Ausgabe 
9.1.1935
 
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derReichsstatthatterinHeffenGauleiterSprenger

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Das Reichswirtschaftsministerium hat einem An­träge der Hypothekenbank in Hamburg, für 10 Millionen Mark neue 4,5prozentige Pfandbrief ausgeben zu dürfen, stattgegeben. Das ist aus zwei Gründen ein sehr bemerkens­wertes Ereignis. Erstens hatten die Hypotheken­banken in den letzten Jahren und insbesondere seit der großen Bankenkrise so gut wie ganz darauf verzichtet, überhaupt neue Pfandbriefe auszugeben. Sie hielten den deutschen Kapitalmarkt nicht für tragfähig genug, um neben den großen Beträgen der im Umlauf befindlichen Pfandbriefe noch weitere aufnehmen zu können. Wenn jetzt eine große nord­deutsche Hypothekenbank sich dazu entschließt, neue Pfandbriefe zu emittieren, so beweist das, daß man mit einer Besserung der Lage am deutschen Kapitalmarkt rechnen zu können glaubt. Allerdings geht man auch in Ham­burg mit großer Vorsicht an das Experiment her­an; denn eine Emission von 10 Millionen Mark Pfandbriefen bedeutet natürlich keine große Mehr­belastung des Markts. Aber wenn erst einmal in die Mauer, die bisher neue Pfandbriefe von diesem Markt fernhielt, Bresche gelegt sein wird, werden bald andere Hypothekenbanken nachfolgen, und es wird sich dann zeigen müssen, ob bereits wieder genug Sparkapital in Deutschland vorhanden ist, das bereit ist, in sichere Anlagen hineinzugehen.

Die Ausgabe von neuen Pfandbriefen ist also zunächst ein Beweis für die Stärkung des Vertrauens, die in Deutschland wieder erreicht worden ist. Sie verdient um so größere Beachtung, als es bisher nur in sehr wenigen Ländern, wie z. B. in C*'\ 3-' h,c Geldmarktverflüsjigung aus die Kapitalmärkte zu

Die Weiche und die Signaleinrichtungen waren Ordnung, das Einfahrtsignal zeigte freie Fahrt.

Lirgerha^s in einer norwegischen Hafenstadt in den Fjord gestürzt. Vier Todesopfer?

daß die Reformarbeit an Staat und Volk rüstig vorwärts schreitet, dieser Weisung entsprechend ge­handelt wird. Der Reichsinnenminister hat erst kürzlich erklärt, daß die Reichsreform vorwärts schreite, und auch die Zahl der Reichsgaue angegeben und auf ungefähr 20 beziffert. Heute stehen wir nun am Anfang.

Wir wissen, daß durch die Vereinheitlichung eine ungeheure Verbilligung der ganzen Verwaltung des Reichs er­zielt wird. Damit ist die Reichsreform in weitestgehendem Waße volkstümlich ge­worden. Ich werde wie seither alles tun, was nur irgend möglich ist, um diesen Gang zu fördern. Was ich in der Kampf­zeit als Gauleiter gepredigt habe, das habe ich gehalten in unferm Staat des Führers zu aller Zeit und jeder Stunde, um jede Verein­heitlichung fo rasch wie möglich herbeizuführen.

Ich freue mich, daß es gelungen ist, die wichtigen vorbereitenden Unterlagen zu schaffen, damit eine freiwillige Zusammenarbeit zustande gekommen ist, auf dem Gebiete der Wirtschaft: den Rhein- Mainischen Industrie- und Handels- t a g. Diese Vereinfachung hat dazu geführt, daß im wohlverstandenen Interesse des gesamten Gebiets zwischen der gesamten Industrie, dem gesamten Handel und der gesamten Arbeiterschaft heute eine Zusammenarbeit besteht, die sich nicht besser ge­dacht werden kann, wenn die Dinge von Gesetz wegen geordnet sind. Ich freue mich, daß die Landesbauernschaft einheitlich, durchgebildet ist, daß auf dem Gebiet des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens jene Zusammenarbeit heute praktisch schon besteht, die nur verinnerlicht werden kann, wenn mehr noch geleistet wird im Sinne der Verwaltungsreform. So grüße ich denn

durchaus im Bereich der Möglichkeit liegen. West­deutschland hatte Dienstagfrüh noch durchweg nur mäßigen Frost mit wenigen Graden unter Rull, doch wird auch dort die Kälte jetzt schon stärker.

In Schlesien hat bei zeitweise eintret-ender Aufheiterung die strenge Kälte noch wei­ter zugenommen. Mittwochmorgen werden aus Breslau minus 18 Grad als Tieftemperatur gemeldet; in Grottkau wurden sogar minus 20 Grad gemessen Die niedrigste Temperatur wurde in Groß- Iser im Isergebirge in 840 Meter Höhe mit minus 26 Grad heute morgen abgelesen. Im Tal hat neuer'Schneefall eingesetzt. Im Hochgebirge ist heute morgen das Wetter sehr schön und klar. Schibahn und Rodelbahnen sind von bester Be­schaffenheit. Die Rodelbahnen reichen bis ins Tal hinab.

Ich begrüße zunächst als Gauleiter und Reichs­statthalter den Vertreter des Herrn Reichsjustiz­ministers, den Pg. Dr. Freister. Er ist in unserm Gau kein Unbekannter. Er gehört zu den alten Mitkämpfern des Gaues, den wir aus den Jahren 1923 und 1924 kennen. Ich freue mich, daß wir ihn hier in unseren Reihen be­grüßen können. Es ist wohl Schicksal, daß er dazu berufen ist, für das Reich die hessische Justizver­waltung zu übernehmen. Ich möchte hervorheben, daß gerade im Lande Hessen der heutige Akt als bedeutungsvoll angesehen wird, besonders bedeu­tungsvoll und verständnisvoll nicht nur in diesem Kreis, sondern draußen im Lande.

Gerade bei uns ist die Vereinheit­lichung mit besonderer Wärme in der Kampfzeit vorgetragen worden, die Schaffung der Einheit des Reichs als Preis der Kampfziele dargestellt worden. Und das Ergebnis war, daß ich am Ende der Kampf­zeit, am 7. Januar, dem Führer mitzuteilen die Freude und Genugtuung hatte, daß ich stolz sagen konnte: Das Volk im Gau hesfen- Rassau ist nicht nur in Erwartung der Reichs­reform, sondern durch nationalsozialistische Er­ziehungsarbeit so weit, daß es die Reichs- reform von sich aus fördert. Und darum begrüße ich diese Tat ganz besonders, ist es doch das erste Wal, daß nach außen hin auch sichtbar in Hessen die Reichsreform einen Riesenschritt nach vorwärts macht.

Mit besonderer Genugtuung sind die Ausführun­gen in der neuesten Zeit ausgenommen worden, wonach entsprechend den Weisungen des Führers, der ja in seiner Neujahrsbotschaft noch erklärte,

Wettervoraussage.

Die Kälte hat in Deutschland fast allgemein noch zugenommen und ist bei der herrschenden Ost­strömung in Mittel- und Ostdeutschland am stärk­sten. Bei Island ist ein außergewöhnlich kräftiger Sturmwirbel in Entwicklung, der rafch nach Nord­skandinavien vordringt, auf unser Wetter vorerst ohne direkten Einfluß bleiben wird.

Aussichten für Donnerstag: Wolkig und gelegentlich auch aufheiternd, vereinzelt leichte Schneefälle bei Winden aus östlicher Richtung.

Lufttemperaturen am 8. Januar:'mittags1,7 Grad Celsius, abends1,9 Grad; am 9. Januar: morgens2,7 Grad. Maximum0,9 Grad, Mini­mum 2,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8. Januar: abends 1,3 Grad; am 9. Ja­nuar: morgens 1,7 Grad Celsius.

Der organische Aufbau einer einheitlichen Rechlswahrung.

Staatssekretär Dr. Kreisler übernimmt die hessische Justizverwaltung auf das Reich

diesen Tag als verheißungsvollen An­fang, und was an mir liegt, werde ich alles tun, um die Einheitlichkeit der weiteren Fortfüh­rung im Rahmen der Reichsreform zu fördern und durchgestalten zu helfen. Der Reichsstatthalter schloß mit einemHeil Hitler!"

Staatssekretär Dr. Freister erklärte dann u. a.: Zunächst habe ich den Auf­trag des Herrn Reichsjustizministers auszuführen, Ihnen, Herr Reichsstatthalter, Ihnen, Herr Staatsminister, Ihnen allen seine herzlichen Grüße zu übermitteln. Ich darf in Vertretung des Herrn Reichsjustizministers gleichzeitig seinen herz­lichen Dank anschließen für die entscheidende Vor­arbeit, die hier unter Ihrer Führung, Herr Reichs­statthalter, geleistet worden ist. Ohne diese Vor­arbeit wäre die Reichsvereinheitlichung auf dem Gebiete der Rechtspflege nicht möglich gewesen, sicher nicht dort, wo die angebliche Maingrenze liegt. Jede grundsätzliche Erneuerung setzt die ent­sprechende Erziehung des Volkes voraus. Das Herz des Volkes hängt nicht an einem formalen staatsrechtlichen Begriff, das Herz des Volkes kann nur an einer Sehnsucht hängen, und diese Sehn­sucht mußte im Volk als die treibende lebendige Kraft gewertet werden; ein Volk, ein Reich. Und sie ist gewertet worden durch die kämpfende nationalsozialistische Bewegung. Gleichzeitig muß ich bei dieser feierlichen Gelegenheit hervorheben, daß die Uebernahme der Rechtswahrung auf das Reich, die ich hiermit namens des Herrn Reichsministers der Justiz auch in Hessen vollziehe, in einer organischen Weise durch geführt wird. Mancher hat, als der Führer an der Spitze seiner Getreuen die Macht in Deutschland ergriff und da­mit an die Stelle der Staatsverwaltung die leben­dige Volksführung setzte, geglaubt, in den nächsten Tagen müßte alles vollkommen gewandelt sein. Klein war die Zahl derer, die die f 0 l g e r i ch - tige Entwicklung zu überschauen vermochten. Die Vereinheitlichung bedeutet nicht, daß nun etwa alles unbedingt von einer Stelle bearbeitet und be­handelt werden müßte, vielmehr ist gerade der Na­tionalsozialismus geeignet und seinem Wesen nach ein Garant dafür, daß dieser Fehler einer leben­tötenden Ueberzentralisierung nicht begangen wird. Der Nationialsozialismus denkt nicht zentra­listisch und nicht dezentralistisch, er denkt und lebt und handelt organisch. Wir müssen für unsere Rechtserneuerung aus der Erkenntnis der wach gewordenen deutschen Volksseele Anhaltspunkte für eine völlig neue, aber unserm Wesen entsprechende Neuschaffung des Rechts gewinnen. Höchste Garanten dieser Erneuerung sind die arbeitenden kämpfenden Männer und die sorgenden Frauen, die nichts anderes wollen, als in den Dienst dieser Erneuerung sich zu stellen. Diese Erneuerung aber heißt: Deutschland, deutsches Volk, ewiges deutsches Volk.

Die zu dieser feierlichen Stunde versammelten Volksgenossen folgten aufmerksam den Ausführun­gen des Staatssekretärs Dr. Freister, die von einem heiligen Willen zum Aufbau von Volk und Staat getragen waren. Zum Schluß' sprach Senatspräsi- 1 dent Dr. Werner noch kurz allen Mitarbeitern der Justiverwaltung den Dank der hessischen ; Saatsregierung aus. Er gelobte, daß die 1 seitherige hessische Justiverwaltung mit allen ihren ' Mitarbeitern nun nach der Uebernahme auf das Reich erst recht alle Kraft daran setzen wolle, deutsches Recht dem deutschen Volke 1 zu geben. Zur Bekräftigung dessen schloß er den feierlichen Akt mit einem dreifachen Heil auf den : Führer.

Die Reichsreform macht einen Riesenschritt vorwärts.

Stpa. Darmstadt, 8. Jan. Der Festsaal des Alten Palais in Darmstadt strahlte am Diens­tag im festlichen Schein der Kerzenbeleuchtung. Frisches Grün umrahmte das Bild des Führers ein würdiger Rahmen für einen Augenblick histo­rischen Geschehens. Fast alle Beamten der h e s s i - chen Justizverwaltung hatten sich hier zusammengesunden, um Zeuge des großen histori- chen Augenblicks der Uebernahme der hessischen Justizverwaltung auf das Reich im Rahmen der Reichsreform zu sein. Die Fahnen der national­sozialistischen Bewegung ließen es zedem noch ein­mal nachdrücklichst bewußt werden, daß es der Tat­kraft nationalsozialistischen Kämpfer- und Gestal­tungswillens zu verdanken ist, daß heute eine Stunde solch historischer Bedeutung vor sich gehen konnte. Zu der feierlichen Stunde erschien Reichs­statthalter Gauleiter Sprenger zusammen mit Staatssekretär Dr. Freister und Staatsminister Jung. Außerdem waren die engeren Mitarbeiter des Gauleiters sowie des Staatsministers anwesend.

StaatsmmisterIung

ergriff zunächst das Wort zur Begrüßung und führte u. a. aus: Für uns, die wir feit Jahren das Gedankengut der NSDAP, auch in staatsrechtlicher Beziehung kennen, war es keine Frage, daß das in

Die erste Schwalbe aus dem Kapitalmarkt Eine Neuemission von Pfandbriefen.

Von unserer Äerliner Redaktion.

In der norwegischen Hafenstadt Drammen sind infolge eines Erdrutsches der ganze Kai in der Länge von mehreren hundert Meter und die Lager­häuser der Glasfabrik von Drammen in den Fjord gestürzt. Als Ursache des Erdrutsches werden Veränderungen am Meeresgründe vermu­tet. Vier Personen werden vermißt. Man befürchtet, daß sie ums Leben gekommen sind. Zwei Männern gelang es wie durch ein Wunder, sich noch im letzten Augenblick zu retten. Geistesgegen­wärtig sprangen sie über den Erdriß, der sich bil­dete, als das Unglück begann. Es wird befürchtet, daß infolge der Lockerung des Baugrundes auch noch das Verkaufslager der Glasfabrik, in dem sich .sehr große Mengen von Glaswaren befinden, ein- stürzen wird.

Das Lawinenunglück im Oehtal.

Die Leiche des zweiten Opfers des bereits ge­meldeten Lawinenunglücks auf der Hochjoch- fpitze im Oetztal in Tirol, des Engländers A r m - ftrong, wurde jetzt aistgefunden Die Leichen der beiden Engländer werden nach ihrem Heimatland übergeführt werden.

Die Kältewelle über Witteleuropa.

Die strenge Kälte über Nord-, Mittel- und Ostdeutschland wird aller Voraussicht nach min­destens noch einige Tage anhalten. In Berlin rech­net man mit einer Verschärfung des Frostes auf 10 bis 15 Grad je nach der Bewölkung. Die Kälte­welle ist zurückzuführen auf ein kräftiges Hochdruck­gebiet, das über Jnnerrußland lagert und dessen Kern den ungewöhnlichen Luftdruck von 788 mm hat. Mitteleuropa liegt am Südwestrande dieses Hochdruckgebietes und bekommt die außerordentlich kalte Festlandsluft mit westlichen Winden herüber Die Temperaturen in Rußland liegen zur Zeit zwischen 20 und 40 Grad Kälte, stellenweise aber auch noch tiefer. Königsberg hatte am Dse^stag- morgen 19, Danzig 18, Stettin 16 Grad Kalte; be­sonders in Hinterpommern ist der Frost außerordent­lich scharf. Da vom Mittelmeer und vom Balkan in allerdings nicht erheblichen Mengen wärmere Luftmassen hinzukommen, dürften alsbald, besonders in Schlesien, Schneefälle einsetzen, die tm übrigen auch für Mitteldeutschland und für Berlin

übertragen. Fast überall in der Welt ist das Kapital so ängstlich geworden und zeigt so geringes Ver­trauen zu einem neuen Aufstiege der Wirtschaft, daß es sich lieber mit den niedrigsten Zinssätzen der Banken begnügt, als daß es sich dazu entschließt, aufs neue nach dem Kapitalmarkt abzuströmen. Auch in Deutschland waren Aktien- und Renten­märkte lange Zeit hindurch ohne einen nennens­werten Neuzustrom von Kapital. Das beginnt jetzt anders zu werden. Die Kapitalbildun g macht wieder, wenn auch zunächst nur langsame Fort­schritte. Das Vertrauen zur Stabilität der Wirt­schaft und des Geldes aber hat bereits wieder feste Wurzeln gefaßt. Das geht daraus hervor, daß im letzten Jahre auch niedrig verzinsliche Wertpapiere, die vom Reich, Staat und Ge­meinden neu ausgegeben wurden (so z. B. die 4prozentige Reichsanleihe, die Osthilfe-Umschul- dungsbriefe, die Gemeinde - Umschuldungsanleihe usw.), gute Aufnahme gefunden haben. Aber auch die Kurse der von den Hypothekenbanken und anderen Kreditinstituten begebenen alten Pfandbriefe nähern sich bereits wieder dem Paristande. Sie sind also der Konoersionsreife nicht

dem deutschen Volk seit Jahrhunderten lebende Verlangen nach der Reichseinheit im neuen Staat rasch zur Wirklichkeit wer­den müsse. In den letzten hundert Jahren hatte das deutsche Volk bereits zweimal Gelegenheiten, diese Einheit zu schaffen. Sie wurde weder in der Ver­fassung des zweiten Reichs, des Bismarck-Reichs, noch in der des Zwischenreichs der Weimarer Ver­fassung wahrgenommen. Erst der gewaltigen Kraft der nationalsozialistischen Volksbewegung des Drit­ten Reichs blieb die Erfüllung dieser großen Idee vorbehalten. Jahrelang hat man über die Vorteile und Nachteile diefer Vereinheitlichung gestritten. Wenn man heute historische Rückschau hält und sich vorstellt, was das Dritte Reich vollbracht hat, so wird man ermessen können, welch ungeheurer Wan­del in der Anschauung vor sich gegangen ist. Die Einheit der Staatsführung ist geschaf­fen; das entspricht dem nationalsozialistischen Grund­satz des Einheitsreichs. Wenn ich nun die hessische Justizverwaltung in die Hände des Reichsjustiz­ministers gebe, so bedeutet dies ein freudiges Bekenntnis zum deutschen Einheits- ft aa t, der nun nach jahrtausendelanger Zersplitte­rung des deutschen Volkes endlich geschaffen ist. Ich bin gewiß, daß die hessischen Richter, Justizbeamten, Angestellten und Arbeiter sich der Bedeutung des heutigen Tages bewußt sein. Sie sind bereit, ihre Pflicht gegenüber der Reichsjustizverwaltung ebenso treu und gewissenhaft zu erfüllen, wie dies dem Lande Hessen gegenüber geschehen ist.

Anschließend sprach

schen Expedition an, deren Führer Pinehart erst kürzlich zurückkehrte, nachdem man ihn bereits aufqegeben hatte. Ein Holländer namens Schil­der fand mit seinen Freunden die Leichen der bei­den Hingemordeten und begrub sie.

Erpresserische Rauschgisthändlerbande unschädlich gemacht.

Der Dresdener Polizeibericht meldet: Dor einiger Zeit wurde einer Bande, die seit Jahren Betrüge­reien großen Stiles mit Rauschgiften betrieb und viele Personen um erhebliche Summen ge­prellt hatte, das Handwerk gelegt. Die Gauner knüpften in Großstädten oder Badeorten Bekannt- schäften mit wohlhabenden Leuten an, denen sie vorschwindelten, daß sie gewinnbringende Geschäfte 1 mit Radium oder Patenten abschließen könnten. 1 Der Zweck war immer der gleiche. Sie wollten ihre Opfer zur Hergabe von Geld gewinnen, was ihnen auch im weitesten Maße gelungen ist. Den Geld- , aebern offenbarten sie bann, daß sie nebenbei mit Kokain handelten. Um ihr Geld nicht zu verlieren, beteiligten sich die Opfer an dem verbotenen Han­del und nahmen sich damit die Möglichkeit, die Gauner strafrechtlich verfolgen zu lassen. Waren sie erst vollkommen von den Schwindlern abhängig, nahmen die Forderungen nach neuen Vorschüssen kein Ende. Statt Geschäfte abzuschließen, verpraß­ten die Händler das Geld im Kreise ihrer Freun­dinnen. Dem Tun und Treiben der Gaunerbande fetzte die Berliner Kriminalpolizei jetzt im Zusam­menwirken mit anderen Kriminalpolizeibehörden ein Ende. Die meisten Mitglieder wurden fest- genommen und der Staatsanwaltschaft zuge­führt. Der Landeskriminalpolizeistelle Düsseldorf ist es gelungen, die letzten beiden aeflüchteten Mit­glieder der Bande in Düsseldorf festzunehmen. Es handelt sich um die Brüder Hans und Fritz Schmidt.

Sbjähriger Greis ermordet und aus dem Fenster geworfen. Scheußliche Bluttat eines Berliner Ehepaares.

In Berlin wurde der 86 Jahre alte Hausver­walter Hermann Schmidt vor dem Haufe Man- teuffelftraße 87 mit zerfchmetterten Gliedern tot aufgefunden. Während man zunächst annahm, daß der Greis infolge eines Schwächeanfalles aus seiner im zweiten Stock liegenden Wohnung auf die Straße gestürzt sei, haben jetzt die Ermittelungen der Mordinspektion ergeben, daß der alte Haus­verwalter einem Raubmord zum Opfer gefallen ist. Die polizeilichen Nachforschungen führten zur Verhaftung der Untermieter des Ermordeten, eines jungen Ehepaares, von denen zuerst die Ehefrau und nach längerem Leugnen auch der Ehemann ein Geständnis ablegten. Danach hat der Ehemann, der 25jährige Bruno Laude, den greifen Haus­verwalter mit einem Hammer hinterrücks erschla­gen und in der Nacht aus dem Fenster geworfen, um einen Unglücksfall vorzutäuschen. Einen Betrag von 94 Mark und einigen Pfennigen, die der Haus­verwalter als Mietgelder eingenommen hatte, hat das verbrecherische Ehepaar sich angeeignet und für Vergnügungen sowie für den Ankauf von Lack­schuhen ausgegeben.

Indisches Wililärslugzeug stürzt in eine marschierende Truppe. Els Tote, zahlreiche Verletzte.

Ein indisches Militärflugzeug ist am Flusse Hab in der Nähe von Karachi schwer verunglückt; elf indische Soldaten kamen ums Leben. Das Unglück geschah, als die Maschine zu Manöver- zwecken einen Scheinangriff auf eine marschierende Truppe unternahm, plötzlich aber nicht mehr die Höhe gewinnen konnte, so daß sie kopfüber in die Abteilung eines indischen Regimentes stürzte. Die Folgen waren entsetzlich. Elf indische Soldaten waren auf der Stelle tot und eine größere Anzahl erlitt mehr oder weniger schwere Verletzungen. Die Bemannung des Flugzeugs, ebenfalls Inder, kam mit leichten Verletzungen davon.

Güterzug entgleist. 3 Tote, ein Schwerverletzter.

Auf dem Bahnhof Altdamm bei Stettin ent­gleiste in der Einfahrtstrecke der von Gollnow kommende Nahgüterzug 8606 mit der Lokomotive, zwei Wagen Vieh und dem Packwagen. Bei dem Unfall, der erheblichen Sachschaden verursachte, wurden der Lokomotivführer Gronert, Loko­motivheizer W i 11 k e und Zugschaffner H a b e ck getötet. Zugführer Fregin wurde f ch w e r verletzt. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt.

gegeben werden sollen. Man will offenbar erst vor­fühlen, wie weit die Sparer schon bereit sind, ihre Zinsansprüche wesentlich herabzusetzen. 3Bie, es heißt, hofft man aber, die 4,5prozentigen Pfand­briefe zu einem Kurse von 94 Prozent emittieren zu können. Die mit 6 Prozent verzins­lichen alten Pfandbriefe der Hamburger Hypothe- kenbank wurden zuletzt mit 97,5 Prozent notiert, haben also den Parikurs beinahe erreicht und kön­nen daher in der Tat als fast konverfionsreif an­gesehen werden. Bringt die Neuemission einen be­friedigenden Erfolg, so werden sicherlich auch an­dere Kreditinstitute sehr bald dazu Über­gehen, neue Pfandbriefe mit einer Ausstattung von nur 4,5 Prozent Nominalzinsen auszugeben. Sie werden dadurch instandaesetzt werden, den Hypothe­kenschuldnern ihrerseits Kredite zu beträcht­lich niedrigeren Zinssätzen als bisher zu gewähren. Der erste, schwierigste Schritt zu einer Senkung des Landeszinssatzes wäre damit getan. Sind' die Neuemijsionen 4,5prozöntiger Pfandbriefe erfolgreich, fo wird auch der Um­tausch der alten 6vrozentigen Pfandbriefe in 4,5- prozentige in absehbarer Zeit durchgeführt werden können.

Erwähnt sei ferner noch, daß die neuen 4,5pro» zentigen Pfandbriefe der Hamburger Hypotheken- bank ausschließlich auf Reichsmark lau­ten werden. Jede Sicherung durch irgendeine Gold­klausel wird angesichts des unbedingten Vertrauens zur Mark, das heute in allen Volksschichten herrscht, für unnötig gehalten. Auch diese Tatsache beweist, wie große'Fortschritte die Vertrauensfestigung in den beiden letzten Jabren gemacht hat. Die Voraus­setzungen für den Versuch, den die Neuemission der Hamburger Hypothekenbank bedeutet, sind also zweifellos vorhanden. Zunächst erscheint diese aller­dings nur als die erste Schwalbe, die noch keinen Sommer macht. Aber wenn sie befriedigende Le­bensbedingungen findet, werden ihr bald an­dere folgen. Die Macht des Winters, der den deutschen Kapitalmarkt so lange hatte vereisen las- sen, ist gebrochen. Ein erster vorsichtiger Versuch, wie ihn die Hamburger Emission darstellt, wird zeigen, ob die Märkte bereits wieder genügend aus- getaut sind, und ob die Zeit für die große Zms- konversion schon gekommen ist._________

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot. für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inbalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. XU. 34: 12 047. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckeret

R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pj» Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig

mehr fern.

Die Ausgabe der neuen 4,5prozentigen Pfand­briefe der Hamburger Hypothekenbank bedeutet da­her zweitens auch eine Probe auf das Exempel, ob und in welchem Ausmaß das sparende Pu­blikum in Deutschland schon wieder bereit ist, niedrig verzinsliche Pfandbriefe auf­zunehmen, wenn dafür die denkbar größte S i ch c r= ner nur m ,eyr wenigen heit für das Kapital geboten wird. Es ist freilich England, gelungen ist, die noch nicht bekanntgegeben worden, z u w e l ch e m - s;. "t'Emilfionskurse die neuen Pfandbriefe aus-