Ausgabe 
9.1.1935
 
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in diesem Gebiete zu leisten, indem Konvention durch

Enthalte dich auch nach Abgabe deines Stimmzettels jeder politischen Meinungs- äußerung durch Wort oder Gruß, bevor du nicht das Wahllokal verlassen hast.

Präge dir diese Vorschriften gründlich ein. be­folge sie auf das Genaueste, sorge dafür, dah deine Stimme nicht ungültig wird.

Für das Winterhilfswerk des Saargebietes.

Ehrendienst des BDA. für die Saar.

Zur Zählung der Stimmen sind Delegationen der französischen und englischen Regierung, ferner öte Vertreter des Völkerbundes, der Regierungs- Immission, des Obersten Abstimmungsgerichtes, der Kreisgerichte, des internationalen Truppenkomman­

lassen wollen, habe sich kein Fleischer in Saar­brücken gesunden, der dieses Geschäft machen wollte. Im gleichen Atemzuge beteuerte er mit allen seinen billigen Eiden zum tausendsten Male, daß am 13. Januar die Saar sich für den Status quo ent­scheiden werde. Er kennt die Bevölkerung schlecht. Sie verzichtet dankend auf jedes Geschäft, auf jede Verbindung mit den Separatisten. Im ganzen Saar­gebiet weht heute keine einzige Fahne, außer der schwarzweißblauen auf dem Gebäude der Eisen­bahndirektion in Saarbrücken. Um Mitternacht lie­gen die Straßen der fröhlichen Stadt Saarbrücken, deren Bewohner so gut zu leben verstehen, verlassen da. Die Einwohnerschaft ist in ihre Häuser verbannt. Aber am 13. Januar werden 530 000 deutsche Men­schen an die Wahlurne treten, mehr als 50 000 wer­den dazu in Sonderzügen aus dem Reich zu ihnen kommen, wie ein gewaltiger Strom, der keinen Widerstand kennt, wird die Begeisterung über das ganze Land fluten, und dann werden wir wissen: Die Saar hat gesprochen. Sie will heim zum Reich!

dos, die auswärtigen Konsuln eingeladen. Da nach Auffassung der Abstimmungskommission die Be­völkerung des Saargebietes nicht Objekt, sondern Subjekt der Volksabstimmung ist, werden auch Delegierte der politischen Parteien eingeladen, dem Akt der Stimmenzählung beizu­wohnen.

sie die loyale Innehaltung der Litauen sicherstellen.

9. Verlasse die Isolierzelle nichk eher, bis du den Stimmzettel ungefallel in den Um­schlag gesteckl und diesen verschlossen hast.

10. Sprich mit niemandem mehr im Wahllokal, wenn du deinen Stimmzettel erhalten hast; sprich auch mit niemandem, bevor du nicht das Wahllokal verlassen haft.

auf. Zum Schutze der Bevölkerung. Zum Schuhe der Abstimmung exerzieren sie seit Tagen den Transport der Wahlurnen, die bekanntlich in feierlichem, schwer bewaffnetem Zuge ins Wart­burg-Hotel in Saabrücken gebracht werden sollen. In gewissen Cafss sitzen die Emigranten und haben dasselbe Leben wie einst am Kurfürstendamm in Berlin: sie leben in den Tag hinein, mit Geld und ohne Geld. An den Straßenecken stehen die Verkäufer mit den Zeitungen. Mit dem zehnjähri­gen Jungen des einen kam ich neulich in ein kurzes Gespräch.Vater", so sagte er,war lange arbeits­los. Da hat er einmal Geld genommen. Seitdem kommt er nicht mehr los." Er verkauft jetzt die Zei­tungen der Separatisten.Was aber werdet Ihr nach dem 13. Januar tun?" fragte ich ihn weiter. Ich glaube", erwiderte er da,Vater hofft auf Adolf Hitler, daß der allen verzeiht. Denn nach Frankreich werden sie uns ja doch nicht mitnehmen. Dorthin kommen doch nur die Führer."

Matz Braun ließ neulich erzählen, als er zur Verpflegung der Polizeitruppen bei der letztenEin­heitsfront-Kundgebung Wurst habe aufkaufen

Am Vorabend der Volksabstimmung des Saar­gebietes findet eine groß angelegte Saarwerbung durchden Volks b und für das Deutsch­tum im Ausland statt, der mit dieser Auf­gabe vom Saarbevollmächtigten des Reichskanzlers betraut wurde. DerVerkaufdesJahrbuches 1935Unsere Saa r", dessen Reiner­trag dem saarländischen Winterhilfs- w er k z u f l i e ß t, bedeutet eine ebenso wichtige

DieWahrhett auf denKopf gestellt Der litauische Außenminister leugnet die Rechtsbrüche im Memelgebiet.

Kowno, 8. Jan. (DRB.) Auf dem All-Litau­ischen Kongreß der Regierungspartei erklärte Außenminister Lozoraitis: Die Beziehungen Litauens zu Deutschland seien in ein Stadium ge­treten, das Litauen niemals wünschte. Die normale Durchführung des internationalen Memelstatuts werde gestört. Lozoraitis rief die Autorität der Gerechtigkeit und der Moral für die litau­ische Sache an und stellte fest, daß Litauen als Signatarmacht der Memelkonvention seine Un­terschrift in gleicher Weise wie die anderen Signatarmächte respektiere. Litauen sei weit davon entfernt, mit dem Deutschtum zu kämpfen. Es lasse aber nicht zu, daß die Mehrheit der Einwohner, die Litauer seien, wegen ihres Litauertumes terrorisiert würden und es lasse nicht zu, daß sie entlitauifiert und die Au­tonomie verletzt werde.

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Die Rede des litauischen Außenministers läßt in sehr bedauerlicher Weise erkennen, wie wenig die litauische Regierung den einwandfrei deutsch- stämmigen Charakter des Memelge­biet e s anzuerkennen bereit ist, wie wenig sie geneigt ist, die Bestimmungen des Statutes in loyaler Weise zu erfüllen. In einem Augenblick, in dem alle im Statut garantierten Rechte der Memelländer Tag für Tag aufs f ch w erste willkürlich verletzt werden, spricht der litauische Außenminister von Moral und Gerechtigkeit. Wenn die Mehrheit der Einwohner des Memelgebietes als litauisch bezeich­net werden, so genügt es, auf die Ergebnisse der letzten Wahlen hinzuweisen, die von 29 Abge­ordneten nur 5 litauische Abgeordnete in den Landtag brachten, sowie auf die Haltung des Landtags gegenüber dem von dem litauischen Gouver­neur eingesetzten gesetzwidrigen Direktorium. Es ist be­fremdlich, daß die Signatarmächte, die jede für sich durch Unterschrift der Memelkonvention d i e

Mit das Schlimmste an der Saar waren die sogenannten Domanialschulen, Einrichtungen, die französische Grubenverwaltung auf Geheiß der Pariser Propagandazentrale schuf. «Mn und Zweck dieserBildungsanstalten" war es, im Laufe der fünfzehn Jahre, die nach den Bestlmmungen des Versailler Diktates die Völker- dundsverwaltung an der Saar zu dauern hatte, französisch gesinnte Saarländer hoch- z u z ü ch t e n , um dann im entscheidenden Augen­blick nicht nur eine starke Macht bereit zu haben, hnbern auch von beachtlichen französischen Bevölkerungsteilen an der Saar sprechen zu können. Aber auf die französischen Sirenen­klange fiel niemand herein, die Schulen blieben leer. Darauf erfolgte die Anwendung unerhörter Druckmittel. Die Angestellten und Arbeiter der Saargruben mit schulpflichtigen Kin­dern wurden vor die Wahl gestellt, entweder Lohn und Brot zu verlieren oder die Kinder in die Domanialschulen zu schicken In tragische Gewissenskonflikte wurde die deutsche Elternschaft getrieben. Die meisten Väter und Müt­ter lehnten dieses Ansinnen ab, sie mußten dafür jahrelang Erwerbslosigkeit und Rot eintauschen. Wo man aber nachgab, geschah es nur aus So r g e um d i e Existenz. Zumeist folgte bald wieder die Umschulung in deutsche Schulen trotz der Drohungen der Grubenverwaltung. Jetzt hat die Massenflucht aus diesen Instituten eingesetzt. Bis zum Abstimmungstag werden sämtliche fran­zösischen Lehrer vor leeren Schulbänken stehen Emen Vorwurf kann man aber den Eltern nicht machen, denn wenn man weiß, wie die Gruben- verwaltung die Bergarbeiter unter Druck setzte und wie groß die Rot in der Bergarbeiterschaft ist, dann versteht man, daß die französische Erpresserpraxis hier und dort von Erfolg begleitet war.

Jede politische Meinungsäußerung tm W ahllokal führt unnachsichtlich zum $ f i m m o e r t u ft

Auch der Deutsche Gruß, ja sogar das Erheben des rechten Armes, gilt als verbotene politische Meinungs­äußerung. Trage auch keinerlei Ab­zeichen oder Plaketten im Abskim- mungslokal.

Sprich am besten kein Wort im Wahllokal. Beantworte nur die Fragen der Mit­glieder des Wahlbüros. Vermeide auch hierbei jede politische Aeußerung.

halte dich, bis du zum Wählen drankommst, nur in dem Teil des Abflimmungslokales auf, bet ausdrücklich als Warteraum gekenn­zeichnet ist.

Füge dich widerspruchslos allen An­ordnungen des Vorsitzenden des Wahl­büros, auch wenn du sie nicht begreifst. Beginne keine Polemik.

Fülle deinen Stimmzettel nur in der Iso­lierzelle aus.

Zeichne dein Kreuz in den entsprechenden kreis des Stimmzettels nur mit einem fchwarz- fchreibenden Bleistift ein, da jedes andere Schreibzeug, auch Tinte, Buntstift oder Kopierstift, deine Stimme ungültig macht.

Die letzte Verhandlung des Hauptrnannpro- z e s s e s in Flernington gestaltete sich anfangs Ziemlich eintönig, bis plötzlich der Generalstaatsa'n- walt Wilentz einen unbekannten Namen aufruft: Nervös und unsicheren Schrittes betritt der 87jäh- rige Greis Amandus Hochmuth den Zeugen­stand. Er bekundete: als er am Nachmittag des Entfuhrungstages auf der Veranda feines Hauses an der Ecke der Landstraße und des zum Landsitz Lindberghs führenden Weges stand, näherte sich em schmutziggrünes Automobil. Als der Kraftwagen etwa acht bis zehn Meter entfernt war, und in den Lindbergh-Weg" einbog, sah der Führer des Wa­gens aus dem Fenster und starrte ihn, den Zeugen, an, als sähe er ein Gespenst. Der Zeuge bemerkte auch einen Teil einer Leiter im Automobil. Auf die Frage des Generalstaatsanwaltes, ob der Mann, Öen er im Automobil sah, im Gerichtssaal sei, ant­wortete Hochmuth mit I a und zeigte mit zitternder Hand auf Hauptmann. In diesem Augenblick versagten einige elektrische Lampen im Gerichtssaal. Hochmuth schritt darauf zum Verteidigungstisch und legte die Hand auf Hauptmanns Schulter.

Ehrung der Rettungsmannschaft derReuyork".

Zu Ehren der Rettungsmannschaft des Hapag- dampfersNeuyork" veranstaltete die Steu­den - Gesellschaft Amerikas einen großen Empfang im Ballfaal des St. George-Hotels. Auch der deutsche Botschafter in Amerika, Dr. Luther, Generalkonsul Borchers, Elli Bein­horn und der norwegische Generalkonsul Chri- fünfen nahmen an der Feier teil. Das Weiße Haus hatte ein Schreiben gesandt, in dem be­dauert wurde, daß infolge dringender Regierungs- gefchäfte kein Mitglied der Regierung die Rettungs- Mannschaft begrüßen könne. Der norwegische Gene­ralkonsul verkündete die Verleihung des Olaf-Ordens an Kommodore Kruse und der norwegischen Goldenen Rettungs­medaille an die Rettungsmannschaft. Der Präsident der Steuben-Gesellschast überreichte der Rettungsmannschaft die Steuben-M"- d a i l l e. Die Feier war umrahmt von künstlerischen Darbietungen und Liedervorträgen des Brooklyner GesangvereinsArion". Das Horst-Wesiel-Lied, das Deutschlandlied und das Niederländische Dankgebet beschlossen den Abend.

Zwei amerikanische Missionare von Eingeborenen in der Matto-Grosso-Wildnis ermordet.

Nach Berichten aus Rio de Janeiro find zwei amenkamsche Missionare in der berüchtigten Matto- Grosso-Wkldnis in Brasilien von 70 Eingeborenen überfallen und grausam niedergemetzelt worden. Die Missionare gehörten einer ameritani-

finanzielle wie moralische Hilfeleistung für das im Kampfe stehende Grenzdeutschtum des Saargebietes. Angesichts der Wichtigkeit dieser Unternehmung setzt der VDA. seine ganze große Organisation ein und hofft bei allen Deutschen durch den Kauf des Buches entsprechende Unterstützung zu finden. Schulgemein­schaftsmitglieder und Erwachsene werden diesen Ehrendienst für d i e Saar" am 11. und 12. Januar durchführen. Die Sammler tragen eine Armbinde in der Farbe des Saarlandes mit dem AufdruckSaarehrendienst des VDA. für das saar­ländische Winterhilfswerk". Ehrendienst für die Saar ist es auch für jeden, das Jahrbuch zu kaufen! Wir alle wollen im entscheidenden Punkt des Abstimmungskampfes noch einmal mitwirken nach allen unseren Kräften und unseren Saar- brüdern durch unsere Opferbereitschaft zeigen, daß wir die Opfer, die sie gebracht haben und bringen auch durch die Tat z u schätzen wissen. Wer die völkische Einheit d.iesseits und jenseits willkürlich gezogener Grenzen vertritt, wer seiner Sehnsucht nach der Rückkehr der Saar in die große deutsche Lebensgemeinschaft Ausdruck geben' will, kauft das Jahrbuch 1935Unsere Saa r"!

Aus aller Wett.

r3Tote,S6 Schwerverletzte beimEisen- bahruig ück cuf derLktoberbahrS.

Die Untersuchung der Ursache des bereits gemel­deten schweren Eisenbahnunglücks auf der Strecke LeningradMoskau, der sogenannten Oktoberbahn", hat ergeben, daß das gesamte Signalwesen dieser Bahn völlig in Verfall geraten ist. Rach den Aussagen der Eisenbahner sollen die Signale monatelang nicht in Ordnung gewesen sein. Meldungen zur Instandsetzung wur­den von der Bahnverwaltung nichk beachtet. In­folgedessen war es bei den Lokomotivführern üblich, die Signale wenig zu beachten, hinzu kam, wie verlautet, daß der Verkehr auf der Bahn in den letzten Tagen streckenweise nur eingleisig auf­rechterhalten werden konnte, da infolge der großen Kälte ein Schienenstrang gesprungen war. Rach amtlicher Mitteilung sind bei dem Unglück 17 Per­sonen auf der Stelle ums Leben gekommen, sechs schwer verletzte starben im Krankenhaus, so daß die Gesamtzahl der Toten 23 beträgt, 56 Personen liegen mit schweren Verletzungen darnieder, 23 haben leichtere Verletzungen erlitten. Die Katastrophe ist daraus zurückzuführen, daß der Führer des einen Schnellzuges die Haltesi­gnale nicht beachtet hat, sondern mit unver­minderter Geschwindigkeit auf den wegen eines geplatzten Schienenstranges haltenden zweiten Schnellzug auffuhr.

Dramatische Zeugenaussage im Hauptmann-Prozeß.

Autonomie des Memelgebietes haben, nicht imstande sind, ' praktische Friedensarbeit

Die Feststellung des Ergebnisses der Abstimmung

Vor Montag abend elf Llhr keine Veröffentlichung zu erwarten.

Flucht aus den französischen Domanialschulen.

Saarbrücken, 8. Jan. (DNB.) Ueberall im Saargebiet hat eine Flucht aus den fran­zösischen Schulen eingesetzt. In Louisenthal, Klarenthal und Sulzbach haben sämtliche deutschen Kinder die Dominialschulen ver­lassen und sie den Kindern von Erni- grauten und Franzosen überlassen. Auch in zahlreichen anderen Orten haben deutsche Bergleute ihre Kinder aus den Schulen heraus- genommen.

Die saarländisch-lothnngische Grenze von Polizeischuh entblößt

Seltsame Maßnahmen des französischen Mitglieds der Regierungskommission.

Saarbrücken, 8. Jan. (DNB.) Die Abstim­mungskommission gab für die etwa 200 bereits anwesenden Pressevertreter Aufschlüsse über die tech­nischen Einzelheiten der Abstimmung. Die Abstim- mungskommission war durch ihre drei Mitglieder Rohde, de Jonge und Henry und die technische Beraterin Miß Wabaugh vertreten. Kreisinspektor van der Mandere hob hervor, daß in 83 Bürger­meistereien abgestimmt werde, und zu diesem Zweck 862 Einzelwahllokale mit einer durchschnittlichen Be­teiligung von 650 Abstimmungsberechtigten einge­richtet wurden. Den Wahlbüros stehen neutrale Persönlichkeiten aus Holland, der Schweiz, Luxem­burg und anderen Ländern als Vorsitzende vor. Etwa 80 000 Personen müssen an anderen Orten ab­stimmen, als wo sie jetzt ansässig sind, da bekannt­lich der Wohnsitz des Stichtages maßgebend ich. An die Eisenbahnen sind hierdurch höchste Anforderun­gen gestellt, da außerdem ja noch Abstimmungs­berechtigte von außerhalb ins Saargebiet und zurück befördert werden können. Das Wahlbüro fetzt sich neben dem neutralen Vorsitzenden aus je einem Vertreter der Deutschen Front und der Rückgliede- rungsgegnor und ihren beiden Stellvertretern zu­sammen. Nach der Beendigung des Wahlgeschäftes werden die Urnen vom neutralen Vorsitzenden des Wahlbüros versiegelt, plombiert und für den Trans­port fertig gemacht.

Der norwegische Kreisinspektor Blehr erläu­terte sodann den Transport der Urnen durch das hier anwesende Militär. Unter Füh­rung neutraler Vertreter der Abstimmungskommis- ston werden die Urnen zunächst nach d e n Bürgermeistereien gebracht. Dort haben die begleitenden Personen eine Transport - beftatigung auszufüllen. Vertretern der Be­völkerung kann Gelegenheit geboten werden, sich gleichfalls von der Richtigkeit des Urnentranspor­tes zu überzeugen In Sonderzügen werden die Urnen sodann nach Saarbrücken geschafft und von einer besonderen Kommission empfangen, öie sich gleichfalls aus Neutralen und Vertretern der beteiligten Parteien zufarnrnenfetzt. Auch hier find erneut Transportbescheinigungen auszufüllen.

Für die Stimmzählung selbst, die a m nächsten Morgen um 9 Uhr beginnt, hat man ein besonderes System ausgeklügelt, um Un­richtigkeiten bei der Zählung zu vermeiden. 300 neutrale S t i m m z ä h l e r werden angestellt, die in 60 Gruppen zu je fünf Mann ununter­brochen zählen. Sie werden von etwa 25 stellver­tretenden Kreisinspektoren kontrolliert werden, diese wiederum von acht Kreisinspektoren und die letz­tere Kategorie schließlich von der Abstimmunqs- kommission selbst. Alle strittigen Fragen werden von der Abstimmungskommissiön entschieden. Ein riesiger Behälter muß sämtliche Stimmen der 141 Wahllokale der Stadt Saarbrücken aufnehmen. Anschließend werden die Umschläge geöffnet und nach den drei im Vertrage vorgesehenen Möglich­keiten und ferner nach ungültigen Stimmen sortiert, um sodann zweimal durchgezählt zu wer­den. Das Ergebnis jeder beendeten Zählung einer Bürgermeisterei wird registriert und der Äbstim- mungskommission zur Kenntnis gebracht. Allen be­teiligten Personen ist es verboten, den Saal vor der Bekanntgabe des Wahlergebnisses zu verlassen. Ebenso ist es ihnen untersagt, sich über Einzel- ergebmffe unter sich zu unterhalten. Man hofft, das Wahlergebnis in den späten Abend­stunden des Montag, etwa um 23 Uhr, gleichzeitig in Genf und Saarbrücken i veröffentlichen zu können. Nach Abschluß ' öer Zahlung werden die Wahlzettel in 83 bereit-- , stehenden Holzkisten verpackt, um nach Genf ge- i schafft zu werden. ,

Frau und dem zehn Wochen alten Kind ist er, selbst nicht abstimmungsberechtigt, nach Saarbrücken gekommen. Die Frau jedoch, so schwach sie auch noch war, hat am 13. Januar nicht z u Hause bleiben wollen. Kleiner Beamter, hat er das Reisegeld, da er den Antrag nicht rechtzeitig stellen konnte, für sich und seine Frau vorgestreckt. Er denkt nicht daran, das Reisegeld für sich wieder zu haben, weil er nicht abstimmen kann. Er will nur, daß seine Frau ihre Pflicht tut. Es ließen sich Hun­derte und Tausende von Beispielen anfügen, Be­lege dafür, daß auch der einfachste Mann, so schwer es ihm fallen mochte, tat, wozu fein Gewissen ihn trieb. Sie kamen aus Japan und Brasilien, aus den Vereinigten Staaten und Afrika und aus allen Ländern Europas, sie waren tage-, wachen-, mo­natelang unterwegs. Aber sie kamen, weil das Vaterland sie rief.

Zn den Straßen fahren die Tanks der fremden Truppen. Als die Sonderzüge am letzten Sonntag in Abständen von fünf und zehn Minuten auf dem Hauptbahnhof in Saarbrücken einrollten, marschierte eine Abteilung Soldaten mit Maschinengewehren

Saarbrücken, 8. Jan. (DNB.) Im Saar- gebiet kam es am Dienstag zu außerordentlich be­unruhigenden Vorgängen. An der ganzen loth­ringischen Grenze entlang sind auf Anord- des Direktors des Innern Heimburger andjägerposten zurückgezogen und auf das rechte Saarufer gelegt roor ö-en. Da auf der linken Saarseite auch keine Gruppen liegen, die ausländischen Truppen viel­mehr alle rechts der Saar stationiert sind (mit Ausnahme von 100 Italienern in Saarlouis), i[t alfo der Teil der Kreise Saarlouis und Saar­brücken auf dem linken Saarufer von allen Sicherheitskräften entblößt. Gleichzei­tig hat die Bevölkerung festgestellt, daß die fran­zösischen Grenzposten der Garde mo­bile verstärkt worden sind. Ferner ist in den letzten Tagen bei Oberesch französische Ka - vallerie mehrfach, so auch heute, an der Grenze aufgetaucht.

Aus die Frage nach den berühmten schwarzen B l e i st i f t e n ließ sich Herr de Jonge mit der vagen Antwort hören, daß man nicht zu formalistisch ver­fahren wollte. Eine klare Definition war auch dar­über nicht erhältlich, ob die auch nur an- deutende Anwendung d e s deutschen Gru­ßes die Stimme ungültig machte; jedoch wurde anerkannt, daß Willensäußerungen, nachdem der Wahlzettel des Betreffenden bereits in der Urne läge, keine Ungültigmachung nach sich ziehen können, jedoch die Verhaftung des Betreffenden ver­ursachen konnten. Die Mitglieder der Kommission betonten mit großem Nachdruck, daß es jedenfalls für jeden Abstimmungsberechtigten dringend empfehlenswert fei, sich jeder Willens­äußerung über feine Stimmabgabe zu halten.

Bei der Aufhebung der Landjägerposten handelt es sich um die ständigen Landjäger, die in den be­treffenden Ortschaften wohnen und dort seit Jahren Dienst tun. Es sind alles Orte, wo dichter Wald die Grenze besonders unübersichtlich macht. Die hochgelegenen Teile der Kreise Saar­brücken und Saarlouis, von französischer Seite mehrfach als strategisch für Frankreich außerordentlich wichtig bezeichnet wor­den, weil man von hier aus eine Uebersicht weit in das Saarland hinein hat.

Die Zurückziehung der Landjägerposten, die Ver­stärkung der französischen Grenzwachen sowie das Auftauchen französischen Militärs an der Grenze haben eine außerordentliche Beunruhigung in die Bevölkerung getragen. Dazu kommt, daß auf dem rechten Saarufer von den 3050 Mann aus­ländischen Militärs 2950 Mann unterge­bracht sind, auf der linken Seite aber nur 100 Mann. Die geschilderten Maßnahmen sind nicht zuletzt auch deswegen bemerkenswert, weil die saarländische Separatistenpresse seit einigen Tagen , vonWahlbomben" von deutscher Seite spricht und andrerseits der ehemalige christliche Gewerkschaft­ler Kuhnen gerade in den letzten Tagen das Ge­spenst eines französischen Gewaltstreiches auf das linke Saarufer an die Wand gemalt hat, um damit feiner Aufforderung, für den Status quo zu stim­men, Nachdruck zu verschaffen.

Der Direktor des Innern der Regierungskom­mission H e i m b u r g e r behauptete, die Landjäger auf der linken Saarfeife feien zurückgezogen wor­ben, weil diese Zahl viel zu groß gewesen sei und weil sie anderwärts gebraucht würden. Es ist seltsam, daß Herr Heimburger dies erst jetzt wenige Tage vor der Abstimmung feststellen kann. Das Mißtrauen gegen Heimburger, dessen Ersetzung durch eine neutrale Persönlichkeit schon mehrfach gefordert worden ist, ist auf das äußerste gestiegen. Auch die Regierungskommission müßte endlich erkennen, daß die Saarbevölkerung in einer solchen Zeit der Spannungen besonderer Rücksichtnahme bedarf in einem Grenzgebiet, in dem selbst harmlose Vorgänge von der Bevölkerung ganz anders gewertet werden.

Achtung! Saarabstimmungsberechtigte!

Zwölf Gebote für die Saarabstimmung.