Ausgabe 
9.4.1935
 
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zweifeln. Und doch blieb sein Denken immer Kampf, seine Seele immer Steg. Bismarck konnte in Weinkrämpfe fallen, wenn es gar nicht mehr weiterging. Ludendorff mußte alles innerlich mit sich abmachen. Von sieben Uhr morgens bis spät in die Nacht hinein saß er vor den Karten oder am Schreibtisch, kamen die Meldungen und gingen die Befehle hinaus. Hart wurde seine Sprache und knapp sein Befehlsstil. Er war das Hirn einer kämpfenden Weltmacht geworden, die Nüchternheit des preußischen Generalstäblers verabscheute Phrasen und tönenoe Redensarten, das Blut der Wasakönige träumte einen Herrentraum, der die letzte Weichheit weaschliff. Es gab keinen Willen neben dem seinen. Eine völlig neue Form der Kricgsführung, ganz dem Ludendorffschen Er- oberertum entsprechend, entstand. Weitausgreifende Pläne umspannten einen Kriegsschauplatz vom Kaspischen Meere bis zu den Orkney-Inseln, von der Murmanküste bis nach Syrien und Mesopotamien. Und dies soll immer und immer wieder festgestellt werden: Ludendorff hätte in diesem Raum alexan- dergleich gesiegt, wenn er nicht allein geblieben wär-, unverstanden im Letzten auch von seinem Kaiser, befehdet von einem feigen Parlament, ab­gelehnt von einer im Leerlauf arbeitenden Büro­kratie. Man muß wirklich an Hannibal denken, wenn man Ludendorffs Leistung und Leben wür­digen will. Auch hier ein Einsamer vor einer Heimat, die den Sieg nicht will.

Als Hindenburg und Ludendorff 1916 den Oberbefehl über die gesamte deutsche Armee übernahmen, war es bereits zu spät. Verdun, die Sommeschlacht und die Angriffsschlachten des Ostens hotten zu ungeheure Blutopfer gefordert. Rumä­nien marschierte gegen uns auf. Eine Stimmungs­krise hatte die Front ergriffen. Die Kriegswirtschaft der Heimat war total zerrüttet. Eine Katastrophe zeichnete sich ab. Ende 1916 aber war Rumänien zerschmettert, das elastische und blut-eriparende Verteidigungssystem der Westfront geschaffen, das Hindenburgprogramm" aufgestellt, das dann wieder vom Reichstag verwässert wurde und, was das allerwichtigste war: der Soldat der Front hatte wieder Vertrauen in seine Führung gefaßt. Was im modernen Krieg unmöglich schien, das schaffte Ludendorff, nämlich das Vertrauensverhält­nis des einfachen Soldaten zu seinem Führer. Wenn in Bunker und Unterstand ein Befehl geflattert kam, der die Unterschrift Ludendorffs trug, dann atmete der -voldat auf. Ludendorff ordnete mit ungeheurem Instinkt für das Richtige immer das Notwendige und Mögliche an.

Nach dem schweren Abwehrjahr 1917, in dem Ludendorff zwangsläufig in die Politik hinein­gezwungen wurde, weil kein anderer da war, der eingriff, versuchte der Feldherr Erich Ludendorff nochmals im März 1918 ine Schlachtentscheidung im Angriff. Sie scheiterte an einer Kette von Um­ständen, für die nicht Ludendorff, für die überhaupt kein Mensch verantwortlich ist. Die Vorsehung wollte nicht den deutschen Sieg, sie zerriß nicht den seidenen Faden, an dem er Ende März 1918 hing.

Ludendorffs letzte Tragödie begann. Niemand weih, was in den Monaten des Erlahmens und dann des Zusammenbruchs deutscher Kraft im Herz und in der Seele dieses großen Deutschen vor sich gegangen ist. Alle menschlichen Deutungen müssen hier versagen. Schließlich opferte ihn sein Kaiser einem Wunsch der Sozialdemokratie.Ähr Abgang wird mir ermöglichen, mir mit Hilfe der Sozial­demokratie ein neues Reich zu errichten!"Ma­jestät, in vierzehn Tagen hat Deutschland keinen Kaiser mehr!" Das war der Abschied des FeDherrn Ende Oktober 1918. Sein prophetisches Wort ging in Erfüllung.

Wenn nun das deutsche Volk dem großen Feldherrn zum siebzigsten Geburtstag seine ehrfurchtvollen Grüße Mr bringt, so tut es dies in tiefer Dankbarkeit vor der gigantischen Leistung dieses Mannes, der ein ganger und spannungs­weiter deutscher Charakter ist. Wir Soldaten haben unter Ludendorff die größten Siege der Welt­geschichte erkämpft. Wir Soldaten der grauen Fahre grüßen dich, Feldherr, wie mir die schneebedachten Granitberge Islands, der Insel Thule unsrer Saga, grüßen: roetterumtobter Fels über dem Feuer der Tiefe!

Glückwünsche für Ludendorff.

Reichsminister Dr. Goebbels hat General Lu- dendorH. zu seinem 70. Geburtstag folgendes Glück­wunschtelegramm gesandt:Dem großen Feldherrn des Weltkrieges, der vier Jahre lang die schwerste Verantwortung trug, die jemals auf Menscyenschul- tern lag, dem mutigen Bekenner einer neuen völki­schen Weltanschauung, dem unerbittlichen Streiter

Die Fron! gM Ludendorff.

13on Franz Schauwecker

Vor dem deutschen Volk steht im Hintergründe alles Geschehens groß und seltsam fern die Gestalt Erich Ludendorffs. Man verspürt eine unbezwing­liche Neigung, seinem Namen den TitelGeneral" beute nicht mehr voranzusetzen, weil man es fühlt, daß Ludendorff über Rangabgrenzungen der Art hinausgewachsen ist und schon in einem geschicht­lichen Raum lebt, den man nicht mehr anrühren kann.

Die militärische und soldatische Leistung Luden­dorffs vor dem Kriege und im Kriege ist unantast­bar. Sie steht in der Geschickte endgültig fest. Die Schlacht bei Tannenberg, die Auflockerung der Front, die elastische Vertiefung der vorderen Linie, der große Befehl von Flandern bis nach Palästina, vom Nördlichen Eismeer bis zu den Alpen all das kennt jeder Deutsche.

Aber all.dies ist nicht so teuer, nicht so persönlich verbunden wie die Wirkung, die von dem Mann und Menschen ausstrahlt. Wichtiger und stärker ist der Grund und Boden all dessen: der E h a r a k t e r dieses Mannes Erich Ludendorff.

Und hier ist für mich eine Verpflichtung gegeben, von dem Mann und Führer Ludendorff zu sprechen als einer der vielen Millionen, die Jahre hindurch unter feinem Sefebl gestanden haben. Diesen Mann und seinen Willen haben wir alle bis zum letzten Musketier und Kanonier zu spüren bekom­men. Wir haben ihn während des ganzen Krieges gefühlt, des Tages, des Nachts, im Wachen, im Mar­schieren, auf Posten, im Gefecht, im Lazarett und auch noch im Schlaf. Er saß uns jederzeit und überall im Nacken. In jeder Patrone steckte sein Kommando, in jedem Blick über Kimme und Korn blitzte sein sachlich kaltes Auge, auf jedem Marsch im weglosen Dunkel saß uns feine harte Faust im Rücken. Keiner von uns konnte sich ihm entziehen. Wenn wir vortorkelnd Schweiß in Strömen ver­gossen und keuchend vom Vorsprung im Schützenloch lagen, liebten wir diesen Ludendorff und zugleich verfluchten wir ihn, japsend nach Luft, dreckbespritzt von oben bis unten

im Kampf gegen die überstaatlichen Mächte zum 70. Geburtstage meine ergebensten und aufrichtigsten Glückwünsche."

Der Reichsverband deutscher Offi­ziere gedenkt in seiner Verbandszeitschrift mit fol­genden Worten des 70. Geburtstages des Generals Ludendorff:

An seinem 70. Geburtstag gedenken wir dank­bar des großen Soldaten Ludendorff, insonderheit feiner treibenden Kraft bei der letzten Heeresvorlage vor dem Weltkrieg, des tapferen Frontsoldaten und energischen taktischen Füh­rers bei Lüttich, des Organisators und Strategen von höchster Initiative und fast über­menschlicher Arbeits- und Willenskraft im ganzen Kriege. Sein Name kann in Deutschland nur mit dem Andenken an den Weltkrieg überhaupt ver­gessen werden. Graf von der Goltz."

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Der Bundesführer des K y f f h ä u s e r b u n d e s, Oberst a. D. Reinhard, richtete an General Ludendorff folgendes Glückwunschtelegramm:

Eurer Exzellenz, dem großen Feldherrn des Weltkrieges, namens der im Deutschen Reichskrieger­bund Kyffhäuser vereinigten drei Millionen Sol­daten ehrerbietigste und treukamerad­schaftliche Glückwünsche zum 70. Geburts­tag auszusprechen, gereicht mir zur ganz besonderen Ehre und Freude. Die Taten der deutschen Armee im Weltkriege bleiben für alle Zeiten mit dem Namen Eurer Exzellenz untrennbar verbunden. Mit Stolz erfüllt es uns alte Soldaten, in einer Armee gedient und gekämpft zu haben, die einen sol­chen Feldherrn den ihren nannte."

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Der Reichskriegsopferführer Ober­lindober hat an General Ludendorff folgendes Glückwunschtelegramm gesandt:

Die in der Nationalsozialistischen Kriegsopfer- Versorgung vereinigten Frontkämpfer und Kriegs­opfer entbieten Ew. Exzellenz zum 70. Geburtstag ihre aufrichtigen Glückwünsche. Diese gel­ten dem Bezwinger von Lüttich ebenso, wie sie Den Dank für den Feldherrn in sich schließen sollen."

Die Ehrung der Wehrmacht.

Aus Anlaß des 70. Geburtstages des Generals der Infanterie Ludendorff werden der Reichs- wehrminister Generaloberst v. Blomberg und der Chef der Heeresleitung General der Artillerie Freiherr v. Fritsch Dem Feld- Herrn am 9. April persönlich die Glückwünsche der Wehrmacht überbringen. Am Tage der Feier werden um 8 Uhr vormittags Doppelposten des Reichsheeres vor dem Hause des Gene­rals Ludendorff in Tutzing aufziehen. Um 11 Uhr nimmt eine Ehrenkompanie mit den Fahnen des ehemaligen Füsilierregi­ments General Ludendorff (Niederrhei­nisches) Nr. 39 in Anwesenheit des Befehlshabers im Wehrkreis VII sowie der übrigen Vorgesetzten der Truppen Aufstellung. Eine Abordnung des ehemaligen Füsilierregiments 39 ist an der Ehrung beteiligt. Der Reichswehrminister und der Chef der Heeresleitung werden gemeinsam mit General Ludendorff die Front der Ehrenkompanie abschrei­ten. Danach findet ein Vorbeimarsch der Truppe statt. Der Reichswehrminister hat außerdem für den 9. April bei allen Truppenteilen Appelle angeordnet, bei denen die militärischen Leistungen des Feldherrn Ludendorff gewürdigt werden.

Frühlingsbesuch in Giresa.

Bilder von einer Ztalienreise.

Don pg. Or. Ernst Guyot.

Wir fahren über den Luganer See. Das erste Dörfchen taucht auf. An der Anlegestelle des Damp­fers stehen etwa zehn italienische Soldaten. Sie plaudern miteinander, lachen, machen Witze und haben im übrigen keine weiteren Funktionen. Sie sind eben da. Auf der zweiten Station dasselbe Bild, ebenfalls auf der dritten usw. Auch auf den Grenzstationen am Sirnplon stehen junge Burschen in Uniform auf dem Bahnsteig. Sie tragen einen merkwürdig kleinen Revolver und als Schulter­riemen einen breiten Patronengurt. Sie schauen gelangweilt nach den Reisenden, fühlen sich als Hüter ihrer Heimatgrenze. So zeigt Italien schon an der Grenze dem Fremden, daß es eine Militär­macht ist.

In Venedig trägt jeder zweite Mann eine Militär- uniform. Unmöglich, sie alle zu unterscheiden. Alle Farbentöne sind hier vertreten. Eigentümlich, am wenigsten sieht man die berühmte schwarze Uniform der Faschisten. Die unzähligen Marinesoldaten tragen eine wundervolle blaue Uniform mit einem breiten roten Hosenstreifen und jeder fühlt sich als ein General. Die große Mütze sitzt ihnen schief auf den Ohren, sie rauchen Zigaretten und grüßen ihre Vor­gesetzten überhaupt nicht oder für unsere Begriffe unvorstellbar nachlässig. In Gardone kommt ein solcher Soldat auf unser Schiff. Er liest in der Zeitung und legt sich dann in seiner schönen Uni­form langwegs auf die Bank und hält in der warmen Mittagssonne sein Schläfchen. Als ihm die Mütze vom Kopfe fällt, müssen wir lachen. Ein Offizier, der auch an Bord ist,stellt ihn gerade". Dieses Bild erscheint uns typisch für Italien. Von Porlezza aus müssen wir, um an den Corner-See zu kommen, ein Stück mit einer Kleinbahn fahren. Auf dem Bahnsteig sehen wir drei Soldaten, die sich herzlich verabschieden und sich abküssen. Die beiden Zurückgebliebenen laufen dem Zug noch ein Stück­chen nach, rufen und schütteln ihren scheidenden Kameraden heftig die Hand.Nach Abessinien" sagt der Schaffner.

Der Krieg bildet das Hauptgesprächsthema im heutigen Italien. Man redet davon in den Caf6s und auf den Bahnsteigen, der Portier im Hotel spricht davon und der Kellner fragt besorgt, ob es denn war sei, daß Deutschland wieder Krieg anfinge.

Auf einem Höhenweg am Garda-See komme ich mit einem Arbeiter ins Gespräch. Er erzählt mir, daß Deutschland 26 Divisionen mobilisiert habe und daß es bereits an der Grenze aufmarschiert sei. Aber

In jedem von uns war Luvendorff. Wir waren e i n T eilvon i h m. Seine Persönlichkeit erstreckte sich über Die ganze Armee und ergriff auch noch den letzten Soldaten. Dies war vorwiegend ein Willens­vorgang. Es war der Triumph einer unerschütter­lichen Energie, die ihre Hand nach der Welt aus- ftredte.

Es handelte sich hier um ein modernes Wikinger- tum jener Kraft, welche sich selbst bestätigt, indem sie sich selbst betätigt. Es war ein Vorgang jenseits aller moralischen Werte, und das heißt: jenseits aller überalterten und verkrümmten Vorurteile.

Uns selbst, den Soldaten der Kampfzone, war das unbewußt, und das besagt vielleicht viel mehr, als wenn es uns bewußt gewesen märe. Jedenfalls war es so, und heute vermögen wir es zu erkennen. Es war ein Zwang und ein Trieb, der uns in jene Bahn trieb, welche Ludendorff uns vorzeichnete. Wir fragten nicht danach, ob sie richtig oder falsch sei wir folgten dem magischen Hinweis seiner Stimme, seines Blickes, seiner Hand.

Uns war mancher Bericht aus seinem Kriegs­leben bekannt. Ob er richtig oder falsch war, ist im Grunde genommen gleichgültig. Er hatte seinem eigenen Burschen nicht einmal das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen, weil er als Bursche nicht in der vordersten Linie gekämpft hatte. Seine Auf­fassung war hier so, daß ieder Frontsoldat sie mit einem befreiten Seufzer begrüßte: Gott sei Dank, endlich mal, das ist richtig.

Wir wußten, daß Erich Ludendorff, der Allmäch­tige, in den vier Jahren des Weltkrieges, in den Jahren, welche die Nerven eines Mannes auf das äußerste beanspruchten, sich selber kaum zwei Wochen Urlaub zugestanden hatte. Beinahe jeder einfache Musketier war in dieser Zeit sechs, acht, zehn Wochen zu Hause gewesen der höchste Führer war indessen unterbrochen im Dienst. Das war Dienst: das war Pflicht; das war Preußentum.

Wir alle kannten sein Gesicht, und wir kennen es noch. Dies Gesicht war hart bis zur Grausamkeit; es war von einer eisig abweisenden Sachlichkeit; es war mit anderen Worten: soldatisch, gefährlich, männlich. Es peitschte uns auf zu den letzten Lei­stungen, welche Jünglingen und Männern möglich

er hat nichts dagegen, wenn es Krieg gibt. Er ist doch arbeitslos und bekommt dann als Soldat wenigstens gut zu essen. Ich bin bestürzt: Kann es ein besseres und gleichgültigeres Kanonenfutter geben, als diesen verbitterten und ausgehungerten Bergbewohner?

Die Angst vor Deutschland, die übertriebenen Märchen von den Rüstungen und den Flugzeug- geschwadern, die über Deutschland kreisen, danach fragt jeder Italiener, der in uns den Deutschen er­kennt. Die Panikstimmung in der Bevölkerung ist schon so groß, daß einige Zeitungen Schilderungen aus dem Weltkrieg bringen, aus denen hervorgeht, daß auch der deutsche Soldat Schwächen hat und eben auch nur ein Mensch ist. Aber nicht nur die Regierung und ihre Presse fürchten das deutsche Volk. Auch das italienische Volk selbst ist bereits in diesem neuen Geiste erzogen. Der Italiener glaubt, was in seinen Zeitungen steht und in keinem Land wird die Presse von allen Vevölkerungsschichten so eifrig studiert, wie in Italien.

Der Oberkellner unseres Hotels in Venedig lächelt ungläubig, wie so viele andere, als wir ihm auf feine besorgte Frage erklären, daß Deutschland nicht daran denkt, mit Gewalt Südtirol zurückzuerobern und daß wir auch niemals Wieneinnehmen" werden. Hier liegt in der Tat der Angelpunkt der deutsch-italienischen Beziehungen. Es ist die unge­heure Furcht des italienischen Volkes, daß eines Tages das Hakenkreuzbanner am Brenner weht und daß ein starkes und mächtiges Deutschland das Donaubecken beherrscht und seine Ansprüche gegen Italien anmeldet. Man weiß nicht, ob hieraus ein schlechtes Gewissen sprickt ober Sie Interessen, die Italien an Oesterreich hat.

Wir trafen auf einem Dampfer auf dem Corner- See einen österreichischen Fabrikanten und zwei junge Oesterreicher. Sie freuen sich kindlich, wieder einmal mit Deutschen sprechen zu können und sie erzählen, daß italienische Firmen überall in Oester­reich Straßen bauen, daß italienische Waren Oester­reich überschwemmen, daß überall italienische Kunst- inftitute errichtet werden. Sie sagen aber auch mit bitterer Miene, wie rücksichtslos ihr schönes Süd­tirol i t a l i f i e r t wird, wie alles, was deutsch ist, entlassen wird und wie dort große Fabriken, die nur italienische Arbeiter einstellen, errichtet werden.Ich bin ja auch Italiener , sagt der eine, denn ich bin aus Bozen". Sie erzählen weiter, wie aus Anlaß der Fertigstellung der Straße von der italienischen Grenze, Die Stadt Graz eine ita­lienische Kraftfahrabteilung einlud und wie von der ganzen Abteilung nur vier Mann mit erheblicher

Dieser Mann, der so viel von seinen Truppen verlangte, war gegen sich selbst schonungslos bis zur Härte. Außerdem war er einer der in der Lehrzeit des preußischen Offiziertums fleißigsten Offiziere, im Wesen schlicht und anspruchslos, erfüllt von einem großen Ehrgeiz. Und überdies war er persönlich von einer sehr großen Tapferkeit. Als Generalmajor geht er im Kamps voran und steht im Kugelregen, bringt als Erster allein in bie Zitabelle von Lüttich ein. Damals war er 49 Jahre alt. Und nach Krieg und Rückkehr ins Privatleben stand er mit 58 Jah­ren zum zweitenmal im Feuer, aber Diesmal im Feuer der eigenen Landsleute, damals, als die Po­lizei vor der Münchener Feldherrnhalle auf bie Ab­teilungen desKampfbunbes" schoß. Felbherrnhalle dies Wort erhielt hier einen Sinn von blutigster Tragik.

Wenn der Erste Generalquartiermeister und der große Feldherr des Weltkrieges Erich Ludendorff nun siebzig Jahre alt wird, so verbindet sich damit für seine Person nicht die Vorstellung des Altge­wordenseins. Wo viele in diesem biblischen Alter Greise sind, ist dieser Mann jung.

Das Feuer eines unermüdlich tätigen Geistes, die unbeugsame Energie eines auf Kampf und Ent­schlossenheit, Tapferkeit und Treue beruhenden We­sens, die Unerschütterlichkeit eines in sich selbst un­beirrbaren Charakters verleihen diesem Siebzig­jährigen eine Jugend, bie selbst aus der Zurückhal­tung eines im eigenen Kreise tätigen Lebens sich selbst denen noch mitteilt, welche seit dem Schluß des großen Krieges nicht viel mehr von ihm wissen mögen.

Es geht von der Tatsache des Daseins dieses Man­nes eine zugleich stumme und kraftvolle Wirkung aus, die sich immer rein und fest in den Dienst des Vaterlandes gestellt hat, in einen Dienst, der den ganzen ' Menschen mit Tat und Verzicht, rastloser Arbeit und Folgerichtigkeit erfordert.

Nur tapfere Menschen sind jung. Ludendorff tnar immer tapfer, mag es im Feuer ober in ber Gesinnung, im Entschluß ober in ber Durchführung dieses Entschlusses gewesen sein.

Die letzte Wirkung, die ein Mensch erreichen kann, ist nach Arbeit und Leben vielleicht die Erschei­nung selbst, bas heißt: bie Tatsache, daß dieser Mensch, so wie er ist unb war, bagewesen ist, baß

Verspätung in Graz ankamen, ba bie Straße mit Nägeln unb Glas bestreut worden war. Sie ver­sichern immer wieder, daß zum wenigsten 80 v. H. des österreichischen Volkes für einen Anschluß an Deutschland sei und daß die Zustände heute in Oesterreich nur von Gewalt diktiert seien unb kei­nen bauernden Bestand haben könnten.Jeder Er­folg des Nationalsozialismus im Reich findet fein tausendfältiges Echo in unserem Oesterreich und ist die beste Propaganda", so sagt uns der österreichische Fabrikant beim Abschied:Stärker als alle Gewalt sind die Bande des Blutes."

Am Lago Magaiore ist eben Frühling, es blüht und grünt und leuchtet weiß und rot von den Büschen und Bäumen. Als wir in Strefa aus- fteigen, merken wir sofort, daß hier etwas be­sonderes vor sich geht. Italien rüstet schon jetzt, die Staatsmänner von England und Frankreich würbig au empfangen. Auf dem kleinen Bahnhof, ber nur insgesamt drei Gleise hat, arbeiten fieberhaft meh­rere hundert Männer, sie legen Anschlußgleise, be­pflastern ben Bahnsteig mit kleinen Plättchen. Die Halle wirb weih unb ber Bahnhof selbst ganz in Rot angelegt. Die Fensterläden, bie Bahnhoss- schilde werben neu bepinselt, Palmen werben aus­gestellt, kurz, ber äußere Rahmen biejer Stresaer Konferenz wirb nichts zu wünschen übrig lassen. Man munkelt zwar noch, baß bie Beratungen in derVilla della Azalee" stattfinden werden. Die Vorbereitungen auf der etwa 200 Meter von Stresa entfernt liegenden weltberühmten InselI s o l a Bella" zeigen jedoch mit aller Deutlichkeit, daß Italien feine ausländischen Gäste in dem Prunk­schloß des Prinzen Borromae im Lago Maggiore zu empfangen gedenkt. In ben herrlich ausgestatte­ten Sälen biefes Schlosses, mit ben munberbaren Gemälbegalerien unb in bem herrlichen terrassen­artigen Garten, ber in ber Welt seinesgleichen sucht, soll also bas Schicksal Europas für mehrere Jahre entschieben werben.

Die Haltung Italiens bei biefer bedeutungsvollen Konferenz ist klar unb einbeutig. Auf bas italie­nische Volk hat bas Auftreten einer starken unb selbstbewußten beutschen Militärmacht wie ein Blitz aus dem heiteren Himmel gewirkt. Man ist offensichtlich von der Ueberzeugung durch­drungen, daß nur eine festgefügte Front Rom, Paris, London in der Lage ist, den europäischen Frieden gegenüber einem angeblich hoch gerüsteten Deutschland au wahren. Aus vielen Gesprächen, die ich mit Italienern hatte, klang immer wieder ber Respekt, aber auch bie Furcht vor ber beutschen Intelligenz, ber Disziplin, bem Organisationstalent unb ber Kriegstüchtigkeit durch. Uns sechs Deutsche, bie wir auf ber Terrasse ber Jsola Bella sitzen, hat mehr bie Neugierde hierher getrieben, ben Ort zu sehen, an bem in ben nächsten Wochen Weltge­schichte gemacht wirb, als bas stimmungsvolle Lieb Paul Linckes: ,Zsola Bella im Lago Maggiore, In sel ber Schönheit, nichts kommt bir gleich." Hoffen wir, bah auch bie Männer biefer Dreierkonferenz sich etwas von ben Schönheiten biefes herrlichen Fleckchen Erbe beeinfluffen lassen unb baß ihnen ber erwachte Frühling zum Bewußtsein bringt, baß neben ber Natur auch bie Völker unb bas Blut ehernen Gesetzen unterstehen, bie sich nicht verge­waltigen lassen.

Kurswechsel der französischen Mrinepolilik.

Ausbau der Schlachtflotte.

ßonbon, 9. April. (DNB. Funkspruch.) Der Marinekorresponbent besDaliy Telearaph" schreibt, in ber französischen Flottenpolitik sei ein grunblegenber Wechsel eingetreten. Der oberste Ma­rinerat habe bie Entscheidung getroffen, daß künf- tig bie Großkamvfschiffe bas Rück­grat ber französischen Marine bilben müßten. Jnsolgebessen sei ben anberen interessierten Mächten mitgeteilt worben, daß Frankreich s i ch n i cht auf die Dauer mit dem Washing­toner Verhältnis für Großkampfschiffe von 1,75 französischen gegenüber 5 britischen, 5 amerika­nischen und 3 japanischen Großkampfschiffen b e gnüyen könne. Diese Aenderung bedeute, daß bie französische Marine nicht mehr wie bisher ihr Hauptinteresse ben U-Booten unb leichten Ueberwasserfahrzeugen zu- roenbe, von benen sie nach Kriegsende eine große Anzahl gebaut habe. Unter Einschluß der im Bau befindlichen bAw. vom Parlament bewilligten Fahr- Aeuge werde Die französische Schlachtflotte nach den jetzigen Plänen bestehen aus zwei Schlachtschiffen von 35 000 Tonnen, zwei Schlachtkreuzern von 26 500 Tonnen, drei Schlachtschiffen von 23 000 unb

er gelebt unb gewirkt unb sich so verhalten hat, wie er es nun eben tat.

Dieses Bewußtsein ist um ben Feldherrn und um den Mann Erich Ludendorff. Die Soldaten bes großen Krieges unb ber grauen Heere grüßen ihn. Am Vorabend des Geburtstages in Tutzing.

Föhn veitscht ben Starnberger See unb zerreist die Wolken, so daß die schneebedeckte Alpenkette zeitweise scharf hervortritt und die Benedikten- wand herüberleuchtet auf bas trotz seiner Schlicht­heit eindrucksvoll unb massig wirkenbe Haus Ludendorffs, ein richtiger deutscher Herren­sitz, der Land und See weithin beherrscht. Leider fetzt mit zunehmender Dämmerung starker Regen ein, vermag aber der Begeisterung der zahlreichen Menge keinen Abbruch zu tun, die sich vor dem Hause des Generals staut, um den großen Heer­führer am Vorabend feines 70. Geburtstages zu ehren.

Um 19.30 Uhr überbringt eine Abordnung des Kyffhäuferbundes dem General die herz­lichsten Glückwünsche. Unmittelbar danach kommen Vertreter der alten Schützen von Tutzing, denen gegenüber ber General bie Hoffnung ausbrückt, daß das neue Heer vom Geiste ber al­ten Wehrmacht beseelt sein möge. Später marschiert mit brennenben Fackeln ber Lieber­kranz von Tutzing auf. Hunberte brängen sich vor bem Tor bes Gartens, bas ber General barauf öffnen läßt. Mit sichtlicher Ergriffenheit lauscht er bann mit feiner Familie ben ChorenWo gen Zimmel Alpen ragen" unbDeutschlanb mein Deutschlanb , bie machtvoll ben Sturm unb Regen übertönen. Der General bankt für die Aufmerk, samkeit unb fordert auf zur Einigkeit und Ge- schlossenheit. Es folgen bei Scheinwerferlicht Vor­führungen des Turnvereins Tutzing, für dis General Ludendorff ebenfalls mit markigen Wor­ten dankte. Im Haufe Ludendorffs sind schon ganze Korbe von Glückwunschtelegrammen und Briefen aus allen Schichten des deutschen Volkes eingegangen. Unendlich groß ist auch bie AnzM ber Geburtstagsgeschenke.