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Nr. 32 Erster Blatt

185. Jahrgang

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Leon, tragen die Bahre. Dieses Schicksal ist spa­nisches Schicksal schlechthin. Mit dem Zerfall des Reiches findet symbolhaft auch sein Begründer in das Mutterland zurück. Denn von dieser Zeit sind auch die letzten kolonialen Bindungen nach Amerika zerrissen. Das schloß nicht aus, daß sich zwischen Spanien und den Staaten Latein- Amerika freundschaftliche Verbindungen erhielten.

So hart die Sonne des Südens Licht und Schatten teilt, so hart fallen auch im Leben Licht und Sch a t t e n aufeinander: Reichtum und Elend, Fortschritt und Primitivität, Kultur und Un­kultur, Natur und Zivilisation. Diese Gegensätze prägen das spanische Leben ganz entscheidend. Zn ihnen erblickt man zu recht die Ursache aller Spannungen. Es ist dabei nicht so, daß etwa Begriffe wie Natur oder Primitivität in die Schat­tenseite des spanischen Lebens gereiht werden müssen und andererseits alle Errungenschaften der moder­nen Zeit, wie sie in der fortschreitenden Zivilisation auch in Spanien ersichtlich sind, dazu beitragen könnten, das Volk glücklich zu machen... Vielmehr bringt das überstürzte Eindringen mo­derner Lebenstendenzen erst verstärkt

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Methode a l s den Grundsatz betreffen. In der Regierung des Indischen Reiches sei die Kon­tinuität der Politik von allergrößter Be­deutung. Die britische Regierung stehe fest zu dem Versprechen, das in der Präambel vom Jahre 1919 enthalten ist, und zu der Auslegung, die der Vize­könig von Indien ihr im Jahre 1929 gegeben hat. wonachdas natürliche Ergebnis des Fortschritts Indiens, wie er hier in Aussicht genommen ist, die Erzielung der D o m i n i o n - S t e l - l u n g ift. Hoare bezeichnete die augenblickliche Vorlage als einen endgültigen Schritt zur Erzielung dieses Zweckes und fuhr fort:Wir wollen nach unseren Handlungen, nicht nach unseren Worten be­urteilt werden. Es ist klar, daß wir das Ziel, das wir uns gesetzt haben, nur erreichen können, wenn es Indien gelungen ist, die Bedingungen zu schaffen, auf denen Selbstregierung ruht. Das Hauptproblem, das Indien zu lösen hat, ist dis Rassen-, Kasten- und Religionskluft. Außerdem kann keine indische Regierung im vollen Sinne des Wortes autonom sein, bevor Indien mit Sicherheit ein weit größeres Maß an Ver­antwortung für seine eigene wirk­same Verteidigung übernehmen kann. Eng­land wird alles tun, um durch Hilfe und Mitarbeit Indien zu ermöglichen, diese Schwierigkeiten zu überwinden und schließlich seinen Platz unter den völlig selb st verwalteten Mitglie­dern des Britischen Reiches einzunehmen."

die Gegensätzlichkeit zum Ausdruck. Auf der einen Seite wird im liberalsten Rahmen dem Fort­schritt gepredigt. Auf der anderen Seite leben Mil­lionen in völliger Unkenntnis jeglicher modernen Arbeits- und Lebensauffassung. Schon an diesem Gegensatz scheint sich immer wieder ein einheitliches politisches Wirken zu zerschlagen. Modernes Leben hier, völlige Zurückgebliebenheit dort, das ist ein Urquell der Gärung, der politischen Unruhen, der sozialen Kämpfe, die das spanische Leben erzittern lassen. Ein Gebiet wie die einsame Bergöde von Las Hurdes" kann von dieser Betrachtung nicht ausgenommen werden. Es liegt nur 100 km von der Metropole Madrid entfernt. Aber hier hat man noch nicht von Madrid gehört, ja, hier gibt es Menschen, die sich nicht vorstellen können, daß eine gute Autostunde weiter eine Millionenstadt groß geworden ist. Die Menschen hier wissen nichts von elektrischem Licht oder gar einer landwirtschaft­lichen Maschine, und wenn sich einmal ein Auto neugieriger Besucher durch diese Oede schlägt, dann flieht die Bevölkerung wie vor einem bösen Geist. Diese Menschen können auch nicht wissen, ob in Madrid die Republikaner oder Monarchisten am

Spamen-gestem und heute.

Ein Bilderbogen aus dem Süden.

Don Walter Seidlih.

Barcelona, im Februar 1935.

Einmal im Jahre feiert Spanien fast in der ganzen Welt das Fe st der Rasse: In Spa­nien, in den afrikanischen Kolonien, in den Staaten

Der 6. Februar in Paris.

Ruhiger Verlauf des Erinnerungstages. Nächtliche Zusammenrottungen der Kommunisten werden verhindert.

RandolphChurchill durchgefallen

Die Nachwahl in Wavertree.

London, 7. $ebt. Bei der Unter-

hausersahwahl in Wavertree, einem Vorort von Liverpool, für die R a n d o l p h Churchill, der Sohn des ehemaligen Schah­kanzlers und Ersten Lords der Admiralität im Kriege 19 i n ff o n Churchills, als unabhängiger Konservativer gegen den offiziellen natio- nalkonfeißvativen Kandidaten Platt aufgetreten war, ist Randolph Churchill unter­legen. Gewählt wurde der Arbeiterparteiler Cleary mit 15 611 Stimmen. Der nationalkonfer- vative Platt erhielt 13 771, Randolph Churchill 10 575 und der Liberale Morris 4208 Stimmen. Bei den allgemeinen Wahlen im Jahre 1931 erhielt der Konservative in Wavertree eine Mehrheit von 23 793 Stimmen gegenüber dem Kandidaten der Arbeiterpartei. Zum erstenmal ist also ein Ar- belterparteiler in diesem Wahlkreis als Sieger hervorgegangen.

Das Ergebnis der Abstimmung zeigt deutlich, daß ein den Konservativen sicherer Sitz durch die Agitation der konser­vativen Opposition verloren gegangen ist. Der offizielle Regierungskandidat und der un­abhängige Churchill haben zusammen 7 7 3 5 Stimmen mehr erhalten als der siegreiche Ar­beiterparteiler. Randolph Churchill erklärte, er werde in den nächsten Monaten einen besonde­ren konservativen Verein in Waverstreet gründen und sich um die Aufnahme in den S t a d t r o t bewerben. Er hoffe zuversichtlich, daß er bei den nächsten Parlamentswahlen den Arbeiterparteilern den Wahlkreis wieder ab­nehmen werde. Sein Vater, Winston Chur­chill, bezeichnete das Ergebnis als einefeierliche Warnung", die der Nationalregierung wegen ihrer Indien Politik zutell geworden sei.

Daily Mai l", die für den Außenseiter Chur­chill eine ungeheure Propaganda entwickelt hatte, ist mit dem Ergebnis seiner Bemühungen sehr zu­frieden und sagt, die Abstimmung von Wavertree sei eine Erklärung zugunsten einer st arten Luftstreitmacht und gegen eine Kapi­tulation in Indien. Das Arbeiterblatt Daily H e r a l d" unterläßt es begreiflicherweise, die tieferen Gründe des sozialistischen Sieges zu untersuchen und legt Nachdruck auf die zweifel­los vorhandene Unzufriedenheit mit der Arbeitslosenpolitik der Regierung. Der Don der konservativen Blätter ist äußerst bit­ter.Daily Telegraph" wirft Randolph Chur­chill und anderen Politikern, zu denen außer seinem Vater auch Lloyd George und andere ein­flußreiche Feinde der offiziellen Jndienpolitik ge­hören, vor, daß sie darauf aus seien, die Konser­vative Partei zu spalten und bei den nächsten Wahlen den soziali st scheu Sieg zu sichern.

Bei der allgemeinen Beurteilung der Bedeutung der gestrigen Abstimmung für die Aussich­ten bei den näch st en Parlamentswah- l e n muß berücksichtigt werden, daß die B a u m - Wollindustrie von Lancashire ein ganz besonders großes Interesse an der Regelung der Jndienfrage chat und daß der kürzlich vorgenommene Abzug von der Arbeitslosenbeihilfe, der so viel böses, Blut gemacht hat, erst im letzten Augen- blick, nämlich tarn Dienstagnachmittag, von der Regierung einstweilen außer Kraft gesetzt worden ist. Aber auch wenn diese besonderen Um­stände berücksichtigt werden, ist der Schlag, der der nationalen Regierung zuteil geworden ist, sehr empfindlich und wird schwerlich ohne Wirkung auf ihre Haltung bleiben.

Starke Erhöhung des englischen Heereshaushaltes.

London, 7. Febr. (DNB. Funkspruch.)Mor- ning'Post" erwartet, daß der britischeHeeres- haushalt für das Finanzjahr vom April 1935

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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bis März 1936 eine Erhöhung um ungefähr 39 Millionen Pfund Sterling (etwa 475 Millionen RM.) gegenüber dem Vorjahr aufweisen werde. Die Mehrausgaben stünden nicht mit einer Verstärkung der Armee im Zusammenhang, sondern mit der Beschaffung von modernem Kriegsmaterial, besonders Motorfahr­zeugen, mit der A u s g e st a l t u n g d e r L u f t - ab wehr und der Neuordnung der Territo­rialarmee.

Indiens Kampf um Selbstverwaltung.

Die neue Regierungsvorlage im britischen Unterhaus.

London, 6. Febr. (DNB.) Die Einbringung der zweiten Lesung der indischen Gesetzes­vorlage, die das Parlament während der näch­sten sechs Monate beschäftigen wird, beansprucht das Hauptinteresse der politischen Kreise. Das Un­terhaus und die Tribünen waren bis auf den letzten Platz gefüllt, als der Staatssekretär für Indien Sir Samuel Hoare seine Rede hielt. Hoare verglich die Vorlage mit einem von der Re­gierung gebauten Riesenschiff, dessen Stapellauf sehr schwierig sei, das sich aber doch als seetüchtig erwei­sen werde. Die Meinungsverschiedenheiten über die Frage des Allindischen Bundes würden eher die

Paris, 7. Febr. (DNB.-Funkspruch.) Der 6. Fe­bruar ist in ganz Frankreich, von einigen kleinen Zwischenfällen abgesehen, ruhig verlaufen. 2)ie Feiern an dem Place d e la Con­corde zur Ehrung der Opfer des 6. Februar 1934 haben sich bis in den Abend hinein reibungs­los vollzogen. An den Denkmälern des Platzes häuften sich Kranz- und Blumenspenden. Ein star­ker polizeilicher Ordnungsdienst sorgte für die nor­male Abwicklung des Verkehrs. Um 10 Uhr er­schien eine Abordnung der Solidaritä Fran- x a i s e im Blauhemd, Baskenmütze, Reithose und Schulterriemen und legte an den Standbildern des Concordeplatzes, wo ihre Kameraden vor einem Jahr ums Leben kamen oder verletzt wurden, Kränze nieder.

In der Notre Dame-Kirche fand die kirch­liche Trauerfeier statt, an der Ministerprä­sident F l a n d i n teilnahm. Bei dem Gedächtnis­gottesdienst ereignete sich ein Zwischenfall. Ein Mitglied der Action Fran^aise hatte es ver­standen, in der Kirche während der Andacht b i s zum Ministerpräsidenten zu gelangen. Als er ihn erreicht hatte, stieß er l a u t e Beschimp­fungen gegen ihn aus. Der Mann wurde sofort festgenommen und abgeführt. Als der Wagen des Ministerpräsident nach dem Gottesdienst den Vor­platz vor der Notre Dame-Kirche verließ, veran­stalteten dort versammelte Camelots du roi ein Johl- und Pfeifkonzert. Etwa 300 Personen zogen in geschlossenem Zuge vor die Polizei­präfektur und drangen durch ein Nebenportal in den Jnnenhof ein. Hier ließen sie ihren Unwil­len gegen die Mobile Garde freien Lauf mit Rufen:Nieder die Mörder!",Fort mit dem Ge­sindel!" Sie bemächtigten sich der im Hof stehenden Müllkästen, die sie auf den Seine-Quai schleppten und ausschütteten. Städtische Polizei trieb die Kund­geber auseinander, die sich hierauf in das St. Ger­main-Viertel begaben, wo die Lärmszenen andau­erten. Im Lager der M a r x i st e n ist man vor allem aufgebracht über die Beteiligung der Regie­rung an der Trauerfeier in der Notre-Dame-Kirche, die man als Bruch des Waffenstillstandes und als Herausforderung der Linksfront bezeichnet. Die Universität hat am Mittwoch auf Anweisung des Unterrichtsministers für zwei Stunden die Vor- lefungen ausgesetzt, um den Studenten Ge­

legenheit zu geben, sich an den Erinnerungsseiern des 6. Februar zu beteiligen. An der Börse wurde das Andenken der Pariser Opfer durch eine Minute des Schweigens geehrt.

Ministerpräsident F l a n d i n empfing den Vor­stand des Nationalverbandes ehemali­ger Frontkämpfer (UNC.), der die Regierung zu einer umfassenden Säuberungs - und Re- formaktion aufforderte; andernfalls würden die Frontkämpfer von sich aus eingreifen. Die Klage darüber, daß seit dem 6. Februar 1934 nur schwache Ansätze zu einer Gesundung des Staates unternommen worden seien, kam auch in einem Vortrag zum Ausdruck, den der rechts­stehende Abg. H e n r i o t zur Erinnerung an die blutigen Ereignisse des Vorjahres in einem Pariser Versammlungslokal hielt. Er bedauerte namentlich, daß die nationalen Parteien die Früchte ihres Sie­ges vom vergangenen Jahr aufgegeben hätten.

In den späten Nacht st unden versuchten k o m- munistische Banden zum Concorde-Platz vor­zudringen, um dort Kundgebungen zu veranstalten. Die Polizei hatte jedoch von dieser Absicht erfahren und die Kommunisten, die zum größten Teil aus den Pariser Vororten mit der Bahn gekommen waren, schon am Bahnhof in Empfang genommen. Gegen Mitternacht wurden auf diese Weise etwa500Verhaftungen durchgeführt. Fast sämtliche Verhafteten waren im Besitze von Revolvern oder Schlagringen. Einige führten mit Petroleum getränkte Tücher bei sich. Im Zentrum der Stadt versuchten sich ebenfalls einige hundert Kommunisten zusam­menzurotten. Als die Polizei gegen sie vorging, machten die Kundgeber sofort von der Schuß­waffe Gebrauch. Es wurde jedoch niemand verletzt, 40 Kommunisten, die ebenfalls mit Revol­vern bewaffnet waren, versuchten nach dem E l y s e e, dem Palais des Präsidenten der Re­publik, vorzudringen. Sie wurden aber von der Polizei umzingelt und verhaftet. Gegen 2 Uhr nachts zählte man ungefähr 1200Verhaftungen. Der Polizeipräsident hat die Kränze, die am Fuße eines "5er beiden großen Brunnen auf dem Con­corde-Platz niedergelegt worden waren, in der Nacht fortnehmen und auf den Friedhof bringen lassen, wo der größte Teil der Opfer vom 6. Februar 1934 beigesetzt worden ist.

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General-Anzeiger für Oberheffen

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Ruder sind, sie haben auch noch keine Ahnung vom asturischen Anarchismus oder vom Separatismus in Katalonien. Sie leben weiter wie immer, in Höhlen, sie bearbeiten den Boden noch immer mit Geräten, die das Mittelalter brauchte.

Cs gibt viele solche Gebiete in Spanien; sie sind in neuerer Zeit häufig der Kampfplatz feuriaer Agitatoren geworden. Wohin das führt, bewiesen die Geschehnisse in der Provinz Asturien. Den Men­schen dort hat man alles glaubhaft machen können, diesen Menschen erschien Rußland als das Paradies; ihnen wurden Unternehmer, Polizisten und Pfaffen als die Ausbeuter der Menschheit dargestellt, ja, diese Menschen glaubten im Ernst, sowjetrussische Flugzeuggeschwader würden ihnen Hilfe bringen, als sie ihren letzten blutigen Aufstand in Asturien begannen. Sie wollen für sich das verwirklicht sehen, was im übrigen Europa und auch in den spanischen Großstädten schon durchgeführt ist: modernes Leben, tune Arbeitswochen und eine vernünftige soziale Gesetzgebung. Alles sind ganz natürliche Forderun­gen. Unnatürlich ist nur der Zeitpunkt. Spanien sucht den Anschluß an Europa oder an Amerika. Dieser Anschluß kann nicht von

Ein Kanumgssignal für die britische Aaüonalregiermg

Wahlsieg der Arbeiierpartei über die gespaltenen Konservativen.

Macht, die an diesem Tage noch einmal durch das Weltreich von ein st schwingt. Spanien war das Land, in dem die Sonne nicht unterging. Wenn am Festtag der Rasse alle im Feiern zu­sammengeführt werden, die einst unter dem spani­schen Banner eine Einheit bildeten, so lebt nur die Erinnerung an die Größe vergangener Jahrhunderte auf. DieseFiesta de la Raza" soll auf den macht­vollen Zusammenklang Hinweisen, den heute noch viele Völker durch die spanische Sprache haben.

Hier ist spanische Sprache und spanische Abstam­mung nicht immer gleichbedeutend. Ja, aus der Verbreitung der spanischen Sprache auf eine große einheitliche spanische Rasse zu schließen, wäre eine, unmögliche Schlußfolgerung. Spanien, die südwest­europäische Wetterecke, wurde der große Völker- politische Schmelztiegel. Die Pyrenäen­halbinsel ist geographisch die Völkerbrücke von einem Erdteil zum anderen. Viele Rassen nahmen in Jahrtausenden diesen Weg. Hier schmolzen sie zusammen. Dieses Kommen und Gehen der Völker in Jahrtausenden, dieses Aufblühen und Versinken der großen Reiche am Mittelmeer, dieses Auf und Ab in der Geschichte der Rassen, das alles hat in Spanien sichtbare Spuren hinterlassen. Was ist also dieSpanische Rasse", der zu Ehren einmal im Jahr ein jubelndes Fest gefeiert wird? Wo offenbart sich Spanien, und wie enthüllt sich das Schicksal seiner Bevölkerung? Die Ureinwohner des Landes haben viele Eroberer über sich ergehen lassen müssen: Iberer und Kelten, Phönizier und Griechen, Karthager und Römer, Sueven, Alanen und Goten, die Araber schließlich, die erst nach einer jahrhundertelangen Herrschaft gemeinsam mit den Juden aus dem Lande getrieben wurden.

Es gibt da keinen Anfang und auch kein Ende. Spanien, der gewaltige Schmelztiegel, trägt fein einheitliches Gepräge. Eine maurische Filigranrosette im gotischen Dorn, eine Römerburg in einer iberischen Siedlung, morgenländischer Ge­sang in katholischer Kathedrale, Gotik unter Palmen, der Fatalismus des Orients im Christentum des Abendlandes, all das wird heute zur spanischen Erfüllung. Aber es ist nichts dabei, was zum ein­heitlichen Ziel führte. Die Sprache weift nach Rom.. Aber unverkennbar sind auch die Spuren, die das Morgenland hinterläßt. Die Bevölkerung selbst ist aus einem bunten Völkergemisch heroorgegangen. Im Feuer der Kriege zerschmolzen die Rassen, und auch mit dem Sieg des Christentums fand der Kampf noch nicht das Ende. Die spanische Erde ist blutdurchtränkt. Auf spanischem Boden gab es d i e Begegnung zwischen Morgenland und Abendland. Spanien ist die natürliche Brücke auch nach Afrika. Von Spanien aus wurde Amerika entdeckt, und nach Spanien floß ein machtvoller Strom von Auswanderern zurück. Nur die einheitliche Sprache hält dieses Gebiet und diese Menschen zusammen. Da ist keine politische Einheit. Und es fehlt auch der Einheits­begriff der Rasse.

Noch heute wird in ganz Spanien der Kolum- b u s k u l t hochgehalten. Es ist zwar nicht erwiesen, daß Kolumbus spanischer Nationalität war. Das hat jedoch die Spanier seit Jahrhunderten nicht davon abhalten können, ihn dis einen der größten Spanier zu feiern, ihm Denkmäler zu setzen und Erinnerungsfeiern überall im Lande zu begehen. Dieser Kolumbuskult ist mehr als ein Personenkult. Denn am Schicksal dieses Mannes erfüllt sich ein gut Teil spanischen Schicksals überhaupt. Amerika ist entdeckt, und Amerika wird das Ziel von Millio­nen. Der große Entdecker zieht viele kleine Ent­decker nach sich: Gute Kolonisatoren manchmal, aber meist doch Menschen, die rücksichtslos und brutal oorbrangen und blutigen Raubbau trieben. Aber hier formt sich der Anfang des weltüber- fpannenben spanischen Reichs, dessen eigentlicher Begründer ost in Kolumbus gesehen wird.

Die Ruhelosigkeit, die den Amerikaentdecker um­herwarf, erscheint bezeichnend für die ganze Epoche. Ja, noch nach seinem Tode erfüllt sich an seinem Schicksal spanische Geschichte. Kolumbus wird in Spanien beigesetzt, im Franziskaner - Kloster zu Dallodolid. Aber auch jetzt findet der Ruhelose keine Ruhe. Sein Leichnam wird nach Sevilla überführt, über nur für Jahre dann beginnt im Tode Lleichsam eine zweite Entdeckerreise bis Haiti, J50 ihm Angehörige in San Domingo das Grab bereiten. Für Jahre nur, der völlige Sturz des spanischen Weltreiches bereitet sich vor. Frankreich nimmt Besitz von Haiti. Die Gebeine Kolumbus werden als kostbares Vermächtnis durch Spanier gerettet und nach Kuba gebracht, wo sie länger ms ein Jahrhundert im Dom zu Havanna ruhen.

Aber auch Kuba, eine letzte spanische Stütze in Latein-Amerika, geht verloren... Um die Jahr­hundertwende werden die letzten sterblichen lieber» refte des großen Entdeckers nach Europa zurück- geführt und ruhen feit dieser Zeit in der Kathedrale du Sevilla. Vier himmelragende Figuren, die Könige von Asturien und Aragonien, Kastilien und

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Latein-Amerikas, überall dort, wo Spanier oder Menschen spanischer Abstammung leben. Diese Fiesta de la Raza", wie sie jetzt der Spanier

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