Ausgabe 
10.4.1935
 
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Rr.85 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefjen)Mittwoch, (0. April (935

S.Ä.-SpOTt

Keine Karten mehr

für DeutschlandSpanien!

Die zuständige Stelle des Deutschen Fußball- Bundes in Köln gibt bekannt, daß jede weitere An­forderung von Karten, gleich welcher Art, nutzlos ist und mit Rücksicht auf die zu bewältigenden Ar­beiten unterbleiben muß. Auch ist es zwecklos, tele­phonisch oder telegraphisch oder durch persönlichen Besuch zu glauben, noch eine Karte bekommen zu können.

Rückfragen von Vereinen oder sonstigen Bestellern, ob sie bedient würden und wann, sind ebenfalls zwecklos und wirken nur störend. Die Stadionver- waltung ist seit zwei Tagen damit beschäftigt, alle vorbestellten Karten, soweit die Vorbestellungen er­füllbar waren, zu versenden. Die Anforderungen von Reisegesellschaften aller Art konnten ebenfalls nicht erfüllt werden, weil die Anforderungen der Vundesvereine das Fassungsvermögen bei weitem überschritten.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

1900 I besiegt nach schwerem Kampf Watzenborn- Steinberg I 2:0 (2:0).

Im Ernst hätte ja niemand daran gedacht, daß bei diesem Wetter und diesen Platzoerhaltnissen das Pokalspiel der Zwischenrunde zum Austrag kom­men würde. Ein Fußballspiel konnte man diese Begegnung deshalb auch gar nicht nennen. An eine Beherrschung des Leders und an eine Ballkontrolle war nicht zu denken. Die Spieler hatten ihre liebe Mühe und Not, ihren eigenen Körper in der Ge­walt zu behalten, und es dürfte wohl jeder froh gewesen sein, als das Treffen zu Ende war. Stein­bergs Teutonen, nicht in stärkster Aufstellung, leg­ten gleich frisch los, denn für ihre Spielweise waren die Bodenverhältnisse immer noch nicht so hem­mend. Die Blauweißen dagegen kamen nur sehr schwer ins Spiel, da sich das flache Ballführen, ver­bunden mit zu langem Ballhalten, und immer wieder dem Versuch zu umspielen, nur sehr nach­teilig auswirkten. Kombinationsmannschaften müs­sen sich bei solchen Platzverhältnissen einfach um­stellen, und das können die Gießener anscheinend nicht. An diesem Problem scheiterte auch der so sichere Gewinn der Meisterschaft.

1900 Gießen war mit Schmidt; Zeiler, Lippert; Mank, Heilmann, Heinbach; Wilhelmi, Langsdorf, Schmelz, Hammer und Kaps nach Steinberg ge­fahren und hatte damit begründete Hoffnungen auf einen Sieg. Er trat auch ein, aber nicht in der Weife, wie man sich diesen erhoffte, denn er kam einzig und allein auf das Konto der ganz über­ragenden Hintermanschaft. Die Blauweißen waren in der ersten Spielhälfte groß überlegen. Der un­beholfene Angriff wertete diese Ueberlegenheit aber nicht in genügend Treffern aus, wozu beste Ge­legenheit vorhanden war. Mit einem Nachschuß er­hielte Heilmann die Führung für 1900. Kaps ließ dann endlich Nr. 2 folgen. Ein weiteres sicheres Tor verhinderte einer der Gastgeber durch Hand­abwehr. Den scharf geschossenen Elfmeter jagte Mank an den Pfosten, wodurch diese Chance ver­geben wurde. Und da weiterhin nichts mehr er­zielt wurde, ging man mit 2:0 für Gießen in die Pause.

Nach Wiederbeginn hatte der Gießener Angriff das bessere Spielfeld, während es jetzt die Abwehr außerordentlich schwer hatte, denn in ihrem Be­reich war der Boden grundlos geworden. Der Sturm der Blauweißen hatte auch jetzt noch eine ganze Anzahl günstige Gelegenheiten, man gewann aber immer mehr den Eindruck, daß es hier mit dem Durchhalten der Kräfte nicht mehr so ganz stimmte, und daß auch nicht immer der nötige Energieaufwand gemacht wurde, um mit Ent­

schlossenheit die Chance wahrzunehmen. Anders dagegen der Gastgeber. Er spielte unbekümmert weiter, gestaltete zeitweise durch seine wuchtigen Bergab-Angriffe, mächtig unterstützt durch das Publikum, das Spiel überlegen, ohne es bei der glänzenden Gießener Hintermannschaft zu Erfolgen bringen zu können. Einmal stand auch den Gie­ßenern das Glück bei, als nach einigen verschulde­ten Ecken eine derselben von Freund und Feind verfehlt mitten vor das 19OOer-Tor kam. Ein schnel­ler Torschuß prallte aber vom Posten zurück und die Gefahr wurde von Heinbach endgültig beseitigt. Einige Minuten später war der Kampf aus, nach­dem auch Schmelz auf der anderen Seite die Latte getroffen, Kaps nur um Zentimeter knapp dane­ben und Mank, der infolge einer erlittenen Ver­letzung in den Sturm gewechselt war, dreimal in aussichtsreicher Stellung darüber geschossen hatte.

Die Gießener waren besser besetzt, so daß der Sieg in der erzielten Höhe nicht unverdient ist. Die besten Leute waren Lippert, Heinbach und Zeiler. Schmidt im Tor war sehr aufmerksam.

In der Steinberger Elf war ein überragender Mann, der Mittelläufer Lang. In Aufbau und Ab­wehr gleich gut. Er war überall wo Gefahr drohte. Gut gefallen konnte auch der Torhüter, der für das knappe Resultat in erster Linie verantwortlich zeich­nete. Für den verhinderten Schiedsrichter D e i ß (Nauborn) pfiff Schiedsrichter Miller (Wetzlar) zwar nicht fehlerfrei, trotzdem konnte man mit

Nachdem nun auch die Landemeldung vonBal­lon Köln (Führer Geusgen), der bei Wloowaleck in der Nähe von Warschau gelandet ist und die des BallonsNürnberg" (Führer Frank), dessen Lan­dung bei Posen-Zabno erfolgte, vorliegt, wird

seiner Leistung zufrieden sein. Das Spiel verlief recht fair. Der Besuch war sehr schlecht.

Das vor dem Ligaspiel vorgesehene Jugendspiel zwischen beiden Vereinen kam wegen den Witte- rungs- und Bodenverhältnissen nicht zum Austrag. Kußballabteilung des Tv. LaunSbach.

Am Sonntag trafen sich auf dem Sportplatz in Launsbach die 1. Mannschaft von Launsbach (II. Kreisklaffe) und die 1. von Krofdorf (I. Kreis­klasse). Das Spiel endete mit einem knappen 5:4° Sieg der Platzbesitzer. Im Spielverlauf kamen die Gäste zunächst durch mehrere grobe Schnitzer des Launsbacher Tormannes zu vier Erfolgen, durch die sich die Launsbacher jedoch nicht entmutigen ließen. In der Folge konnten die Gastgeber den Kampf sogar überlegen für sich gestalten. Beim Stande von 4:2 für Krofdorf wurden die Seiten gewechselt. In der zweiten Halbzeit bestimmte Launsbach auch weiterhin die Kampshandlung und konnte sich einen verdienten Sieg sichern.

Empfang der Adler-Rekordfahrer im Adler-Werk.

Die Fahrer des Adler-Trumpf-Junior-Wagens, der auf der Avus dreizehn internationale Klassen­rekorde aufgestellt hat, Haase und Schweder, wurden am Dienstagnachmittag bei ihrer Rückkehr nach Frankfurt von der gesamten Belegschaft der Adler- Werke in feierlicher Weise empfangen. Im Anschluß an einen Betriebsappell zur Vertrauensratswahl ehrte Ritter von Georg von den Adler-Werken die beiden Fahrer und die gesamte Belegschaft, von der ein jeder das Seine zum Gelingen der Rekord­fahrt beigetragen habe. Reichsstatthalter Gauleiter

an die Festellung des Siegers der Deutschen Freiballon - Meisterschaft gegangen. Wahrscheinlich wird diesChemnitz 8" (Führer Bertram) mit 1034 Km. vorWilhelm Opel" (Führer D e k u-Darmstadt) mit etwa 1000 Km. sein.

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Scherl-Bildmaterndlenst

Nachdem der erste geplante Start der Wettbewerbs-Ballone um die Deutsche Meisterschaft am 17. Februar infolge eines nächtlichen Orkans unmöglich geworden war, ging jetzt am vergangenen Sonntag der Start in Darmstadt reibungslos vor sich. Im Namen des Reichsluftfahrtministeriums gflb Reichsstatthalter Sprenget das Startkommanoo. Auf unserem Bilde sieht man eine Anzahl der Ballone, die an der Wettfahrt teilnahmen.

BallonChemnitz 8" voraussichtlich Sieger.

Sprenger, zahlreiche Vertreter der Behörden, der SA. und SS. sowie die Presse wohnten der Feier bei.

Oer Sieger im Hindenburg-Gepäckmarsch.

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Scherl-Bildmaterndienst

Zum drittenmal führte der SC. Komet in Berlin deni Hindenburg-Gepäckmarsch durch, der über 35 Kilo­meter ging, und an dem bei starker Beteiligung aus dem Reiche falt 1000 Mann teilnahmen. Sieger wurde Stack (Reichsbahn Berlin), der mit 4:05,09 Stunden das Ziel erreichte und den Ehrenpreis des Führers und Reichskanzlers erhielt.

Kurze Sportnotizen.

Dr. Bäumens (Köln) und der italienische Schiedsrichter Barlassina stehen als Spielleiter für das am Sonntag in Prag stattfindende Länderspiel Tschechoslowakei Oesterreich in engerer Wahl.

Der Polnische Ruderverband hat eine Beteiligung an den Regatten in Breslau (23. Juni), Königsberg (1. Juli) und an den Ru­der-Europa-Meisterschaften in Berlin beschlossen.

Bayerns Fußballmeister, die Spielvg. Fürth, ist von der Prager Slavia zu einem Freundschaftsspiele in der tschechischen Hauptstadt eingeladen worden. Die Fürther werden der Ein­ladung Folge leisten.

Die Uebungsfolge für den am 28. April in Budapest statfindenden Kunstturn-Länderkampf zwischen Deutschland und Ungarn wurde jetzt fest­gelegt. Geturnt wird an Barren, Querpferd, Längspferd, am Reck und an den Ringen und dazu kommt eine Freiübung. Die Wertung erfolgt als Einzel- und Mannschaftskampf.

60 Jahre besteht in diesem Jahre der Deutsche Turnverein in Mexiko. Reichssportführer und DT.-Führer von Tschammer und Osten und der Leiter des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland haben Glückwunschschreiben gesandt.

wer Sen deutschen Lustsport fördert, een HInürndurg Hilst Deutschland!

Werde Mttglteü tw Deutschea Luftsport.Verbandk

Die Zfflandstöchter und ihre Freier.

ZRoman von J. Echneider-Foerstl.

Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

27 Fortsetzung Nachdruck verboten!

Klaudine hatte inzwischen Zeit gehabt, sich zu sammeln.Sie selbst haben keinerlei Fühlung mit den Verwandten?"

Nein."

Das hatte so abweisend geklungen, daß sie jede weitere Frage unterließ. Erst nach einer Weile meinte sie, mit einem bitteren Lächeln um den Mund:Vielleicht ändert sich das noch einmal?"

,Laum", gab er zur Antwort.Es ist ja möglich, daß ich einmal nach diesem Haslbach fahre und mir das Mädchen ansehe, das sich zwischen mich und meinen Bruder gedrängt hat. An einem näheren Verkehr habe ich kein Interesse.--Warum sehen

Sie mich denn so erschrocken an?" Und als Klaudine nichts erwiderte, strich er flüchtig über ihre Hand.

Sie müssen mich begreifen. Wenn man so viele Jahre ein Einzelgänger gewesen ist, findet man den Anschluß nicht mehr so recht. Will ihn schließlich auch gar nicht mehr finden. Ich habe Bob gehabt und war zufrieden. Und nun soll ich, dieser Familie Jffland zuliebe, wieder zurück in die Gemeinschaft. Ich werde eine Schwägerin bekommen, und diese Schwägerin hat wiederum Geschwister."

Vielleicht sind diese Jfflands besser, als Sie denken, Herr Pöttmes." Der Ton, der in ihrer Stimme mitschwang, ließ ihn verwundert aufsehen.

Ich hoffe es fogar", sagte er mit einem Anflug von Spott.Vielleicht kommen Sie mit nach Hasl­bach Klaudine, dann können Sie gleich selber sehen."

In diesem Augenblick rief Bob flehentlich:Ich weiß ja nicht, was jetzt werden soll! Ich muß zu studieren aufhören. Begreif' mich doch, Luzie, ich kann doch nicht zu Niels kommen und ihn bitten, daß er mich ourchhält!"

Klaudine beobachtete Niels' Gesicht, wie jeder Nerv darin angespannt war, um nichts zu über­hören. Ihr Herz klopfte zum Zerspringen. Wenn Bob ihren Namen nur einmal erwähnte, war sie entlarvt.

Aber dessen Mund schwieg schon wieder. Sie stand auf und tupfte dem Fiebernden die Schweiß­tropfen von der Stirn, neigte sich herab und küßte ihn auf die Lider.Vielleicht lassen Sie das Mäd­chen doch kommen, Herr Pöttmes; er tut mir jo unendlich leid."

Ohne etwas zu erwidern, erhob sich Niels. Die Schwester trat ein und richtete Verschiedenes für die Nacht zurecht. Gegen ein Uhr pflegte der Chef­arzt noch einmal die Runde bei den Schwerkranken zu machen. Niels strich abschiednehmend über Bobs unruhige Hände. Klaudine legte ihre Finger für eine Sekunde auf dessen heiße Wange und konnte trotz aller Selbstbeherrschung nicht verhindern, daß ihr wieder die Tränen kamen.

Als sie auf den Korridor traten, ergriff Niels ihren Arm und neigte sich an ihr Ohr:Ist das nicht eigentümlich? Sie selbst haben niemand, der Ihnen nahesteht, und nun legt Ihnen das Schicksal gleich zwei fremde Menschen ans Herz, damit Sie der eigentlichen Bestimmung des Weibes nicht ent­gehen: Liebe zu geben und Leid tragen zu helfen. Bereuen Sie?" fragte er zögernd.

Nein!"

Ich danke Ihnen, Klaudine."

Mit großer Behutsamkeit half er ihr in den Wagen, der sie unten am Portal erwartete.

Es war Niels nicht möglich, einzuschlafen. Immer wieder mußte er Bobs Fieberworten nachgrübeln. Ich kann doch nicht zu Niels kommen und ihn bitten, daß er mich durchhält?" Je länger er dar­über nachdachte, desto klarer wurde es ihm, daß hier der eigentliche Grund zu Bobs Handeln lag; sowohl bei Aufgabe seiner Wohnung in der Nähe der Sorbonne, als auch bei diesem Selbstmord­versuch.

Zweifellos, es drehte sich um Geld. Entweder hielt ihn Henriette so knapp, oder für dieses Oder" fand er allerdings keine Erklärung mehr. Blieb nur noch die Möglichkeit, sich Gewißheit zu holen. Und diese Gewißyeit vermochte er sich nur bei Henriette zu verschaffen.

Bobs Befinden war in den kommenden Tagen ziemlich zufriedenstellend. Klaudines Anwesenheit schien sich äußerst günstig auf seinen Zustand aus­zuwirken. Auf Niels Frage an den Chefarzt, ob er es wagen könne, für ein paar Tage zu verreisen, antwortete dieser mit einem überzeugtenJa".

Auch Bob hatte nichts dagegen, als er ihm davon Mitteilung machte, daß er für ein paar Tage nach England fahren werde. Er begriff, daß der Bruder nicht immer an feinem Bette fitzen konnte. Und er war ja nicht allein. Er hatte ja Klaudine.

Sie lächelte tröstend, als Niels ihr die Sorge um den Bruder übertrug.Sie können ganz be­ruhigt sein", sagte sie gütig.Bei der geringsten Veränderung seines Befindens depeschiere ich Ihnen. Sie brauchen mir nur anzugeben, wohin."

Wohin hm, das ist es eben", meinte er ein wenig verlegen. >,Jch ^nn mich nämlich nicht lange an ein und demselben Ort aufhalten. Da besteht die Möglichkeit, daß mich eine Depesche Überhaupt

nicht erreicht. Ich hoffe aber, daß eine solche Nach­richt gar nicht nötig werden wird. Oder sind Sie anderer Meinung?"

Durchaus nicht!" beruhigte Klaudine ihn.Ich finde Bob schon viel, viel besser, als in all den Tagen vorher. Reisen Sie also ganz unbesorgt."

*

Und Niels reiste.--Aber nicht nach England,

wie er vorgegeben hatte, sondern nach Hasl- bach.

Man hatte mitten im Januar im Park von Haslbach Primeln gepflückt. Dafür schneite es jetzt, da es dem Winterende zuging, ohne Unter­laß. Zweimal täglich mußte der große Schnee­pflug verkehren, um die Wege freizumachen. Die Luft war erfüllt von dem leisen Klingen des Fro­stes, der den großen Weiher mit einer dicken Eis­decke umpanzert hatte. Lawinenartig donnerten die Schneemassen von den Dächern herab und schu­fen Mauern und Hindernisse, daß man nicht Hände genug fand, sie wieder zu beseitigen.

Henriette hatte sich ein wenig erkältet und wurde von Luzie mit Fliedertee und Eukalyptus- tropfen kuriert.

Sie waren beide sehr ärgerlich auf Bob gewe­sen, weil er so lange nichts mehr von sich hatte hören lassen. Nun, da Klaudine geschrieben, daß er sich bei einem Sprung den rechten Arm ge­brochen hatte, wußte man wenigstens, was los war. Da konnte der Aermste freilich nicht schrei­ben! Dafür schrieb Henriette und wunderte sich über sich selbst, wie man zehn Seiten, fertigbringen konnte, wo sich doch nichts, aber auch gar nichts auf Haslbach ereignete, was des Erwähnens wert gewesen wäre.

Für den Vormittag hatte man den Arzt er­wartet, weil der Husten sich trotz aller Tees und Tropfen nicht bessern wollte.

Unten fuhr eben der Schlitten vor die Rampe. Zugleich schrillte das Telephon, und als Luzie hin­zusprang, meldet sich der Sanitätsrat, der ihr mit­teilte, daß er seinen Vertreter geschickt habe. Er wäre selbst erkrankt und bitte die gnädige Frau, sich dem Kollegen anvertrauen zu wollen. Er wäre äußerst zuverlässig und gewissenhaft.

Luzie hatte kaum den Hörer eingehängt, als das Zimmermädchen auch schon die Tür zum Empfangsraum öffnete.

Eine hochgewachsene Gestalt mit einem etwas abweisenden Gesicht, das von der Kälte gerötet war, verneigte sich vor ihr. Sie verspürte ein zwiespältiges Gefühl, das halb für, halb gegen die­sen Mediziner sprach. Zugänglich war der sicher nicht. Und ob es sich mit ihm so gut plaudern ließ, wie mit dem alten Sanitätsrat, war mehr als fraglich. Versuchen konnte man's ja, und so sagte Luzie, ehe er noch zu Wort tarn, daß es ihr leid

tue, ihn bei diesem Wetter nach Haslbach bemüht zu haben.Aber Mamas Husten ist wirklich böse," erklärte sie.Wir haben's schon mit allem möglichen versucht. Aber es hilft nichts. Wol­len Sie nicht zuerst eine Taffe Fleischbrühe ha­ben, Herr Doktor? Oder einen Glühwein? Sie fint) sicher ganz durchfroren."

Das ist sehr liebenswürdig, gnädiges Fräulein." Die grauen Augen gingen dabei forschend über sis hin.Ich muß Sie aber leider über einen Irrtum aufklären: Ich bin nicht Arzt."

Nicht?!" Luzies Mäulchen stand halb aufgesperrt. Nicht Arzt war er. Und der Sani­tätsrat hatte doch eben telephoniert, daß er feinen Vertreter geschickt habe.Ja wer sind Sie denn sonst?" entfuhr es ihr.

Niels Pöttmes."

So, wie Luzie jetzt, mochte weiland Loths Frau gestanden haben, als Gott sie zur Strafe in eine Salzsäule verwandelt hatte. Wortlos, starr, die Augen unverwandt auf Niels' Gesicht gerich­tet, rang Luzie nach Fassung.Bob--?" war

das erste, das sie hervorzubringen vermochte.

Niels erriet sofort.Nein", sagte er beruhigend, er befindet sich ziemlich wohl. Ich soll vielmals von ihm grüßen. Warum meinen Sie denn?" fragte er, ihre Hand in die feine nehmend. Es ist doch alles gut. Er liegt in der Charit6 und hat außer einer Menge Kapazitäten und einer Schwester auch noch eine junge Dame um sich, die mich seinerzeit aufs treulichste gepflegt hat."

Luzie war noch nicht ganz beruhigt.Wie hat Bob denn das überhaupt gemacht?" stammelte sie. Ich meine, daß er sich den Arm brechen konnte. Ich glaube es eigentlich nicht recht, daß es nur der Arm ist. In der letzten Nacht habe ich so fürch­terlich geträumt: Er wollte sich aus dem Fenster stürzen . . ."

Genau so hatte es sich auch zugetragen", be­stätigte Niels überrascht.Und ehe ich ihn noch halten konnte--fiel er schon."

Es ist also wirklich so gewesen?" schrie sie auf.

Wirklich, leider ja, Fräulein Luzie. Bob hat sich aus dem Fenster seiner Wohnung gestürzt." Er drückte das Mädchen rasch in einen der Leder­stühle und legte seine Hand beschwichtigend auf die bebende Schulter. Der junge Körper zitterte, als wäre er von einem Schüttelfrost befallen. Warum erregen Sie sich denn so fürchterlich," bat er,ich habe Ihnen doch gesagt, daß es ihm ordentlich geht. Der Professor gibt' alle Hoffnung. Es wird zwar noch eine Weile dauern, bis er wieder auf den Beinen ist, aber was ist das im Vergleich zu der Möglichkeit, daß er gerade so gut auch tot hätte fein können."

(Fortsetzung folgt!)