Ausgabe 
6.9.1935
 
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Essolub

STANDARD

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2.

Reichsbahnrat Wilhelm Weyher.

4.

irischast aus?

Wie sieht es in der

ge- ge-

haben. Mit dem abschließenden Sachverständigen­gutachten dürfte in etwa einer Woche zu rechnen sein.

24 Millionen Mark höher als im entsprechenden Monat des Vorjahrs. Auch die Abhebungen waren um fast 20 Millionen Mark niedriger als im Juli 1934. Diese lebhafte Spartätigkeit lst um so bemerkenswerter, als der Juli bekanntlich der Reise- und Urlaubsmonat ist, in dem in den Großstädten viele Sparer Geld abzuheben pflegen oder zum mindesten keine Neueinzahlungen oor* nehmen. Daß für die Sparkassen die hohen Ein­lagenzuflüsse einen Anreiz bedeuten, einen möglichst großen Teil ihrer flüssigen Gelder in Wertpapieren anaulegen, ist sehr verständlich. Namentlich die Sckatzanweisungen des Reiches sind sehr liquide uno ganz sichere Anlagen für Sparkassengelder. Schon im ersten Halbjahr 1935 haben die Spar­kassen ihren Besitz an Wertpapieren um 507 Mil­lionen Mark erhöht. In dieser Summe sind übri­gens die 500 Millionen Mark Reichsschatzanweijun- gen, die im Mai d. I. an die Sparkassen begeben worden sind, erst zu etwa zwei Dritteln enthalten. Das schnellere Tempo der Einlagensteigerung wird es den Sparkassen leicht machen, in der zweiten Jahreshälfte einen noch wesentlich größeren Betrag von Reichsanleihen als in der ersten zu übernehmen.

Ingenieur Joseph Karl Rath, technischer Sachbearbeiter der Berlinischen Baugesellschaft

Den Festgenommenen wird fahrlässige Tö­tung zur Last gelegt, die darin erblickt wird, daß bei der Ausführung des Baues grobe Verstöße gegen anerkannte Regeln der Bau­kunst vorgenommen sind und daß die Genannten dafür in erster Linie die Verantwortung zu tragen

Das Einsturzunglück an der Berliner NG.-Bahn

Frankreichs Ostbefefiigungen unangreifbar."

Feststellungen des sowjetrussischen Generalstabschefs.

Oie Bregenzer Alpenvereinstagung.

Der großartige Verlauf der 61. Tagung des Deutschen und Oe st erreich ischen Alpen­vereins in Bregenz und die programmatischen Ausführungen des ersten Vorsitzenden Professor von Klebelsberg haben gezeigt, welches Echo selbst in schwierigen Zeiten eine Alpenvereinstagung erweckt. Der Vorstand der Sektion Vorarlberg Siegfried Fussenegger gedachte in seiner Fest­rede dankbar der Riesenarbeit, die zahlreiche Alpen- vereinssettionen irrt Reich seit sechs Jahrzehnten im Lande vor dem Arlberg durch die Erstellung von 30 Schutzhäusern geleistet haben. Das Wegnetz, das der Alpenverein durch das ganze Land legte, um­spannt viele 100 Kilometer; 162 Vorarlberger Berg-

allermächtigsten Kriegsmittel /beobach­ten können, die Die größtmöglichen Ergebnisse zeitt- aen müssen, nicht nur bei der Verteidigung dieses iebietes, sondern auch bei ihrer Umwand­lung in eine Anyriffsbasis, einen Stütz­punkt für Gegenanarlffe als Repressivmaßnahmen gegen einen evtl. Angreifer."

Der Sowjetgeneral meint, daß die Bedeutung dieser gewaltigen künstlichen Befestigungsanlagen noch größer sei in Verbindung mit dem eindrucksvollen Straßennetz, das eine bedeutende Elastizität und Mannigfaltigkeit der Bewegung innerhalb der Befestigungszone ermög­liche. General Ssedjakin schloß auf Grund ein­gehenden Studiums der französischen Ostbefestigun- gen seine militärfachmännischen Betrachtungen mit der Schlußfolgerung:Ein Befestigungssystem dieser Art macht bei dem gegenwärtigen Stand der Kriegstechnik dieses Gebiet unangreifbar."

Schöpfung und in der Gegenwart der stärkste poli­tische Faktor in Polen, verachtet den Sejm und die wichtigtuerische Geschäftigkeit derVolks­vertreter". Schon einmal waren Offiziere in drohen­der Haltung im Sejmgebäude erschienen, als die Sejmokratie", wie der parlamentarische Uebermut in Polen genannt wurde, sich gegen vernünftige Pläne des Marschalls auflehnte. Der Oberstenkreis würde wahrscheinlich nicht zögern, das Parlament zum Teufel zu jagen, wenn alte liberalistische Un­arten sich wieder durch die Hintertür einzuschleichen vermöchten.

Dieser stille Wahlkampf hat aber immerhin eine erfreuliche Seite: es wird keine schmutzige Wäsche gewaschen. Man liest diesmal in den Blättern z. B. nicht, daß der Nationaldemokrat Dmowski sich bei der Neuerrichtung Polens mit einem Minimalpro- oramm Polen unter russischer Oberhoheit hegnügen wollte, daß Pilsudski seinerzeit Ober­schlesien gar nicht gewollt habe, liest nichts von neuen schmutzigen Geschäften Korfantys oder der moralischen Minderwertigkeit anderer Parteiheroen. Es gibt überhaupt keinen Stoff zu Beleidigungs­klagen oder Duellen, die in den polnischen Wahl­kämpfen der Vergangenheit eine nicht geringe Rolle spielten. Ein Warschauer Blatt machte kürzlich die Anmerkung, der Erfinder der neuen Wahlordnung müsse den Friedensnobelpreis erhalten.

Am 8. September werden also nicht mehr die Vertrauensleute und Abgesandten der Parteien in den Warschauer Sejm einziehen, sondern die Ver­trauensleute der Regierung. Ob sie diesmal auch die Vertrauensleute des Volkes sein werden, kann sich aus der Wahlbeteiligungsziffer ergeben. Es ist wie gesagt eine Probe aufs Exempel.

Fünf deutsche Schulen in polen geschloffen.

Bromberg, 5. Sept. (DNB.) Die zuständigen polnischen Kreisschulinspektionen in Bromberg und Hohensalza haben mit dem gestrigen ersten Schultage die deutschen Minderheitsschulen in Spital, Kakulin, Strelno, Dombie und Krossen g e - schlossen und aufgelöst. In jeder dieser Schulen wurden rund vierzig deutsche Kinder unterrichtet, die nunmehr polnischen Schulen überwiesen worden sind. Die in Frage kommenden deutschen Schulen waren nach der Zahl ihrer Schüler durchaus lebens­fähig, so daß die deutsche Minderheit den Maß­nahmen der polnischen Schulbehörden verständ- n t 5 I o s gegenübersteht, zumal die deutsche Volks­gruppe Joeben erst ihre positive Einstellung zu den vevorsteyenDen polnischen Wahlen verkündet hat. Mit den betroffenen Eltern hofft die ganze deutsche Volksgemeinschaft in Polen, daß die sofort beim polnischen Unterrichtsminister eingereichte B e - schwerde im Geiste der guten Beziehungen zwi­schen beiden Nationalitäten berücksichtigt wird.

fahren durch das ganze Ländle statt und eine stattliche Reiye Bergtouren brachte die Teilnehmer in Die bekannten Gebirgsgruppen Vorarlbergs, vorzüglich in Die Silvretta, Den Rhätrkon und Den Bregenzer Wald. Die größte Anziehungskraft übte Die feierliche Schlüsselübergabe der neuen «Stutt­garter Hütte aus. Das Haus wurde von der «Sek­tion Schwaden neu erstellt und kann bequem 50 Personen beherbergen; es ist beabsichtigt, Die Hütte auch im Winter zu bewirtschaften. Auch die Rund- flüac und Schiffsrundfahrten über den Bodensee fanben begeisterten Zuspruch.

sammelt, hat Zeugen vernommen, hat Untersuchun­gen angestellt und auch eine Sachverständigenkom, misston eingesetzt, um ein möglichst klares Bild von Dem Hergang Der Katastrophe und ihren etwaigen Gründen zu erhalten. Der Staatsanwalt hat nun offenbar Den Eindruck gewonnen, als ob der Ver­dacht Der fahrlässigen Tötung nicht so ohne weiteres beiseite geschoben werden könne. Aus diesem Grunde hat er pflichtgemäß einen Haftbefehl erlassen. Damit hat er aber keineswegs ein Urteil gefällt. Das ist Sache des Gerichts, das vor unerhört jchwie- rige Aufgaben gestellt wird. Denn es hat genau ab- zuwägen, wie weit menschliche Schuld in Frage kommen kann und wieweit natürliche Ursachen mit- gewirkt haben oder gar Materialfehler die Kata­strophe heraufbeschworen. Selbstverständlich wird mit der gebotenen Schärfe und Sachlichkeit versucht werden, etwaige Fahrlässigkeiten aufzudecken. Sollte eine menschliche Schuld oorliegen, dann wird der Richter nicht zögern, für gerechte Sühne einzutre­ten. Doch bis dahin wird man mit seinem eigenen Urteil zurückzuhalten haben. Denn schließlich sind von Der Reichsbahngesellschast nicht irgenDwelche Personen leichtferttg auf Diese verantwortungsrei- chen Posten gesetzt worden, sondern Männer, Die sich bewährt haben und Denen man nach sorgfältiger Prüfung ihrer Eignung und Leistungsfähigkeit " tröst das schwere Amt übertragen zu können glaubt hat.

m. b. H.,

3. Bauleiter Diplomingenieur Fritz Noth,

Moskau, 5. Sept. (DNB.) Eine sowjet- russische Militärabordnung hat auf Ein­ladung Des französischen Generalstabschefs das b e - feftigte Gebiet im Nordosten Frank­reichs besichtigt. In derJfwestija" äußert sich der stellvertretende Generalstabschef der Roten Armee, Ssedjakin, sehr befriedigt Darüber, Daß Die sowjetrussischen Offiziere Das erst kürzlich geschaffene System Der Befestigungsanla­gen in allen Einzelheiten hätten stuDieren können, Diese Befestigungswerke hätten auf ihn einen g e - wattigen Eindruck gemacht. Der rote Ge­neral sagte u. a., Daß DieVerteidigung des Rheins" insbesondere im Abschnitt zwischen den nördlichen Vogesen und dem Strom außer­ordentlich gut organisiert und sehr solide angelegt sei.In diesem ganzen Gebiet", so betonte General Ssedjakin,haben wir die An­wendung der neuzeitlich st en und der

Vier Verhaftungen.

Berlin, 5. Sept. (DNB.) Die Justiz- Pressestelle Berlin teilt mit: Wie seiner­zeit bereits bekannt geworden ist, hat die Staats­anwaltschaft bei dem Landgericht Berlin unmittel­bar nach dem Einsturzunglück bei dem Bau der Nord-Süd-Ost-Bahn in der Hermann-Göring- Straße, das insgesamt 19 Todesopfer gefordert hat, die Ermittlungen über eine etwaige Schuld­frage eingeleitet. Die Bearbeitung dieses die Öffentlichkeit in besonders hohem Maße interessie­renden Verfahrens wurde Dem Oberstaatsanwalt Dr. Reimer übertragen, zu Dessen Unterstützung nach wie vor Gerichtsassejsor Riel, Der seinerzeit als erster Vertreter Der Staatsanwaltschaft bei Den Aufräumungsarbeiten zugegen war, tätig ist. Zur eingehenDen Aufklärung hat Die Staatsanwaltschaft ein SachverstänDigen-Gremium hinzu- gezogen, Das unter Leitung Des Geheimrats Prof. Dr. H e r t w i g von der Technischen Hochschule Ber­lin steht und Dem als MitglieDer folgenDe Herren angehören: Professor Dr. D i s ch i n g e r von der Technischen Hochschule Berlin, Prof. Dr. Halter von Der Technischen Hochschule in München, Reichs- fachgruppenwalter H u p f a u e r (Deutsche Arbeits­front), Regierungsbaurat im RuhestanD B o u f f c t, Regierungs- unD Baurat Schuppan vom Poli- zeipräsiDium Berlin.

Die Untersuchung, über Die Ursachen des Einsturz­unglücks ist inzwischen soweit gediehen, daß auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft heute Haft­befehle gegen folgende Personen erlassen und vollstreckt worden sind:

1. Direktor Hugo Hoffmann von der Berli­nischen Baugesellschaft m. b. H.,

Die Belebung der deutschen Wirtschaft geht un­unterbrochen fort. Der Absatz des Einzel­handels weist im Monat Juli eine weitere Steigerung auf. Das Umsatzniveau dieses Monats liegt um 3 Prozent höher als das des entsprechen­den Zeitabschnitts des Jahres 1934. Ueberdurch- schnittlich groß war die Zunahme der Umsätze des Lebensmittelhandels, was aber wohl teilweise auf das Anziehen der Preise zurückzu- führen ist. Aber auch in den Textil- und Be­kleidungs-Fachgeschäften sind die Um­sätze beträchtlich gestiegen, ebenso im Einzelhandel mit Hausrat, mit Drogen und bei den Uhrmachern. Der Landmaschinenhandel erzielte sogar um 35 Prozent höhere Umsätze als im Vorjahr. Die Produkttonsleistung der Siegerländer Walzwerke war im Juli mit 44865 Tonnen um fast 5 Prozent höher als im vorangegangenen Monat. Auch der Monat August hat nach den vor­liegenden Ermittlungen wieder ein sehr günstiges Ergebnis gebracht. Die Drahtseilindustriü berichtet, daß ihr Jnlandabsatz infolge der Arbeits­beschaffungsmaßnahmen der Reichsreaierung weiter zugenommen hat. Das Auslandsgeschäft hat sich ebenfalls gebessert. Dabei wird besonders hervor­gehoben, daß auch die im Export erzielten Preise erheblich geftiegen sind, obwohl die Konkurrenz auf den ausländischen Märkten sehr scharf ist. Um die Arbeitsbeschaffungsaktion der Reichsregierung in unverminderter Stärke fortzuführen, hat die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten neue Kreditefür bestimmte Arbeiten bereitgestellt. Zu diesen Arbeiten gehört u. a. der Bau einer weiteren Teilstrecke der deutschen Alpen­straße, eine Talsperre im Gebiet der Weißen Elster, eine Gruppen-Wasserversorgung Im Maintal sowie neuer Straßen im Bayerischen Wald. '

Einzelheiten über die neue Anleihe finden unsere Leser im Wirtschaftsteil. *

Neben den 500 Millionen Mark, die zur öffent­lichen Zeichnung angeboten werden, haben die Sparkassen auch diesmal wieder 500 Millio­nen Mark Reichsschatzanweisungen fest übernommen. Bekanntlich sind schon einmal im Frühjahr d. I. für 500 Millionen Mark Reichsschatzanweisungen unmittelbar an die Sparkassen begeben worden. Das starke Anwachsen ihrer Einlagenbestände ge­stattet ihnen; an der Konsolidierung der Reichs­schulden in besonders umfangreicher Weise teilzu­nehmen. Im ersten Halbjahr 1935 haben sich Die Einlagen Der Sparer um mehr als 813 Mil­lionen Mark vermehrt. Die Zunahme war noch bettächtlich stärker als in Der ersten Hälfte Des Vorjahres. Jetzt liegen auch bereits die Juli- beridjte Der Sparkassen vor. In diesem Monat haben sich die Einlagenbestände abermals um fast 4 0 Millionen Mark auf insgesamt 132 Milliarden Mart erhöht. Die Einzahlungen der Sparer betrugen in diesem Monat allein mehr als 490 Millionen Mark und waren damit noch um

Mit der Auflegung der neuen Reichs­anleihe hat Die KonfolDierung Der KreDite be­gonnen, mit Denen Die nationalsozialistische Reichs­regierung in Der Uebergangszeit ihr großes Arbeits­beschaffungswerk finanziert hat. Um Den Deutschen Geld- und Kapitalmarkt für Dieje KonsoliDierungs- anleihe aufnahmefähig zu machen, mußten umfang­reiche Vorarbeiten geleistet werden. Jetzt ist die Schonzeit, in der die Regierung eine Belastung des Kapitalmarkts bewußt vermied, um ihn zunächst einmal genügend erstarken zu lassen, vorüber. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß der deutsche Kapitalmarkt heute stark genug ist, die 500 Millio­nen Mark, die das Reich jetzt beansprucht, ohne jede Schwierigkeit aufzubringen. Die bisherigen Zeich­nungsergebnisse beweisen bereits, daß sich Sparer und Kapitalbesitzer auch in diesem Falle ihrer Pflicht gegen Staat und Volk voll bewußt sind. Da die Zeichnungsfrist noch bis $um 16. September läuft, ist es sicher, daß die Anleihe stark überzeichnet werden wird. Es empfiehlt sich daher für alle Die­jenigen, Die sich Diese erstklassige Anlagemöglichkeit für ihre Ersparnisse zunutze machen wollen, ihre Zeichnungen so bald wie möglich vorzunehmen.

und Skiführer danken dem Verein ihre Ausbildung; das Rettungswesen ist in ebenso vorbildlicher Weise wie in den übrigen Bundesländern organisiert. Der Festredner bewies schlagwortartig, in welchem Aus­maß der Alpenverein als Wegbereiter Vorarlbergs tätig war und ist. Im Zusammenhang mit Der Tagung rourDen Beratungen DesVereins zum Schutze Der Alpenpflanzen", desVereins Der Freunde Des Alpenmuseums" und desVereines Der Freunde der Alpenvereinsbücherei" abgehalten. Die genannten Organisationen müssen als wichttge, ja unentbehrliche Helfer der Vereinsarbeit bezeich­net werden. Nach der Tagung fanden Gefellfchasts-

Dier Personen, die am Reichsbahntunnelbau in Berlin maßgebend beteiligt sind und die dort die Hauptverantwortung trugen, wo Der Schacht zu­sammenstürzte und viele Arbeiter unter sich be­grub, sind auf Veranlassung Des Staatsanwaltes in Haft genommen roorDen. Es wäre ungerecht, wollte man Daraus sofort Den Schluß ziehen, daß für das Unglück diese vier Männer verantwortlich zu machen seien, wie es überhaupt töricht ist, bei irgendeinem Unfall von vornherein mit einem fertigen Urteil über Die Schulb frage aufzutreten, bevor überhaupt der gesamte Fragenkomplex nach allen Richtungen hin genau untersucht und geklärt worden ist. Auch bei Dem Baugrubenunglück in Berlin hat der Staatsanwalt erst einmal das gesamte Material ge­

konnten sich die polnischen Wahlmänner entschließen, für einen Deutschen zu stimmen, so daß diese sämtlich durchgefallen sind. Die deutschen Organisationen unterstreichen zwar ihre ftaats- hejahende Haltung und stellen es ihren Mitgliedern frei, zur Wahl zu gehen oder empfehlen es ihnen Such ausdrücklich, aber mancher deutsche Wähler wird sich gewiß die Frage vorlegen, was er nun eigentlich an der Wahlurne zu suchen habe, wenn keine Kandidaten da sind. Die Ukrainer sind in sich gespalten, die linksgerichteten Grup­pen werden es machen wie die polnischen Marxi- ften, sie werden zu Hause bleiben, aber auch der rechten Gruppe hat man ihre kämpferischen Kandidaten nicht gelassen, sondern hat den Kom­promißlern den Vorzug gegeben, so daß auch hier die Enttäuschung sich in den Beteiligungszahlen bemerkbar machen wird.

Was sonst noch wahlfreudig blieb, wird sich nicht nach Parteien, sondern nach Berufs ständen orientieren müssen, und da macht sich das Fehlen einer starken willensmäßig gebundenen und welt­anschaulich geschlossenen Organisation bemerkbar, auf die sich Die Regierung eindeutig stützen könnte. Konservative und Syndikalisten, Militaristen und alte Demokraten sind in dem Regierungsblock locker vereinigt und jeder hält an den weltanschaulichen Grundformen seines Standes und seiner Klasse fest. Wenn es auch bei dieser Wahl noch nicht so kraß zum Ausdruck kommt, weil der autoritäre Wille des jüngst verstorbenen Marschalls auch über das Grab hinaus noch nachwirkt und seinen abschwä­chenden Einfluß geltend macht, wird unzweifelhaft die Entwicklung es dahin bringen, daß d i e künf­tigen Wahlen wieder neue Kämpfe auslösen, die dann innerhalb des Regie­rungsblockes selbst ausgetragen werden, und zwar nach berufs ständischen Gesichts­punkten. Dann wird der Arbeiter um den Ar­beiter, der Bauer um den Bauern werben, wie ja heute schon die Blätter in spaltenlangen Lebens­beschreibungen die berufliche Zugehörigkeit der Kan­didaten möglichst fett unterstreichen.

Aber auch solche Voraussagen gelten nur für den Fall, daß die tatsächlichen Machthaber Polens die innere Neugestaltung des Staates bereits für ab­geschlossen halten, und daß nicht nach einer Pause Der Eingewöhnung weitere Schritte zur end­gültigen Ueberroinbung des Parlamentarismus ge­tan werden. Die Armee, Pilsudskis stolze

Die Preisverordnungen für Lebens­mittel, die in diesen Tagen erlassen wurden, füh­ren die Lebensmittelpreise wieder auf den Stand vom 31. März 1935 zurück. Das ist im Interesse Der Aufrechterhaltung der Mengenkonjunktur unbe­dingt notwendig, und die Landwirtschaft hat sich dieser nationalen Aufgabe in anerkennenswerter Welse zur Verfügung gestellt. Dabei ist die Er­nährung des Volkes durchaus gesichert. Dank der starken Vorratspolitik verfügt die Reichsstelle für Getreide heute über Getreldevvrräte, dis es ermöglichen, die bei der Ernte eventuell fehlen­den Spitzenbeträge zu decken. Bei der K a r t o f felnerforgung liegen die Dinge so, daß sie auf jeden Fall gesichert ist, da nur ein Drittel der Kartoffelernte für die menschliche Ernährung be­nötigt wird. Die Butterversorgung ist durch Eigenerzeugung und Einfuhr sichergestellt. Der But­terverbrauch hat in Deutschland gegenüber der Vor­kriegszeit fast um 50 v. H. zugenommen. Dieser Mehrverbrauch erklärt sich durch die veränderten Lebensbedingungen. Infolge der durchgehenden Ar­beitszeit in den Großstädten ist der Butterbrotoer- zehr stark gestiegen. Da der Fleischverbrauch f,u 99 v. H. aus heimischer Erzeugung gedeckt wird, inb irgendwelche Besorgnisse wegen ber Fleischoer- orgung nicht angebracht. Die im Sommer festge­stellten Spannungen am Rinbermarkt waren saison- mäßiger Natur unb zum Teil ble Folge einer Psychose. Das Angebot ist heute burchaus aus- relchenb, unb in ber Bevölkerung wirb in immer stärkerem Maße auf basFleisch im eigenen Saft" zurückgegriffen. Gegenwärtig wirb wöchentlich eine Million Kilogramm Dosen abgesetzt. Auf bem Schweinefleischmarkt wirb bie bestehenbe unb saisonbedingte «Spannung bis zum Spätherbst behoben sein. Ersttebt wirb bie Herstellung von Kühlsleisch anstatt von Konserven.

Die Obsternte liegt durch Witterungseinflüsss in diesem Jahr drei Wochen später als im vorigen Jahr. Beim Spätgemüse wird zweifellos eine vollkommene Entlastung eintreten, die Preise werden auf der Grundlage des Vorjahres liegen. Für den Bezug von Kartoffeln im direkten Verkehr zwischen Erzeuger und Verbraucher wirb kein Schluß-Schein-Zwang bestehen. Auch der Schluß-Schein-Zwang für den Bezug von Obst im Verkehr zwischen Erzeuger und Verbraucher wirb zugunsten des Verbrauchers aufgegeben. Dis Milcherzeugung steht gut: sie ist um 10 v. H. ge­stiegen. In der kommenden Zeit wird, wie Staats­sekretär Backe kürzlich ausfuhrte, die beabsichtigte Auflockerung einzelner allzu starrer Be­stimmungen der Marktordnung Erleichterung brin­gen. Der Grundsatz, daß der Weg der Ware vom Erzeuger zum Verbraucher mög­lichst tun fein soll, wird weitgehende Berücksichti­gung finoen. Der Verbraucher wird in Zukunft in der Lage sein, Kartoffeln, Gemüse, Obst, Geflü­gel und Eier wieder unmittelbar beim Erzeuger einkaufen zu können. Auch der Bauer wird wieder selbst Kartoffeln auf Den Markt bringen unb sie an ben Verbraucher abgeben können.