Nr.57 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)8reitag,8.Mrz(M
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„Der Sommer ernährt, Der Winter verzehrt!",
„Man muß im Sommer sammeln, Was man im Winter haben will!",
„Vor Johannis bitt' um Regen, Nachher kommt er ungelegen!"
„Schön zu Sankt Paul (30. Juni), Füllt Taschen und Maul!".
vier Tage vor und die vier Tage nach
Uüberall in Deutschland finden jetzt große Kundgebungen der deutschen Jugend für den Reichsberufs- Wettkampf statt. Unser Bild zeigt den eindrucksvollen Jugend-Appell vor dem Deutschen Schauspielhaus auf dem Gendarmenmarkt in Berlin.
„Ist der April schön und rein, Wird der Mai wilder sein." es denn überhaupt heißt:
„Lenz kühl und naß, Füllt Scheuer und Faß".
Wenn sie zum Himmer fährt, Gewiß sie guten Wein beschert." „Laurentius (10.) heiter und gut, Einen schönen Herbst verheißen tut",
„Wie Bortholomätag sich hält (24.), So ist der ganze Herbst bestellt."
„Nasser April und trockener Mai, Verheißen viel Früchte, Most, Obst und Heu.' „Kalter April
Bringt Brot und Wein viel!",
„Schnee im April darf nicht lang währen, Soll er die Knospen nicht verzehren."
Wetter-Prophetie
im Frühling und Sommer.
Dem Kalender nach beginnt nun bald das Frühjahr. Aber, wie ein russisches Sprichwort sehr richtig sagt: „An Kalenderwärme kannst du dich nicht erwärmen" und weiterhin: „Es gibt keinen Lieferanten, der den Frühling zum Termin fertig- stellen könnte". Recht winterlich kann's noch sein im März und: „Märzenschnee — tut dem Bauern weh." Und weiter heißt's:
' „Ein feuchter, fauler März Ist des Bauern Schmerz."
Dagegen:
melfahrt, denn:
„Wie das Wetter am Himmelfahrtstag,
So der ganze Herbst werden mag." Auch der Jakobitag ist ein sogenannter „Lostag", von dem es heißt:
„Jakobi klar und rein,
Wird's Christfest frostig sein."
Dom Pfingstwetter heißt's:
„Wenn's an Pfingsten regnet.
Wird keine Frucht gesegnet", anderseits aber auch: „Psingstregen — reicher Wein- egenl"
Von den Sommermonaten sagt die hier ziemlich banale Weisheit des Volkes:
Füllt 'n Buern Böen, Keller un Fatt!". Dagegen: „Trockener Mai, dürres Jahr!" — wärmer der Mai, desto kälter und nässer der Ium." Acht haben muß man auch auf das Wetter zu Him-
„Jst Siebenbrüder ein Regentag, So regnet es sieben Wochen danach."
Beliebt dagegen ist der Regen am St.-Annenta- (26.):
„Bringt die heilige Anna Regen, So wird er zum Himmelssegen."
Der August ist halb noch zum Sommer, halb schon zum Herbst zu rechnen; er vollendet, was bte vorhergehenden Monate vorbereitet haben, er ist der Erntemonat. Das herrschende Wetter ist wichtig fut die folgenden Monate, denn: „Im August blüht der Schnee für den nächsten Winter". Nordwinds im August bringen beständiges Wetter. „Nasser August macht teure Kost", aber:
„Der Tau ist dem August so not, Wie jedermann sein täglich Brot." Wichtig ist der Tag von Mariä Himmelfahrt:
„Hat unsere Frau gut Wetter,
An Ostern soll's schön sein, denn „Regen am heiligen Ostertag, bringt alle Sonntage einen Regen bis nach Pfingsten" und „Osterregen bringt magere Kost; Ostersonne fette und reichliche".
Dom M a i wissen die Wetterregeln mancherlei zu künden, was dem Städter, der ihn sich so recht als „Wonnemonat" wünscht, nicht recht behagen mag. So z. B.:
„Mairegen auf die Saaten, Dann regnet es Dukaten!" oder
„Väl Gewidder in'n Mai, Singt de Bur: Juchhei!", anderwärts:
Sonnenwende zeigen die Witterung an, die bis nach Michaelis herrschen wird.
„Juli ist des Sommers Gipfel" sagt der Russe, und ein deutscher Spruch bemerkt sehr geistreich:
„Sobald der Juni abgetan,
Fängt allsogleich der Juli an."
Heiß muß es sein, denn:
„Nur in der Juliglut
Wird Obst und Wein dir gut", t
dagegen: „Juliregen — nimmt Erntesegen", und wenn's in diesem Monat erst einmal anfängt zu regnen, so hört's sobald nicht wieder auf:
„Wenn Juli fängt mit Tröpfeln an.
Wird man lange Regen Han."
Im besonderen ist im Juli der Marientag verhängnisvoll:
„Mariä Heimsuchung mit Regen,
Tut sich vierzig Tag nicht legen", I oder:
„Trockener Mai - Feuchter Mai — k und
Mai kolt un natt,
Ferner:
„Wenn der April Spektakel macht, Gibt's Heu und Korn in voller Pracht!
Diese Beispiele ließen sich ins Unendliche vermeh- ren. Sie kehren — für alle Monate des Jahres —- in allen Sprachen und bei allen Völkern wieder und decken sich häufig nicht nur inhaltlich, sondern sogar im Wortlaut fast völlig. Nicht ganz selten stehen aber auch, wie aus manchen der vorstehenden Proben erhellt, Wetterregeln nebeneinander, dis ganz Gegensätzliches behaupten: dann hat der Wissensdurstige freilich die Qual der Wahl.
Das Ergebnis der Edelweiß- Sammlung in Stadt und Kreis Gießen Die Edelweiß-Sammlung in Stadt und Kreis Gießen erbrachte einen Betrag von insgesamt 5745,31 Mark. In der Stadt Gießen wurden davon 3572,90 Mark aufgebracht.
Der VOA.
im Nahmen des Winterhilfswerkes.
Am 9. TNarz verkauf von Sinnbildern der großen Volksgemeinschaft.
Die wirtschaftliche Not der Deutschen außerhalb der Grenzen des Reiches ist noch viel schwerer als bei uns, weil dort kein großzügiges Hilfswerk besteht, das dem reichsdeutschen gleichgesetzt werden könnte. Freilich haben die einzelnen Gebiete — angeregt durch das Vorbild des großen deutschen Winterhilfswerkes — auch für sich gesammelt, und hier sei namentlich des Deutschtums in Polen und seiner Winterhilfe, der Sudetendeutschen Volkshilfe in der Tschechoslowakei und des eigenen Winterhilfswerks im Banat gedacht. Auch in diesen Hilfswerken spricht sich das starke Gefühl der Schicksals- gemeinschast und der opferwilligen Verbundenheit aus. Die volksdeutsche Einigkeitsidee steht leuchtend über jedem einzelnen Opfer. Zweifellos ist die Not jenseits der Grenzen härter und strenger als bet uns, haben doch gerade die Pioniere des Deutschtums im Grenzland und in den deutschen Randgebieten neben dem täglichen Kampf um deutsche Art, Sprache und Sitte einen ungeheuren Daseinsund Wirtschaftskampf zu bestehen, der die höchsten Kräfte in Anspruch nimmt. Allein schon das Bewußtsein der auf sich selbst gestellten Volksgenossen, die Zuversicht der ganzen Nation lindernd und helfend hinter sich zu wissen, mag da Trost und Ansporn sein. Der VDA. hat im Gedenken an diese Volksnot seinen zweiten Opfertag für das Winterhilfswerk — den 9. März — auf den Verkauf solcher Sinnbilder abgestimmt, deren Herstellung Grenzdeutschen Arbeit und Hilfe gibt. Bernsteinnadel aus Ostpreußen, Kinderfiguren aus dem Erzgebirge, holzgeschnitzte Köpfe aus anderen Randgebieten sollen zum Abzeichen des volksdeutschen Kampfes gegen Hunger und Kälte werden. Jeder Deutsche muß ein solches Sinnbild tragen und sich zur Pflicht des Opfers bekennen, die die Deutschen in aller Welt in selbstverständlicher Bereitschaft auf sich genommen haben.
und etwas wehmütig: „Es ist nur ein Sommer im Jahr", wozu der Kleinrusse noch zu sagen weiß: „Man möchte zwei Winter für einen Sommer abgeben."
Vom Juni heißt's:
„Wenn kalt und naß der Juni war, Verdarb er meist das ganze Jahr!"
„Viel Donner im Juni bringt ein fruchtbares Jahr" und „Nordwinde im Juni wehen Korn und Wein ins Land hinein", sowie:
„Bringt der Juni trockne Glut,
So gedeiht der Wein uns gut!" Dagegen:
„Macht Medardus (8.) naß, So regnet's ohn' Unterlaß!" „Regnet's am Johannistag, Eine nasse Ernte man erwarten mag!"
„Im März soll es so kalt sein,
Daß den Raben die Eier erfrieren", denn: „Ein trockener März füllt den Keller" oder „Märzenstaub ist Goldes wert."
„Trockner März, nasser April, Ist des Bauern Will."
Allzu warm aber soll der März, wie gesagt, nicht sein, denn: „Donnert's im März, schneit's im Mai", und „Früher Donner, später Hunger". Im allgemeinen wird man sich ja auch über zu große Wärme im März nicht beklagen können; und es ist schon recht optimistisch, wenn es in der Lüneburger Heide heißt: „De März hett nägen (neun) Sommertäg". Manchmal scheint sie eben doch, die Sonne, und:
„Am Palmsonntag Sonnenschein, Soll ein gutes Zeichen sein."
Nur am Karfreitag darf's regnen, denn:
„Wenn es am Karfreitag regnet, Ist das ganze Jahr gesegnet!" oder ,
„Wenn's dem Herrn Christo ins Grab regnet, Gibt's einen trockenen Sommer",
wohingegen es anderwärts heißt:
„Karfreitag und Ostern Regen, Bringt selten Erntesegen."
Man mißt also dem März und seinen „Lostaaen" großen Einfluß auf das Wetter der folgenden Monate und auf die Ernte des Jahres bei.
Vom April sagt man in Schwaben ganz reizend:
„Im April, da hat's unser Herrgott am besten, Da kann er's Wetter machen, wie er will."
In der Lüneburger Heide heißt's:
„De April
Dait, wo Hai will!", und anderwärts: „Der April ist ein Schalk!". Der Städter schimpft meist kräftig auf den vielen Regen im April, aber:
„Wat den Eenen fin Uhl is, bat is ben andern fin Nachtigal", denn: „Aprilregen — Bauemsegen", oder „Viel Aprilehägele bringet en gute Mai", und „Auf nassen April folgt ein trockener Juni". Dagegen
mittelbare Gefahr. Nur zog sich die Krankheit einige Wochen hin. Die Patientin verlor die Geduld. Ein Konsilium löste das andere ab. Zuletzt mußte ich einen Professor aus Berlin kommen lassen. Es blieb alles beim Alten, die Wissenschaft hatte scheinbar versagt. Jetzt kamen heilkräftige Amulette, Jordanwasser usw. Gerade als ein Schäfer zum Besprechen der Krankheit im Anzug war, heilte die Rose über Nacht.
Sollen wir diese Einstellung der Kranken verurteilen? Wer sich in einen leidenden Körper, in eine verängstigte Seele hineinversetzt, wird es nicht über sich bringen. Ueberdies, der Arzt ist als Kranker in der gleichen seelischen Verfassung wie der Laie. Wir sollten daher im Urteil über die Dummheit und die Wundergläubigkeit der Masse recht vorsichtig sein.
Schopenhauer hat sich in seinem Hauptwerk des längeren ausgelassen über das „metaphysische Bedürfnis des Menschen". Der Boden für das Wunder ist immer vorhanden, wartet des Sämanns und der Saat. r r, r
Gehen wir zu den Wunderheilern, so stoßen wir Überall auf das gleiche Bild: Im Mittelpunkt ein Mensch, der sich berufen fühlt, Kranke zu heilen; berufen, entweder auf Grund einer besonderen, ihm von Gott verliehenen Gnade oder auf Grund einer eigenen Entdeckung. Was die Entdeckung anlangt, ich habe nirgends etwas gefunden, was sich auch nur annähernd den unzähligen Großtaten der wissenschaftlichen Heilkunde an die Seite stellen konnte. Entweder sind es Entlehnungen aus der verlästerten Schulmedizin oder es sind alte, längst Überwundene Irrtümer, manchmal auch selbstfabrizierter Unsinn. Aber wir sehen immer wieder, die Vernunft spielt hier gar keine Rolle, an das Gefühl wendet sich der Wunderheiler. Hat er die Kraft, andere Seelen zu beeinflussen, dann siegt er, zieht, wie ein Magnet die Eisenspäne, die stets bereiten Scharen der Wunderheischenden an. Hat er die Kraft nicht, dann spielt er die kläglichste Rolle des Betrügers. , . L ....
Ein bekannter Arzt sagte einmal sehr richtig: „Heilen heißt Einfluß gewinnen auf die Kräfte welche die Substanz formen." Wir wissen heute, daß geistig-seelische Energien den Stoff formen.
Das wußte, nebenbei, schon Vergil: „Mens agifat molem“, wußte auch der Arzt Schiller: „Es ist der Geist, der sich den Körper baut."
Wir können diese Kräfte physikalisch-chemisch angreifen, aber wir können sie, oft sehr viel nachdrücklicher, auch seelisch beeinflussen. Es ist nach dem Gesagten sehr verständlich, daß der gläubige, ver-
DasWunder in -erHeilkun-e.
Don Or. med. Erwin Liek t-
Der vor kurzem verstorbene Danziger Arzt Dr. med. Erwin Liek hat sich jahrzehntelang mit der Frage der seelischen Beziehungen zwischen Arzt und Kranken beschäftigt. Sein Buch: „Das Wunder in der Heilkunde" (I. F. Lehmanns Verlag, München. Lwd. 4,50 Mark) berichtet von merkwürdigen Wunderheilungen und deckt die psychologischen Gründe dafür auf, daß in unseren Zeiten Wundertäter und Wunderheiler wie Zeileis, Cous u. a. jahrelang ungeheure Erfolge haben, bann aber ebenso schnell wieder verschwinden.
Unser Zeitalter, beherrscht vom Intellekt und von der Technik, Übersieht eins: Die äußeren Lebensformen haben sich geändert, zum Besseren gewendet, wir leben heute sicherer, und wir lebenLanger, aber die inneren Lebensformen slnd die gleichen geblieben, die Seele des Menschen hat sch mch^ geändert. Geblieben ist der Glaube an etmas Ueber- natürliches, geblieben ist das Verlangen nach dem Wunder. Es'scheint, der Mensch müsse etwas haben, was er anbetet, ein höheres Wesen zudessen Fußen er in Not und Kummer fluchtet. Der Mensch kann ohne einen Gott nicht leben.
Die französische Revolution setzte den Neben Gott kurzerhand ab, aber sie errichtete lm gleichen Augenblick der „Göttin Vernunft" einen .
Die Sowjets wüten gegen das Christentum, smd fanatische Atheisten; Lenin und seinem Propheten Marx erweisen sie göttliche Ehren.
Gerade unsere nüchterne Zeit, unsere Wissenschaft, die keine Geheimnisse, kein (staunen, feine (Arsurcht kennt, macht den MenschenHeer unbein- sam. „Die Sehnsucht sucht Wege äus ser furchtbaren Trostlosigkeit des rein Mechanischen.
Die Menschheit hat die Vernunft, das Wissen um Altern und Tod, teuer genug bezahlt. Die heutige Welt ist entgöttert, und so wirft sich der Mensch, verwirrt, haltlos hin und hergenssen, dem Wunoer in die Arme; der Arme wie der Reiche, der Dummkopf wie der Gebildete. Und nun erst der kranke Mensch! Alle Kranken haben etwas Gemeinsames, das Wissen um die Not, die Hilflosigkeit, das Suchen nach einem Führer und Erlöser. Alter, Geschlecht, Bildungsstufe machen keinen Unterschied.
Dor einigen Jahren behandelte ich eine gebildete junge Frau an einer Rose. Es bestand keine un»
trauende Kranke besser zu behandeln und leichter zu heilen ist als der Zweifler.
„Alle aufsteigenden Perioden sind gläubige, alle absteigenden ungläubige gewesen." (Goethe.)
Asuero, ein spanischer Arzt, heilte alle Krankheiten des Leibes und der Seele durch Kauterisation (Aetzung) der Nase. Wenn man die Liste der Krankheiten lieft, die Asuero auf diese Weise heilte, ist man sofort im Bilde. Es können nur seelische, d. h. nur Wunderheilungen sein. Sehr bezeichnend ist, daß Asuero bei einem Besuch in Rom völlig versagte. Ein Wunderdoktor braucht eine auf ihn eingestellte Gemeinde. Der Römer ist ungläubiger, kritischer eingestellt als der spanische Mensch.
Mussolini antwortete auf eine Eingabe der römischen Aerzteschaft: „Asuero habe ein Universalmittel, also ein Wunder; für Wunder fei das Innenministerium nicht zuständig." Ein sehr vernüns/ tiger Standpunkt, den man-stets in solchen Fällen einnehmen sollte.
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Die hübsche Idee des vielgelesenen Romans von Paul Keller erweist sich auch vor der Kamera als ein dankbares Motiv für einen Film, der ebenso heiter und unterhaltsam stimmt wie zum Nachdenken anregt. Manche mögen sich ja den sagenhaften Millionär aus Amerika etwas anders vorgestellt haben, aber es ist nicht uninteressant, einen .Blick hinter die Kulissen zu werfen und ihn auf der Europatour zu begleiten, seine Geschäfte, sein mühsam bewahrtes Inkognito und sein Privatleben zu beobachten. Der vielgeplagte, geldschwere Mann ist begreiflicherweise mit den Nerven ein bißchen herunter; er bedarf dringend einer Ausspannung, und da trifft es sich gut, daß er einen Arzt zuzieht, der nicht nur Mediziner, sondern auch Menschenkenner ist. Und das ländliche Erholungsheim mit dem verheißungsvollen Aushängeschild „Ferien vom Ich" ist gerade das Richtige für den strapazierten Jndustriekönig aus USA. Für die anderen, die hier einkehren, übrigens auch; sie haben es alle nötig: der entsetzlich nervöse Jnstizrat, der kleine Angestellte, der Mann mit der unmöglichen Frau. Das Generalrezept, nach dem die Leute, die vom Betrieb, vom Geschäft und von der Großstadt halb tot sind, tariert werden: sie müssen nicht nur die Brieftasche, Uhr und Schlüsselbund, sondern sozusagen auch ihr ganzes bisheriges Ich in der Garderobe abgeben, and sie werden gesund bei Arbeit, Sonne und Landluft, ohne Geschäfte, ohne Sorgen und ohne Geld. Außerdem bewähren sich noch allerlei Spezialkuren
für besonders schwierige Fälle: dem Justizrat drücken sie einen jungen Dackel in die Hand, einem andern hoffnungslosen Zivilisationsleidenden ein Melkstüyl- chen und einen Milcheimer; mit dem geht der arme Mann auf die Weide, stellt ihn dem nächsten besten, vierbeinigen und gescheckten Wesen unter den Bauch und spricht erwartungsvoll: Nun gib schön! (Aber mit Gewalt gibt auch der Bulle keine Milch.) Peter Francke, der Verfasser des Drehbuches, bat übrigens dafür Sorge getragen, daß der Film nicht im Idyll stecken bleibt, sondern durch eine herzhafte Liebesgeschichte mit dem nötigen Drum und Dran dramatischen Austrieb erhält. Hans Deppe hat die Spielleitung und bringt eine Menge hübscher und heiterer Einfälle, auch gute, weite, sommerliche Landschaftsbilder mit allerlei vierbeiniger Staffage, so daß man schon jetzt Lust bekommt, in Urlaub und aufs Land zu fahren. Marc Roland hat eine melodische Begleitmusik dazu geschrieben. Speel - m a n 5 , sonst in Kriminalfällen sehr bewährt, macht einen wirklich sympathischen Millionär. Carold Höhn und Gina Falckenberg stellen die beiden wesensverschiedenen Frauengestalten einander kontrastreich gegenüber. Eine Reihe humorvoll ausgestatteter Feriengäste: Henckels, Steinbeck, Genschow Finck und W e s e n e r , der früher in Gießen spielte. Auch G. H. Schnell als Arzt und Hans Z e s ch - B a l l o t als Generalsekretär stehen darstellerisch am rechten Platz. — Der Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus; ein Lustspiel, ein Farbenfilm und die Wochenschau runden das Programm ab
Hochsckrilnachnchten.
Der bekannte Völkerrechtslehrer der Universität Würzburg, Geheimrat Professor vr. für. et pliiL Christian Meurer, ist im 80. Lebensjahr gestorben. Der 1856 zu Camberg im Nassauischen geborene Gelehrte habilitierte sich 1885 an der Universität Breslau Seit 1890 wirkte er an der Universität Würzburg, besonders auf dem Gebiete des Kirchen- und Völkerrechtes. Eine Reihe hervorragender Werke machten seinen Namen bekannt. Nach dem Kriege war er in völkerrechtlichen Fragen wiederholt als Gutachter der Reichsregierung tätig. Am 1. April 1934 war Geheimrat Meurer in den Ruhestand getreten
Professor Dr. Hans Würdinger, Ordinarius für Bürgerliches Recht, Zivilprozeßrecht und englisches Zivilrecht an der Universität Göttingen, ist in gleicher Eigenschaft in die rechts- und staits- wifsenschaftliche Fakultät der Universität B r e s \ n tt berufen worden.


