Nr. 5 Erstes Blatt
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185. Jahrgang
Montag, I.Zanuar 1935
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Deutschland steht in Treue zur Saar.
„Ihr kehrt heim in ein Reich, das Euch würdig empfängt und demIhr wieder mit Stolz angehören dürst!"
Rudolf Heß aus einer großen Berliner Saarkundgebung.
Berlin, 6. Jan. (DNB.) Das ganze deutsche Volk richtete am Sonntag den Blick nach der Saar. Der Rundfunk hatte sein Unterhaltungsprogramm fast ausschließlich auf diesen „Tag der Saar" eingestellt. Daneben übermittelte er wiederholt den Hörern in allen Teilen des Reiches die Nachrichten über den Riesenaufmarsch der Deutschen Front auf dem Wackenberg bei Saarbrücken und brachte schließlich am Abend als Reichssendung die „Saar-Cantate" zu Gehör, mit der Melodie des Saarliedes, das an diesem Tage in allen deutschen Städten und Dörfern gesungen wurde.
In Berlin fand, nachdem am Vormittag Reichsminister Dr. Goebbels bereits die Saaraus- st e l l u n g im Reichstag eröffnet hatte, abends eine gewaltige Saa r k u n d g e b u n g im Sportpalast statt, die sich ebenfalls zu einem erhebenden Bekenntnis zur deutschen Saar gestaltete. Um 19 Uhr war der Riesenraum bereits überfüllt. 20 000 Menschen drängten sich Kopf an Kopf in einer unerhörten Begeisterung. Immer aufs neue erhoben sich die Menschenmassen und grüßten mit freudigen Zurufen die mehr als 2000 ab- stimmungsberechtigten Saarländer, Die der Kundgebung beiwohnten. Der Begeisterungssturm erreichte seinen Höhepunkt, als um 20 Uhr, von Fanfaren angekündigt, der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß und Reichsminister Dr. Goebbels den Saal betraten. Nach einer Begrüßungsansprache des stellvertretenden Berliner Gauleiters, Staatsrat Görlitz er, erklärte u. a.
der Stellvertreter des Führers:
Ausgehend von dem persönlichen Erlebnis eines Aufenthaltes in Saarbrücken während des H e i m - fluges von der Front nach Kriegsende betonte Rudolf Heß, daß damals weder er noch die Volksgenossen der Saar, noch Deutschland insgesamt hätte glauben können, daß dieses deutsche Land fünfzehn Jahre unter fremder Herrschaft stehen könne. „Für die Ruhe der politischen Entwicklung", so stellte der Stellvertreter des Führers fest, „wäre es ein Glück gewesen, wenn Frankreich den Vorschlag des Führers angenommen hätte, die Saar solle ohne Abstimmung Deutschland angegliedert werden durch freundschaftliche Verhandlungen zwischen den beteiligten Staaten. Vielleicht ist es aber gut, wenn der Welt noch einmal in einer so in die Augen springenden Weise wie durch die Abstimmung gezeigt wird, welchem Volkstum die Deutschen des Saargebietes angehören und angehören wollen. Und vielleicht ist es gut für Deutschland und für die ganze Welt, es wird dieser noch einmal sinnfällig gezeigt, wie widernatürlich manche Teile des Vertrages sind, der nach dem Glauben vieler der gequälten Menschheit Frieden bringen sollte und, weiß der Himmel, doch keinen wirklichen Frieden brachte.
Wir wollen dankbar anerkennen, daß d 1 e
heutige französische Regierung — nachdem sie schon auf der Abstimmung bestehen zu müssen glaubte — sich ehrlich und mit Erfolg bemühte, aus dem Wege z u räumen, was Schwierigkeiten erzeugen und die
Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich hätte ungünstig beeinflussen können. Wir glauben, daß die französische Regierung dem Ariedensbedürfnis und dem Rechtsempfinden des französischen Volkes auch in der nächsten Zeit dadurch Rechnung tragen wird, daß sie alles tut, ummitDeutschlandgemein- fam nach der Abstimmung die noch abzuwickelnden technischen Einzelheiten der Wiederangliederung rasch und einwandfrei zu lösen."
Den Volksgenossen der Saar rief Rudolf Heß zu: „Ihr kehrt heim in ein Reich, das E u ch würdig empfängt, in ein Reich, dem Ihr w i eder m i t Stolz angehören dürft!" Dieses Reich habe Millionen seiner Kinder zu Arbeit und Brot zurück- geführt, es sorge für seine Schaffenden, und es nehme sich in Liebe seiner Aermsten an Es sei em Reich, in dem nach dem Wort des alten Fritz i e d e r nach seiner Fasson selig werden könne. Jedem stehe es frei, was er glauben will und zu welcher Kirche er gehen will. Der Nationalsozialismus, der der Gottlosenbewegung den schärfsten und erfolgreichsten Kampf angesagt hat, ist gewillt, die beiden christlichen Konfessionen t n ihrem religiösen Betätigungsfeld zu schützen. Wir sind bereit, den Kirchen zu geben, was der Kirche ist, wenn sie dem Staate geben, was des Staates ist.
Rudolf Heß gab dann ein Bild dieses neuen Staates, feiner wirtschaftlichen Wißnahmen und Erfolge und der Sorge um das Wohl der Volksgenoffen. Zu der letzten Lügenflul, die die Emigranten über Deutschland geleitet haben, führte der Stellvertreter des Führers aus, ihm täten die Propheten rechts und links Zwar bei
nahe leid, aber er könne ihnen versichern, daß sichauch nach dem 13. Januarnichts, aberauchgarnichts vonallden mystischen Dingen ereignen wird, die sie prophezeien und daß es in Deutschland gerade so ruhig sein wird wie vor dem 13. Januar.
Alle seine Volksgenossen vor ihm müßten ja wohl bezeugen, daß Berlin tatsächlich nicht von den Kämpfen des Bürgerkrieges widerhalle, keine politischen Gegner an den Laternenpfählen hingen und die Reichswehr die Straße nicht verbarrikadiert habe, wie dies die Emigranten behaupten. Und die Volksgenossen vor ihm würden ja auch wohl bezeugen können, daß er leibhaftig und gesund vor ihnen stehe. Nach den Berichten der internationalen Brunnenvergifter läge auch er schon erschossen unter dem
Rasen wie die meisten anderen Führer in Deutschland, die samt und sonders nichts Besseres zu tun hätten, als sich gegenseitig Löcher in den Leib zu schießen. Die Huldigung der deutschen Führerschaft für Adolf Hitler war der Ausdruck der Treue und des freudigen Gehorsams zu ihm, dem Führer in das neue Deutschland der Ehre und Größe. Das deutsche Volk von heute ist eine geschlossene Nation, die hinter einem Führer marschiert und in deren Reihen in einer Woche die Saardeutschen an der Stelle mitmarschieren, wohin Gott sie haben will. „Saardeutsche aus dem Blut und Boden ur- und erzdeutscher Heimat, Ihr werdet an diesem Tage Mann für Mann, Frau um Frau Eure Pflicht tun. Der Führer will es, die Welt erwartet es, Deutschland weiß es. Deutsch i ft d i e Saar!"
Amerikanische Saardeulsche in DeMschlani).
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Mit dem Hapag-Dampfer „Deutschland" traf in Cuxhaven die größte Gruppe abstimmungsberechtigter Saardeutscher aus den Vereinigten Staaten ein. 358 Saarländer, die ihrem alten Vaterlande die Treue gehalten haben, hielten unter den Fahnen Deutschlands, Amerikas und der ihres Verems ihren Einzug in die Stadt, wo sie mit Jubel begrüßt wurden.
Volk will zu Volk.
350 000 Saarländer fordern
Der letzte Appell.
Die Demonstration des Deutschtums auf dem Wackenberg bei Saarbrücken.
Saarbrücken, 6. Jan. (DNB.) Heute gaben 350 000 Saarländer ihrem unbedingten Willen zu Deutschland Ausdruck. Weit über 150 000 Menschen standen auf dem Platz auf dem Wackenberge, 50 000 auf einem kleineren Platz, 100 000 standen in kilometerlangen Marschkolonnen, ohne bis in die Mittagsstunden auf den Kundgebungsplatz gelangen zu können.
Auf allen Bahnhöfen des Saargebietes muß- fen viele Taufende Zurückbleiben, weil an Stelle der 81 angeforderten Sonder- züge die Saarbahnen nur 32 Züge stellen konnten und trotz stärkster Ueberfüllung der Züge ein großer Teil der Demonstranten nicht nach Saarbrücken befördert zu werden vermochte. Aber alteindurchihrenwitlen, nach Saarbrücken zu fahren, haben auch diese Saarländer ihrem willen zu Deutschland in eindrucksvoller Weise Ausdruck gegeben.
Der Morgen ist grau und diesig, Auf dem nassen Asphalt spiegeln sich die letzten Lichter der Nacht, und dünn und stetig rinnt der Regen. Da: Mar sch - tritt von fern. Dunkle Kolonnen mit schwarzen Mützen und weißen Armbinden: Der Ordner- dienst der Deutschen Front, dem die Polizei Organisation und Leitung der Menschen- ströme überlassen hat, rückt an. Langsam wird es hell. Dann ist der Morgen da. Aus dem Bahn- Hof quellen riesige Menschenmassen. Die ersten von den 32 Sonderzügen sind eingetroffen. In allen Straßen sammeln sich trotz des Regens die einzelnen Ortsgruppen der Deutschen Front zum Marsch zum Kundgebungsplatz, der weit über der Stadt auf dem Wackenbergs liegt. Und
die Rückkehr ittü deutsche Vaterhaus.
Zehntausende treffen in breiten Kolonnen zu zehn und zwölf Mann aus den umliegenden Orten ein. Die Brücken über b i e Saar nach dem linken Saarufer, auf dem die Kundgebungsplätze liegen, find gesperrt. Nur in Zügen oder mit Ausweis darf man passieren. So will die Polizei Störungsversuchen durch die Separatisten Vorbeugen, eigentlich ein überflüssiges Unterfangen; denn wer von diesen Verrätern in diese breiten, nicht mehr aufzuhaltenden Menschenströme gerät, wird m i t g e r i ff e n. Die Flut geht über ihn hinweg und spült ihn fort. Jetzt treffen zu Hunderten Autos und Autoomnibusse ein, alle überfüllt mit begeisterten Menschenmassen. Nun strömt es in der ganzen Breite über alle Saarbrücken, und unabsehbar sieht man die ganzen Anmarschstraßen nur gefüllt mit wogenden Menschenströmen. Nun hallen all' die Lieder durch die Straßen, die von Deutschland künden, von Heimatland, vom Vaterland. Gesungene Schwüre sind es, festlich und feierlich.
Schon lange vor 10 Ahr ist der große, weil mehr als 100 000 Menschen fassende Platz zum größten Teil gefüllt, und noch längst ist nicht. die hälfte der Sonderzüge in Saarbrücken eingelaufen. Fast eine Stunde aber dauert der Marsch vom Bahnhof zum wackenberg. Der Platz ist aufgeweicht, in blanken Pfützen stehen die Massen und geh en nicht von der Stelle. Sie wissen, was es gilt!
Frauen und Greise sollen heimgeschickt werden. Doch sie wollen nicht gehen. Gesang schallt die Straße herauf:
„Ich hab' mich ergeben Mit Herz und mit Hand Dir Land voll Lieb und Leben Du heil'ges Heimatland!
Eine neue Kolonne schwenkt ein: „Schwarzbraunes Mädel, du bleibst zu Haus ..." Aber die Mädel sind nicht zu Hause geblieben; denn da biegt in langen Kolonnen der Bd M. um die Ecke, in
braunen Kletterwesten, die Baskenmütze keck auf dem Ohr. Schnee stiebt ihnen naß ins Gesicht, doch froh hallt ihr Lied: „Regen, Wind, wir lachen darüber, wir sind jung, uyd das ist schön!"
Gaben morgens im Regengrau die Türme Saarbrückens einen silhouettenhaften Hintergrund, so hat jetzt das Schneetreiben einen Schleier darüber gezogen. Auf dem nun fast ganz gefüllten Riesenplatz haben 'sich etwa 140 000 Menschen eingefunden, und immer neue Ströme quellen herauf.
kurz nach 11 Uhr erklingt der Badenweiler Marsch. Der Fahneneinmarsch beginnt. Karl Brück, der Landesorganisationsleiter der Deutschen Front, gedenkt der 20 000 toten Saarländer, die für Deutschland gefallen sind. Die Fahnen senken sich, und, ergreifend in dieser Stimmung und in dieser Stunde, verhallt getragen das Lied „Ich halt' einen Kameraden". Dann spricht Karl Brück kämpferische Worte, die mit Jubelbrausen ausgenommen werden. Es ist eine harte Abrechnung mit jenen bezahlten Elementen, die versuchen, für 30 Silberlinge ihr Vaterland zu verkaufen.
Inzwischen hat es aufgehört zu schneien, und langsam wird es lichter um den Berg. Jetzt spricht der Führer der Deutschen Gewerkschaftsfront und
Oer Saarbevollmächtigte spricht am Mittwoch.
Neustadt a. d. h., 5. Jan. Der Saarbevollmächtigte des Reichskanzlers, Gauleiter Bürd el, spricht nicht, wie ursprünglich gemeldet, am 11. Januar, sondern am Mittwoch, 9. Januar, 20 Uhr, in einer öffentlichen Kundgebung in der Fruchthalle zu Kaiserslautern vor den Vertretern der in- und ausländischen Presse über das Thema: „Am 13. Januar: Den Weg frei zur Verständigung!" Die Rede wird in der Zeit von 20 bis 22 Uhr über alte deutschen Sender übertragen.
Landespropagandaleiter der Deutschen Front, Peter Kiefer. Er hat sofort die Herzen der Bevölkerung gewonnen und den Weg zu ihnen gefunden. Auch er wird immer wieder vom Jubel unterbrochen, insbesondere wenn er mit den sogenannten Arbeiterparteien und den Freien Gewerkschaften abrechnet, die den Saarbergarbeiter, den Saarkumpel, verraten und verkauft haben.
Hunderttausende fingen b'a s ©aarlieb, nehmen es auf und tragen es weiter, so daß es wie ein einziger Schwur wirkt. Dann spricht der stellvertretende Landesleiter der Deutschen Front, N i e t m a n n , der dem seit Wochen schwer erkrankten Landesleiter P i r r o dankt, daß er trotz seiner schweren Krankheit zu dieser Saarkundgebung e r • schienen ist. Deutschlandlied und Horst-Wessel- Lied, mit erhobenen Armen gesungen, schließen die Kundgebung. Und als die Fahnen in den Wind gehoben werden, bricht an einer Stelle für eine Minute d i e Sonne durch die Wolken, überhellt den ganzen Berg und schafft ein Gemälde, das wie ein lichtes Vorfühlungsbild wirkt.
Bis zwei Uhr sind die Saarbrücken gesperrt, da auf dem rechten Saarufer die sogenannte Status- quo - Front aufzumarschieren versucht. Wer vergleicht, wie am Morgen diese breiten Menschenströme durch die Straßen quollen, und nun diesen kümmerlichen Aufmarschversuch mit roten Fahnen sieht, der hat die feste und unumstößliche Gewißheit, daß das Schicksal des Saargebietes heute entschieden ist, und daß diese Entscheidung die ist, die das Saarvolk will und wünscht: Für Deutschland!
Verunglückte Demonstration der Separatisten.
Kommunisten und Sozialdemokraten aus Lothringen müssen die Versammlung füllen helfen.
Saarbrücken, 6. Jan. (DNB.) Die Separatisten, die sogenannte Status-quo-Front, hatten für Sonntag um 14 Uhr eine sogenannte „Riesendemonstration" einberufen, die das Größte werden sollte, was bisher auf diesem Gebiete da war. Man kann gleich eines vorausnehmen: auf dem etwa 15 000 Quadratmeter umfassenden Platz, der etwa 45 000 Menschen faßt, hatten sich nicht mehr als 2 0 0 0 0 eingefunden, während der davor liegende Fußballplatz überhaupt leer blieb. Don den Anwesenden waren viele tausende lothringische Kommunisten und Sozialdemokraten aus Forbacy, Metz,' Diedenhofen, Saar- gemünb usw., die zum Teil sogar in französischen Trachten erschienen waren. Die französischen Kraftwagen hatte man schamhaft versteckt und hinter dem Platz parken lassen. Entgegen der noch am Sonntag gegebenen Zusage, die lothringische Grenze am Sonntag ebenso zu sperren wie die deutsche Grenze, war diedeutsche Grenz«


