe­rung der Verwaltungskosten. Zur Ver­fügung steht ferner die Möglichkeit einer Ver­ringerung v an Leistungen, Und wenn alle diese Maßnahmen allein nichts nützen, dann werden auch die Vertragspartner der Krankenkassen einer solchen Lage Rechnung tragen müssen. Die Preisüberwachung wird alles tun, um die Krankenkassen vor einer Steigerung der Ausgaben, herrührend aus Preiserhöhung, zu bewahren. Das kann die Preisüberwachung ins­besondere dadurch, daß sie die Krankenkassen vor Erhöhung ihrer sachlichen Derwaltungskosten und vor Erhöhung von Preisen der Arznei- und Heil­mittel sowie der Krankenhauspflege schützt.

Umfangreiche Fahrzeugbauten der Reichsbahn.

Berlin, 9. Juli. (DNB.) Das' vom Verwal­tungsrat der Reichsbahn genehmigte Fahrzeugbau­programm für das erste Halbjahr 1936 sieht die Beschaffung von 2200 Fahrzeugen aller Art vor. 86 Dampflokomotiven für Schnell­zugs- und Nebenbahndienste, 27 elektrische Lokomo­tiven für das umfangreich gewordene elektrifizierte Netz und 48 Kleinlokomotiven für den Verschiebe- dienst auf kleinen Bahnhöfen sollen den Lo k o - motivbestand ergänzen. Von den 53 Trieb-

und Beiwagen für elektrifizierte Strecken sind 48 Wagen als Vermehrung für die Berliner 5-Bahn bestimmt. Zum weiteren Ausbau des Trieb« wagendienstes werden 106 Triebwagen und Bei« wagen mit eigener Kraftquelle der ver. schiedensten Bauart beschafft. Der Personen- wagenpark soll durch 268 V-Zugwagen und 142 sonstige Personenwagen, der Güterwagenpark durch 849 Güterwagen verschiedener Gattungen er- gänzt werden. Ferner werden 60 Gepäckwagen für O-Züge und 9 Bahndienstwagen in Auftrag gegeben. Der Bestand an Straßenkraft- sahrzeugen soll sowohl durch Personenwagen für den Verkehr auf den Reichsautobahnen wie durch Lastkraftwagen mit Anhängern, ferner durch Straßenfahrzeuge zur Güterwagenbeförderung nebst 10 Schleppern vermehrt werden.

Aus aller Wett.

Ein Ehrenmeister des deutschen Handwerks gestorben.

In Köln-Kalk starb im Alter von 87 Jahren der Ehrenmeister des deutschen Hand­werks Ferdinand L a m e r tz, der über 20 Jahre den deutschen Fleischerverband geleitet hat. Vor zwei Jahren hatte ihn der deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag zum Ehrenmeister des deutschen Handwerks ernannt. Diese Würde war bis dahin außer dem Reichspräsidenten General­feldmarschall von Hindenburg nur drei Hand­werksführern zuteil geworden.

Graf Zeppelin" wieder in der Heimat.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" kehrte am Dienstag von seiner 7. diesjährigen Südamerika­fahrt mit 23 Fahrgästen an Bord nach Friedrichs­hafen zurück. Durch die Zusammenarbeit zwischen Luftschiff und Flugzeug ist die Reisezeit zwischen Europa und Südamerika wieder verkürzt worden, und zwar derart, daß die Fahrgäste des Luftschiffes fast mit der gleichen Geschwindigkeit reisen wie ein durch den deutschen Luftpostdienst zwischen Europa und Südamerika beförderter Brief.

Die Grohglocknerspihe zum Raturschuhgebiet erklärt.

Auf Grund einer Verordnung der Kärtner Landesregierung wurde der Grundbesitz des Deut­schen und Österreichischen Alpenvereins am Groß­glockner, die Großglocknerspitze, den größ­ten Ostalpengletscker, die Pasterze und die sog. Dampfgrube umfassend, zum Naturschutz­gebiet erklärt. Die Pläne, die im Anschluß an die Fertigstellung der Großglocknerstraße gefaßt wurden, eine Seilbahn auf den Großglocknergipfel zu errichten, dürften durch dieses Gesetz erledigt sein. Zwei Bergsteiger in den Berchtesgadener Bergen vermißt.

Nach einer Mitteilung der Alpinen Rettungsstelle Berchtesgaden sind seit Dem 2. Juli zwei Bergsteiger im Gebiet des Hochkalter abgängig. Bis jetzt sind die Suchmannschaften erfolglos zurückgekehrt. Soweit festgestellt werden konnte, handelt es sich bei einem der Vermißten um den 20 Jahre alten Tischler Friedrich Goldhammer aus Dresden. Der Name feines Begleiters ist noch nicht ermittelt. Die beiden sind von der Blaueishütte, wo sie einen Rucksack hinterlassen haben, zu einer Tour über das Blaueis weggegangen und nicht mehr zurück- gekehrt. An der Randkluft des Blaueis-Gletschers wurde außerdem ein Rucksack und ein Eispickel gefunden.

Lin Ehepaar in den Bergen tödlich verunglückt.

Das seit dem 30. Juni vermißte Ehepaar Kurt und Maria Ruprecht aus Chemnitz ist jetzt tot aufgefunden worden. Ein Reichenhaller Berg­steiger, der die Goell-Westwand durchklettern wollte, fand die Leichen der beiden in der Nähe des Goell» Trichters. Wie das Ehepaar ums Laben gekommen ist, konnte noch nicht ermittelt werden, fest steht nur, daß es am 30. Juni über das Alpetal zum Goell-Gipfel aufgestiegen ist und diesen auch erreicht hat.

Den Schwiegersohn niedergeschossen. Selbstmord des Täters.

Auf dem Grundstück der Baumschule ßorberg in Biesenthal (Brandenburg) ereignete sich eine schwere Bluttat. Der 62jährige Adolf Steffen schoß auf seinen 31jährigen Schwiegersohn Heinz Lor, berg, den Mitinhaber der Baumschule. Steffen brachte sich dann einen Kopfschuß bei, an dessen Folgen er bald darauf v erstarb, ßorberg hat einen schweren Halsschuß erhalten. Der Grund zur Tat dürfte in oermögensrechtlichen Auseinander­setzungen zu suchen sein.

Hinrichtung eines Mörders.

In Osnabrück wurde der 1912 geborene Adolf ß o o f e hingerichtet, der am 22. März 1935 vom Schwurgericht in Osnabrück wegen Mordes und Notzucht zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt wor­den war. ßoose hat am 4. Februar 1935 die neun­jährige Tochter seines Arbeitgebers, die er seit län­gerer Zeit fortgesetzt mißbraucht und schon einmal zu töten versucht hatte, auf dem Schulwege über­fallen, gewürgt, die Bewußtlose genotzüchtigt und dann erdrosselt.

Festnahme eines Mörders.

Durch die Polizeiverwaltung Göttingen wurde jetzt der Mörder des Schlossers Ranft, Paul D i t t r i ch, festgenommen. Dittrich hatte am 1. Juli in Halle Ranft, seinen eigenen Schwager, auf offener Straße niedergeschossen.

KreuzerDubrownik" gegen Haifische eingesetzt.

Im Hafen von Fiume sind auf südslawischem Ge­biet zwei junge Männer verschwunden, die mit einem Faltboot auf das Meer hinausgefahren waren. Sie hatten die Absicht, nur eine Stunde auszubleiben, sind aber nicht mehr zurückgekehrt. Man befürchtet, daß sie den Haifischen zum Opfer gefallen sind, die schon seit einiger Zeit die dortigen Gewässer unsicher machen und erst vor kurzem ein Mädchen beim Baden ange­griffen und getötet haben. Die südslawischen Be­hörden haben Maßnahmen getroffen, um die Un­tiere -unschädlich zu machen. Hieran wird sich der KreuzerDubrownik" beteiligen.

Englands Kamps gegen die Arbeitslosigkeit.

Große Mehrheit für Baldwins Politik. Ooyd Georges Reformplan wird veröffentlicht.

Preisüberwachung und Krankenkassen.

Em Aufsatz des Reichskommiffars Or. Goerdeler.