Ausgabe 
7.1.1935
 
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Aus aller Welt.

Neue Mitglieder -es Volksgerichtshofes

Berlin, 5. Ian. (DNB.) Wie wir erfahren, find der Gendarmeriegeneral Schoettlenberg und der Oberstleutnant der Landespolizei Rath vom Führer und Reichskanzler auf Vorschlag des Reichs­und preußischen Iustizministers auf Grund des Ge­setzes zur Äenderung von Vorschriften des Straf­rechts und des Strafverfahrens vom 24. April 1934 für die Dauer von fünf Jahren zuMitgliedern des Volksgerichtshofes ernannt worden.

Führertagung derNEBO., NG.-Hago und OAF.

Berlin, 5. Jan. (DRB.) In derBank der Deutschen Arbeit" fand eine Tagung statt, an der die Politischen Leiter der RSBO. und NS.-Hago, DAF.-Walter, KdF.-Warte und die Treuhänder der Arbeit teilnahmen. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley bezeichnete es als vordringlichste Auf­gabe, alles das wegzuräumen, was noch an Resten des Vergangenen vorhanden sei. Gegenüber der in manchen Kreisen verbreiteten Meinung, d i e RSBO. und N S. - H a g o seien überflüssig, weil wir ja die alles umfassende Deutsche Ar­beitsfront haben, erklärte der Reichsorgani­sationsleiter, daß ein Verzicht auf diese beiden wichtigen Parteigliederunaen Selbstaufgabe wäre. Es wird immer Aufgaben geben, die nur innerhalb der Partei gelöst werden können. Wenn wir erklären würden, ein Teil der Partei sei überflüssig, so würden wir damit das Primat der Partei selb st treffen. Auch kann keines der beiden Aemter die Aufgaben des anderen übernehmen. Wir haben eine jahrzehnte­lange Mittelstandsbewegung in Deutschland, die wir nicht übersehen können. Auch Handel und Hand­werk müssen ihre Führung haben. An der Einheit der Arbeitsfront darf nicht gerüttelt werden. Die Reichsbetriebsgemeinschaften haben eine ganz neue Aufgabe den früheren Verbänden ge­genüber. Sie haben weder die Organisation noch das Denken der früheren gewerkschaftlichen Ver­bände fortzuführen. Die 'Betriebsgemeinschaften sind mit einem Nervensystem zu vergleichen, das draußen in den breiten Massen das Volk betreut.

Raubmord

im Sassenraum des Breslauer Domkapitels.

Hinter den Schaltergittern der Kaffe des Bres­lauer Domkapitels wurde der Rendant Richard Malich erschossen aufgefunden. Der 57jährige Mann hat einen Herzschuß aus einer kleinkalibrigen Waffe erhalten. Die Telephonleitung war durch­geschnitten. Wie hoch der geraubte Geld­betrag ist, muß die Untersuchung ergeben. Der Tat dringend verdächtig sind drei junge Leute Mitte der zwanziger Jahre, die gesehen worden sind, als sie die Kasse verließen.

Die Mutter eines kommunistischen Mörders verleumdet SA.Führer.

Vor dem Berliner Schöffengericht fand in diesen Tagen die Ermordung des Hitlerjungen Schmitzberg ein gerichtliches Nachspiel. Schmitz­berg wurde im März 1933 im Grünewald hinter­rücks erschossen. Als Mörder wurden die jugendlichen Kommunisten R o ch o w und Otto Woithe ermit­telt, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Nach der Hinrichtung ihres Sohnes verbreitete die 51jährige Frau Woithe die Behauptung, der Ober­sturmbannführer A. habe den Hitlerjungen und auch ihren Sohn auf dem Gewissen. Er habe Rochow zu der Tat angestiftet und er habe bei der Schwur­gerichtsverhandlung falsch geschworen. Frau Woithe hatte sich deswegen jetzt vor dem Schöffengericht wegen verleumderischer Beleidigung zu verantworten. Sie konnte für ihre Behauptungen keinerlei Beweis erbringen und wurde wegen ver­leumderischer Beleidigung zu sieben Monaten G e - f ä n g n i s verurteilt.

Furchtbare Bluttat eines Betrunkenen. Drei Tote, drei Schwerverletzte.

Eine grausige Bluttat spielte sich bei Lorient in Frankreich ab. Ein im Ruhestand lebender Ge­meindebeamter hatte Freunde zu Gast geladen. Als Gastgeber und Gäste gemütlich beisammen saßen, drang plötzlich ein Betrunkener mit einem Revolver in die Wohnung ein und gab blindlings Schüsse auf die Anwesenden ab. Fünf Personen stürzten getroffen zu Boden. Als die Nachbarn her­beieilten, konnten sie nur noch den Tod des Gast­gebers und seines betagten Vaters feststellen. Seine Frau und drei Gäste mußten schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden. An ihrem Auf­kommen wird gezweifelt. Der Täter, der inzwischen seine Wohnung ausgesucht hatte, jagte sich eine Kugel in den Kopf. Es sollen sich bei ihm in letzter Zeit wiederholt Zeichen von geistiger Um­nachtung geäußert haben.

Das Lawlnenunglück in der Marmolata.

Zu dem bereits gemeldeten schweren Lawinen­unglück in den Dolomiten, das vier Menschen­leben forderte, werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Das Unglück ereignete sich knapp unter­halb der Fedaja-Scharte in der Marmolata. Der Münchener Skilehrer Luder, der dort einen Ski­kursus abhielt, hatte mit den Teilnehmern eine Uebungsfahrt unternommen. Die Neuschneelawine, die mit ungeheurer Wucht niederstürzte, hatte eine Breite von etwa 200 Metern. Einer der Verschütte­ten konnte sich selbst aus den Schneemassen heraus­arbeiten, zwei weitere konnten noch lebend heraus­geschaufelt werden. Von ihnen soll der eine leichtere Verletzungen erlitten haben. Die Leichen der auf so traurige Weise Perunglückten werden in die Heimat übergeführt werden. Im Gebiet der Dolomiten waren in den letzten Tagen ergiebige Schneefälle eingetreten. Müde Witterung stei­gerte die Lawinengefahr erheblich.

Italienische und englische Skiläufer im Gebirge verschüttet. Bisher drei Tote geborgen.

Vier Italiener aus Mailand, zwei Damen und zwei Herren, die im Siloaplana-Gebiet eine Ski­wanderung unternommen hatten, verfehlten bei der Abfahrt ins Rosegtal den Weg. Sie fuhren auf ein Schneebrett, das niederbrach und die vier Skiläufer unter sich begrub. Zwei von ihnen konnten kurze Zeit darauf von anderen Skiläufern aus den Schnee­massen geborgen werden. Jedoch blieben sofort unternommene Wiederbelebungsversuche e r f o l g - l o s. Eine Rettungskolonne aus Pentresina suchte lange vergeblich nach den anderen beiden Verun­glückten.

Zwei Londoner Skiläufer, John Howard und Franklin Armstrong, wurden bei einer Bestei­gung der Hochjochspitze in den Oetztaler Alpen von einer Lawine verschüttet. Die Leiche Ho­wards wurde mit Hilfe der Lawinenschnur, die aus

Paris meldet vollständige Einigung zwischen Laval undMffolini

Paris, 7. Jan. (DNB.-Funkspruch.) Nach Mit­ternacht traf in Paris die Nachtricht ein, daß z w i- schen Mussolini und Laval eine voll- ständige Einigung erzielt worden sei. Diese Nachricht wird von der französischen Presse mit größter Genugtuung ausgenommen, man möchte annehmen, daß jetzt die Freundschaft Frankreichs und Italiens, von jeder peinlichen Erinnerung be­freit, feierlich besiegelt worden sei. Der 6. Januar 1935 wird deshalb von der Presse als ein für die Befriedung der Völker geschichtlicher Tag gefeiert. Nichtsdestoweniger bleibt der Außenpolitiker des Echo de Paris vorsichtig abwartend. Auch er hält die französisch-italienische Annäherung für wünschenswert und solcher Opfer wert, die nicht Frankreichs Hauptbelange schädigen. Denn immer­hin, so meint er, stünden gefahrlicheJahre bevor, für die man sich die Möglichkeit eines gemeinsamen Vorgehens mit Italien sichern sollte. Aber eine allgemeine dauernde Entente liege wohl außer­halb des Bereiches der Möglichkeit, und Frankreich würde falsch handeln, ihr nachzulaufen. Denn der dafür zu zahlende Preis dürfte den möglichen Nutzen weit übersteigen. Solange Italien nicht seinen Anteil an der Welt zu haben glaube, werde es stets mit Forde­rungen kommen. Damit müsse man sich ab- fmden, und deshalb vorsichtig bleiben. Für bedenk­lich hält das Blatt u. a., daß Laval sich auf eine Erörterung der Abrüstungsfrage ein­gelassen habe und vielleicht vom Standpunkt der französischen Note vom 17. April abgerückt sei. So habe man womöglich der englischen Diplomatie Gelegenheit gegeben, die in der englischen Denk­schrift vom 29. Januar niedergelegten Grundsätze wieder aufzurollen.

Die einzigen positiven Unterlagen über die Ab­kommen, die am heutigen Montag in Rom unter­zeichnet werden sollen, liefert vorläufig nur der rö­mische Sonderberichterstatter der H a v a s - Agentur. Danach seien folgende diplomatische Schriftstücke zu erwarten:

1. Ein Protokoll, das die Gleichhelk der Ansichten beider Regierungen über die Hauptfragen der allgemeinen Poll- t i k feststellt; dieses Protokoll soll zur Veröffent­lichung durch die Presse freigegeben werden.

2. Eine Empfehlung Frankreichs und Italiens an die Rachbar- und Rach­folgestaaten Oesterreichs (Deutschland, Oesterreich, Ungarn, die Tschechoslowakei, Süb- slawien, Polen, Rumänien) u. a. ein Abkommen abzuschließen, durch das die gegenseitige Achtung ihrer Grenzen und die Richt- einmischung in ihre inneren Ange­legenheiten gewährleisten soll.

3. Ein konfultativpakk, durch den Frank­reich und Italien sich verpflichten, sich bei Ereignis­sen, die Oesterreichs Unabhängigkeit bedrohen, ins Benehmen zu sehen. Deutsch­land, Ungarn, die Tschechoslowakei, Südflawien, Polen und Rumänien sollen zur Teilnahme an diesem Pakt elngeladen werden.

4. Ein Abkommen zur Regelung der französisch- italienischen kolonialfragen in Rord- a f r l k a.

Die Einigung über die afrikanischen Fragen scheint nach Havas auf folgender Grundlage er­zielt zu fein: Italien verzichtet in einer noch näher zu bestimmenden Frist aus die den italienischen Staatsangehörigen in Tunis im Abkommen von 1896 gewährten Vor­rechte (Rationalitätenfrage). Frankreich hält sich nicht mehr an das Abkommen von 1916, durch das Italien lediglich die libyschen Grenzbezirke zwischen den Oasen Lhadames, Rhat und Tümmo überlassen wurden, sondern tritt an Italien ein großes südlich von Libyen gelegenes Gebiet in Richtung Tibestl ab, ohne jedoch den Italienern einen Zugang zum Tschad-See zu gewähren. In Somali-Land willigt Frankreich in eine Grenzberichti- gung zugun st en Italiens durch die Ver­längerung der Grenze von Erythräa ein und be­günstigt die Beteiligung Italiens am Betrieb der für die abessinische Ausfuhr wichtigen Eisenbahn­linie Addis Abeba Djibuti.

Die Dokumente Nr. 24 sollen erst später ver­

öffentlicht werden. Sie können mit Zusatzprotokol­len versehen werden, die die Haltung beider Regie- rungen in gewissen, besonders außenpolitischen, Fragen in Einklang bringen würden.

England zufrieden.

London, 7. Jan. (DNB.-Funkspruch.)Times" begrüßt die Nachricht von der Einigung. Die beiden Unterhändler wüßten, so sagt das Blatt, daß der Erfolg der neuen Pakte nur ein Teilerfolg sein könne, wenn Deutschland nicht teil- nehme. Sie seien daher so klug, die deutsche Regierung über ihre Absichten auf dem Laufenden zu galten. Mussolini habe außerdem am Samstag in seinem Trinkspruch un­terstrichen, daß die Vereinbarungen nicht so aus­gelegt werden könnten und dürften, als richteten sie sich gegen andere Mächte.Daily Telegraph" meint, die Bildung der neuen Entente zwischen Frankreich und Italien werde sich jedesmal, wenn

Europas Nöte in Genf besprochen würden, wohl­tuend bemerkbar machen. Europa könne sich über die französisch-italienische Freundschaft freuen. Deutschland sei während der ganzen Dauer der Ver­handlungen durch Mussolini auf dem Laufenden ge- halten worden. Es sei noch nicht sicher, wel- che Rolle Großbritannien in dem Pakt zugedacht werde. Die britische Regierung werde bis zum 20. Januar Zeit zum Nachdenken haben, falls Flandin und Laval bei ihrem Besuch in London weitgehende Wünsche haben sollten.Daily Mail" warnt vor einer Beteiligung Groß­britanniens an einer Garantie fürdie Zukunft Oesterreichs. Das Blatt glaubt, Großbritannien habe bereits genug eigene Schwierigkeiten und könne daher keine neuen großen Verpflichtungen überneh- men. Großbritannien habe vielmehr die Pflicht, sich aus dem europäischen Sturmgebiet f e r n zu- halten.

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Ein Bildtelegramm von der Ankunft des französischen Außenministers Laval (mit Spazierstock) auf dem Bahnhof in Rom, wo er von Mussolini (rechts neben ihm), Baron Aloifi (rechts) und dem französischen Botschafter in Rom, Graf Chambrun (ganz links), empfangen wurde.

Medens-Trinkspriiche in Rom.

Rom, 5. Jan. (DNB.) Der König von Italien empfing am Samstag den französischen Außenminister Laval. Im Anschluß an den Emp­fang gab der König zu Ehren seines Gastes e i n frühstück, an dem auch die Königin, Prinzessin Maria, Mussolini, der französische Botschafter in Rom und der italienische Botschafter in Paris teil­nahmen. Am Abend nahm Laval an einem von Mussolini veranstalteten Essen im Palazzo Venezia teil, an das sich noch ein großer Emp­fang anschloß, zu dem das diplomatische Korps geladen war.

Am Schluß des Banketts sind zwischen Mussolini und Laval T r i n k s p r ü ch e gewechselt worden. Mussolini gab der Freude Italien und der italie­nischen Regierung darüber Ausdruck, nach mehreren Jahrzehnten in Rom den Außenminister Frank­reichs begrüßen zu können. Es handele sich nicht darum, daß Frankreich und Italien in Mittel­europa auf ihre gegenseitigen Freundschaften ver­zichten, sondern darum, im Donauraum die Inter­essen und Lebensnotwendigkeiten jedes Staates mit den Ergebnissen allgemeinen Charakters mit dem Ziel der Befriedung Europas in Uebereinftimmung zu bringen.Unter diesem weiteren Gesichtspunkt gesehen, glaube ich", so wandte sich Mussolini an Laval,daß Sie mit mir darin übereinstimmen, daß unsere Abmachungen im Hinblick auf andere Mächte, die ihre Mitarbeit an dem Werk, das wir beginnen wollen, beizutragen wün­schen, nicht als gegensätzlich oder auch nur störend ausgelegt werden können oder dürfen."

Laval entbot Mussolini den Gruß Frankreichs. Niemand kann den wahren Sinn der Aktion, die wir entschlossen unternommen haben, falsch ver­stehen. Ich spreche im Namen Frankreichs, das kein selbstsüchtiges Ziel verfolgt. Frankreich ist mit Recht um seine Sicherheit besorgt. Es hat aber auch die Absicht, sein Teil an dem zur Versöhnung der Völ­ker notwendigen Werk auf sich zu nehmen."

Jeder von uns", so sagte Laval weiter,hat die Pflicht, zuerst sein Vaterland zu ver­teidigen, es stärker und schöner zu machen. Aber die Liebe zum Vaterland verbietet nicht seinen Anteil an der internationalen Solidarität zu übernehmen. Ich weiß, daß diese Pflicht zuweilen schwer zu erfüllen ist; aber der Mut muß von jedem aufgebracht werden, von allen, die die Verant­wortung für das Schicksal der Völker haben." Die große Hoffnung der Völker dürfe nicht enttäuscht, der Friede müsse erhalten und ge­festigt werden. Man müsse aus der Vergangen­heit lernen, daß immer im Kriege die Zivilisation zusammengebrochen sei. Im Anblick der Bauten des antiken Roms wollen wir gemeinsam den Schwur leisten, die Menschheit nicht in das Dunkel früherer Jahrhunderte zurückfallen zu lassen.

Laval und Mussolini sind vom König von Italien bzw. vom Dräsidenten der französischen Republik hohe Ordensauszeichnungen verliehen worden. Laval hat das Großkreuz des Mauritius- und Lazarus-Ordens, Mussolini das Großkreuz der Ehren­legion erhalten.

dem Schnee heraushing, gefunden. Die Leiche feines Gefährten konnte bisher noch nicht geborgen wer­den. Die beiden Engländer hatten die Tour gegen den Rat erfahrener Bergführer unternommen.

Schweres Explosionsunglück in Belgrad. vier Tote, fünf Schwerverletzte.

Am 5. Januar, dem Vortage der griechisch-katho­lischen Weihnachtsfeiertaae, ereignete sich in Belgrad in einem kleinen Geschäft für Weihnachtsartikel eine folgenschwere Explosion, die vier To­desopfer forderte. Infolge eines unglücklichen Zufalls entzündete sich bei der Vorführung von Kork-Patronen der ganze Bestand an Feuerwerks­körpern, der im Geschäft vorhanden war. Durch die Explosion wurde die Tür derart versperrt, daß die im Raum befindlichen Menschen nicht flüchten konnten. Der Geschäftsinhaber und seine Frau so­wie zwei Kunden verbrannten, während fünf andere Kunden mit schweren Verletzun­gen gerettet werden konnten.

Bergwerksunglück in Südferbien. Fünf Tote, mehrere Schwerverletzte.

Im Erzbergwerk von Treptfcha in Südserbien er­eignete sich ein schweres Unglück. Durch einen Erdrutsch wurde eine Arbeitergruppe verschüt­tet, die in einem Stollen beschäftigt war. Bisher konnten fünf Personen als Leichen geborgen werden. Außerdem sind mehrere Personen schwer verletzt worden.

Schlagwetterexplosion in einer bayerischen Grube. Ein Toter, vier Schwerverletzte.

In der oberbayrischen Grube Hausham ereignete ich eine Schlagwetterexplosion. Ein Steiger wurde getötet, vier weitere Bergleute wurden schwer und 14 leicht verletzt. Die Berg­inspektion ist mit der Untersuchung der Unfall­ursache an Ort und Stelle beschäftigt, lieber die Zündungsquelle der Schlagwetter kann noch nichts Genaues gesagt werden. Irgendeine Gefahr für Die Grube oder die Gefolgschaft besteht nicht.

Falsche Geständnisse durch schwere Mißhandlungen erpreßt. Oie Memelländer vor dem Kownoer Militärgericht.

K o w n o, 5. Jan. Am Samstag, dem 16. Verhand­lungstage im großen Memelländerprozeß wurde mit dem Verhör der in diesem Prozeß am schwersten beschuldigten Angeklagten, des Bankprokuristen Priest und des Gutsbesitzers Horn begonnen. Diese Gruppe der Angeklagten wird des Mor­des an dem Justizoberwachtmeister Jenuttis beschuldigt. Dieser wird in der Anklageschrift als Fememord bezeichnet. Priest wies die Beschuldigung entschieden zurück; er sei in der Lage, ein lückenloses Alibi beizubrin- bringen.

Der Angeklagte Horn erklärte daß er einen Protest gegen die unfäre Art der Voruntersuchung durch den Untersuchungsrichter einlegen müsse. Obwohl er ein ärztliches Attest über fein Nervenleiden vor­gelegt habe, sei er mit Standgericht und Erschießen bedroht worden, um aus ihm Aussagen zu erzwingen. Er habe einen völligen seelischen und körperlichen Zusammenbruch erlitten, zumal er noch von der gräßlichen Ermordung des Reichsdeutschen Rimkus im litauischen Gefängnis erfahren habe. Durch falsche Beschuldigungen sei nicht nur er selbst zusammengebrochen, sondern das Herzeleid und die seelische Depression habe seinen Vater zum Freitod getrieben, er selbst sei wirtschaftlich ruiniert worden.

Weitere neun Angeklagte widerriefen eben­falls die in der Voruntersuchung,gemachten Aussagen. Sie erklärten, mit dem Fall Jenuttis nichts zu tun zu haben. Die Geständnisse vor dem Unter­suchungsrichter seien ihnen durch schwere Miß­hand l u n g e n u n d durch Androhung mit Erschießen und Standgericht abge­

preßt worden. Der Angeklagte Boll erklärte, nicht nur von der Polizei, sondern auch vom Dol­metscher und sogar vom Untersuchungsrichter selbst geschlagen worden zu sein.

Der Angeklagte W a n a g a t sagte aus, daß noch einem längeren Verhör der Untersuchungs­richter sich entfernt habe. Der Angeklagte sei dann Polizeibeamten überlassen worden, die ihn auf das schwerste miß­handelt hätten. Die Polizei habe ihm unter Mißhandlung vorgeschrieben, was er vor dem Untersuchungsrichter aussagen solle. Es sei ihm eine Landkarte vorgelegt und ihm genau gezeigt worden, auf welchen Stel­len und auf w e l ch e n W e g e n er mit seiner Hand Vermerke einzuzeichnen hätte. Falls er das nicht tue, werde er weiter geprügelt. Er habe schließlich, um weiteren Mißhandlungen aus dem Wege zu gehen, alles gesagt und in die Landkarte einaezeichnet, was man von i h m verlangt habe.

Der Angeklagte Johann Wallat erklärte, daß er das Opfer einer Provokation gewor­den sei. Der Angeklagte M o l i n n u s habe ihm ge­sagt, man habe vor, die Staatssicherheitspolizei zu sprengen und habe ihm auch gezeigt, wie man mit einer Handgranate umzugehen habe. Ferner habe Molinnus einen Lageplan von dem Ge­fängnis in Bajohren entworfen und er­klärt, man sollte die politischen Gefange­nen befreien. Um in die Gefängnisse hinein­zukommen, so habe Molinnus gemeint', müßte man die Uniform eines Polizeibeamten beschaffen.