Ausgabe 
8.8.1935
 
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Aegypten.

Je mehr sich der italienisch-abessinische Streitfall 3u einem Machtkampf zwischen England und Jta- Lien entwickelt, desto deutlicher tritt die große Rolle hervor, die Aegypten in den diplomatischen Hintergründen der Angelegenheit spielt und die es bet einem Ausbruch des Krieges noch in erhöhtem Maße zu fvielen berufen ist. Italien hat die Bedeutung Aegyptens für seinen Vorstoß in Afrika schon frühzeitig erkannt und seit längerer Zeit große Anstrengungen gemacht, den italienischen Einfluß in Aegypten mit allen Mitteln 3U stärken und auszubreiten. Es stand hierfür eine sehr große italienische Kolonie im Nil­land als Basis zur Verfügung, die mehr als 50 000 Italiener umfaßt, nach der griechischen Kolonie die größte und mit den Verhältnissen des Landes am meisten verwachsene. Die Handelsbeziehun­gen zwischen Italien und Aegypten sind von altersher sehr reae, und wie in allen Mittelmeer­ländern unterscheidet sich die italienische Kolonie in Aegypten von den anderen fremden dadurch, daß sie alle Klassen, vom Straßenhändler und Schuh­putzer bis zum reichen Exportkaufmann umfaßt. Die faschistische Regierung hat insbesondere durch Gründung italienischer Schulen plan­mäßig der Ausbreitung der italienischen Sprache und Des italienischen Einflusses ooraearbeitet: sie besitzt für ihre Propaganda ein besonders in Kairo und Alexandrien sehr verbreitetes Blatt, das G i o r n a l e d ' O r i e n t e" und hat im ver­gangenen Juni eine offizielle f a s ch i st i s ch e Telegraphenagentur eingerichtet, von der aus das italienische Propagandamaterial an die ägyptischen Zeitungen aller Sprachen hinausgeht. Zweifellos hat diese kluge Vorarbeit des faschisti­schen Regimes, die übrigens beweist, daß das Vor­gehen gegen Abessinien von langer Hand vorbereitet wurde, gewisse Erfolae zu verzeichnen, wie dies 3. B. in der ungewöhnlich freundlichen und herz­lichen Aufnahme zutage trat, als vor zwei Jahren das italienische Köniaspaar die Städte Kairo und Alexandrien und Oberäaypten besuchte.

Nach den aus Aegypten vorliegenden Nachrichten scheint jedoch der italienische Einfluß noch nicht so weit gedrungen zu sein, daß er die natür­lichen Gefühle und Interessen abzuleiten vermag, die Aegypten mit dem Gegner Italiens, mit Abessinien, verbinden. Diese sind histo - risch, rassisch und religiös so tief ver­wurzelt, daß sie auch durch die geschickteste Propa­ganda nicht ohne weiteres aufgehoben werden kön­nen. Die christlich-koptische Bevölke- r u n g Abessiniens lebt in kirchlicher Gemeinschaft mit den Kopten Aegyptens, die mehr als eine Mil­lion Gläubige zählen, und beide gehorchen der Autorität des koptischen Patriarchen Johannes von Ajexandrien. Die Abessinier, die in der Zahl von mehreren Tausenden dem griechisch-ortho­doxen Glauben anhängen, leben in enger religiöser Verbindung mit ihren Glaubensgenossen in Aegypten, besonders mit dem Monsignore Nico­las, dem Metropoliten von Aksum, der ein per­sönlicher Freund des Kaisers von Abessinien ist. Die abessinischen orthodoxen Griechen Huben bei der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes und bei dem Bau der französisch-abessinischen Eisenbahn eine große Rolle gespielt, und einer ihrer Führer, Dr. Seroas, gilt als einer der einflußreichsten Rat­geber des Negus. Auch zwischen der mohamme­danischen Bevölkerung Abessiniens und den 13 Millionen ägyptischer Muselmanen bestehen alte religiöse Beziehungen, die bis auf die Zeiten Mohammeds und der Eroberung Aegyptens durch den Islam zurückgehen.

Es ist hiernach nicht verwunderlich, daß d i e ägyptische Regierung, die bemüht war, in dem italienisch-abessinischen Konflikt sich völlig zu­rückzuhalten und vollkommene Neutralität zu wah­ren, immer mehr unter dem lebhaften Druck der abessinienfreundlichen öffentlichen Meinung des Landes gerät. Sie hat deswegen die Auswanderung ägyptischer Arbeiter gesperrt, die durch italienische Unternehmer für den Bau von Straßen und für strategische Arbeiten in Eritrea angeworben wurden. Ebenso hat sie die Ausfuhr von Zugtieren nach den italienischen Kolonien ver­boten und sieht sich zur Zeit einem heftigen Feldzug in der arabischen Presse gegenüber, der das Heber- fliegen Aegyptens durch italienische Flugzeuge als unvereinbar mit der Neutralität und als einseitige Unterstützung eines Kriegführenden behandelt wissen will.

Aber ganz abgesehen von diesen Stimmungs­momenten, die Aegypten bei Ausbruch eines Krie­ges mehr zur Parteinahme für Abessinien neigen lassen, wird die wirkliche Stellung Aegyptens bei einer etwaigen Ausbreitung des Konflikts durch die beherrschende militärische Stel­lung Englands im Lande bestimmt. Bei aller Abneigung, die die englische Fremdherrschaft in zu­nehmendem Maße im Lande findet und die natürlich auch das Verhalten der ägyptischen Regierung be­einflußt, sind doch gerade im abessinischen Streitfall auch die tatsächlichen Interessen Eng- lands und Aegyptens auf das engste miteinander verbunden. Die Frage einer geregelten Bewässerung des Nils ist für den englisch-ägyptischen Sudan wie für Aegyp­ten gleich wichtig. Jede Veränderung der politischen Karte in den Gebieten der Nilquellen, besonders die Ausdehnung des italienischen Einflusses auf das Gebiet des Tana-Sees, bekanntlich das Quellgebiet des Blauen Nils, bedeutet für Aegypten wie für England eine Lebensfrage.

Dazu kommt, daß Italien unvorsichtigerweise sehr frühzeitig umfangreiche wirtschaftlichePläne enthüllt hat, die es gerade im Gebiet des Tana- Sees nach der Eroberung durchführen würde. Der frühere italienische Gesandte in Kairo, Eanta- l u p o, hat neulich in der ZeitschriftItalia Musul- mana" davon gesprochen, daß Italien aus Abessi- nien ein Baumwollproduktionsland machen werde, das auf dem Weltmarkt neben Aegypten auftreten würde. Da die Bevölkerung Aegyptens und des Sudans fast ausschließlich von der Baumwolle lebt und in ihrer Lebenshaltung schon durch die amerikanische Baumwollproduktion auf das äußerste heruntergedrückt ist, würde das Er­scheinen dieses neuen Konkurrenten den völligen Ruin für viele Millionen bedeuten.

Es ist unter diesen Umständen wenig wahrschein­lich, daß der englischen Herrschaft in Aegypten aus Anlaß des abessinischen Konflikts wirkliche Schwie- rigkeiten drohen. Immerhin wird in England die Tätigkeit Italiens in Aegypten und die aufreizende Sprache des dortigen italienischen Propagandablatts mit größter Aufmerksamkeit verfolgt, wie überhaupt die Entscheidungen der englischen Politik, nachdem der Vorhang des Völkerbundes sich als allzu brüchig erwiesen hat, mehr und mehr von der Notwendigkeit bestimmt werden, seine Stellung in Aegypten als dem SchlusselzuAfrikaund Indien auf- rechtzuerhalten-

Das amerikanische Staatsdepartement weist kommunistischedeschwerdeüberDeuMIand zurück

Oie Kommunisten kündigen Massenversammlungen und neue lleberfälle auf deutsche Schiffe an.

Washington, 7. August, (DNB.) Eine Gruppe kommunistischerA n t i n a z i" - I ü n g e r suchte am Mittwoch den Leiter der Westeuropaabtei­lung des Staatsdepartements Dünn auf und pro­testierte gegen die Festhaltung des amerikanischen Matrosen Simpson vom amerikanischen Dampfer Manhattan" in Hamburg. Dünn erwiderte, Simpson sei am 28. Juni verhaftet worden, weil er aufrührerische Literatur bei sich führte und kommunistische Agitation betrieb. Es timme nicht, daß er von der deutschen Polizei ent- ührt oder mißhandelt worden sei. Simpson be- inde sich in einem Konzentrations­age r, wo er gut behandelt und gut verpflegt werde und jederzeit brieflich mit dem amerikani­schen Generalkonsulat in Hamburg verkehren könne. Ein Beamter des amerikanischen Konsulats habe Simpson im Lager aufgesucht und sich persönlich von seinem Ergehen überzeugt. Simpson sei voll­kommen gesund und habe sich in keiner Weise über die Behandlung beklagt.

Das Staatsdepartement weist also die Beschuldi­gungen der Neuyorker Kommunisten gegen Deutsch­land im Simpson-Fall als vollkommen h a l t- l o s zurück. Auch die Beschwerden gegen die Ver­weigerung des Einreisevisums an einen Rabbiner durch das deutsche Konsulat in St. Louis wurden zurückgewiefen, da es sich um eine rein zur deutschen Zuständigkeit und Souveränität gehörende Angelegenheit handele. Bekanntlich haben amerikanische Konsulate im Aus­lande in den letzten zehn Jahren viele Einreise­visa abgelehnt, besonders wenn es sich um kom­munistische Agitatoren handelt.

Die kommunistischeAnti-Nazigruppe" erklärte sich von den Ausführungen Dünns vollkommen un­befriedigt. Sie teilte mit, daß sie am Donnerstag im Madison Square Garden eine Massen- prote st Versammlung veranstalten und alle Anwesenden verpflichten werde, fortan das E i n-

laufenjedes deutschen Schiffes in ame­rikanische Häfen zu verhindern. In allen Häfen, sowie in größeren Städten sollen in nächster Zeit Kundgebungen abgehalten werden.

Tumultszenen

im Neuyorker Polizeigericht.

N e u y o r k, 7. Aug. (DNB.) Im Neuyorker Polizeigericht kam es zu lärmenden Tu­mult s z e n e n , als sieben im Zusammenhang mit dem Ueberfall auf dieBremen" V e r h a f t e te zur Vernehmung vorgeführt werden sollten. Das an sich schon starke Polizeiaufgebot mußte noch weiter ver­stärkt werden. Der Verteidiger der Verhafteten ver­glich das Polizeigericht mit einem Gericht inFa- schi ten-Jtalien" und imNazi-Deutschland". Er ver uchte mit allen Mitteln dem Polizeirichter zu trotzen und erklärte, man werde nicht den Mut haben, ihn aus dem Gerichtssaal zu weisen. Zahl­reiche im Zuhörerraum anwesende Personen be­gleiteten die dreisten Ausfälle des Verteidigers mit zustimmenden Zurufen und Trampeln. Nach länge­rem Hin und Her mußte die Verhandlung ver­tagt werden.

Keine Zwischenfälle

bei der Ausreise derHamburg".

N e u y o r k, 8. August. (DNB. Funkspruch). Bei der Ausreise des Hapag- DampfersHamburg" erfolgte kein Zwischenfall. 2 0 0 Polizisten b e > wachten das Schiff und die vier ge­hißten Hakenkreuzflaggen. Unter Den Fahrgästen derHamburg" befindet sich auch Paul K r e f f s, dem der Neuyorker Bürgermeister be­kanntlich die Ausübung feines Masseur­gewerbes versagte. Kreffs kehrt nach Deutsch­land zurück, wo er die Wäscherei seiner Eltern über­nehmen will.

Oeutschlandreise des gn'echischen Ministerpräsidenten. Tsaldaris versichert Griechenlands Interesse an der Organisierung des europäischen Friedens.

Athen, 1. August (DNB.) Ministerpräsident T s a l d a r i s und Gemahlin sind Donnerstag über Bled nach Wiessee bei München ab- a e r e i st. Am Bahnhof hatten sich zur Verab­schiedung Kriegsminister K o n d y l i s, der während der Abwesenheit des Ministerpräsidenten die Regie­rungsgeschäfte führt, ferner viele Kabinettsmit- glieder, der deutsche Geschäftsträger Dr. K o r d t fowie das gesamte diplomatische Korps eingesunden. Eine große Volksmenge wünschte dem Ministerpräsidenten gute Reise und Erholung. Die Versicherung von Tsaldaris, daß sich die inner- politische Lage während seiner Abwesenheit ruhig entwickeln werde, rief bei den Versammelten große Begeisterung hervor.

Tsaldaris empfing kurz vor seiner Abreise den Vertreter des Deutschen Nachrichtenbüros in Athen und gab ihm folgende Erklärungen: Die Kleine Entente und die Balkanentente sind zwei geographisch getrennte Gruppen, die wegen der besonderen politischen und wirtschaftlichen Fragen eigene diplomatische Wege gehen. Es ist aber bekannt, daß wegen der vielseitigen zwischen den beiden Peripherien Europas vorhan­denen Bindungen eine enge Zusammen- arbeit zwischen beiden Gruppen be­steht. Es gibt viele Probleme, die beiden Gruppen gemeinsam sind und im Geiste der Freundschaft und Zusammenarbeit studiert werden. Außerdem sind zwei Mitglieder des Balkanpaktes gleichzeitig Mitglieder der Kleinen Entente und deshalb ist der Kontakt durch freundschaftliche Zusammenarbeit mit hervorragenden Vertretern Rumäniens und Südslawiens automatisch.

Gegenüber Deutschland hat Griechenland die freundlichsten Absichten. Die wirtschaft­lichen und geistigen Bindungen mit

diesem großen Reich schaffen die beste Grund­lage für eine Zusammenarbeit beider Völker. Gewiß hak Griechenland seine Außenpolitik auf die Basis des Valkanpaktes und der engen Freundschaft zu den Rlittelmeer - Großmächten gestellt. Das hat aber nicht den Sinn, daß wir uns auf die Seite von Gruppen stellen, die Deutschland feindlich sind oder so oder so deutsche Interessen berühren. Griechenlands Haltung gegenüber den großen europäischen Fragen ist zwangsläufig die Neutralität. Griechenland erhofft nichts anderes als einen Erfolg der Anstrengungen für die Organi­sierungdeseuropäischen Friedens. Die Organisation dieses Friedens in Europa läßt es nicht zu, die Interessen und auch nicht die Ansichten eines der größten und fortge­schrittenen Volkes, wie es das deutsche Volk ist, zu vernachlässigen.

Ich gehe nach Deutschland, um mich zu erholen. Deshalb werde ich keine offizielle Begeg­nungen haben. Aber ich bin sehr glücklich, daß mir Gelegenheit gegeben wird, das Land wiederzu­sehen, mit dem mich viele (Erinnerung e*n meines Studentenlebens verbinden und demgegenüber ich so viel Achtung und Freundschaft hege. Ich weiß, daß die Griechen in Deutschland ruhig und produktiv m i t w i r k e n am Fortschritt dieser großen Nation. Mein aufrichtigster Wunsch ist es, daß sie wie bisher weiter erfolgreich arbeiten sowohl für ihr Vaterland wie auch für die wirtschaftliche Zusammenarbeit Deutschlands mit unserem Lande.

Das militärische Zusammenspiel zwischen Paris und Rom.

Paris, 8. Aua. (DNB. Funkspruch.) Der Be­richterstatter desMatin" in Rom erklärt, daß die Ernennung des italienischen Generalstabschefs B a - b o g I i o zum Offizier der französischen Ehrenlegion mit der kürzlichen Reise des französischen General- Itabschefs G a m e l i n nach Rom in Verbindung tehe. Bei dieser Gelegenheit sei es zu b e d e u t e n - ien technischen Besprechungen gekom­men. Demnächst werde sich nun Badoglio nach Varis begeben, um die in Rom begonnenen Mei­nungsverschiedenheiten mit Gamelin f o r t z u - setzen.

Das freundschaftliche Einvernehmen zwischen Paris und Rom, so bemerkt derMatin" zu dieser Meldung seines Korrespondenten, scheine sich auf militärischem Gebiete in einer Reihe greif­barer Tatsach en auszudrücken. Den großen italienischen Manövern an der öfter- reichischen Grenze werde als Operationsge­danke ein von Norden kommender An­griff zugrunde gelegt werden. Etwa 500 000 Mann sollen daran teilnehmen. Dadurch werde die italienisch-französische Alpengrenze teilweise von italienischen Truppen ent­blößt. Auch die zwei neu mobilisierten Divisionen, die für Afrika bestimmt seien, re­krutieren sich aus Städten an der franzö­sischen Grenze. Nur eine dieser Divisionen werde durch eine neugebildete ersetzt, während d i e anöere vollkommen motorisiert in den Drennerbezirk geschickt werde. Diese Maßnahme scheine ein Teil einer allgemeinen plan« mafjigen Um grupp i erring der italienischen Streitkräfte zu sein, Die auf der militärischen Zusammenarbeit mit Frankreich be­ruhe. An den großen italienischen Manövern am Brenner dürften auf Anordnung des Kriegsministe­

riums weder italienische noch auslän­dische Journalisten teilnehmen.

Die neuen französischen Regimenter.

P a r is, 8 August. (DNB. Funkspruch.) Die vor einigen Tagen vom Präsidenten der franzö­sischen Republik unterzeichnete Verordnung über bie Neubildung von Regimentern und Umgruppie­rung gewisser Truppenteile ist im Zuge Der Moder­nisierung der Armee mit Rücksicht auf die Sicher- Helt der französischen Ostgrenze erfolgt. So sind einige besonders starke Festungsre- gi meuter geteilt worden, um ihre Beweg­lichkeitsmöglichkeit zu erhöhen. Außerdem werden e neue Jnfanterieregimenter und ein Artillerieregiment an der Ostgrenze ge» bubet, sowie e i n m a rokkanisches Schützen­regiment nach Belfort gelegt. Ferner wer­ben sieben Gebirgsfestungsbataillone neu gebildet. Die bisherige IV. Kavallerie- division, deren Stab in Reims liegt, wird in eine leichtmotorisierte Division umge­wandelt.

Englands Lufirüstnng.

O U? 5 bir° ü' ? Aug. (DNB. Funkspruch.) Der Luft^hrtsachverständige derTimes" schreibt, daß die Plane des Luftfahrtministers hinsichtlich der Auswahl geeigneter Typen und der genügenden An- 2uhl der Flugzeuge für die Geschwader, die bis Ende 1937 gebildet werden sollen, jetzt so gut wie fertig seren. Insgesamt würden erheblich mehr als 2000 Flugzeuge benötigt werden. Derschie- Dein neu« Flugzeugtypen feien dem Publi­

kum bereits bekannt, andere würden bald von bet Geheimliste gestrichen werden. Es gebe allerdings noch eine Anzahl von Typen, die bis nach der Be. enbigung der Probeflüge geheimgehalten werden müßten, jedoch würde das kaum über das Ende der Jahres hinausgehen. Unter den letztgenannten Typen sollen sich erheblich verbesserte schwere Bombenflugzeuge befinden. Verschiedene Typen des Heimatschutzes würden beseitigt werden, die zwar Gutes geleistet hätten, aber inzwischen veraltet seien. Mit Ersatzbauten sei bereits be­gonnen worden.

Rassische (Spannungen in Abessinien.

In dem großen Gegensatz zwischen Abessinien und Italien, der seit einiger Zeit zu einer die ganze Welt angehenden Gefahr geworden ist, muß zur Beurteilung des abessinischen Kräfteeinsatzes in einer vielleicht kaum mehr zu vermeidenden kriege­rischen Auseinandersetzung in Betracht gezogen wer­den, daß im Reich des Negus Negesti starke rassische Spannungen vorhanden sind, die ein geschlossenes Handeln außerordentlich erschweren. Die gegenwär­tig politisch herrschende Schicht sind die semitischen Amhara. Amhara bedeutet soviel wiebie auf den Bergen wohnen" Die Amhara sind, wie Max Grühl in derLeipziger Jllustrirten Zeitung" ausführt, Nachkömmlinge der sabäßisch-semetischen Habaschat oder H a b e s ch i (= Abessinien), die in der Zeit vom 7. bis 5. Jahrhundert v. Ehr. aus dem sudarabischen Reich Saba über die Straße von Bel-el-Mandeb ins Hochland eingewandert sind und dort das Reich T i g r o gegründet haben. Durch die Jahrhunderte hindurch haben sie erbitterte Kämpfe mit den hamitischen Kasfitscho oder G o n g a geführt, die erst dadurch ihr Ende gesun­den Haden, daß Menelik II. das Reich ftaffa Abessinien einverleibte. Mit den hamitischen Kaf» fitscho sind die A g a u in den Gebieten von Agau- meder und Begemeder in Mittelabessinien ver­wandt. Beide Völker sind unversöhnliche Gegner der semitischen Amhara und von ihnen in fast allen kultischen Vorstellungen und Ueberiieferungen, in Siedlunasweise, Lebensführung, Tracht und Sitte unterschieden. Während die Kultur des Ha- mitentums mutterrechtlich ist, gilt bei den semi­tischen Amhara das Vaterrecht. Die Geschichte Abes­siniens ist von diesem Gegensatz zwischen Semiten und Hamiten beherrscht. Die bedeutendsten Feinde des Hamitentums sind die Galla ober Oromo, die auch zahlenmäßig die größte Rolle spielen, ander­seits allerdings durch eine weitgehende Stammeszer- fplitterung gekennzeichnet sind. Man hat sie auch dieGermanen Afrikas" genannt.Zweifellos ist das Gallatum das kulturell stärkere Element im Äthiopischen Reich. Es schafft in produktiver Arbeit wirkliche Werte, während die semitischen Amhara niemals eigentlich Kulturbringer waren. Dem hami­tischen Gallatum wird die Zukunft des Landes ge­hören, wenn es ihm gelungen fein wird, das am- harifche Joch abzuschütteln."

Britische Vorsichtsmaßnahmen.

London, 8. Aug. (DNB. Funkspruch.) Eine Nachricht, wonach die Abreise des britischen Oberkommissars für Aegypten aus Kairo und die gleichzeitige Abreise des bri­tischen Gesandten im Irak aus Bagdad mit einer in London geplanten Konferenz über den italienisch - abessinischen streit Zusammenhänge, wird von derTimes" für unzutreffend erklärt. Es handelt sich um g e wöhnliche Urlaubsreisen. Beide Beamten würden aber wohl xu einem kurzen Mei­nungsaustausch im britischen Außenamt vor­sprechen, wie dies jedes Jahr üblich sei.

Um für den Fall kriegerischer Auseinandersetzun­gen zwischen Abessinien und Italien d i e A ch t u n g der britischen und ägyptischen Neu­tralität zu sichern, haben bie zustänbigen Re­gierungsstellen in London und die örtlichen briti­schen Behörden in Nordostafrika demStar" zu­folge bestimmte Pläne ausgearbeitet. U. U. wird es sich als notwendig erweisen, die militärischen und polizeilichen Streitkräfte an den m Frage kommenden Grenzen zu verstärken. Als em Hauptgefahrenpunkt werde d i e Grenze zwi­schen Abessinien und dem Sudan ange­sehen. Vielleicht müßten 6- bis 8000 Mann Ver­stärkungen entsandt werden und mindestens eine volle Brigade Artillerie und andere technische Trup- pen. Eine weitere Sorge sei die fortgesetzte Heber- fliegung ägyptischen und sudanesi­schen Gebietes durch italienische Flug­zeuge. Das würde in Kriegszeiten eine Neu­tra l i t ä t s v e r l e tz u n g darstellen mb sehr ernst betrachtet werden. Besondere Vorsichtsmaß. nahmen würden ferner von der britischen Mittel- meerflotte getroffen werden, im Hinblick auf bie seltsamen Drohungen der faschistischen Presse ge­gen britische Krongebiete, besonbers gegen bie Insel Malta.

General Kundt nichtreichsdeutscherStaatsangehöriger

Berlin, 7. Aug. (DNB.) Nach der Meldung eines römischen Blattes soll der aus dem Chaco- krieg her bekannte General Kundt in Addis ^.beba eingetroffen fein, um in Abessinien militärische Dienste zu leisten. Dazu kann feftqefteüt werden, daß General Kundt nicht die reichsdeutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Er selbst hat, als er vor mehreren Jahren in die bolivianische Armee eintrat, Die ausdrückliche Erklärung abgegeben, daß er nicht Reichsdeutscher, sondern Danziger Staatsangehöriger sei, und er hat bann. Der Bedingung der bolivianischen Regierung nach­kommend, bie bolivianische ©taateanae- Hörigkeit angenommen.

©r. Ley bei den verletzten Steinbruch­arbeitern vom Taschenhos.

Reichsoryanisationsleiter Dr. L e y stattete den bet dem Unglück im Basaltsteinbruch Taschenhof in Flesten Schwerverletzten im Krankenhaus Gold- berg einen Besuch ab. Sein überraschendes Erschei­nen löste bet allen Arbeitern dankbare Freude aus. Nachdem sich Dr. Ley vom leitenden Arzt über den Zustand der Verletzten und die Aussichten der Wie- Derherstellung hatte unterrichten lassen, begrüßte er bie Verunglückten und sprach ihnen Trost zu, nicht ohne jeden einzelnen nochmals der tätigen Unter- tutzung der Deutschen Arbeitsfront zu versichern und ihnen damit die Sorge für die nächste Zukunft auch für bie Angehörigen abzunehmen. Dom Kran- enhaus begab sich Dr. Ley nach der Unglücks- telle Er begnügte sich nicht nur mit dem Bericht i»es Betriebsleiters, sondern ließ sich auch von Dee» duebenen Arbeitern ausführlich ben Hergang her Katastrophe barlegen. Dr. Ley betonte, daß nichts unterlassen werden dürfe, was zur restlosen Klä­rung der Hnglücksursache beitragen tonne.