Ausgabe 
10.5.1935
 
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Ur. 108 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Zrettag.lO. Mai 1035

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Völkerwanderung im Kernen Osten.

Von unserem St.-Korrespondenten.

Charbin, im April.

Ausgerechnet einen Tag, nachdem die nord- mandschurische Bahn unlängst in japa­nischen Besitz übergegangen war, hat sich einer der leitenden Beamten dieser Bahngesellschaft eine Kugel in den Kopf gejagt. Nicht ohne Grund hat der Selbstmord über die Grenzen Rußlands hinaus Aufsehen erregt. Der freiwillige Tod des leitenden Direktors kennzeichnet wohl am besten die unge­heure Ueberraschung, die in Rußland der Berkaus der Bahn ausgelöst hat. Kein Mensck in Rußland, die Generaldirektoren der Nordmandschu­rischen Bahn mit einbegriffen, hatte diese Wendung vorausgeahnt. Erst kurz vor dem Eintritt des Er­eignisses war durch den Chabarowsker Sender an alle roten und weißen Russen die eindringliche War­nung ergangen, sich für einen solchen Berkaus ein­zusetzen, da jeder Fall der Begünstigung mit Er- schießsn geahndet werde.

Die Niederlage, die Rußland hier erlitten hat, geht nicht Rußland allein an, sie trifft die kaufmän­nischen Kreise Europas kaum viel weniger. Es wäre verfrüht, die tiefeinschneidenden Folgen des Besitz- wechsels schon heute im Näheren skizzieren zu wol­len. Daß sie von ganz beträchtlicher Tragweite sein werden, liegt außerhalb jeden Zweifels. In der Halbmillionenstadt C h a r b i n , die von heute auf morgen zu den japanischen Hoheitszeichen hat hin­überwechseln müssen, fühlt man die Folgen mit un­geheurer Beklemmung voraus, mit einer Beklem­mung, die auf schwerste seelische Erschütterung hin- ausläuft. Es vergeht kein Tag, da nicht patriotisch empfindende Leute freiwillig aus dem Leben schei­den, weil sie sich in die neue Wendung nicht hinein­finden können.

Charbin beherbergt rund achtzigtausend Russen, wobei weiße und rote Russen etwa gleichstark vertreten sind. Es gab unter den wei­ßen Russen freilich gar manchen, der, als der Bahnverkauf drohte, mit einem gewissen inneren Behagen dem Besitzwechsel entgegensah, allerdings nur, weil man die Hoffnung auf eine Bessergestal- tung der rein persönlichen Verhältnisse Daran knüpfte. Man muß wissen, daß die weißen Emi­granten, an denen Chardin so reich ist, sich mit den oerzweifelndsten Sorgen um das bißchen Leben herumschlagen. Man hat Hunger, Entbehrung und Elend, solang man überhaupt denken kann. Das stille Liebäugeln mit der großen Wendung ist menschlich also wohl schon verzeihlich, denn man sagte sich: die Japaner werden die alten Bahn­beamten und Bahnangestellten nach Hause schicken und sie durchweiße" ersetzen.

Kaum jemals jedoch sind menschliche Sehnsüchte schlimmer und schmählicher enttäuscht worden. Bereits 24 Stunden nach vollzogenem Besitzwecksel brachten die Japaner ihre eigenen Leute in hellen Haufen ins neue Gebiet. Die Sonderzüge nahmen kaum ein Ende. Ungezählte Scharen von Beamten, von Büropersonal, von Arbeitern rückten an und die Russen machten lange Gesichter. Allerdings wollen die Japaner in den am meisten bedrohten Gegenden auch Russen einsetzen. Vorläufig beruht das freilich erst auf Hörensagen. Sollte es aber wirklich zur Tat werden, dann kann es nur ein sehr schwacher Trost sein, denn die Leute, die man hier als Grenzschutz einstellen wird, werden gegen das starke japanische Aufgebot nur ein bescheiden kleines Häufchen bleiben.

Sicherlich hätten die Japaner auch nach den Grenzgebieten ihre eigenen Leute beordert, wenn das japanische Menschenmaterial dem Partisanen­krieg gewachsen wäre. Da jedoch allein schon die seelische Verfassung des Japaners sich der Ausbil­dung zum Jäger widersetzt, wird man hier wohl auf den russischen Söldner angewie- s e n sein. Aber nicht einmal dem russischen Söld­ner wird es wohl zu Mute fein, wenn er sich die allgemeine Lage vergegenwärtigt. Die Sonderzüge, die aus Japan herangerollt kamen, haben nicht nur Bahnpersonal herbeigebracht, es sind auch riesige Scharen japanischer Geschäfte­macher eingetroffen, die sich mit einem wahren Heißhunger auf Charbin gestürzt haben. Es war, als ob ein Heuschreckenschwarm die Stadt über­falle. Da die Fahrkartenvorräte der Bahnhöfe dem Riesenansturm auch nicht vergleichsweise ge­wachsen waren, mußte man die meisten Ge- schäftlhuder, die gen Charbin zogen, auf ihre bloße Visitenkarte hin fahren lassen. Den weißrussischen Kaufleuten und Krämern ist es angst und bange, denn was werden wird, das ist schon heute klar und deutlich zu übersehen. Die japanischen Abenteurer, die sich jetzt in Chardin breitmachen, haben reich­liche Kapitalien dzw. reichlichen Kredit mitge­bracht, und es wird nicht lange dauern, bis auch der letzte weißrussische Händler und Krämer vor ihnen die Klinge strecken muß. Der weißrussische Kauf­mann hat bislang mehr vegetiert als gelebt, und es bedarf nur noch eines leichten Lufthauches, bis er umfällt. Die Tragödie ist ohnehin nicht aufzuhalten, da den fpotthaft niedrigen Warenpreisen der Ja­paner niemand Konkurrenz bieten kann.

Was hier vom Weißrussen gesagt ist, gilt vom europäischen Geschäftsmann über­haupt. Er wird, wenn Charbin nach und nach immer mehr japanifiert wird, auf die Dauer den Kürzeren ziehen müssen. So wie es in Dairen der Fall war, wird Charbin eines Tages durch und durch japanisch geworden sein, alles, was nach europäischem Handel aussieht, wird gnadenlos er­sticken. Der Japaner ist in diesem Punkte erschreckend- unverdrossen. Er bedient sich zwar nur legaler Mit-

Die Außenminister des Valkanbundes tagen in Bukarest.

Giresa ohne Balkanmächte. Widerstand gegen das Aufrüstungszugeständnis an Oesterreich, Ungarn und Bulgarien.

Bukarest, 10. Mai. (DNB.) Der türkische, der südslawische und der griechische Außenmini st er sind zur Tagung des Balkan­bundes in Bukarest eingetroffen, dessen Sitzungen morgen beginnen. Aus Anlaß des rumä­nischen Nationalfeiertages werden die drei Außen­minister morgen früh einer militärischen Truppen­parade bewohnen und hierauf Frühstucksgäste des Königs fein.

Die Konferenz des Balkanblocks erregt in der üdflawifchen Presse großes Interesse. Das halbamtliche BlatteVreme" schreibt: Die vier Außenminister Des Balkanblocks würden in erster Linie über die Lage beraten, die infolge der Kon­er e n z von Stresa entstanden sei. Dabei nehme die Frage der Aufrüstung Oester­reichs, Ungarns und Bulgariens die wichtigste Stelle ein.

Punkt 6 der Erklärung, die die Großmächte in Stresa gemacht hätten und die o h n Mitwir­kung der unmittelbar interessierten Staaten zu­stande gekommen sei, werde den entschieden- sten Wider st and des Balkanblocks Her­vorrufen. Auf der Konferenz in Bukarest werde daher über die Rüstungfrage und im Zusammen­hang damit über d i e Sicherheitsfrage Beschluß gefaßt werden. Auch die Frage des D o - naupattes fei zu erörtern, obwohl sie Grie­chenland und die Türkei nicht unmittel­bar berühre. Man glaube aber trotzdem an ein einheitliches Auftreten des Balkanblockes in dieser Angelegenheit. Schließlich müßten auch d i e Pläne der Habsburger Gegenstand der Ver­handlungen sein. Was den Plan eines Mittel­meerpaktes angehe, so sei man davon über­zeugt, daß dieser ebenfalls nicht ohne Zustimmung der Staaten des Balkanblocks zustande kommen werde.

Die Politik der Tüttel.

Freundschaft mit Moskau und den vorderasiatischen Mächten.

Ankara, 10. Mai. (DNB.) Anläßlich des vier­ten großen Parteitages der republikanischen Volks­partei hielt der türkische Staatspräsident Kemal A t a t ü r ck eine bemerkenswerte außenpolitische Rede. Er erklärte u. a., daß der vierte Parteitag mit einer Zeit aufstrebender Entwicklung im ganzen Lande zusammenfalle und zählte die Erfolge auf, die auf allen Gebieten erzielt worden feien. Zur Außenpolitik übergehend erklärte er, die Türkei ver­folge das Ziel, den internationalen Frieden zu er­halten und gute Freundschaft mit allen Nachbarn zu bewahren. Unter starkem Beifall hob Atatürck die dauerhafte und ehrliche Freundschaft zwischen der Türkei und der Sowjetunion hervor, und erinnerte vor allem an die Unterstützung, die Sowjetrußland den türki­schen Forderungen in der Meerengenfrage gewähre. Die türkisch-sowjetrussische Freundschaft werde auch weiterhin dem internationalen Frieden bienen.' Den Balkanpakt berührend, unterstrich der Staatspräsident die Bedeutung dieses Paktes, der die Aufgabe habe, die Unruhe auf dem Balkan zu beseitigen. Nach einer Bezugnahme auf die Freundschaft zwischen der Türkei und Iran (Persien) und die freundschaftlichen Bezie­hungen zu Afghani st an und zu allen übrigen benachbarten und entfernter liegenden Ländern, ver­sicherte Atatürck, daß die türkische Republick nichts weiter erstrebe, als ein nützliches und friedfertiges Mitglied der großen Dölkerfamilie zu fein. Atatürck schloß mit dem Wunsch, daß es dem Völkerbund ge­lingen möge, Das internationale Vertrauen zu festi­gen und die Wunde der Vergangenheit zu heilen.

Rumänien

im ftanzösischen Fahrwasser.

Titulescu

begrützt die neuen Pariser Freundschaften.

Bukarest, 9. Mai. (DNB.) Der Minister des Auswärtigen, Titulescu, gab ein Frühstück zu Ehren Paul-Bo neours. Dabei hielt Titulescu eine Rede, Die sich sehr betont gegen Den Revisions- geDanken roanDte. Rumänien fühle sich in Ver - teiDigung Des FrieDens mit Frank­reich soliDarisch unD werde Frankreich

treu bleiben.Europa", so führte Titulescu weiterhin aus,muß sich daran gewöhnen, Die poli­tischen Schöpfungen, Die aus Dem Weltkrieg her­vorgegangen finD, als Wirklichkeiten zu be­trachten, Deren Wirklichkeitscharakter noch im stän- Digen Zunehmen begriffen ist. Diese politischen Schöpfungen haben es nicht nötig, irgenb jemanDen gegenüber erst ihr Lebensrecht zu erhärten, sie wer­ben sich niemals abbrosseln lassen. Unser mobernes Leben braucht bie großen natio­nalen Einheiten sowohl vom wirtschaftlichen Stanbpunkt aus, wie aus Grünben ber Sicherheit. Aber man muß auch wissen, auf welchen Wegen biefes wichtige Ziel anzustreben ist. Wenn man ver­suchen wollte, unter bem Dorwanb, Gerechtigkeit zu üben, bas roieber aufzubauen, was längst abgetragen ist, so wäre bas nicht nur ein vergebliches Bemühen, fonbern es würbe auch noch bebeuten, baß man ben Stanb ber Dinge er ft künstlich roieber schafft, aus

ßonbon, 10. Mai. (DNB.-Funkfpruch.) Der Berichterstatter besDaily Telegraph" in Abbis Abeba melbet: Der Kaiser von Abessinien, ber am Donnerstagabenb nach ber befestigten Stabt Har- r a r abgereift ist, teilte mir vor feiner Abreise in einer Unterrebung mit, baß er, wenn Italien feine kriegerischen Vorbereitungen fortsetze, Die allge­meine Mobilmachung anorDnen werbe. Der Kaiser erklärte, er habe seine Politik, bie trotz ber militärischen Vorbereitungen unb ber feinbseli- gen Propaganba Italiens barauf abgezielt habe, eine schiebsgerichtliche Entscheidung Herbeizuführen, noch nicht aufgegeben. Abes­sinien habe viel aufs Spiel gesetzt, indem es auf eine allgemeine Mobilmachung als Gegenmaßnahme gegen Italiens Vorgehen ver­zichtete. Er hoffe immer noch, daß auf der Sitzung des Volkerbundsrates vonz 20. Mai ein entscheidender Fortschritt in Richtung auf eine friedliche Losung erfolgen werde. Der Kaiser fügte hinzu:

Wenn Dies aber nicht der Fall ist und wenn Italien seine militärischen Vorbereitungen fortseht, dann müssen wir mobil ma- chen. Aethiopien wird sich niemals mit einem 3 u ff a n b inoffiziellen Krie­ges abfinben, wie er vorhanben war, als Japan seine Operationen in Mandschu- kuo burchführte. Dir werben von vorn­herein Wiberstanb leisten."

Wie der Berichterstatter weiter meldet, haben die Reden in der italienischen Kammer, die sich gegen

Paris, 9. Mai. (DNB.) Außenminister Laval ist am Donnerstagabend mit dem Nordexpreß nach Warschau abgereist. In seiner Begleitung be­fanden sich seine Tochter, der Generalsekretär des Quai d'Orsay, Leger, und sein Kabinettschef R o ch a t. Nach einer amtlichen polnischen Mittei­lung wird der vorgesehene Empfang des franzö­sischen Ministers bei Marschall Pilsudski nicht st a 11 f i n b e n. Die amtliche Verlautbarung besagt, baß. Marschall Pilsubski mit Rücksicht auf seinen Gesunbheitsstanb auf ärztliches Anraten auf die geplante Besprechung mit Laval verzichten müsse.

*

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Sejm unb zugleich Vorsitzenber ber polnisch-franzö­sischen parlamentarischen Gruppe in Warschau, Fürst Janosz Rabziwill erklärt imCzas", Regie­rung wie öffentliche Meinung Polens begrüßen den Besuch Lavals. Man wünsche bie Beseitigung ber auch zwischen Freunben immer möglichen Mißver- ftänbniffe, vor allem aber wünsche man eine solche Angleichung ber Politik beider Staaten, daß sie

dem seinerzeit Der Weltkrieg hervorge­gangen ist. Das einzige Verfahren, was wirklich angängig ist, besteht Daran, Daß bie Staaten sich auf ber Grundlage ihrer großen allgemeinen In­teressen zusammenschließen. Deshalb begrüßen w i r auch mit aufrichtiger Freude zwei für Frank­reichs auswärtige Politik der letzten Zeit besonders hervorstechende Ereignisse, nämlich die Annähe­rung zwischen Frankreich und Italien unb bie Annäherung zwischen Frank­reich unb Sowjetrußlanb. Die Unterzeich­nung bes Beistanbpaktes zwischen Paris und Moskau ist ein Ereignis von solcher Wichtigkeit, daß alle künftigen Folgen, bie sich baraus für eine Neuorganisierung bes Friedens ergeben, im Augen­blick noch gar nicht übersehen werden können. Denn dieses Ereignis scheint berufen, für bie künftige Organisation ber Sicherheit in Europa bieGrunb- lage abzugeben.

Abessinien znm Widerstand entschlossen.

Der Ausgang der Genfer Ratstagung soll abgewartet werden.

Lavals Besuch in:

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arschau.

Kein Empfang bei pilsudski. polen und der Beistandspakt.

auch im Falle heute nicht sehr wahrscheinlicher Mög­lichkeiten grunbsätzliche Konflikte. ober gar tragische Gegensätze zwischen Polen unb Frankreich aus­schlössen. Jrn Zusammenhang mjt Dem französisch­sowjetrussischen Pakt, nach bem auch Sowjetrußland verpflichtet sei, Frankreich bewaffnete Hilfe zu leisten, wirft Fürst Rabiziwill bie Frage auf, ob bie fran­zösische Öffentlichkeit glaube, baß bie polnische Ost grenze s i ch vor ben Millionen ber Roten Armee öffnen würbe, beren Haupt­ziel bie Verbreitung ber fommunifti- scheu Weltrevolution fei, unb baß bie Stäbe biefer Armee in Krakau, Posen, Wilna ober Warschau sich nieberlassen konnten Derartige Mög­lichkeiten würbe Polen nicht zulassen. Jeber Versuch, bie westliche ober bie östliche Grenze Polens zu überschreiten, würbe immer auf ener­gischen polnischen Wiberstanb stoßen. Die Notwenbigkeit, sich einem solchen Versuch im Osten zu wibersetzen, würbe es Polen gleichzeitig praktisch unmöglich machen, Frankreich an ber West­grenze zu Hilfe zu kommen. Man müsse von ber polnischen Regierung erwarten, baß sie bie heute

bie Regierung Abessiniens richteten unb befonbers bie Rebe Des Unterstaatssekretärs für Die Kolonien, Lessona, Der Abessinien ein LanD Der Räuberei unD Sklaverei nannte, in AbDis Abeba bie lieber* zeugung heroorgerufen. Daß Italien zum Kriege entschlossen ist.

Italien gegen Waffenlieferungen an Abessinien.

Rom, 9. Mai. (DNB.) Das halbamtlicheGior- nale D'Jtalia" nimmt nochmals mit besonDerem NachDruck gegen Die Waffenlieferungen europäischer Rüstungs - Fabriken an Abessinien Stellung, bie ber Regierung in Rom namentlich genau bekannt seien; auch sei sie über bie gelieferte Waffenmenge, sowie über bie Vermittler unterrichtet. Die italienische Regierung habe bei ben ßänbern, bie biefe Waffenlieferungen zulassen, bie notroenbigen Schritte unternommen, was ausreichenb fein werbe. Die Welt müsse aber wissen, baß bie Freunbschaft Italiens von ber Hal­tung abhänge, bie jebes Lanb in ber Belieferung Abessiniens mit Kriegsmaterial einnehme.

*

Stockholm, 10. Mai. (DNB.) Zu ber Melbung besGiornale b'Jtalia" wirb ber schwebifchen Tele­graphenagentur von zustänbiger Seite erklärt, baß kein schwebisches Rüstungsmaterial nach Abessinien ausgeführt worben ist unb auch keinerlei Lizenzen für solche Ausfuhren erteilt worben finD.

tel, aber er ruht nicht eher, bis er g a nz am Ziel ist. Wie wenig man etwas auf Rücksichtnahme gibt, bas ist jetzt schon an einer Reihe hochstmerkwürbiger Konkurrenzkampfmethoben klar geworben, Metho- ben, so eigenartig unb ausfallenb, baß selbst Zeitun­gen bes japanischen Fesllanbes überrascht unb er­staunt taten.

Auch bie Stimmung Derroten" Russen ist nach Dem Verkauf Der norDmanDfchurischen Bahn erheblich gesunken. Aus Moskau ist Befehl an sie ergangen, roieDer in Die alte Heimat zu- rückzukehren, Doch nur die allerwenigsten zei- gen sich gewillt, Dem Befehl nachzukommen, obwohl Moskau ausDrücklich versichert hat, Daß in RußlanD genügenD Lebensmittelvvrräte unD genügenD sonstige BeDarfsartikel für Das tägliche Leben vorhanDen feien. Die Botschaft aus UDSSR, scheint jeDoch auf wenig Gläubigkeit gestoßen zu sein, denn Neun­

zehntel aller roten Russen wollen von einer Rück­kehr nichts wissen. Die wenigen aber, Die Dem Mos­kauer Befehl Folge zu leisten sich anschicken, finD jetzt gezwungen, ihre GrunDstücke zu Preisen loszu­schlagen, Die wie ein Hohn klingen. Ein Vermieten Der GrunDstücke scheiDet ohne weiteres aus, Da es sich mit Der Charbiner Eigengesetzlichkeit nicht ver­trägt. Zwischen Vermieten unb Verschenken wäre herzlich wenig Unterschieb. So ist es schon besser, wenigstens etwas zu retten unb bleibt Der Erlös auch nur eine Bagatelle.

Es kommt hinzu, Daß Den Russen, Der roieDer Die Heimreise antritt, in Diesem Augenblick Das Bar- gelD unD wäre Die Summe noch so gering mehr reizt Denn je zuvor. Darum schlägt man nicht nur Die GrunDstücke los, fonDern zugleich auch alle anDere Habe, an Die man nicht unbedingt gebunDen ist. Selbst Generationen lang gehütete Kostbarkeiten

gibt man fort Man macht gar keinen Hehl Daraus, Daß man Das GelD, Das Durch Die Veräußerungen hereinkommt, einer neutralen Bank überweist. Später, wenn man roieDer in UDSSR, sitzt, will man sich Die Beträge ratenweise nachschicken lassen. Dieser Rückhalt scheint Den Russen taufenbmal wert­voller zu sein als alle schonen Illusionen, Die man in Moskau in Szene gesetzt hat, um Den Abrücken- Den Die Heimat wohlgefälliger zu machen. Wie wenig man Den Moskauer Illusionen traut, Das lehren aber noch prägnanter bie umfangreichenEinbeckungs- fäufe" unbEinbeckungsumtausche", bie bie heim- kehrenben Russen noch kurz vor ihrer Ueberfieblung tätigen. Noch nie finb Kleibungsstücke, Wäsche, Näh­maschinen, Küchengeräte unb begleichen begehrter gewesen als in biefen Tagen. Wer vorsorgt, hat später keine Enttäuschung. Eine alte Wahrheit, Die nicht einmal Moskau umzustürzen vermag.