Ausgabe 
7.1.1935
 
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dicht besetzt, während alle Landjäger von der lothringischen Grenze in Saarbrücken zusammenge­zogen waren. Die lothringische Grenze war vollkommen frei, und es fand keine Paß­kontrolle statt. Die Stimmung auf dem Platz war außerordentlich matt. Ganze acht Sonderzüge waren nach Saarbrücken gekommen, diese zum Teil nur halb besetzt. Füllten die Züge der Deutschen Front überall die ganze Straßenbreite, so mar­schierten die kläglichen Häuflein der Separatisten in Dreierreihen mit großen Abständen. Man war­tete und wartete auf die Massen, die erscheinen sollten. Um den Anmarsch immer neuer Massen vorzutäuschen, wurde schließlich eine Musikkapelle von etwa 30 Mann zusammengestellt, die alle zehn Minuten erneut in den Platz ein- marfchierte, einmal herumzog und den Platz dann an einer anderen Stelle wieder verließ. Jedes­mal wurden dieneueintreffenden Genossen" mit Beifall begrüßt, während draußen vor dem Platz die Zuschauer in ein mit Verlegenheit aufgenom­menes brausendes Gelächter ausbrachen. Der so­genannte Marsch durch die Stadt war ein ein­ziges Spießrutenlaufen, denn überall befanden sich noch tausende Angehörige der Deutschen Front, die zu der Kundgebung auf dem Wackenberg nicht mehr zurecht gekommen waren, und die nun die Züge der Separatisten mit dem Saar-Lied mit er­hobenem Arm, mit Heil Hitler und dem Ruf: Deutschland erwache! begrüßten. Schließlich wur­den Truppen auf Lastautos eingesetzt, um die etwas in Angst geratenen Separatisten zu schützen. Die musterhafte Disziplin der Deutschen Front machte jedoch ein Eingreifen überflüssig. Mehrere hundert enttäuschte Saarländer haben noch am Sonntagabend ihren Uebertritt von der sogenannten Einheitsfront zur Deutschen Front angemeldet.

Starker Eindruck in Frankreich.

Paris, 6. Jan. (DRB.) Die Abendblätter brin­gen nicht nur ausführliche Berichte über die Kund­gebung der Deutschen Front in Saarbrücken, son­dern zum Teil auch bereits Lichtbilder. Alle Blätter heben hervor, daß sich die Kundgebung in d o II ft e r Ordnung vollzogen hat. Der Vertreter des Paris Soir" hebt die mustergültige Orga­nisation hervor, von der er sich überall habe überzeugen können. Zwischen den Zeilen der aus­führlichen Berichte der Pariser Blätter ist deutlich der st arte Eindruck sichtbar, den die trotz des schlechten Wetters abgehaltene Kundgebung hinter­lassen hat.

Eine Mahnung an der falschen Stelle.

Ein überflüssiger Brief der Abstimmungs­kommission an deutsche Bischöfe.

Saarbrücken, 6. Jan. (DRB.) Der Präsi­dent derAbstimmungskommission hat am 5. Januar folgenden Brief an die Bischöfe von Trier und Speyer gerichtet:

Ew. Exzellenz beehre ich mich von Folgendem in Kenntnis zu setzen: In einer Erklärung, die am 3. Januar in hiesigen Zeitungen erschien und hier beigefügt ist, haben d i e Dechanten des Saargebietes, wie Ew. Exzellenz ersehen werden, unter Hinweis auf einen Erlaß Ew. Ex­zellenz und des Bischofs von Trier (Speyer) Stel- luna genommen bezüglich der Frage, wie die Abstimmungsberechtigten bei der Volksabstimmung zu stimmen haben, und zwar in einer Weise, die als eine klare Stellungnahme zu Gunsten der Rück­gliederung an Deutschland anzusehen ist. Die Abstimmungskommission, in vollem Bewußtsein ihrer Pflicht dafür Sorge zu tragen, daß die bevorstehende Volksabstimmung dem freien und unbeeinflußten Willen der Stimmberechtigten ent­spreche, kann und darf diese Tatsache nicht aus den Augen lassen, daß diese Stellungnahme der Geist­lichen im Abstimmungskampf eine Beeinflus­sung mit sich bringen kann der Art, die Frei­heit d e r A b st i m m u n g zu gefährden. Als eine derartige Beeinflussung muß die Kommission auch den Erlaß der Bischöfe der Kölner K ir ch e n p r o v i n z vom 26. Dezember 1934 be­trachten, betr. das Gebet in allen Kirchen anläßlich der Volksabstimmung am 13. Januar, wenn dieser Erlaß so zu verstehen ist, daß er sich auch auf die Kirchen im Saargebiet bezieht. Die Kommission glaubt, annehmen zu »können, daß Ew. Exzellenz gegen die Veröffentlichung dieses Schreibens, das den Standpunkt der Kommission zum Ausdruck bringt, in der Presse des Saargebietes nichts ein­zuwenden haben dürften. Ew. Exzellenz wollen den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung entgegegennehmen.

Der Präsident der Abstimmungs-Komission gez.: A. E. Rohde.

*

Die Haltung der deutschen Bischöfe von Trier und Speyer, von denen übrigens der letztere Bischof Dr. Ludwig S e b a st i a n be­reits in brr pfälzischen Separatistenzeit vorbildliche Beweise seines Mutes und seiner Vaterlandsliebe gegeben hatte, war nicht zuletzt dadurch bedingt, daß die Separatisten systematisch versucht hatten, Kirche und Christentum gegen das neue Deutschland auszuspielen, um es dem Katholiken als solchem als Pflicht hinzustellen, aus religiösen Gründen seine Stimme für den Status quo, also gegen Deutschland abzugeben. Von den Abstimmungsbehörden waren gegen solche geradezu als blasphemisch zu bezeichnende Versuche, das religiöse Moment in ihre Propaganda hineinzubeziehen, keinerlei Einwände er­hoben worden, die die beiden Bischöfe der Aufgabe enthoben haben würden, festzustellen, daß das moralische Gesetz auf Erden, die Va­terlands liebe, niemals mit dem reli­giösen in Gegensatz gebracht werden kann. Die deutschen Bischöfe wissen ebenso wie die saarländischen Katholiken, was sie mit ihrem katho­lischen Glauben und ihrem deutschen Gewissen ver­einen können, ohne daß dazu die Abstimmungskom­mission ihnen hierfür theoretische Ratschläge und Be­lehrungen zu erteilen braucht.

Die Sorge der Abstimmungskommission sollte sich intensiver auf andere Stellen richten, die sich unbefugt in d en Abstimmungs- kampf einmisch en. Bisher ist noch nicht be­kannt geworden, daß die Abstimmungskommission etwas gegen die französische Gruben­verwaltung, die mit materiellenMacht- Mitteln und ausgeklügeltem Spitzel­system einen un e r Ia ub t en Druck auf die saarländischen Bergleute und darüber hinaus eine poli tische Herrschaft über die abstim - mungsberechtigte Bevölkerung auszu­üben versuchte, unternommen hat. Gerade die in den letzten Tagen erbrachten Beweise hierfür hät­ten es erwarten lasten können, daß gegen

solche Mißbräuche, nicht aber gegen von Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber dem deutschen Katholizismus diktierte Erlasse und Kundgebungen der deutschen Bischöfe von der Abstimmungskom­mission eingeschritten würde.

Zurülkgenommene Ausweisung.

Prinz Löwenstein darf weiter hetzen.

DRB. Saarbrücken, 5.Jan. Der berüchtigte Emigrant Prinz Hubertus Löwenstein, der kürzlich ausgebürgert wurde, war durch ein persönlich vom Präsidenten Knox unterzeichnetes Schreiben angewiesen worden, d a s Saar­ge b i e t binnen 48 Stunden z u ver­lassen, da er eine unsta11hafte politische Tätigkeit ausübe. Die Regierungskommssion hat jedoch die Ausweisung des Prinzen Löwenstein, der Verwahrung eingelegt hatte, unter der Be­dingung zurückgezogen, daß ersichnichtweiter politisch im Saargebiet betätigen werde.

Endlich einmal hatte man zu hoffen gewagt, daß Präsident Knox zur Einsicht über seine unhaltbare Emigrantenpolitik kommen werde. Diese Hoffnung hat sich jedoch sofort als trügerisch erwiesen. Die Anwandlung, einem besonders üblen Emi­granten im Saargebiet Asyl und politischen Tummelplatz zu versagen, wurde jedoch sofort aus- gegeben, als Prinz Löwenstein glaubhaft zu machen wußte, sich fernerhin im Saargebiet nicht mehr politisch zu betätigen. Dies muß zum mindesten bedeuten, daß das von ihm herausgegebene Geistes­erzeugnis, die ZeitschriftDas Reich", sofort verboten wird, womit allerdings von einer Aufgabe feiner politischen Tätigkeit im Saargebiet

noch nicht gesprochen werden kann. Es ist erwiesene Tatsache, daß Prinz Löwenstein im Saargebiet nicht als Journalist, sondern als För­derer des Status - quo auftritt. Daß er sich nebenbei feit einigen Tagen als Vertreter tschechoslowakischer Zeitungen ausgibt, ist nur darauf zurückzuführen, daß er zum Besuch politischer Kundgebungen einen Presse ausweis der Regierungskommission benötigte.

Treue um Treue!

Das deutsche Volk trägt die Saarplakette.

Die Reich spropagandaleilung der RS DAP. teilt mit: In den Tagen vom 6. bis einschließlich 12. Januar wird im gesamten Reichsgebiet die Saarabstimmungspla- kette zumpreise von 20 Pf. ausge - geben. Die Verteilung erfolgt im Einvernehmen des Reichspropagandaleiters pg. Dr. Goebbels mit dem Reichsschahmeister pg. Schwarz, dem Reichsinnenminister pg. Dr. 5 ri cf, dem Beauftrag­ten des Führers für das Saargebiet pg. B ü r cf e L Es wurde bestimmt, daß der gesamte Be­trag ausschließlich zugunsten unserer Brüder an der Saar verwandt wird. Die Plakette selbst stellt die unverbrüchliche Verbunden­heit der Saaardeutschen mit den Volksgenossen des Reiches dar, die im Kranze deutschen Eichenlaubes unter dem MottoTreue um Treue" Hand in Hand zusammenstehen. Das gesamte deutsche Volk verleiht seiner Teilnahme am Kampf der Brüder an der Saar dadurch Ausdruck, daß es zum 13. Januar die Deutsche-Saar-Absiimmungs-plakette trägt.

Äas Saarland ist die Vrvcke zur deuisch-franzöffchen Verständigung. Reichspropagandaminister ör. Goebbels eröffnet die Berliner Gaarausstellung in Anwesenheit von 500 Saardeutschen aus ilebersee.

Berlin, 6. Jan. (DRB.) Reicher Fahnen­schmuck weht über Berlin. Es grüßt die aus dem europäischen und dem überseeischen Ausland ge­kommenen, zur Zeit in Berlin weilenden Saar- deutschen und ist ein erneuter sichtbarer Aus­druck dafür, daß die ganze deutsche Ration den siegreichen Ausgang des Kampfes, den das Saarvolk um feine Rückkehr zum Reich führt, mit heißem Herzen erfleht. Am Sonntaavormittag wurde in Berlin die große Saarausstellung eröffnet, die in der Wandelhalle des Reichstags­gebäudes untergebracht ist. Der Festakt fand im festlich geschmückten Sitzungssaal der Krolloper statt. Den Saal füllten zum größten Teil die in Berlin weilenden Saardeutschen. Der Stellvertreter des Führers Reichsminister Rudolf Heß und der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels wurden mit leb­haften Kundgebungen begrüßt.

Der gemeinschaftliche Gesang des Saarliedes leitete die festliche Stunde ein. Prof. Dr. Rein­hardt, der Leiter des Museums für Länderkunde in Leipzig, gab einen kurzen Umriß über den In­halt und die Bedeutung der Ausstellung, die ein absolut zuverlässiges Bild von Land und Volk an der Saar, von den geschichtlichen und wirtschaft­lichen Ereignissen dort gibt. Deutsch ist das Bild des Landes, das uns anspricht, aus Berg und Tal, Wald und Flur, Dorf und Stadt, Kirche und Denk­mal. Sie alle reden immer wieder von deut­scher Vergangenheit. Wenn die Menschen weichen müßten, würden die Steine reden und rufen: D i e Saar i st deutsch!

Reichsminister Dr. Goebbels führte dann in längerer Rede u. a. aus:

Saarland und Saarvolk sind immer deutsch gewesen und es bis auf den heutigen Tag geblie­ben. Es gibt deshalb kein Saarproblem in dem Sinne, wohin dieses Gebiet aufgrund der Abstim­mung staats- und grenzpolitisch kommen soll. Die Abstimmung selbst wird nur die gesetz - und vertragsmäßige Fixierung eines an sich auch durch das Versailler Diktat nicht unterbroche­nen Tatsachenzustandes fein. Das Saarvolk will heim zum Reich, und es hat feit Jahren den Tag herbeigesehnt, an dem es dies auch vor aller Welt durch ein feierliches und umstößliches allge­meines Votum dokumentieren kann.

Allen wirklichen Friedensfreunden bereitete es eine besondere Genugtuung, als vor einigen Wochen die Saarfrage durch die römischen Oma» djungen aus der Atmosphäre gefährlicher politi- cher Ueberhitztheiten herausgenommen und nieder auf die Basis einer vernünftigen und leiden- chaftslofen Betrachtung gestellt wurde. Das Pro­blem selbst erfuhr damit eine Entspannung, die uns auch für feine endgültige Lösung die besten Hoffnungen gibt, vor allem im Hinblick darauf, daß der Führer des öfteren betont hat, daß es nach Regelung dieses Problems zwi- chen Deutschland und Frankreich keine territorialen Streitfragen mehr geben soll (lebhafter Beifall). Wunsch und Wirklich­keit stimmen hier also in einem seltenen Maße überein. Es liegt jetzt beim Saarvolke selbst, durch die Abstimmung am kommenden Sonntag eine feste, unverrückbare und unabänderliche lat» ache zu schaffen, die endgültig diesen heiklen und gefährlichen Diskussionsstoff aus der weltpo­litischen Debatte verweist.

Roch eine Woche trennt uns von dem geschicht­lichen Augenblick, an dem 550 000 saardeutsche Menschen an die Wahlurne treten müssen, um für Volkstum und Heimat Zeugnis abzulegen. Eine Völkerwanderung im kleinen ist vom Saarvolk selbst vorbereitet worden, um das vor 15 Jahren geschehene Unrecht dem Ver­trag entsprechend durch den Stimmzettel wie­dergutzumachen. Aus Japan und China, Afrika und Australien und Amerika, aus 40 Staaten der Welt und aus allen Gauen des Deutschen Reiches wandern über 50 000 Saar­länder in ihre Heimat, die dort im Verein mit ihren 500 000 Landsleuten ihre Stimme ab­geben wollen. (Starker Beifall.) Ich habe die besondere Freude, hier unter uns neben 1000 in Berlin wohnenden Saarländern über 5 0 0 Saarländer aus Ueberfee begrüßen zu können. Ueber Meere hinweg sind sie der Stimme ihres Blutes gefolgt und wollen ihr durch Abgabe ihres Dahlzettels vor aller Wett Ausdruck verleihen. Manche von

ihnen haben drüben ihre Arbeitsstätten aufgeben müssen, andere wieder haben nur unter schwie­rigsten Umständen die weite Reise ermöglichen können. Alle aber trieb das Gebot ihres na­tionalen Gewissens, das uns Deutsche in Stun­den der Rot immer wieder vereint- hat.

Treue um Treue" lautet die Aufschrift auf der Plakette, die von heute bis zum Abstim­mungstag jeder Deutsche tragen wird. Das deutsche Volk hat die Treue, die das Saarvolk immer bewahrte, zu erwidern und zu vergelten gesucht. Gerade in den letzten Wochen gingen, nachdem bas Abkommen bezüglich des Saargrubenrückkaufes abgeschlossen war, Tausende von Angebote auf Zeichnen von Geldbeträgen, Stiftungen von Gold­werten, von In- und Ausländsdeutschen bei der Regierung ein. Selbst Schulkinder schickten ihre Patengoldstücke, um zu helfen. Keiner wollte feh­len beim nationalen Befreiungswerk der Saar. Vom einfachsten Arbeiter bis zum Führer des Volkes gibt es nur einen Willen und eine Ent­schlossenheit: Die Saar ist deutsch und jeder trägt das ©einige dazu bei, daß sie deutsch bleibt. (Rauschender Beifall.)

Es darf in diesem Zusammenhang nicht uner­wähnt gelassen werden, daß die Kirche in der Saarfrage eine positive deutsche Haltung eingenommen hat. Der frühere Bischof von Trier trat schon in den Jahren 1919 bis 1920 in eindringlichster Form für die ausgewiesenen Saar- länder ein. Ihm und anderen ist es auch zuzu­schreiben, daß das Saargebiet kirchenrechtlich nicht von Deutschland getrennt wurde. Es bedarf dabei keiner Betonung, daß Volksverrat auch Verrat gegen eine von Gott auferlegte Pflicht ift 3n den letzten Tagen haben fast alle katholi chen Bischöfe des Deutschen Reiches Aufrufe zur Saar- abftimmung erlassen, in denen festgestellt wird, daß der für die Zukunft unseres Vaterlandes so folgen­schweren Entscheidung, die in einigen Tagen an der Saar fallen wird, kein wahrhaft Deutscher gleich­gültig gegenüberstehen kann, und daß die deutschen Katholiken verpflichtet sind, sich für die Größe, die Wohlfahrt und den Frieden ihres deutschen Vater­landes einzusetzen. Deshalb auch verordneten die Bischöfe, daß am 13. Januar in allen Kirchen nach dem allgemeinen Gebet noch besonders mit den Gläubigen gebetet werde, um einen für unser deut­sches Volk segensreichen Ausgang der Saarabstim- mung zu erflehen. (Erneuter Beifall.)

Die Rückkehr des Saargebietes in die unlösbare Gemeinschaft des Deutschen Reiches und der übrigen Teile des deutschen Volkes ist eine national- politische Aufgabe. Wirtschaftliche Erwä­gungen stehen demgegenüber im Hintergründe. Wenn aber wurzellose Literaten und marxistische Emigranten versuchen, die nationalpolitische Dis- kussion in wirtschaftliche Bahnen abzudrängen, so können wir ihnen auch hier mit wirksamen Argumenten entgegentreten. Denn

auch wirtschaftlich kann das Land an der Saar nur bestehen, wenn es wieder in die große deutsche Volkswirtschaft zurückgegliedert wird. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben eindringlich genug dargetan, daß die saar­ländische Wirtschaft auf Gedeih und Verderb mit der reichsdeut­schen verbunden ist. So eng ist die wirt­schaftliche Verflechtung des Saargebietes mit dem Reich, daß selbst die drakonischen Bestim­mungen des Versailler Diktats den natürlichen Austausch von Daren und Dienstleistungen nicht unterbinden konnten. Trotz Zollschranken und Frank-Währung ist das 65-Millionen-Volk im Reich die stärkste Stühe der Saarwirtschaft in der Vergangenheit gewesen. Vom nationalsozia­listischen Wirtfchaftsneubau im Reich seit 1933 hat auch das Land an der Saar stärkste Im­pulse erhalten. Exakte statistische Forschungen beweisen das aufs eindeutigste. Rach der Volks­abstimmung und der Rückgliederung des Saar- gebietes werden unsere Volksgenossen an der Saar in stärkstem Maße am deut­schen Dirtfchaftsaufstieg teilneh­men, ganz abgesehen davon, daß das Saar­gebiet selbst eine ganze Reihe neuer Arbeits­möglichkeiten bietet, die von uns erschlossen werden müssen.

Doch hieße es, die Bevölkerung des Saargebiets und ihre unbedingte Treue zu Volk und Reich herab­würdigen und in Mißkredit bringen, wollte man unterstellen, daß ihre Entjchlosiercheit zur Rück«

glieberung allein ober auch nur ausschlaggebend von dem Ausmaß sozialer Vorteile abhängig fei, die das Dritte Reich ihnen entgegenbringen kann.

Diese Entschlossenheit ist nicht käuflich, denn sie ist gewachsen aus dem Urgrund der Gemeinschaft von Blut und Seele, aus den geheimnisvollen Zusammenhängen, die gleiches Volk mit gleichem Volk und gleiche Rasse mit glei­cher Rasse verbindet.

Kurz vor der Rückkehr des Saarlandes ins Reich zeigen die letzten Verzweiflungsaktionen der Roten Front im Saarland noch einmal mit erschreckender Deutlichkeit, was der Status quo für das Sargebiet und für ganz Europa bedeuten würde. Aller Unrat, den das nationalsozialistische Deutschland mit eisernen Besen ausgekehrt hat, würde sich in einem Saargebiet des Status quo festsetzen können. Eine solche Lösung würde für die internationale Anarchie eine neue Plattform bilden, von der aus die Chaotisierung der Länder Westeuropas wirksam betrieben wer­den könnte. Wenn das Saarvolk also feinen ihm vom Schicksal gewiesenen Weg zum Gesamtvolk zurückgeht, dann kämpft es neben seinem national­politischen auch einen weltanschaulichen Kampf: für die Beseitiaung der anarchistischen Gefahr, des zerstörenden Atheismus und der alles vernichtenden Weltrevolution.

Am 13. Januar kann die Epoche vieler Jahr­hunderte liquidiert werden, die ihren Ausdruck fand im haß und Krieg zweier großer Rationen, die das Schicksal Seite an Seite in den Kernraum Europas gestellt hat. Das ist der wahre und tiefe Sinn dieser Volksabstimmung. So kann das Saar­gebiet, das ursprünglich als Zank­apfel zwischen Deutschland und Frankreich gedacht war, in Wirklichkeit zur Brücke werden, auf der endlich die beiden Völker zueinander gelangen mögen, um sich stolz und voll Achtung gegenseitig die Hand zu reichen. Roch einmal ist jetzt die Möglichkeit, in die Hände dieser beiden Rationen und die ihrer Staats­männer gelegt, im Zeichen einer gemeinsamen Mis­sion zur Begründung eines neuen geordneten Euro­pas eine Epoche der positiven Zusam­menarbeit in die Wege zu leiten. (Anhaltender Beifall.) Wenn das gelingt, dann hat der Weltkrieg seinen eigentlichen historischen Sinn erhalten. Was an uns liegt, so sind wir gewillt und entschlossen, uns der historischen Stunde, vor der wir stehen, würdig zu erweisen und endgültig die Ver­gangenheit zu begraben, um eine neue friedliche Zukunftzu beginnen. Man vermag keinen vernünftigen und einleuchtenden Grund zu jehen, der die Verständigung beider Volker unmög­lich machen könnte. Diese Verständigung aber wird nur von Dauer sein und Bestand haben, wenn sie auf der Grundlage gleicher nativ« naler ßebens» unb Ehrgesetze erfolgt und zwei Partner zusammenführt, von denen jeder im anderen den gleichberechtigten Träger eines national gesicherten Lebens und einer national gewählten Ehre sieht. (Stürmischer Beifall.)

An der Saar fällt eine schicksalhafte Entscheidung. Wir sind gewiß, daß sie für Deutschland fällt und daß sich in ihr die ewige deutsche Seele wiederum emporringt aus Haß, Zwietracht, geistiger und moralischer Verkommenheit. So wie es tausendfach in den vergangenen schweres Jahren im Saarland erklungen ist, so wird es wie ein einziger Schrei am 13. Januar durch das ganze deutsche Saargebiet und darüber hinaus, über eine Grenze der Willkür durch das ewige Deutschland laut und mächtig er­tönen:

Reicht euch die Hand, schlinget ein Band um junges Volk, das deutsch sich nennt, in dem die heiße Sehnsucht brennt nach dir, o Mutter, nach dir, nach Dir!

Ihr Himmel hört, ganz Saarvolk schwört, laßt uns es in den Himmel schreien, wir wollen niemals Knechte, wir wollen ewig Deutsche sein!"

In diesem Sinne erkläre ich die Saarausstellung in Berlin für eröffnet.

Die Ausführungen des Ministers riefen immer erneute Zustimmungskundgebungen der Versamm­lung hervor. Besonders stark und andauernd wur­den seine Worte über die unverbrüchliche Treue der Saarbeoölferung zum deutschen Mutterlande durch Beifall unterstrichen, ebenso stark auch die Erklä­rungen des Ministers über die Bereitschaft Deutsch­lands, zu einer ehrlichen Verständigung mit Frank­reich zu gelangen. Das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied schlossen sich an. Ein dreifaches Sieg-Heil auf den Führer beendete die Feierstunde, auf die eine Besichtigung der Ausstellung folgte.

Wegen volksschädigenden Verhaltens in Gchnhhast genommen.

München, 5. Jan. (DRB.) Durch die Politische Polizei wurden die Inhaber der Firma K o p e tz k i, chemisch-technische und chemisch-pharma- zeutische Artikel, München, Hohenzollernstraße 77, Jttner, Mayr und Kopetzky, sowie der Vertreter Weiß wegen volksschädigenden Verhaltens in Schutz, haftgenommen und z. T. dem Konzentratwns- lager Dachau zugeführt, um weiteren Schaden zu vermeiden. Sie vertrieben angebliche Heilmittel, die in Wirklichkeit keinerlei praktischen Wert hatten und machten auf dem flachen Lande für ihre Artikel in Vorträgen Reklame, wobei sie sich der nationalsozia­listischen Gedankengänge über Volks- gefunkelt usw. und auch der Namen eini­ger Reichsmini st er in weitestgehendem Maße bedienten, um dadurch die Bevölkerung zu be­einflussen und zum Kauf der angebotenen Mittel zu bewegen. Durch chemische Untersuchung wurde festgestellt, daß ein u. a. vertriebenes Bademit - t e lDiana-Badekur" fast ausschließlich aus Terpentinöl und Schmierseife bestand. Für dieses Mittel, das lediglich als Körpereiniaungs- mittel einigen Wert hatte, verlangte die Firma 22 Mark für die Packung bei einem Herstellungspreis von 2,20 Mark. Be­sonders verwerflich ist, daß durch die Machenschaften der Firma ausschließlich kranke und minderbemittelte Volksgenossen ge­schädigt wurden, die von den angebotenen Heil­mitteln Linderung und Heilung erwarteten. Es ist bekannt, daß gerade auf dem Gebiete des Heil­mittelvertriebes noch schwere Mißstände herrschen, die nur durch rücksichtsloses Durchgreifen mit schwer­sten Strafen abgestellt werden können. Auf keinen Fall kann geduldet werden, daß sich einige Wenige auf Kosten armer und kranker Volksgenoffen finan, ziell gefrmd wachen. (