Ausgabe 
8.5.1935
 
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Buntes Allerlei.

Lieber Ermüdung und Müdigkeit.

Die körperliche Ermüdung wird, ohne daß man sich über die letzten Hintergründe bereits im Klaren wäre, mit einem Verbrauch der Muskelkräfte be­gründet, der durchaus nicht immer bewußt erlebt wird. Es gibt leichtere Grade vonErmüdung", die sich bei dem betreffenden Menschen noch nicht als Müdigkeit" äußern. Geistig fühlen wir uns erst dann müde, wenn uns bewußt wird, daß Aufmerk­samkeit und KonzentratiSnsfähigkeit nachlassen, daß unser Gedächtnis uns im Stich läßt, daß unsere Schlagfertigkeit erlahmt und daß unsere Ausdrucksfähigkeit nicht mehr auf der gewohnten Höhe ist. Körperlich macht sich die Ermü­dung bei uns als Müdigkeit bemerkbar, wenn, wie Prof. L. R. Müller in derDeutschen Medizini­schen Wochenschrift" ausführt, unsere Bewegungen nicht mehr so frisch und zielstrebig sind, wenn die körperliche Kraft im allgemeinen nachläßt und un­sere Leistungen immer mehr Unsicherheitsfaktoren aufweisen. Die Tatsache, daß die geistige Aufnahme­fähigkeit bei der Ermüdung in gewissem Grade ver­sagt, so daß wir beispielsweise ein gesprochenes Wort zwar noch hören, dem Sinn der Rede aber nicht mehr folgen können, beruht in einer Beein­trächtigung der Tätigkeit der Großhirnrinde, die bis zur völligen Ausschaltung führen kann. Es ist be­kannt, daß der Schlaf nicht allein durch die zuneh­mende Ermüdung und durch die Abnahme der gei­stigen und k-örperlichen Leistungsfähigkeit erzwungen wird, sondern daß auch psychische Vorgänge wie die Langeweile oder Eindrücke aus der Umwelt den­ken wir an einen monotonen Vortrag an das Gähnen eines Nachbarn, an gleichmäßige Geräusche an der Entstehung des Schlafes mitwirken können. Diese Erkenntnis hat man sich in der ärzt­lichen Heilkunde schon längst zu eigen gemacht, um durch beruhigenden Zuspruch, durch gleichmäßiges Streichen und durch suggestive Mittel den Schlafzu­stand zu erzielen, wenn er sich auf natürlichem Wege nicht einstellen will. Das Gefühl desAusge­schlafenseins" macht sich erst dann bemerkbar, wenn die durch den Kräfteverbrauch eingetretenen physi­kalisch-chemischen Veränderungen im Organismus durch die erholende und erfrischende Wirkung des Schlafes wieder ausgeglichen sind. Ist ein Schlaf vorzeitig unterbrochen worden, so wird immer ein Schlafdefizit" selbst dann bestehen bleiben, wenn man sich den Tag über für eine Zeit frisch und leistungsfähig fühlt. Eine völlige Ueberwindung der Müdigkeit und eine wirkliche Erholung geschieht tatsächlich nur durch den Schlaf, der nicht nur zur Wiederherstellung der vorher verbrauchten Spann­kraft führt, sondern der auch eine Erfrischung des

Köpers z. B. nach schwächenden Infektionskrank­heiten bewirkt.

0ie Zähne muß man spülen/'

In einem Schulproaramm des Nordhausener Gymnasiums aus dem Jahre 1718 finden wir eine Reihe von Anstandsregeln, die uns einen interessan­ten Einblick in die Schulsitten des 18. Jahrhunderts gewähren. In den in lateinischer Sprache abgefaßten Ermahnungen an die Schüler heißt es z. B.:Das Haupt sei nicht ungekämmt, nicht durch Eier von Ungeziefer beschmutzt. Hüte dich, daß das bissige TierLaus" dort nicht hause. Das Haar sei nicht zu lang, nicht gebrannt, nicht durch Kunst, sondern natürlich gekräuselt. Hüte dich, daß du schweifende Augen hast, spähende, schlüpfrige, wie nach Phae- drus Weiber haben, welche auf Männer Jagd machen, sondern ruhige und bescheidene. Die Stirn sei heiter, glatt, freundlich und freimütig, nicht aber grimmig wie die des Polyphem, nicht verschlagen und zusammengezogen, wie bei jenen in der Höhle des Trophonius. Die Nase mit dem Ellenbogen zu schneuzen, oder gar mit dem Mantel, ist unpassend. Die Wangen sollen nicht mit Papier, Schminke und Augenschwärze bemalt werden, und dem bescheidenen Jüngling geziemt es nicht, die Weiber nachzuahmen, die durch seidene Fliegen ihre Lieblichkeit zu erhöhen pflegen. Der Mund soll nicht offenstehen, er sei leicht geschlossen, daß die Zähne nicht zu sehen sind. Die Zähne muß man spülen, daß sie nicht ver­derben. Zu lächeln ist erlaubt, vor Lachen den Bauch zu schütteln ist aber nach der Heiligen Schrift ein Kennzeichen der Narren. Eitelkeit ist erlaubt, aber nicht eine verächtliche, übertriebene, nur eine solche, welche Nachlässigkeit ausschließt. Auch das Kleid sei rein und zeige nicht Reste der letzten Mahlzeit."

Oie Giebenlinge von Hamern

Die berühmten Fünflinae der Familie Dionne in Toronto in Kanada werden nicht nur im Lande selber als eines der größten Weltwunder hinaestellt, darüber hinaus sind sie die Sensation ganz Ameri­kas, das an der Entwicklung der fünf Mädchen stärk­sten Anteil nimmt. Die Geschichte zeigt uns jedoch, daß dieser gewiß sehr seltene Fall schon vor langer Zeit übertroffen worden ist, und zwar durch dieSiebenlinge von Hameln", die um das Jahr 1600 das Licht der Welt erblickt hatten. Ein Zeug­nis dieser denkwürdigen Begebenheit ist der Denk­stein an der Hauswand des ehemals Römerschen Hauses gegenüber dem Chor der Stadtkirche von Hameln. Auf. ihm erkennt man in Reliefdarstellung, wie Hugo von der Masch in der Frankfurter Wo­chenschauDie Umschau" mitteilt, den Vater mit

zwei Söhnen und die Mutter mit drei Töchtern, alle knieend: zwischen den EUern liegen sechs von den Neugeborenen, und das siebente hält der Vater in den Händen. Unter dem Bild steht die Inschrift: Allhier ein Bürger Thiele Römer genannt, / seine Hausfrau Anna Breyers wohlbekannt / als man zählte 16 Jahr / den 9. Januarius des morgens 3 Uhr war / von Ihr zwo Knäblein und fünf- delein auf / eine Zeit geboren sein; / Haben auch die heilige Tauf erworben / Folgendes den 26ten 12 Uhr selig gestorben. / Gott wolle Ihnen geben die Seelig- keit / die allen Glaebigen ist. bekannt." Aus den Hameler Archiven läßt sich belegen, daß der Bürger Thiele Römer und seine Ehefrau Anna Breyers um diese Zeit tatsächlich in dem erwähnten Haus in Hameln gelebt haben.

Der Gefangene im Baum.

Fünfundvierzig Stunden lang hat sich kürzlich ein Mann namens William Bowkett aus Ooerten in der Nähe der englischen Stadt Saul in unfreiwil­liger Haft befunden, und zwar war sein Gefängnis ein hohler Baum Bowkett hatte den Baum be­stiegen, um einige Stöcke zu schneiden, dabei war er ausgerutscht und unglücklicherweise in das Innere des hohlen Baumstammes hinabgefallen. Der Stamm war so fest, daß Bowkett sich keinen Weg aus seinem Gefängnis bahnen konnte, und mit eng angeklemmten Armen hatte er gerade notdürftig in ihm Platz Es war eine verzweifelte Lage, und Bowkett rief aus Leibeskräften um Hilfe. Aber niemand hörte ihn. Es wurde Abend, Nacht und wieder Tag, ohne daß sich jemand an die Stelle verirrte, um den verzweifelten Gefangenen Hilfe zu bringen. Bald quälten ihn Hunger und Durst, und die' Enge seines Gefängnisses gestattete ihm nicht die geringste Bewegung, so daß seine Glied­maßen ganz erstarrten. Aber noch eine zweite Nacht dauerte seine Zwangshaft, und erst als am dritten Tag Kinder in den Wald kamen, die hier Veilchen pflückten, konnte er wieder Hoffnung fassen. Mit ersterbender Stimme rief der Gefangene: ,Zch bin in dem Baum und kann nicht heraus". Die Worte, die aus dem Innern des Baumes drangen, er­schreckte die Kinder und ließen sie an die Verwirk­lichung eines alten Märchens denken, nach dem Menschen in Bäume verwandelt wurden. Sie liefen in das nächste Gehöft und erzählten, was sie er­lebt hatten. War es verwunderlich, daß man ihnen dort zunächst keinen Glauben schenkte und annahm, daß es die Rufe einer Eule waren, die die Kinder in ihrer Phantasie in menschliche Worte umgedeutet hatten? Erst als die Kinder sich von ihrer Behaup­tung, daß ein Mensch in dem Baum verzaubert sein müsse, nicht abbringen ließen, folgten ihnen die Leute, um den geheimnisvollen Baum aufzu­suchen. Sie kamen gerade noch zurecht, um den völlig erschöpften Gefangenen das Leben zu retten. Sie erkletterten den Baum und sahen zu ihrem

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Erstaunen einen Man in hilfloser Lage in dem hohlen Baumstamm stecken. Aber es kostete noch viel Mühe, bis sie ihn wieder heraufgeholt hatten, da er selber kein Glied mehr rühren konnte und fast ohnmächtig vor Schrecken, Hunger und Müdigkeit war. Seine Kleider wurden ihm bei dem Versuch, ihn heraüfzuziehen, vom Leibe gerissen un der kam in einem völlig erschöpften Zustand wieder aus seinem Gefängnis heraus. Erst nach Tagen kam er wieder zu Kräften, und wenn er heute an sein Gefängnis zurückdenkt, erfaßt ihn immer wieder ein tiefer Schrecken.

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