Nr. 208 Erstes Blatt
185. Jahrgang
Zreitag, 6. September 1955
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Zum Nürnberger Parteitag der Freiheit.
Von Veichö- und preußischem Minister des Innern Dr. Wilhelm Jrick
Memel-Tragödie.
Von Curt Höhel.
An den weißen Dünenbergen der Kurischen Nehrung hin ziehen auf dem Haff die eigenartigen Kähne der Nehrungsfischer mit ihren hohen rechteckigen braunen Segeln Scheinbar liegt tiefer Friede über dieser eigenartigen und jeden fremden Besucher bezaubernden Landschaft. Wundervoll zu schauen — diese scheinbar unendliche Reihe der Dünenwogen, die zwischen Ostsee und dem Kurischen Haff hinziehen ... Ein schmaler Streifen Land ist es, dieses Nehrungsland zwischen See und Haff, und die Menschen, die darauf wohnen, sind seit Jahrhunderten natürlich eins — in Not und Gefahr, in Sitte und Brauch, in Sprache und Bekenntnis zum deutschen Vaterland ...
Und dann kommst du auf deiner Wanderung eines Tages mitten in diesem wundervoll romantischen Dünen- und Waldlande, auf deinen Wegen Über Strand, Quendelwiesen und durch den kernigen Nehrungswald an einen Grenzschlagbaum, begegnest ernsten Zollbeamten und siehst, wie die Passagiere der schönen Nehrungsschiffe angehalten und auf Zollverpflichtung geprüft werden.
Drüben stehen Zollbeamte des litauischen Memellandes ... An Bord des eleganten auf deutsche Art gebauten und gehaltenen Motorschiffes „Kurisches Haff", das unter der litauischen Flagge fährt, kannst du dir durch ein litauisches Visum die Einfahrt in dein Stück Vaterland, das Memelland erkaufen, das unter litauischer Staatshoheit steht ...
Man muß den Binnendeutschen ins Gedächtnis zurückrufen: Litauen entstand als Staat unter der deutschen Besatzung des Baltenlandes im Weltkriege. 1918 erreichte — vor dem Nooemberverrat — der sogenannte „Litauische Landesrat" von der deutschen Regierung die Anerkennung eines eigenen litauischen Staates, der allerdings mit dem Deutschen Reich einen Zoll- und Münzoerband eingehen sollte. Nach dem Zusammenbruch Deutschlands bildete der litauische Nationalist Professor Wolde- maras die erste nationallitauische Regierung. — Wie war dieser litauische Nationalismus zustande gekommen? — Nachdem das älteste litauische Volkstum fast ganz im Laufe der Jahrhunderte im Polentum aufgegangen war, erneuerten romantische Schwärmer und Gelehrte, vorwiegend katholische Geistliche, in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts das litauische Bewußtsein in der Sprache und der sehr geringen Dichtung. Nach den Polenaufständen gegen Rußland kommt auch diese Bewegung ins Stocken. Erst seit etwa 1883 nun entwickelt sich im Deutschen Reich, dem gastlichen Boden Ostpreußens, eine politisch-literarische Volkstumsarbeit für die nur sehr schwer noch auffindbare litauische Sprache und Dichtung; deutsche Gelehrsamkeit Hilst dabei und wird so eigentlich die Geburtshelferin des modernen Litauertums... Vor allem kämpft diese winzige Gruppe Litauer von Ostpreußen aus um die Anerkennung der römisch- katholischen Religionsausübung in litauischer Sprache durch das zaristische Rußland. Daraus wird dann nach der Niederringung des Zarenreiches durch die deutschen Heere im Weltkriege die Forderung nach einem politischen „Litauen". Ohne die deutsche Kraft des Geistes und der Waffen und ohne deutsche Großherzigkeit gäbe es also kein Litauen, gäbe es wahrscheinlich kaum mehr den Begriff davon! *
Dieser Zwergstaat, geboren aus dem Chaos des Winters 1918/19, hat nun sofort mit dem inzwischen geschaffenen polnischen Nachbarstaate einen heftigen Streit. Es geht um Wilna, das ein polnischer General im Frieden roegnimmt. Heftige innere Unruhen knüpfen sich an den Namen Woldemaras. Dann kommt das Jahr 1923, der Tiefpunkt der deutschen Not. Da erhebt der von deutschen Gnaden Überhaupt existierende litauische Staat Anspruch auf das, was er Memelland nennt, auf das Gebiet um die alte deutsche Stadt Memel, auf das Umland und ein Stück, etwa die Hälfte, der Kurifchen Nehrung. Weil das von litauischem Volkstum aus- gefüllt fei und dergleichen... Das Deutsche Reich kann es nicht verhindern, daß unter dem Schutze ber Westmächte — die damals grabe Frankreichs Ruhrabenteuer dulden, bas Memelland unter litauische Hoheit gestellt wird — gemäß einem „Memelstatut", das die Westmächte garantieren. Reiner der deutschen Bebauer dieses Landes hat ein Wort mitzusprechen — alle Deutschen dort protestieren, vergebens!
Es dauert nur einige Jahre — bann ist ein junger Litauer namens Merkys „Gouverneur" in Memel. Es beginnt die furchtbare Leidens- ikfchichte des Memeldeutschtums. Gleich vor den Toren von Königsberg werden deutsche Siedler uralten deutschen Volksbodens gequält und entehrt. Die Kette der Gewaltakte und Fälschungen ist nicht zu beschreiben. Sie führt schließlich zu dem unerhörten Prozeß gegen die sog. „Aufständischen" im Memelland, die Förster und Lehrer, Pfarrer und Bürger, die man wegen ihrer aufrechten deutschen Gesinnung und ihrer Führereigenschaften vernichten will. Einige werden nach Folterungen zum Tode verurteilt, man maßt es aber nicht, dieses aller abendländischen Gesittung hohnfprechende Schandurteil zu vollziehen. Einer dieser Unglücklichen stirbt Im Gefängnis.
Man wollte in Kowno, der litauischen vorläufigen Hauptstadt, jetzt Kaunas genannt, die deutschen po- stlischen Gruppen treffen, die in dem nach 1923 ge- chaffenen Memelländischen Landtag gegen die Li- lauifierung wirken könnten. Man hat in diesem zwilchen einem Zwergstaat und einer Weltmacht fast unwahrscheinlichen Prozeß die Argumente erschwindelt, um das tun zu können, was nun in den letzten Tagen erfolgt ist: man hat den Deutschen im Me- meilanbe die Stimme im memelländischen Landtage
Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei hat sich zu allen Zeiten als das große Werkzeug gefühlt, das.sich der Führer schuf, um ein neues Deutschland zu bauen. Alles was diese Bewegung tat, von der kleinsten Versammlung bis zu den größten Aufmärschen, von der ernsten Arbeit in den Schulungslehrgängen bis zu den großen Parteitagen, alles diente und dient immer nur dem Zweck, das Werkzeug des Führers blank und seinem Willen dienstbar zu erhalten. Hitlers Wille ist Deutschlands Wille.
Die Parteitage der NSDAP waren seit jeher mehr als bloße Aufmärsche der mächtigsten Organisation, die jemals unser Volk gestaltete. Sie ind seit jenem Tag, an dem die Hakenkreuzfahne am Marsfeld zu München das erstemal einem Parteitag die Gestalt und die Prägung der neuen Bewegung gab, Aufrufe und Sinnbilder der Kämpfe gewesen, die der Führer um die Seele der Nation ührte. Die Parteitage der NSDAP, waren schon in der Systemzeit Kundgebungen, die nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt a l s große politische Manifestationen genannt verfolgt wurden. Hier marschierten d i e Kämpfer einer Bewegung auf, die keine Feste und Festtage, sondern nur D i e n st, Opfer und Unterordnung kannte. Hier marschierten nicht die Anhänger und Mitläufer, sondern die Träger des Kampfeswillen, die harten Soldaten Adolf Hitlers auf, die bereit waren, dem Führer in feinem Kampfe, bis in den Tod, zu eigen.
Diese Kampftruppen der Partei haben die Organisationen der Bewegung, das Werkzeug des Führers, auch in jenen Zeiten schlagfertig erhalten, da es schien, als ob aller Kampf um Deutschlands Freiheit vergeblich fei Sie haben am Odeonsplatz
Der plan eines Fünserausschuffes
Genf, 5. Sept. (DNB.) Ueberrafchend wurde am Donnerstag in den Nachmittagsstunden eine neue Ratssitzung anaesetzt, um die Stellungnahme des abessinischen Vertreters zu den Erklärungen Aloisis entgegenzunehmen. Man will damit die allgemeine Aussprache abschließen und zur Einsetzung eines FÜn - ser-Ausschusses schreiten, dem die weitere Behandlung des Streitfalles übertragen werden soll. Dem Ausschuß sollen neben dem englischen und dem französischen Ratsvertreter die Delegierten von drei neutralen Ratsmächten angehören. Die überraschende Einberufung einer neuen öffentlichen Sitzung erklärt sich daraus, daß der italienische Vertreter die Forderung erhoben hat, daß Italien gleichfalls in den Ausschuß gewählt werden solle, da es ähnlich wie England und Frankreich an der abessinischen Frage interessiert sei. Werde dies nicht gewünscht, so sei vorzuziehen, einen Ausschuß von völlig uninteressierten Staaten einzufetzen. Diese italienische Forderung, die darauf hinauslief, die beiden westlichen Großmächte als befangen zu erklären, hat die bisherigen Dispositionen umgeworfen.
Die öffentliche Sitzung des Völkerbundsrates begann kurz nach 19 Uhr. Der Ratspräsident erteilte sofort dem Vertreter Abeffl- nlens, Professor I e z e, das Wort. 3n diesem Augenblick erhob sich der italienische Vertreter Aloisi von seinem Platz am Ratstisch und verließ den Sitzungssaal. Lin Mitglied der italienischen Abordnung, das daraufhin seinen Platz einnahm, wurde nach einigen Minuten, während der Vertreter Abessiniens noch sprach, aus dem Saal gerufen, so daß der Platz Italiens von nun an leer blieb.
genommen. Durch ein Gesetz ist allen denen das Wahlrecht entzogen worden, die angeblich mit den erdichteten Bestrebungen der als „Aufständische" verurteilten Deutschen politisch Zusammenhängen. Somit alle Memeldeutschen.
So stehen die Dinge heute. Und die Westmächte, die in Genf die Unfähigkeit bewiesen haben, kollektiv auch nur das Geringste für den Frieden zu tun, diese „Signatarmächte des Memelstatuts," sehen tatenlos zu, wie das Deutschtum des Memellandes auch noch formell entrechtet wird unter Bruch des „Memelstatuts"!
Quo vadis — Europa?
Das Memeldeutschtum seiner Führer beraubt.
Durch Entziehung der Staatsangehörigkeit von der Wahlliste gestrichen.
Memel, 5. Sept. (DRV.) Der Gouverneur des Memelgebiets hat dem früheren Landespräsidenten und jetzigen Spitzenkandidaten der Memelländischen Einheitsliste zur Wahl am
zu München und auf allen Straßen Deutschlands geblutet, in den Kerkern des Systems in Not und Entbehrung gelitten, und niemals zweifelnd für die Sache des Führers, die die Sache Deutschlands ist, gekämpft. Sie haben den Terror des Marxismus zerbrochen, die Feigheit der Masten überwunden und die Fahne des Führers im Siegeszug durch das Brandenburger Tor getragen. Die Parteitage von Nürnberg sind ihre Kampf- und Ehrentage.
Parteitag des Sieges! Der Triumph des Willens! — So haben wir die beiden ersten Nürnberger Reichsparteitage nach der Machtergreifung, dem Willen des Führers gemäß, genannt. 1935 marschieren wir zum Parteitag der Freiheit! Was noch vor einem Jahre fast unmöglich erschien, ist zur Wirklichkeit geworden: Das deutsche Volk hat seine Wehrfreiheit wieder! Mehr als 16 Jahre find verstrichen, seit marxistische Propaganda den Wehrwillen der Nation in entscheidendsten Stunden lähmte und an jenem grauen 9. November 1918 den Frontsoldaten des Weltkrieges die Waffen zerbrach. Damals lag, aus der Hölle der Westfront nach Pasewalk gebracht, von Gasgranaten fast völlig ums Augenlicht gekommen, im Lazarett der unbekannte Soldat Adolf Hitler. Dort faßte er, von einer Nacht umhüllt, in den trübsten Tagen Deutschlands, den festen Vorsatz: „Das darf das Ende nicht fein!" Wie weltenweit ist der Weg vom Lazarett in Pasewalk über München und sein Braunes Haus, in die Reichskanzlei des 66-Millionen-Reiches! Wie weit ist der Weg von jenen trüben Novembertagen, in denen Verrat die Wehr des Reiches zerbrach, Deserteure, Marxisten und Verbrecher die Macht um Deutschland an sich rissen, bis zu jenem strahlenden Frühlingstage, an dem der Führer
Der Vertreter Abessiniens sprach von einem italienischen Verblüffungsmanöver. Italien wolle Abessinien in Acht und Bann erklären, um dadurch von der Einhaltung seiner eigenen Verpflichtungen frei zu kommen. Italien handele nach dem französischen Sprichwort: „Wer seinen Hund ertränken will, sagt, er habe die Tollwut". Die Beschimpfungen, die Italien gegen Abessinien vorbringe, erinnerten daran, daß Italien in letzter Zeit alle seine europäischen Nachbarn nacheinander auf das gröblichste beschimpft habe. Gefährlich werde die Haltung Italiens diesmal nur durch die umfangreichen militärischen Vorbereitungen, die eine unmittelbare Kriegsgefahr heraufbefchworen hätten. Wenn Italien Ausdehnung und neue Absatzgebiete brauche, warum trage es dann diesen Anspruch nicht offen vor? Abessinien sei jederzeit bereit, zur Durchführung von Reformen und zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes den uneigennützigen Rat des Völkerbundes zu befolgen.
Der abessinische Vertreter forderte vom Völkerbundsrat:
1. gemäß Artikel 10 der Satzung des Völkerbundes die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Unabhängigkeit und Unversehrtheit Abessiniens angesichts der italienischen Truppenzusammenziehungen zu schützen,
2. das in Artikel 15 Absatz 3 vorgesehene verfahren anzuwenden.
Die Zeit der Vertagungen sei jetzt vorbei. Angesichts der aufs äußerste gestiegenen Gefahr, die ein Völkerbundsmitglied bedrohe, müsse sofort gehandelt werden. Ein Völkerbundsausschuh müsse sofort eingesetzt werden und noch während der gegenwärtigen Tagung des Rates Bericht erstatten. Abessinien fei mit jedem Vermittlungs-
29. September die Staatsangehörigkeit entzogen. 3n der Begründung heißt es, daß Dr. Schreiber die litauische Staatsangehörigkeit als Bürger des Memelgebietes durch unrichtige Bescheinigung erhalten habe. Er und seine Familie werden von nun an als Ausländer behandelt. Da Dr. Schreiber Präsident der Memelländischen Handelskammer ist und in verschiedenen sonstigen wirtschaftlichen Organisationen Stellungen bekleidet, deren er mit dem Verlust der Staatsangehörigkeit verloren geht, steht er nach diesem Willkürakt vor dem Ruin. Dr. Schreiber ist seit 13 3ahren Memelländer, also längst vor der Ratifizierung des Memelabkommens im Gebiet ansässig gewesen. Bisher sind niemals Zweifel an seiner Staatsangehörigkeit laut geworden, im Gegenteil wurde er vom litauischen Gouverneur seinerzeit sogar zum Landespräsidenten ernannt. Als Beamter einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft hat er vorschriftsmäßig für Litauen optiert.
Auch dem Oberbürgermeister Dr. Vrindlin- g e r, der an vierter Stelle auf der Memelländischen
dem deutschen Volke die Wehrfreiheit wieder zurückgeben konnte.
Ein Triumph des Willens hat dies vollbracht, und er ist es, der uns den Parteitag der Freiheit schenkt. Zum ersten Mal wird an diesem Tage in Nürnberg die Deutsche Wehrmacht frei von allen Fesseln der Gewaltdiktate an ihrem Obersten Befehlshaber, dem Führer und Reichskanzler, vorüberziehen. Die Wehr ohne Zwang, in alter Ehre und neuer Freiheit, — ein starker Schutz des Reiches und des Friedens. Ehre, Freiheit und Frieden sind die Hoch« ziele des Führers, die Hochziele des ganzen deutschen Volkes. Alles wollen mir diesen höchsten Gütern der Nation unterordnen und mit allen Kräften an der Seite des Führers als feine alte Garde, die durch Not und Tod, durch Nacht zum Sieg zusammenstand, kämpfen für Deutschland!
Führerbesprechung im Braunen Hans.
München, 6. Sept. Der Führer hielt am Donnerstagnachmittag, wie die NSK. meldet, im Braunen Haus in München eine Besprechung ab, die den Vorbereitungen zur Ausgestaltung des bevorstehenden Reichsparteitages gewidmet war und an der neben dem Stellvertreter des Führers Rudolf Heß eine Reihe führender Persönlichkeiten der Partei teilnahmen. Es waren u. a. anwesend: Die Reichsleiter Dr. Goebbels, Dr. Frank, Darrö, Amann, Rosenberg, Dr. Dietrich, Dr. Ley und Bormann; die Gauleiter Adolf Wagner und Julius Streicher, ferner Reichsar - beitsführer Hierl, Staatssekretär Reinhard, Generalinspekteur für das Straßenbauwesen Dr. Todt und Beauftragter für Siedlungsfragen Dr. Ludovici.
verfahren einverstanden, das den Ausbruch des Krieges aufhalken könnte. Es verlange lediglich eine gerechte Lösung und eine vollständige Regelung der ganzen Angelegenheit. Es sei gegen jede Vertagung. Es handele sich jetzt darum, zu wissen, ob ein Staat bei der Bedrohung durch einen mächtigen Rachbarn unter Berufung auf Artikel 10 und 15 des Völkerbundsvertrages mit einem wirksamen Schuh rechnen könne.
Scharfe tirifit Litwinows an der italienischen Denkschrift.
Keine Diskriminierung von Völkerbundsmitgliedern.
Der russische Volkskommissar Litwinow äußerte sein Bedauern über den Mißerfolg der Pariser Verhandlungen. Er sei außerstande, der Haltung zuzustimmen, die Italien dem Völkerbund vorgeschlagen habe. Italien wolle, daß sich der Rat an dem italienisch-abessinischen Konflikt desinteressiere. Es handele sich um die Drohung mit einem Angriff, die nicht bestritten, sondern vom italienischen Vertreter selbst bestätigt werde. Ein derartiger Angriff würde eine flagrante Verletzung, ja eine vollständige Zerreißung der Völkerbundssatzung darstellen und für die Zukunft einen gefährlichen Präzedenzfall bilden. Jeder Krieg fei die Frucht eines oorausgegangenen Krieges und e r • zeuge neue Kriege in der Zukunft. Der Grundsatz von der Unteilbarkeit des Friedens setze sich erfreulicherweise immer mehr durch. Es sei auch nicht angängig, eine militärische Operation mit den inneren Zuständen eines Landes zu begründen. Gewiß werde niemand für die Zustände in Abessinien, so, wie sie die italienische Denkschrift darstelle, Sympathien haben, aber
Einheitsliste steht, hat man durch rechtswidrige Entziehung der Staatsbürgerschaft das aktive und passive Wahlrecht entzogen. Dr. Brind- tinger ist ebenso wie Dr. Schreiber 1922 ins Memelgebiet gekommen und hat sich dort als Rechtsanwalt und Rotar niedergelassen. Als Rotar hat er Be- amteneigenschaft. Lr hat deshalb für Litauen optiert. Er gehörte dem dritten Memelländischen Landtag als Abgeordneter an und wurde im Mai 1931 mit großer Mehrheit von der Stadtverordnetenversammlung zum Oberbürgermeister der Stadt Memel gewählt und von dem rechtmäßigen Direktorium Schreiber b e ff ä H g L Das statutwidrige litauische Direktorium RelsgyS hat ihn dann am 8.3uli 1934 widerrechtlich seines Amtes enthoben. Gegen feine Amtsenthebung hatte er bei den ordentlichen Gerichten des Memelgebietes Klage erhoben. Der Magistrat der Stadtgemeinde wurde verurteilt, ihm das Gehalt zu zahlen. Man will ihn für das Memelgebiet jetzt vollkommen beseitigen und hat ihm deshalb die Staatsbürgerschaft entzogen.
Ratssitzung ohne Italien.
Abefsiniens Erwiderung auf die italienische Denkschrift. - Professor Leze fordert sofortigen Bericht eines Dölkerbundsausschuffes.


