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Nr. 255 Drittes Blatt Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)Dienstag. 8. Oktober 1955

iertikow" usw.

zur

Markteröffnung

Volk

Idee aber

zur Verteilung bringen.

Auf denn zur Tat! Unsere Losung heißt und Vaterland, unsere Kraft gipfelt in der des nationalen Sozialismus, unser Glaube

(So nur ver- zum

und Brot gibt. Wer will es nicht glauben, daß Adolf Hitler und die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei die Stände und Klassen zusammen­gerissen und einen neuen deutschen Menschen ge­schaffen haben? Aus namenloser Not gab der Füh­rer die Hoffnung und den Glauben all denen wie­der, denen eine überwundene Zeit alles nahm.

So soll auch in unserem Gau das neue Winter­hilfswerk nichts anderes sein, als die Erfüllung un­serer nationalsozialistischen Idee.

Laßt die herzen offen und hört den Ruf, der ein Opfer von euch fordert, habt die Ge­wißheit, daß eure Groschen in eurem Sinne Verwendung finden. Wir brechen die Rot, wir meistern das Schicksal Tausender. Die Gaben für die hilfsbedürftigen unseres Gaues wird die bereitstehende Organisation des Winter­hilfswerks, unter Führung der RS.-Volkswohl- fahrt, gerecht und auf den Einzelfall abgestellt,

in der er die Aufgabe der Stadt für den Kreis Friedberg schilderte. Friedberg ist, so sagte er u. a., der Mittelpunkt der Wetterau. Aus der günstigen Derkehrslage darf die Einwohnerschaft aber nicht Rechte ableiten, sondern muß Pflichten erkennen. Die Stadt soll dem Bauern Treffpunkt und ange­nehmer Aufenthalt sein, er muß sich hier mit allem notwendigen reell versorgen können. Denn das Volk ist nicht für die Wirtschaft da, sondern die Wirtschaft für das Volk. Ebensowenig wie die Wet­terau *für Friedberg da ist, sondern Friedberg für die Wetterau. Die wechselseitigen Beziehungen müs­sen gefördert werden. Stadt und Land müssen Hand in Hand arbeiten. Nachdem der Bürger­meister noch auf Friedberg als einen Kulturmittel- punkt hingewiesen hatte (Schulen, Museum usw.), begrüßte er die Gäste aus Stadt und Land, be­sonders Ministerialrat Ringshausen. Schließ­lich dankte er allen, die sich für die Vorbereitung des Marktes einjetzten und während des Markt­verlaufes zum erwarteten Erfolg beitragen werden. Auf des Bürgermeisters Geheiß wurde sodann die

Wir stehen zum Angriff bereit!"

Ein Aufruf des Gauamtsleiters der NS.-Dolkswohlfahrt.

Der Markttrunk auch für den Reichsherold.

(Aufnahmen [2]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

die breite Straße, die Kinder belagerten das Karus­sell, überall herrschte Freude und Betriebsamkeit, die auch ein abermals hereinbrechender Regen nicht ernsthaft zu stören vermochte.

*

In Verbindung mit dem Friedberger Herbstmarkt hielt die NS.-Frauenschaft des Kreises Friedberg eine Kundgebung ab, die neben verschiedenen Ansprachen, auch Gedichtvorträge, Chorlieder, Sprechchorvorträge und gemeinsam ge­sungene Lieder brachte. Ferner wurde auch eine interessante Spitzenausstellung in der Au­gustiner-Schule eröffnet und dem Besuch empfohlen.

machen, der es selbst gesehen hat.

Neben der Gefährlichkeit der Waldarbeit im Holz­einschlag muß die große Verantwortung betont wer­den, die jeder einzelne Waldarbeiter zu tragen hat. Schon beim Ansetzen und bei der Ausführung des Fallkerbes und des Fällungsschnittes können ver­antwortungslose Arbeiter durch zu hohes Abschnei­den dem Waldbesitzer und der deutschen Wirtschaft schwere Schäden zufügen, da ja dann der wert­vollste Stammteil, wenn auch nur in wenigen Zenti­metern Dicke, am Stock verbleibt, ohne genutzt zu werden. Auch bei der Aushaltung jedes einzelnen Stammes muß sich der Waldarbeiter seiner Ver­antwortung bewußt sein. Wenn auch im allgemei­nen bei wertvolleren Stämmen der zuständige Re­vierbeamte die Aushaltung selber bestimmen wird, so muß doch der Waldarbeiter oft genug entschei­den, ob er ein Stück des Stammes ins Brennholz schneidet oder am Nutzholzstammteil beläßt. Dar­über hinaus ist es Pflicht des Waldarbeiters, alles Holz so aufzuarbeiten, die Mitte des Stammes so zu kennzeichnen und alles Schichtholz so aufzusetzen, daß der Holzkäufer keine-Zweifel an der Richtigkeit der Angaben der Forstverwaltung beim Holzverkauf haben kann.

Nach der Ernte des Holzes erfolgt in vielen Fäl­len das Rücken und das Abfahren des Holzes aus dem Walde durch den Holzfuhrmann. Auch dieser muß sich bewußt sein, daß er, besonders beim Rücken von Holz in Naturverjüngungen, ernste Aufgaben hat, die an sein Können und an seine Umsicht große Anforderungen stellen.

Es ist kein Zweifel, daß die Waldarbeit in der deutschen Wirtschaft eine bedeutende Rolle spielt. Auf den 12,7 Millionen Hektar Wald in Deutsch­land werden jährlich 25 bis 30 Millionen Festmeter Nutzholz und ebensoviel Festmeter Brennholz ge­erntet. Welche Summe von Erfahrungen, Kennt­nissen, Fleiß und Schaffensdrang ist gerade von feiten der Waldarbeiter und Holzfuhrleute nötig, um die reibungslose Ernte dieser ungeheuren Werte ohne Schäden für die deutsche Forstwirtschaft und für die deutsche Wirtschaft zu gewährleisten. So ist es kein Wunder, daß gerade der Waldarbeiter, der Holzfuhrmann, die Arbeiterin auf den Kulturen

* Friedberg, 7.Oft Heute mittag wurde in unserer festlich geschmückten Stadt der Fried­berger Herb st markt in althergebrachter Weise eröffnet. Gegen 12 Uhr hörte man Festzugs­musik in der Kaiserstraße. Reichsherolde in der schönen mittelalterlichen Tracht ritten daher, Bür­germeister, Beigeordnete, Ratsherren schlossen sich an. Eine bunte Gruppe junger Leute mit dem Erntekranz versinnbildlichte die enge Verbindung der Stadt mit dem Lande. Der Bühnenwagen für das Marktspiel wurde im Zuge mitgeführt.

Inmitten der Kaiserstraße, unter den Bäumen am Kriegerdenkmal hier hatten sich schon über

Wetterauer Burschen und Mädels mit ihrem Erntekranz bei der Markteröffnung.

tausend Volksgenossen eingefunden machte der Zug Halt. Der Marktmeister in historischer Tracht hielt zunächst eine beschwingte Ansprache, in der er den Sinn und das Wesen des Marktes schil­derte; Bürgermeister Vieth hielt dann eine Rede

heißt Adolf Hitler. Alles kann vergehen und ver­fallen, eines aber soll die Jahrhunderte überdauern: Das ewige Deutschland!-

alte Marktfahne gehißt und nach einem Gedenken an den Führer Adolf Hitler der Markt für eröffnet erklärt. Nachdem der Kellermeister im braunen Lederschurz noch ein lustiges Gedicht vor­getragen hatte, wurde freizügig und kostenlos der Marktschoppen Aeppelwein aus einem dickbauchigen Bembel ausgeschenkt. Den großartigen und herz­erfrischenden Abschluß der Markteröffnung bildete

das Marktspiei.

Unter dem TitelSerickgestellt!" hat der Heimat­dichter Studienrat Philipps (Friedberg) ein Stück verfaßt, das die Musterung zum Thema hat und in Handlung und Sprache fo unmittelbar aus dem Leben gegriffen ist, daß ihm der Erfolg nicht versagt sein kannte. Lautes Lachen unterbrach oft den Gang der Handlung. Eine Spielschar be­kümmerte sich frisch und frei um die Aufführung. Originell waren die Bühne und die Dekoration. Die Bühne war ein Bauernwagen, und das Zimmer, in dem das Stück spielte, bestand lediglich aus einer Wand. Außerdem gehörten ein Tisch und einige Stühle zur Ausstattung. Alles übliche Mobiliar

ungefähr nach dem Rezept:Man muß sich zu helfen wissen!") Als das Spiel aus war, lief sich die Menge rasch. Jedermann ging Mittagessen.

Märchenspiel im Burghof.

met. So las man

LPD. Der Gauamtsleiter der NS.-Volkswohl- fahrt, Bürgermeister Haug (Darmstadt), erläßt folgenden Aufruf:

Am »9. Oktober 1935 wird der Führer in der Krolloper zu Berlin zum dritten Male das Winter­hilfswerk des deutschen Volkes eröffnen. Schlag­artig wird die Armee der ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen damit ans Werk gehen. Partei, SS., SA., alle Gliederungen, alle Verbände und Orga­nisationen werden im Einsatz für die Verwirk­lichung der Parole des Führers wetteifern.

Genau wie im ersten Jahre nach der nafio- nalfozialistifchen Machtübernahme stehen wir im Zeichen der großen Volks- und Schickfals- gemeinfchaft. Es soll auch in diesem Winter niemand im Reiche Adolf Hitlers hungern und frieren". Deutscher Sozialismus und alles bezwingender Opfergeist werden erneut der Welt das Bild eines eifern zufammengefchweiß- fen Volkes bieten.

Wir tragen gemeinsam die Not, mir bleiben uns selber treu. Wir werden nicht nachlassen im Opfern und Schaffen für die notleidenden Volksgenossen.

Auch der Letzte im Volke soll wieder den Be­weis erblicken, daß ein gerechtes Deutschland lebt, das seinen Volksgenossen wieder Ehre, Freiheit

war durch Schilder gekennzeichi Bild des Vaters",Sofa",V,

Oer Friedberger Herbstmarkt eröffnet

Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.

Aus derprovinziathaupisiadt.

Oer Waldarbeiter.

Alljährlich zu Herbstbeginn zieht der Waldarbeiter mit Axt, Säge und Keilen in den Wald, um dort seine ernste und schwere Arbeit zu vollbringen. Wie gefährlich gerade die Ausübung dieses Berufes ist, das hat sich bei dem vorjährigen Einschlag gezeigt, da eine ganze Reihe von mehr oder weniger schwe­ren Unfällen auf die Unerfahrenheit und Unkennt­nis neu eingestellter Waldarbeiter zurückgeführt werden konnte. Aus diesem Grunde ist die Forde­rung des Waldarbeiterstandes berechtigt, daß jeder Neueingestellte eine gewisse Lehrzeit durchmachen muß.

Früh am Morgen beginnt der Arbeitstag des Waldarbeiters. Meist ist es ein weiter Weg, der ihn zu seiner Arbeitsstelle führt und oft noch in nächtlicher Dunkelheit an getreten werden muß. Auf der Arbeitsstelle muß als erstes das Arbeitsgerät instandgesetzt werden, die Säge nachgeschärft und von anhaftenden Harzteilen befreit, die Axt nach­geschliffen werden. Dann beginnt zusammen mit dem eingearbeitetenKumpel" die Fällungsarbeit, bei der, abgesehen von der von dem zuständigen Revierbeamten festgelegten Fällungsrichtung, jeder einzelne Stamm auch wirklich so fallen muß, daß in keiner Weise Schaden entstehen kann. Gerade heute, da durch die neue Führung der deutschen Forstwirtschaft die Erhaltung des Laubholzzwischen- bestandes und der natürlichen Verjüngung wichtig­stes Gebot für jeden forstwirtschaftlichen Betrieb ist, muß der Waldarbeiter streng darauf sehen, daß durch seine Arbeiten keine Beschädigungen am Jung- und Unterwuchs entstehen. Bei wertvollen Eichen- und Buchennaturverjüngungen müssen so­gar, wie im Spessart, zur Vermeidung von Fäl­lungsschäden die zu fällenden Alteichen vorher auf= geastet werden. Wie schwierig und gefährlich diese Arbeit ist, davon kann sich nur der eine Vorstellung

Kurz nach 14 Uhr bevölkerten dann die Schul­kinder die Straße; sie zogen zum Märchenspiel in den Burghof. Leider regnete es nun in Strömen, nachdem die Markteröffnung von herrlichstem Son­nenschein begünstigt war. Aber das Festspiel der Kinder gelangte doch zur Aufführung, und niemand ließ es sich verdrießen, auszuhalten. Für eine gute Stunde war die Freilichtbühne im Burghof dicht umlagert. Die Kinder, dankbar ganz Auge und Ohr, gingen hoch befriedigt in die Stadt zurück.

! Straßenmusikanten zogen nun durch die Stadt. I Aus dem Oktoberfestzelt klang geräuschvolle Musik, die Lautsprecher der Budenausrufer hallten durch

Die trüben Tage.

Von Hans Pflug.

Die trüben Tage kommen und gehen vorüber, einem Gesetz gehorchend, das wir nicht verstehen, das aber unerbittlich ernst ist, wie alle großen Ge­setze. Vormärz und Spätherbst jener im weh­mütigen unerklärlichen Ahnen ersten Schmerzes dieser im traurigen Wissen um unwiderbringlich Vergangenes haben die trüben Tage immer wie­der eingewoben in das Filigran ihrer Zeit. Und doch gehören sie keiner Jahreszeit allein! In kei- dem Kalender sind sie angemerkt. Keine Abendröte und kein purpurner Morgenhimmel kündet ste an. Sie sind nicht abhängig von jenem hinterhältigen Tief bei Island, von dem die Zeitung meldet. Sie sind nicht zu ergründen, sie haben keinen Sinn und doch glaube ich, daß sie ein Geheimnis bergen, daß sie ein schicksalhaft warnender Finger sind ...

Immer wieder erfüllt uns die bange Süßigkeit ihrer einsamen Stunden. Vielleicht finden sie uns am Nachmittag in unserer Stube. Der Baum vor dem Fenster blickt herein er ist immer da. Wir glauben an diesen Baum, wie wir an das Leben glauben. Wir wissen, daß alles uranfänglich rem und untadelig ist und daß die Menschen allein es waren, die das Bösartige schufen. Die hoffärtigen Menschen, die immer wieder Schöpfer spielen woll­ten und dadurch die Schöpfung verdarben. O, welche Sehnsucht erfaßt uns, wenn wir davon lesen, daß die Eingeborenen Amerikas die ersten Europäer bei der Landung mit Blumen und Früchten beschenkten, sie wie Gottgesandte betrachteten. Und wie traurig wird man, wenn man Daran denkt, daß diese Wei­ßen Teufel waren, leibhaftige Teufel, die Schnaps, Laster und häßliche Krankheit verbreiteten. Und in dieser Stunde, in der uns der trübe Tag milde und väterliche Besinnlichkeit schenkt, wird irgendwo auf dieser kleinen Welt Christus zum millionsten Male gekreuzigt ..

Es ist eine schöne Auffassung, wenn die Kirche lehrt, man müsse sich vorbereiten auf das neue Leben, das nach diesem Erdendasein unser harrt. Es ist seltsam, aber keine umstrittene Wahrheit: ein Sianzes Leben lang blicken wir gen Abend! Vielleicht ind die trüben Tage geschaffen, daß wir uns an Hefe Wahrheit erinnern. Vielleicht bienen sie mehr als wir wissen, ober uns eingestehen wollen, ber Vorbereitung auf bas Enbe. Diese trüben Tage sinb still unb bescheiben unb ohne Wichtigkeit. Unb boch zwingen sie ben allmächtigen Alltag in bie Knie. Doch hören wir manchmal in einem seltenen Augen­blick ein Klingen, ein Klingen, das keine mensch­

liche Erfindung ist. Mitten in unserem wichtigen Werken und Wirken hören wir, nur ein paar Atem­züge lang, ben Puls ber Ewigkeit pochen. Dann können wir roieber lächeln über bas Gehabe ber Menschen, bie sich einbilben, sie hätten bie Welt erbaut ...

An einem trüben Tage hörte ich in biesern Jahr bie erste Amsel fingen. Mitten in ber Stabt. Stra­ßenbahnen rollten vorbei unb Autos rauschten über ben Asphalt. Die Amsel saß auf einem Giebel hoch über uns unb man hörte sie nur ganz leise unb nur in ben Atempausen bes Großstadtlärms. Mir war es, als könnte mich dieses kleine Erlebnis mit man­chem versöhnen, als lohnte es sich, wieder neuen Mut zu schöpfen für den Marsch gen Abend. Ich sage mir immer wieder: wir Heutigen sind nur zu kleingläubig, zu sehr voll Eigenliebe, um die Zei­chen des Göttlichen ringsum wahrnehmen zu kön­nen. Müßte man nicht immer wieder sagen: nichts geschieht in ber Welt ohne Zweck, ohne höheren Willen unb nichts ist so wenig roürbig bieser ge­waltigen Geistigkeit als ber Mensch ...

Vielleicht ist es ber tiefere Sinn ber trüben Tage, daß sie die Gnade eines lichtblauen Morgens, die Sonnenstunde kommender Erfüllung zu verschenken haben. In ihnen liegt die Erwartung und bie Sehn­sucht nach bem großen Glück. Sie allein zwingen den Menschen, dieses Glück als Kostbarkeit zu schätzen und es nicht hinzunehmen in selbstverständ­licher Gewöhnung. Der Schatten macht das Licht erstrebenswert und verheißungsvoll. Im Entbehren liegt der Segen künftigen Besitzes. Wir wurden sehend, da uns die Not ben Blick schärfte. Schütze uns, Vorsehung, vor ber ewigen Sattheit unb schenke uns das Sehnen nach den trüben Tagen, bie glückbringenb sinb.

Hast bu noch nie in die unendliche Tiefe eines Tierauges gesehen? Kennst du die untrügliche Wünschelrute der Landschaft, die dir ben bäuer­lichen Weg beiner Ahnen zeigt? Immer wieder er­heben sich diese Fragen im gramvollen Grau der Stunden.

Sehnten wir uns nicht nach Busch, Bach und Baum, wie Kinder, für die Natur unb Freiheit eines sind. O, könnten uns noch Wiese und Hügel wundersames Paradies bedeuten unb Vogellied und Eidechsenhusch bas große Glück. Könnten wir noch im Urtrieb ber Räuberbubenstreiche Fische fangen unb Molche, wie einst, als wir noch in Unbeküm­mertheit herrlich wild eingeschaltet waren in bas natürliche Brausen gottnahen Lebens.

Nur bie» Sehnsucht blieb, jene unstillbare und wehmütige Sehnsucht nach einem verlorenen Zau­berreich Heute wollen wir die Stadt fliehen, die uns narrt. Jede Sonnenstunde zerrt schmerzhaft an

unseren Nerven. Und wenn wir aufgeschlossen sind ben geheimnisvollen Dingen, bie um uns werben, bann fühlen wir auch ben kühlen Schauder ber trüben Tage, ber als leiser Hauch unsere Seele an­rührt, wie ein Gruß von drüben ...

Geschichten vom großen Los.

Die Geschichte der glückbringenden Lotterielose ist reich an- Zwischenfällen, bie zeigen, baß Fortuna wirklich eine launische Göttin ist, bie Über­raschungen über alles liebt. Ein solcher Vorfall hat sich in Brüssel ereignet. Die Ziehung ber Ausstel­lungslotterie hatte ftattgefunben, von allen Seiten strömten die vom Glück begünstigten Gewinner her­bei, um ihre Preise abzuholen; nur für das große Los von zweihunderttausend Franken meldete sich niemand. Woche um Woche verstrich, und man zweifelte schon, ob der Besitzer des Loses je wieder auftauchen würde, als er plötzlich unter ungewöhn­lichen Umständen aufgefunden wurde. WRige Tage vor ber Ziehung war ein junger belgischer Berg­mann bei ber Arbeit burch einen faUenben Stein getötet worben. Nach ben in seinem Berufe herr- schenben Sitten würbe er in seiner Bergmannsuni­form, in seinem besten Anzuge, zur letzten Ruhe be­stattet. Die Begrbigung war längst vorüber, als be­kannt würbe, baß er kurz vor seinem Tobe ein Lotterielos gekauft hatte. Mit Genehmigung ber Behörde würbe sein Körper exhumiert, unb in ber Westentasche fanb man das vermißte Los: es hatte den Haupttreffer gemacht. Ebenso seltsam ist die Geschichte eines kleinen Geschäftsmannes, der sich mit feinem ersparten Selbe vier Lotterielose kaufte. Er erhielt vier aufeinanberfolgenbe Zahlen, unb da er bas für eine schlechte Chance hielt, tauschte er wenigstens eines ber Lose um. Man kann sich vor­stellen, wie bitter er bas bereute, als kurz barauf bei ber Ziehung bies umgetauschte Los mit einem Gewinn von runb 40 000 Mark herauskam. Mehr Glück hatte eine französische Witwe, bie sich als Kantinenwirtin eines Dragonerregimentes ihren kärglichen Lebensunterhalt verdiente. Eines Tages beschloß sie,bem Glück bie Hanb zu bieten" unb brei Lose einer großen Lotterie zu kaufen. Die Nummern 2171, 2172 und 2173 würben ihr ange­boten. Sie lehnte es ab, bas letzte Los anzuneh­men, weil es ihreUnglückszahl", bie Drei, enthielt. Statt dessen bekam sie Nummer 2174 unb war auch völlig zufrieben. Ihr Instinkt bchielt Recht, 2173 blieb ohne Gewinn, aber 2174 machte ben Haupt­treffer mit 80 000 Mark. Merkwürdig ist ber Fall eines Mechanikers aus Coruna, ber brei Nächte bintereinanber aufwachte mit ber Vorstellung, baß ihm die Zahl 125 869 zugeflüstert worben jei. Der

Vorfall machte auf ihn so tiefen Einbruch baß er wochenlang nach biesern Lotterielos fahnbete unb es enblich auch fanb, gerabe in bem Augenblick, als ein wohlhabenber Bürger ber Stabt das Los als eine Unglückszahl zurückgegeben hatte. Wenige Tage später war ber junge Mechaniker Besitzer eines Vermögens von 40 000 Mark, sein Los hatte ben ersten Preis gewonnen. Kurz darauf ereignete sich roieberum vor ber Ziehung ber spanischen Lot­terie ein anberer merkwürbiger Glücksfast. Ein Zettelankleber in Madrid sah eines Morgens eine alte Dame auf dem Bürgersteig ausgleiten und hin­fallen. Er warf seinen Pinsel unb seine Plakate beiseite unb half ber alten Dame, in ber Hoff­nung, eine Belohnung zu erhalten.Ich habe fein Gelb bei mir", sagte bie Dame,aber hier haben Sie ein Lotterielos, möge es Ihnen Glück bringen." Es war ein Zehntellos ber großen Weihnachtslotte­rie, unb es brachte bem Zettelankleber auch Glück denn es machte einen Hauptgewinn, unb auf den Anteil des Inhabers entfielen über hunderttausend Mark.

Hochschulnachrichien.

Professor Dr. Johanns S t r o u x, Ordinarius für klassische Philologie an der Universität München, ist in gleicher Eigenschaft an die Universität Ber« l i n berufen worden.

Professor Dr. Gustav Neckel, Ordinarius für aermanische, besonders nordische Philologie an ber Universität Berlin, ist in gleicher Eigenschaft an die Universität Göttingen versetzt worden.

Professor Dr. Erwin H a u b e r i s s e r, Drbinarius für Mund-, Zahn- unb Kieferheilkunde an der Uni­versität Bonn, hat einen Ruf als ordentlicher Pro­fessor an die Universität Erlangen erhalten.

Professor Dr. Fr. P r o e 11, Ordinarius für Zahnheilkunde an der Universität Greifswald ist in gleicher Eigenschaft an die Universität Bonn berufen worden.

Wegen Erreichung ber Altersgrenze sinb die fol- genben o. Professoren von ben amtlichen Verpflichtun­gen entbunben worben: Dr. Rudolf Bronta- n e k (Englische Philologie) an der Universität Er­langen; Dr. Bartholomäus Hei gl (Neues Te­stament) an ber Philosophisch-theologischen Hoch­schule Freising; Dr. Lubwig Robert Müller (Innere Mebizin) an ber Universität Erlangen; Geheimer Regierungsrat Dr. Friedrich Panzer (Deutsche Sprache unb Literatur) an ber Universität Heibelderg; Geheimer Hofrat Dr. Georg Pfeilschifter (Kirchengeschichte; kath.) an ber Universität München; Dr. Adolf Schulten (Alte Geschichte) an der Universität Erlange»