Oie Dreier-Besprechung in Venedig abgeschlossen.
Zusammenkunft der Außenminister der Kleinen Entente in 2Rotti?
Venedig, 6. Mai. (DNB.) lieber den Abschluß der italienisch-ungarisch-öster- reichischen Besprechungen in Venedig wird von italienischer Seite folgender amtlicher Bericht bekanntgegeben:
„Der Außenminister Ungarns, K a n y a, der Außenminister Oesterreichs, Baron Berger- Waldenega, und der italienische Unterstaatssekretär des Aeußern, S u v i ch, haben auf Grund der italienisch-ungarisch-österreichischen Protokolle eine Reihe von Unterredungen geführt. Die Besprechungen fanden im Geiste einer überaus herzlichen Zusammenarbeit statt. Es sind die Probleme besprochen worden, die die drei Länder sowohl auf politischem als auf wirtschaftlichem Gebiet direkt interessieren. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Vorbereitung der bevorstehenden Konferenz gewidmet, die sich auf die Anwendung der Römischen Protokolle vom 7. Januar 1935 bezieht. An der Klärung der wichtigsten Punkte wurde die vollkommene Uebereinftimmung der Ansichten und der Ziele festgestellt, die die Regierungen verfolgen, die die Zuversicht haben, daß dieses Klärungswerk die Verständigung der Staaten, die an der oben erwähnten Konferenz interessiert sind, erleichtern könne. Bevor die drei Staatsmänner auseinandergingen, haben sie Huldigungstelegramme an den Duce, an den österreichischen Bundeskanzler und an den un- garischen Ministerpräsidenten geschickt."
Der ungarische Außenminister von Kanya und der österreichische Außenminister Baron B e r • ger-Waldenegg haben mit ihrer Begleitung Montag um 18.30 Ühr Venedig mit dem fahrplanmäßigen Wiener Schnellzug verlassen. Zu ihrer Verabschiedung hatte sich der italienische Unterstaatssekretär S uv ich auf dem Bahnhof eingefunden.
Eine französische Bilanz.
Paris, 6. Mai. (DNB.) Ein Havas bericht aus Venedig versucht die Bilanz aus den dreitägigen Verhandlungen zwischen Italien, Oesterreich und Ungarn zu ziehen. Havas glaubt, daß diese Bilanz positiv sei und daß man der D o - naukonferenz in Rom vertrauensvoll entgegensetzen könne. Im einzelnen versichert der Havas-Berichterstatter, daß Ungarn nunmehr entschlossen sei, an der Donaukonferenz teilzunehmen.
Die Besprechung von Venedig erlaubte es Italien, einen Nichteinmischungspakt vorzulegen, dem weder von Oesterreich, noch von Ungarn Widerstand entgegengesetzt würde. Die Frage der Aufrüstung würde nicht Gegenstand der römischen Verhandlungen sein. Möglicherweise werde Italien jedoch von sich aus zu verstehen geben, daß es für eine paritätische Lösung sei, und daß es eine später einzuberufende Sonderkonferenz in Vorschlag bringe, havas unterstreicht jedoch, daß diese Haltung Italiens und die beruhigenden Zusicherungen, die es Ungarn in der Rüstungsfrage gegeben habe, die anderen
Mächte nicht verpflichten würde.
Was das ungarische Revisionsproblem und die Frage der Nichteinmischung angeht, hat es nach Havas den Anschein, daß der Pakt, der in Rom vorgelegt werden soll, sich besonders auf Oesterreich beziehen werde. Havas erinnert daran, daß das französisch-italienische Abkommen vom 7. Januar ein allgemeines Abkommen vorgesehen habe, daß nicht allein die Grenzen der unterzeichneten Staaten respektieren, sondern auch keine Propaganda dulden solle, die darauf abziele, die politische und soziale Ordnung in einem der beteiligten Länder umzustoßen. Die Frage der. Nichteinmischung werde sich besonders auf diesen Punkt des französisch-italienischen Abkommens beziehen.
havas glaubt, daß die Verhandlungspartner von Venedig besonders besorgt gewesen seien, die Unabhängigkeit Oesterreichs gegen die Gefahr eines Regimewechsels als Folge einer ausländischen Propaganda zu sichern. Diese Lösung des Problems würde gleichzeitig eine Regimeänderung zugunsten der Habsburger erschweren und somit den Richteinmischungsptan für die kleine Entente annehmbar werden.
Auf wirtschaftlichem Gebiet hätten Italien und Oesterreich in Venedig die Verpflichtung übernommen, das Protokoll über den Ankauf ungarischen Weizens zu erneuern. In Rom erwarte man zu diesem Zweck die Ankunft einer ungarischen Wirtschaftsabordnung.
Italienische Zufriedenheit.
Mailand, 7. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die großen Blätter Norditaliens heben bei der Besprechung der Schlußsitzung der Konferenz von Venedig in Schlagzeilen die vollständige Gleichheit der Ansichten der drei Regierungen hervor. Aus diesem Satze der amtlichen Mitteilung ergebe sich das positive Resultat der Zusammenkunft, schreibt „S t a m p a".
Die ilalienisch-ungarisch-öslerreichische Zusammenarbeit sei lebendig und bilde einen ruhenden Punkt in der unsicheren und immer noch nicht vollständig beruhigten Lage des Donauraumes. Die Aussprache habe nicht nur den x Wert der Zusammenarbeit zwischen den drei
Staaten aufs neue bestätigt, sondern habe auch den Weg für den Erfolg der künftigen Donaukonferenz geebnet. In Venedig habe man für die nun folgenden diplomatischen Verhandlungen Anleitungen gegeben, die vielversprechend seien und hoffen liehen, daß auch anderswo der gleiche gute Wille und der gleiche Geist der Zusammenarbeit den Sieg davontragen werden. Es sei klar, daß die Zusammenkunft einen Teil der diplomatischen internationalen Verhandlungen bilde, die Italien mit allen Ländern einschließlich der Kleinen Entente führe. Die italienische Regierung werde den befreundeten, an der Konferenz interessierten Staaten die Ergebnisse der Besprechungen von Venedig mitteilen. die Erkundungen seien zweckmäßig und notwendig gewesen im Hinblick auf die bevorstehende Donau-Konferenz, der man die Aufgabe zuwies, den ersten Schritt für eine Klärung und Stabilisierung der Beziehungen zwischen den einzelnen Donauländern einzuleiten, zum gegen
seitigen Wohle und zum Vorteil der Ordnung und des Friedens in Europa.
Die Zusammenkunft von Venedig habe wieder einmal bewiesen, so schreibt „Gazetta del Popo l o", daß die Protokolle v o n R o m wirksam und von entscheidendem Nutzen seien. Während man die Konferenz für den Nichteinmischungspakt vorbereitet, der die Unabhängigkeit Oesterreichs als eines der Grundprobleme für den Frieden Europas sicherstellen soll, sei eine solche Aussprache zwischen den drei Ländern unbedingt zweckmäßig gewesen.
Wan könne mit den erzielten Ergebnissen nur zufrieden fein.
Indiskretionen seien nicht angebracht. Man könne sagen, daß einige von der ausländischen Presse wiedergegebene Behauptungen über den ungarischen Gesichtspunkt nicht bestätigt werden könnten. Es liegenicht nur im Interesse der drei Unterzeichner der römischen Protokolle, daß die Donau-Kon- f e r e n z einen vollkommenen Erfolg bringe.
Kleine Entente und pattpolitik
Bukarest, 7. Mai. (DNB.) Der rumänische Außenminister Ti tu le sc u sprach am Montag vor der Presse über die internationale Lage, die er als sehr schwierig bezeichnete. Es gebe jedoch zwei Zeichen, die es erlaubten, mit Hoffnung in die Zukunft zu sehen. Das erste sei der Abschluß des französisch-sowjetrussischen Paktes und das zweite die Aussicht auf eine Verwirklichung des Donaupaktes. Der österreichische Nichteinmischungspakt werde von der Kleinen Entente und der Balkan- Entente sehr günstig beurteilt. Es wäre erfreulich, wenn die Bemühungen Italiens und Frankreichs zur Herstellung einer Verständigung in Mitteleuropa von Erfolg gekrönt feien. Die Schwierigkeiten, die sich der Erreichung dieses Zieles entgegenstellten, kämen sicherlich nicht vonseiten der Kleinen Entente ober der
London, 6. Mai. (DNB.) Der heutige große Jubiläumsumzug war ein Ereignis von ungeheurem Glanz und einer Prachtentfaltung, die den großen Ueberlieferungen des englischen Königshauses und des britischen Weltreiches würdig war. Die kilometerlange Prozession wurde in 7 Abteilungen durchgeführt. Als Erster fuhr Ministerpräsident Macdonald in voller Staatsuniform in Begleitung von berittener Polizei durch die Straßen, überall begrüßt von freudigen Zurufen der Menge. Ihm folgten in fünf offenen Wagen die Ministerpräsidenten von Kanada, Südafrika, Australien, Neuseeland, der Vertreter Indiens und die Ministerpräsidenten von Südrhode- ien und Nordirland. In der zweiten Prozession olgten der Sprecher des Unterhauses und in der dritten der Lordkanzler von England und andere hohe Würdenträger.
Die großartigsten Szenen spielten sich jedoch kurz nach 10 Uhr am königlichen Buckingham- Palast ab, wo Hunderttausende von Menschen den Monarchen erwarteten. Einige Minuten nach 10 Uhr trafen die Mitglieder der königlichen Familie ein, um den König und die Königin zu ihrem Jubelfest zu beglückwünschen. Als das englische Königspaar kurz vor 11 Uhr in einer von sechs Grauschimmeln gezogenen offenen Karosse den Buckingham-Palast verließ, erhob sich ein ungeheurer Begeisterungssturm der Menge. Der König, der die in Gold und Purpur strahlende Uniform eines Feldmarschalls der britischen Armee trug, war tief gerührt und dankte der Menge durch Zu- wink'en. Königin Mary, zur Linken des Monarchen sitzend, trug ein mit Silber und Diamanten geschmücktes Prachtkleid mit dem blauen Band 'des Hosenbandordens. Vor der königlichen Karosse ritt eine Eskorte Leibgardisten in roten Uniformen und mit goldenen Helmen. Hinter dem königlichen Wagen folgte eine endlose Reihe von Staatswagen mit hohen Beamten und Würdenträgern des Königreiches, darunter die Maharadschas von Patiala, Kaschmir und andere indische Fürsten in prachtvollen orientalischen Gewändern. Weitere berittene Truppenabteilungen in leuchtenden, far-
Balkan-Entente, die alles daran setzten, den Frieden aufrechtzuerhalten. Wenn der französifch-sowjeirus- sische Pakt durch den geplanten t s ch e ch o s l o w a - kifch - sowjetruffischen Pakt und den Donaupakt ergänzt werde, dann werde Europa in kurzer Zeit mit einem Netz regionaler Beistandspakte überzogen sein, die es erlaubten, mit größerer Zuversicht in die Zukunft zu blicken.
Titulescu schloß mit dem Wunsch, daß Deutschland und Polen einen mit ihren Interessen und Absichten zu vereinbarenden Weg finden mögen, um an der Aufrechterhaltung des köstlichsten Gutes, das die Menschheit besitze, des Friedens, mitzuarbeiten.
Ungarn
fordert I0üü00-Mnn-Heer
Venedig, 6. Mai (DNB.) Wie verlautet, hat Ungarn im Laufe der Verhandlungen die Erlaubnis zur Aufstellung eines Heeres von 100 000 Mann gefordert. Italien bleibe aber bei feinem bisherigen Standpunkt, daß die Donaukonferenz in Rom nicht das geeignete Forum für die Aeußerung derartiger Wünsche sei; diese Frage gehöre vielmehr nach Genf. Auch Italien wolle die ungarische Forderung stark unterstützen und sich unter Umständen für die Abhaltung einer besonderen Konferenz, die ausschließlich der Erörterung des Rüstungsftandes der abgerüsteten Donaustaaten gewidmet sein soll, einsetzen.
Kleine - Entente - Außenminister nach Jtom?
Rom, 6. Mai. (DNB.) Nach den Dreierbesprechungen zwischen Vertretern Italiens, Oesterreichs und Ungarns in Venedig besteht, gutem Vernehmen nach, auf italienischer Seite die Absicht, die Außenminister der Kleinen Entente ebenfalls zu einer Vorbesprechung für die Donau - Konferenz nach Rom emzuladen. lieber den Zeitpunkt dieser Zusammenkunft werden noch keine Angaben gemacht.
benbunten Uniformen beschlossen den königlichen Umzug.
Ueberall, wo das Königspaar durch die Straßen fuhr, erhoben sich ungeheuere Begeisterungsstürme der Menge. Ununterbrochen ertönten die Rufe: „Es lebender König" und „Es lebe die Königin". Am Eingang zur Londoner City wurde der König vom L o r d m a y o r von London begrüßt, der ihm nach alter lleberlieferung ein mit Perlen besetztes Schwert überreichte.
Ein kleiner Zwischenfall ereignete sich kurz vor der St.-Pauls-Kathedrale, als sich ein Banner mit der Aufschrift „Es lebe der König" plötzlich entfaltete und die bolschewistische Flagge m i4t Hammer und Sichel und den Worten „Arbeiter aller Länder vereinigt Euch" sichtbar wurde. Die Menge stürzte sich sofort auf das Banner und zerriß es in viele Stücke.
Die Jubiläumsfeier erreichte ihren Höhepunkt mit dem großen Dankgottesdienst in der St. Pauls-Kathedrale. Die Menge der prunkvollen Uniformen und der glitzernden Gewänder bot ein wundervolles Bild in dem Halbdunkel der Kathedrale, das nur durch die durch die gemalten Fensterscheiben hereinbrechenden Sonnenstrahlen erhellt wurde. Diplomaten aller Länder, Ministerpräsidenten, Kabinettsminister, hohe Militärs und Beamte erwarteten das große Zeremoniell. Als das Königspaar an den Stufen der St. Pauls- Kathedrale eintraf, begannen die Glocken des Doms und aller Kirchen Londons zu läuten. Langsam, mit feierlichen Posaunenklängen begrüßt, schritten König Georg und Königin Mary, zwischen einem Spalier Leibgarde, das mittelalterliche Uniformen trug, die Stufen empor. Am Einganc des Portals wurde das Köniaspaar vom B i f ch o von London, der die goldene Mitra und einen farbenprächtigen Talar trug, empfangen. Unter den gedämpften Klängen eines Chorals begab sich das hohe Paar durch die stehende Menge zu den goldenen Stühlen gegenüber dem Altar. Nachdem es Platz genommen hatte, wurde der Gottesdienst mit der ersten Strophe der Nationalhymne „Gott erhalte unseren König" eröffnet. Es folgten Dankes-
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Erstes Bilbtelegramm von den Jubiläums-Feierlichkeiten in London.
Das glanzvolle Regierungsjubiläum des englischen Königspaares erreichte am Montagnachmittag feinen Höhepunkt. Hunderttausende umsäumten die Feststraßen, durch die das Köniaspaar in der Staatskarosse, begleitet von 300 Reitern, nach der St. Pauls-Kathedrale fuhr, um dort an dem Jubiläums-Gottesdienst teilzunehmen. Dieses Bildtelegramm zeigt die Ausfahrt der Staatskarosse aus dem Buckingham-Palast.
Die Ln-iläumsfeierlichkeiten in London.
und Lobhymnen und der Gesang der Psalmen 95 und 121. Das Oberhaupt der evangelischen Freikirchen Englands verlas hierauf mehrere Kapitel aus dem Alten und Neuen Testament, die auf das feierliche Ereignis Bezug hatten. Der Mittelpunkt der Feier war die Ansprache des Erzbischofs von Canterbury, des höchsten Würdenträgers der englischen Hochkirche. Der Bischof von London sprach das Dankgebet, das von dem Königspaar und der gesamten Zuhörerschaft kniend mitgesprochen wurde. Zum Schluß der über eine Stunde dauernden Feier erteilte der Erzbischof dem Jubiläumspaar den Segen, worauf die Versammlung die letzten Verse der Nationalhymne sang. Unter Posaunenklängen verließen der König und die Königin die Kathedrale und begaben sich unter den nicht endenwollenden Begeisterungsstürmen der Menge in ihre Karosse. Der große Zug bewegte sich dann nach dem Konigs- palaft zurück, wobei sich wiederum dieselben Szenen der Begeisterung und des Jubels abspielten, wie auf dem Hinwege.
Die Londoner Bevölkerung und mit ihr die 500 000 Fremden, teils Ausländer, teils Angehörige >er Domien, feierten den Rest des Tages in festlichfröhlicher Ausgelassenheit. Zu einem wahren Volks- est gestaltete sich in den Abendstunden das Abbrennen eines gewaltigen Freudenfeuers im Hydepark. Die Regierungsgebäude, die Museen und der Buckingharnpalast erstrahlten am Abend in märchenhaftem Glanz.
Eine Fülle von Glückwunschtelegrammen war im Lufe des Tages von allen Staatsoberhäuptern der Welt, sowie von den Regierungen der Dominien, vom Vizekönig von Indien und aus den Kolonien eingetroffen. In den Glückwünschen der Dominien- regierungen wird ausnahmslos die unveränderliche Treue und Anhänglichkeit zur Krone zum Ausdruck gebracht.
' Auch der Oberste Rat der Mohamedaner von Palästina hat dem König ein Glückwunschtelegramm gesandt. Gleichzeitig lenkt das Telegramm die Aufmerksamkeit des Königs auf die politischen Zustände in Palästina und appelliert „bei dieser großen Gelegenheit an den Gerechtigkeitssinn S. M".
Für die Einstellung der ärmeren Volksklassen in England sind die Inschriften bezeichnend, die in den Arbeitervierteln der englischen Hauptstadt zu lesen sind und von denen eine lautet: „Arm, aber loyal".
Allerdings hat das Fest, abgesehen von der bereits gemeldeten kommunistischen Demonstration in der City, unter verschiedenen, wenn auch nicht sehr we- sentlichen Störungsversuchen von marxistischer Seite gelitten. So hatte sich der sozial- demokratische Stadtrat von Nelson in der Grafschaft Lancashire geweigert, das Rathaus zu beflaggen, was erregte Protestkundgebungen seitens der Bevölkerung hervorrief. lieber Nacht war jedoch von einem Unbekannten ein mächtiger Union-Jack am Flaggenmast befestigt worden. Als am Montag einer der marxistischen Stadträte das Haus verließ, stellte er fest, daß fein Kraftwagen festlich mit den Landesfarben geschmückt war. *
Das Regierungsjubiläum wurde von den deutschen evangelischen Gemeinden Londons durch einen besonderen Festgottes- dienst gefeiert, der am Sonntag in der deutschen lutherischen St. Marien-Kirche stattfand. Der deutsche Botschafter von H o e s ch und der Stad der deutschen Botschaft nahmen an der Feier teil. Pastor Wehrhan legte seiner Ansprache die Bibelworte „Ein treuer Mann wird viel gesegnet" zugrunde. Die Feier wurde durch die vereinigten Kirchenchöre der deutschen Gemeinden Londons, die deutsche Psalmen vortrugen, verschönt und schloß mit einem Gebet für das Wohlergehen des englischen Königs, des deutschen und englischen Volkes und des deutschen Führers.
Bezeichnend für die allgemeine Stimmung ist, daß heute (Dienstag) früh sogar der s o z i a f t ft i » s ch e „Daily Herald" seine erste Seite, die sonst nur wichtigen oder sensationellen Nachrichten vorbehalten ist, ausschließlich Bildern über die gestrigen Feiern widmet. An erster Stelle erscheinen in den Zeitungen die Berichte über die Veranstaltungen in den Dominien.
Im übrigen haben nicht nur der Londoner Westen, sondern auch die ärmeren Viertel des Ostens und Nordens der Stadt den Tag mit außerordentlicher Begeisterung gefeiert. Die prooifierten Flaggen waren zum Teil an Wäscheleinen quer über die Straßen gespannt, die den nüchternen Mietskasernen ein festliches Aussehen gaben, und die bunten elektrischen Birnen, die sich in den vornehmen Straßen des Zentrums wie Perlenschnüre entlang» zogen, sind in diesen Vierteln durch Papierlaternen mit Stearinkerzen oder Fahrradlampen ersetzt. Durch Sammlungen von Haus zu Haus wurde es errnög» ' licht, für die Kinder wenig Bemittelter oder Arbeitsloser auf offener Straße Teegesellschaften zu veranstalten. Die Hausbewohner hatten Tische und Stühle aus ihren Häusern geschleppt und damit lange festliche Tafeln improvisiert. Bis spät in die Nacht hinein beherrschten Gesang und Tanz und Gelächter die Häuser dieser Gegenden — ganz so, wie in den großen Hotels und Restaurants des Zentrums.
Botschaft des Königs.
London, 6. Mai. (DNB.) Am Abend des Jubiläumstages richtete König Georg V. über den Rundfunk an feine Untertanen im ganzen englischen Weltreich eine Botschaft. Vor einem goldenen Mikrophon im Regentensaal des Bucking- hampalastes sitzend, sagte der König mit tief be» roeger Stimme:
„Worte können meine Gedanken und Gefühle nicht aussprechen. Ich kann Dir, mein geliebtes Volk, nur sagen, daß die Königin und ich aus der Tiefe unserer Herzen für alle Ergebenheit und Liebe danken, mit der Ihr uns am heutigen Tage und immer umgeben habt. Ich weihe mich von neuem Eurem Dienst für die Jahre, die mir noch gegeben sein mögen. Ich blicke mit Dankbarkeit zu Gott auf die Vergangenheit zurück. Mein Volk und ich haben zusammen große Prüfungen und Schwierigkeiten durchgemacht. Sie sind noch nicht vorüber. Mitten in den Freuden dieses Tages denke ich mit Trauer an die Zahl meiner Untertanen, die immer noch arbeitslos sind. Wir schulden ihnen alles Mitgefühl und alle Hilfe, die wir leisten können. Ich hoffe, daß alle, die es können, während dieses Jubiläumsjahres ihr Aeußerstes tun werden, um ihnen Arbeit zu verschaffen und Hoffnung zu bringen. Andere Besorgnisse mögen bevorstehen. Aber ich bin überzeugt, daß sie mit Gottes Hilfe alle überstanden werden mögen, wenn wir ihnen mit Vertrauen, Mut und Einigkeit entgegentreten. S o sehe ich der Zukunft mit Glauben und Hoffnung entgegen. Den Jungen gehört die Zukunft. Ich vertraue darauf, daß durch den von meinem Sohn, dem Prinzen von Wales, einge« weihten Jubiläumsfonds vielen von Ihnen an Körper, Seele und Charakter geholfen werden möge, damit sie nützliche Staatsbürger werden.


