Warm verkennst du mich, Varbam?
jRomon von Liane Sanden.
Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (<5.)
28 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
32. Kapitel.
Eckehard von Mackenroth fuhr mit seinem kleinen Wagen durch die Kreisstadt Schedlowitz entgegen. An dem Eisenbahngleis, das er gerade am Bahnhof überqueren mußte, war die Schranke heruntergelassen. Der D-Zug von Prag her kam um diese Stunde durch. Hinterher rangierten ein paar Güterzüge, so daß ein längerer Aufenthalt entstand. Er mußte warten. .
Plötzlich brauste hinter ihm her em Motorrad heran. Der Scheinwerfer seines Wagens beleuchtete grell den Mann auf dem Rade neben sich.
„Hallo, Herr von Mackenroth!" sagte er erfreut. „Das ist ja ein glücklicher Zufall!"
Es war der Ootteriekollekteur der Kreisstadt.
Aufgeregt fuhr der Mann fort:
„Herr von Mackenroth, ich bin gerade auf dem Wege zu Ihnen. Halten Sie sich fest, daß Sie nicht umfallen. Sie haben das Große Los gewonnen!"
„Was habe ich?" .. v .
Eckehard fühlte, wie das Blut ihm siedend zum Herzen schoß. Er beugte sich vor, starrte den Mann auf dem Motorrad an. War der wahnsinnig geworden? , , ,
„Ja, ja, Herr von Mackenroth, glauben Sie es nur. Das Große Los! Ich habe keine Ruhe gehabt. Ich dachte, fährst du heute noch heraus, es dem Herrn von Mackenroth zu sagen? Das Geld können Sie morgen früh von acht Uhr an in meinem Büro in Empfang nehmen. Funf- hunderttaufend Kronen, Herr von Mackenroth! — Aber Sie sagen ja gar nichts!"
Eckehard von Mackenroth drückte die Hand des Lstteriekollekteurs mit einem geradezu wilden Druck. Er konnte nichts sagen. Er war wie betäubt. Fünfhunderttausend Kronen — damit war die Schuld, die er vom Vater übernommen hatte, vollkommen gedeckt und ihm blieb noch ein stattlicher Rest. Er fühlte, wje es ihm heiß und würgend in der Kehle aufstieg. Beinah hatte er anqefangen zu weinen wie ein Kind. Der andere schwieg. Er schien die tiefe Erschütterung Macken- roths zu spüren. Der sagte endlich in das Schweigen hinein: , ... .. .
„Ich danke Ihnen, Herr Xavener, für diese Nachricht, Sie wissen gar nicht, was Sie mir da-
selnem Wagen. Emil mit fernen langen Jungen« deinen holte den langsamer gehenden Oberinspektor Rockesch ein. Im Vorbeilaufen stieß er an den Pfeiler des Tores. Eckehards Brief fiel herunter, gerade vor die Füße Rockeschs.
Emil wollte sich bücken. Aber Rockesch war ebenso rasch. Schnell hatte er den Brief aufgehoben, warf einen Blick darauf.
„Soll ich zur Post bringen!" sagte Emil etwas ängstlich, denn er wußte nicht, ob Oberinspektor Rockesch ihm eine halbe Stunde Freizeit für den Weg zur Post geben würde.
Aber Oberinspektor Rockesch sagte nur kurz:
„Ist gut!"
Auf Schloß Schedlowitz waren die Zimmer der oberen Etage noch verdunkelt. Unten hantierten schon die Leute. Rockesch ging durch die Halle, die in der Morgensonne lag. Dort traf er auf den Diener Franz.
„Hören Sie, Franz, ich möchte ein Gespräch mit der Stadt haben. Aber ich möchte es von hier aus führen. Drüben braucht man es nicht zu hören. Es ist eine sehr wichtige geschäftliche Sache."
Bald faß er am Telephon, nachdem er sich über- zeugt hatte, daß die Tür gut verschloßen war. Cr verlangte eine Nummer in der Stadt und sprach ein paar hastige Worte, Dann ging er befriedigt ab und ging wieder hinaus.
Eckehrd hatte seine Besprechung mit dem Vieh- Händler erledigt. Nun ritt er hinaus auf die Fel- der. Er wollte sehen, wie weit die Leute auf der Karpener Wiese mit den Drainagearbeiten vor- wärtsgekommen waren. Er selbst fühlte eine Arbeitskraft und eine Arbeitslust in sich, wie schon lange nicht. Die furchtbare Sorge war ja von ihm genommen. Das Geld machte ihn frei; frei auch in seiner Liebe zu Barbara. Wenn sein Vermögen auch nicht im entferntesten sich mit dem Barbaras messen konnte — er stand doch nicht mit ganz leeren Händen vor ihr. Er durfte es wagen, um sie zu werben.
Noch nie war ihm ein Morgen so schön erschienen wie der heutige. Blau und strahlend breitete sich der Himmel über das Land. Die Wälder waren voll belaubt. Die Berge waren wie eine duftige blaue Kette hinter den weichen Hügeln. Das Pferd unter ihm tänzelte in der Morgenfrische, als fühlte es mit ihm die Freude, das Glück. Wie schön war es, jung zu sein! Wie schön war es, wieder hoffen zu dürfen! Und wie schön war es, mit einem Herzen von Liebe an einen anderen geliebten Menschen denken zu dürfen! Heute nach Feierabend würde er Barbara sehen. Nun glaubte er, daß auch ihm das Glück wieder einmal beschie- den sein würde.
(Fortsetzung folgt!)
„Lieber Herr Xavener!" sagte von Mackenroth. „Tun Sie mir den Gefallen. Bewahren Sie über den Geldgewinn noch Schweigen. Ich habe meine Gründe dafür. Seien Sie so gut, heben Sie mir alles auf bis auf fünfzigtausend Kronen, die ich rnitnehrnen möchte."
Tavener versprach Eckehard alles. Und Eckehard verabschiedete sich herzlich.
Eckehard ließ das Auto in schärfstem Tempo gehen. Er wollte so schnell wie möglich wieder an der Arbeit sein. Zuvor aber wollte er noch einen Brief an den Gläubiger schreiben, der ihn wegen Rückzahlung der fünfzigtausend Kronen gemahnt hatte. Gleich heute mittag wollte er Emil mit dem Brief und dem Geld zur Post schicken. Dann wollte er Barbara aufsuchen. Er wußte, sie durfte heute schon ein wenig in den Park heruntergehen. Sein Herz war voll Jubel und Dankbarkeit, wie er sich die glückliche Wendung seines Schicksals vor Augen führte.
Als er in den Gutshof einfuhr, wunderte er sich, daß Oberinspektor Rockesch mit eiligen Schritten aus der Rentmeisterei des Gutes herauskam und mit flüchtigem Gruß an ihm vorübereilte. Aber er kümmerte sich nicht darum. Was ging ihn die schlechte Laune des Oberinspektors an? Er war ja nicht mehr gezwungen, hierzubleiben. Er blieb nur noch, wenn Barbara wollte.
Auf dem Gutshof war irgendeine eigentümliche Unruhe. Die Leute standen, statt zu arbeiten, in Gruppen zusammen. Aus den Ställen schauten die Mägde und die Knechte. Eine eigentümliche Erregung lag über dem Ganzen. Aber Eckehard, wie abgetrennt von aller Wirklichkeit durch sein Glück, sah und hörte nichts. Er eilte in sein Zimmer hinauf, schrieb den Brief an den Gläubiger, legte die fünfzigtausend Kronen hinein, versiegelte ihn und eilte hinunter.
Gerade kam Emil hinten von der Pferdekoppel her.
Eckehard rief ihn an:
„Emil, sei Punkt acht Uhr mit diesem Einschreibebrief auf dem Postamt. Gib den Brief ab und lege mir den Zettel in mein Zimmer. Ich bin dann schon unterwegs."
„Wird alles gut besorgt, Herr!" sagte Emil. „Und wie ist es denn", fügte er leiser hinzu, „mit dem Kerl, der uns das Vieh vergiftet hat? Wollen wir uns da nicht bald einmal auf die Suche begeben?" , .
„Du hast recht, Junge! Komm heute nach Feierabend zu mir herauf in mein Zimmer. Da können wir unseren Kriegsplan schmieden. Und nun lauf los, damit der Brief zur Post kommt."
Emil eilte davon, während Eckehard auf den Viehhändler wartete. Der stieg eben schwitzend von
mit bringen. Herrgott, das wird fa ein ganz neues Leben. Damit kann ich ja ganz neu anfangen. Ich komme morgen ganz früh zu Ihnen. Geht es nicht schon zeitiger als acht Uhr? Ich muß ja um acht Uhr längst auf den Feldern fein.
„Natürlich, Herr von Mackenroth! Ich bin jederzeit für Sie zu sprechen. Meinetwegen schon um sechs Uhr!"
Eckehard lachte glücklich:
„Sechs Uhr — das ist mir gerade richtig. Also aus Wiedersehen, Herr Xavener!"
„Nein, wie schön das ist, daß ich Sie noch erwischt habe. Erstens kann man einem Menschen nicht zeitig genug eine freudige Nachricht bringen, und dann freue ich mich ja auch, daß ich beizeiten jetzt noch nach Hause komme."
Er grüßte freundlich, wendete das Motorrad, dessen Knattern sich bald in der Dunkelheit verlor. Gerade ging auch die Schranke vor dem Bahngleis auf. Der letzte der Güterzüge fuhr davon.
„Freie Fahrt!" sagte Eckehard halblaut zu sich selber. Es war wie ein Symbol. „Freie Fahrt auch ins neue Leben."
Als er nach halbstündiger Fahrt bei Schloß Schedlowitz vorbeikam, waren alle Fenster dunkel. Sehnsüchtig und zärtlich schaute er zu Barbaras Fenster hinauf, an dem sich die weißen Vorhänge leise im Nachtwind bewegten.
Schlaf nur!, dachte er bei sich. Schlaf so gut, u)ie meine Liebe es dir wünscht. Nun bin ich ein anderer Mensch. Nun kann ich dir eher gleich zu gleich gegenüberstehen. Nun werde ich dich fragen dürfen, ob das, was ich in deinen Augen gelesen habe, Täuschung gewesen war ober Wahrheit, beseligende Wahrheit.
Eckehard stellte seinen Wecker auf fünf Uhr. Er hatte morgen erst um sieben Uhr eine Besprechung wegen eines größeren Viehverkaufs mit dem Viehhändler aus einer nahe gelegenen Ortschaft. Da konnte er früh schnell einmal zu dem Lvtterie- kollekteur hineinflitzen. Er schlief tief und traumlos und erwachte mit einem Ruck, als der Wecker raffelte.
Schnell war er angezogen. Auf dem Hofe war noch alles still. Die Leute hatten gestern alle lange gearbeitet und hatten eine Freistunde frühmorgens bekommen. Schnell zog er den Wagen aus der Garage und fuhr davon. Pünktlich um sechs Uhr wär er vor dem Hause des Lotteriekollekteurs. Der erwartete ihn schon.
Eckehard wollte sich entschuldigen, daß er ihn vor Tau und Tag aus den Federn holte. Aber Xa- vener sagte abwehrend:
„Das macht gar nichts, Herr von Mackenroth. Man wird so oft wegen trauriger Dinge im Schlaf gestört. Warum nicht einmal wegen freudiger?"
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