Rr.84 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Dienstag, 9. April (935
immer
die seit langem bewährten Erbsen schüttelt,
Sallen-Handball-Turnier
der Gießener Turnerschaft.
Die Gießener Turnerschaft in der Ortsgruppe Gießen des RfL. veranstaltet am kommenden Sonntag, den 14. April, ihr 4. Hallenhandballturnier in der Volkshalle, lieber 40 Mannschaften kämpfen in zwei Gruppen im Pokalsystem um den Sieg. Von der Gruppe I seien folgende erste Mannschaften genannt: Tgde. Friedberg, Tv. Wetzlar, Tuspo. Marburg, Kurhessen Marburg, TC. Kassel, Tv. Roth, Tv. Goßfelden, Tv. Münchholzhausen, Tv. Kirchgöns, Tv. Lützellinden, Spielv. 1900 Gießen, VsB.-R. Gießen- Miv. Gießen usw. — In der Gruppe II stehen die Spielmannschaften der Kreisklasse im Wettbewerb. Wir kommen auf die bevorstehende. Veranstaltung noch zurück.
Deutsche Handball-Meisterschaft ^l93S.
Beginn der Gaugruppen-Spiele am 28. April.
Am Sonntag nach Ostern rüsten die Handballmeister der sechzehn deutschen (Baue zum ersten Gang um die deutsche Meisterschaft. Bekanntlich hat man diesmal mit dem alten Brauch der Ausscheidungsspiele gebrochen und die sechzehn Meister wie im Fußball in vier Gruppen untergeteilt. In den Gruppen wird der Gruppenmeister nach Punkten ausgespielt, allerdings nicht mit Dor- und Rückspiel, sondern nur in einer einfachen Runde. Die Spieltage der Gaugruppen sind der
Doppeljubiläum am Gießener Stadttheater.
Seleuchtungsmeister Ludwig Keim erzählt au« dem Vierteljahrhundert seines hiesigen Wirkens.
28. April, 5. und 12. Mai. Die vier Gruppensieger treffen sich am 26. Mai zur V o r s ch l u ß r u n o e und das Endspiel wird am 16. Juni durchgeführt.
Bei Punktgleichheit zwischen zwei Mannschaften entscheidet bei den Gruppenspielen das Torverhältnis und, falls dieses ebenfalls gleich ist, wird ein Entscheidungsspiel ausgetragen. Sind am Schluß der Runde alle drei Mannschaften punktgleich, so wird der Gruppensieger durch das Los ermittelt.
Handball im Gau XII (Nordhessen).
Gau klasse.
Kurhessen Kassel — T v. Wetzlar 5:5 (3:2). Die Gäste traten mit Ersatz an, so daß der erhoffte Sieg nicht zustande kam. Das unentschiedene Ergebnis war, nach den beiderseitigen Leistungen zu urteilen, der gerechte Ausgang.
Tv. Eschwege — Iura Kassel 11:2 (4:2). Die Kasselaner sind durch verschiedene Herausstellungen außerordentlich geschwächt, so daß der klare Sieg der Turnermannschaft in jeder Weise berechtigt ist.
Tv. Kirchbauna — 1900 Gießen 11:4 (4:0). Obwohl die Gießener mit viel Ersatz antraten, hätte das Ergebnis nicht so hoch auszufallen brauchen.
Bezirksklasse.
Tv. Pohl-Göns — Tv. Kesselstadt 4:4 (2:2). Durch diesen erneuten Punktoerlust ist Kessel
unermüdliche Arbeit während der Proben und während der Aufführungen selbst, — eine Arbeit, die nicht nur eine gediegene technische Durchbildung und große Erfahrung, sondern auch künstlerische Feinfühligkeit und Verständnis für die besonderen Aufgaben einer Inszenierung erfordert. Herrn Keim macht es Freude, die atmosphärischen (Stimmungen einer Szene im Bühnenbild zu erfassen und zur Geltung zu bringen, den Schauspieler in seinen Aeußerungen wirkungsvoll zu steigern, den dramatischen Höhepunkt eines Schauspiels mit seinen Mitteln effektvoll zu untermalen. Natürlich hat er, ehe die Probenarbeit beginnt, auch selber schon das Stück gelesen und sich ein Bild von den Spezialaufgaben gemacht, die bei der Inszenierung auf ihn warten. Er arbeitet — aus langjähriger Erfahrung — meist selbständig und nach eigenem Ermessen; er unterbreitet dem Spielleiter seine Vorschläge im einzelnen und verständigt sich mit ihm über die beleuchtungstechnischen Möglichkeiten und Notwendigkeiten. Es gibt auch so eine Art Regiebuch für den Beleuchter und seine Leute, in dem jede einzelne Nuance mit der entsprechenden Stromstärke, mit ihren Licht- und Farbwerten genau und reinlich verzeichnet steht, damit es hernach „im Ernstfall" aufs Stichwort klappt.
Das ist ein weites und interessantes Arbeitsgebiet, das Meister Keim zu verwalten hat. Ihm untersteht der gesamte maschinelle Apparat der Bühne; er läßt Sonne und Mond auf- und untergehen, er läßt die Wolken ziehen, er macht Blitz und Wetterleuchten, Regen und Schnee. Da gibt es komplizierte und sinnreiche Apparate, welche die Bühnentechnik erfunden hat, um dem Besucher eine möglichst vollkommene Illusion zu verschaffen. Aber es hat uns doch interessiert zu hören, daß man noch
An unserem Stadttheater wurde dieser Tage in einer internen Feier eines zweifachen Jubiläums gedacht, wie es auch an großen Bühnen gewiß nicht häufig verzeichnet und begangen werden kann: Herr Ludwig Keim, der Leiter des gesamten beleuchtungstechnischen Apparates an unserer Bühne, konnte mit Beginn der laufenden Spielzeit auf eine 25jährige Tätigkeit als Beleuchtungsmeister des Gießener Stadttheaters zurückblicken und gleichzeitig seine 30jährige Zugehörigkeit zum Theater überhaupt feiern. Das scheint uns ein willkommener Anlaß zu sein, die Aufmerksamkeit der Oeffent- lichkeitz schlechthin und des Theaterpublikums im besonderen auf die verdienstvolle und oerantwortungsreiche Arbeit eines Mannes zu richten, der wie manche andere „vom Bau" hinter den Kulissen steht und kaum jemals selber in das Licht der berühmten Scheinwerfer zu treten Gelegenheit findet, die er zu betreuen hat. Im Programmheft und in der Theaterbesprechung wird seine Arbeit meist nur kurz registriert. Das Publikum pflegt mit schöner Selbstverständlichkeit hinzunehmen, was ihm da geboten wird; von der Tätigkeit des Spielleiters, des Schauspielers, des Bühnenbildners und sogar der Souffleuse hat der Durchschnittsbesucher wenigstens eine ungefähre Vorstellung. Nur in den seltensten Fällen wird er sich aber vermutlich Gedanken darüber machen, daß ein Beleuchtungseffekt während der Vorstellung, der seine Aufmerksamkeit vielleicht eine Minute lang so nebenbei beschäftigt hat, in einer zähen und unverdrossenen Arbeit von vielen Stunden immer aufs neue erprobt, berechnet und verbessert worden ist. Wer diese Arbeit recht würdigen wollte, müßte sich mal während einer Vor- tellung oder einer Probe zu Herrn Keim auf )en Beleuchterstand verfügen; dann würde er taunen und Respekt bekommen vor der Präzisionsarbeit, die hier Abend für Abend geleistet wird. Dazu haben wir nun heute keine Zeit — wir kennen ja selber auch den Betrieb schon ein wenig —, deswegen besuchen wir Herrn Keim für diesmal nur in seinem Arbeitszimmer im Theater, gratulieren ihm zu seinem Jubiläum und lassen uns dann ein wenig von seiner Arbeit erzählen.
Ludwig Keim ist geborener Pfälzer; er begann feine Bühnentätigkeit am Stadttheater in Kaiserslautern; von hier aus bewarb er sich im Jahre 1909 um die Stelle des Beleuchtungsmeisters am Gießener Stadttheater und erhielt unter 148 Mitbewerbern den Vorzug. Ein Dierteljahrhundert lang — unter den Intendanten Steingoetter, Dr. Drasch und Hanns König — hat Ludwig Keim hier auf feinem Posten gestanden; nur der Weltkrieg unterbrach feine Tätigkeit. Nach seiner Rückkehr aus dem Felde ging Herr Keim sogleich an die inzwischen dringend notwendig gewordene Umgestaltung des gesamten Beleuchtungsapparats an unserer Bühne. An Stelle der primitiven Bogenlichtscheinwerfer wurden die während des Krieges aufgekommenen starkkerzigen Halbwatt - Lampen eingebaut, die gesamte Beleuchtungseinrichtung, im Zusammenhang mit dem Einbau eines Rundhorizontes, grundlegend umgestaltet und modernisiert. Das ist der den Anforderungen eines neuzeitlichen Bühnenbetriebes entsprechende ebenso komplizierte wie leistungsfähige Apparat, mit dem wir noch heute arbeiten, und den Herr Keim mit seinen drei engeren Mitarbeitern bis auf den heutigen Tag mustergültig betreut hat. Daß er nebenbei auch, ebenfalls seit 25 Jahren, das Amt des Hausverwalters bekleidet, mag im Vorübergehen erwähnt werden.
Die sachgemäße Betreuung des empfindlichen und verzweigten Beleuchtungswesens an einer modernen Bühne erfordert eine hingebungsvolle und
um das Geräusch eintönig rauschenden Regens täuschend ähnlich hervorzubringen.
Besondere Anforderungen an den Beleuchtungsapparat stellen naturgemäß die Klassiker, auch Opern und vor allem die Weihnachtsmärchen, denn den Kindern muß was geboten werden, und Kinder nehmen es bekanntlich genau, sehen auf „Echtheit" und naturgetreue Wirkungen. Ein besonders schwieriges Kapitel ist ferner etwa die bühnengerechte Darstellung der Wolfsschlucht im „Freischütz". Aber Herr Keim erzählt uns auch von zwei modernen Stücken, die ganz ungewöhnliche Anforderungen an sein technisches Können stellten: so war „Der Brückengeist" von Julius Maria Becker, der bei einer Aufführungsdauer von nur fünfzig Minuten sechzig verschiedene Beleuchtungen erforderte, eine seiner heikelsten Aufgaben; und welche Schwierigkeiten die Inszenierung des Kriegsstückes „U-Boot 116" auch in beleuchtungstechnischer Hinsicht machte, dürfte jedem Laien, der diese Aufführung hier gesehen hat, ohne weiteres klar geworden sein.
Uebrigens werden auch Schallplatten- und Radioübertragungen während der Aufführung von Herrn Keim betreut. Für effektvolle Projektionswirkungen im Bühnenbild, wie wir sie x. B. zu Beginn der Spielzeit im „Zigeunerbaron" sahen, hat sich ein neuerdings im zweiten Rang eingebauter Projektionsapparat ausgezeichnet bewährt. Endlich fei nicht vergessen, daß Herr Keim auch sozusagen, wie die Nachrichter sich ausdrückten, Chef der Abteilung für Spuk und Gespenster ist, und daß endlich alle Beleuchtungskörper auf der. Bühne selbst seiner Obhut unterstehen: vom Kienspan bis zur Gaskrone, vom feurigen Becher im „Faust" bis zu den Fackeln der Genien in „Traum ein Leben". Wer aber im „Vetter aus Dingsda" den prächtigen Mond am Abendhimmel aufsteigen sieht, her mag — neben Darstellern und Musikern, Kapellmeister, Spielleiter und Bühnenbildner — einen Augenblick des Beleuchtungsmeisters gedenken, der nun feit einem Vierteljahrhundert aus reicher Erfahrung und echter Liebe zur Kunst dem Stadttheater gedient hat.
Aus meinem Notizbuch.
Äon Peter Bamrn.
In einer Zeitung fand der Chronist folgende Anzeige:
Pension findet älterer Herr oder Dame bei Berlin. Großer Obst- und Ziergarten. Eigene Sternwarte auf Wunsch zur Verfügung.
Der Mann, der diese Annonce ausgesetzt hat, ist einer von denen, von denen man sagt, daß sie ins Leben passen. Er weiß Bescheid.
Erst einmal verkauft er den Leuten einen Himmel, der ihm gar nicht gehört. Aber selbst das tut er nur freibleibend. Und zweitens hat er begriffen, daß man mit Sternen nur ältere Leute an den Pensionsofen locken kann. Aeltere Leute gucken gern einmal in den Mond und machen sich erhabene Gedanken am liebsten in den Ferien. Die Jungen wollen die Sterne erobern, die Alten wollen sie nur betrachten.
Ach, welch ein Paradies muß das fein. Der Ziergarten erfreut das Auge. Im Obstgarten kann man frühe Pflaumen pflücken ohne Berechnung und in der Sternwarte kann man sich feinen Saturn besehen, der so schön in Opposition zur Venus steht und das ganze siebente Haus in eine Ruine verwandelt hat. Wieviel angenehmer ist es, zu wissen, daß die Milchstraße schuld ist, als daß man seine eigenen Dummheiten verantwortlich machen muh.
Der Himmel gewährt uns immer Trost. Astrologisch betrachtet befreit er uns von allen Vorwürfen, die wir uns allenfalls machen würden. Und astronomisch betrachtet veranlaßt er uns, in Lichtjahren zu rechnen, und dann erscheint es bis zum nächsten Ersten nicht mehr so ewig weit. Nur ist die menschliche Seele so nachlässig eingerichtet, daß sie von dem nicht Gebrauch macht, was sie alle Tage umsonst haben kann, bis einer kommt und es ihr für einen Groschen verkauft.
*
Es ist die Zivilisation/die den Menschen an den wesentlichsten Genüssen verhindert. Es gibt keinen größeren Genuß auf der Welt als rasiert zu sein, wenn man sich eine Woche lang nicht rasiert hatte. Aber wann kommt man schon einmal dazu. Niemand ist bereit, eine Woche als Jungbiber herumzulaufen, nur eines Genusses wegen. Und zwar weil überhaupt niemand bereit ist, für seine Genüsse wirkliche Opfer zu bringen.
Träumen wir nicht alle davon, einmal im Leben ausschlafen zu können! Aber wie soll man das machen? Dreizehn Stunden ist das allermindeste, um wirklich auszuschlafen. Man konnte das Sonntags tun. Nun ist es aber völlig unmöglich, irgend- wo in der W"lt länger als bis zehn Uhr zu schlafen, i Dann bringen die Aktivitätswellen der Umwelt I
mit Macht selbst in die süßesten Träume ein. Man müßte also um neun Uhr am Abend vorher schlafen gehen. Das aber gerade ist die Zeit, in der der Mensch Der Zivilisation am muntersten zu sein pflegt. Samstag abend um neun wirft er sich in Schale und geht aus, um jeden Preis!
Selbst am Ausschlafen hindert uns die Zivilisation. Und das Problem konnte so lange nicht gelost werden, bis einer auf die geniale Idee kam, die Zivilisation selbst in den Dienst der guten Sache zu stellen. Dieser Mann, dessen Einfall geeignet ist, die Neurasthenie aus dem Leben der Großstadt auszumerzen, nahm sich am Samstagabend einen Schlafwagen nach Basel. Ab Berlin 21 Uhr. An Basel 10 Uhr vormittags. Dann aß er zu Mittag, ruhte einige Stunden im Hotel und nahm sich um 20 Uhr den Schlafwagen ab Basel. An Berlin 9 Uhr vormittags. Auf diese Weise hatte er von Samstagabend bis Montagfrüh achtundvierzig Stunden geschlafen.
Es ist bedauerlich, daß die Reichsbahn diese Gesundungsmethode durch keinerlei Ermäßigung unterstützt. Aber für feine Genüsse muß man eben Opfer bringen.
Sollte einer den zynischen Vorschlag machen wollen, diese Methode zu verbessern und zu verbilligen, etwa dadurch, daß man den Schlafwagen während der Nacht auf das Rangiergeleis des Anhalter Bahnhofs schiebt, so sei ihmv ersichert, daß er weder das Wesen der Neurasthenie noch das Wesen der Zivilisation auch nur im geringsten verstanden hat. Das Wesen der Zivilisation besteht darin, die Genüsse kompliziert zu machen. Und das Wesen der Neurasthenie besteht darin, dieser Komplikation zu bedürfen. Glücklich sein kann der Naive mit seiner Kultur. Der Neurastheniker mit seiner Zivilisation ist unglücklich. Aber nur, wenn er wirklich unglücklich ist, ist er wirklich glücklich.
Wilhelm Bendow gastiert im Lichtspielhaus.
Jrn Lichtspielhaus gibt gegenwärtig der durch seine Filmtätigkeit auch in Der Provinz bekanntgewordene Berliner Kabarettist und Komiker Wilhelm Bendow mit seinem Ensemble em auf mehrere Tage berechnetes Gastspiel. Den ersten Teil des Programms bildet die Kabarett-Revue „Eine tolle K i st e", bestehend aus Gesang und Tanz, aus Vorträgen mit Klavierbegleitung und etlichen Sketch-Szenen. Die einzelnen Nummern werden durch den Ansager miteinander verbunden. Als Ansager stellt sich Hermann L a d e w i g vor, der nicht nur die Vortragsfolge geziemend anpreist, I sondern auch mit allerlei alten und neueren Ge- schichtchen und Witzen das Publikum auf eigene I Faust zum Lachen bringt. Die sechs Girls vom
BBB.-Ballett sind sauber aufeinander eingespielt und machen ihre Sache im wechselnden Kostüm und bunten Scheinwerferlicht recht ordentlich: Kabarett- tanz mit leichtem artistischem Einschlag. Hildegard K r e t s ch m a r fand mit zwei Spitzentänzen, das Tanzpaar Achim und Irma mit einem argentinischen Tango freundlichen Anklang. Lisel S t e r - narb bringt mehrere Couplet-Vorträge („Jung und alt", „Im Tunnel"), zuletzt ein Potpourri „Wem Gott will rechte Gunst erweisen". (Was den rein textlichen Teil dieser Revue angeht, so darf man sagen, daß er alles in allem auf einen recht munteren Ton gestimmt ist; wir finden, daß das Programm durch die Streichung etlicher grober Geschmacklosigkeiten nichts von seinem weltstädtischen Charakter verlieren würde.) Wilhelm Bendow persönlich erscheint in drei Sketch-Nummern, zuerst „Auf der Rennbahn", wo er, wie man in Berlin zu sagen pflegt, den Dußligen markiert; dann produziert er sich als Zauberkünstler und Dompteur, aber bloß mit einem niedlichen, kleinen Dackel; zuletzt als hamburgische Theaterbesucherin mit Tochter auf Stammplätzen im „Lohengrin". Sofie Lingen brachte zuerst zwei Solo-Vorträge auf berlinerisch, dann mit Hermann ßaöeroig ein groteskes Duett unter dem Titel „Die Nacht im Walde" mit reichlich massiven Pointen. Zum Schluß noch einmal das ganze Ensemble mit dem Finale-Gesang „Eine tolle Kiste". Das Haus war am ersten Tage gut besucht und schien sich bestens A amüsieren. Das Kabarett-Programm wurde durch ein Filmlustspiel „Betragen ungenügend" ergänzt, in dem Anny Onbra die Hauptrolle spielt und als ausgelassener Kobold und Anstifterin einer Mädchen-Klasse einen tollen Reigen unwahrscheinlicher Situationen um einen bedauernswerten Professor entfesselt. —r—
Zeitschriften.
— „D i-e Kun st", Monatshefte für Malerei, Plastik und Wohnkultur, bringt in ihrem Aprilheft die Fortsetzung bes reichillustrierten Artikels „Das Wandbild". Ein kritischer Bericht von Mrich Chri- stofsel über „Münchner Kunst" (Zur Sonderausstellung in der Neuen Pinakothek) mit vielen schönen Bildwiedergaben und eine Würdigung des künstlerischen Schaffens des Malers Hans Gött bilden den Hauptinhalt des Heftes. Es folgen weitere Aufsätze über „Kann Kunstkritik helfen?" von Fritz Hellwag, „Gedanken zur Porträtplastik" von Heinrich Moshage, „Zur künstlerischen Photographie: Hein Gorny", ein Nekrolog über Max Liebermann u. a. m. Der zweite Tell über Wohnkultur und Kunsthcmdwerk bringt „Zw"i Landhäuser des Architekten Erwin Hinderer, Schaan" und zwei, interessant^ illustrierte Aufsätze „Nicht ,Zim
stadt auf den zweiten Platz zurückgefallen. Der erwartete harte Kampf kam, wie schon das Ergebnis besagt, zustande. Die Gäste hatten Glück, denn um ein Haar hätten sie beide Punkte in Pohl-Göns lassen müssen.
Endspiel um die Meisterschaft der Frauen.
Tuspo Hanau 1860 — Hessen- Preu- ßenKassel 1:2 (1:2). Das Ergebnis kommt überraschend. Der Sieg der Kasseler Mannschaft war verdient.
Vorbereitungen für das Gaufest des NfL. in Gießen.
Die kreismännerlumwarke bei der Arbeit.
Am Samstag und Sonntag fand in Gießen ein Lehrgang der Kreismännerturnwarte des Gaues Nordhessen unter Leitung von (Baumännerturnmart Otto Dahms (Bad Wildungen) statt. Mit praktischer Arbeit wurde begonnen. Die allgemeinen Freiübungen für das Gaufest des Reichsbundes in Gießen, die schon recht gut klappten, waren zunächst Gegenstand der llebung. Dann wurden die Pflichtgeräteübungen sämtlicher Wettkämpfe durchgeturnt, dabei konnten kleine Unklarheiten richtiggestellt werden. Die Kreismännerturnwarte werden den Uebungsstoff in den Kreisvorturnerstunden weitergeben an die Vereine, in denen der Blick aller Arbeit in den nächsten Monaten stark auf das Gießener Gaufest gerichtet sein wird.
An die Turnstunde schloß sich eine Tagung an. Die Pflichtlieder der DT. 1935, von denen vor allem „(Betreu allezeit" besonders gefiel, wurden geübt. Eine lebhafte Aussprache wies Wege zur Hebung des Geräteturnens. Im nächsten Winter sollen in allen Kreisen einheitlich Rundenkämpfe im Geräteturnen durchgeführt werden, was allgemein K begrüßt wurde. Die Lehrgangsteilnehmer an utschen Turnschule werden in Zukunft stärker zur Mitarbeit herangezogen werden müssen. Für die Folge können zu den DT.-Lehrgängen nur noch solche Turnwarte und Vorturner zugelassen werden, die die Kreisvorturnerstunden regelmäßig besucht haben, Eingehend wurde die Grundschulung im Geräteturnen besprochen; sie wird in allen Tum- kreisen des Gaues einheitlich einsetzen.
Olympia-Vergleichsturnen. Oie besten Einzelturner.
Bei dem Olympiavergleichsturnen am Sonntag in der Volkshalle erzielten folgende Turner die höchsten Wertungen:
1. <5 d) ö f if m a n n (Wieseck) mit 139,5 Punkten; 2. Oskar Metz (Kassel), 134 Punkte; 3. Richard Seht (Großen-Linden), 133,5 Punkte; 4. Walter Kehrer (Kassel), 132,5 Punkte; 5. Friedrich Zülch, 132,5 Punkte; 6. Karl Schick (Gießen); 7. Walter Fink (Kassel), 129 Punkte. Die beiden Gießener Turner Ludwig und Heinrich Herbert konnten sich mit 127,5 bzw. 127 Punkten auf guten Plätzen behaupten.
DfB.-Reichsbahn Gießen.
VfV.-Reichsbahn III — Sportverein Wer darf II 4:2 (3:1).
Die erste Mannschaft von Werdorf trat in Gießen nicht an, sodaß der Dritten in Werdorf eine Mannschaft gegenübertrat, die sich aus Spielern der ersten und zweiten Elf zusammensetzte. Trotzdem kamen die Gäste, die in allen Mannschafts- teilen eine gute Partie lieferten, zu einem auch in dieser Höhe verdienten Sieg.
VfB.-Reichsbahn 1. Jgd. — Sportverein Werdorf 1. Jgd. 3:2.
Die Hiesigen, die nur mit zehn Mann in Werdorf antraten, errangen einen Sieg, für den in erster Linie die überragende Arbeit ihres Torhüters verantwortlich ist. Waren die Gäste in der ersten Halbzeit überlegen, fo konnten die Werdorfer in der zweiten Halbzeit zeitweise -die Gießener ein- schnüren. Die Tore waren größtenteils Einzel- leiftungen.
merfluch?, aber Raumbeziehung" und „Mietwohnungen, die noch fehlen", in denen das Problem der praktischen Raumgestaltung behandelt wird. Bildwiedergaben von Erzeugnissen der Kunstgewerbeschule Offenbach a. M., ferner Kunstschmiedearbeiten Carl Wylands beschließen das reichhaltige Aprilheft.
— Die viel umstrittene Frage, ob man sogenannte „wilde" Tiere halten und wie man mit ihnen umgehen 'soll, behandelt ein reich illustrierter Artikel in der neuen Nummer der Leipziger „ Illustrir -> t e n Zeitung". „In Bismarcks Heimat" betitelt sich ein weiterer Aufsatz dieses Heftes, der anläßlich des 120. Geburtstages des Altreichskanzlers erscheint. Ein ausgezeichneter Bericht aus Schönhausen, dem Sitz der Bismarcks seit 1562; modern gesehene Photos begleiten den Text. Außerdem enthält diese Nummer einen mehrseitigen Beitrag über Ludendorff zu seinem 70. Geburtstag. Mode, Kunst und Unterhaltung kommen in zahlreichen anderen Beiträgen zu Worte. Auch die Tagesgeschichte ist mit treffend gewählten Bildern vertreten.
Hochschulnachrichten.
Der Privatdozent Dr. Werner Weber in Göttingen ist beauftragt worden, im Sommersemester 1935 an der Universität Frankfurt den beurlaubten ordentlichen Professor der Mathematik Dr. Carl Siegel, der als Gastprofessor an der Universität Princeton (USA.) wirkt, in Vorlesungen und Hebungen zu vertreten.
Der ordentliche Professor der Zoologie und vergleichenden Anatomie an der Universität Frankfurt, Geh. Regierungsrat Dr. Otto zur Straßen, ist mit Ende März dieses Jahres wegen erreichter Altersgrenze von den amtlichen Pflichten entbunden worden, ist aber gleichzeitig beauftragt worden, die Aufgaben feiner bisherigen Professur im laufenden Sommersemester vertretungsweise wahrzunehmen.
Der nichtbeamtete Professor der Botanik in Frankfurt Dr. Fritz Overbeck ist beauftragt worden, vom Sommersemester 1935 an in Hannover an der Tierärztlichen Hochschule die Botanik für Tierärzte und an der Technischen Hochschule die Botanik und Gräserkunde in Vorlesungen und Uebungen zu vertreten.
Der bekannte Rassenforscher Professor Dr. Hans K. F. Günther von der Universität Jena soll den an der Universität Berlin neu zu errichtenden Lehrstuhl für Rassenkunde und Völkerbiologis übernehmen.
Professor Dr. Robert Fricke, Ordinarius für organische Cl)emie an der Unincrfität Greifs- wqld, ist an die Technische Hochschule in S tu 11- g L versetzt worben.


