Ausgabe 
10.7.1935
 
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pedoboote, die jedoch samt und sonders völlig ver­altet waren und gleichwohl immer noch Dienst tuen mußten. Auch für diese Waffen vorgesehene Neu­bauten gilt das gleiche wie für die Panzerschiffe und Kreuzer; die neuen 16 deutschen Zerstörer mit je 1625 Tonnen werden die vertragliche Höchstgrenze von 1850 Tonnen nicht erreichen, auch die 12,7-Zen- timeter-Geschütze bleiben hinter der 13-Zentimeter. Höchstgrenze ein wenig zurück. Zum Vergleich ver­weisen wir nur auf die schon Kreuzergröße fast er­reichenden neuesten französischen Bauten, die Contre torpilleurs", die nicht weniger als 2600 Tonnen bei 40 Seemeilen Geschwindigkeit haben. (Eine Seemeile = 1852 Meter.)

Die für die deutschen U-Boote in der amt­lichen Mitteilung genannten Zahlen sind eine beson­ders deutliche Illustration für den Grundgedanken der deutschen Flottenpolitik, die lediglich auf den zur Seeoerteidigung notwendigen Schutz ausgeht. Sie bleiben durchschnittlich am weitesten hinter den Grenzen zurück, die andere Staaten einhalten. Bei­spielsweise verfügt Frankreich in seiner Gesamt­tonnage von über 80 000 Tonnen für U-Boote über Unterseekreuzer bis zu 2880 Tonnen, und die mittleren Größen der bei den Seemächten im Dienst stehenden U-Boote betragen 800 bis 1500 Tonnen.

Das soeben verkündete deutsche Flottenprogramm umfaßt eine Gesamttonnage von 120100 Tonnen. Rechnet man die gegenwärttge deutsche Flotte mit 127 000 Tonnen hinzu, so ergibt sich im Vergleich mit der im Londoner Flottenoertrag vom 18. Juli vereinbarten Tonnageziffer von 420 000 Tonnen ein noch nicht ausgefüllter Spielraum von weiteren 172 000 Tonnen, der nach Maßgabe der fremden Seerüstungen und nach dem Grundsatz unserer qualitattven Gleichberechtigung in den nächsten Jahren ausgefüllt werden soll.

Es ist in diesem Zusammenhangs zweck­mäßig, wenn einmal die Bauprogramme der übrigen großen Flotten zum Vergleich herangezogen werden, dabei muß vor allem be­rücksichtigt werden, daß die übrigen Flotten ja eigentlich nur Ergänzungsbauten vorneh­men müssen, während wir dabei sind, n a ch z u- tz o l e n, was wir allzulange versäumen mußten.

Der Bauabschnitt der britischen Flotte für 1934/35 umfaßt folgende Schiffe: drei leichte Kreu­zer zu je 9000 Tonnen, ein leichter Kreuzer zu 5200 Tonnen, ein Flugzeugträger zu 1520 000 Tonnen, ein Flottillenführer zu 1475 Tonnen, acht Zerstörer zu je 1375 Tonnen, ein U.-Boot zu 1500 Tonnen, zwei U.-Boote zu je 640 Tonnen und sechs Kanonenboote für verschiedene Zwecke. Von den Schiffen des neuen Bauabschnittes wurden bis zum November 1934 die Zerstörerflottille an Privat­werften vergeben. Mit der Kiellegung der Boote ist aber erst im Mai 1935 begonnen worden. Im Bau und bewilligt sind aus früheren Bauabschnit­ten: ein Flugzeugträger, 13 leichte Kreuzer, drei Flottillenführer, 24 Zerstörer und zwölf U.-Boote. Sieben der im Bau befindlichen leichten Kreuzer kommen im Laufe des Kalenderjahres 1935 in Dienst und fünf der U.-Boote, die gegenwärtig ge­baut werden, stelstn unmittelbar vor der Vollen­dung. Dabei muß berücksichtigt werden, daß Ka­nonenboote und Hilfsschiffe in dieser. Aufstellung nicht enthalten sind.

In den Vereinigten Staaten waren im Oktober 1933 aus älteren Baugesetzen fünf und nach dem Arbeitsbeschaffungsgesetz 32 Einheiten in Auf­trag gegeben worden, so daß sich am 1. Januar 1934 unter Einschluß der bereits auf Stapel liegen­den Schiffe 54 Einheiten im Bau befanden. Nach Fertigstellung dieser Schiffe würde jedoch den Vereinigten Staaten an der durch Verträge zuge­standenen Stärke- an nicht überalterter Tonnage Ende 1936 noch fehlen: 1 Flugzeugträger 15 200 Tonnen, 1 schwerer Kreuzer 10 000 Tonnen (darf nach den Verträgen erst 1935 auf Stapel gelegt und 1938 fertig ^werden), leichte Kreuzer 47100 Ton­nen, Zerstörer 99 200 Tonnen, U.-Boote 20 410 Tonnen; zusammen 191910 Tonnen. Durch das Vinson-Gesetz vom 27. März 1934 wurde der Präsi­dent ermächtigt, die Jnbaugabe obiger Tonnage vor dem 31. Dezember 1936 zu verfügen. Wenn nun auch dieErmächtigung" vomgegenwärtigen" Kongreß erteilt ist, so müssen doch dieMittel" von denzukünftigen" Kongressen bewilligt werden. Insgesamt befinden sich in den Vereinigten Staaten im Bau: 2 Flugzeugträger, 3 schwere Kreuzer, 7 leichte Kreuzer, 10 große Zerstörer, 34 kleine Zer­störer, 10 U.-Boote und 2 Kanonenboote. Diese 68 Schiffe umfassen die Gesamttonnage von 226 520 Tonnen.

In Japan waren mit dem ersten Ergänzungs­bauplan des Jahres 1930 33 Schiffe in Bau gegeben. In Erweiterung dieses ersten und eines zweiten Ergänzungsbauplanes sieht derzweite er­weiterte Ergänzungsbauplan 1933" den Bau von weiteren 42 Einheiten vor, durch die die Flotte mit einem Kostenaufwand von etwa 660 Millionen Yen innerhalb von 3 bis 4 Jahren auf die durch die Verträge festgelegte Stärke gebracht werden soll.

Der französische Bauplan von 1934 um- faßt: 1 Linienschiff, ein Flotillenführer, ein U-Boot 1 Klasse, ein U-Boot 2. Klasse sowie einen Minen­sucher. Hierbei muß aber auch besonders die gegen- wärtige Bautätigkeit berücksichtigt werden. Im Bau und bewilligt sind: 2 Schlachtschiffe, 6 leichte Kreuze«, acht Flotillenführer, 1 Zerstörer und 15 U-Boote, das sind zusammen 32 Schiffe mit einer Gesamttonnaae von 137 175 Tonnen. Das ist also mehr als die Verstärkung der deutschen Flotte nach dem Bauprogramm für 1935 beträgt.

Bei den Italienern ist es nicht anders. Hier sind L8 Sch i ffsein h e iten im Bau mit einer Gesamttonnage von 134 813 Tonnen. Die im vorigen Sommer von der italienischen. Regierung angekün- digte Absicht, noch im Laufe des Kalenderjahres zwei 35 000-Tonnen-Schlachtschiffe auf Stapel zu legen, ist im Herbst verwirklicht worden. Die beiden Schiffe werden in Genua und in Triest gebaut und erhalten die NamenVittorio-Veneto" undLittorio". Zwölf der neu gebauten italienischen U-Boote stehen unmittelbar vor der Indienststellung.

Meine politische Nachrichten.

Der Führer und Reichskanzler besuchte auf der Durchfahrt Nürnberg und besichtigte am Dienstagvormittag die Neuanlagen auf dem Reichs­parteitagsgelände.

Das vom Reichskabinett verabschiedete Gesetz über die Ueberführung der Angehöri­gen der Landesp olizei in die Wehr- macht regelt den personellen Teil der bereits unter dem 21. März 1935 ungeordneten Ueberführung. Die in der entmilitarisierten Zone stationierten Einheiten der Landespolizei werden jedoch nicht mitübergeführt und behalten ihren Charakter als P o l i z e i formattonen.

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Oer Führer besichtigt motorisierte Truppen­teile in der Oberpfalz.

Der Führer und Reichs­kanzler Adolf Hitler wohnte bei Grafenwöhr in der Oberpfalz K°r oft- wagen -Transport- Übungen bei, die von dem kommandierenden General des 4. Armeekorps, Generalleut­nant List, geleitet wurden. Man sieht hier ein Flak­geschütz beim Passieren der Landstraße. Ganz links der Führer und Reichskanzler, neben ihm Reichskriegsminister Generaloberst von Blom­berg und der Oberbefehls­haber des Heeres, General der Artillerie Frhr. von Fritsch. (Presse-Jllustr. Hoffmann-M.)

Es brennt an der Grenze!

französischer Lleberfallplan auf wehrloses Grenzland.-Oie Armee von Stahl und Eisen. Deutscher Abwehrwille macht das Grenzland stark.

Bon Or. Hans Pfaff.

Sicherheit" und immer wiederSicherheit"! Das ist die Parole unserer westlichen Nachbarn. Dabei verfügen gerade die Franzosen über eine Armee, mit deren Stärke und Aktionsfähigkeit sich fein Hser der Welt messen kann. Von Dünkirchen und Calais bis hinunter zum Mittelmeer ist ein WallvonEisenundBeton errichtet, Festung reiht sich an Festung, Panzerturm an Panzerturm. Jedes einzelne Fleckchen französischer Erde im Westen steht unter doppelter, dreifacher und zehnfacher Sicherung!

Diese einseitige Beanspruchung aller Garantien einer nationalen Sicherheit militärischer Art hat im Laufe der Zeit eineRiesenaefahrfürganz Europa, insbesondere aber für Deutschland, her­aufbeschworen. Ein Jnvasionsplan ist kein Hirnge­spinst mehr oder ein schlecht erdachtes Schreckmittel eines schwachen Regimes, sondern eine Tatsache, die besonders vor der dringend notwendigen Einfüh­rung der allgemeinen Wehrpflicht zu größten Be­denken und Befürchtungen Anlaß gab. Der Beweis hierfür wird schwarz auf weiß durch einen sorg­fältig ausgeklügelten französischen lieber» fallplan angetreten, der von höchst offizieller Seite, nämlich von dem Kabinettschef des franzö­sischen Kriegsministeriums, dem Obersten Gaulle, ausgekocht wurde. Kein geringerer als Marschall P e t a i n selbst gab den Auftrag zu seiner Ausarbei­tung und in der MilitärzeitschriftFrance militaire war erst vor kurzem ein ausführliches Eingeständ­nis dieses merkwürdigen Planes zurSicherung des Friedens" zu lesen.

Oie eiserne Dampfwalze p^tains.

Der Plan Gaulles sieht die Aufstellung von sieben Panzerdivisionen vor, die vollkom­men und bis ins kleinste motorisiert sind und gleichzeittg eine in der Kriegsgeschichte bisher noch nie erlebte Schlagkraft und Schnelligkeit entwickeln. Wenn man hört, daß diese Armee eine drei» mal so große Feuer st ärke wie sämt­liche im Jahre 1914 mobilisierten französischen Truppen entwickeln soll, dann kann man sich erst die rechte Vorstellung von ihrer Gefährlichkeit machen. Die weitgehende Verwen­dung stärkster Panzerwagen und von Berufssoldaten ferner die Tatsache, daß die französische Armee selbst über eine ganze Reihe motorisierter Verbindungs­kolonnen verfugt, sagt alles übrige. Einzelheiten sollen die Gefährlichkeit dieser eisernen Armee noch illustrieren.

Jede einzelne der sieben Divisionen umfaßt:

1. eine Panzerbrigade mit zwei Regimen­tern leichter und schwerer und einem Bataillon allerschwerster Kampfwagen, die insgesamt die Zahl 500 erreichen. Daneben stehen Nachrich­tenabteilungen, Beobachtungsformattonen und Pionierkolonnen.

2. eine Jnfanteriebrigade von zwei Re­gimentern und ein Jägerbataillon auf beson­ders konstruierten und in jedem Gelände ver­wendbaren Kraftwagen. Flugzeugab­wehrkanonen, Begleitgeschütze, leichte und schwere Maschinengewehre werden mitgeführt.

3. eine Brigade Artillerie mit einem Re­giment mit leichten Geschützen, einem zweiten Regiment mit Haubitzen und einer Kolonne von Tankabwehr- und Flakkanonen.

4. ein G e n i e b a t a i l l o n, ein Nachrichten­bataillon, ein Minenbataillon, eine Aufklärungsabteilung und eine Tar­nungskolonne.. Dazu ein Flugzeugge­schwader von etwa 60 Flugzeugen und selbst­verständlich der notwendige Verpflegungs- und Nachschubapparat.

5. eineAllgemeine Reserve", bestehend aus einer Brigade allerschwerster Tanks, die mit großkalibrigen Geschützen imstande sind, selbst gegen die modernsten Panzerforts auf­zukommen und einer weiteren Brigade schwer­ster Artillerie.

Oer französische Ourchbruchplan.

Der französische Oberst Gaulle stellt diese Divi- sionen vor eine schwere Aufgabe. Die feindliche deutsche Armee soll durch sie überrascht und im Verlause weniger Stunden niedergewalzt un o ^eJnid)tßt werden. In einer Frontbreite von 8 Kilometern müssen sie durch die Schlachtlinie brechen und nach einer Flügelschwenkung das ganze feindliche Heer nach links und rechts aufrollen

Nach diesem Durchbruch beginnt sofort die große französische Offensive. Mit weit- gehendster Unterstützung kampferprobter und bis aufs kleinste ausgerüsteter Fliegergeschwader und Bombenflugzeuge joll die französische Armee be­

reits innerhalb 24 Stunden den Höhen­zug des Schwarzwaldes überschritten haben und 100 Kilometer innerhalb des deutschen Binnenlandes stehen. Demnach müßten also bereits am ersten Tage die bedeuten­deren süddeutschen Städte auf der Linie zwi­schen Stuttgart und Mainz erreicht fein. Bei vollständigem Gelingen des Planes be­findet sich am zweiten Tag die Stadt Ulm in der Hand der Franzosen. Der erste Angriff geht demnach nach Süddeutschland, was übrigens für die heute noch herrschende französische Mentalität recht bezeichnend ist.

Oer Stotz ins deutsche Herz.

Weit wichtiger als die Kampfhandlung im Süden wird franzöfischerseits der zweifache Angriff auf Nord - und Mitteldeutschland ein­geschätzt, von denen der erste mit ungeheurer Wucht über den Mittelrhein in das lebens­wichtige Ruhrgebiet oorgetragen werden soll. Der zweite richtet sich längs der Main­linie über Frankfurt, Würzburg, Bamberg und bezweckt eine möglichst schnelle Verbindung mit der tschechischen Ar- m e e, die der französischen Spitze über die vom Czerkov gedeckte Fürther Senke resp. über das Fichtelgebirge entgegenmarschiert, woraus ersichtlich ist, daß das aktive Eingreifen der Tschechen fran­zösischerseits als gegebene Tatsache betrachtet wird. Die ganze Aktion kann nach dem Gaulleschen Kriegsplan schon in einer Woche bee.nbet sein. Deutschland soll also überrumpelt werden, ohne überhaupt Zeit zu haben, sich zu einer Ver­teidigung aufzuraffen. Um aber diese Ausschaltung einer Gegenwehr zur völligen Wehrlosigkeit zu machen, erwägt man auf französischer Sette ganz offen den Gedanken eines Krieges ohne jede vorausgehende Kriegserklärung.

Oer deutsche Avwehrwille.

Es ist jedenfalls gut, daß uns dieser Plan durch die Unvorsichtigkeit französischer Journalisten und Generalstäbler, die ganz offen in Zeitungen und Fachschriften davon sprachen, zur Kenntnis kam. Er war wohl einer der vielen Beweggründe, die die Reichsregieruna bestimmten, zur rechten Zeit die rechte Antwort durch die Einfüh­rung der allgemeinen Wehrpflicht zu geben, die es hoffentlich zuwege bringt, daß aus den täglich zu gewinnenden hundert Kilometer deutschen Landes nichts wird und daß infolgedessen auch der Oberst Gaulle und der Marschall Pätain ihre Ab­sichten aufgeben. Der geschlossene Widerstandswille von 60 Millionen Deutschen muß auch einer mit allen raffinierten Mitteln gewappneten modernen Kriegstechnik genügenden Widerstand bie­ten, mehr noch, als es Geschütze, Tanks, Flugzeuge, Bomben und Maschinengewehre tun können. Die Kriege sind ja nicht ausschließlich mit brutaler Waf­fengewalt gewonnen worden, sondern in erster Linie durch den Gei st, der das ganze Volk und seine Armeen beherrschte. Wenn der Franzose einen An­griffskrieg führt, der schon infolge der dünnen Be- völkerung und der starken Bewaffnung Frankreichs auch nicht die geringste morale Begründung für sich beanspruchen könnte, dann müßte er jedenfalls a u f denhartendeutschenWillen stoßen, der noch gestählt wird durch das Bewußtsein des guten Rechts auf Dasein und Verteidigung. Was können wir dagegen tun?

Mr hoffen, daß Frankreich heute nicht mehr daran denkt, die aberwitzigen und verderblichen Pläne feiner Generalstäbler zu unterstützen. Das waffenlose Vakuum in Mitteleuropa ist durch die Wiederbewaffnung Deutschlands aufgefüllt und wird kaum mehr in dem gleichen Maße wie früher den Keim künftiger Kriege in sich bergen und Anzie­hungspunkt aller hochgerüsteten Nationen sein. Nun aber sind wir immer noch nicht stark genug!

Wir haben uns selbst nur das Mindestmaß jeder Rüstung, das zu einer Selbstverteidigung not­wendig ist, zugebilligt. Noch besteht auch die ent­militarisierte Zone im Rheinland, ein lebendiger Beweis dafür, daß das neue Deutsch­land keinerlei Angriffsabsichten hegt und alles tut, um unter Hintansetzung seiner eigenen Sicherheit auch den Schein der Kriegslüsternheit zu vermeiden.

Ist aber nun das Grenzland zwischen dem Rhein und der luxemburgisch-französischen Grenze wirk- lich wehrlos dem Feinde preisgegeben? Wir müssen bei genauer Abwägung des Für und Wider Ja" sagen, wenn wir des Glaubens sind, daß im Kampf nur hie Waffen allein entscheiden. Aber verneinen müssen wir, wenn wir die Ueberzeugung

in uns tragen, daß auch der Geist der Bevölke­rung ein entsprechendes Gegengewicht schafft.

Wir sind froh, sagen zu können, daß wir doch nicht ganz schutzlos der Willkür ausgeliefert find, weil die deutsche Westmark entschlossen ist, eine Grenzbevölkerung zu schaffen, deren Entschlaf- senheit dem Feinde jede Lust zum Angriff nehmen kann und nehmen wird, sich an Deutschland zu vergreifen.

Wie aber können wir uns schützen?

Dadurch freilich nicht, daß wir, wie die System- regierung vor uns, die ganzen Kräfte des Reiches nach der Mitte ziehen und die Bevölkerung an den gefährdetften Punkten der Grenze im Stiche lassen, sie bestenfalls trösten mit einer feigen Entschuldi­gung und im übrigen tun, was uns bequem und zweckdienlicher scheint. Vielmehr gibt es für uns nur einen Wahlspruch, der immer wiederholt, jedem einzelnen deutschen Volksgenossen geläufig werden muß:Macht das Grenzland stark!"

Wenn schon die wünschenswerten militä­rischen Möglichkeiten einer Sicherung des Rei­ches durch Festungen, Garnisonen und Truppen nicht erfüllt werden können, dann gilt es wenig­stens, d i e geistiae, moralische, poli­tische, körperliche und wirtschaftliche Aufrüstung zu betreiben. Der neue Staat hat alle Vorausetzungen erfüllt, um dieser Forderung gerecht zu werden. Nur die wirtschaftliche Lage ist keinesfalls so, wie fie fein sollte und müßte. Das ist nicht die Schuld des neuen Regi­mes, sondern das Erbe der vergangenen Epoche, die den Begriff der Notstandsgebiete gar nicht kannte und den im Grunde liberalistifchen Leitsatz: Jeder nach seiner Fasson" auf alle Gebiete, auch auf das der Bevölkerungspolitik anwandte, ohne dabei zu bedenken, daß fie ihre eigenen angeblich nationalen Grundregeln sabotierte. Das furchtbare Erbe eines verlorenen Krieges, einer verlotterten Wirtschaft und eines bolschewistisch verseuchten Volkes erforderte einen Zugriff mit taufend Hän­den. Deshalb find wir zufrieden, mag die Ent­wicklung auch nicht im Sturmschritt vor sich gehen. Hauptsache ist der gute Wille, der noch den Weg zu einer gesunden Grenzlandpolitik finden wird und finden muß.

Mit Rücksicht auf die von Westen drohenden großen Gefahren ist die E r st a r k u n g des Grenzgebiets nicht nur die Sache eines Gaues und einer Provinz, sondern d i e Ange­legenheit des ganzen deutschen Vol­kes. Nur der Zusammengriff aller wird eine dauernde Festigung des Grenzlandwillens und -wollens erreichen. Die stärksten Festungen eines Landes waren nie Festungen nach landläufigem Begriff, sondern der entschlossene Wille zum Reich und das Bewußtsein der Grenz- devölkerung, Vortrupp einer unwiderstehlichen und großen Armee zu sein, die im gegebenen Moment bereit und fähig ist, schützend einzugreifen.

Oie Verhütung erbkranken Nachwuchses.

Ein Erlaß des Reichsinnenministers gegen Sabotage der Gesetzgebung.

Berlin, 9. Juli. (DNB.) In letzter Zeit war wiederholt festzustellen, daß der Widerstand, den einzelne Kreise gewissen auf nationalsozialistischer Weltanschauung beruhenden Gesetzen bewußt ent­gegensetzen, systematisch organisiert wor- den ist. Eine solche Hetze, roie 3. S. gegen das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, entspringt nicht so sehr einer Ablehnung des Grundgedankens, der bekanntlich in zahlreichen anderen Ländern bereits Zustimmung und Nachahmung gefunden hat, als vielmehr oft lediglich dem Wunsche, mit dem Widerstand gegen das Gesetz auch d i e n a t i 0 - nalsozialistische Bewegung zu treffen und bas erwachende Rasseb ewußtsein des Volkes zu unterdrücken.

Der Reichs- und Preußische Minister des Inneren hat, um diesem Treiben Einhalt zu gebieten, in einem Erlaß an die zuständigen Be- Hörden darauf hingewiesen, daß einer Hetze gegen das Gesetz energisch entgegenzutreten und in den bekanntwerdenden Fällen Strafan­zeige wegen Verstoßes gegen Paragraph 110 des Reichsstrafgesetzbuches oder gegen das Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutz der Parteiuniform vom 20.DezemhsU