Ausgabe 
6.8.1935
 
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Hr.181 Erster Blatt

185. Jahrgang

Dienstag, b. August 1955

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KEK.

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§ KW

Moskaus Gaai geht auf.

Oie Kommunisten holen überall zum Schlag gegen

VonderVetteidigungzumAngriff

Dimitroffs Kampfparole für den Kommunistenkongretz.

Moskau, 6. Aug. (DNB.) Unter der formellen Kennzeichnung alsAussprache über den Bericht des Genossen D i m i t r o f f" wurden am Montag auf dem Komintern-Kongreß die Losungen durchberaten, die der ehemalige Angeklagte im Reichstags - Brandstifterprozeh seinen Gesinnungs­genossen zur schnelleren Herbeiführung der Weltrevolution ausgegeben hat. Dimi- troff hatte als vordringliche Aufgabe für die aus­ländischen Sektionen der Komintern denHeber» gang von der Verteidigung zum A n - g r i ff" bezeichnet. Dies sollte auf politischem Ge­biet durch die Gewinnung der Werktätigen und ihrer ständigen Bereitschaft zuentscheidenden Handlungen", auf gewerkschaftlichem Gebiet aber durch die Organisierung politischer und wirtschaft­licher Streiks erreicht werden. Eben zu diesem Zweck so schlägt dieser Theoretiker des Aufruhrs vor sollten mit allen, die sich dazu gewinnen ließen, Pakte überdieEinheitdes Han­delns" abgeschlossen werden und zwar sowohl im nationalen wie im internationalen Maßstab.

Diese Thesen Dimitroffs der gegenwärtig das Vertrauen Stalins in besonderem Maße genießt wurden am Montag vom Standpunkt der einzelnen Sekttonsvertreter behandelt. Eine afrikanische Kommunistin bezeichnete die Kolonial­frage als ein besonders geeignetes O b - j e k t im Kampf gegen dieimperialistischen Mächte und für die Revolutionierung der Massen". Dimi­troffs Hinweis, daß die Komintern sich mit den Massen der kolonialen und halbkolonialen Völker verbinden müsse, um den herrschenden Mächten auch hier Schwierigkeiten zu bereiten, werde i n den Kolonien begrüßt werden. Von Inter­esse war die Erklärung, daß der Einfluß der fa­schistischen Ideen sich auch in den Kolonien zunehmend bemerkbar mache.

Ein Vertreter der Kommunistischen Partei Eng­land s teilte mit Bedauern mit, daß für die eng­lischen Kommunisten keine großen Hosfnun- §e n auf ein Zusammengehen mit den Wortführern er 2. Internationale, den Arbetterparteilern, vor- Händen seien. Diese seien leiderunfähig, große revolutionäre Unternehmungen zu organisieren". Dagegen glaube er versichern zu können, der Be­richt Dimitroffs werde auch in England zu einer Einheit des Handelns" in dem Sinn führen, daß er eine wesentliche Stärkung des Einflusses der Kommunisten ergebe.

Als besonders radikal entpuppte sich ein Vertreter der französischen Kommunistischen Partei, der die besonderen Verdienste seiner Partei um die Herstellungder Einheitsfront in Frank­reich rühmte und sich schon für die nächste Etappe der Revolutionierung der Welt für dieinternatio­nale Einheit des Handelns", d. h. für den zwischen­staatlichen Zusammenschluß der revolutionären Ge- werkschasten einzusetzen versprach.

Ein holländischer Kommunist trat in dieser Gesellschaft der siegessicheren Revolutionäre als schwarzes Schaf auf und gab zu, daß bte hol­ländischen Kommunisten bisher nicht mit großen Erfolgen aufzuwarten hatten. Schuld daran seien einmal die Sozialdemo­kraten, die den holländischen Arbeitermassen das Mißtrauen gegen die Kommunisten eingeimpft hüt- ten, aber auch der vordringende Faschis­mus in Holland. Er vermochte schließlich die Lage für sich nur noch durch die demagogische Be­hauptung zu retten, daß der Kampf gegen Den hol- ländischen Faschismus gleichbedeutend mit Dem Kampf um Die Unabhängigkeit Hollands sei.

In der Nachmittagssitzung wurde eine Gedenkrede für Engels gehalten, worauf der Kongreß sich von einer Äbordnung der in Moskau tagenden F a l l - fchirmpiloten sowie der Sportler feiern netz. Demonstration gegen Mffolini.

Marxistische Kundgebungen im Neuyorker Negerviertel.

Neuyork, 5. Aug. (DNB.) Zu den rnarxisti» schen Kundgebungen im Neuyorker Negerviertel wird noch ergänzend gemeldet:

Unter Beteiligung von Abordnungen der Kirchen­gemeinden, der Gewerkschaften, von Kommunisten und Marxisten veranstalteten etwa 20 000 Weihe und Neger, Männer, Frauen und Kinder im Negerviertel Hartem eine Protestkund­gebung gegen ben Krieg im allgemeinen und gegen Italiens Vorgehen gegen Aethiopien. Zwei Umzüge mit vielen Plaka­ten durchzogen die Sttaßen. Die Teilnehmer riefen: Nieder mit Mussolini!"Tod dem Faschismus!", ,Wir sind gegen den Krieg!". Ein Plakat besagte: "Millionen Erwerbslose verlangen Brot, nicht Ku­geln!" Ein weiteres:Befreit Thälmann!" Ein an­derer Umzug erfolgte durch das Italiener- Viertel Harlems. Nach etwa zweistündigen Umzügen fand eine Massenversammlung auf einem öffentlichen Platz statt. Die Versammlung nahm eine Entschließung an in der fte gegen basVorgehen Mussolinis-Hitlers protestierte. Wie verlautet, haben sich unter Der demonstrierenden Menge auch Angehörige der Neuyorker Polizei befunden.

Schwere Ausschreitungen auf der Brüsseler Weltausstellung

Etwa 50 junge Kommunisten, die die 21. Wieder­kehr des Tages der Kriegserklärung auf ihre Art feiern wollten, improvisierten am Sonntagnachmit­tag vor dem italienischen Pavillon auf der Weltausstellung eine Kundgebung. Ein kommunistischer Abgeordneter hielt eine An­sprache, in der er Angriffe gegen Musso­lini, Hitler und Japan richtete. Die Teil­nehmer an der Kundgebung versuchten, in den ita-

Paris, 5. Aug. (DNB.) Im Marinearsenal von B r e st kam es zu einer Kundgebung der Arbeiter gegen die Erlasse, die auch für sie eine Herab­setzung der Löhne nach sich ziehen. Die Ar­beiter verliehen die Werkstätten, begaben sich vor die hn Bau befindlichen KreuzerDünkirchen", Lorraine" undI e a n n e d' A r c" und über­redeten dort die Arbeiter, die Schiffe zu ver­las f en und gemeinsam mit ihnen einen De­monstrationszug abzuhalten. Arbeiter an­derer Werkstätten schlossen sich ihnen an, und mit der roten Fahne an der Spitze zogen die Arbeiter an den Kai. Die Polizei, die an den Aus­gängen de« Arsenals postiert ist, und das Militär, das zur Ueberwachung der in Bau und in Repa­ratur befindlichen Marineeinheiten im Arsenal vor­handen ist, wurden sofort verstärkt, um bei etwaigen Zwischenfällen eingreifen zu können.

während die Kundgebungen im Brester Marine- arsenal ohne ernste Zwischenfälle blieben, arteten ähnliche Kundgebungen in Toulon zu einer wahren S t r a ß e n s ch l a ch t aus. Die Arbeiter des dortigen Arsenals zogen in geschlossenem Zuge vor die Arbeiterbörse. Eine Gruppe der Demon­stranten brach in das Gebäude ein, bemächtigte sich einer roten Fahne, hinter der sich dann die an­deren Kundgeber gruppierten. Die Demonstration nahm bald den Charakter einer Meuterei an. In dem Marinearsenal war unter den Arbeitern die Losung ausgegeben worden:Rach der Lohn­zahlung Protest auf der Straße!" Man lieh durch­blicken, dah die Polizei von Toulon auf feiten der Demonstranten sei. 3n der Tat wird auch in den Meldungen aus Toulon hervor­gehoben, daß die Kundgeber drei Stunden lang die Straße terrorisieren konn­ten, ohne daß die Polizei eingeschrit- ten fei. Zu den 2000 Arbeitern gesellte sich der Pöbel, der in fünf Kaffeehäusern, in zwei Licht­spieltheatern und in dem Büro einer Versicherungs­gesellschaft Verwüstungen anrichtete und

die Siaaisauioriiäi aus.

lienischen Pavillon einzudringen. Im Vorraum kam es zwischen ihnen und dem italienischen Aufsichts­personal zu einer Schlägerei, als ein Kommunist ein Bild Mussolinis von der Wand her ab ritz und es zu vernichten suchte. Polizei machte der Schlägerei und der Kundgebung ein Ende. Einer der italienischen Aufsichtsbeamten wurde im Gesicht leicht verletzt. Der kommunistische Abgeordnete wurde vorübergehend festgenommen, aber nach Feststellung seiner Personalien wieder freigelassen. Die Ueberwachung des italienischen Pa­villons ist seitdem verstärkt worden.

vor allem die Offiziere auf den Terrassen der Kaffeehäuser belästigte. Viele Offiziere wurden durch Steinwürfe verletzt. Vor der Ma­rinepräfektur wurden Hochrufe auf Sowjet­rußland ausgebracht. Schließlich forderten die Marinebehörden das Eingreifen der Gen­darmerie. 60 Gendarmen gelang es dann, die Kundgeber auseinanderzutreiben. Dabei wurden sechsBeamteverleht. Der angerichtete Sach­schaden wird auf 500 000 Franken geschäht. In den Meldungen aus Toulon wird unterstrichen, dah trotz der Schwere der Unruhen nicht eine Verhaf­tung erfolgt sei.

Französischer Lehrerkongreß im Zeichen der Internationale.

Paris, 5. Aug. (DNB.) Der Kongreß Der fran» zössichen Lehrergewerkschaft in Paris steht offen­sichtlich im Zeichen der Internationale. Bei jeder Gelegenheit stimmen die Teilnehmer die kommu­nistische Hymne an. Die Montagssitzung sollte be­sonders feierlich gestaltet werden durch eine Be­grüßung der ausländischen Vertreter, unter denen sich auch eindeutscher" Vertreter be­fand. Sem Name ist, wie derTemps" mitteilt, ,aus Sicherheitsgründen" verheimlicht worden. Die­serwürdige" Vertreter, der sein Heil in der Flucht gesucht hat, behauptete, daß die deutsche Schule gegenwärtig die Generation auf den Krieg gegen das französische Volk vorbereite. Die Arbeiterklasse und die republikanischen Kreise in Deutschland wür­den aber den Kampf nicht aufgeben.

Der Generalsekretär des Sozialistischen Gewerk­schaftsverbandes I o u h a u x unterzog die Defla­tionspolitik Lavals schärfster Kritik und stellte in Aussicht, daß die Gewerkschaft vor der Verkündung des G e n e r a l st r e i k s nicht zurückschrecken würde, um ihre Forderungen durchzusetzen. Die den Vorsitz führende Lehrerin erwiderte, das seien Worte, die der Lehrerkongreß zu vernehmen erwartet habe. Hierauf wurde ein Grammophon angekurbelt, das die Internationale spielte, in die die Ver­sammlung stehend einstimmte.

Der kommunistische Angriff auf diedremen

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Ein Bild von Den kommunistischen Demonstrationen im----... .

Bremen". Amerikanische Polizei sucht Die Kommunisten vom Pier abzuDrangen. (Scherl-M.)

Meuterei in französischen Marinearsenalen.

Kommunistische Demonstrationen in Brest und Toulon.Hochrufe auf Moskau. Die Polizei überläßt den Kommunisten die Straße.

Klarer Kurs.

Die großen ReDen, Die von Reichsminister Dr. Frick und Dr. Goebbels auf dem Gautage der NSDAP, in Essen gehalten worden sind, haben der inneren Politik des Reiches ihre feste und klare Rich­tung zugewiesen. Das war deshalb notwendig, weil die Wühlarbeit dunkler Elemente im Jnlande und die gehässige Spitzfindigkeit der Auslandspresse ge» lissentlich den Eindruck verbreiten wollten, als be- ände sich der deutsche Staat in einer Art innerer Krise, der er nicht Herr zu werden vermöge. Reichs­minister Dr. Frick hat mit aller Offenheit die Punkte herausgegriffen, um die sich die Mutmaßungen, Ge­rüchte und Spekulationen politischer Wettermacher zu knüpfen suchen. Er erörterte die Stellung zum Stahlhelm, zur Juden frage und zu den Freimaurerlogen. Zu jedem dieser Kapitel gab der Reichsinnenminister die überzeugende Ver- icherung, daß sich der nationalsozialistische Staat, Der bisher der größten Schwierigkeiten Herr ge­worden ist, durch nichts abhalten lassen würde, jene Klarheit zu schaffen, die dem Gedanken der Tota­lität innewohnt. Mit besonderem Nachdruck wandte er sich den offiziellen Ausführungen desOsser- oatore Romano" zu, des amtlichen Blattes des Vatikans, das er für nötig befunden hat, die beut» che Gesetzgebung zur Verhütung erbkranken Nach­wuchses zu kritisieren und in ihr einen Gegensatz zum göttlichen Recht zu erblicken. Dr. Frick gab daraus Die ireffenDe Antwort, daß Die Gesunderhal­tung eines Volkes niemals dem göttlichen Rechte widerstreiten kann, und er fügte mit ebenso klarer Bestimmtheit hinzu, daß der Staat nicht daran denkt, einen Kulturkampf zu entfalten, an dem allenfalls einige im Dunkeln tätige Kreise ein Inter­esse haben mögen.

Gerade in Westfalen, Dort, wo das Zentrum einmal seine stärksten Bastionen besessen hat, ist man nicht einmal davor zurückgeschreckt, mit ge­fälschten Flugblättern zu arbeiten, Altäre in Brand zu setzen und Heiligenbilder zu besudeln, um durch Derart heimtückische Handlungen die nationalsoziali­stische Bewegung in Den Verdacht Der Kirchen- schänDung zu bringen. Dieses hinterhältige System zur Unterminierung des Vertrauens der katholi­schen Bevölkerung zu Partei und Staat ist verächt­lich und niederträchtig, es zeigt die Gefährlichkeit dieses Treibens. Reichsminister Dr. Goebbels hat solchem Tun ein bestimmtesHalt!" entgegen» gerufen. Der Staat und die Bewegung haben lange Zeit Die Hoffnung gehabt, daß sich Die Quertreiber der Aussichtslosigkeit und der Verantwortlichkeit ihrer Propaganda bewußt werden und endlich da­von ablassen. Das deutsche Volk hat durch das Schicksal, der konfessionellen Spaltung in seiner nationalen Entwicklung derartige Nachteile gehabt, daß es aus innerer Ueberzeugung dem großen Ziele zustimmen kann, jegliche Vermischung von Politik und Religion zu vermeiden. Daß die kirch­lichen Interessen und die religiösen Bedürfnisse unseres Volkes durch den heutigen Staat jede Unterstützung und Förderung finden, ist hundert­fach bewiesen worden. Sein erfolgreicher Kampf gegen Die kommunistische Gottlosenbewegung ist Der stärkste Beweis dieses Wollens. Wenn in Westfalen ober in anberen Gegenben Deutschland bfe Dunkel­männer auf ihr Treiben trotzbem nicht verzichten wollen, so wissen sie jetzt nach ben Ministerreben, baß sie gegebenenfalls bie Folgen zu tragen haben werben. Sie werden hoffentlich noch in letz­ter Stunde daraus bie Lehre ziehen, baß es zweck- los ist, sich Der nationalen Einigkeit ber Deutschen noch länger in ben Weg zu stellen.

Es galt, nach einem Fichtewort, auszusprechen, was ist. Unb Reichsminister Dr. Goebbels hat in Essen unzweibeutig erklärt:Partei, Armee unb Staat bilden einen harten, festen Granitblock, unb man kann sich an diesem Granitblock höchstens die Zähne ausbeißen." Diese gegebene Tatsache, das Staatswerden eines Volkes aus tiefster Zerrissenheit unb schmachvollem Parteienhaber unter Führung ber Nationalsoziali­stischen Deutschen Arbeiterpartei ist ein schlechthin Neues. Unb Dieser Totalität Des Volks- unD Staatswillens gegenüber find alle anberen Mei­nungen ein Rückfall in jene Zeiten bes Parteiis- mus, Den Staat unD Volk mit aller Energie aus» brennen werden. Denn die Bewegung steht, Staat unb Volk finb wir, schlechthin. Wer sich bagegen wendet, muß als Staatsfeind betrachtet und be» handelt werden, ob auch bie Welt barüber ihr ver­logenes Klagelied anstimmt. Denn sie hat a m wenigsten Anlaß, über Deutschlanb Greuel- märchen zu verbreiten, ba es überall hell lodert von ben Scheiterhaufen, bie ber Kommunismus gegen Die Staatsautorität anzünbet. Die wüsten Ausschreitungen kommunistischen Pöbels auf der Brüsseler Weltausstellung unb im Neuyorker Ne­gerviertel Hartem, Die sich in befonberem Maße gegen Italien richteten, Die Meuterei in Den fran­zösischen Marinearsenalen, bie Streikbrohungen auf französischen Lehrerversammlungen, sie alle stehen unter bem gleichen Zeichen ber aufgefjenben Saat Moskaus. Aber Die Weltpresse weiß hierüber so wenig zu berichten, wie von Dem verzehrenDen Feuer konfessioneller Kämpfe, Die in Ir» lanD unD SchottlanD HunDerte von Opfern forber- ten. Wenn schließlich bas alles in Deutschland nicht herrscht, wenn bie öffentliche Ruhe und Orb» nung gegen alle biefe zersetzenben Gewalten mit fester Hanb aufrechterhalten wirb, bann ermißt bat deutsche Volk, wie sehr es auf einer Insel des Friedens inmitten einer sich in Gärung befindlichen Welt lebt.

Was in Deutschland in den letzten Wochen oor* ging unb nötig wurde, war keineStaatskrise*, {teilte Dr. Goebbels fest, sondern eineRei­nigungskur", der sich Deutschland wie jeder Körper von Zeit zu Zeit unterziehen muß, wenn