Ausgabe 
7.11.1935
 
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Die Verstimmung gegen England

Wechsel des Polizeileiters von Rom.

Rom, 6. Nov. (DNB.) Durch amtlichen Erlaß wurde plötzlich an Stelle des bisherigen Polizeichefs Coc- chia Palma zum Quästor von Rom ernannt. Man bringt diese unerwartete Personalveränderung mit den jüngsten englandfeindlichen Aus- chreitungen in Zusammenhang. Allem An- chein nach scheint von englischer Seite den hie- igen Stellen nachgebracht worden zu sein, daß die Polizei bei schnellerem Eingreifen einige dieser Zwischenfälle hätte verhüten können. Aus ver­schiedenen Städten Italiens wird gemeldet, daß alle englischen Filme und Theater- stücke vom Spielplan abgesetzt wurden. In Rom hat man einstweilen noch nicht zu dieser Maßnahme gegriffen. Es kam jedoch bereits zu Kundgebungen gegen den in einem großen Lichtspielhaus laufenden FilmDavid Cop­perfield", dessen Anschlagsplakate verschiedentlich abgerissen oder überklebt wurden. Ein großes Mode­haus, das seine Modellkleider bisher mit fran­zösischen Namen zu benennen pflegte, hat sich der Zeit angepaht und nennt jetzt seine Kleider Asmara, Takazze, Harrar und Schebeli, alles erd­kundliche Begriffe, die aus den täglichen Frontberichten von Ostafrika bekannt sind. Einiges Erstaunen erregt es jedoch, daß das wärmste pelzverbrämte Wollkleid ausgerechnet nach der abessinischen Wüstenlandschaft Godjam benannt wurde.

Schwere Kämpfe an beiden Fronten.

Makalle im Mittelpunkt des bringens.

Asmara, 7. Nov. (Funkspruch des Kriegsbe- richterstatters des DNB.) Der italienische Vormarsch auf Makalle geht weiter. Südlich von Haussien kam es zu Kämpfen, bei denen zwei eingeborene Unter- Offiziere fielen. Zwei italienische Offiziere und meh­rere Askaris wurden verwundet. Das Korps Mara- oigna hat Selaklaka westlich von Aksum besetzt. Durch Fliegeraufklärung wurde festge­stellt, daß Makalle durch abessinische Streitkräfte besetzt ist.

In Addis Abeba lief am Mittwochmittag ein Funkspruch der Militärfunk st ation an der Nordfront ein, wonach um Makalle ein furchtbarer Kampf entbrannt sei. Am Dienstagabend hätten italienische Truppen, die auf Lastwagen herangeführt wurden, mit Unter­stützung von Kavallerie die Stadt schlag- artig besetzt. In der Nacht hätten dann abes­sinische Truppen einen wilden Angriff auf die Stadt unternommen. Nach einem andert­halbstündigen Nahkampf seien die Abessinier wieder Herren der Stadt gewesen. Bei ihrem Rückzug sollen die Italiener Tote und Ver­wundete auf dem Platze gelassen haben. Wie es in dem Funkspruch weiter heißt, stünden schwere Kämpfe in der Umgebung von Makalle bevor.

Fast gleichzeitig liefen auch Meldungen von der

S ü d f r o n t ein, wonach es am Webi-Sche- beli ebenfalls zu großen Kämpfen ge­kommen sei. Die abessinischen Truppen sollen sich mit Maschinengewehren verteidigen und den Ita­lienern starke Verluste beigebracht haben. Die abes­sinischen Truppen kämpften dort unter dem Armee­führer Ugaznour. Seine Truppen zögen sich in befestigte Stellungen zurück, sie beabsichtigen in der Nacht zum Donerstag einen Gegenangriff zu unternehmen. Die italienischen Flieger haben in der Umgebung von G o r a h a i erneut Bomben ab­geworfen.

Freiwillige für Abessinien

London, 6. Nov (Reuter.) In Port Said sind am Mittwoch Freiwillige für Abessinien an Bord des DampfersAthos II" nach Dschibuti verschifft worden. Die Freiwilligen stammen aus Aegypten, Palästina und Syrien. Dor ihrer Einschiffung marschierten sie mit ägyptischen und abessinischen Flaggen durch die Stadt, von den Eingeborenen jubelnd begrüßt. Am Dienstag hatten die Freiwilligen, die unter b e m Befehl eines Majors aus Nigeria stehen, eine Demon­stration vor dem italienischen Konsulat veranstallet, die jedoch von der Polizei aufgelöst wurde.

London meldet Entspannung.

London, 7. Nov. (DNB. Funkspr.) In Presse­berichten aus Rom ist von einer Entspannung der englisch-italienischen Beziehungen infolge der Unterredung Mussolinis mit dem britischen Botschaf­ter am Dienstag die Rede. Eine Reuter-Meldung aus Rom geyt in ihrem Optimismus noch weiter. Sie sagt, italienische Kreise seien jetzt dafür, bei einer Regelung des abessinischen Streites den Negus um seine Ansicht zu befragen. Dies bedeute tatsäch­lich eine Annäherung an den britischen Standpunkt. Man habe das Gefühl, daß eine Vereinbarung über die Zurückziehung gewisser britischer Kriegsschiffe aus dem Mittelmeer bevor­stehe, wenn man auch nicht erwarte, daß eine solche Vereinbarung vor Beendigung der englischen Par­lamentswahlen zustande kommen werde.

Laval als Vermittler.

Paris, 7. Nov. (DNB. Funkspruch.) Laval hatte Mittwoch mit dem englischen Botschafter in Paris eine Besprechung, die sich in erster Linie auf die Sanktionsfrage und die Zurückziehung wei­terer italienischer Truppen aus Li­byen bezog. England, so schreibt derMatin", befürchte hauptsächlich eine Behinderung auf seinem Verbindungswege nach Indien. Wenn Italien der Londoner Regierung nach dieser Richtung hin gewisse Sicherheiten geben würde, so würde England unter gewissen Vorbehalten Italien eine ziemlich weitgehende Handlungsfreiheit in Abessinien las­sen. Gerade über diese Fragen werde augenblicklich verhandelt, und hierbei komme den Bemühungen des französischen Ministerpräsidenten als Vermittler besondere Bedeutung zu. Die Frage der rein fran­zösisch-englischen Beziehungen sei voll­kommen unabhängig davon. England wünsche vorher alle für einen gegenseitigen Bei­stand gegebenen Möglichkeiten zu prüfen. Die eng­lische Regierung habe mit Genugtuung die englisch- französische Zusammenarbeit festaestellt, und wünsche es jetzt zu vermeiden, diese Zusammenarbeit in Frage zu stellen. Sie ginge deshalb vorsichtig uor und versuche, gewisse Sicherheiten für solche Fälle zu erhalten, deren Eintreten mehr als fraglich sei. Französischerseits beschränke man sich je­doch auf die Erinnerung an die letzte Note vom vergangenen Monat, in der die Hal­tung der französischen Regierung unzweideutig dar­gelegt worden sei.

Frankreich und die Sanktionen.

Paris, 7. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der fran­zösische Ministerpräsident empfing die Vertreter der französischen Ausfuhr-Industrie, die chn über die unangenehmen Rückwirkungen der Sühnemaßnahmen unterrichteten. Laval soll darauf hingewiesen haben, daß gerade seine Regierung als erste Schutzmaßnahmen für die französische Ausfuhrindustrie ergriffen habe. Er habe außerdem erklärt, daß man ihm in der Frage der Sühnemah­nahmen Vertrauen schenken könne, denn er werde bemüht bleiben, diese Maßnahmen gegen st andslos zu machen, indem er eine Lösung der Streitfrage anstrebe, noch bevor die Sanktionen in Kraft träten.

Der AeguS über die militärische Lage.

Addis Abeba, 6. Nov. (DNB.) Kaiser Halle Selassiö erklärte dem Vertreter des DNB. in Addis Abeba über die militärische Lage u. a.:

Die Italiener haben ihren Aufmarsch an den Grenzen vollzogen und unternehmen Vorstöße, die ihnen Geländegewinn einbringen, während sich d^ abessinischen Armeen noch ganz in der Aufmar,^, Periode befinden. Die verschiedenen Armeen f,e, riehen, da ihnen keine Eisenbahnen oder sonst^pn Verkehrsmittel zur Verfügung stehen, zu Fuß' Pferde oder mit Maultieren die ihnen nach linjr* rem Operationsplan anbefohlenen Stellungen. Die italienischen Erythräa-Truppen haben ihren An- ilriff zunächst bis zu der Linie Aksum U d u aA digrat oorgetragen. Sie konn- ien die Zone ohne ernstliche Kampfhand­lungen besetzen, weil diese auf meine Anord- isungen hin geräumt worden war. Die Italiener, die ihre Operationen ständig mit Luftbombarde- inents und Artilleriefeuer begleiteten, haben sich rach Erreichung der Linie AduaAksumAdigrat eingegraben und verschanzt.

An der S o m a l i e - F r o n t haben die italieni­schen Truppen die Linie Ual-UalGelehiGerlo- xubi bis heute nicht überschritten. Gerahai besindet sich noch in unserem Besitz. Die italienischen Unter- tiehmungen im Danakil- Gebiet sind, mi­litärpolitisch gesehen, fast wertlos. Wir verfolgen mit größter Aufmerksamkeit die Errichtung von italienischen Flugstützpunkten für Bombengeschwa­der, was darauf hindeutet, daß demnächst Luft- Angriffe auf unsere Eisenbahnlinie erfolgen werden.

Die Wahle

Neuyork, 6. Nov. (DNB.) Die Wahlergeb­nisse im Staate Neuyork liegen nunmehr vollständig vor. Danach haben die Republikaner neun Sitze im Abgeordnetenhaus gewonnen. Insgesamt sind ins Abgeordnetenhaus gewählt worden 82 Re­publikaner und 68 Demokraten. Auch in New Jersey haben die Republikaner Sitze gewonnen. Sie haben damit in diesem Staate ihre dort bereits bestehende Mehrheit erweitert. In Philadelphia, in Cleveland, Columbus und Detroit werden auf Grund des Ausganges der Wahlen r e p u b l i k a - nifche Bürgermeister an die Spitze der Städte treten. Die Republikaner begrüßen die Wiedererlangung der Mehrheit im Neuyorker Ab­geordnetenhaus als ein gutes Vorzeichen für die nächstjährigen Präsidentschaftswahlen. Die demo­kratischen Führer weisen dagegen auf ihre Erfolge in der Stadt Neuyork selbst hin.

Die Vereinigten Staaten von Nordamerika sind verfassungsgemäß ein Staatenbündel mit Sonder­parlamenten. Und tfu diesen Parlamenten also nicht zum Bundesparlament haben jetzt Wahlen stattgefunden, die im Staate Neu­york Roosevelt eine Niederlage einbrachten, wäh­rend der seit jeher demokratische Süden sich gut gehalten zu haben scheint. Im Staate Neuyork ist die demokratische Mehrheit gebrochen worden, die Demokraten haben sieben Sitze verloren, die Repu­blikaner dagegen mit 81 Mandaten die Mehrheit gewonnen. Allerdings ist Neuyork ein Sonderfall. Dieser Staat war von jeher rein republikanisch. Vor allem die Korruptionsmaschine der Tammany-Hall sorgte dafür, daß ihre Bosses glatt durchkamen. Immerhin zeigt sich, daß selbst in diesem Staate die Demokraten ihre Wahlmaschine so ausgebaut haben, daß in den einzelnen Wahlbezirken der Stadt Neuyork die Demokraten den Sieg davontrugen, und das ist besonders bemerkenswert, weil dadurch im nächsten Jahre der Bürgermeister Laguardia voraussichtlich nicht wiedergewählt werden wird.

Der Streit ging um die Nira. Mit der Nira hatte Roosevelt zum erstenmal in der Geschichte der Vereinigten Staaten den Versuch gemacht, neue Grenzen abzustecken. Die alten Grenzen hatten sich als unzureichend erwiesen. Es war wirklich so, wie im Mai 1935 der Präsident sagte, daß in den alten Grenzen Pferd und Postkutsche regierten und jeder tun konnte, was ihm beliebte, wobei einige Wenige sehr reich und die Gesamtbevölkerung um so ärmer wurde. Die alte Grenze, das ist das Prinzip des rücksichtslosesten und unsozialsten Individualismus und Kapitalismus. Aber es hatte sich gezeigt, daß die USA. nicht nur von der Weltkrise erfaßt waren, sondern von ihr derber geschüttelt wurden, als irgendein anderes Land.

Im reichen Amerika, mit seinen ungeheuren Flächen fruchtbaren Bodens war die Organisation der menschlichen Gesellschaft der fortschreitenden Technik gegenüber zurückgeblieben. Man berief sich zwar drüben darauf, die fortgeschrittenste Nation zu fein, man ließ den allmächtigen Dollar walten und glaubte, die ganze Welt beherrschen zu können, obgleich es offensichtlich war, daß die Welt die Schulden nicht zurückzahlte ober zahlen konnte, bie sie unter bem Druck des Weltkrieges für amerika­nische Warenlieferungen gemacht hatte. Daß ferner ber Warenhunger einmal Nachlassen und die einzel­nen Staaten sich nicht nach den amerikanischen Wünschen richten würden, war den Amerikanern so lange unglaublich, bis sich zeigte, baß bie Welt in immer größerem Maße auf amerikanische Mono- polprobukte verzichten kann. So ist in den letzten Jahren Amerika, bei bem bis bahin King Cotton, König Baumwolle, ben Ausschlag gab, von feiner Höhe als Hauptlieferant ber jjbrigen Welt herab- gestürzt worben.

Noch eins ist zu bemerken: In ben großen ame­rikanischen Räumen würbe in unheilvollem Maße bie Bevölkerung immer mehr in bie Großstäbte ge­zogen unb bas Land verödete. Während im hoch­industrialisierten Deutschland immerhin noch 30,5 D H. der Bevölkerung in ber Landwirtschaft unb in n5?tnerifd)en Berufen tätig sind und bie Sieblungs- Lberoegung folgerichtig baran geht, bie Erzeugung aus ber eigenen Scholle zu vermehren, bem beut- schen Staatsbürger Haus unb Hof zu schaffen, ihn also zu entproletarisieren, ist bie amerikanische Ent­wicklung vollstänbig entgegengesetzt verlaufen. Nur 22 v. ber Gesamtbevölkerung ber USA., davon ein erheblicher Teil Neger, sind in ber Landwirt- schäft tätig, bie immer mehr mit Maschinen betrie­ben unb zu einem Raubbau am Boden wurde. In den Großstädten aber herrschten die Dollarmacher unb rücksichtslos würbe alles zu Doben getreten, was Ansprüche auf soziale unb wirtschaftliche Scho- nung hatte. Die Trusts beherrschten bas angebliche Mutterlanb ber Demokratie, bas roeber gewerkschaft­liche Gleichberechtigung noch ben bürftigften sozialen Schutz für die Arbeitermassen kannte.

Die Krise konnte innerhalb der alten Grenzen nicht überwunden werden. Der Präsident hat daher versucht, ber amerikanischen Wirtschaft unb dem amerikanischen Volk neue Grenzen zu setzen. Er proklamierte in geradezu revolutionärer Weise das Primat des Staates auch über die Wirtschaft, das Niraprogramm, das die Selbstsucht des ein­zelnen Unternehmers und Kapitalisten brechen sollte,

N in USA.

wurde eingeführt. Aber im Mai 1935 erklärte das Oberste Bundesgericht bas Niraprogramm für un­vereinbar mit ber Verfassung. Diese Verfassung aber entstammt Zeitläufen, bie längst hinabgesunken finb, unb geht von einer Wirtschaftsform aus, bie längst nicht mehr besteht. So mutet der Spruch des Ober­sten Bundesgerichts wie ein Fossil aus längst ver­gangenen Erdzeitaltern an. Aber bie Spekulanten unb Ausbeuter witterten Morgenluft und ihr Ge­schrei, baß die Verfassung gegen ruchlose Versuche des Präsidenen geschützt werden müsse, tat zunächst einige Wirkung.

Aber bas amerikanische Volk war es leib, sich durch Wortgeklingel für selbstsüchtige Zwecke ein« fangen zu lassen. Ende August 1935 nahm der Kon- Sreß eine Reihe von Gesetzen an, die tatsächlich eine bkehr vom alten Amerika bedeuten. Nicht weniger als neun Milliarden Dollar wurden vom Kongreß für soziale Neuordnungen, für die Einführung der Versicherungen gegen Alter und Arbeitslosigkeit usw. bewilligt, wovon fünf Milliarden für die zu­sätzliche Arbeitsbeschaffung bestimmt waren, womit nach und nach 3,5 Millionen Arbeitsloser wieder Beschäftigung finden sollen. Gleichzeitig wurden die Ansätze zu Roosevelts Programm der inneren Kolo­nisation bewilligt. Damit hat also in der Sache ber neue Weg Roosevelts gesiegt. Unb wenn auch bei ben Wahlen zu ben Bunbesparlamenten hier unb ba Gegner Roosevelts in bie Parlamente kamen, so hat boch im großen unb ganzen bas amerika­nische Volk gezeigt, baß es unter ber Peitsche ber Not aufgerüttelt würbe unb burchweg hinter ber Politik bes Präsidenten steht. Das ist insofern be­merkenswert, als bamit für bie Wieberwahl Roose­velts im nächsten Jahre anscheinenb günstige Aus­sichten bestehen.

Griechenland.

Scharfe Zurechtweisung republikanischer Parteiführer durch Kondhlis.

Athen, 7. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der ehe­malige Staatspräsident Z a i m i s hat sich bereit erklärt, in einem Koalitionskabinett den Vorsitz zu übernehmen, wenn auch der republikanische Führer S o p h u l i s und andere in ein solches Kabinett eintreten würden. Diese Lösung der Frage der Regierungsbildung wird jedoch von der gegenwärtigen Regierung abgelehnt. Mi­nisterpräsident Kondylis hat sogar erklärt, daß er bie republikanischen Führer d erb a f» t en lassen werde, wenn sich Herausstellen sollte, daß sie einen zweiten Brief an ben König gerichtet hätten, ber Beleibigungen gegen ben König enthalte. Der Ministerpräsibent soll hinzugefügt haben, es wäre unsinnig, ben An­spruch zu erheben, baß ber von fast bem ganzen Volke zur Wieberbesteigung bes Thrones aufgefor- berte Könw sog. Parteiführer um Erlaub­nis b i tf en sollte, bie leb i gl i cf) s i ch selbst vertreten.

Oie Llmorganisaiion des schweizerischen Heere«. Basel, 6. Nov. (DNB.) Unter dem Vorsitz von Bundespräsident M i n g e r traten in Bern der schweizerische Landesoerteidigungsausschuß und ber Rat ber Heereskommanbanten zu einer Tagung zu­sammen. Im Mittelpunkt ber Beratungen steht bie neue Iruppenorbnung, wie sie mit ber Verlängerung ber Ausbilbungszeit an ben Rekruten­schulen zusammenhängt. DieBasler Nachrichten" teilen mit, baß an bem ursprünglichen Plan nicht unerhebliche Aenberungen vorgenommen worden seien. Don ber etwas starken Herabsetzung ber Bataillone auf 84 sei man roieber a b gekommen unb spreche heute roieber von rund 100 Bataillonen. Das bebinge auch eine entspre­chende Umorganisation der Einheiten, was gegenwärtig im Vordergrund der Erörterungen stehe. Man erwäge, ob man Einheiten von etwa 200 Mann festsetzen soll. Die Zahl ber Divisionen würbe nach dem abgeänderten Plan dann etwa acht betragen, wozu möglicherweise noch besondere Gebirgsbrigaden kämen. Außerdem soll der erste Grenzschutz neu organisiert werden.

GesehüberArbeitsvermittlung,Berufs- beratung und Lehrstellenvermittlung.

Berlin, 6. Nov. (DNB.) Das Reichsgesetz­blatt vom 6. November enthält ein Gesetz über Ar­beitsvermittlung, Berufsberatung und Lehrstellenver­mittlung, das am 1. Dezember 1935 in Kraft tritt. Die wesentlichen Bestimmungen des Gesetzes sind, daß die Arbeitsvermittlung, Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung nur noch von ber Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung betrie- ben werden darf, daß ferner der Reichsarbeifs- minifter gewerbsmäßige Arbeitsver­mittlung für einzelne Berufe zu- l affen kann.

Kunst und Wissenschaft.

Der dänische Schriftsteller Laurids Bruun gestorben.

Im Alter von 71 Jahren starb am Mittwoch In Kopenhagen der dänische Schriftsteller Laurlds Bruun. Laurids Bruun ist 1864 in Odense ge­boren und hat sich durch eine Reihe anmutiger unb phantasievoller Bücher einen Namen gemacht. In Deutschland haben vor allem seine in ber Südsee spielenden RomaneDan Zantens glückliche Zeit", Dan Zantens Insel ber Verheißung" undDie freudlose Witwe" viele Leser gesunden.

Au« aller Well.

50. Fahrt des LuffchiffsGraf Zeppelin".

Das LuftschiffG r a f Z ev p e l i n" hat Donners­tag um 6.45 Uhr unter Führung von Kapitän Lehmann feine letzte diesjährige Ausreise von Friedrichshafen nach Pernambuco unb Rio be Ja­neiro angetreten. Auch auf biefer Reife, ber 5 0. Sübamerika-Fahrt, find roieber sämtliche Kabinen an Bord voll besetzt, ein Zeichen für die ständig wachsende Beliebtheit der Zeppelinreisen. Don Pernambuco aus wird das Luftschiff einen Monat lang einen reinen Postdienst ohne Fahrgäste und Fracht zwischen Brasilien unb Afrika unter­halten, um dadurch eine Ueberholung der beiden Lufthansa - FlugzeugmutterschiffeWestfalen" und Schwabenland" zu ermöglichen.

Deutscher Fischdampfer mit 13 Mann Besatzung im Sturm gesunken.

Der FischdampferWursten" ber Hanseatischen Hochseefischerei AG., Bremerhaven, der am 10. Ok­tober zum Fang in bie Nordsee ausgelaufen war, ist nicht zurückgekehrt. Der Dampfer wurde zuletzt am 19. Oktober in ber Deutschen Bucht ge­lichtet. Es muß leiber mit Bestimmtheit angenom­men werben, daß bas Schiff ein Opfer ber da­maligen Stürme geworden ist. Die 13köpfige Be­satzung fand den Tob in ben Fluten. Zum Gedächtnis ber mit biesern Schiff gebliebenen beut- scheu Seeleute veranstaltet bie DAF., Auslands» organifation, Abteilung Seeschiffahrt, in ber Stabt- Halle Bremerhaven eine Irauerfunbgebung.

Drei Geschwister durch ausströmende Lohlengase erstickt.

Die drei Kinder bes Gastwirts Karl Reiß in Westhofen bei Straßburg, zwei Mübchen im Alter von 19 und 11 Jahren unb ein Knabe von 8 Jah­ren, e r st i ck t e n in ihrem Schlafzimmer durch Kohlengas, das aus einem schadhaften Kamin aus- geströmt war.

3n den Bergen vermißt.

Die in ben 30er Jahren stehenden Brüder Alexan­der und Othmar Müller aus Bern, beide er­probte Bergsteiger, brachen dieser Tage zur Bestei­gung des an der Grenze ber schweizerischen Kan­tone Waadt unb Wallis gelegenen 3061 Meter hohen Möveran auf. Seither mürben sie vermißt. Eine Rettungskolonne ist unterwegs.

Todesurteile wegen dreifacher Kindestötung.

Das Trierer Schwurgericht verurteilte die 50- jährige Ehefrau Schuh wegen Mordes in drei Fällen dreimal zum Tode und ihre 25jährige Tochter Anna wegen Mordes in einem Falle zum Tode unb wegen Kinbestötung in zwei Fällen sowie wegen versuchter Abtreibung zu fünf Jahren sechs Monaten Zuchthaus. Das Gericht befürwortete im Falle der Tochter bie Umwand- lung ber Tobesltrafe in eine angemessene Freiheits­strafe. Bei ber Urteilsverkündung brach Frau Schuh zusammen, so daß die Bekanntgabe ber Urteils­begründung ausgesetzt werden mußte. Beide Frauen hatten in den Jahren 1929, 1933 und 1935 bie von ber Anna Schuh unehelich geborenen Kinder ums Leden gebracht. Auf Anraten ber Mutter ließ bie Tochter das erste Kind nach ber Geburt verhun­gern, indem sie dem Kinde keine Nahrung mehr gab. In den beiben anberen Fällen hatte bie Mutter bie Kinder ihrer Tochter gleich nach der Geburt in ber Jauchegrube ertränkt. Bei einer Durchsuchung im Jahre 1935 fand man noch in ber Jauchegrube die Reste der beiden Kindesleichen vor. In ber 93er- hanblung war bie Tochter zunächst nach einigen Ausflüchten geständig, während die Mutter bis zu­letzt hartnäckig leugnete.

10 portugiesische Arbeiter durch Starkstrom gelötet.

Aus Lissabon wird berichtet, daß bei Alhambra in ber Nähe der portugiesischen Hauptstadt zehn Arbeiter, die einen Graben ausschachteten, mit dem elektrischen Strom einer Hochspannungsleitung in Berührung kamen und sofort getötet wurden.

Französischer Wilddieb als vierfacher Mörder zum Tode verurteilt.

Ein vierfacher Mörder, ber Wilbbieb Sofia, ist vom französischen Schwurgericht in Draguignan zum Tode verurteilt worden. Die Opfer waren vier Schäfer. Dor Gericht erklärte ber ärzt­liche Sachverständige, der Angeklagte sei kein Irrer, er gleiche aber mehr einem vorzeitlichen Höhlen­bewohner als einem zivilisierten Menschen. Der Richter lehnte es ab, ein Gnadengesuch für den Mörder zu unterzeichnen.

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