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ltr.83 Erstes Natt

185. Jahrgang

Montag, 8. April 1935

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Deutsches Rldungsideal.

Von Dr. Paul Harms.

Wilhelm von Humboldt, dessen 100. Geburtstag wir am 8. April begehen, war der füh­rende Vertreter jenes Bildungs-Ideals, das wir als humanistisch bezeichnen. Richtiger als neuhumani­stisch, denn der Humanismus hat zweimal eine füh­rende Rolle in unserer Geistesbildung gehabt: einmal zur Zeit der Reformation, zum anderen Male um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.

Um zu verstehen, was der Humanismus für uns bedeutet hat, muß man sich erinnern, daß im frühen Mittelalter die führende Geistesbildung zugleich geistlich-kirchliche Bildung war. Erft im Hochmittelalter, unter der glanzvollen Herrschaft der Hohenstaufen, entfaltete im Ritter st and die Laienbildung eine kurze, aber strahlende Blüte. Die deutsche Dichtung jener Zeit ging eigene Wege neben der Kirche, zum Teil auch gegen die Kirche. Mit dem Niedergang des Kaisertums der Staufer aber verlor der Ritterstand seitte staatliche Lebensgrundlage, und die ritterliche Laienbildung verfiel, soweit sie nicht vom Bürgertum der aufstrebenden Städte übernommen wurde.

Hier, in den Städten, stieg mit zunehmender Volkszahl und zunehmendem Wohlstand auch das Bildungsbedürfnis der Laien. Das war nicht nur in Deutschland so, das entwickelte sich erst recht in Italien. Und dieses Bildungsbedürfnis suchte den Weg zu den Quellen, aus denen auch die formale Bildung der Kirche stammte: zu den alten Römern und Griechen. So war der Huma­nismus im Kern seines Wesens Abkehr von der geistig-geistlichen Vormundschaft der Kirche, und diese seine Wesensart machte ihn zu einem starken Helfer der Reformation. Die Bewegung der Geister» die um die beiden Pole Reformation und Gegenreformation kreiste, war aus dem besten Wege, eine neue Hochblüte deutscher Laienbildung zu treiben als der Versuch einer Lösung des Geistesringens mit Waffengewalt, der sich zum 30jährigen Krieg auswuchs, alle Ansätze dazu vor der Zeit knickte.

Nur langsam arbeitete sich das deutsche Geistes­leben aus der Verwüstung des Dreißigjährigen Krieges wieder empor. Erst geriet es, wie ganz Europa, unter französische Vormund­schaft. Als sich dann, an der Machtpolitik des gro­ßen Friedrich, das deutsche Selbstbewußtsein wie­der aufzurichten begann, ward unter Lessings Führung das französische Vorbild abgesehnt. In die­sem Kampfe gegen die romanische Bevormundung drängte die deutsche Bildung abermals zu den Quellen, zu den alten Römern und Grie­chen zurück. So entstand in der führenden Bil­dungsschicht die Geistesverfassung des N e u - Humanismus, die eine Erneuerung der deut­schen Kultur auf antiker Grundlage ersttebte. Nicht Nachahmung war das Ziel, sondern N e u s ch ö p - fung aus dem Geiste der Antike her­aus. Was auf dieser artfremden Grundlage an arteigner Höchstleistung hervorgebracht werden konnte, hat Goethe gezeigt.

Von goethischem Klassizismus war Wilhelm v. Humboldt erfüllt. Als eine Pflegestätte des neuhumanistischen Bildungsideals hatte recht eigent­lich er in schwerster Zeit d i e U n i v e r s i t ä t B e r- l i n gegründet. Und wenn bis weit über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus das humanistische Bil­dungsziel vorherrschend geblieben ist in Deutschland, so hat darin der Einfluß Wilhelms v. Humboldt über seinen Tod hinaus nachgewirkt. Goethe frei­lich, in dem der Neuhumanismus seinen Herrn und Meister verehrte, war so einseitig nicht, wie seine gläubigen Verehrer ihn sehen. Der Klassizismus war nur eine Seite seines Wesens, ihr hielt die auf Erforschung der Natur gerichtete Seite das Gegengewicht. Je älter er wurde, desto stärker wur­den seine naturwissenschaftlichen Interessen. Er rang mit den maßgeblichen Anschauungen vom Licht und der Farbe, er klopfte auf seinen Reisen durch Thüringen und den Harz unermüdlich am Gestein, er befaßte sich praktisch mit'dem Bergbau, er ar­beitete am Ausbau der biologischen Entwicklungs­lehre mit. Für diese Seite des umfassenden Geistes- sttebens seines Herrn und Meisters aber hatte der Neuhumanismus kaum einen Blick.

Und doch hatte Wilhelm von Humboldt einen, nur zwei Jahre jüngeren Bruder Alexan­der, der dieser andern Seite wesensverwandt war. Der ward dem deutschen Geistesleben ein Füh­rer hinaus aus der Enge der Bücher- und Ge­lehrtenstuben und hinein in die Weite der Welt, in den Geist einer neuen Zeit. Im 18. und noch weit bis ins 19. Jahrhundert hinein reiste der gebildete Deutsche, der es sich leisten konnte und etwas Besonderes für seine Bildung tun wollte, nach Italien. Nach Italien war Goethes Vater gereift. Nach Italien war Goethe gereist. Nach Italien war auch Goethes Sohn gereist. Als preu­ßischer Gesandter in Rom hatte Wilhelm von Hum­boldt dort seine glücklichsten Jahre verlebt. Sein Bruder Alexander aber reiste nicht nach Italien, sondern nach Südamerika. Fünf Jahre hat er auf die Erforschung von Gegenden verwandt, die anoere, auch sehrgebildete" Leute vermutlich nicht einmal dem Namen nach kannten. Und dieser Son­derling, der so ganz andere Wege ging als seine Standesgenossen, bewegte sich gleichwohl immer auf den Höhen der Gesellschaft, in Paris sowohl wie in Berlin. Dadurch hat er die Naturwissenschaft sozu­sagen hoffähig gemacht, er hat ihr eine Gasse ge­brochen in den höchsten Gefilden deutscher Bildung, die bis dahin einseitig vom Neuhumanismus be­herrscht waren. Was in Goethes einmaliger Er­scheinung seine Synthese gefunden hatte, das spal­tete sich bei den Gebrüdern Humboldt in zwei Persönlichkeiten aus» die dann gewissermaßen rich­tunggebend wurden für die beiden Sttömungen, die

Oer Wahlsieg des Nationalsozialismus in Danzig.

Danzigs überwältigendes Bekenntnis zum Deutschtum und zum Führer.

Das vorläufige Gesamtergebnis.

Danzig. 8. April. (DRV.) Die Danziger Volks­tagswahlen hallen folgendes Gesamtergebnis:

Gesamtergebnis im Kreise Danziger Werder.

7.4.35

28.5.33

NSDAP.

139 200

(109 029)

Sozialdemokraten

37 530

(37 882)

Kommunisten

6 880

(14 566)

Zentrum

30 059

(31 336)

Liste Weise (Nationale Front)

9 760

(13 596)

Liste pietsch

750

H

Polen

8100

(6 743)

7. 4. 35

28. 5. 33

Nationalsozialisten

21 016

(15 194)

Sozialdemokraten

1635

(3 303)

Zentrum

2 022

(2 783)

Kommunisten

711

(1 502)

Liste Weise

413

(582)

Liste Pietsch

57

(-)

Polen

271

(171)

Nach dieser Aufftellung hat die NSDAP, also 80,5 v. H. der abgegebenen Stimmen erhalten.

Gesamtergebnis des Wahlkreises Danziger Niederung.

7. 4.35 28.5. 33

NSDAP.

12 918

(11 277)

Sozialdemokraten

1561

(2 899)

Zentrum

384

(787)

Kommunisten

475

(1 500)

Liste Weise

421

(752)

Liste Pietsch

39

(-)

Polen

28

(69)

Danach hat d i e N S D A P. in diesem Landwahl- krois 81,62 v. H. der abgegebenen Stim­men erhalten.

Wahltag Feiertag.

Festlicher Verlauf des Wahlsonntags in Danzig.

Danzig, 7. April (DNB.) Nach einer Woche jubelnder Hochstimmung, die mit der gestrigen Kund­gebung von Minister Dr. Goebbels ihren Höhe­punkt erhalten hatte, brach heute früh bei klarem, kühlem Wetter der Wahlsonntag für Danzig an. Punkt 9 Uhr setzte in den 188 Wahllokalen in der Stadt Danzig sowie in Zoppot und in den drei Landkreisen Höhe, Niederung und Werder die Wahl mit voller Stärke ein. Bereits kurz nach 9 Uhr standen in den meisten Wahllokalen die Danziger Wähler und die Auslandsdanziger Wähler i n langen Schlangen an, um ihrer Wahlpflicht zu genügen. Dieser Andrang hielt den ganzen Vor­mittag und auch mittags über unvermindert an, so daß in den meisten Wahllokalen um 14 Uhr bereits 60 bis 70 v. H. der Wähler ihre Stimme abgegeben hatten. Gegen 15 Uhr flaute der starke Andrang etwas ab. Trotz­dem blieb das Wahlgeschäft noch immer lebhaft, so daß nach den bisherigen Aussichten mit einer außerordentlich hohen Wahlbeteili­gung zu rechnen fein dürfte. Das Wahlgeheimnis wurde überall mit geradezu peinlicher Genauigkeit überwacht. In allen Wahllokalen waren Vertreter auch der übrigen Parteien anwesend und konnten sich davon überzeugen, daß jeder seinen Wahlzettel in vollkommener Abgeschlossenheit ankreuzte und das Wahlgeheimnis in jeder Beziehung gewahrt war.

In Danzig selbst, dessen girlandenumkränzte Häuser im Schmuck unzähliger Hakenkreuzfahnen prangen, herrschte vom frühen Morgen an ein frohes, festliches Treiben. Zahllose U m - z ü g e nationalsozialistischer Formationen, sowie Sprechchöre und Fanfarenchöre belebten das Straßenbild. Zu irgendwelchen Zwischenfällen ist es nirgends gekommen. Im übrigen hat der Dan­ziger Polizeipräsident, um etwaigen unliebsamen Vorfällen von vornherein vorzubeugen, auch für die Zeit bis nach der Wahl noch ein Alkoholausschank­verbot erlassen.

Um 12 Uhr fand auf dem Heumarkt eine öffent­liche Begrüßungskundgebung für die aus dem Reich eingetroff?sten, etwa 6000 Danziger statt, die mit ihren roten Abzeichen in Form des Danziger Wappens überall im Straßenbild anzu­treffen sind. Die stärkste Gruppe hat Hamburg gestellt, die mit einem eigenen Banner aufmar­schierte. lieber 2000 Danziger sind aus Berlin und Stettin gekommen. Sehr stark sind O st - preußen und Schlesien, aber auch alle übrigen Teile des Reiches sind vertreten. Mehrere hundert Danziger sind aus dem Ausland gekommen.

Nach Musikstücken des Musikzuges der SS.-Stan- darte 36 begrüßte der Danziger Senator für Pro­

paganda und Volksaufklärung B a tz e r die Aus­landsdanziger mit herzlichen Worten namens der Regierung und der Bevölkerung Danzigs. Die Aus- lanosdanziger feien aus Pflichtgefühl ihrer alten Danziger Heimat gegenüber nach Danzig gekom­men. Schon im Mai 1933 waren sie gekommen, leider vergeblich, denn die damaligen Systempar­teien verweigerten den Auslandsdanzigern damals die Wahlberechtigung. Wir Nationalsozialisten ver­stehen unter Volksgemeinschaft nicht die zufällig in diesen Danziger Grenzen lebenden Menschen, son­dern verstehen sie so, daß alle, die gleiches Blut, gleiche Sprache, gleiche Kultur und den gleichen Willen haben, zu uns gehören, ob sie in Danzig ober in Deutschland ober sonstwo in der Welt wohnen. Es gehe barum, bis Einheit bes deutschen Willens nicht nur in Danzig, sondern der ganzen Welt gegenüber zu beweisen.

Die Wahlhandlung ist um 18 Uhr geschlos- s e n worden. Zwischenfälle haben sich nicht er­eignet. Die ersten aus dem Landgebiet vorliegenden Einzelergebnisse ließen bereits erkennen, baß bis NSDAP, auf bem flachen Lanbe einen Erfolg er­zielt hat, ber selbst ben überwältigenben Wahlsieg bei den Kreistagswahlen im November vorigen Jahres noch übertrifft.

Erstes Echo im Reich.

Berliner Blätterstimmen zum Danziger Wahlergebnis.

Berlin, 8. April. (DNB.) Zum Danziger Wahlergebnis schreibt derVölkische Beobach­ter" u. a.: Danzig hat gewählt. Die Danziger Regierung rief die Bevölkerung der Freien Stadt zur Wahl auf, nachdem sich immer deutlicher ge­zeigt hatte, daß die Zusammensetzung des im Jahre 1933 gewählten Volkstages offensichtlich nicht mehr den neuen Verhältnissen ent­sprach, nachdem es sich besonders auch gezeigt hatte, daß die Parteien des Zentrums, der Sozial­demokratie und der Deutschnationalen keinerlei sach­liche Arbeit zu leisten gewillt waren, sondern ihre Aufgabe nur darin sahen, in Befchwerde- schritten beim Völkerbund und böswilli­gen Denunziationen jede Aufbaumaßnahme der nationalsozialistischen Regierungspartei zu durch­kreuzen. Man kennt die schwierigen Verhältnisse in Danzig. Man hat es besonders auch wieder in den Wochen dieses Wahlkampfes erlebt, wie hier auf einen kleinen Punkt sich die Hetze und die Wühlarbeit der dem nationalsozialistischen Deutschland feindlich gesinnten volksoerräte­rischen Parteien konzentrierte, um den Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, durch eigenen Augenschein das neue Deutschland kennen­zulernen, ein möglichst verzerrtes und verlogenes Bild von der Lage im Reiche zu geben.

Noch am Abend vor der Wahl brachte es der ehemalige Präsident Dr. R a u s ch n i n g fertig, in der marxistischen Presse einen offenen Brief an die nationalsozialistische Regierung zu richten, der e i n e Fülle von Lügen enthielt und in mehr als einen Punkt offener Landesverrat war. Die nationalsozialistischen Behörden andererseits hatten, um für die Freie Stadt alle Komplikationen zu vermeiden, die sich aus ihrer Stellung unter der Aufsicht des Völkerbundes ergeben könnten, jede mögliche Maßnahme ergriffen, um die freie Meinungsäußerung und die freie Wahl zu sichern. Sie hatten selbst in der Erkenntnis ber möglichen Folgen einer Person, wie biesem Dr. Rauschning, die Sicherheit seiner Existenz garan­

tiert, die er dann dazu mißbrauchte, Landesverrat zu betreiben. Wie klar er sich selbst über die Nie­drigkeit seiner Handlungsweise war, geht daraus hervor, daß er noch in der Wahlnacht bas Weite suchte unb ins Auslanb ging.

Trotz allem würben die gegnerischen Par­teien schwer geschlagen. Sie hatten sicher geglaubt, auf einem für ihre Wühlereien anschei­nend so günstigen Boden, wie ihn eine Hafenstadt darstellt, eine beträchtliche Gegnerschaft gegen ben Nationalsozialismus mobilisieren zu können. Sie hatten dabei ben Vorteil, ohne Verantwortung die unter den schwierigsten Verhältnissen geleistete Auf­bauarbeit der NSDAP, kritisieren zu können und dabei noch zu wissen, daß eine internatio­nale Genfer Institution stets lieber bereit fein wird, ihre Denunziationen zu un­terstützen als eine nationalsozialistische Behörde. Die Bevölkerung Danzigs hat sich in ihrem starken gesunden Kern nicht erschüttern lassen durch den Ansturm einer gesammelten Opposition, die in ihrer Wahlkampftaktik vor keiner Lüge und keinem Ma­növer zurückschreckte. Sie hat im Gegenteil m i t einer noch größeren Mehrheit als im Jahre 1933 ihre Stimme dem National­sozialismus gegeben. Und es ist lediglich auf eine bedenkenlose Agitation zurückzuführen, daß anderseits etwa die Sozialdemokratie noch einen Rest Anhängerschaft um sich sammeln konnte. Denn gerade hier, in der Freien Stadt Danzig, die durch die Auswirkungen des sinnlosen Statuts und wirt­schaftlicher Bestimmungen, die sie von ihrem natür­lichen Wirtschaftsgebiet abfchnüren, mit schwerster wirtschaftlicher Not zu kämpfen hat, ist der Bo­den günstig für jede gewissenlose Demagogie. Daß dieser marxistische Rest aber nichts mit der wirklichen Volksabstim- mung zu tun hat, zeigen gerade die Ergebnisse aus den Landkreisen des Danziger Staates, wo die NSDAP, sogar bis zu 80 und mehr Prozent der Stimmen errungen hat.

Der9)1 ontag" führt aus: Das Zentrum oer^

im deutschen Bildungswesen des 19. Jahrhunderts miteinander rangen. Die eine suchte alles Heil im Festhalten am klassischen Bildungsideal: von der Bildung der Griechen und Römer müßte immer wieder ausgehen, was als deutsche Bildung einmal Anspruch auf höchsten Wert und höchste Leistungs­fähigkeit erheben wollte. Die andere Strömung wollte, dem Zuge einer vom technischen Fortschritt getragenen Zett folgend, übernationale Naturwissen­schaft in den Mittelpunkt deutscher Bildung rücken. Das Ergebnis war, noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, eine Zersplitterung der Bildungsziele, die niederschmetternd wirkte.

Diese Zersplitterung ist auch heute noch keines­wegs überwunden. Wohl aber ist der Weg unver­rückbar festgelegt, auf dem sie überwunden werden wird. Ein Staat, der nichts anderes fein will als die einer Volksgemeinschaft gemäße Lebens­form, kann fein Bildungsideal unmöglich mehr suchen in einer fremden Kultur vergangener Zeiten. Er kann es ebensowenig suchen in einer Wissen­schaft, die ihre Grundlagen in der allgemeinen Natur der Dinge, jenseits jeder staatsvölkischen Organisation der Kultuvgemeinschaft, hat. Er wird es suchen müssen in der Eigenart seines Volkes und in den Erlebnissen, die dieses Volk mit dem Lebensraum verbinden, der ihm zugewiesen ist. Das will sagen: Deutsch­tum und deutsche Geschichte müssen die Formel­elemente abgeben, woraus das deutsche Bildungs­ideal der Zukunft gestaltet wird. Das will aber nicht sagen, daß die Humboldts und die ihren Spuren Folgenden, für dieses Bildungsideal nicht gelebt hätten.

Was der Humanismus dem Deutschtum an le­bendigen Bildungswerten zuzuführen hatte, das haben Meister der Wortkunst und der btibenben

Kunst, das haben Klopstock, Lessing, Goethe, Höl­derlin, Schinkel, Rauch, Feuerbach, Böcklin und wie sie alle heißen, ihm schöpferisch einverleibt. Das ist aus der deutschen Geistesbildung so wenig mehr wegzudenken wie die deutsche Naturwissenschaft und ihr Kind, die deutsche Technik. Nur dem deutschen Bildungsideal die Prägung geben, das kann in Zukunft weder einseitig derHuManis- mus noch einseitig b i e Naturwissen­schaft. Das Bildungsmaterial muß geprägt wer­den von deutscher Art und deutscher Geschichte, die die Art mit bem ihr eigenen Lebensraum verbin­det. Nicht Pflege und Vertiefung eines Gegensatzes, der die Bildungswelt des 19. Jahrhunderts beherrscht hat, kann das Ziel des 20. Jahrhunderts sein, sondern Ueberwindung dieses Gegensatzes durch neue, aus dem staatsvölkischen Erleben des Jahrhunderts geborene Zielsetzung.

Ludendorffs 70. Geburtstag.

Der Führer ordnet für morgen Beflaggung aller Staatsgebäude an.

Berlin, 8. April (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat folgenden Befehl erlassen:

Morgen am 9. April feiert General Lützendorfs seinen 70. Geburtstag. Mit den Gefühlen tiefer Dankbarkeit erinnert sich das deutsche Volk aus die­sem Anlaß der unvergänglichen Leistungen seines größten Feldherrn im Weltkriege. Unter dem Ein­druck dieser Empfindung nationaler Dankesschuld befehle ich daher für den 9. April die Beflaggung aller Staatsgebüude. (gezI Adolf Hitler?

Wie das Reichslustfahrtmmisterium aussehen wird.

Berlin, 6. April. (DNB.) Zwischen ber Leip­ziger unb ber Prinz-Albrecht-Straße in Berlin ent­steht bas Gebäube bes Reichsluftfahrtministeriums. Das Berliner Regierungsviertel wirb baburch eine bebeutenbe Erweiterung erfahren. Bereits am 15. April soll mit ber Niederlegung ber Häu - s e r begonnen werben, um Platz für ben neuen repräsentativen Staatsbau zu schaffen. Wie bieses große Reichsgebäube gestaltet fein wird, schildert berAngriff". Danach wird bas zukünftige Mini­sterium im Anschluß an das ehemalige Herrenhaus in der Leipziger Straße bis zur Wilhelm- st r a ß e reichen, unter Einschluß des früheren Preußischen Kriegsministeriums, bas erhalten bleibt unb im Innern ben neuen Anforde­rungen entsprechend umgebaut wird. An ber Ecke Wilhelm- unb Leipziger Straße werden dis Haupteingänge liegen. Um den Verkehr in ber Leipziger Straße nicht zu behinbern, wirb durch eine zurückspringende Front ein großer Platz freigeyalten. Die Front läuft in ber Wilhelmstraße weiter. In ber Mitte ber Wilhelmstraße wirb bis E h r e n h a 11 e" in die Front eingebaut, an der in besonderem Maße der Führer selbst mit- gewirkt hat. Hinter dem Ehrenhof liegt ein großer Saalbau mit einem Hauptsaal, der durch drei Geschosse geht, unb mehreren Nebensälen. Die Arbeiten werben gegenwärtig i n brei Schichten von je 1000 Mann burch- geführt, um schon zum 1. Oktober bieses Jahres die Hälfte des gesamten Bauwerkes dem Ministe­rium zur Verfügung stellen zu können. Der Bau soll artt L April 1936 vollendet fein.