Donnerstag, 6. Zum 1955
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberyeffen)
Nr.130 Dritter Blatt
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Aus der Provinzialhauptstadt
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sofort beim Vormarsch acht. Und schließlich waren es zu Ende des Krieges insgesamt 19 Bundes» brüder, die ihre Treue zum Vaterland mit dem Tode besiegelten, auf daß Deutschland lebe! Eine denkwürdige Erinnerung an die Zeit des großen Krieges hat durch Einrichtung einer Sammlung der Kriegsbriefe der Bundesbrüder in regelmäßig erscheinenden Kriegsverbindungsberichten der damalige langjährige Führer des AH.-Verbandes, Professor Dr. Krausmüller (Gießen) geschaffen. Die aber, die aus dem Dölkerringen zurückkehrten, brachten das Wissen von dem großen Erleben einer Rang und Stand nicht achtenden Kameradschaft der Frontsoldaten mit, und sie begannen in den folgenden Jahren, ihre liebgewordene Gemeinschaft in der Heimat im Sinne jener Kameradschaft auszurichten. Nun hielten sie an der Zeit, die Farben dieser Kameradschaft auch offen zu tragen, und so setzte der Bund im Sommersemester 1921 Vollcouleur auf, nachdem er bereits den früheren schleppenden Nomen schon am 12. April 1919 in „Merovingia, wissenschaftliche Verbindung im DWD.", geändert hatte Herrlicher Geist atmet aus den Briefen und Berichten jener Zeit, aber besonders aus der Art, wie sie an die nationale Durchdringung ihres Bundes gingen, wie sie aber auch darüber hinaus sich der Not des Vaterlandes entgegenstemmten und an den Grenzen und im Innern um das Reich kämpften. Eine große Anzahl reihte sich bereits damals in die nationalen Be-
nicht verlegen. Und schmeicheln können sie vor Pfingsten besonders gut.
Aber auch in den Orten, an den Seen, auf den Bergen, gibt es Pfingstreifefieber! Aber das ist mehr „passives" Pfingstreifefieber. Das sind die Inhaber der Hotels, der Gasthöfe, der Pensionshäuser, die uns gerufen haben! „Pfingsten muß es bringen!" Da gibt es vor Pfingften manche Nacht, in deren Träumen die Wetterkarte wie ein Albdrücken wirkt.
Nur an einer Stelle gibt's kein Reisefieber vor Pfingsten. Da, wo man es am ehesten vermutet: bei der Reichsbahn! Ob 100 oder 200 Pfingstsonder- züge — einerlei! Das geht wie ein Räderwerk, wie am Schnürchen! Es wäre gut, wir würden Pfingsten einen Augenblick auch an diese gewissenhafte und aufopferungsvolle Arbeit unserer Volksgenossen im Dienst der Reichsbahn denken, die keine Pfingsten kennen!
Wer aber nicht verreist? O, man kann auch Pfingsten wundervoll mit der Elektrischen — verreisen. Vor den Toren der Stadt kann man ebenfalls Herr-
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Ausstellung im Marburger Universitätsmuseum. Das Museum der Universität in Marburg veranstaltet zur Zeit eine umfassende Ausstellung der Werke von Heinrich Giebel, Marburg, Hermann Metz, Wandsbek, Paul Scheffer, Kassel (gefallen im Kriege), fowie von Weißstickereien Alexandra Thielmanns in Willingshausen. Insbesondere möchte die Ausstellung einen Ueberblick geben über die Leistung Heinrich Giebels, der in kurzem 70 Jahre alt wird. Aus allen Stufen seiner Entwicklung sind bezeichnende Stücke — großenteils aus Privatbesitz — herbeigeholt. So sehen wir z. B. d.ie durch Buntdruck bekannt gewordenen Gemälde „Bauer auf dem Heimweg", „Dämmerstunde" und „Auf der Anhöhe". Als eins der hervorragendsten Werke neuerer hessischer Malerei überhaupt wird immer das Bildnis des Oberförsters Hücker gelten. In den letzten Jahren widmete sich Giebel vor allem dem romantischen Städtebild. Aus Schlitz und Büdingen werden so eine Reihe schöner Arbeiten erstmalig auf der Ausstellung in Marburg gezeigt.
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Pfarrer D. Zritsch f.
Im 77. Lebensjahre ist gestern abend
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Wir leiden wohl alle so ein bißchen an diesem Pfingstreisefieber! Aber doch eigentlich erst, seitdem uns das Reisen so leicht gemacht wird. Vor hundert Jahren wäre kein Mensch darauf gekommen, nur „über die Feiertage" zu verreisen. Damals schloß man mit dem Leben ab, bevor man sich der Post» kutsche anoertraute, die einen dann in mühevoller, beschwerlicher und oft gefährlicher Rumpelfahrt davontrug. Heute lachen wir darüber. Doch wer weiß, wie bald es an den Anschlagsäulen heitzt: „Pfingsten an die Niagarafälle!" Ja, nun lachen Sie! Aber so etwas kann schnell Ernst werden.
Aber da gibt es eine große Anzahl von Menschen, die gar nicht auf die Anschlagsäulen sehen und doch ihr Pfingstreisefieber haben. Das sind unsere Jungens und Madel! „Das wäre gelacht! Pfingsten zu Hause fein!" Pfingsten geht's auf Fahrt! Auf Schusters Rappen, mit dem Rad oder mit dem Boot! Nicht früh genug kann Mutter anfangen mit den Vorbereitungen. Denn diesen Teil der Reise überläßt man ihr allzu gern. „Weil du es am besten verstehst, Mutti!" Ja, um Ausreden sind sie das^Marionettentheater in Empfang, Anton die dreißig Pfennig für den „Admiral". Ich ging leer aus. Denn die „Hoffnung" war nicht gekommen. Es bestand auch keine Aussicht mehr, sie war sicherlich von den Ratten untergetaucht oder an einem Felsenriff angestoßen und gekentert mit allem darauf der Kommandobrücke, dem Steuerhauschen, der Kombüse. Die „Hoffnung" war untergegangen. Doch wie feit langem vermißte Schiffe plötzlich m einen Hafen laufen, so konnte auch die „Hoffnung nach vielerlei Gefahren vielleicht eines Tages ans Licht kommen, aus der Unterwelt. Ich ging noch oft zur Höhle hinaus, allein, um Ausschau nach „Hoffnung" zu halten. „Hoffnung" kam »nicht. Und Anton meinte später einmal, als wir auf sie zu sprechen kamen:
Sie war nicht ordentlich gebaut, zu schwer, zu viel Klimbim darauf, das ist nicht gut! "
Und damit war die Sache mit der „Hoffnung endgültig für ihn erledigt.
Ich aber konnte nie an der Höhle vorbeigehen, auch später nicht nach Jahren der Abwesenheit von der Heimat, ohne nicht stehenzubleiben und in das Dunkel zu schauen, ob nicht „Hoffnung doch noch zurückkäme von der Fahrt ins Unbekannte.
liche Pfingsten verbringen. Genau so herrliche und schöne wie mein Bekannter mit den vielen Reiseprospekten, der Pfingsten immer auf feinen —Balbi. D.
Zeitschriften.
— Die Junifolge von West er man ns Monatsheften beginnt mit dem Bericht einer Jn- bienreife von Dr. Alfred Nawrath; elf hervorragend in Tiefdruck wiedergegebene Aufnahmen sind bei- aefügt. Ministerialrat Dr. Joachim Haupt, Inspekteur der Nationalpolitischen Erziehungsanstalten, zeigt den „Wandel des Bildungszieles", den zwangsläufig der Sieg der neuen deutschen Weltanschauung mit sich brachte. Die Entstehung d^ größten Polizeizentrale der Welt und die Geschichte des Mordes von Ratcliffe Highway, der ein mittelbarer Anlaß zur Gründung von Scotland Yard war, schildert Lothar Philipp- Einen Beitrag über die fünfzigjährige Frau, die in diesem Alter den entscheidenden Schritt tut von der jugendlichen Forderung an bas eigne Leben zu der stilleren, opferbereiten Mithilfe an der ßebensgeftaltung der jungen Generation, schaffte Christa Niesel-Lessenthin „Kowski — eine Geschichte aus dem Felde", nennt Sanber eine Erzählung aus dem Kriege. ^Blaf3hd3 ber Kieler Woche oerbient ber Beitrag „Gäbe Wirch, ahoi , befonbere Beachtung. Sieben Bühnenbichter antworten auf eine Runbfrage über unsere neue deutsche Dramatik. Viele Kunstblätter unb Silber vervollstänbigen ben Reichtum bes schonen Heftes.
wegungen ein.
Die Gegensätze zu bem „Arnstäbter Verbanb , ber in ber Korporationsfrage noch immer auf seinem schon in ber Zeit um bie Jahrhunbertwenbe vom Bunbe bekämpften Stanbpunkt stehen geblieben war, brängten auch hier auf Entscheibung. Als bie Anträge bes Bunbes auf ber Tagung btefes Derbanbes an Pfingsten 1921 auf Satisfaktionspflicht aller bem Verbanbe angehörenben Mitglieder abgelehnt wurden, erklärte „Merovingia" ihren Austritt. Und als es nun galt, sich einem anderen Verbände anzuschließen, der den Grundsätzen der Korporation nahesteht und verspricht, ihre seit Jahrzehnten erhaltene geachtete Stellung in Hochschule und Oessentlichkeit weiterhin auszubauen, befand man sich bereits auf dem Wege zur „Deutschen Landsmannschaft", die sich damals noch „Coburger Landsmannschaftsconvent" (LC.) nannte Die Waffenfrage war kein Problem für den Bund, ber schon seit seinem Bestehen, allerbings bis bahin immer auf bie Waffen anberer Gießener Korporationen, Säbel unb freiwillige Schlägermensuren gefochten hatte. Auf bem Pfingstkongreß 1922 würbe bie Korporation, bie sich seit Sommersemester 1921 „Freie Lanbsmannschast Merovingia" nannte vorläufig, im folgenben Jahre (1923) enbgültig m bie Deutsche Lanbsmannschaft ausgenommen.
War mit bieser Ausnahme ber äußere Schlußstein unter eine seit bem Bestehen bes Bunbes folgerichtig betriebene Entwicklung gesetzt, so übten bie Geschicke bes Vaterlanbes auch nach bem Kriege starken Einfluß auf bas innere Bunbesleben aus. Schon bie ersten Nachkriegsjahre erforberten umfangreiche soziale Hilfsmaßnahmen zur Unterstützung namentlich ber jüngeren Bunbesbruber. Am einschneibenbsten aber wirkten sich bie politischen Verhältnisse, wie auf alle beutschen Korporationen, auch auf „Merovingia" aus. War ber nationale Gebaute burch äußere Betonung der nationalen Erziehung des jungen Bundesbruders schon vor, in und nach dem Kriege immer starker
Oer Dichter und der Hund.
Der Dichter Adalbert Stifter war ein großer Freund der Tiere und vertrat mit Leidenschaft die Behauptung ihrer Vernunftbegabung. Einem Maker, der einst zu Besuch bei ihm weilte, verkündete er stolz, daß sein Lieblingshund Liby jedes an ihn gerichtete Wort verstände, und zwar genüge es, einen Wunsch nur so obenhin zu äußern. Der Dichter wollte das seinem Gast gleich beweisen und tat so, als ob er ganz in eine Auseinandersetzung vertieft wäre; dazwischen rief er, ohne aufzublicken: „Lidy, geh in den Papierkorb!" Zu Stifters Triumph begab sich ber folgsame Hund sofort an die ihm befohlene Stelle. Nach einer halben Stunde ließ es sich nun ber Maler, ber ein großer Skeptiker war, einfallen zu sagen: „Liby, geh nicht in den Papierkorb!" Lidy ging aber in den Papierkorb.
Hochsckulnachrichten
Geheimrat Professor Dr. Leopold Wenger, Ordinarius für römisches Recht, deutsches bürgerliches Recht und Rechtsgeschichte an der Universität München, hat einen Ruf an die Universität Wien angenommen. Geheimrat Wenger, der feit mehreren Jahren Präsident der Bayerischen Ate. demie der Wissenschaften ist, gilt als hervorragend Autorität auf dem Gebiete des antiken Rechts.
Reisefieber vor Pfingsten.
Pfingsten steht vor der Tür. Wer es noch nicht wissen sollte, braucht nur einen Blick auf die Anschlagsäulen zu werfen. In allen Städten groß und klein, ja oft auch auf dem Dorfe stehen die Anschlagsäulen und locken uns mit ihren bunten, fröhlichen Plakaten in bie Ferne. „Pfingsten in Neapel!", „Pfingsten in Kopenhagen!", „Pfingsten am Rhein!" ober „Pfingsten in bie Nieberbumsborfer Schweiz!" Man hat wahrhaftig genug Auswahl. Soviele Pfingftsefte erlebt ber Normalmensch gar nicht, wie es Orte unb Seen unb Täler unb Berge gibt, bie uns zu Pfingsten rufen.
Ich hatte einen Bekannten, ber ganz befonbers stark vom Pfingstreisefieber geplagt war. Stundenlang stand er zu dieser Zeit vor den Schaufenstern der Reisebüros. Haufenweise schleppte er Pfingst- prospekte und Pfingstreisesührer nach Hause. Bis in die Nacht hinein studierte er in ihnen herum, wälzte er die dazugehörigen Handbücher und Kursbücher und Atlanten. Wenn man ihn unalucklicher- weife vor Pfingsten auf der Straße traf, überfiel er einen mit den tollsten Reiseplänen, setzte einem alle Schönheiten der Welt auseinander und lieh unsern Rackknopf überhaupt nicht wieder los. Am liebsten hätte er sich zu Pfingsten gevierteilt! Kam bann aber Pfingsten, bann... boch bavon nachher!
D. Fritsch, ber von 1896 ab bis zum Jahre in segensreicher Weise als Pfarrer in Ruppertsburg wirkte, in Laubach, wo er feinen Ruhe» ftanb verbrachte, nach kurzer Krankheit verstorben. Der Verewigte - hat sich nicht nur um feine Gemeinde Ruppertsburg, sondern auch um bie evangelische Kirche überhaupt burch sein umfassendes und vorbildliches Wirken große Verdienste erworben. Für den Pfarrerstand arbeitete er viele Jahre lang in fruchtbarer Weife zum Wohle der Gesamtheit; u. a. versah er in vieljährigem Wirken die Schriftleitung des „Hessischen Pfarrerblattes", durch das er immer gute Aufbauarbeit im Dienste des deutschen Volkes leistete. Ferner mar er im Deutschen Pfarrerverein lange Jahre an führender Stelle als Mitarbeiter tätig, feine Kraft stellte er auch in hingebungsvoller Weife für die Sache des Gustav Adolf-Vereins, des Evangelischen Bundes, für die evangelische Sozialarbeit, wie überhaupt für die Förderung aller gemeinnützigen Bestrebungen zur Verfügung. Sein verdienstvolles Wirken
Zu Pfingsten wird die Landsmannschaft „Merovingia" zu Gießen die Feier ihres hatbhmsd^tjährigen Bestehens festlich begehen. Zunickgehend auf den Mathematisch-Physikalischen Verein zu Gießen, welcher am l.Jum 1885 gegründet wurde, hat die Landsmannschaft sich durch die mannigfachen Wandlungen von fünf Jahrzehnten unter unbeirrter Führung und oft größten Opfern aller ihrer Mitglieder nicht nur erhalten, sondern ihre innere Festigkeit und eine geachtete äußere Stellung in folgerichtiger Entwicklung bis heute erhöhen und ausbauen können. Ohne jemals suspendiert worden zu sein, gibt die Korporation m ihrer Geschichte ein Beispiel des Opfermutes deutscher Studenten in Krieg und Frieden. So soll die^zum Stiftungsfest in Buchform erscheinende Geschichte der Landsmannschaft „Merovingia" etn mahnendes Denkmal für Kommende sein, wie der Männerbund sich bildet aus der Freundestreue, wie er sich erhalt durch die hohe Auffassung von der Ehre und wie er sich bewährt in stetiger Bereitschaft zum letzten Einsatz für Volk und Vaterland.
Von den 12 Mathematikstudierenden, welche tm Sommersemester 1885 den Math.-Phys.-Verein zu Gießen gründeten und ihm Farbe, Aufgabe und Ziel gaben, gehören noch heute die Mehrzahl dem Bund als Ehrenburschen an, allen voran fein erster Chargierter, der unermüdliche Freund und Förderer während der verflossenen hundert Semester, Professor Philipp K r a m e r zu Darmstadt. Er war es, der die Gründung angeregt hatte und der die blau-weiß-goldenen Farben in schweren Zeiten mehr als einmal hochhielt, der dem Bunde immer wieder jungen Nachwuchs zuführte, ihm in allen Zeiten mit Rat und Tat zur Seite stand, und der auch bis ins hohe Alter hinein voll berechtigten Stolzes über fein Werk das breifarbene Banb mit aller opfernben Teilnahme bes treuesten Bunbesbrubers
schöne Worte blieben, fonbern nach bestem Vermögen in bie Tat umgesetzt würben. Führer des Bundes ist heute Oberveterinärrat Dr. M o n • narb (Gießen).
So trat ber Bunb ein in bas neue, in bas Dritte Reich, in ber Ueberzeuaung, baß er nun nicht überflüssig geworben sei, fonbern das seine Aufgaben als Sachwalter der nationalsozialistischen Erziehung der jungen Studenten und auch noch der Alten Herren zur opfernden Kameradschaft und zum soldatischen Geist wahrer Persönlichkeit noch ungemein gewachsen sind. Der Bund hat darum bei dem in jüngster Zeit entbrannten und jetzt glücklich beendeten Kampf um die deutsche Korporation mit an vorderster Stelle gestanden. Führer und Gefolgsmann der Landsmannschaft „Merovingia" sind sich darin einig, daß das dreifarbene Band und die mannhafte Mensur sie in doppelte Bindung an Führer und Volk stellte, der sie damit noch mehr ihrer „Freiheiten" opferten als der, welcher sich aus mancherlei Grundfätzen studentischer Kameradschaft entzieht.
So kann die Landsmannschaft „Merovingia" bei ihrem 50jährigen Stiftungsfest mit Stolz auf ihre Vergangenheit blicken, mit ebensolcher Zuversicht aber auch auf ihre Zukunft! „Ernst in der Wissenschaft, treu in der Freundschaft", will sie nichts,
Drei Schiffe ziehen fort...
Von Joses Wernthaler.
Schiffchen ziehen lassen -- das mar ein Spiel in unserer Kindheit, das wird das Spiel der K nd- heit bleiben, ja, ich habe schon viele! Erwachsene gesehen, die am Seeufer eifrig des Schstschens harrten mit ihrem Jungen, das sie btnau5gelaf em einem Segelboot in festlicher Weife und geblähtem Segel, und ich selber ertappe mich ost, wo Wasser Ht,%abei, daß ich ein Stückchen Holz forttreiben lasse und gespannt bin, wohin es treiben wird.
Uns dreien, dem Anton, dem Hans und mir fügten sich damals Umstände zu diesem Spiel, die es uns in einer besonderen Weise interessant^machten Mußten sich andere Jungen mit einem See ober Bach ob J gar mit einer Regenlache begnugem so hatten wir einen mit ^unbwasser „erso fenen Stollen worin wir unser Schiffchen auf gut Gluck ziehen lassen konnten, sie bebeutenberen Abenteuern im Dunkel überlastend. Wir hatten> naml.ch heraus.
XJtnSÄWfÄ mochte etliche hunbert Meter m ben Berg geben. Ratten hausten barin, unb bie lügenhafte Vor- Heilung belobte bie verlassenen Felshohle mit allen Schrecknissen.
Wir brei bauten jeher ein Schiff- Anton, ber geschickte Bastler, Hans, ber gern träumte und ,ch ber sich's schwer machte unb etwas umständlich ver fuhr. Wessen Geführt bie Fahrt burch bie Uni - weit ohne Fehl bestünbe, zuerst mieber ans Licht käme das sollte den ersten Preis bekommen, ei Marionettentheater mit einem Kistchen voller Fi- guren unb einigen Textbüchern. Für den zweiten Preis legten wir dreißig Pfennige zusammen, der, dellen Schiff zuletzt kam, sollte leer ausgehen.
Anton baute ein schönes Segelboot mü kunst- gereckter Takelage und nannte es „Admiral -Urpitz - Hans machte sich keine Mühe; er schnitzte ein dünnes Brett vorne spitz zu, schlug ringsum Nägelchen em steck e einen Stab in die Mitte als eine Art Mast und spannte von dessen Spitze zu jedem der Nägelchen einen weißen Bindfaden. Das Ganze nann e er Liederlich". Ich verwendete eine Blechschal^ bie k Äiaarettenkistenholz abbeckte unb mit Korn- ! eUbäuUn unb W Uun- merte, bas Ungetüm bewimpelte ich bunt mit^ kleinen Papierbreieckchen unb nannte es „Hoffnung .
„Deutschen Derbanbes wissenschaftlicher Verbin- bungenz in ben Jahren 1909 bis 1914. Es zeigte sich hierin, baß bie Pflege ber Wissenschaften unentwegt eines ber Hochziele bes Bunbes geblieben war. Seit langem waren zu biefem Zweck Arbeitsabteilungen für bie einzelnen wissenschaftlichen Fächer in ber Korporation eingerichtet.
Als bas Vaterlanb 1914 zu ben Fahnen rief, stellte sich bie gesamte Aktivitas unb bie überaus große Mehrzahl ber Alten Herren zur Verfügung. Von ben 88 Bunbesbrübern, bie ausrückten, fielen
An einem sonnigen Junitag zogen wir zur Hohle, unterm Arm unsere Schiffe. Zur festgesetzten Zeit sollten sie vom Stapel laufen. Hans hielt eine Rebe, bann feuerten wir mit blechernem Revolver etliche Schüsse los unb gaben zugleich jeber seinem Gefährt einen Stoß, nach rechts hin, wo bas Wasser in bie Höhle strömte, kaum wahrnehmbar. „Lieberlich legte sich sofort auf bie Seite, zog aber gut an, trotz ber schlechten Haltung. „Abmiral Tirpitz segelte ruhig unb sicher, ohne Schwanken bahm. Meine , Hoffnung" schlingerte bebenklich, faßte sich aber unb hielt einigermaßen ben Kurs. So zogen bie drei Schifte in bie bunkle Höhle; bis sie alle oer» schwunben unb nicht mehr zu sehen waren, im Dunkel stauben wir unb sahen ihnen nach. Em weißes Schimmern ber Segel von „Abmiral Tirpitz war ber letzte Gruß.
Unter zwei Tagen hatte es feinen Sinn, zur Höhle hinauszugehen, wir zogen jeboch jeben Tag vor ben Stollen hin, guckten angestrengt m das Dunkel, ob nicht bald ein Schiff sichtbar wurde. Drei Tage sahen wir nichts. Am vierten glaubten wir ein Weißes zu erkennen, also die Segel des „Admiral Tirpitz". Keiner konnte es freilich mit Bestimmtheit sagen, es konnte auch eine Täuschung fein in dem Glauben, der „Admiral" mache den Ersten Wir liefen wieder heim, holten Kienho z, zündeten es an und leuchteten damit in bie Hohle. Nichts. Kein Schiff. Vielleicht waren sie alle bret unterqeqanqen ober von ben Ratten gekapert. Nichts als bas schauerliche Düster starrte uns entgegen, gespenstisch flackernb im Licht ber Kienfackel.
Nock ein Tag verging, bis wir wirklich ein Schiff sichteten. Unb bies war „Lieberlich". Hansens leichte lieberliche Schute mit ben Fabensegeln unb ber Bu geleisenform. Schief geneigt war ber Mast eine sehr schlechte Haltung hatte bas Gefährt, aber es zog aus bem Dunkel ber Höhle a s erstes.
„Admiral" kam als 3roeües Stolz ruhig, wie es abfuhr, kam es einige Stunden nach „Liederlich . Die Segel waren weiß und reinlich, alles daran m vollendeter Ordnung. ,
Ml Jubel wurde sie aus dem Master gehoben. Es schienen die Gefahren daran zu hasten mit dem Nasi, ein etwas modriger Geruch war s wirklich, vielleicht waren die Ratten, wie Seeraube^ daran vorbeige,chwommen, sie zu kentern, war Gewürm darauf über Deck gekrabbelt.
Bevor wir aber die Preise verteilten, warteten wir auf meine „Hoffnung". Jede freie Z-.t benutzten wir. um hinauszuqehen zur hohle. „Hoffnung kam nicht an den folgenden Tagen, es verging em Tag um den andern. Nach einer Wache gaben mir s auf ,u warten und verteilten die Pr°,f°. Hans nahm
gepflegt worden, so schlossen sich nun immer mehr junge und alte Bundesbrüder der aufkommenden nationalsozialistischen Bewegung Adolf Hitlers an. War fchon von je die Mitgliederfrage des Bundes nie eine Frage des Geldbeutels ober ber Visitenkarte gewesen, hatte er schon immer, aber konsequent allein auf bie Mürbigkeit unb bie Treue bes Bunbesbrubers gesehen, fo würben bie letzten Reste eines falschen Korporationsgeistes, ber sich noch aus ber Vorkriegszeit herübergerettet hatte, zum Teil schon unmittelbar nach bem Kriege beseitigt. Man war sich klar barüber, baß man Geselligkeit ebensogut ohne verschrobene Trinksitten pflegen konnte, baß aber jebe Geselligkeit hinter bie Erziehung bes ganzen Menschen zum wehrhaften Deutschen, ber seinem Vaterlanb in seinem Berufe wirkliche Leistungen bringen kann, zurücktreten muß. Diesen Grunbsätzen entsprachen alle Maßnahmen, bie ber Bund seit mehr als zehn Jahren mit eiserner Folgerichtigkeit ergriff. Sport und Wanderungen und die volks- und staatspolitische Schulung ist darum bereits Jahre vor der nationalen Erhebung zu Waffengang und geselliger Freundschaft in immer stärkerem Maße getreten. Hiervon zeugen zahlreiche Erfolge, und die Tatsache, daß seit mehr als einem Jahrzehnt der Bund aus seinen Reihen eine überaus große Anzahl , , Inhaber studentischer und politischer Ehrenämter als Deutschland dienen, besetzt hat, zeigt, daß jene Grundsätze nicht nur1 —
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^Der alte Math.-Phys.-Verein sollte in wissenschaftlicher Arbeit und geselliger Freundschaft seine Mitglieder korporativ binden. Von vornherein wurde der Grundsatz der Maturität und der unbedingten Genugtuung eingeführt. Die Farben sollten jedoch nicht getragen werden, denn man sah — für die Vorkriegszeit vielfach mit Recht — in der Couleur eine Gefahr für die echte Kameradschaft und ein Abgleiten in Nur-Aeußerlichkeiten. Da es durch bas strenge korporative Prinzip unb ben Rückgang bes Stubiums in ben mathematisch-technischen Fachern um 1890 zu . einer schweren Krise im Bestanb bes Bunbes kam, lockerte man bamals bas strenge Fachprinzip unb ließ auch Stubierenbe anberer Facher zu, sofern sie wenigstens in einem Nebenfach mathematische oder physikalische Fächer hören mußten. Um die Erweiterung seiner Mitgliedergrundlage auch äußerlich zum Ausdruck zu bringen nannte sich der Bund vom Sommersemester 1899 ab „Mathematisch - Naturwissenschaftlicher - Verein . Er wehrte in den folgenden Jahren auftretende Couleurbestrebungen ab, weil der Altherrenschaft die übliche Korporativität der studentischen Farberttor- porationen der Vorkriegszeit nicht verlockend schien und die alte bewährte Kameradschaft unter ben Bunbesbrübern auch unter bem „schwarzen Prinzip", ja bort für bie bamalige Zeit noch besser gewährleistet schien.
Daß inbessen der korporative Grundsatz an sich immer mehr in den Vordergrund trat zeigte sich in der zu Beginn des Wintersemesters 1912/13 erfolgten Umbenennung in „Mathematisch-Naturwissenschaftliche Verbindung". Eigentlich war der Bund schon seit seiner Gründung kern „Verein im üblichen Sinne gewesen, was m ben starken Gegen- fähen zu seinem bamaligen Verbände, oem „-verband mathematisch-naturwissenschaftlicher Vereine an deutschen Hochschulen", dem nachmaligen „Arn- städter Verband", in der Frage der Korporativität, die der MNV. immer wieder auf den Verbands- taqen aufrollte, zum Ausdruck. Eine besondere und führende Rolle spielte die Math.-Nat. Verbindung zu Gießen bei der Gründung und dem Ausbau_bes^


