Einzelbild herunterladen

Ur. 168 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Zreitag.. HW35

Wahrschauen auch

SJlXfpOTt

Gauveronstaltung

Die Kurhessenfahrt wird als

Reichswehr in diesem sportlichen Kampf abschnei- gegen 14 Uhr zu erwarten sein.

Keine Wiederholung des Spieles

Ampeln ersetzt sind. Dann hat Verkehrsregelung vor den alten technisch nichts mehr voraus.

Polizei HamburgDarmstadt 98.

Der Beschluß des Fachamtsleiters, Brigadeführer Hermann, das Spiel um die Deutsche Handball- Meisterschaft zwischen Polizei Hamburg und Darm­stadt 98, das die Hessen am 28. April in Hamburg mit 9:7 gewannen, zu wiederholen, wurde auf­gehoben und das Treffen als gültig erklärt, so daß die zwei Punkte den Darmstädtern zufallen.

nach den Sportgesetzen der Obersten nationalen Sportbehörde (ONS.) durchgeführt. Neben den Ausweisfahrern als Nachwuchs werden bekannte Lizenzfahrer am Start teilnehmen. Die Wertung der Fahrt erfolgt nach Klassen entsprechend der Stärke der Fahrzeuge. Die Sieger erhalten als Preise wertvolle Plaketten. Für die Mannschaften sind außerdem Sonderpreise vorgesehen, sofern sie den Mannschaftswettbewerb vorschriftsmäßig durch gemeinsame Lösung der gestellten Aufgaben durch­führen.

Die Fahrt beginnt um 9 Uhr vormittags mit der vorherigen Abnahme der Fahrzeuge. Der Start erfolgt, wie eingangs erwähnt, an der Hessen­kampfbahn in Kassel. Der Musikzug der Motor­standarte 47 wird am Start ein Platzkonzert ver­anstalten. Die Rückkehr der ersten Fahrer wird

den werden.

Die Fahrer bekommen interessante Aufgaben zu lösen, wobei die Leistungen auf nicht geringer Höhe liegen müssen. Besonders wird die erfolg­reiche Durchführung der Fahrt für die Teilnehmer von ihrer guten Kartenkunde und der Fähigkeit, sich im Gelände zurecht zu finden, abhängig sein. Allerdings werden die Fahrer von Spezialfahrzeu­gen besonders gewertet und nicht zusammen mit den Fahrern normaler Gebrauchsfahrzeuge.

Durch große rote und weiße Flagg.en zeigen sie an, ob ein Schleppzug oder ein Einzel­schiff kommt. Werden zwei Flaggen gesetzt, sowohl die große rote als auch die große weiße, dann bedeutet das, daß ein Floß zu Tal treibt. Kleine weiße, rote und blaue Zusatzflaggen, die an einem zweiten Mast aufgezogen werden, kündigen dabei den jeweiligen Standort des Talschiffes an. Je weiter das gewahrschaute Fahrzeug stromab fährt, um so mehr der Zusatzflaggen werden wieder ein­gezogen. Hat es endlich die letzte der Wahrschau­stationen, das Bankeck unterhalb der Lorelei erreicht, so werden auch die letzten Flaggen eingeholt, damit die Bergschiffe erkennen können, daß nunmehr das Fahrwasser wieder vollkommen frei ist.

Die Bergschiffe haben die Verpflichtung, die Flaggensignale unbedingt zu beachten. Sie müssen, wenn die Wahrschauer ihnen Talschiffe ankündigen, die Fahrrinne freigeben und vor besonders engen Stellen des Fahrwassers gar vor Anker gehen, bis das Talschiff die gefährliche Stelle passiert, hat.

Gefahren des Stromes.

Früher waren Karambolagen in der Rhein­gebirgsstrecke keine Seltenheit. Die eigenartigen, sehr starken Strömungen und Strudel trieben die Schiffe mit solcher Gewalt stromab, daß sie dem Ruder des Schiffes oft nicht mehr gehorchten und auf bergwärtsfahrende, in der Navigation ebenfalls be­hinderte Schiffe aufliefen. Seitdem jedoch die Rhein­polizei den Wahrschaubetrieb einheitlich geregelt hat und alle Verstöße gegen die Wahrschausignale un­nachsichtlich verfolgt, sind Schiffszusammenstöße auf der. Rheingebirgsstrecke recht selten geworden. Immerhin kommt es auch heute noch vor, daß Unfälle geschehen. Sei es, daß irgend welche Strö­mungen einen Kahn plötzlich mit solcher Gewalt packen, daß das Schleppseil reißt und der Kahn hilflos auf die Klippen treibt, daß ein Bergschiff

Oer Rhein bekommt Verkehrsampeln

Wahrschauer, die Verkehrspolizisten des Rheins.

(Sin Äerichi von Martin Oey.

Nachwuchsfahrer vom NSKK. dar. Es wird in­teressant sein, zu sehen, wie die jungen Fahrer des Kraftfahrkorps gegen die wohlgeschulte

noch lustig flatternden Wahrschauflaggen durch die großstädtische

Kurheffenfahrt des Nationalsozialist. Krafifahrkorps, Motorbrigade Hessen.

Wie kürzlich bereits gemeldet wurde, findet am 12. Mai die Kurhessenfahrt 1935 als Geländeorien­tierungsfahrt statt. Bei der Motorbrigade Helfen, in deren Händen die Durchführung der Veranstal­tung liegt, sind die Meldungen zur Teilnahme bis heute bereits zahlreich eingegangen. Es wird ein starkes Feld am Start sein, der an der Hessen­kampfbahn in Kassel stattfindet.

Beachtlich ist das große Interesse der Reichswehr und die erhebliche Zahl von Meldungen, die von dieser Seite eingegangen sind. Die Fahrer der Reichswehr stellen eine starke Konkurrenz für die

versucht, eine besonders enge Stelle des Fahr­wassers noch vor dem angetünbigten Talschiff zu passieren und dabei karamboliert. In solchen Fällen wird das Fahrwasser der ganzen Gebirgsstrecke für alle Schiffe gesperrt. Die Wahrschauer setzen ihre tarierten Sperrflaggen: und dann ruht jegliche Schiffahrt, bis das auf Grund gelaufene Schiff entweder aus der Fahrrinne abgeschleppt ober auch gesprengt worben ist.

Elektrische Signale.

So einfach, wie ber Laie immer meint, ist bie Schiffahrt auf bem Rhein, zumal in ber Gebirgs­strecke, also auch heute noch nicht. Trotz jahrhunberte- langer Regulierungsarbeiten ist ber Rhein eben auch heute noch kein Kanal, sonbern immer noch ein lebenbiger Strom, besten Tücken nur durch gespannteste Aufmerksamkeit gebannt werden können. Auf eine streng gehandhabte Verkehrsrege­lung kann darum nicht verzichtet werden; und auf der Rheingebirgsstrecke werden die Wahrschauer wohl niemals verschwinden. Im Gegenteil, die Strombauoerwaltung bemüht sich, den Nachrichten- und Signaldienst derRheinoerkehrspolizisten" immer weiter und zuverlässiger auszubauen.

Seit längerer Zeit schon stehen die einzelnen Wahrschauen in ständiger telephonischer Ver­bindung miteinander, und neuerdings beginnt man sogar, die alten, bei diesigem Wetter und in der Dämmerung oft unzuverlässigen Flaggensignale durch starke, bei Tag und Nacht immer sichtbare Scheinwersersignale zu ersetzen. Vor kurzer Zeit wurde erst auf der Wahrschau Ochsenturm eine elektrische Signalanlage eingebaut, deren Blinklichter den Schissen heute statt der alten Flaggen weithin über den Strom melden, ob das Fahrwasser frei ist oder nicht. Als zweite Wahrschau­station soll demnächst der Binger Mäuseturm mit modernen Verkehrsampeln ausgerüstet werden. Da sich die elektrischen Wahrschausignale bisher bei jeder Witterung als überaus zuverlässig bewährt haben, wird es nicht mehr allzulange dauern, bis alle heute

(Nachdruck, auch auszugsweise, verboten!)

Was sindWahrfchauer"'?

Die Schiffahrt kennt die Verkehrsregelung durch Flaggen- und Lichtfianale schon seit uralten Zeiten, und die Rheinschiffahrt hat gar schon vor hundert Jahren Verkehrsposten eingesetzt, die man geradezu als Vorläufer der modernen Verkehrspolizei be­trachten kann. Die alten Rheinfchiffahrts-Verkehrs- regler hießen wie heute noch ihre Nachfolger Wahrfchauer. Sie schauten wahr, schauten vor­aus, eine Bezeichnung, die man ganz wörtlich neh­men muß, denn sie liefen den stromaufwärts fah­renden Schiffen voraus, um ihnen vom Ufer aus an krümmungsreichen, unübersichtlichen Rheinstrecken die entgegenkommenden, zu Tal fahrenden Schiffe anzuzeigen.

Besonders wichtig waren die Wahrschauer von jeher in der gefährlich st en Strecke der R h e i n s ch i f f a h r t, in der Durchbruchsstrecke durch das Gebirge, von Bingen bis St. Goar, dort, wo sie sich während sie überall am Rhein sonst längst überflüssig geworden sind noch bis auf den heutigen Tag erhalten haben. Allerdings laufen die Wahrschauer jetzt nicht mehr wie noch vor fünfzig Jahren den Schiffen am Ufer voraus. Sie find vielmehr seßhaft geworden, haben sich an bestimmten Uferstellen niedergelassen und geben sich ihre Signale von Mann zu Mann weiter. Ja, seit 1928 sind die Wahrschauer, die früher freie Gewerbetreibende waren, sogar staatlich fest a n g e st e l l t worden. Sie bekom­men heute ein festes Gehalt, und damit sind die Gebühren in Fortfall gekommen, die sie bis dahin von jedem gewahrschauten Schiff erhoben hatten. " Mit der Verstaatlichung ist auch der ganze Wahr- schauhetrieb, der früher mit recht primitiven Sig­nalen arbeitete, nach einheitlichen, in der Rhein­schiffahrtspolizeiverordnung genau festgelegten Richt­linien zu einem sicher und zuverlässig arbeitenden Nachrichten- und Verkehrsdienst ausgebaut worden.

Zwischen Mäuseturm und Lorelei.

Heute gibt es an der Rheingebirgsstrecke insgesamt noch neun Wahrschaustationen. Die erste ist auf dem sagenumwobenen Mäuseturm, kaum 200 Meter oberhalb des Binger Lochs untergebracht. Alle zu Tal fahrenden Schiffe müssen durch Flaggensignale dem Wahrschauer auf dem Mäuseturm anzeigen, daß sie über Bingen hinaus durch das Binger Loch oder das unmittelbar danebenliegendezweite Fahr­wasser" weiter rheinabwärts fahren wollen. Erst wenn der Wahrfchauer auf dem Mäufeturm durch Flaggen- oder Korbzeichen signalisiert, daß das gewünschte Fahrwasser frei ist, dürfen die Schiffe ihre Taffahrt über Bingen hinaus beginnen. Haben sie jedoch einmal den Mäuseturm passiert, dann dürfen sie ihre Fahrt ungehindert bis zu der letzten der Wahrschaustationen, dem Bankeck unterhalb der Lorelei, fortsetzen. Sie haben auf der ganzen Gebirgsstrecke unbedingtes Vorfahrtsrecht.

Damit es nun auf der an Felsverfetzungen reichen, stark gekrümmten und unübersichtlichen Gebirgs­strecke in dem nur schmalen Fahrwasser nicht zu Zusammenstößen mit entgegenkommenden, zu Berg fahrenden Schiffen kommt, signalisieren die übrigen acht Wahrschaustationen den jeweiligen Standort des Talschiffes allen Bergschiffen auf viele Kilo­meter voraus. Und zwar ist das so geregelt, daß die nächste der auf dem Weg rheinab liegenden Wahrschauen, die Station auf dem Ochfenturm bei Oberwesel, das Talschiff ankündiqt, sobald es die Pfalz bei Caub erreicht hat. Alle weiteren Stationen nehmen das Ochfenturmfignal sofort auf.

Fußball-Länderkampf Deutschland-Spanien.

Die beiden Mannschaften.

Nach dem Länderspiel gegen Irland hat der Deut­sche Fußballbund am Mittwochabend die deutsche Reichself bekanntgegeben, die am kommenden Sonn­tag in Köln auf Spanien trifft. Die deutsche Elf steht:

B u ch l o h (VfB. Speldorf); Janes (Fort. Düsseldorf), Busch (Duisburg 99); Grämlich (Eintracht Frankfurt), Münzenberg (Alem. Aachen), Bender (Fort. Düsseldorf); Lehner (Schwaben Augsburg), Hohmann, Rasseln­berg (beide VfL. Benrath), Conen (Fv. Saar­brücken), Fath (Wormatia Worms). Ersatz:- rissen (Oberhausen), Tiefel (Eintracht Frankfurt), Goldbrunner (Bayern München), Zielinski (Union Hamborn) und Lenz (Bor. Dortmund).

Auch die Spanier haben jetzt ihre Vertretung be­kanntgegeben. Insgesamt kamen 17 Spieler nach Deutschland, darunter auch Ricardo Zamora, der allerdings nicht dos Tor hüten wird, sondern nur als Ersatzmann mit nach Köln fuhr. Die spa­nische Mannschaft: Eizaguirre (FC. Sevilla); Z a b a l o (FC. Barcelona), Ouincoces (FC. Madrid); Pedro Regueiro (FC. Madrid), Ci- lauren (Athletic Bilbao), Lecue (Betis Sevilla); D a n t o l r a (FC. Barcelona), Luis Regueiro (FC. Madrid), Lang ar a (FC. Oviedo). Irara­st o r r i, Gorostiza (beide Athletic Bilbao). Er­satzspieler sind Ricardo Zamora, Areze, Pedrol, So- ladrero, Martinez und Gonzales.

Die spanische Nationalmannschaft hat am Don­nerstag von Godesberg aus dem Führer und Reichskanzler folgendes Begrüßungs - Telegramm gesandt:An den Führer und Reichskanzler, Ber­lin, Reichskanzlei. Die spanische Fuftball-National- mannschaft grüßt Deutschland und seinen Führer. Die Führer der spanischen Fußball-Nationalmann­schaft im Godesberger Hof."

DFÄ.-Gchisdsrichter-Appell auf dem Waldsportplatz.

Wie wir hören, hat der Kreisführer für Samstag, 18 Uhr, einen Schiedsrichter-Appell angesetzt, zu dem alle Schiedsrichter und Anwärter der Ortsgruppe Gießen in Sportkleidung zu erscheinen haben. Be­kanntlich haben die Schiedsrichter des Kreises Gießen einheitliche schwarze Kleidung, die sehr gut von den Kleidungen der Spieler absticht. Der DFB. legt großen Wert auf das Auftreten des Schiedsrichters, wobei als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt wird, daß er die Fußballregeln beherrscht. Anschließend an diesen Appell sollen die Schiedsrichter unter Beweis stellen, inwieweit sie den körperlichen Anfor­derungen eines Fußballspieles gewachsen sind und Ausdauer besitzen. Es wird hier mit Genugtuung festgestellt, daß die zuständigen verantwortlichen Stellen in bezug auf das Schiedsrichterwesen für den Nachwuchs und Weiterbildung besorgt sind.

Um die Kreisjuaendmeisterschafi des DFB.

1900 1. Jugend Spv. Wetzlar 1. Jugend.

Die Jugendmannschaft der Spielvereinigung 1900 Gießen weilte am vergangenen Sonntag in Mar­burg und absolvierte ein Spiel gegen den dortigen VfB., aus diesem Grunde siel das Spiel gegen Wetzlar aus. Am Sonntag wird nun das Vorspiel und am Sonntag darauf das Endspiel um die Er­mittlung des Jugendkreismeisters erfolgen. Eine Spielverlegung kann nicht mehr stattfinden, da ber Gaujugendführer angeordnet hat, daß am 20. Mat der Kreisjugendmeister ermittelt fein muß, damit die weiteren Spiele ihren Fortgang nehmen können.

Die neue Rennformel.

Der Sportausschuß der AJACR. hat für dis Jahre 1937/38/39 eine neue Rennformel für die

DerVater der deutschen Musik".

Die Marburger Heinrich-Schütz-Feier.

Die Auseinandersetzung zwischen dem von Re­naissance-Geist getragenen mittelländischen Musik­empfinden und den nordisch-gotischen musikalischen Ausdruckskräften führte bei Heinrich Schütz zu einer zukunftsträchtigen Stilneubildung, und das folgende Jahrhundert läßt in den beiden Groß­meistern des Hochbarock Bach und Händel die persönliche, individuell geprägte Aneignung und Umschmelzung von außen kommender Anregungen erkennen.

Die ersten bestimmenden Eindrücke nimmt Hein­rich Schütz in seinem ersten italienischen Aufent­halt bei Giovanni Gabrieli in Venedig auf. Als Deutscher fühlt er in sich die Kraft zur Aus- einanderseFung mit dem dort erfahrenen Chorstil. Eine zweite Reise, zwei Jahrzehnte später, gibt ihm die Fähigkeit, in seiner inneren Entwicklung zu dem durch Monteverdi zu kühnster Tert­interpretation gesteigerten rezitativischen Stile Stel­lung zu nehmen. Als einer markanten starken Persönlichkeit werden ihm die fremden Elemente zum Anreger der Schöpferkraft, und so gewinnt er die Möglichkeit, einen neuen Stil zu prägen, der einmal dem deutschen Musikempfinden und ebenso auch dem deutschen Sprachgefühl artgemäß ist. Bis in sein hohes Alter hinein erleben wir ihn in dem Reichtum seiner Werke zugleich als einen bewußten Neuerer, der trotz aller für ihn modernen, neuen Einflüsse in typisch deutscher Werkgebundenheit eine gründliche Satztechnik im alten Sinne als das tragende Fundament ansieht.

Heber seine praktische Wirksamkeit als Musiker und schaffender Tonsetzer hinaus wird er zum Or­ganisator des Musiklebens an Fürstenhöfen in Deutschland und in Dänemark (ähnlich wie sich auch Richard Wagner in seiner Dresdener Zeit um die Organisationsfragen des Orchesters bemühte).

Heinrich Schütz muß es erleben, wie in der Zwangsläufigkeit des Dreißigjährigen Krieges feine musikalischen Einrichtungen in seiner Hauptwir- fungsftätte Dresden in ihrem Bestände bedroht werden; aber ungebrochen bleibt sein Wille, sich für das Fortbestehen der Kunstübung einzusetzen. Den ihm anvertrauten Mitwirkenden wird er zum fürsorglichen Berater und Beistand in allen Not­fällen.

Diese kraftvolle, allen Widerständen, selbst körper­licher Art, trotzende Bersönlichkeit, wurde ;um füh­renden Träger protestantischen Musik-Geistes.Den Vater der deutschen Musik" undVater der deut­

schen Musikanten" ehrte sein Grabstein mit den Worten:Saeculi sui Musicus excellentissimus*.

*

Wenn sich gerade Marburg mit einer Schütz- Feier in die Reihe der Veranstaltungen des Bach- Händel-Schütz-Jahres einfügte, fo hatte das feinen berechtigten historischen Grund in der Tatsache, daß gerade hier das entscheidende Wort für die Zu­kunft von Heinrich Schütz fiel.

Der Landgraf von Hessen, Moritz der Gelehrte, der sich nicht nur als ein eifriger Förderer der Ton­kunst erwiesen hatte, sondern auch selber als Ton­setzer Beachtliches leistete, ließ gelegentlich eines Aufenthaltes in Marburg feinen ehemaligen Kapell- fnaben und jetzigen <5tubenten der Rechte an der Marburger Universität das Anerbieten stellen, ihn zur Ausbildung in der Musik nach Italien zu schicken.

Als Hüter des Schütz-Gedenkens nennt die Bibliothek der Stadt-Pfarrkirche die Gesamtaus­gabe der Schützschen Werke ihr eigen. Seitdem Uni­versitätsdirektor Prof. Dr. Hermann Stephani führenden Einfluß auf das Marburger Musikleben gewonnen hat, wurde bei jeder möglichen Gelegen­heit das Erbe Heinrich Schützens gewahrt. So konnte sich im Laufe der Jahre eine Chorgruppe heranbilden, die sich u. a. auch schon für das Pas­sionswerk Schützens eingesetzt hat. Damit war der chorische Anteil der hiesigen Feier gewährleistet. Ebenso hat aber auch das ausführende Soloquar­tett eine schon seit vielen Jahren bestehende er­folgreiche Verbundenheit mit dem Marburger Mu­sikleben bezeugt.

Der seiner Zahl nach nicht sehr stark besetzte Chor hat dafür eine überaus gründliche musikalische Durchbildung feiner Mitglieder in die Waagschale zu werfen. Und so wurde diese Gemeinschaft unter Stephanis Führung zu einem Ausdrucksmittel, das im ernsten Wollen letzten Darstellungsmöglich- feiten zustrebt. Einem hochkultivierten Piano mit feinstem klanglichen Ausgleich steht die Fähigkeit des Aufsteigerns zu hohen deklamatorischen Akzen­ten gegenüber. Gefügig eingehend auf den Willen des Dirigenten, läßt diese Chorgemeinschaft äußerste, ja fast inbrünstige Hingabe jedes einzelnen an den Aufgaben offensichtlich werden.

Im besonderen gab die Nortragsfolge eine Aus­wahl aus dem Schützschen Chorschaffen, angefangen von den polyphonen Cantiones sacrae des Jahres 1625 bis zum Höhepunkt des Motettenstils in der Geistlichen Chormusik 1648; vornehmlich berücksich­tigt waren die Psalmlieder nach Texten von Dr. Cornelius Becker.

Den hohen Anforderungen des deklamierend charakterisierenden Chorstils wurde der Chor ebenso gerecht, wie er bei liebevoller Auswertung der zahl­

* Berühmtester Musiker seiner Zeit.

reichen Feinheiten in abgewogenem Ausgleich das allgemein musikalische Grundgeschehen lebendig werden ließ. Die schwebenden Klänge desDul- cissime et benignissime Christe, die innerliche Steigerung in der sechsstimmigen Motette3d) bin ein rechter Weinstock" dienten ebenso dem Werke, wie sich die Psalmlieder in besonderer Unmittel­barkeit und Frische äußerten. Stets spürte die Auf­fassung des Dirigenten nach jeder Richtung hin dem Wesenskern des einzelnen Werkes nach; zu­weilen im bewußten, vergeistigenden Durchgestalten den ursprünglichen musikalischen Nerv verschleiernd. Von ganz besonderem Eindruck aber waren die zu­sammenfassenden Chöre in der biblischen Szene vom Pharisäer und Zöllner und im Gleichnis vom Sämann.

Das Wesen des von Schütz geschaffenen neuen deklamatorischen Stiles ließen die Sologesänge er­kennen (Adelheid La Roche, Düsseldorf [(Sopran , Irmgard Reimann - Rühle, Berlin [Alt, Prof. Dr. Hans Hoffmann, Hamburg [Tenor, Paul Gümmer, Hannover [Baßj). In den Teilen aus den Symphoniae sacrae, die den rezitativischen Stil der Italiener in der darstellenden Umformung und organischen Kraft für das Deutsche erweisen, hatten die Solisten Gelegenheit, das völlige Auf­gehen in dieser stark bildhaft durchdrungenen und stellenweise mit stärkstem dramatischem Pulsschlag erfaßten musikalischen Textgestaltung zu zeigen. Ganz besonders nahe aber schien Professor Hoff­mann diesem Stil zu stehen. Das deutsche Konzert Ich werde nicht sterben" wurde durch ihn zum Aus­druck höchster religiöser Affektgebundenheit und be­legte unbestreitbar, daß Schütz in solcher Formung auch uns Heutigen sich restlos zu erschließen vermag. Genau so, wie das Konzert für Tenor und Baß: Der Herr ist mein Licht und mein Heil" in seinem sachlichen Stil ohne jedes opernhafte Pathos von einer überwältigenden Lebenskraft kündete. Der Osterdialog für vier Soli und Orgel:Weib, was weinest du" wurde zum letzten Erschauern bei dem Erkennen des Auferstandenen durch Maria; die Chromatik jener Stelle bleibt jedem unvergeßlich, der sie einmal in sich aufgenommen hat. Die biblische Szene vom Pharisäer und Zöllner, deren erzählen­der Teil überaus charakteristisch den beiden Frauen­stimmen zugeteilt war, ließ das Gebet der beiden Männer im Tempel mit fast realistischer Dramatik erleben, den einen mit vielen Worten (Baß), den andern mit dem inbrünstigen FlehenGott fei mir Sünder gnädig" (Tenor).

Das deutsche Konzert für vier Soli, Streicher, Orgel und ChorEs ging ein Sämann" (aus dem dritten, bedeutendsten Teil der Symphoniae sacrae, 1650) weilt die Erzählung dem Soloquartett zu, das hier in einen überaus kunst- und ausd'-ucks- | reichen Satzgefüge die überzeugende Prah» seines I hohön Könnens abzulegen vermochte. Die Ermah­

nung,Wer Ohren hat zu hören, der höre", ließ Solisten, Chor und mitwirkende Instrumente sich in solcher Eindringlichkeit vereinigen, die Erschütterung auszulösen vermochte.

In den begleiteten Werken war Kirchenmusikdirek­tor August Wagner an der Orgel berufener Trä­ger des basso continuo. Die Streichinstrumente, die Schütz in den Zwischenspielen und mit charakteri­sierenden melodischen Figuren heranzieht, wurden sorglich von Lili Gebhard und den beiden Söhnen des Konzertleiters betreut. Dr. H.

Lockvogel.'"

Ein Abenteuer-Film der Ufa, geschrieben von Ludwig von Wohl und PH. I. M a y r i n g. Eine internationale Verbrecherbande ist hinter einem kost­baren Smaragdschmuck her, welcher von einem Ju­welier erstanden und in Paris wieder verkauft wer­den soll. Der Transport der Kostbarkeit an ihren Bestimmungsort geschieht auf dem Seeweg über Marseille, was der Juwelier für besonders unge­fährlich hält, zumal er nicht ahnen kann, daß sowohl der Reeder als auch der Kapitän des Dampfers mit der Gaunerbande unter einer Decke stecken. Diesen Herren, die von keinerlei Hemmungen beschwert sind, kommt es nicht darauf an, den Dampfer mit einer Höllenmaschine zum Sinken zu bringen, um sich in den Besitz des Schmuckes zu fetzen, der ihnen zuvor schon gelegentlich eines simplen Raubüber­falles durch die Lappen gegangen ist. Man sieht: hier wird mit Sensationen nicht gespart, und es ist eine unterhaltende und gelegentlich sogar etwas auf­regende Sache, diesem Abenteuer als unbeteiligter Zuschauer beizuwohnen, dessen Spannung nur durch den Umstand etwas gelockert wird, daß der Fall stellenweise ins Groteske abgelenkt und im Stil einer Kriminalkomödie behandelt wird. Das trifft vor allem auf Viktor de Kowa zu, der den jun­gen Juwelier spielt: mächtig aufgedreht und jungen­haft vergnügt, aber reichlich harmlos und unvor­sichtig, wo es sich doch um so kostbare Steine han­delt. Der Regisseur Hans S t e i n h o f f verdeckt die Unwahrscheinlichkeiten des Vorganges nach Möglich­keit mit einem spritzigen Tempo und sensationellen Effekten. Der Lockvoael namens Delia ist Hilde Meißner: die verführerische und geheimnisvolle Dame, welche von den Verbrechern vorgeschickt wird, um sich an den Juwelier heranzumachen und den Schmuck zu kapern. Eine talentierte, offenbar von Brigitte Helm nicht unbeeinflußte Leistung. Seh? nett und lustig die kleine Jessie V i h r v g, die hier ausgiebig Gelegenheit findet, ihr sprudelndes Tempe­rament spielen zu lassen. Vorn großen Enf-mble: Tiedke, Rasp, Meftermeier und Sima. Mu^'k baut non Fr. M R u st und Schütze. $er Film läuft seit gestern in Lichtspielhaus.