Ausgabe 
7.11.1935
 
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für Schuhe und guten Schmuck, schließlich auch für Stoffe und Schnittmuster als Hilfsmittel der felbft- fchneidernden Frau.

Die zahlreichen Kleider wurden mit viel Geschick­lichkeit getragen und in das rechte Licht gebracht. Die Ansagerin gab die notwendigen Erläuterungen und stellte die Besonderheiten der einzelnen Mode- schöpfungen heraus. Die Hauskapelle H u s e - meyer gab der Schau den rechten musikalischen Rahmen. Die Modeschau in ihrer Gesamtheit hin­terließ wohl bei den meisten Besucherinnen einen guten Eindruck.

Gießener Vochenmarktpreise.

* Gießen, 7. Roo. Aus dem heutigen Wochen- markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mark, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, Kühlhaus (hollän­dische), Klasse B 11, (inländische) Klasse B 11, Wir- sing, das Pfund 6 bis 10 Pf., der Zentner 8 Mark, Weißkraut, das Pfund 6 bis 8 Pf., der Zentner 5 Mark, Rotkraut, das Pfund 7 bis 10 Pf., der

Zentner 8 bis 10 Mark, Gelbe Rüben, das Pfund 8 bis 10 Pf., Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 12 bis 15, Unterkohlrabi 5 bis 8, Rosenkohl 20 bis 35, Feldsalat 80 Pf. bis 1 Mark, Tomaten 15 bis 20 Pf., Zwiebeln 7, Meerrettich 30 bis 60, Schwarz­wurzeln 25 bis 35, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mark, Aepfel, das Pfund 12 bis 30 Pf., der Zentner 12 bis 25 Mark, Boskop 25 bis 30 Mark, Birnen, das Pfund 10 bis 25 Pf., Nüsse 40 bis 60, Zwetschenhonig 40, junge Hähne 80 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 70 bis 80 Pf., Gänse 80 bis 90, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 8 bis 10, Endivien 8 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 12, Sellerie 10 bis 25, Rettich 5 bis 10 Pf.

** Den Straßenbahnverkehr nach dem Neuen Friedhof betrifft eine Bekanntmachung der Direktion der städtischen Betriebe in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die wir besonders Hin­weisen.

Kreisversammlung des 7K5£8. des Kreises Gießen.

Im Turnsaal der Neuen Pestalozzischule hielt der NS. - Lehrerbund des Kreises Gießen gestern nachmittag seine Kreisversammlung ab, die ihre musikalische Einleitung durch das Leh­rer-Streichorchester unter Leitung von Musiklehrer N e b e l i n g erhielt. Mährend die stattliche Ver­sammlung gemeinsam das Lied:Und wenn wir marschieren ..." sang, wurde die Hakenkreuzfahne in den Saal getragen. Ein Schülerchor der Goethe- schule sang dann ein Lied. Aus einem von Schü­lern und Junglehrern gemeinsam vorgetragenen Sprechchor klang das Bekenntnis zu gemeinsamer Arbeit von Jugend und Erzieher im Dritten Reich hervor, das in dem Liede der Jugend:Vorwärts, vorwärts" endete.

Kreisobmann N brling, der schon vorher einige geschäftliche Angelegenhei­ten geregelt hatte, begrüßte hierauf die zahlreich er­schienenen Erzieher und Erzieherinnen zum Parole- empfang durch den in Begleitung von Oberschulrat Großmann erschienenen Gauamtswalter, wobei er auch der anwesenden Vertreter der Be­wegung, der Jugendorganisationen und Behörden, des Kreisleiters, des Rektors und des Kanzlers der Universität Erwähnung tat. In fast zweistündigen Ausführungen gab dann der

Gauamtswalter, Ministerialrat Ringshausen

den Erziehern das Rüstzeug mit für ihre große und verantwortungsreiche Aufgabe der Erziehung des neuen Geschlechts zur nationalsozialistischen Welt­anschauung. In eingehenden Darlegungen rief er seinen aufmerksamen Zuhörern noch einmal die Vor- und Nachkriegszeit in die Erinnerung, die be­lastet war mit dem unseligen Geiste der Zerklüf­tung des Volkes. Damals beherrschten die Interes­sengegensätze selbst die Lehrerschaft. Führte einst die Lehrerschaft ihre Versammlungen ohne Eltern oder Schüler durch, so ist es jetzt, nachdem das Volk auf der Grundlage der nationalsozialistischen Weltanschauung geeint ist, mit solchem Vorgehen vorbei.

Heule ift es notwendig, daß zu den allgemei­nen Versammlungen der Lrzleherschaft auch die Eltern und Schüler geladen werden; denn die Erziehung ist keine separate Angelegenheit mehr, sondern eine hohe, heilige Lebensaufgabe. Sie besteht in der Prägung der jungen Men­schen, die das Gesicht des Volkes darstellen und dessen Geschick sie in Zukunft lenken sollen. Eine solche Aufgabe geht das ganze Volk an und gehört vor das Forum des ganzen Volkes.

Die Aufgabe des Erziehers von heute ist es, einen neuen Menschen zu formen und jene, die den Weg in falscher Richtung schon angetreten haben, zuruckzuholen und ihnen neue Richtung in eine neue Zukunft zu geben. Wir wissen, daß der Weg vom Herzen nicht sofort zur Tat führt, sondern daß sich erst das Hirn einschaltet, bei dem die Berechnung

liegt. Wer immer aus geistiger Ueberlegenheit han­delt, der wird dies auch morgen tun. Wer marxistisch ober liberalistisch gedacht hat, wird auch heute na­tionalsozialistisch und morgen kommunistisch denken können, sofern sein Herz ihm nicht andere Wege vor­schreibt. Daraus ersehen wir, daß nicht der geistige Komplex entscheidend sein darf, sondern die tiefere Verankerung, die im Herzen liegt, wo es kein Wissen und kein Schauen gibt, sondern wo nur der Glaube wohnt.

Glaube fragt nicht nach realen Dingen, sondern ist bezogen auf unsichtbare Werte, auf hohe Ideale. Nur für Ideale können Menschen sterben. Wenn roir\em neues Geschlecht erziehen wollen, das Tod und Teufel durch die Jahrhunderte trotzen soll, so muß seine fundamentale Grundlage sein: d i e deutsche Seele. Aus der tiefen deutschen Seele entspringt der Glaube, der den Menschen befähigt, für sein Vaterland zu sterben, wie es die Millionen des Weltkrieges taten. Glauben an das Vaterland ist kein leerer Wahn. Die das neue Reich erkämpfen halfen und für es starben, taten es nicht aus Be­rechnung, sondern in der Gewißheit des Glaubens an eine hohe Aufgabe. In dem Glauben an die ewige Allmacht ist auch der Glaube an das Vater­land verankert-, denn wenn ich an Gott glaube, muß ich auch an Jein Werk glauben. Wer sich darum gegen das Vaterland versündigt, versündigt sich gegen Gott. Wer sich mit dem Internationalismus und mit den unterwühlenden Kräften verbündet gegen Volk und Vaterland, und dann noch sagt, er sei ein Christ, der ist ein eitler Schaumschläger.

Der Mensch, der nicht nur betet, sondern sich zu Volk und Vaterland bekennt und gern für sie arbeitet, auch wenn er einmal entbehren muß, der beweist deutschen Heldensinn.

Aus der großen Vergangenheit unseres Volkes ersteht uns Die Aufgabe für die Zukunft. Das ist die Größe unseres Führers, daß er, wie fein an­derer Deutscher zuvor, in die Tiefe der Zusammen­hänge der Lebenserscheinungen unseres Volkes ein­gedrungen ist. Durch ihn wissen wir um die geistigen und physischen Kräfte des Volkes. Das Schicksal des Volkes aber wird bestimmt durch die großen Ideen, die diese Kräfte lebendig werden lassen. Ideale er­strebt nicht der Geist, sondern das Herz, die Seele. Darum ist die n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e W e l t- anschauung eine Herzenssache, die erlebt, im Herzen empfunden fein will. Eine solche Weltan­schauung kann nicht gelernt oder studiert werden. Don ihrer gründlichen Erfassung hängt der Bestand des Fundamentes des neuen Staates ab. Die Men­schen müssen immer wieder aufgerüttelt werden, da­mit sich ihre Herzen den neuen Ideen öffnen. Wie das Christentum immer wieder feine Gleichnisse und Psalmen lehrt, obwohl es zwei Jahrtausende besteht, so muß der Nationalsozialismus ständig auf feine Weltanschauung verweisen, so muß jeder Er­zieher immer wieder nach Mainz ins Schulungs­lager gehen. Der Hinweis darauf ist so notwendig, wie der stete Hinweis desStürmers":Die Juden sind unser Unglück!"

Mit der Erfassung der nationalsozialistischen Welt­

anschauung erledigt sich auch die Frage nach der Schulreform und nach dem Lehrplänen von selbst. Reform und Lehrpläne sind Formsachen. Jugend aber will die Jugend, das Leben, den Schwung. Wer die Jugend lenken und leiten will, muß selbst jung fein. Nicht das Alter wird die Jugend, sondern die Jugend wird das Alter überwinden, damit das Alter jung bleibt. Dann wird auch unser Volk ein junges Volk fein.

Ein Volk, das die ewigen Gesetze des Lebens, die Grundgesetze der eigenen Existenz erkennt, wird nie müde werden.

Wie das Diesseits, Blut, Leben, Nation eine Sache des Staates ist, jo ist das Jenseits, die religiöse Meinung, Sache der Kirche. Wir gehen alle einen Weg zu Gott, wenn auch auf getrennten Pfaden. In der Abgrenzung der Aufgaben des Staates und der Kirche liegt Klarheit und Wahrheit. Der Staat betreut die irdische Kirche und die Kirche betreut das Ewige, das die Sehnsucht der Menschen seit Weltbeginn ist. Diese hat aber nichts mit den Ien- seitsfanatikern zu tun; denn in zusammengebroche­nen Menschen kann kein Glaube wohnen. Glaube kommt auch nicht aus materieller Notlage.

Der Mensch hat wahren Glauben, der den Kampf aufnimml gegen Not und Widerstande und von seinen kargen Einnahmen noch gern gibt für das Opferwerk der Nation, das Dinter- hilfswerk.

Glaube ist tätiger Dienst am Volke, ohne Hoffnung auf eine Vergünstigung ober eine Entschädigung im Jenseits. Gläubig ist der Mensch, der freudig feine letzte Kraft aufwendet im Kampfe des Lebens, der feine Pflicht erfüllt und sich demütig vor seinem Herrgott beugt. Darinnen ist uns der Führer Vorbild, der der schlichteste und einfachste

Mensch Ift und einen Inneren, unüberwindlichen Glauben an die Allmacht Gottes hat.

Solche Menschen soll auch der Erzieher erzieben helfen, die einfach und schlicht in ihrem Wesen, selbstverständlich ihre Pflicht gegenüber dem Volke erfüllen und jederzeit bereit sind, ihren Glauben durch die Tat zu beweisen.

Die heutige Jugend ist das Mark der Nation und der Erzieher ihr Spiegelbild. An ihnen ist es gelegen, ob Deutschland leben wird oder nicht. Darum wollen wir die Jugend zu deut­schem Heldentum erziehen.

Die hohen Anforderungen an den Erzieher be­dingen auch eine scharfe Auslese; denn letzt schon treten die formalen Nationalsozialisten auf, die den Nationalsozialismus studiert, aber nicht erlebt ha­ben. Es ist erforderlich, daß Lehrerschaft und Schü­ler und die einzelnen Jugendorganisationen zusam­men arbeiten; denn es ist gut zu machen, was im Zwischenreich an der Jugend verdorben wurde. Die Erzieher haben auch die Ehre des deutschen Erzie­hers wieder aufzurichten. Der Erzieher muß jung mit der Jugend, ihr Kamerad und Freund fein, kurzum der Mensch, der den ewigen Quell der see­lischen Kräfte zum Sprudeln und ihr Herz in Liebe zum Volke zum Glühen bringen kann. So wird er verwirklichen, was wir fingen:Wir tragen das Banner gläubig hinein in die Zukunft, die unser muß sein!"

Den mit starkem Beifall aufgenommenen Worten ließ Kreisobmann N e b c l i n g das Schlußwort folgen, in dem er Adolf Hitler als den Er­zieher des ganzen Volkes und als feinen Führer und Reichskanzler als das größte Vorbild voran- stellte.

In das Sieg-Heil und das Kampflied stimmten die Versammelten freudig ein.

Obecheffen.

Landkreis Gießen.

<5 Lollar, 6. Nov. Arn vergangenen Sonntag­abend veranstaltete wie schon kurz berichtet die hiesige S ä n g e r v e r e i n i g u n g im Saale Zur Linde" ihr diesjähriges Winterkonzert. Es darf vorweg gesagt werden, daß alle in die Veranstaltung gesetzten Hoffnungen nicht nur in Erfüllung gingen, sondern übertroffen wurden. Einen besonders glücklichen Griff hatte der Verein dadurch getan, daß er sich zu dem instrumentalen Tell seines Programms die Mitwirkung des Musikzuges der SA. - Standarte 116 gesichert Ijatte. Mit derselben glücklichen Hand wurde die Auswahl der zum Vortrag gebrachten Werke vollzogen, jowohl im instrumentalen als auch im vokalen Teil des Programms. SA.-Musik- zugführer Herrmann (Gießen) darf mit feinem Orchester für die ausgezeichneten Leistungen ein großes Plus verbuchen. Diesem hervorragenden Spiel des SA.-Musikzuges ebenbürtig zur Seite stellten sich die Vorträge des MännerchorsSän­ge r v e r e i n i g u n g". Man braucht nur einen Blick auf die Reihe Der im Programm genannten Komponisten zu werfen, um zu erkennen, wie ernst es dem Veranstalter mit einer Höchstleistung der Darbietungen zu tun ist; wir finden hier Namen wie Schubert, C. M. o. Weber, Hegar, Angerer, Silcher, Verdi, I. Strauß und andere. Als ganz hervorragende Leistung des Männerchors ist her­vorzuhebenSanktus* von Schubert,Schlaf­wandel" von Hegar undAennchen von Tharau" von Silcher; besonders dürfte der Vortrag von Schlafwandel" die Grenze des Möglichen erreicht Haden. Hiermit soll allerdings nicht den Kunstchören das Wort geredet sein und das Volkslied im Hinter­grund verschwinden. So ansprechend diese auch sind, das schöne Volkslied steht dem nicht nach, was beiAennchen von Tharau" zutage trat. Die Zuhörer, die den Saal bis auf den letzten Platz füllten, zeigten bei beiden Arten die größte Dank­barkeit. Der Männerchor sah sich wiederholt ge­nötigt, Zugaben bzw. Wiederholungen zu bieten. Nicht weniger erfreulich war diese Tatsache auch bei den Orchesterdarbietungen zu verzeichnen. Wie voll­endet wurdeHyons Zauberhorn" ausOberon" von C. M. v. Weber urtbOuvertüre im italie­nischen Stil" von Schubert zu Gehör gebracht. Daß derKaiserwalzer" von I. Strauß seine Wirkung nicht verfehlte, bleibe nicht unerwähnt. Der Vir­tuose auf feiner Trompete, Herr Schwarzlose

(Gießen), erfreute feine Lollarer Bekannten auch dieses Jahr wieder mit einem TrompetensoloOne Perle de Ozean"; auch hierfür wurde ihm viel Beifall zuteil. Chorleiter Meyer (Wieseck) zeigte seine große Fertigkeit in der Stabführung ganz besonders bei den Männerchören mit Orchester­begleitung, die ebenfalls von der Standartenkapelle gestellt wurde. Von diesen Darbietungen ist hervor­zuhebenAm Wörther See" (Walzer mit Orchester­begleitung). Im Ganzen genommen darf die Sängeroereinigung" nach diesem Abend mit der größten Zufriedenheit auf ihre Arbeit zurückblicken und den großen Erfolg sich als An­sporn für die Zukunft dienen lassen.

t Treis a. d. Lda., 6. Nov. Unser neuer Ortsvorstand, der dieser Tage vom Bürger­meister in sein Amt eingewiesen worden ist, setzt sich zusammen aus den beiden Beigeordneten Wilhelm Becker V., der schon feit Jahren dieses Amt versieht, und Heinrich Berghöfe r, dem früheren Bürgermeister und jetzigen Drtsbauern- führer, den Gemeinderäten Ludwig Göbel, Hein­rich O p p e r, Phil. Wilhelm Kehr, Ioh. Heinrich Kehr IX., Heinrich Michel XI. und Wilhelm Linnestruth II.

Y Watzenborn-Steinberg, 6. Nov Am Sonntag veranstaltete die N S. - G e m e i n s ch a f t Kraft durch Freude" im überfüllten Saale Zur Krone" unter dem Motto:Lache mit uns" einen heiteren Abend. Zur Ausgestaltung des Abends war eine gute Künstlergruppe erschienen, die von den vielen Besuchern mit starkem Beifall belohnt wurde. Mit einigen Konzertstücken der Ka­pelle Robert Häuser und anschließend Tanz fand die Veranstaltung ihren Abschluß.

(D Grüningen, 6. Nov. Ortsgruppenleiter M a r ft e 1 (e r verpflichtete im festlich geschmückten Amtszimmer der Bürgermeisterei die nachfolgend genannten neuen Gemeinderäte unseres ries: Heim. Adam Euler, Heim. Jsheim, Karl Heinrich M a r ft e l l e r II. und Heinrich Hof- mann III. Zum zweiten Beigeordneten wurde Adam Heinrich Sau b er ernannt.

Sie wollten doch etwas für Ihre Gesundheit tun?

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SMMVMUWM

Roman von Frank F. Vraun.

5 Fortsetzung Nachdruck verboten!

Basilius legte die Zigarre weg.Was will Reu- ßing von mir, warum fragte er dich, wo ich mich aufhalte? Man sucht mich in keiner Stadt, es liegt nichts gegen mich vor."

Er sucht dich auch nicht. Ausdrücklich erwähnte er das. Er erkundigte sich ganz allgemein, ob du in Hamburg seiest."

Sie schwiegen. Jabusch blies ununterbrochen Rauchwolken zur Decke.Ein gefährliches Pflaster, wenn der Reuying hier ist", knurrte er mißbilligend.

Aber es schien, als habe Basilius solchen Zurufs bedurft.Das wird uns nicht einen Deut von unferm Plan ablenken", verkündete er finster. Reußing kann uns nichts anhaben, selbst wenn er uns auffpürt."

Noch nicht, nein. Aber wenn du mit dem Konsul gesprochen hast, sieht es anders aus."

Konsul Bassenberg selber wird uns schützen", sagte Basilius.Herr Reußing soll sich diesmal nur ja vorsehen, daß er nicht übereifrig in die Nesseln faßt, wenn er uns greifen will." Basilius ver­stummte nachdenklich.

Es blieb eine ganze Weile still. Dann meinte Jolly: ,Hch habe also wegen der Ziegelei Verhand­lungen eingeleitet. Sie soll sechstausend Mark kosten. Zweifellos taugt sie nichts, denn das ist kein Geld für solch ein Unternehmen. Wir haben bis morgen mittag das Vorkaufsrecht."

Basilius richtete sich auf.Wir wollen sie kaufen", sagte er,was sie in Wirklichkeit wert ift, interessiert uns nicht. Sieh zu, daß die Zahlung hinaus­geschoben wird, oder daß wir mit einer Anzahlung den Besitztitel bekommen. Ich habe bei Pagel an­gerufen, Justus Pagel, dem wir damals über die Grenze halfen. Er wollte anfangs nicht, aber als er hörte, daß er weiter nichts sollte, als mich dem Konsul Bassenberg vorstellen und empfehlen, wil­ligte er ein. Ich habe Bassenberg heute an der Börse tennengelernt. Ein leichter Fall. Wir haben später gufammengefeffen, der Konsul, Pagel und ich. Pagel ging dann. An einem der nächsten Abende wird Bassenbera mich einlaben. Ich habe ihm schon van einigen Geschäften geflüstert."

Wieviel soll er bezahlen, Basil?"

Der Gefragte überlegte kaum. Er sah Jolly an. Sechstausend Mark sagtest du? Dann wird Bassen- berg sechzigtaufend Mark dafür zahlen wollen."

Sie nickten. Solche Zahlen warfen sie nicht um, Basilius hatte ihre Schätzung getroffen.

Basilius schickte Jolly wieder fort.Mach das Geschäft perfekt", sagte er.Jabusch geht mit dir, damit der Geschäftsmann einen Zeugen hat." Sein Lachen entblößte die großen Zähne.Und noch eins!" rief er,gib ein Telegramm auf. Robert Nydegger muh her."

Er sagte leiser, als er die beiden erstaunten Ge­sichter der beiden sah: ,Zch will mich so wenig wie möglich auf der Straße zeigen. Sonst laufe ich unter Umständen auch noch dem Reußing in die Arme."

Er wußte natürlich, daß es nicht dieser Entschuldi­gung bedurft hätte, ganz klar war ihm, daß sie nur erstaunt waren, weil er Nydegger herrufen wollte; aber es machte ihm Spaß, ihre Fragen abzuwarten. Er wollte noch keine rechte Auskunft geben, fein Plan stand noch nicht ganz fest. Nur eines war sicher: er würde Nydegger dabei brauchen. Also muhte der Mann her. Rücksichten kannte er nicht.

Jolly zog die Tür erst noch einmal wieder zu. Was soll der Junge hier, Basil?" fragte er.Möch­test du durchaus durch vier teilen?"

Basilius lachte kurz auf.Ausgeschlossen!", sprach er.Der Nydegger bekommt ein Trinkgeld, sonst nichts. Ich habe einen ganz bestimmten Plan, wenig­stens kann aus der Idee ein Plan werden. Reußing ist Witwer und lebt mit feiner Tochter. Sie war damals in Berlin sechzehn Jahre. Die Geschichte ist drei Jährchen her, nicht wahr? Gut. Das Mädchen ist demnach heute neunzehn Jahre alt. Ein schönes Alter. So recht die Zeit, Dummheiten zu machen. Darum muß Nydegger her."

Er lachte vor sich hin.Ich habe nichts gegen das Mädchen", sagte er,es ist nur, ich möchte zur Not eine Handhabe gegen Reußing besitzen. Ich denke mir, Nydegger, unser Adonis, wird uns da gute Dienste leisten können."

Die Idee ist famos", räumte Jolly ohne weiteres ein,sie mag auch Erfolg haben. Zumindest er­fahren mir durch Nydegger, wenn er das Mädchen kennt, was Reußing gegen uns plant. Ich fürchte nur, der Bengel kommt nicht!"

Er wird kommen", sagte Basilius, seiner Sache ganz gewiß; aber Jollys Zweifel waren nicht be­hoben mit einem so kurzen Satz.

Du denkst, er ist noch der Dumme Senget von damals. Aus Kindern werden Leute. Er ist Stu­dent, hat sich längst über den Fehltritt feiner Jugend hinweggefetzt und pfeift auf uns."

Basilius schüttelte ungeduldig den Kopf. Er schien gereizt von der bloßen Annahme, jemand könne sich seinem Ruf entziehen wollen.Er wird kommen", versicherte er nochmals.Mag er sich zehnmal über seinen Fehltritt, wie du so schön sagtest, hinweg- gesetzt haben. Auf ihn kommt es dabei gar nicht an. Wenn ich das Papierchen, auf Dem er quergefchrie- ben hat, Der Staatsanwaltschaft vorlege, tritt heute noch augenblicklich Strafverfolgung wegen Wechsel­fälschung ein. Und dann ist es aus mit dem Stu­dium, aus mit jeder Karriere."

Sein Mund öffnete sich zu einem lautlosen Lachen.Wenn hier einer pfeifen kann, lieber Jolly, bin nur ich es! Aber Nydegger wird kommen, und ich brauche nicht einmal Gewaltmittel anzu­wenden. Depeschiert ihm keine Drohung! So etwas macht sich im Ernstfälle gegen uns schlecht. Tele­graphiert: Unbedingt mit morgigem Nachtzua kom­men Hamburg Hauptbahnhof. Basil. Seine Adresse habe ich nicht im Kopf. Aber München, Universität, genügt sicherlich."

Er tat eine unbestimmte Handbewegung und war ernst.Verlaßt euch darauf", meinte er,wir gehen Dann übermorgen nicht vergebens zum Bahnhof."

Sie verließen ihn. Er vernahm, wie sie sich über Das Dach entfernten. Sie nahmen Den Weg abwärts Durch ein bewohntes Haus in Der Nachbarschaft, Dessen Dachluken man von außen öffnen konnte. Der Neubau galt weiter als unbewohnt.

Basilius lehnte sich zurück und nahm eine neue Dunkle Zigarre aus Der Kiste, Die vor ihm stand. Er war zufrieden mit sich und der Welt. Alles ging gut. Der Auftakt war verheißungsvoll gewesen. Die Perlenkette hatte zwölftausend Mark gebracht. Da­mit war die Unternehmung glänzend zu finan­zieren. Er blies die Wolken zur Decke, sah hinauf in den kleinen Sonderhimmel und dachte weg­werfend: Reußing, pah; mochte Reußing kommen, wenn er sich die Finger verbrennen wollte. Diesmal hielt er, Basilius, Die Trümpfe in der Hand.

Sein Gesicht sah für kurze Zeit so zufrieden aus, daß es fast gutmütig wirkte. Eine gefährliche Täu­schung!

4. Kapitel.

Zwei junge Menschen, beide in München imma­trikuliert, sitzen im Englischen Garten auf einer Bank. Der Chinesische Turm ist nicht weit entfernt, eine sanfte Kaffeehausmusik weht von Dort her­über. Der junge Mann und Das Mädchen sitzen auf einer Bank, Die nicht unmittelbar am Weg steht. Sie werden nur selten von Passanten gestört. Das ist gut.

3lia Filimon sitzt vorgebeugt und blickt Robert Nydegger eindringlich an. Sie redet. Jbre Stimme, einem getragenen Alt am nächsten, schwingt ein wenig.

Nydegger hält ihre linke Hand in der seinen. Sprich nicht weiter, Ilia", bittet er,es tut dir weh. Jede Erinnerung tut wohl weh, aber dieje muß dich überaus schmerzen."

Sie wehrt ab.Du hast ein Recht, alles zu er­fahren", faqte sie. Zwischen uns wenigstens soll keine Lüge fein."

Er senkt den Kopf, Denn er merkt, daß ihm eine jähe Röte ins Gesicht steigt.Ich verdiene dich gar nicht", sagt er leise,du bist so ein guter Mensch."

Nein!" Sie spricht Das kurze Wort verwunder­lich hart. Es ist, als habe er mit seinen Worten bei ihr einen Kontakt gelöst.

Ihr Gesicht verfinstert sich.Ich bin gar nicht gut. In mir ist viel Haß. Daß dieser Haß sich auf nur eine Person zusammenzieht, macht es nicht besser." Und sie zuckt die Achseln.Aber ich kann es nicht ändern. Laß mich weiter sprechen. Viel­leicht begreifet du mich nachher leichter.

Ich stamme aus Arad. Du weißt natürlich nur ganz ungefähr, daß die Stadt auf dem Balkan liegt."

Ihr Lächeln blieb nur eine Andeutung.Das Banat war feit den Türkenkriegen ungarisch. 1920 wurde es in Trianon aufgeteilt zwischen Serbien und Rumänien. Arad wurde rumänijch. Damit ist zunächst ein Schlußstrich gezogen. Aber das Banat ist ein Schmelztigel, der noch siedet. Ungarn, Deutsche, Serben und Rumänen besiedeln es; keiner ist mit der jetzigen Regelung zufrieden. Du begreifst wohl, daß unter solchen UmftänDen das Kriegsende für meine Familie und mich noch etwas anderes bedeutete, als nur einen verlorenen Krieg. Wir waren entwurzelt. Wir bekamen eine andere Sprache, andere Geldwährung, die Lebensbedin­gungen wurden andere; fremDe Menschen, neue Ge­sichter tauchten auf. (Fortsetzung folgt.)