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mit den kleingebrochenen Sparaeln zusammen weich kocht, in möglichst wenig Wasser, und das Gericht mit Salz abschmeckt, dann aus einem Löffel Butter und einem Löffel Mehl eine Mehlschwitze herstellt, die man mit dem Kochwasser auffüllt, worauf man das Ragout darin aufkochen läßt. In einem Reis­rand angerichtet, wird das Gericht jeden entzücken. Natürlich kann man statt Kalbfleisch auch Hühner­fleisch verwenden. Auch kann man das Gericht durch Fleischklößchen verlängern.

Spargelsalat kann man auch verlängern, indem man abgekochten Fisch, Tomaten oder hart­gekochte Eischeiben dazwischen tut.

Auch ein Spargelomelett sollte man ab und zu seiner Familie oder seinen Gästen vorsetzen. Man verquirlt Eier (ein Ei für die Person) mit etwas Salz und auf ein Ei ein Löffel Wasser gut, mischt die in Stücke gebrochenen, abgekochten und erkalteten Spargel darunter, gibt das ganze in eine Pfanne, in der man wenig' Fett erhitzt hat und behandelt es nun wie Rührei. Wenn das Ei erstarrt ist, ist das Omelett fertig.

Auch mit einem Spargelsoufflee kann man es einmal versuchen. Man bereitet eine Mehl­schwitze, die man mit Spargelkochwasser so weit auffüllt, daß eine dickliche Soße entsteht, der man noch ein wenig Milch zusetzt. Man nimmt sie vom Feuer, schmeckt mit Pfeffer und Salz ab, tut ein gut verquirltes Eigelb und die Spargel hinzu und fügt schließlich das steif geschlagene Eiweiß hinzu. Man gibt die Masse in eine gut mit Fett aus­gestrichene Form und backt sie in gut heißem Ofen, vis sie sich oben gebräunt hat.

Ersparte Verdrießlichkeiten

Kartoffelschüsseln für den Tisch sollen nie einen Deckel haben. Sonst sammelt sich der Dampf, fällt herab, die Kartoffeln, die noch so gut abgedämpft sein können, werden feucht.

Der Salzstreuer bekommt außer dem In­halt, für den er bestimmt ist, drei bis vier gelbe geschälte Erbsen. Dadurch bleibt das Salz in Be­wegung und kann den Streuer nicht verstopfen, selbst wenn die Witterung feucht ist

Ro st flecke am Bügeleisen. Wie ärgerlich. Ein großer Teil der mit Mühe geplätteten Wäsche ist fleckig geworden. Man untersuche jedes Eisen vor Gebrauch. Bestreiche es mit einem Stückchen in Leinen gewickeltem Kerzenlicht, bügele dann über ein altes Tuch aus Wolle, bis das Eisen ganz leicht darüber fährt. Rostfleckgefahr ist damit ver­schwunden.

Der Pfennig in der Blumenvase kann uns manche Verdrießlichkeit ersparen. Wenn Blu­men lange halten sollen, legen wir einen Pfennig in das Wasser, damit der Welkprozeß für viele Tage hinausgezögert wird.

Heringsgeruch am Geschirr, in Schüsseln und Gläsern verleidet uns oft den Genuß der billi­gen und außerordentlich gesunden Nahrung. Er verschwindet, wenn man ein Stück Papier anzündet und den Rauch in die betreffenden Gefäße schlagen läßt. Dann werden sie trocken abgerieben.

Eier platzen beim Kochen, wenn es sich um Kühleier oder um eingelegte handelt. Um sich den Aerger zu ersparen, mache man in jedem Falle mit einer spitzen Nadel zwei winzige Löcher auf beiden Gegenseiten. Die Eier bleiben heil, und beim Kochen bildet sich an der Einstichstelle ein klarer Pfropfen, der das Auslaufen verhindert.

Graupen, Haferflocken, Linsen und Erbsen brennen leicht an. Um sie jedoch der Anbrenngefahr zu entziehen, lege man eine nicht zu kleine Mur­mel mit in den Topf, deren kreisende Bewegung das Anbrennen verhindert. Auch bei Milchkochen zu empfehlen.

Harte Zitronen geben wenig Saft. Wenn man sie aber vor dem Gebrauch einige Minuten auf die warme Herdplatte legt, strömt reichlich Saft aus der vorher harten Frucht.

Wollene Strümpfe nie einweichen, damit sie nicht einlaufen. Lauwarm waschen. Nach- mit Seife einreiben oder in dichtem Seifenwasser spülen, ohne die Seife zu entfernen und so weit recken, wie sie es gestatten. Naß aufhängen, ohne auszuwinden. Schü.

Ostpreußen vom Reiche aus gesehen.

Von Dr. Kurl Schmidt, Gotha.

Die diesjährige Pfingsttagung des VDA. in Königsberg wird zahllose Binnendeutsche nach Ostpreußen führen. Für sie ist es wich­tig, sich über das O st l a n d p r o b l e m, für das dieser Teil des Reiches besonders bezeich­nend ist und dem auch der Sinn der VDA- Tagung gilt, klarzuwerden. Nachstehende Zei­len geben hierzu in gedrängter Fülle eine Handhabe. D. Red.

Wohin das Auge blickt: Wasser, Wiese, Acker, Wald. Ernst spiegeln sich die dunklen Kiefern in der leichtbewegten Flut, darüber spielt der bunte, von letzten Sonnenstrahlen malerisch gefärbte Abend­himmel in tausend Farben, aus dem hohen Schilf brechen einige Wasserhühner hervor sonst überall lautlose Stille: das Ganze ein Bild tiefsten Friedens.

Und doch brechen gerade jetzt in der Ruhe des Abendfriedens gewaltsam die tiefergreifenden Bilder der letzten bewegten Tage wieder vor mir auf: die wuchtigen Ecktürme des Nationaldenkmals von Tan- nenverg. Der Feldherrnhügel auf dem Schlachtfeld. Der große, unverändert gebliebene Schulsaal in Osterode, in dem die beiden großen Feldherrn des Weltkrieges das Wunder der volkstümlichsten Schlacht des ganzen Krieges schufen. Die 1914/15 so schwer bedrohte und umkämpfte Feste Boyen als redendes Denkmal deutschen Heldengeistes. Und überall die in ihrer Schlichtheit so eindrucksvollen Heldenfriedhöfe mit ihren mahnenden Steinen und Kreuzen. Dann das erschütternde Bild in der Ma­rienburg, wie der soeben zur Verteidigung des Lan­des herbeigerufene Hindenburg die unübersehbaren Scharen der Flüchtlinge an der Nogatbrücke an sich vorüberziehen läßt ...

Erst diese Erinnerungen zeigen uns das Land, dem unser Besuch gilt, im rechten Licht: die wunder­volle Gegend, die heute in tiefstem Frieden vor uns liegt, als hätte es nie anders sein können, sie ist doch vor zwanzig Jahren Kriegsschauplatz gewesen. Wir sollen dies nie vergessen! Wie oft ist dieser Boden mit dem Blute deutscher Männer gedüngt und ge­heiligt worden! Schicksal eines Grenzlandes, deut­sches Grenzschicksal: das ist das eindrucks­vollste Erlebnis, das Ostpreußen dem aus dem In­nern des Reiches kommenden Volksgenossen über­mittelt. Mit unnachgiebiger Wucht drängt sich uns die Frage auf, was auch aus unserer Heimat wohl geworden wäre, wenn Ostpreußen gegenüber der östlichen Völkerflut nicht standgehalten, wenn es nicht Wacht im Osten gehalten hätte. O st p r e u - ßens Schicksal ist deutsches Schicksal. Wenn es um Ostpreußen geht, geht es in Wirklich­keit um Deutschland.

*

Wer freilich glaubt, in Ostpreußenauf Schritt und Tritt" den Spuren des Krieges zu begegnen, irrt. Hier sind keine Kriegsmuseen in prunkhafter chauvinistischer oder pazifistischer Aufmachung zu besichtigen", hier hat man nicht die Gräben, Drahtverhaue und Granatlöcher künstlich konser­viert, wie so oft an der Westfront, hier gibt es keine geschmacklosenKriegsandenken" zu kaufen. Oft ist es nur eine schlichte Tafel, der Name eines Dorfes oder Flusses, der an das Geschehen erinnert. Die zerstörten Häuser aber sind längst aufgebaut wor­den, wo sich einst Schützengräben hinzogen, geht heute der Tritt der schwarz-weißen Rinderherden oder der Pflug des Landmannes.

So hat der Rhythmus friedlicher Arbeit alle Spuren kriegerischer Verwüstung und Verheerung längst verwischt, und so erschließt sich uns hier wie­der aufs neue der tiefste Sinn des deutschen Auf­bruches von 1914: nicht wegen irgendwelcher außen- oder innerpolitischer Ziele hat sich damals das deutsche Volk- erhoben, sondern um den angestamm­ten Boden zu verteidigen, um dann seiner Arbeit wieder in gesicherter Ruhe nachgehen zu können nicht um des Krieges willen, sondern um des Friedens und seiner Arbeit willen.

Dies gilt nicht nur von der Gegenwart, sondern auch von der Vergangenheit. Denn was Ostpreußen

heute ist mit seinen Fluren, Forsten und Wei­den, den entwäsjerten Mooren, den regulierten Flüssen und Kanälen, den Straßen, den Höfen, Dörfern, Städten und Burgen, das ist doch nur durch jahrhundertelange, immer aufs neue wieder­holte mühsame Arbeit geworden, durch die Arbeit des deutschen Bauern und Handwerkers.

Einst ging hier durch fast undurchdringliche Wäl­der der Schritt des Elches, über öbe Sandsteppen wehte dürres Gras; und noch siedlungsfeindlicher erwiesen sich die ausgedehnten, trügerischen Moore bis der deutsche Bauer kam, vom Deutschen Orden gerufen, und mit ihm der deutsche Hand­werker, der deutsche Kaufmann. Der Pflug voll­endete, was das Schwert begonnen: die Koloni­sation des Ostens.

An dieser größten Tat des deutschen Volkes im Mittelalter haben alle deutschen Stämme mit- geholfen. Den Binnendeutschen berührt es bei ge­nauerem Studium des Landes immer wieder eigen­artig, wenn er auf Spuren heimischer Bauweise, heimischen Brauchtums, heimischen Volksglaubens oder auch heimischer Lautgebung stößt. Selbst bei flüchtiger Durchreise geben uns aus Jnnerdeutsch- lcmd bekannte Ortsnamen, wie Saalfeld, Osterode, Mohrungen, Gelegenheit, über die Herkunft der ostpreußischen Ansiedler nachzudenken. Bei gründ­licher Vertrautheit mit der Landesgeschichte ergibt sich, daß Angehörige derselben Herrschergeschlechter wie im deutschen Binnenraum als Mitglieder des Deutschen Ordens sich hier niedergelassen und dann Bauern und Handwerker aus ihrer enge­ren Heimat als Siedler, Städtegründer und Kul­turbringer in das Neuland gerufen haben. Mochten die verschiedenen deutschen Stämme in der eng gewordenen Heimat sich auch feindlich gegenüber­stehen: hier auf deutschem Grenzposten verschmolzen sie zu neuer Gemeinschaft, und hierauf beruht auch die innige Volksverbundenheit des Ost Preußentums mit dem ganzen deut­schen Volk.

Die glänzendsten Zeugnisse dieser großen Kultur­arbeit sind die Ordensburgen, die sich über das ganze Land von der Weichsel bis zum Pregel zerstreut an den militärisch und verkehrspolitisch wichtigsten Stellen erheben, allen voran die groß­artige Marienburg, die deutsche Burg schlecht­hin. Sie ist nicht nur Ritterburg, nicht nur Für­stenschloß, nicht nur Ordensniederlassung, sondern alles in einem ebenso wie der Deutsche Orden der die höchsten Ideale des deutschen Mittelalters in denen des christlichen Ritters vereinigt, nicht nur ritterliche, sondern auch klösterliche Gemeinschaft war und darüber hinaus Träger eines ansehnlichen, ganz modern verwalteten Staates.

Dreierlei macht auf den Binnendeutschen beim Besuch der Marienburg tiefsten Eindruck: die voll­endete künstlerische Schönheit, besonders der Jnnen- räume, die man mit Recht als die schönsten Pro­fanbauten der deutschen Gotik bezeichnet hat, ihre Wehrhaftigkeit und schließlich ihr räumlicher Um­fang. Dieser erklärt sich nur äußerlich aus den erwähnten vielseitigen Zwecken, der tiefere Grund ist unzweifelhaft darin zu suchen, daß die Burg, wie die anderen Ordensburgen, ihre Entstehung nicht dem partikularistischen Machttrieb und dem Ehrgeiz eines einzelnen Dynastengeschlechtes ver­dankt, sondern dem zukunftsgläubigen, auf wahr­haft große Ziele gerichteten Streben einer G e - meinschaft, deren Wehrhaftigkeit auf festen Gottesglauben begründet war, deren sittliche Kräfte aus der innigen Verbindung von Christentum und Deutschtum erwuchsen. * *

Aber nicht bloß die Romantik der Vergangenheit ist es, die in Ostpreußen den Binnendeutschen stark erfüllt, auch nicht die architektonische Schönheit der Städte, Burgen und Schlösser, oder die landschaft­liche, die in den Wanderdünen der Kurischen Neh­rung ihre höchste Steigerung findet, sondern das Schicksal der Gegenwart. Bei aller Freude, die eine Ostpreußenfahrt bereitet, stimmt es doch immer wieder sehr ernst, wenn der Ostpreuße an-

Staatskommiffar Hans Hinkel.

Scherl-Bildmaterndienst

Zum Geschäftsführer der Reichskulturkammer be­rief Reichspropagandaminister Dr. Goebbels den preußischen Staatskommissar Hans Hinkel. Als besonderer Auftrag wurde ihm die Bearbeitung der Verbandsangelegenheiten der in die Reichs­kulturkammer eingegüeöerten Einzelkammern über­tragen.

fängt, vondrüben im Reich" zu erzählen, oder den Fremden alsVolksgenossen aus dem Reich" zu begrüßen. Stehen wir denn nicht auch hier auf dem Boden des Reiches? Sind wir denn hier etwa im Ausland?

Nie bin ich das Gefühl losgeworden, auf einer Inselzu stehen. Eine Insel ist Ostpreußen gewor- den mit einer neunhundert Kilometer langen unge­schützten Grenze; was das bedeutet, wird erst bann klar, wenn man sich erinnert, baß bie beutsch-franzö- sische Grenze, bie boch ben um ihreSicherheit" be­sorgten Nachbarn im Westen so viel Sorge macht, etwa nur ein Drittel so lang ist. Bebenkt man biese Gefahrenlage ber völlig abgetrennten Provinz, so fallen biefer gegenüber all bie größeren unb klei­neren Note unb Mißhelligkeiten, bie bas Diktat von Versailles täglich mit seiner aller wirtschaftlichen und politischen Vernunft Hohn sprechenben Grenzziehung schaffte, nicht allzu stark ins Gewicht. (In Ostpreu­ßen werben nicht weniger als zwölf Eisenbahn­linien zerschnitten.) Viel furchtbarer ist ber sich im­

mer wieber aufbrängenbe Vergleich mit ben bichtbe- siebelten Gegenbenbrüben im Reich", besonbers in Mittel- unb Westbeutschlanb. Dort reiht sich Dorf an Dorf, bort stößt Acker an Acker, bort steht bie Inbustriearbeiterschaft in bidjtgebrängten Scharen; hier aber geht ber Blick ungehemmt über bie weiten Flächen unübersehbaren Weibe- unb Ackerlandes, aber auch ber flachen Seen unb Sümpfe. Hier sehen wir nur ba unb bort einen Gutshof, ein Vorwerk, vielleicht ein Dorf, oft kilometerweit keinen Men­schen, bort aber herrscht regstes, hastenbes Leben. Hier lautlose, fast unheimliche Stille, bort Volk ohne Raum, hier beinahe RaumohneVolkk

Erst wer Ostpreußen so erlebt hat, begreift bas Wort bes Führers, baß im Osten bie beutsche Zukunft liegt in seiner ganzen Tragweite. Denn mit biefer Erkenntnis öffnet sich vor uns ber Blick in ein wirtschafts-, sozial- unb volkspolitisches Ar- beitsfelb ungeheuren Ausmaßes, aber auch eine weltpolitische Zukunft, bie ein europäisches Gleichgewicht auf ben gerechten Ausgleich zwischen Volksboden unb Volkszahl grünbet unb banach ihre großen, f ri e blich en Entscheibungen trifft.

Ostpreußen kennenlernen unb erleben, heißt für jeden Deutschen die national- und weltpoli­tische Sendung des Deutschtums begrei­fen in ihrer ganzen Große, aber auch in ihrer ganzen Tragik.

Oer große Bär.

Von profeffor Or.M. Lindow

Wenn jemand gar nichts weiter von der Himmels- funbe weiß, e i n Sternbild kennt er gewiß: ben großen Bären, ber auch als Wagen bezeichnet wirb. Sieben Helle Sterne zeigen uns ein Gefährt mit gekrümmter Deichsel. Um ein Raubtier zu er­blicken, muß man eine Anzahl schwächerer Sterne heranziehen, bie gewöhnlich nicht beachtet werben.

Unser Sternbilb konnte um so weniger ber Auf­merksamkeit ber Sternsreunbe aller Völker entgehen, als es Abenb für Abenb langsam ben Himmelspol umkreist, währenb anbere nur zu bestimmten Jah­reszeiten sichtbar sinb. Reizvoll ist es, zu belauschen, wie mannigfaltige Vergleiche bie schöpferische Phan­tasie anstellt, um bie schöne Gruppe ber gewohnten Umgebung anzupassen, oft hübet ein Volk mehrere.

Die Aegypter glaubten ben Schenkel ober bas Vorberblatt eines Stiers zu sehen. Ober sie faßten bie einzelnen Sterne gefonbert ins Auge als bie sieben stierköpfigen Polbeherrscher. Die Jnber unb Araber bachten an ein Bett ober eine Tragbahre ober an bie sieben inbischen Weisen. Oft spielt die Verknüpfung mit biefer geheimnisumwitterten Zahl eine Rolle, in ben Nieberlanben spricht man von den sieben Märtyrern, in Turkestan dagegen von sieben Dieben. Bald ist der indische Kriegsgott Kar- tikija mit seinen sechs Ammen an den Himmel ver­setzt, bald ein Meisterdieb mit sechs Gesellen. Die Chinesen erblicken eine Wurfschaufel, aber, als sollte dieser reichlich platte Vergleich wieder gutgemacht werden, läßt ein chinesisches Relief die Gottheiten des großen Bären, von menschenähnlichen und tier- artigen Sternbildern gefolgt, in einer Sänfte an uns vorüberziehen. Schwer belastet wird unser Himmelswagen mit all dem, was die menschliche Vorstellungskraft ihm aufbürdet.; Götter, Menschen, Tiere, Sachen muß er tragen. Ein Topf ist er in Frankreich und Amerika, ein Hifthorn in Spanien, ein Schiff in Portugal, ein Pflug in Irland, der Unterkiefer eines Schweines oder ein vollbeladenes Boot bei den Bewohnern der malaifchen Inselwelt. Die Hindus erkennen einen Elefanten, die Azteken einen Skorpion, die Grönländer ein Renntier, die Berber ein Kamel, bie Römer sieben Dreschochsen.

Auch gute ober böse Geister hausen bort. 99 999 von ihnen umwanbern nach dem Glauben der Per­ser das Höllentor, um den Dämonen den Weg zur Menschenwelt zu versperren. Mancher Papyrus überliefert uns Zaubersprüche und Anrufungen. Thozopithe, Bärin, Göttin, gewaltigste, die du herrschest über ben Himmel, Königin des Poles,

allerhöchste Göttin ber Sterne, schönstrahlenbe Göt­tin, ... gesetzt zur Wächterin bes Himmles ..., baß sie mit starker Hanb ben Pol brehe, Thozopithe." Ist das Ehrfurcht ober Angst? Nicht immer kommt unser Gestirn gut weg. Nach ben alten Zauber­büchern haben bie bösen Dämonen gerabe ben Bären unb bas Siebengestirn zu ihrem Aufenthalt auserkoren. Da lag bie Versuchung nahe, mit ihrer Hilfe ein wenig zu zaubern.Nimm Fett von einem schwarzen Esel, einer farbigen Ziege, einem schwar­zen Stier, mischte bas mit äthiopischem Kümmel unb räuchere bamit gegen bas Sternbilb!" Ob Wagner, Dr. Fausts Famulus, biese Vorschrift angeroanbt hat? Wenn schon, bann muß er etwas babei ver­patzt haben, benn ihm erschien Ababvn, ber Fürst bes großen Bären mit seinen Geistern. Dolle brei Tage umtanzte ihn, in Flammen gehüllt, bas tolle Teufelspack unb spielte ihm jeden Schabernack, den man sich ausdenken kann, wenn man ein recht­schaffener Teufel ist.

Doch genug von dem tollen Zauberspuk! Unsere Dichter mögen uns besser beraten! Wie Felsqua­dern muten uns die Worte des Buches Hiob an: Kanst du den Morgenstern hervorbringen zu sei­ner Zeit? Oder den Bären am Himmel samt seinen Jungen herausführen?" Im fünften Gesang der Odyssee entquellen der Harfe des blinden Sän­gers die Verse

... Der göttliche Dulder hißte das Segel und saß voll Hoffnung fröhlich am Steuer. Auch in der Nacht sank niemals Schlaf ihm über die Lider, wenn er das Siebengestirn und den funkelnden Stern Arktur sah, der erst morgens erlischt, und die Bärin ober ben Wagen.

Ihn, ber immer ben Pol umkreist, ber vor dem Orion flüchtet, ber einzige Stern, ber nicht in ben Ozean eintaucht."

Ein weiter Sprung über Jahrhunberte hinweg führt uns zu Gottfried Keller, der die Sterne liebte und kannte, wie selten ein Dichter. Sein fei­nes Ohr vernahm die Harmonie der Sphären, seine große Kunst ließ uns allen das aufklingen, was er vernahm. Sein letztes Gedicht ist fein Vermächtnis: Heerwagen, mächtig Sternbilb ber Germanen, das du fährst mit stetig stillem Zuge über den Himmel vor meinen Augen deine herrliche Bahn, von Osten aufgestiegen alle Nacht! O fahre hin und kehre täg- lich wieder ... Und bin ich müde, o so nimm die Seele, die so leicht an Wert, doch auch an üblem Willen, nimm sie auf unb laß sie mit dir reifen,

schulblos wie ein Kinb, bas beine Strahlenbeichsel nicht beschwert ... Ich spähe weit, wohin wir fahren."

Neues von Menzel.

Aus Briefen an einen Freund

Abolph von Menzel war nicht nur ein Mei­ster ber Schilberungskunst mit Pinsel unb Bleistift, sonbern auch als Briefschreiber bewährte er seine scharfe Beobachtungskunst, unb seine Schreiben ge­hören zu ben geistvollsten, bie wir von bilbenben Künstlern besitzen. Daher bebeuten bie neuen Briefe Menzels an seinen Jugenbfreunb, ben Weimarer Gelehrten Abolf Schöll, ber bort bie Kunstsamm­lungen unb später auch bie Bibliothek leitete, eine wahre Bereicherung; sie sinb jetzt von Professor Werner Deetjen im Jahrbuch ber Preußischen Kunstsammlungen veröffentlicht worben. Schöll war bem Künstler ein stets hilfreicher Freunb unb Be­rater. Menzel vergaß ihm nie, baß er sofort für seine Zeichnungen zuKuglers Friebrich-Buch ein­getreten war, als sie von verschiebener Seite heftige Ablehnung erfuhren.Du, damals just von Grie­chenland zurückgekehrt und freilich welcher Eindrücke voll, fandest mich gerade mitten im Krimskrams des Friedrich-Buchs , schrieb er ihm einmal,und warst doch mit der Erste, ber mir in einem Brief, ben ich wie alle von bir verwahre, Beifall zurief."

Menzel berichtete ihm am 8. Januar 1853 über bie Einbrücke, bie er von einer Reife bes Vorjahrs mit heimgebracht hatte:Was alte Kunst sagen will, habe ich jetzt erst recht wieber in ber Pinakothek, Glyptothek unb in ber Galerie Belvebere in ben Nieren gefühlt. Jeboch nicht geflennt. Die absoluten Naturfähig­keiten vorausgesetzt, so führen ein reines Wollen, ein konzentrierter Sinn unb Esels-Ausbauer heute auch noch vorwärts. Die Kunst soll nur nicht als ein ewig auf bemselben Stamme zeitweise Vegetie- renbes unb Wachsenbes angesehen werden; bas führt eben zu unsinnigen Parallelen. Der immer anbern Pflanze aus Samen unb Fäulnis ber vori­gen ist benn auch kein Ent- unb Verwickelungs­zustand zu ersparen." Weiter berichtet er, daß' er mit Erbitterung" an seinem Hochkirch-Bilde schaffe. Die Abende teilen sich zwischen Arbeiten für die Illustrationen meines großen Werkes über die Armee Friedrichs des Großen und Französischlernen mit meiner Schwester zusammen."

Mährend der Reise 1852 hatte Menzel ein selt­sames Mißgeschick, von dem der Zinngießer Geis Scholl Mitteilung machte: Am Starnberger See wollte das kleine Genie in ein Boot steigen und fiel babei ins Wasser, zwar wurde er sofort gerettet,

aber er hatte sich am Arm verletzt.Ein Arzt war zur Hand; man zog ihm den Rock aus. Als Menzel nun seinen entblößten Arm sah, rief er aus:Mein Gott, wie verzeichnet!" Der Arm war nämlich aus» gerenkt unb hatte eine falsche Stellung. Der Arzt renkte ihn schnell wieber ein, bie richtige Zeichnung war hergestellt, unb bie Sache hatte für Menzel keine anberen Folgen, als baß seine geniale Aeuße- rung einen hübschen Beitrag zu seiner Charakteristik liefern wirb."

In meinen Affären habe ich mich einmal wieber im Großen engagiert mit einer Ausgabe wenn's Gott gibt, baß ich sie leiste: nämlich bes Fritzen Rebe an seine Leute vor bem va banque von Leuthen," melbete er bem Freunbö am 1. Juli 1859. Es gilt hier, einen moralischen Einbruck zu malen." Bekanntlich gelang bas Menzel nicht: sein granbioses Leuthen-Bild blieb unvollenbet. Nach einer Reise insJobel-Gebirge" im Sommer 1859 sprach sich ber Meister über biese Fahrten aus, bie für seine Kunst so bebeutfam würben:Mein bißchen spätes Reisen; ist's auch stets noch nur mehr ein Hier- unb Dorthinriechen, mehr Schwalbenflug als Kunst- roanberung gewesen; unbeschabet ber gepriesenen Innigkeit unb Wonne bes Jugenbeinbrucks, so glaube ich boch, ber, an ben bas alles erst später kommt, was freilich bie meisten schon als bumme Jungen erleben, ber genießt aber, auch intensiver. Im übrigen", so fährt er fort,wie's einmal wieber in ber Welt geht unb steht genau besehen auch nur bas, was man nachgerabe selbst erlebt, so gab's für ben, ber nicht, wie ich schon seit langem, ein kinbliches Vertrauen hegt in bes großen Gottes Ver­achtung ber Leute hier unten, immer was zu ban­gen; nur bie Himmelsgegenb, nach ber geschnobert wirb, ist immerne anbere. Wie gesagt, ber liebe Gott treibt noch immer praktische Politik auf eigene Hanb."

Als ihm Schöll 1879 seine Jugenbgebichte zu­schickte, ba flieg Menzel bie Erinnerung ans Ver­gangene lebenbig auf:Lieber, ich könnte bich be­neiden um deine harmlose Rückschaufähigkeit! Mein alterndes Gedächtnis, wie bei jedem für je weiter Zurückliegendes so viel schärfer als für Nächstver- gangenes, macht mir alle die tausend Momente und Situationen jener selten garstigen Zeit so gegen­wärtig wie nochmal durchlebt; wo man so als ein Lebens-Rekrut (der beiläufig lange brauchte, bis er an die gemeinen Gesinnungen der Leute glauben lernte und sich entwöhnte, als Scherz aufzunehmen, was schon bloß die helle Bösartigkeit war) oft gerade wo es galt, zerstreut war oder ratlos linkisch sich herum- und durchschlagen mußte. Und gar was man so gemacht hat, bis nahe genug auf jetzt zu» konnte ich dreiviertel ungeschehen machen!"