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Italien in Sfresa.

Don unserem römischen E.-Korrespondenien.

Rom, im April.

An einem der friedlichsten Gestade dieser Erde kommen Männer und Mächte zusammen, um über den Unfrieden, um nicht zu sagen über den Krieg zu beraten, der angeblich vor 16 oder 17 Jahren aufhörte. 13 Jahre sind bereits seit der ersten gro­ßen internationalen Konferenz, auf der die ge­siegten mit gleichen Rechten erscheinen sollten, der Konferenz von Genua, vergangen. Auf die leuchtenden Frühlingswochen am blauen Golf fiel nur allzubald der tödliche Reif, die großen Wort­führer B a r t h o u und R a t h e n a u starben eines gewaltsamen Todes, die lauteste politische Firma des damaligen Deutschland, die sich allein befähigt hielt, die Geschäfte zu führen, Bernhard Wolff, hat Bankrott gemacht, und Lloyd George, the man who wun the war, ist reuig vom Versailler Ver­trag abaerückt. Wo Nitti stand, regiert heute Musso­lini, uno der Führer Deutschlands heißt auch nicht mehr Wirth. Die Welt hat sich sichtbar gedreht. Das einzige Ergebnis der Konferenz, der deutsch-russische Vertrag von Rapallo, steht nicht recht sicher auf seinen Beinen.

Wer sich das alles vor Augen hält, wird die Skepsis verstehen, die unsere alte Journalistengarde von Genua beschleicht, wsnn wir nun hören, daß in Stre s a die Welt endgültig verteilt werden soll. Wir haben so das Gefühl, als ob in abermals 13 Jahren die Bühne Europas wieder ganz anders aussehen werde. Nur eines hat sich seit­her nicht geändert, ein Gei st ist derselbe geblieben: der Gei st Frankreichs, der von sich behauptet, mit dem Geist von Versailles und der Entente identisch zu sein. Es kommt nun alles darauf an, ob sich diese Behauptung in Stresa als stichhaltig erweist, ob die Besiegten tatsächlich noch einmal eingekreist und ständig unter Druck gehalten werden sollen, oder ob man ihnen die schon in Genua versprochenen Menschenrechte ge­währen wird. Wobei niemand mehr im Zweifel darüber sein kann, daß das wehrlose Deutschland von Weimar der Geschichte angehört.

Auf der anderen Seite hat Frankreich einen ungeahnten Machtzuwachs erhalten: die acht oder 10 Millionen Bajonette Mussolinis. Dazu unter Umständen die Riesenheere Rußlands. Sich neben der Freundschaft Englands diese ge­waltigen Kraftreserven zu sichern, das ist das ein­zige Ziel der französischen Politik in Stresa. Heber Rußland hat man in Rom seine eigenen Ansichten, die sich nicht ganz mit den Hoffnungen der lateini­schen Schwester decken, hingegen scheint die italie­nisch-französische Freundschaft heute ebenso gesichert äu sein, wie sie damals in Genua brüchig war. Sie Tag für Tag zu vertiefen, unterlassen die beiden nichts, der italienische Frontwechsel hat an Schärfe und Plötzlichkeit selbst in unseren veränderlichen Zeiten kaum ein Beispiel. Ist es doch bereits so weit, daß die Pariser Zeitungen offen schreiben kön­nen: Ihr wollt Abessinien haben? Bitte, nehmt es euch! Und das, bevor nur Italien ein solches Be­gehren deutlich gezeigt hätte. Und weiter: geflissent­lich wird aus Paris die Behauptung vertrieben, Deutschland unterstütze Abessinien, liefere Waffen, Hunderte von Tanks, es stehe hinter dem König der Könige wie es hinter Abd el Krim gestanden habe ufw. Die italienischen Zeitungen nehmen alles auf, das Volk denkt natürlich nicht weiter nach und so braucht es wirklich nicht viel, um nötigenfalls einen Ausbruch von Deutschfeindlichkeit zu erreichen, wie im vergangenen Sommer.

Die große Frage aber ist, o b u n d w i e weit Mussolini das Spiel mitmacht. Schon jetzt läßt sich sagen, daß das Treffen von Stresa

mehr politischen als militärischen Charakter haben wird, das heißt, die deutsche Wehrpflicht, um die es anfangs gehen sollte, rückt in den Hintergrund. Mussolini müßte fld) ja selber verleugnen, wenn er nun abschwören wollte, was er gestern schon ge­billigt hat. Sein ist das Wort von dem Volke, das nur dann geachtet werden kann, wenn es stark ist, wenn es wehrfähig ist. Ehr und Wehr, das ist für ihn ein Begriff, Seiten könnte man mit sol­chen Mussolinizitaten füllen. Es ist auch nicht wahr, daß er mit Deutschland gebrochen hätte, weil er sich in Venedig wie es jetzt die deutschfeindliche Propaganda behauptet kriegerischen Gewalt­plänen Hitlers gegenübergesehen hätte. Muß man daran erinnern, daß es nach feiner Unter­redung mit dem Führer war, als er auf dem Markusplatz ausrief:Wir sind nicht zusam­mengekommen, um die Landkarte Europas zu ver­ändern!"?

Nun verbreiten die Einkreisungspolitiker freilich, er habe seinen Standpunkt a e ä n b e r t, und es ist einigermaßen drollig, ernsthafte Leute frohlocken zu sehen:Mussolini ist der einzige, vor dem sich Deutschland fürchtet". Bitte, so steht das in großen französischen Zeitungen. Man droht Hitler mit dem schwarzen Mann, vergißt dabei aber, daß ein be­waffnetes 67-Millionen-Volk sozusagen zu den Er­wachsenen gehört. Mussolini weiß sehr wohl, welche Macht ein geeinigtes Volk darstellen kann. Er glaubt nach wie vor, daß ein Dauerfriede in Europa nicht gegen, sondern nur mit Deutschland zu erreichen ist, und daher hat auch Italien den französischen Anklageschritt in Genf nicht mitgemacht.

Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird Italien oder, wenn er tatsächlich selbst kommen sollte, Musso­lini in Stresa die Meinung vertreten, man solle den formellen Tadel wegen des Formalverstoßes gegen die Paragraphen des Versailler Vertrages ruhig dem Völkerbund überlassen, im übrigen aber sich mit dem längst bekannten Zustand der Dinge

a b f i nbe n und versuchen, auf her Grundlage dek Gleichberechtigung mit Deutschland zu verhandeln. Allerdings ist Mussolini, wie so viele Kraftnaturen, gegen persönliche Beeinflussung nicht kugelfest, auch bei ihm gilt zuweilen der Grundsatz, daß Recht immer der Anwesende hat. Und bei seinem impul­siven Temperament folgt die Tat oft der (augen­blicklichen) Ueberzeugung auf dem Fuße. Man denke nur an die Beschießung Korfus, an die Verdam­mung Oesterreichs vor einigen Jahren, an die Trup­penaufgebote im vorigen Sommer, an den Konflikt mit Abessinien, an die Einberufung einer Jahres- klasfe. Wir halten Reden, schreibt dazu bewundernd die französische Presse, Mussolini aber handelt. Wenn andere so handeln, dies nur nebenbei, ringt die gleiche Presse aber die Hände.

Ein Irrtum schwerster Art, man könne in Stresa oder Genf über eine Großmacht zu Gericht sitzen, ohne den Rattenkönig aller übrigen Probleme zu wecken. Immer wird Mussolini zu dem von ihm selbst aufgestellten Grundsatz zurückkehren müssen: Ohne Deutschland geht es nicht!

Französische Kundgebungen gegen die DienstzeitverSängerung. Paris, 9. April. (DNB.) Die kommunistische

H u m a n i t e" will von heftigen Kundgebungen berichten können, die sich beim 126. Infan­terie-Regiment in Brive abgespielt haben sollen. Gleich nach Bekanntwerden der Dienstzeit­verlängerung des zur Entlassung kommenden Kon­tingents habe eine Kompanie gerufen:Nieder mit der zweijährigen Dienstzeit! Nie­der mit dem Krieg!" und die Internationale gesungen. Abends sei es zu einer zweiten Kund­gebung gekommen, an der sich das g a nj e Regi­ment beteiligt habe. Gendarmerie und Mobil­garde seien nach Brive beordert worden. Zahlreiche Soldaten seien verhaftet. Am Sonntag habe der Regimentskommandeur die Soldaten feldmarsch­mäßig unter Musik an sich vorbei marschieren lassen.

Aus aller Wett.

Graf Zeppelin" über dem Aequator.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" hat am Dienstag gegen 5.30 Uhr früh den Aequator bei 31 Grad westlicher Länge überflogen. Es befindet sich nur noch 465 Kilometer von der südamerika- nifchen Insel Fernando do Noronha entfernt. Bei nördlichen Winden meldet das Luftschiff wolkiges Wetter und 24 Grad Celsius. Seine Stunden­geschwindigkeit beträgt 135 Kilometer.

Berliner Bootshaus in Flammen. 42 Boote vernichtet.

Das Bootshaus der Segelvereinigung Tegel (bei Berlin) wurde von einer verheerenden Feuers­brunst heimgesucht. Das Feuer wurde von Spa­ziergängern entdeckt, die sofort die Feuerwehr be­nachrichtigten. Bei Eintreffen der Wehr stand das Haus jedoch schon in hellen Flammen, so daß alle Bemühungen, das Gebäude und die darin befind­lichen Boote zu retten, vergeblich waren. Das ge­samte aus Holz erbaute Bootshaus sowie 42 Ruder-, Segel- und Motorboote wurden ein Raub der Flammen. Der Schaden beträgt etwa 80 000 Mark.

Eröffnung des Militärhistorischen Museums in Koblenz.

In Koblenz wurde die feierliche Eröffnung des Militärhistorifchen Museums im zHten Kaufhaus am Florinsmarkt durch Oberbürgermeister Wittgen vorgenommen, der in feiner Ansprache

auf die Bedeutung dieser einzigartigen Schau hin­wies. In sechs Abteilungen werden die bunten Frie­densuniformen der Infanterie, Feldartillerie, der Kavallerieregimenter, der Pioniere und des Train neben dem feldgrauen Ehrenkleid des Weltkrieges gezeigt; Ordensfammlungen, eine große Säbel- und Seitengewehrfchau, Gewehre aus der Zeit von 1560 bis >zur Jetztzeit, Bilder und Uniformen der Marine und der ehemaligen deutschen Schutztruppe vervollständigen diese militärhistorische Schau. Außerdem sieht man die Uniformen der Franzosen, Engländer, Belgier, Italiener, Amerikaner und Rus­sen. Besonders zu erwähnen ist die Ausstellungs­gruppeReserve hat Ruh", die einen Einblick in die Zeit der Entlassung in Friedenszeiten gibt.

Das Urteil gegen Brigitte Helm rechtskräftig.

Der Zweite Strafsenat des Reichsgerichts hat die von der Angeklagten Brigitte Weisbach ge. Schittenhelm gegen das Urteil des Berliner Landgerichtes vom 26. November 1934 eingelegte Revision als offensichtlich unbegrün­det verworfen. Damit ist die unter dem Künst­lernamen Brigitte Helm bekannte Filmschauspiele­rin wegen fahrlässiger Körperver­letzung rechtskräftig zu zwei Monaten G e f ä n g- n i s verurteilt. Sie hat, wie erinnerlich, in der Nacht zum 27. August v. I. in Charlottenburg eine Frau angefahren und verletzt. Die Angeklagte hatte vor längerer Zeit bereits mit ihrem Wagen einen Radfahrer angefahren und war mit 600 Mark Geld­strafe bestraft worden.

Werksdirektor in Sowjetrußland seht auf eigene Faust Notgeld in Umlauf.

Der Direktor eines der größten Werke in Pensa (Sowjetrußland) ist verhaftet und dem Gericht übergeben worden. Da er wegen finanzieller Schwierigkeiten den Produktionsplan der Regierung nicht durchführen, aber auch keine Regierungshilfe erhalten konnte, war er dazu übergegangen, auf eigene Verantwortung Notgeld drucken zu las­sen, das er in Umlauf setzte. Die Scheine hatten be­reits eine weitere Verbreitung erhalten, als die Behörden eingegriffen und den Direktor wegen Schädigung der Sowjetfinanzen dem Gericht über­gaben.

Schwerer Sturm

an der nordamerikanischen Atlantik-Küste.

An der Atlantischen Küste von Nordamerika wütet ein ungewöhnlich schwerer Sturm, der große Schäden anrichtet und die Schiffahrt sehr behindert. Verschiedentlich wurden 15 Meter hohe Wellen be­obachtet, die Strandorte überfluteten. Der Küsten­dampferFairfax" fünfte, daß er 30 Meilen süd­östlich vom Kap Hinlopen (Delaware) treibende S ch i f f s t e i l e gesichtet habe. Der SOS gebende DampferBadagry" hat eine Besatzung von etwa 48 Mann an Bord.

Schweres Eisenbahnunglück in Kalifornien. 14 Eisenbahnarbeiter getötet, viele Schwerverletzte.

Nördlich der Station Roseville (Kalifornien) er­eignete sich ein schweres Eisenbahnunglück. Ein Triebwagen mit Bahnarbeitern, die die durch die Ueberschwemmungen der letzten Tage verursach­ten Beschädigungen am Bahndamm ausbessern sollten, stieß mit einem Schnellzug der Southern Pacifioßinie zusammen. Dabei wurde der Trieb­wagen völlig zerstört, 14 Bahnarbeiter waren so­fort t o t. Eine ganze Reihe weiterer Arbeiter wurde mehr oder weniger schwer verletzt.

Doppeltes Elisabeth-Jubiläum in Marburg.

Marburg begeht in diesem Jahre ein doppeltes Elisabeth-Jubiläum: Am 1. Juni die 700- jährige Wiederkehr der Heiligsprechung der Land­gräfin Elisabeth durch Papst Gregor IX. und am 14. August die 700-Jahrfeier der auch kunstgeschicht­lich hochberühmten Elisabeth-Kirche, deren Grund­stein im Jahre der Heiligsprechung gelegt worden 'ist. An beiden Gedenktagen sind in den Marburger Kirchen Festgottesdienste vorgesehen. Die Elisabeth- Kircye, die bei der Erneuerung im Vorjahre im Innern ihren ursprünglichen Farbanstrich wieder­erhalten hat, der berühmte Elisabeth-Schrein und das Mausoleum der Heiligen werden aus Anlaß des Jubiläums zur Besichtigung freigegeben.

Ehrung

eines verdienten deutschen Wirtschaftsführers.

Aus Anlaß des 88. Geburtstages des Geheimrats Emil Kirdorf hat Oberbürgermeister M a e r z den um die deutsche Wirtschaft hervorragend ver­dienstvollen Mitbürger das Ehrenbürgerrecht der Stadt Mülheim verliehen und ihm diese Verleihung mit den besten Glückwünschen der Stadt zum Ausdruck gebracht.

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