Ur. 106 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch, 8. Mi M5
Deutsche Maiseier in Brasilien
Iernsehen,Runi>Wkm!>Me,Riindsuilkhandel.
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Scherl-Bildmaterndienst
Die deutsche Kolonie in R i o de Janeiro (Brasilien) feierte in diesem Jahre geschlossen den Nationalen Feiertag des deutschen Volkes; zahlreiche brasilianische Freunde Deutschlands beteiligten sich an dieser Feststunde, die auf einem großen Platz in Rio de Janeiro stattfand. Auf unserem Bild sieht man einen Ausschnitt aus der Feier, im Vordergrund deutsche Hitlerjugend in Brasilien
Oer Nationale Feiertag
des deutschen Volkes in London.
Aus unserem Leserkreis geht uns von einem Mitglied des BdM. in der Deutschen Kolonie zu London der folgende Bericht über die Feier des Nationalen Feiertages des deutschen Volkes, wie er dort begangen wurde, zu:
„Nicht nur im Mutterland feiert man den Tag der Nationalen Arbeit. Nein, wo Deutsche immer auch sind, sie finden sich zusammen, um gemeinsam die Verbindung zur Heimat aufrecht zu erhalten. So kam man auch in London zur Porchester Hall zusammen, um dort den Feiertag des neuen Deutschlands zu begehen. Von allen Teilen der Weltstadt strömten sie herbei. Freunde schüttelten sich die Hönde, Landsleute- begrüßten sich, hier hörte man diesen, hier jenen Dialekt. Man vergaß ganz, daß draußen die fremde Welt war, daß man im Ausland ist. Amtswalter in ihrer braunen Uniform ordneten am Eingang den Verkehr — es war alles wie zu Hause.
Die Föier begann mit der Ankündigung Seiner Exzelenz des deutschen Botschafters, zu dessen und aller Anwesenden Begrüßung die Londoner Hitlerjugend ihr Bundeslied: „Vorwärts, vorwärts .. sang.
Dann begrüßte der Botschafter die Deutschen und erteilte das Wort dem Herrn Staatssekretär Reinhardt, der gekommen war, Grüße aus der Heimat zu bringen und über neue staatspolitische und staatswirtschaftliche Gesichtspunkte aufzuklären. Zu Anfang machte er den Unterschied zwischen dem Patriotismus vergangener Zeit und dem heutigen Volksgemeinschaftsgeist klar. Er führte aus, daß die
ser Geist die Grundlage aller Staatshandlungen ist. Sehr interessant war es für die Ausländsdeutschen, über die Beweggründe und Auswirkungen der neuen Maßnahmen zu hören, zumal die ausländische Presse darüber nie vollste Klarheit gibt.
Zum Schluß klang uns allen sein Auftrag: „Bleiben Sie im Ausland. Wir brauchen immer Ausländsdeutsche, denn der Deutsche im Ausland ist Propagandist für den deutschen Frieden, für deutsche Geltung in der Welt Sie bilden das Verbindungsglied zwischen dem Mutterland und dem fremden Staat. Sie bekunden die Achtung des nationalsozialistischen Deutschlands vor fremden Völkern und deren Volkstum " Der Schluß bildete das Deutschlandlied.
Die Ueberleitung zum gemütlichen Teil des Abends bildete ein Naturfilm, der die Zuschauer in alle Gaue Deutschlands führte. Freudige Ueber- raschung, als man Bilder aus der Heimat sah? Hamburgs Bauten, die Burgen des Rheins, Berge des Südens — sie alle grüßten die, die fern der Heimat sind. Besonderen Beifall fanden die Bilder von der Ausfahrt des „Grafen Zeppelin", vom marschierenden deutschen Arbeitsdienst, vom Führer, der unser aller Schirmherr ist. Nurz u rasch zogen die Bilder vorbei. Doch ließen sie einen frischen und frohen Endruck zurück. Nach dem Horst-Wessel-Lied zerstreute man sich an die Erfrischungstische, wo man deutsches Bier und deutsche Erfrischungen haben konnte. Der ganze Abend war eine eindeutige Kundgebung für deutsches Zusammengehörigkeitsgefühl, für den Willen, zum deutschen Volk und seinem Führer zu gehören
Marie Seim (BdM.)
Gespräch des Neichssendeleiiers mit Vertretern der Iunkwirtschast
Vor dem Mikrophon des Reichssenders Berlin unterhielt sich Reichssendeleiter H a - damowsky mit Dr. Lo tz, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsgruppe Elektro-Jndu- strie der deutschen Wirtschaft, und mit Dr Otte, Leiter der Hauptabteilung Handel in der Reichsrundfunkkammer, über das Thema „Fernsehen, Rundfunkindustrie, Rundfunkhandel". Das Dreigespräch wurde auf alle deutschen Sender übertragen. Wir geben nach einem Bericht des DNB. einen Auszug aus der Unterhaltung, der die Probleme der Rundfunk- und Fernsehentwicklung in einer den Rundfunkhörer nicht weniger als die Rundfunkwirtschaft interessierenden Weise umfaßt.
Der Reichssendeleiter: „Die überraschend schnelle Entwicklung des Fernsehens hat nicht nur in Deutschland und der Welt berechtigtes Aufehen erregt, sondern darüber hinaus auch eine Menge von Fragen aufgeworfen, deren Beantwortung für die Rundfunkindustrie und den Rund- funk-Apparate-Handel ohne Zweifel von Bedeutung ist."
Dr. Lotz: „Zunächst möchte ich Ihnen Herr Reichssendeleiter, den verbindlichsten Dank der Industrie, die an der Fernsehentwicklung beteiligt ist, für die außerordentlich tatkräftige Unterstützung aussprechen, die Sie und die Reichsrundfunkgesellschaft dem Fernsehen haben bisher angedeihen lassen. Ich darf an diesen Dank die Bitte knüpfen, daß Sie weiter wie bisher der energische Betreuer des Fernsehens >n Deutschland bleiben mögen."
Dr. Otte: „Der Widerhall, den die Eröffnung des regelmäßigen Fernsehdienstes durch Sie, Herr Reichssendeleiter, in ganz Deutschland gefunden hat, hat sich auch auf den Funkhandel im weitesten Maße erstreckt. Der Funkhandel, der über dreißigtausend Firmen zählt, ist an der Entwicklung des Fernsehens und an dessen tatkräftiger Förderung durch Sie außerordentlich stark interessiert. Bei der Umstellung auf ein völlig neues Gebiet scheint mir besonders die Frage von Wichtigkeit, ob damit zu rechnen ist, daß in absehbarer Zeit ein Fernseh-Volksempfänger oder ein ähnlich preiswertes Gerät auf den Markt gebracht und dem Handel in die Hände gegeben wird."
Der Reichssendeleiter: „Ich glaube, daß eine so stürmische und rasche technische und rundfunk- mäßige Entwicklung auch auf die Dauer tiefgreifenden Einfluß auf die wirtschaftlichen Entwicklungen nehmen wird. Ich kann mir, nachdem in den vergangenen Jahren der Volksempfänger seinen Siegeslauf angetreten hat, schon vorstellen, daß ähnliche Ideen heute auf dem Gebiete des Fernsehens auftauchen."
Die Vertreter der Rundfunkindustrie und des -Handels äußerten im weiteren Verlauf die Meinung, die Öffentlichkeit könne infolge der intensiven Propaganda für das Fernsehen glauben, daß in verhältnismäßig kurzer Zeit billige Apparate für Fernsehempfang auf den Markt kommen würden, und daß deshalb der Absatz von Rundfunkgeräten stocken könnte. Reichssendeleiter Hadamovsky zerstreute mit folgenden Ausführungen über die künftige Entwicklung die Bedenken der Vertreter der Funkwirtschaft:
„Ich glaube, Ihnen beruhigende Aufklärungen geben zu können. Ich will Ihnen verraten, daß ich im Augenblick nur ein einziges Volksfernsehgerät kenne, den F e l d st e ch e r. Die anderen sind noch nicht soweit entwickelt; ich glaube sagen zu können, daß ihre Entwicklung noch eine Reihe von Jahren dauern wird. Nach grundsätzlichen lieber» legungen kann ich das Fernsehen nur als eine neue Linie der Entwicklung neben der bisherigen Rund
funkentwicklung bezeichnen. Wenn Dr. Goebbels auf der Großen Deutschen Funkausstellung die Parole zur Verdoppelung der Rundfunkhörerzahlen ausgegeben hat, so werden wir mit der achten Hörermillion überhaupt erst einmal den Vorsprung eingeholt haben, den eine Reihe von anderen Ländern am 1. Januar 1933, also vor und bei Uebernahme des Rundfunks durch die Nationalsozialisten inne hatte.
Inzwischen ist aber auch in den anderen Ländern die Rundfunkentwicklung weitergegangen. Ich prophezeie Ihnen auch für Deutschland neben dem sich entwickelnden Fernsehen noch ein Jahrzehnt der Rundfunkentwicklung, noch ein Iahrzehnt, in welchem der Rundfunkapparat, wie wir ihn heute kennen, durchaus den Markt beherrscht, und in welchem die überwiegende Zahl aller Teilnehmer des Rundfunks Rundfunkhörer im heutigen Sinne fein werden und nicht Fernseher in dem Sinne von morgen. Gewiß wollen wir das Fernsehen zu einer Volksangelegenheit machen. Ich habe aber niemals Zweifel darüber gelassen, daß hierzu noch ein Kampf und eine Entwicklung von Iahren erforderlich sind.
Wir sind uns völlig darüber im klaren, daß wir erst einmal Sender hinstellcn müssen, bevor überhaupt die Entwicklung des Empfangswesens genügend vorschreiten kann Es wird also bei der neuen Großen Funkausstellung im August 1935 zwar das Fernsehen in einer Weise im Mittelpunkt der Ausstellung stehen, daß diese Ausstellung damit das Interesse der ganzen Welt erregen wird. Daneben aber werden ebenso sehr der Volksempfänger VE 301 und der heutige bekannte Rundfunkapparat die Grundlage der Funkausstellung bilden. Das Fernsehen wird sich nach unserem Programm auf der Senderseite rasch, auf der Empfangsseite allmählich und schrittweise entwickeln. Infolge j)er heute noch vorhandenen Kompliziertheit der Fernseh-Empfangsapparate und ihrer entsprechend hohen Preise, kommt es daraus an, gute, hochwertige und brauchbare Fernseh-Empfänger überhaupt erst einmal in dem benötigten Umfange zu produzieren. Ich bin der Ueberzeugung. daß ähnlich, wie der Volksempfänger der Rundfunkwirtschaft einen nie geahnten Gesamtaufschwung gegeben hat, auch die Entwicklung des Fernsehens nicht nur zusätzliche Kulturmöglichkeiten, sondern darüber hinaus auch zusätzliche Wirtschaftsmöglichkeiten schaffen wird.
Das qrötzte Erbbiologische Institut Deutschlands in Frankfurt
Frankfurt a. M., 7. Mai. (LPD.) Nachdem der Fortbestand der Johann-Wolfgang-Goethe-Uni- versität in Frankfurt gesichert war, ist die Universität dank der tatkräftigen Forderung durch Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs durch die Angliederung des Erbbiologischen Instituts erweitert worden.'Zum Leiter dieses Instituts wurde Prof. Freiherr v. Verschner berufen, der bereits mit feinem Oberarzt hier weilt und im Vortragssaal des Hauses der Gesundheit seine Vorlesungen aufgenommen hat.
Als Räume für das neue Institut, das das größte und be st eingerichtete in ganz Deutschland sein wird, hatte man anfangs den Sandhof und das Städtische Krankenhaus in Sachsenhausen in Aussicht genommen. Da aber in diesen Gebäuden nicht genügend große Räume zur Verfügung standen, griff man auf das Gebäude der Ortskrankenkasse zurück, das am besten für den gedachten Zweck geeignet ist.
Im zweiten Obergeschoß des „Hauses der
Das Einjährige.
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Recht gut entwickelt, auf Papa kopiert und auf Menschenähnlichkeit vergrößert, erlebt das Einjährige seinen Geburtstag inmitten der begeisterten Anverwandten. Da es erst um 20 Uhr auf die Welt fam, könnte es, wenn es das konnte, jetzt beim Nachmittagskaffee feststellen, daß es vor einem Jahr überhaupt noch nicht da war. Es tut das nicht, da es bei der Fülle des Gebotenen ganz andere Dmge zu tun hat; es fitzt auf dem Schoß der Großmutter, fühlt sich herrlich geborgen auf diesem kindergewohnten Polster und sucht das Leben in natura zu fassen. In seinen großrunden, blanken Augen spiegelt sich diese kleine Welt ringsum, deren Dinge noch keine Namen haben, der Mund gibt alles her, was er an Worten hat: baba, baba, mama, gibt es her wie ein Erstaunen unb einen Triumph auf bie unerhörte Sprachleistung^. bie Beine, auf benen man weiß Gott woher plötzlich stehen und wahrhaftig sogar schon ein wenig gehen kann — wenn die Sache auch noch bedenklich schwankt — sie strampeln in Ungeduld, und die Hände sind in ständiger Bewegung und suchen — wie gesagt — das Leben zu fassen, und fassen mit einem jauchzenden Frohlocken zu und fassen — Großmutter gibt gerade eines ihrer famosen Kuchenrezepte preis — bie frisch gefüllte Kaffeetasse, bie sich nun entgegen ihrer Bestimmung auf das herrlich weiße Tischtuch entleert.
Und siehe da, nun zeigt sich der Vater — auch für ihn jährt sich heute die Würde — als Mann, der weiß, daß ihm kraft bürgerlichem und natürlichem Gesetz Autorität zustehen sollte, und legt die Stirn in Falten, gibt dem Blick die notwendige Strenge, schluckt, weil sofortiges Eingreifen nötig ist, den Bissen ungekaut hinunter und öffnet den Mund zu Tadel und Mißbilligung. Erschrocken — o nein, nicht durch Stirn, Blick unb Tabel, sonbern burch bie zum Fingerbab wenig geeignete Tempe- tur ber Flüssigkeit — verzieht bas Einjährige bas Mäulchen, bie blanken Runbspiegel ränbern sich mit Wasser, ber Fäustchen zittern, unb bie Enttäuschung über bie unvollkommene Welt, in ber auch ber Schmerz Sitz unb Stimme hat, bricht aus bem Duabrat ber auseinanbergeriffenen Kiefer anflagenb los. Mitten im Schreien aber hält bas Einjährige einen Augenblick ein, sucht bie Mama unb legt, weil sie unerreichbar brüben auf ber anbern Seite sitzt, noch einige Tonstärken zu.
„Warum schreist bu bas arme Kinb auch so an", schimpft bie Großmutter gegen ben autoritätsbesessenen Sohn, beugt sich zum Enpelkinb unb finbet plötzlich nach zwanzig, fünfunbzwanzig, dreißig
Jahren, nach fünfzig, wenn es sein sollte, die urewigen Tone, Laute, Worte, Bewegungen wieder, mit denen eine Mutter wie durch Zauberspruch dem enttäuschten Kinde das Leben wieder schmackhaft macht.
„Und übrigens", sagt sie zwischendurch und sieht ben Sohn mißbilligenb an, „bas Tischtuch müßte boch gewaschen werben, weil bu jetzt beinen K^' e- löffel braufgelegt hast."
Unb als sei bies bie letzte Formel bes Zauberspruchs, versiegen Augenwasser unb Schreien, unb bas Einjährige tastet aufs neue vor unb sucht, wo immer man bas Leben sonst noch packen konnte. Jugenbwo muß es boch Dinge geben, bie schon finb, auch ohne wehzutun.
Der Frühjahrsradi.
Von Julius Kreis.
Der Kneiphof liegt unter bem lichtgrünen Balba- chin bes jungen Kaftanienlaubes Noch finb nicht viele Gäste ba. Einige Frauen wollen nach bem Markteinkauf schnell ein Glas „mitmachen", ein Arzt braucht zwischen zwei Patientenbesuchen eine kleine Stärkung. Ein Rechtsanwalt vor bem Gang zu Gericht, noch ein paar Mappenherren, bie sich vor ber trockenen Büroluft hier noch ein bißchen gütlich tun wollen.
An einem Faß finb zwei gut unterwachsene vollblütige Münchener vor Anker gegangen. Aeltere Herren. Man sieht ihnen an, baß sie sozusagen Bier- Veteranen finb, aus ber ganzen Art, ben Krug zu heben, ben Schaum vorsichtig anzublasen, aus bem ersten, roürbigenben Schluck, aus allem Drum unb Dran. Der eine nimmt wie einen köstlichen Schatz aus ber Hinteren Rocktasche einen Rabi heraus unb wickelt ihn mit fast zärtlichen Fingern aus bem Papier, hebt ihn am Schwanz in bie Hohe unb läßt ihn voll Wohlgefallen ein wenig baumeln.
„Am Markt hab i ’n mitgnomma. Js halt no a Delikateß, so an Fruahjahrsrabi, kost a fchons Gelb, aber manchmal muß ma fi halt boch a bißl was Extras zuaklaubn!"
Der anbere voll sachlicher Teilnahme: „Ja, jetzt san s' am besten, be junga, be Ham halt no ben richtigen Saft, ben feina Biß, — bes Ham f im Juli unb August nimmer. Was berf jetzt so oaner foftn?..." „Mei, bes trau i mir gar net fagn. Js ja fast a Sünb für an Rabi. Dreißig Pfennig!" Der anbere nickt respektvoll, aber resigniert.
„Wissen S', es hätt a oa fünfazwanzg gehn, aber ba reut mi bes Fünfer! net, i schaug's net o, wenn man was Richtigs brum friagt. An Rabi kenn i's glei am Griff, o, was er is. — Net be
größeren nemma, Jan net allweil be bessern. Am Gwicht muaß ma's kenna, a Gfui muaß ma Ham dafür..
Der glückliche Besitzer schneidet seinen Radi nun voll Hingabe, Erfahrung und Können zurecht. Sein Gegenüber verfolgt jeden Schnitt wie ein Wohlwollender, aber durchaus kritischer Schiedsrichter. „Hoaßt's allweil, wer guat Radi schneidt, kann guat tanzen. No, des trifft so weit zua. Als a Junger, sehng S' Herr Nachbar, da hab i fürs Leben gern gflanflt, jetzt lassn halt d'Haxn aus und über» Haupts... Mir is so a Radi glei lieber wie alle de Danz. Als a Junger versteht ma’s ja net, was guat is. Aber de Ham schließli aa wieder recht. — Sodala!" Der Radi ist schön sauber unb bünn- blättrig fertig geschnitten. Kein Fehl ist baran. Er wirb sorgfältig, eine Präzisionsarbeit, burchgesalzen.
„Des muaß ma halt aa im Gfui Ham! A Körnbl z' vui, scho werb so a zarter Rabi z' raß — a Körnbl z' roeni, na hat er scho nimmer be richtige Boaz. Jetzt lassen ma ’n amol ausrooana, den Bruader! (Zum Rabi geroenbet:) So, ziag nur scho o! Bist as scho wert, beine breifeig Pfennig!"
Der Rabi kommt nach unb nach schön ins Weinen. Zwei Augenpaare ruhen liebevoll auf ihm. „Z'vui berf er aa net boazn, fünft verliert er sein Saft. Jetzt moan i, roars grab recht."
Mit ber Stilettspitze hebt ber glückliche Besitzer vorsichtig einige Blättchen auf, um sich zu überzeugen, ob ber Rabi „zeitig" ist. Hat'n scho!
Unb nun mufe man bas Opfer ermessen, bas Höflichkeit, gesellschaftliche Formen, ber „Ghört fi" von bem Rabi-Jnhaber verlangen. Er weist mit bem Stilett einlabenb auf bie saftige Wurzel unb sagt — mit ganz leisem, zagem Hoffen, baß vielleicht boch eine Ablehnung erfolgt: „Mögn S' net probieren, Herr Nachbar?"
Der tut ein bißchen scheniert unb sagt: „Mei, is ja a so net vui bro, aber i bin halt so frei!" Er kann ber Lockung nicht wiberstehen. Die ersten Blattln werben beiberfeits mit einem Schluck besiegelt. Der Gast lobt aus vollem Herzen, nicht nur, weil ber Rabi wirklich prima ist, sonbern natürlich auch aus Dankbarkeit für bas Gastgeschenk: „Da ham S' aber wirkli was Feins erwischt. Wia junge Spargl schmeckt er. Rabikaffa muaß ma aa versteh!" Der Rabiinhaber nickt stolz. Er hebt wieder mit zierlich gestellten Fingern ein Blättchen empor. „Js ma glei liaber wia a Weißwursch", sagt er. „Sehng S', a Weißwurscht — a Ruck und a Druck unb brunt is! I sag nix bagegen. Aa was guats! Aber so a Rabi, ber hebt halt. Unb a Weißwurscht gibt's im Winter aa, aber mit’m Jahr muafe ma geh!"
Der Gegenüber pflichtet eifrig bei. Er sagt, baß er sich aus Weißwürscht überhaupt nichts macht.
„Mögn S' no a Blattl?" — „Bin so frei." — „Ko i ja fast net oerantroorfn, baß i bei Eahnan Rabi ba so mithalt..." — „Jetzt is fcho gleich, Herr Nachbar. Im Sommer ko a jeber Rabi effn. Da gibt’s mir gar nimmer so vui ab."
Beibe anbächtig: „Im Fruahjahr, ba fan f am beftn..."
Gar is er, ber Rabi. — Der Spenber fühlt sich wie ein Fürst, ber einen Fremben zu herrlichem Mahl gebeten hat, ber Gast wie ein reich Beschenkter, bem bas Märchen begegnet ist.
Glückliche Viertelstunbe unter ben Kastanien beim Frühjahrsrabi.
Deutsche Bauern auf rumänischer Schotte
Weit abgefprengt von Deutschland) lebt im Siebenbürger Lanb rund eine Viertelmillion Deutsche, die erst in ben letzten Tagen ein Bekenntnis zum Deutschtum ablegten. „N eues V o l k", bie Blätter des Rassenpolitischen Amtes ber NSDAP, berichten in einem Bildartikel von ben (Siebenbürger Deutschen. Aus bem Antlitz bes beutschen Bauern in Siebenbürgen erkennen mir bie rassische Verbundenheit mit unserem Volke. Nicht irgendeine Zufälligkeit bindet ihn an fein Deutschtum, es ist die Stimme bes Blutes, bie ihn an seine Art mahnt. „Neues Volk" gehört in bie Hand eines jeden Volksgenossen, ber Aufklärung über bie so wichtigen rassen- unb bevölkerungspolitischen Fragen sucht. Nationalsozialist werben heißt, bie Rassensrage in ihrer Tiefe unb Breite begriffen zu haben, unb daher sollte jeder sich bie ©runblagen ber Rassenlehre burch „Neues Volk" erarbeiten. — „Neues Volk" ist zu beziehen burch ben Verlag „Neues Volk", Berlin SW 19, Linbenstraße 44.
Hochschulnachrichten.
Der ordentliche Professor der Rechtswissenschaft an der Universität Königsberg, Dr. jur. E. Genzmer, ist mit Wirkung vom 1. Oktober dieses Jahres an in gleicher Eigenschaft an die Universität Frankfurt berufen worden, wo er die durch die Wegberufung von Professor Boeh - mer frei gewordene planmäßige Professur für antike Rechtsgeschichte, Privatrechtsgeschichte der Neuzeit und Rechtsverkehr übernimmt.
Der ordentliche Professor der pharmazeutischen Chemie in Frankfurt, Dr.-Jng. Hugo Dieter 1 e ist mit der stellvertretenden Leitung des Instituts für Nahrungsmittelchemie, soweit die Erledigung unterrichtlicher Ausgaben in Frage kommt, beauftragt worden.


