bericht fernen dem Provinzialtag gleichfalls zur Beschlußfassung vor.
Sie Beschlußfassung.
Nachdem Provinzialtaasmitglied Schäfer-Da- denrod kurz einen Wunsch zum Straßenbauvoran- schlag vorgebracht- und der Vorsitzende das roeit- gehendste Entgegenkommen zugesagt hatte, wurden auf Antrag des Provinzialtagsmitglledes Kurz- Gießen ohne Aussprache der Voranschlag für 1935, alle dazu gehörigen Sonder-Voranschlage, alle Anträge der Provinzialverwaltung, sowie die Der- waltungs- und Rechnungsberichte einstimmig en b 1 oc angenommen und damit der Verwaltung in eindrucksvoller Weise das Vertrauen des Provinziallags bekundet.
Der Provinzialausschuß wurde ermächtigt, die im Straßenunterhaltungs-Voranschlag vorgesehenen Kapitalaufnahmen erforderlichenfalls zu tätigen, die Materiallieferungen zur Unterhaltung der Pro- vinzstraßen für das Rj. 1936 bereits >m Herbst 1935 zu vergeben und die hierfür erforderlichen Mittel bereitzustellen.
Zur Durchführung eines Arbeitsbeschaffungsprogramms zwecks außerordentlicher Herstellungen auf provinzstrohen und evtl. Reubauten von Straßen wurde dem provinzialausschuß aus dem Kapitalvermögen ein Betrag
bis zu 1L Millionen Reichsmark bereitgeslellt und der provinzialausschuß ermächtigt, die weiter erforderlichen Entschließungen zu treffen.
Einstimmig gutgeheißen wurde ferner die unwiderrufliche Anstellung des Willi Freiberg als Provinzial-Verwaltungsinspektor und des Paul Happel als Provinzialbauamtssekretär mit Wirkung vom 1. Februar 1935. Zugestimmt wurde auch der Ruhe-standsoersetzung des Provinzial-Ober- baurats Hechler mit Wirkung vom 1. November 1935.
pg. Klostermann
dankte zum Schluß dem Prooinzialtag für feine Vertrauenskundgebung, ferner dankte er allen Beamten, Angestellten und Arbeitern der Provinz für ihre hingebungsvolle Mitarbeit an den schweren Aufgaben, die das verflossene Jahr in reichem Maße brachte. Er versicherte, daß auch weiterhin nun allen Stellen der Provinz alles getan werden würde, um in bester Weise Der Bevölkerung der Provinz Oberhessen zu dienen. Seine Worte klangen aus in dreifachem Sieg-Heil auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, dem auch der bisherige Wiederaufstieg in Oberhessen zu danken sei. Freudig stimmte der Provinzialtag in die dreimaligen Sieg-Heil-Rufe ein. Damit fand die Tagung ihren Abschluß.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Amtsgerichtsrat i. % Steinberger f.
Am Abend des 5. Juli starb nach kurzem schwe- ren Leiden in der Klinik zu Gießen Amtsgerichts- rat Karl Steinberger. Der Verblichene gehörte einer alten hessischen Familie an. Geboren am 25. August 1864 in Friedberg als Sohn des Landgerichtsassessors Steinberger, besuchte er später das Gymnasium zu Gießen, bestand an ihm an Ostern 1885 das Maturitätsexamen und studierte Dann an unserer Landesuniversität, an Der er Dem Korps hassia angehörte, Rechtswissenschaft. Jrn Juni 1888 wurde ihm nach bestandenem Fakultätsexamen der Antritt seines Vorbereitungsdienstes am Amtsgericht und sodann bei dem Landgericht Gießen ge- stattet, desgl. im Dezember 1889 dessen Fortsetzung beim Kreisamt Gießen.
Den anwaltlichen Vorbereitungsdienst leistete er bei Rechtsanwalt Seyd in Friedberg ab. Im Herbst 1891 bestand der nunmehr Verstorbene die Große juristische Staatsprüfung. Im Februar 1894 übernahm er nebenamtlich die Stelle des Sekretärs der Großherzoglichen Handelskammer Gießen, nachdem er feit Juli 1892 die damals noch übliche Derwen- düng als Hilfsgerichtsschreiber am Landgericht Gießen gefunden hatte. Nach mehrfachen Verwendungen als Amtsanwalt in Gießen, wurde er erstmals im Januar 1895 richterlich am Amtsgericht Groß- Umstadt verwendet und im Juli 1895 als Amts- rir^er des Amtsgerichts Ulrichstein dekretmäßig an» geAllt.
Im Januar 1899 erfolgte feine Versetzung an das Amtsgericht Hungen, im Ium 1915 seine Ernennung zum Oberamtsrichter in Langen bei Darmstadt und im August 1920 seine Ernennung zum Amtsgerichtsrat am Amtsgericht in Gießen, an Dem er bis zu seinem wegen Erreichung Der Altersgrenze am 1. Dezember 1929 unter~ Aner- fennung Der Dem Staate geleisteten langjährigen treuen Dienste erfolgten Eintritt in Den Ruhestand sowohl auf dem Gebiete Der freiwilligen Gerichtsbarkeit als auch insbesondere in Strafsachen tätig war.
Amtsgerichtsrat Steinberger war allzeit ein gewissenhafter, fleißiger, kenntnisreicher Richter und guter Kenner von Land und Leuten, besonders auch ein Freund Der Musen. Sein Andenken mirD bei allen, Die ihn kannten, in Ehren fortleben.
Deutsche Arbeitsfront.
Abteilung Hausgehilfinnen.
Das allgemeine Versammlungsverbot für Den Monat Juli betrifft auch Die heimabenDe Der Hausgehilfinnen, so daß der nächste Heimabend erst am 6. August 1935 stattfinden kann.
Zagdkreis Gießen, Segering Gießen.
Die Pressestelle des Kreisjägermeisters Gießen teilt mit:
Am Samstag, 13. Juli, findet um 20 Uhr im Restaurant „Hindenburg" der erste h e g e r i n g - abend des hegerings Gießen statt. Alle Inhaber von Jahresjagdscheinen, die im Gebiet des Hegerings wohnen, sind zur Anwesenheit verpflichtet. Alle von ihnen bis zum 12. Juli erbeuteten Gehörne sind samt Unterkiefer vorher an den Hegeringleiter, Oberforstmeister Lipp, Moltkestraße 3, einzusenden, da an Dem hegeringabenD eine Besprechung ftattfinDen soll.
Es wird noch einmal Darauf hingewiesen. Daß Der Abschuß Der geringen, abschußnotwenbigen Böcke vor Beginn Der Blattzeit erfolgen soll. Schließlich wird daran erinnert, daß sämtliche Jagdhunde, die sich im Besitze von Jagdscheininhabern befinden, sofort dem Hegeringleiter gemeldet werden müssen, und zwar anzugeben: Name, Rasse, Geschlecht, Alter, ob geprüft und wann und wo.
pflichlschiehen
Der «Deutschen Iägerschafl". Hegering Gießen.
Die Pflichtschießen werden durch Schießen mit Pistole und Flinte nach folgendem Plan fortgesetzt:
Samstag, 20. Juli, von 15 bis 19 Uhr für die Jagdscheininhaber, deren Namen mit A—h einschl. beginnt.
Sonntag, 21. Juli, von 15 bis 19 Uhr für I—R.
Mittwoch, 14. August, von 15 bis 19 Uhr S—Z.
Geschossen werden: Pistole (nicht über 10 cm Lauflänge) oder Revolver, 10 Schuß, Mann- scheibe. Pistolen sind mitzubringen, Munition 6,35 und 7,65 ist auf dem Stand zu haben.
Wurftauben: 15 Tauben. Kipphase: 5 Hasen. Die neue Einheitspatrone ist auf dem Stand erhältlich. Unkostenbeitrag: 0,50 RM.
Oer raffenhygienische Schulungs- fu* sus der SA -Sanitäter.
Am vergangenen Freitag wurde Der Rasse- hygienische Schulungskurs der SA.-Sanitäts- führer des Gruppengebiets in Gießen eröffnet. Am Vorabend fand im Studentenhaus ein Begrüßungsabend statt, an Dem Vertreter Der Partei, Der Wehrmacht und der Behörden teilnahmen. Der Lei- ter des Rassenpolitischen Amts der NSDAP, im Gau Hessen-Nassau, Sturmführer Dr. h. W. Kranz-Gießen, unter dessen Leitung auch der Kurs steht, umriß die Aufgaben, die Den SA.-Sa- nitätsführern heute gestellt sind. Jeder Sturmarzt muß das Rüstzeug besitzen, das ihn befähigt, in den Fragen der Rassenkunde und Rassenhygiene sei
nen Kameraden ein Berater zu sein. Sanitätsgrup- penführer Dr. Märchen verbreitete sich über den Lehrplan, der folgende Vorträge vorsieht: „Grundfragen unserer Weltanschauung", „Allgemeine Der- erb'ungslehre", „Familienkunde", „Menschliche Vererbungslehre", „Erbcharakterkunde", „Rassenhygieni- sche Beratung", „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses", „Untersuchungs- und Meßmethoden", „Rassenkunde". Am Sonntag schloß der Schulungskurs mit Vorträgen über „Judenfrage", „Erbftati- ftik", „Bevölkerungspolitik" und „Zukünftige Arbeit und Organisation der Abt S. 3 in der SA. Gruppe Hessen".
Arn Begrüßungsabend sprachen als Vertreter Der StaDt Gießen Oberbürgermeister Ritter, Der Rektor Der hessischen Landesuniversität Gießen Pf ah- l e r und der Dekan Der medizinischen Fakultät Professor Dr. Fischer.
7!SL8., Kreis Gießen.
Am Samstag fand eine Versammlung Des D e - zirksvereins Gießen-LanD vom NSLB. im Hotel Köhler statt. Nach gemeinsamem Gesang begrüßte Der Obmann Des Vereins, Rektor Siegfried- Großen-Linden, die Erschienenen und hielt sodann einen Vortrag über „W ehr- Haftes Volkstum und Pflege des wehrhaften Geistes in der Schule".
Der Redner wies zunächst darauf hin, daß wir stolz darauf sein müßten, daß in unserem Vaterland wieder die allgemeine Wehrpflicht eingeführt sei. Diese Wehrpflicht sei nun zum Wehrrecht geworden. Jeder Deutsche müsse es sich zur Ehre anrechnen, Soldat zu werden. In einem großen geschichtlichen Ueberblick gab Rektor Siegfried dann ein Bild der Entwicklung unseres Heeres, schilderte die Wehrpflicht bei Den Germanen und zeigte, wie es Damals als eine große Ehre empfunDen wurDe, bei Der Derteibigung des Landes mitzuhelfen. Es folgte dann Die Schilderung der Söldnerheere, Die oft vom Volke als lästig unD volksfremd angesehen wurden, weil darin sehr viele minderwertige Elemente gewesen seien. An die alte germanische Sitte anschließend, schuf Dann Das Land Preußen wieder das allgemeine Volksheer. Das preußische Heer wurde vorbildlich und war in der ganzen Welt gefürchtet. Daran hätte auch die Niederlage bei Jena nichts geändert, denn nun schufen Scharnhorst, Freiherr vom Stein u. a. wieder ein Heer, bas sich Dann befonDers in Den Jahren 1870/71 unD erst recht im Weltkrieg als ein echtes Volksheer erwie
sen hätte. Die Zustände nach dem Zusammenbruch 1918 seien nicht deutsch gewesen und vom größten Teil des Volkes als unwürdig empfunden worden. Nun fei durch den Reichskanzler der alte Zustand wieder hergestellt worden, und es sei eine Ehrenpflicht jedes Deutschen, im Dolksheer zu Dienen. Aber nicht nur Die äußere Kenntnis Der militärischen Dinge und Die AusbilDung seien Die Hauptsache, sonDern erst Die Manneszucht unD Das nationale Ehrgefühl schaffen Den rechten Soldaten. Dazu müsse die Schule schon mtterziehen. Die Kinder müßten sportlich und körperlich so vorgebildet werden, daß sie einst gute Soldaten geben. Die haupt- erziehung zum Soldaten liege schließlich doch bei der Wehrmacht selber. Die Regierungen nach dem Umsturz seien alle nicht soldatenliebend gewesen, und so habe sich die Reichswehr, Die sehr viele aktive Offiziere vom alten Heere übernommen habe, zu einem felbftänbigen unD wichtigen Faktor entwickelt. Es gelte aber nicht nur, Die Knaben im wehrhaften Sinne zu erziehen, sonDern auch Die Mädchen. — Der Redner zeigte an Beispielen die jüdische Auffassung über das Heerwesen und über die Auffassung des nordisch-heldischen Menschen. Zum Schluß zitierte Rektor Siegfried dann die Hauptstellen aus dem Buch „Mein Kampf", in dem der Führer das Heer die beste und gewaltigste Er- ziehungsschule des Volkes nennt. —
Reicher Beifall wurde dem Vortragenden zuteil. Lehrer Ranft- Hausen sprach Den Dank Der Versammlung für Die vortrefflichen Ausführungen aus. Das Deutschlanblieb schloß Den ersten Teil Der Tagung.
Nach einer kurzen Pause rourDen Darauf geschäftliche Mitteilungen bekanntgegeben. Zum Schluß ging Rektor Siegfried noch einmal auf die Judenfrage ein und betonte, daß es Pflicht aller guter Deutschen sei, dem Führer zu folgen und ganz konsequent dafür zu sorgen, daß alles Artfremde aus unferm Volkskörper verschwinden müßte. Mit einem Sieg-Heil auf den Führer und mit dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes schloß die Tagung.
»Kraft durch Freudefahrt" der Provinzialdirektion Oberheffen.
Rach Hirschhorn am Reckar.
„Am Sonntagmorgen um 7.45 Uhr am Bahnhof Gießen zur Abfahrt mit einem Sonderzug nach Hirschhorn am Neckar einfinden", das war Die Parole für Die 1100 Personen, Die Diese Fahrt
Du unb ich, wir schaffen Deutschlands Freiheit.
Dem 1. Mai, Dem Tag des deutschen Arbeiters, reiht sich roürDig Das ErnteDankfest, Der Ehrentag Des Deutschen Bauern, an. In Der versunkenen liberalistischen Epoche wurde wissentlich ein Keil zwischen Bauer und Arbeiter getrieben. Die Ge- gensätze schienen unüberbrückbar. Die Begriffe „Dauer" und „Arbeiter" hatten einen verächtlichen Klang bekommen.
Ein gewissenloses Spekulantentum brachte Den Bauern aus selbstsüchtigen GrünDen um seinen in harter Arbeit wohlverdienten Lohn, die drückende Zinslast vertrieb ihn von Haus und Hof. Aus der andern Seite wurde der Arbeiter, dessen Arbeit als „Ware" angesehen wurde, bis zum letzten aus» gepreßt und, wenn -es sein mußte, Der „Rentabilität" Des Betriebes kaltblütig geopfert. Berichte aus dieser Zeit über Die Verschuldung Der Landwirtschaft und das Ansteigen der Arbeitslosenziffer sprechen hier eine erschütternde Sprache.
Ein grundlegender Wandel in der Beurteilung dieser schwer arbeitenden Volksgenossen trat erst durch den Rationalsozialismus ein. Das Wort „Arbeiter" wurde zum Ehrennamen für jeden schaffenden Volksgenossen.
Die mächtig einsetzende Arbeitsschlacht ermöglichte es, Die Schaffenskraft von Millionen von Arbeitern dem deutschen Volksleben wieder zu schenken. Seinem Können und Wollen entsprechend wurde jedem der Platz errungen, Der ihm die Möglichkeit schafft, für feinen Lebensunterhalt, aber auch für Die Neuordnung des deutschen Wirtschaftslebens zu wirken.
Neben Dem Ehrennamen Des Arbeiters trat Der Des „Bauer n". Das Reichserbhofgefek schaffte die Grundlage für Die Selbsterhaltung unseres Volkes unD befreite Den NährstanD aus Der Umklammerung Der kapitalistischen Wirtschaft. Das Reichsnähr- ftanDsgesetz und die nationalsozialistische Marktordnung gaben die Sicherung Der auf Dem freien BoDen erzeugten unD für unser deutsches Volk so lebensnotwendigen Nahrungsmittel. So wurden dem Bauern gerechte Preise für die mit seiner Hände Arbeit geschaffenen landwirtschaftlichen Erzeugnisse gegeben, die eine gerechte Entlohnung für seine schwere Arbeit darstellten. Diese Sicherung der Marktverhältnisse durch die Marktordnung, wie durch die Festpreise, sicherten aber auch auf der andern Seite dem Arbeiter einen gerechten Lohn, d. h. der Wert feines Lohnes konnte nicht durch willkürliche Lebensmittelspekulationen zum Nutzen des Schiebertums verändert werden.
„Die Arbeit ist neben dem unlösbaren Band des gleichen Blutes, das alle Deutschen umschließt, das andere Bindeglied, das den Arbeiter in der Fabrik mit dem Bauer auf dem Acker zu echter Gemeinschaft zusammenschweißt."
Der oberste Grundsatz des Nationalsozialismus, bet des deutschen Sozialismus, findet in der Zusammenarbeit des Bauern und des Arbeiters, jeder zu seinem Teil und in seinem Bereich, den augenscheinlichsten Niederschlag.
F»sche gegen Schnaken.
Don unserem römischen E.-Korrespondenien.
Rom, im Juli.
Im Kampf gegen die Malaria, dieser furchtbaren Dölkergeihel, die jeden sechsten Menschen befällt, werden immer neue Dorbeugungsmittel ausgeprobt. Man sucht sich durch Chinin und andere Präparate immun zu machen ober zu heilen, man legt Sümpfe trocken, um der Ueberträgerin der Seuche, Der Anopheles genannten Stechmückenart, Das Lebenselement zu entziehen, man gießt Petroleum auf Die stehenden Gewässer oder Schweinfurter Grün — Maßnahmen, die auch in den begnadeten malariafreien Gegenden nördlich der Alpen bekannt sind, wo es gilt, die Schnakenvlage zu bekämpfen. Die Anopheles ist ja mit unserer gewöhnlichen Stechmücke eng verwandt und nur gute Kenner wissen beide Arten an gewissen Eigentümlichkeiten auseinanderzuhalten. Wer bei uns beobachten will, wie sich die Malariafliege in fremden Ländern entwickelt, braucht nur im Hochsommer aufmerksam in eine Regentonne zu schauen. So weit Den Nichtwissen- schastler Die Sache reizen kann, ist Der Vorgang praktisch Der gleiche.
Der Gedanke liegt daher nahe. Die Schnaken nicht nur auf Die bisher übliche Weise zu bekriegen, sondern sich auch die neuesten Erfahrungen auf diesem Gebiete zunutze zu machen. Und das sind die Gambusie, kleine, kaum fingerlange Fische, Deren Heimat SüDamerika unD besonders Mexiko ist. In Den Dortigen ©umpfgegenDen hat man entdeckt, daß diese Fische eifrige Vertilger der Stechmückenlarven sind und diese winzigen, aber lebhaft peitschenartig yerumschnellenden Kleinwesen jeder anderen Nahrung vorziehen. Italien hat sie nun bei der großen, von Mussolini befohlenen Gesamturbachmackung des Landes mit staunenswertem Erfolg verwendet. Eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Gambusie säubert binnen wenigen Tagen einen stechmückenverseuchten Tümpel und hält ihn dauernd von den gefährlichen Blutsaugern frei. Das ist von außerordentlicher Wichtigkeit, denn nickt jedes Gewässer, man denke nur an Kanäle, Viehtränken und dergleichen, läßt die Verwendung von Petroleum oder Giften zu.
Als ich kürzlich erzählte, daß mir die Stadt Rom tausend Fische geschenkt habe, um die Probe zu machen, ob die Gambusie auch mit gewöhnlichen Snakenlarven vorlieb nehmen, scheinen manche Leser, wie ich verschiedenen Briefen entnehme, an einen verspäteten Aprilscherz gedacht zu haben, andere wieder wollen schleunigst Näheres wissen. Nun, Dem Manne mit Der Regentonne, die eine Brut
anstalt für Die Schnaken sei, kann geholfen werden! Ein Pärchen Gambusie hinein und wenn sie nur halbwegs so viel Appetit haben wie die meinigen in Rom, ist dem Hebel der Garaus gemacht.
Es sind ganz besondere Fischlein, diese Mexikaner. Fast [o durchsichtig wie Glasaale, in der Regel hellgrün wie Die jungen Brachsen unserer Seen, scheinen sie sich Der Farbe ihrer Umgebung anpassen zu können. In dunklen Tümpeln werden sie schwärzlich. Der Kopf ist breit wie der Körper, die Augen liegen ganz vorne, so daß sie fast wie eingezogene Fühlhörner aussehen. Unersättlich jagen sie herum, greifen aber nur lebende Beute. Go- lange Mückenbrut vorhanden ist, haben sie für nichts anderes Sinn, nur der Hunger lenkt sie auch auf andere Nahrung, ins Wasser fallende Fliegen, kleine Falter und dergleichen. Sie raufen sich dann darum wie Möoen um einen fetten Bissen.
Wie nun im Winter? In Rom verschwinden die Stechmücken mit dem Eintritt der kälteren Jahreszeit, also im Dezember, um sich erst im Frühjahr wieder unliebsam bemerkbar zu machen. Die Gambusie kommen mittlerweile nicht um, nur in seichten Gewässern setzt ihnen der Frost zu. Im Norden müßte man also für einen geeigneten Winteraufenthalt besorgt sein, wie wir ihn ja auch den exotischen Pflanzen gönnen. Wer keinen Wintergarten oder gar ein Palmenhaus mit Schwimmbecken hat, kann sich um die Wissenschaft verdient machen, indem er die geeignetste Zimmerüberwinterung austiftelt. Eine neue, reizvolle Beschäftigung für Aquarienliebhaber!
Vielleicht macht sich auch die Zucht im Großen bezahlt. Der Mann, Der eine Regenwürmersarm anlegte, wurde zuerst belächelt, jetzt ist er dank der wachsenden Nachfrage der Sportfischer zu einem Großindustriellen geworden. Warum sollte sich die jährliche Aussetzung von Gambusie als Ersatz für die im nordischen Winter eingehenden nicht lohnen?
Was den Mückenvertilgern noch besonders nachgerühmt werden muß, das ist ihre schnelle und leichte Vermehrung. -Binnen wenigen Wochen ist Nachwuchs Da. (Achtung auf die gefährlichen Fischräuber, Die großen Wasserkäfer!) Dagegen macht Der Transport Der Gambusie gelegentlich Schwierig- feiten. Denn sie sind gegen Druck und Stoß äußerst empfindlich.
Nachdem nun der Beweis erbracht worden ist, daß sie die gewöhnlichen Schnakenlarven ebenso zum Fressen, gern haben wie die Anophelesbrut, kann man ihnen nur noch eine Verbreitung wünschen, wie wir sie kurz nach ihrer Einführung in Mitteleuropa bei der Bisamratte erlebten. Unb es besteht keine Gefahr, daß sie sich schließlich auch so unbeliebt machen.
Ehrenrettung eines Seeräubers.
Seeräuber-Romantik hat stets die Phantasie stark beschäftigt, und es gibt über diese abenteuerlichen Episoden der Seefahrt ein umfangreiches Schrifttum. Mit den Piraten sind die Erzählungen von vergrabenen Schätzen innig verknüpft, und noch immer gehen alljährlich Expeditionen aus, die solchen Phantomen nachjagen. Ein Buch, bas sich mit bem berühmtesten ber englischen Seeräuber, bem Kapitän Kidd, beschäftigt unb bas zugleich authentische Kunbe über bie mit ihm in Zusammenhang stehende Schatzinsel bringen will, ist soeben erschienen. Ha- rolb Wilkins hat sich mit bem Besitzer eines Museums von Piraten-Reliquien, Hubert Palmer, zusammengetan unb in bem Buch „Kapitän Kibb unb seine Skelett-Insel" eine höchst fpannenbe Piratengeschichte geliefert, bie auf umfangreicher Dokumentenforschung beruht. Obwohl Kapitän Kibb wegen Seeräuberei auf bem Lonboner Hinrichtungs-Dock gehängt unb seine Leiche in Ketten als Warnungszeichen ben vorüberfahrenben Seeleuten gezeigt wurde, glaubt ber Verfasser boch seinen Helden von dem Vorwurf ber Seeräuberei reinwaschen zu können. Er hat bie Akten seines Prozesses genau ftubiert unb ist zu ber Ansicht gekommen, baß an ihm ein Justizmorb begangen worben ist. Kibb war ein Schotte, ber um 1645 geboren würbe. Seine Laufbahn ist zunächst in Dunkel gehüllt unb tritt erst um 1670 ins Licht ber Geschichte, benn er erscheint bamals als angesehener Schiffskapitän in Neuyork, bas eben erst ben Hollänbern von ben Briten genommen worben war. Im Jahre 1696 richtete König Wilhelm III. von England ein huld- volles Schreiben an seinen „lieben $reunb William Kibb", in bem er ihm ben Auftrag erteilte, Seeräuber festzunehmen, von benen einige mit Namen genannt werben. Die Expedition, bie Kibb barauf« hin unternahm, führte ihn ins Derberben unb be- grünbete zugleich seinen noch heute fortbauemben, wenn auch zweifelhaften Ruf als Pirat. Bei feiner Rückkehr würbe Kibb von bem Gouverneur von Neuyork, Lorb Bellomont, ber bie Expebition finanziell unterstützt hatte, verhaftet, unb zwar unter ber Anklage, mit ben Seeräubern gemeinsame Sache gemacht unb selbst große Räubereien ausgeführt zu haben. Er würbe nach Lonbon gebracht unb wegen Morb unb Seeraub zum Tobe verurteilt. Es scheint heute ziemlich sicher, bah bieser Prozeß angezettelt wurde, um den Torys, die sich für Kidd eingesetzt hatten, Schaden zuzufügen. Eine offenbare Ungerechtigkeit bei der Verhandlung war es, daß man Kidd die Aushändigung gewisser Papiere verweigerte, die er französischen Schiffen abgenommen hatte, und aus denen nach feiner Be
hauptung hervorgehen sollte, daß er bei der Wegnahme dieser Schiffe seinem Auftrag gemäß gehandelt hatte. Diese Papiere, die ihm von Lorb Bellomont bei seiner Verhaftung vorenthalten würben, finb jetzt aufgefunden worden, sie beweisen seine Unschuld zum mindesten in diesen Fällen. Großen Spürsinn bewies der Verfasser auch in der Entdeckung von vier Karten aus dem Besitz Kidds, die in dem Buch genau abgebildet sind. Sie geben ein eingehendes Bild der „Skelett-Insel", auf der Kidd feine Schätze vergraben haben soll. Die erste der Karten wurde im Geheimfach eines Kastens gefunden, den Kidd seinem Vetter Ned Ward übergeben hatte mit der Drohung, Kidd werde ihm als Geist erscheinen, wenn er den Kasten aufbrechen würde. Dieser Kasten ist jetzt trotzdem geöffnet worden. Die hier aufbewahrte Karte trägt bie Initialen „W. K" unb bie Jahreszahl 1669. Die brei an- bereu Karten ergänzen bie Angaben, unb Wilkins beutet an, baß er weiß, wo bie Insel liegt, unb baß er bereits eine Expebition vorbereitet, um ben Schatz zu heben.
Zeitschriften.
— Das Juliheft ber von Paul Alverbes unb Karl Benno von Mechow betreuten Zeitschrift „Das Innere Reich" (Verlag Langen Müller, München) enthält roieberum eine Fülle wertvoller bichterischer Beiträge. Vor allem verheißt bie Betrachtung „Rom, fliehenb geschaut", bie einer neuen, noch unveröffentlichten Erzählung Karl Benno v. Mechows entnommen ist, ein Kunstwerk von schöner Reife. Don gleichem Geiste beseelt ist bie Rundfunkrebe „Der Dichter unb die Jugend" von Paul Alverdes, die aufs Schönste Die Gemeinschaft Der neuen JugenD mit Den schöpferischen Kräften Der Natwn bezeugt. Georg Brittings neue Erzählung „Die Wallfahrt" enthüllt Schritt für Schritt Die verborgenen Zusammenhänge eines tragischen Schicksals. Don Den auslanDdeutschen Dichtern ist Erwin Wittstock vertreten mit feiner Novelle „Der Diehmarkt von Wängertsthuel". Die Reihe ber Lanbfchaftsbarstellungen erweitert Joh. Linke mit feinem Beitrag „Der Walb unb feine Kinder". Neben Gedichten von Gg. Britting, Hans Leifhelm, Hans Thyriot unb Heinrich Ringleb Der- bient noch ber zweite Akt ber Tragödie „Peter unb Alexej" von Henry v. Heifeler befonbere Erwähnung. Schließlich wirb auck ber bilbenben Künste gebacht: an Hand von sorgfältig ausgewählten Bild- beigaben erzählt ber Maler Otto Herbig von feinem künstlerischen Schaffen.


