Ausgabe 
6.9.1935
 
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Französische VMerlaufenStumgegenpwf.Aze.

nichts berechtige zu einer Diskriminierung an Dol- kerbundsmitgliedern nach ihren innerpolitischen Verhältnissen, nach ihrer Rasse oder Hautfarbe oder nach ihrer Kulturstufe. Alle hätten ein unver­äußerliches Recht auf Unabhängig­keit und Unversehrtheit. Es gebe für mi­litärische Vorgehen keine andere Rechtfertigung als Notwehr. Litwinow forderte den Völker­bund auf, keine Bemühungen oder Entschließungen zu unterlassen, um einen bewaffneten Konflikt zu vermeiden. Der Ratspräsident schloß die Sitzung mit der Ankündigung, daß er in der nächsten Sitzung, deren Zeitpunkt offengelassen wurde, dem Rat Vorschläge über das weitere Ver­fahren machen werde.

Der Suez-Kanal.

Aegypten läßt die Zulässigkeibeiner Sperrung prüfen.

Kairo, 6. Sept. (DRV. Funkspruch.) Die ägyptische Regierung hat drei Zuristen, unter ihnen einen bekannten Genfer I u- rist en, beauftragt, die einschlägigen Verträge auf die Möglichkeit einer Sperrung des Suez- Kanals hin zu prüfen. Man glaubt, daß nach den Statuten der Kanal-Gesellschaft eine Sperrung ausgeschlossen wäre, daß dagegen der Völkerbund das Recht hätte, eine Sperrung zu beschließen, da die Satzungen der Kanal-Gesellschaft beim Völkerbund registriert seien. Die Veröffent­lichung des Ergebnisses der juristischen Untersuchung wird für die nächsten Tage erwartet.

Das arabische BlattAhram" meldet, in amt­lichen englischen Kreisen würden die Berichte über eine Zusammenfassung der ägyptischen und der englischen Armee unter eng­lischem Kommando als unzutreffend erklärt. Ebenso sei es unrichtig, daß England in einer Note Aegypten aufgefordert habe, alle Verkehrswege, Häfen und Flughäfen den britischen Militärbehörden zur Verfügung zu stellen.

G a z z e t t a del Popolo" berichtet aus Alexandria, daß mit dem englischen SchiffCeci- lian Prince" 70 Militärflugzeuge für die englische Luftflotte in Aegypten ange­kommen seien, die sofort nach dem Flugplatz in Abukir befördert und dort von 2 0 0 Ingeni­euren zugleich zusammengestellt worden seien. Mit dem gleichen Dampfer sollen auch zahl­reiche Militärkraftwagen zur Beförde­rung von Waffen, Soldaten und Munition ange- kommen seien, die ebenso für asphaltierte Straßen als auch für die Wüste geignet seien. Zwischen den englischen Militärbehörden und den Zollbehörden von Alexandria seien Verhandlungen im Gange, die die Ueberlassung von Magazinen für englische Munitions- und Waffenla­ger zum Ziele haben sollen.

Der Tana-See.

Die Vereinbarung zwischen Aegypten und dem Sudan.

London, 5. Sept. (DNB.) In London wurde die Nachricht über den Abschluß einer Vereinbarung zwischen Aegypten und dem Sudan be­stätigt, die die Wasserverteilung aus den Zuflüssen des Nils nach der Verwirk­lichung des Tana-See-Planes regelt. Der Sudan wird das Verfügungsrecht über den zehnten Teil des Wassers erhalten und dafür alljährlich eine nicht näher genannte Summe an Aegypten zahlen. Gleichzeitig erhält der Sudan das Recht, den Was­serverbrauch später bis auf 50 v. H. zu vermeh­ren. Man betont, daß dieses Abkommen Aegypten nicht verpflichte, den Abschluß des Tana-Damm- Sertrages mit Abessinien zu beschleunigen. Ein sol­ches Abkommen bedürfe vielmehr der Zustimmung von vier Parteien, nämlich Großbritanniens, Abes­siniens, des Sudans und Aegyptens. In London wird auf den neuerdings immer wieder betonten Grundsatz der britischen Politik hingewiesen, daß alles vermieden werden soll, was als ein Bestreben Englands ausgelegt werden könnte, von Abessinien besondere Vorteile zu erlangen.

Kür bessere Verteilung der Kolonialgebiete.

Neuyork, 5. Sept. (DNB.) Oberst Edward M. House, der frühere außenpolitische Bera­ter Wilsons, vertritt den Gedanken, daß der Weltfrieden nur durch eine bessere Vertei­lung des Landbesitzes der großen Kolonial­länder zu Gun st en Deutschlands, Ja­pans und Italiens erhalten bleiben könne. England, Frankreich, Sowjetrußland und die Ver­einigten Staaten, die vier Mächte, diedie Welt besitzen", müßten den anderen drei Ländern Ausdehnungsmöglichkeiten gewähren, die den gegenwärtigen Verhältnissen angemessen seien. Jeder Staatsmann werde in privater Unterhaltung zugeben, daß Deutschland, Italien und Japan G e - biete benötigten, wohin sie ihren Bevölke­rungsüberschuß schicken und woher sie die Rohstoffe beziehen könnten, die ihnen das eigene Land nicht gewähren kann. Aber die großen besitzenden Na­tionen seien nicht willens, ihren weniger glücklichen Genossen mehr alsBrotkrume n" zu gewähren, dievom kolonialen Tisch fallen". Laßt bättigeMnner um mich sein!

Die alten Römer liebten das glattrasierte Kinn. Einer ihrer Nachfahren aber, der ganz be­stimmt Tag und Nacht von der Wiederaufrichtung des römischen Imperiums träumt, hat jedoch plötz­lich entdeckt, daß das glattrasierte Gesicht eine englische Erfindung sei. Darum fort mit der glatten Rasur, so ruft der Futurist Marinetti seinen Landsleuten zu, denen er kürzlich eine Hymne auf den Krieg als Sportersatz bescherte. Marinetti. der mit gezücktem Bleistift gegen die Briten Sturm läuft, möchte künftig nicht nur bärtige Männer um sich sehen, um nicht dauernd an die ihm verhaßten Engländer erinnert zu werden, fordert seine Lands­leute auf, auch keinen Tee zu trinken, den Frack als die Uniform der Sklaven der kretinisierten Mon- dänität abzulegen, den Snobismus zu fliehen und das Golfspiel zu meiden, das glattrasierte Ge­sicht als Ersatz für Persönlichkeit, die kleine Pfeife als Surrogat für Gedanken, den Puritanismus und die Indifferenz gegenüber den Frauen, die einen Freibrief für sexuelle Anormalität bedeute, schließlich auch das Bridgespiel und das übertrieben konser­vative Festhalten an überlebten Gepflogenheiten und Traditionen, das die Engländer mitsamt Lon­don zu Fossilien mache, ebenfalls abzulegen. Der Aufruf schließt mit der Aufforderung, die Italiener mögen die kräftige, lebendige, fruchtbare italienisch- afrikanische Sonne mit mussolinischem Schwung den Engländern aufprägen. Das ist ja nun alles ganz gut und schön. Nur scheint Marinetti bisher mit Scheuklappen durch Rom. gelaufen zu sein. Denn

P a r i s , 6. Sept. (DNB. Funkspruch.) DasEcho de Paris" schreibt, der italienisch-abessinische Streit, der allmählich in einen italienisch­englischen Streit übergegangen sei, drohe jetzt zu einem Streit z w i s ch e n I t a l i e n u n d dem Völkerbundsrat zu werden. Frankreich müsse natürlich das internationale Gesetz und die bestehenden Verträge verteidigen, aber w i e weit könne es dabei gehen? London wünsche gemeinsame Sühnemaßnahmen; aber solche sei­en unmöglich, da die erforderliche Einstimmigkeit hierfür nicht zu erreichen sei. Man müsse sich fragen, ob die englische Regierung nicht deshalb so nach­drücklich von gemeinsamen Sühnemaßnahmen spreche, weil sie allein n i ch t h a n d e l n, sich aber vor der öffentlichen Meinung Englands trotz­dem den Schein des Handelns geben wolle.

Mehrere Blätter wenden sich vor allem gegen die Tatsache, daß einfranzösischerProfessor imNamenAbessiniens gegen Italien sprach. Journal" schreibt, ein französischer Professor der Rechte habe die Italiener in wahrhaft unmöglichen Ausdrucken angegriffen. Das mindeste, was man er»

London, 6. Sept. (DNB. - Funkspruch.) Der Genfer Sonderberichterstatter derTimes" bezeich­net das Verlassen des Sitzungssaales durch die ita­lienischen Delegierten als eine Demonstration, die einige Minuten lang Verblüffung hervorgerufen habe. Für den Freitag hoffe man auf eine neue Sitzung des Völkerbundsrates. Der Ernst der Lage fei nicht zu leugnen. Bis zum Abend hätten die Bemühungen gedauert, einen Ver­söhnungsausschuß jju ernennen. Die Ita­liener hätten sich einer Teilnahme Englands und Frankreichs widersetzt; bis zum Abend habe nur ein Ratsmitglied, nämlich der Spanier, sich bereit erklärt, in dem Ausschuß Platz zu neh­men. Aber selbst, wenn der Ausschuß zustande komme, werde er, falls ihm jede Bezugnahme auf Artikel 15 der Satzung verwehrt sei, kaum i m - st a n d e (ein, mehr zu tun, als die bisherigen zweck­losen Erörterungen fortzusetzen und somit eine weitere Verzögerung ohne deutliche Aus­sicht auf eine Vereinbarung zu verursachen. Vielleicht sei dies überhaupt als Zweck des Ausschusses ge­meint gewesen.

Das Beste, was sich von der gegenwärtigen Tagung sagen lasse, sei, daß der Völkerbunds­rat bisher den von den Italienern verursachten Stürmen standgehalten habe. Die Nei­gung der Italiener, ihre Donnerkeile unverzüg­lich und ohne Ueberlegung zu schleudern, werde sich vielleicht weniger ergiebig zeigen als die langsameren und weniger dramatischen Ver­handlungen der Mächte. Am Mittwoch sei be­reits der Widerstand gegen die ita­lienische Politik stärker und all­gemeiner gewesen, als man erwartet hatte. Am Donnerstag habe er, veranlaßt durch die italienische Halsstarrigkeit, ein gewaltiges Ausmaß erreicht. Die Italiener hätten das ausgespielt, was sie für ihre Trumpfkarten hielten. Italiens Weigerung, die Erörterung mit Abessinien auf dem Boden des Völkerbun­des fortzusehen, nenntTimes"neuartig, arrogant und unzulässig". Der größte Teil des Inhaltes der italienischen Denkschrift sei zweifellos wahr, er sei aber schon wahr gewesen, als Italien vor 12 Jah­ren die Aufnahme des zugegebenermaßen rückständigen Landes Abessinien in den Völker­bund befürwortete. Selbstlose europäische Hilfe für ein rückständiges Land könne ohne Schmälerung seiner Unabhängigkeit gewährt

onft hätte er merken müssen, daß nicht alle, auch richt alle maßgebenden Italiener mit Balbobärten pazieren gehen und daß von diesen wieder mehr als einer gelegentlich auch den Frank anzieht, ohne deswegen in den Verpacht zu geraten, ein mondäner Kretin zu sein. Aber Spaß muß sein, auch in ernsten Zeiten.

Oie französisch-italienische Waffenbrüderschaft.

P a r i s , 5. Sept. (DNB.) Auf dem Kriegssriedhof von Bligny fand am Donnerstag bei den großen Manövern der motorisierten Einheiten in der Cham­pagne eine französisch-italienische Feier statt, in )eren Verlauf der französische Generalissimus G a - m eI i n dem italienischen Marschall B ado glio das Großkreuz der Ehrenlegion über­reichte.

Schweizerische und französischeOsfiziere in Addis Abeba

London, 6. Sept. (DNB. Funkspruch.) Reuter meldet, daß die abessinische Regierung 10 schwei­zer Offiziere, meist Artillerie-Sachverständige, in ihre Dien st e genommen habe. Außer­dem seien vier französissche Offiziere in Addis Abeba angefommen, aber der Zweck ihrer Sendung sei unbekannt. Die Agentur Havas be­richtet, die abessinische Regierung habe der i t a lienischen Gesandtschaft nicht erlaubt, eine Verstärkung der Gesandtschaftswache durch eine Askari-Kvmpanie ovrzunehmen. Der Negus habe allen Ausländern empfohlen, sich in einem bestimmten Bezirk zu sammeln. Einige Planzer hätten sich jedoch geweigert, die Stätte ihrer Ar­beit zu verlassen. Den Missionsstationen hat der Ne- gus weitgehenden polizeilichen Schutz zugesagt. Der Herausgeber der Amharischen ZeitungStimme Äthiopiens" wurde auf Befehl des Kaisers ver­haftet, da er. Mussolini und Italien in beleidigender Form angegriffen habe. Gleich- Zeitig ordnete der Kaiser an, daß die gesamte abes­sinische Presse in keiner Weise Italien angreifen und beschimpfen oder unwahre Meldungen veröffentlichen dürfe.

Greuelpropagandazentraie aufgedeckt.

Dortmund, 5. Sept. (DNB.) Dor dem Dort- murtber Sondergericht hatten sich der 53jährige Eberhard Wiese, seine 50jährige Schwester Doro- tdea Wiese aus Essen-Werden und die 38jährige Jüdin Silva Oppenheimer aus Köln w e g e n D e r- breitung falscher Behauptungen ins Auslands verantworten. Die Angeklagten hat- ten sich aus dem Auslande Hetzschriften gegen

warten könne, sei, daß Italien es ablehne, weiter an der Aussprache teilzunehmen, solange Abessinien von Professor Jeze vertreten werde.Iournee In­dustrielle" schreibt: Jede Sache sei gut zu vertre­ten, und die abessinische Sache sei wahrlich rechtlich wie tatsächlich gut, es wäre aber doch zu wünschen, daß Professor Jeze sich seiner Eigenschaft als französischer Beamter erinnere und sein möglichstes tue, um nicht durch dramatische Umstände, die Aufgaben seines eigenen Landes noch verwickelter zu gestalten. In derAction Fran- gaife" heißt es, alle Franzosen fragen sich, wie dieser Verrat des Professor Jöze mög­lich war. Wenn wir in Frankreich eine energische Regierung hätten, würde Professor Jöze noch am selben Abend nahegelegt worden sein, sein Amt als falscher Vertreter Äbessiniens niederzulegen. Daß Abessinien Lust hat, Italien sehr unangenehme Dinge zu fagen, ist wahr, daß diese Dinge aber von einem französischen Professor gesagt werden sollen, ift ein« s a ch unzulässig. Professor Jöze hat gestern nicht nur dreißig Silberlinge verdient, sondern viel mehr.

werden. 3m Gegensatz zu der Behauptung Aloisis, daß Abessinien seit 1923 nichts getan habe, um die Aufnahmebedingungen zu erfül­len, müsse man sagen, daß der abessinische Kaiser ein energischer Reformator sei, dessen Neuerungen bereits merklichen Ein­druck auf eine primitive Bevölkerung gemacht hätten.

News C h r o n i c I e" (liberal) berichtet aus Genf, man fei der Ansicht, daß die Pariser Vor­schläge die abessinische Unabhängigkeit so stark ein­schränkten, daß ihre Annahme durch Abessinien er­staunlich sei. Jetzt bestehe Sorge, daß das Ita­lien geboteneBestechungsgeld" in un­vernünftiger Weise erhöht roeroe. Eine interna­tionale Polizei oder ein internationaler Beamten­körper könnten leicht binnen weniger Jahre ita­lienisch werden und der Völkerbund würde in solchem Falle ganz einfach einen Krieg durch Zu- ftanbebringen einer gesetzlichen Annexion vermieden haben. Es sei anzunehmen, daß Eden nicht in die Falle gehen werde, aber das gleiche könne nicht von Laval gesagt werden, dessen Benehmen häufiger Vertrauen zerstöre, als einflöße.

Das ArbeiterblattDaily H e r a l d" meint, der Antrag des abessinischen Vertreters, der Völker­bundsrat solle sofort Schritte zur Verhinderung des drohenden Krieges tun, und die Rede Litwinows dürften die Dinge zu einem entscheidenden Punkt gebracht haben. Mussolini habe geradezu gedroht, der Welt den Krieg zu erklären, wenn Sühne- maßnahmen auferlegt würden. Der Völkerbund habe sich jedoch nicht einschüchtern lassen. Wenn es Sühnemaßnahmen gebe, so würden sie kollektiv von 56 Völkerbundsmitgliedern auferlegt werden. Sühnemaßnahmen bedeuteten Frieden. Der Genfer Berichterstatter der konservativen M o r n i n g P o st" hat den Eindruck, daß die Rede Litwinows die kleineren Mächte ver­ein i g en werde. Die Kleine Entente, die Staaten des Balkan-Paktes und die skandinavischen Län­der würden sicher dem russischen Vorgehen folgen. Financial News" ist der Ansicht, daß die Dinge plötzlich eine Wendung zum Schlimmeren ge­nommen haben. Litwinows Rede deute an, daß zum mindesten die Sowjetunion für die streng- sten Maßnahmen sei. Es bestehe auch einiger Grund für die Annahme, daß die kleineren Nationen, besonders die, die 1919 entstanden seien, bereit sein würden, ihre Rolle zu spielen. Die Entscheidung hänge jetzt tatsächlich von der Haltung Englands und Frankreichs ab.

Deutschland besorgt und sie in Deutschland ver­breitet. Außerdem hatten sie selbst Fälschungen von Briefen und Broschüren vorgenom­men und sie nach Holland, die Schweiz und Ka­nada geschickt. Das Sondergericht verurteilte Eber­hard Wiese zu 1 Jahr 8 Monaten, DoroU,ea Wiese zu 2 Jahren Gefängnis, Silva Oppenheimer zu 3 Monaten Gefängnis.

Oer Führer im Manöver.

Lelle. 6. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Füh­rer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht A do lf Hitler traf am Freitag­früh zur Teilnahme an den Herbstübungen des 6.Armeekorps mit seinem Stabe in Munster­lag e r ein und begab sich sogleich zur Truppe in das Manövergelände. Ebenso wohnen den Hebungen der R e i ch s k r l e g s m i n i st e r und Oberbefehlshaber der Wehrmacht Generaloberst von Blomberg und der Oberbefehlshaber des Heeres General der Artillerie Freiherr v o n F r i t s ch in Begleitung anderer höherer Offi­ziere bei.

1OOOO .Industriearbeiter als Gäste der Deutschen Arbeitsfront auf dem R-ichsparteitag.

Berlin, 4. Sept. (DNB.) Der Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, hat das Amt für Reifen, Wandern und Urlaub in der NS.-G. Kraft durch Freude" beauftragt, 10 000 deutsche Arbeiter aus Industrie - und Grenzgauen zum Reichsparteitag nach Nürnberg zu bringen. Die Teilnehmer erhalten die Reise als besondere Ehrung der Deutschen Arbeitsfront. Sie werden folgende Ereignisse erleben: Appell der Arbeits­dienstmänner, Appell der politischen Leiter, Volks­fest der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude", Appell der SA., Wehrmachtsvorführunaen. Zum ersten Male wird somit eine große Anzahl In­dustriearbeiter als Vertreter der Organisation aller Schaffenden am Parteitag teilnehmen.

Reichsminister Dr. Frick in Reinsdorf.

Der Führer und Reichskanzler hat einer Anzahl Volksgenossen, die sich bei dem Explo­sionsunglück am 13. Juni d. I. in Reinsdorf um die Errettung von Menschen aus Lebensgefahr oerbient gemacht haben. Aus- Zeichnungen verliehen. Reichsminister Dr. Frick überreichte bei einer schlichten Werksfeier den Tapfe­ren von Reinsdorf 12 Rettungs. und 46 Erinne- rungsmedaillen und sprach 10 weiteren Volks­genossen eine öffentliche Belobigung uus.

Dieprobe aussExempel

Son unterem Or. K.-Senchterstotter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Warschau, 4. September 1935.

Am Sonntag finden in Polen Wahlen zum Sejm und am darauffolgenden Sonntag bis Wahlenzum Senat statt. Sie sind von außer­gewöhnlicher Bedeutung deshalb, weil sie zum erstenmal unter der neuen Verfassung und nach der neuen Wahlordnung durchgeführt werden. Die Wahlen sind allgemein, geheim, direkt und gleich. Wahlberechtigt sind alle Personen int Alter von über 24 Jahren. Parlamentsmitglied kann dagegen nur ein mindestens Dreißigjähriger werden. Das neue Abgeordnetenhaus, der Sejm, wird nicht mehr wie sein Vorgänger 444, sondern nur noch 208 Mitglieder zählen. Sie gehen aus 104 Wahlkreisen hervor. In jedem Wahlkreis ift aus Vertretern der kommunalen und der wirtschaft­lichen Selbstverwaltung sowie aus Mitgliedern der Berufsverbände ein Wahlausschuß gebildet, der vier Kandidaten pro Wahlkreis aufstellt. Als gewählt gelten die beiden Kandidaten, die die meisten Stimmen erhalten.

Es geht schon aus diesen letzteren Vorschriften hervor, daß auch Polen als autoritär regierter Staat d i e Parteien bei der Parlamentsbildung ausgeschaltet hat. Noch der letzte, im Jahre 1930 gewählte Sejm, wurde nach dem alten S y st e m zusammengestellt. Es war die Autorität des Marschalls Pilsudski, der es verstand, sich gleich­wohl im alten Sejm eine parlamentarische Mehr­heit zu schaffen. Dieser erhielt dann allerdings die Aufgabe, Verfassung und Wahlordnung grundlegend zu reformieren und das Regierungs- fystem, das im Mai 1926 geschaffen war, ein fiir allemal festzulegen. Diese beiden Ausgaben haben Sejm und Senat nach mehrjährigen schweren Kämpfen um die Gestaltung der Verfassung in die­sem Frühjahr beendet. Sie wurden darauf durch einen souveränen Akt des Staatspräsidenten auf Grund des Artikels 13 der neuen Verfassung noch vor Ablauf ihrer natürlichen Lebensdauer (9. Dez.) am 10. Juli au f ge I ö ft, da sie die ihnen ge­stellten Ausgaben nunmehr erfüllt hatten.

Das wesentlichste Unterscheidungsmerkmal der be­vorstehenden Wahlen von den bisherigen besteht darin, daß durch die großen inneren Reformmaß­nahmen den poltischen Parteien und sonstigen In» tcrejfentengruppen das schrankenlos ausgenutzte Recyt über die Zusammensetzung des Parlamentes genommen ist. Die neue Verfassung sowohl die neue Wahlordnung stellen ihre Maßnahmen in erster Linie auf den Grundsatz der Stärkung und Stabilisierung der S t a a t s a u t o r i t ä t ab. Der Sejm fyat nach der neuen Verfassung d i e Gesetzgebung sowie die Kontrolle der Regierung wahrzunehmen. Er kann den Staats­haushaltsplan beschließen und kann fteilich auch nach der neuen Verfassung der Regierung fein Miß­trauen aussprechen. Jedoch braucht der Staatsprä- sindent nicht mehr daraufhin die Regierung zu ent­lassen. Ja der Rücktritt der Regierung braucht nach der neuen Verfassung noch nicht einmal dann zu er­folgen, wenn der Senat einem Mißtrauensantrag des Sejm zustimmt. Dann bleibt nämlich dem Staatspräsidenten immer noch die Möglichkeit, den Beschluß der beiden Kammern abzulehnen, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen auszu­schreiben. Im übrigen sichert die neue Wahlordnung der Regierung auf jeden Fall die unbestrittene Mehrheit in beiden Kammern; beispielsweise er­nennt der Staatspräsident schon allein ein volles Drittel der Mitglieder des am 15. September zu wählenden Senates, der von 111 auf 96 Mitglieder verringert ist.

Nun wird also am Sonntag in Polen zum ersten Mal nach dieser neuen Verfassung gewählt werden. Von W a h l k a m p f aber ist fast gar nichts zu ver­spüren. Es liegt so etwas wie Entsagung und Müdigkeit in dem bißchen Propaganda, die noch von der Regierungspresse gemacht wird, um wenig­stens das Bewußtsein unter den Bürgern aufrecht zu erhalten, daß dieser kommende feingewöhn­licher" Sonntag sein wird, sondern ein Tag staats­politischer Pflichterfüllung. Wenn Ministerpräsident S l a w e k kürzlich in einer Unterredung der Mei­nung Ausdruck gab, feine Propaganda sei die beste Wahlpropaganda, so hieß das schon aus der Not eine Tugend machen, denn gerade diese Wahlen sollen ja die Probe aufs Exempel sein, ob die Der- f assungänderung mit allen ihren Folgen, zu denen auch das neue Wahlgesetz gehört, i m Volke den nötigen Rückhalt gefunden fjat, ob das letzte und abschließende Werf des Mar­schalls Pilsudsfi verstanden und Gemeingut der Nattvn geworden ist. Die neue polnische Verfassung hat das Führer prinzip ftarf in den Vorder­grund gestellt, indem sie die Macht des Staatspräsi­denten in entscheidender Weise stärkte. Aber gerade eine ftarfe autoritäre Staatsführung bedingt, daß das Volf mitgeht, daß es in einmütigen Ab­stimmungen sein Vertrauen zugleich mit feinem Willen zur Mitarbeit befandet.

Die O p p o fi ti an in Polen weiß recht gut, daß die Regierung eine mangelhafte Wahlbeteiligung als eine Art Mißtrauensvotum betrachten müßte. Des­halb hat sie eine Wahlboyfottparole heraus­gegeben, aber alle Zeitungen, die dazu öffentlich auffordern, werden beschlagnahmt. Nicht, wer in diesen Sejm fommt, ist das Ausschlaggebende, denn die neue Wahlordnung fyat dafür gesorgt, daß die Regierung mit einer sicheren Mehrheit in dieses faum noch bedeutsame Gremium einzieht sondern wer überhaupt zur Wahlurne' tritt! Die Oppositionsparteien sind von einer af­finen Beteiligung an der Wahl ausgeschlossen, aber J,Ie l'nd noch ba und nutzen den letzten Rest ihrer Macht gefährlich aus. Es fällt ihnen oft nicht Ower, voller Hohn auf die seltsame Weise von Wahlpropaganda Regierungsfandidaten hinzuwei- sen, die anstatt auf ihren Versammlungen ein Pro- gramm zu entwickeln, trockene Vorträge über die neue Verfassung und die Wahlordnung halten

Da der eigentlichen Wahl eine Vorwahl der « ?te"- v°r°nging, die unter Ausschluß ber Öffentlichkeit stattfand und im wesentlichen in ben Amtsstuben ausgehandelt wurde, war hierbei Gelegenheit gegeben, Spaltungsfeime in die Oppo» uk 5" tragen, um wenigstens noch Teile davon wahlfreudig zu stimmen. Schon sprach man von einer T eil bekehrung der Bauern, 16 ehe­malige Abgeordnete der bäuerlichen Volkspartei standen im Begriff, zur Regierung überzugehen. -über nur drei von ihnen wurden zu Kandidaten oestimmt, und ob sie gewählt werden, ist schleier- l'i i't ^on vor dem Wahltermin die Er­nüchterung eingetreten: die Mehrzahl der Bauern ourste kaum an die Wahlurne treten. Den Deut» ' »v-n ,er5 Sanz ähnlich gegangen. Sie hatten erklären lassen, daß sie sich an den Wahlen betei­ligen wollten, wenn ihnen 'Kandidaten zugesichert wurden. Die Zusicherung wurde zwar in besctnMk» tem Umfange erteilt, aber in keinem BezixH

Ser Widerstand gegen Aasten wächst.

Englische Zeitungen berichten ihre Eindrücke in Genf.